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Entkolonisierung Vorderindiens
Geschichte- Referat: Christina Rasteiger,
8.c
ENTKOLONISIERUNG
VORDERINDIENS
- Ø
Definierung: Vorderindien / Hinterindien S
1
Ø Überblick d. Kolonialgeschichte
Vorderindiens S 1 Ø Geschichte Indiens
im Überblick ( bis 1858) S 2
- Vom Erwachen des Nationalismus bis
1947
Ø Entwicklung Indiens bis
1918 S 2 Ø Indien zwischen 1918 und
1938 S 3 Ø Indien von 1939 bis 1947 S
5
- Der indische Subkontinent seit
1947
Ø Die Folgen der Teilung S
6 Ø Indien nach 1947 S
7 Ø Indien heute S
7 Ø Pakistan nach 1947 S
8 Ø Pakistan heute S
8 Ø Bangladesch S 9
- ØLiteratur-/
Quellenangabe S 9
Vorderindien / Hinterindien:
Zu Vorderindien zählen die Länder : Indien, Pakistan,
Bangladesch; im Himalaya: Nepal, Bhutan ; im SO: Sri Lanka
Zu Hinterindien gehören die Länder: Birma, Thailand, Laos,
Kambodscha, Vietnam und (teilweise) Malaysia
Kolonialgeschichte: welches Land zu welcher Macht ?
Birma: (englisch Burma) heute: Myanmar
1824: Beginn der brit.Eroberungen 1886: als Provinz mit brit. Indien
vereinigt 1937: unter eigene Verwaltung gestellt 1948:
Unabhängigkeit, Austritt aus dem brit. Commonwealth
Pakistan: Bis 1947 Teil der brit. Kronkolonie Indien – dann in
Unabhängigkeit entlassen
( mit 2 Landesteilen: O / W Pakistan) 1971: Indien erzwingt
Unabhängigkeit O- Pakistans – die Republik Bangladesch
entsteht
Nepal: = konstitutionelle Monarchie, regiernder König ist Birendra
Bir Bikram
N. war nur durch Verträge (v. 1816 +1923) mit Britisch - Indien
verbunden (seit 1955 Mitglied der UNO)
Bhutan: Königreich an der Grenze zw. China und Indien
1865: Brit.-Indien übernimmt die Leitung der Außenpolitik
è Doppelherrschaft bis
1907: von Brit.-Indischer Regierung in erbliche Monarchie
umgewandelt
1949: Bhutan überläßt Indien (d.Verträge) wieder die
Führung seiner Außenpolitik
Geschichte Indiens im Überblick ( bis 1858)
~6.Jh.v.Chr.: Beginn der geschichtl. Zeit mit Entstehung 2 neuer
Heilsreligionen (Buddhismus+Jainismus) ~400 n.Chr.: Goldene
Zeitalter, Entstehung des Hinduismus ~12.Jh: Beginn der islamischen
Herrschaft 16Jh.:islam. Großreich ( Großmogul Akbar +
Barbur) 17-18.Jh.: Verfall d. Mogulreiches, Aufstieg der
Marathen
Kolonialgeschichte:
1498: Vasco da Gama – ersten Handelsniederlassungen
folgen Europäische Ost-Indien Gesellschaften entstehen, sie erwerben
beschränkte Territorialherrschaften
èTerritorialpolitik 1763: Friede v.
Paris (n. 7-jährigem Krieg) – Engländer erlangen die
Vorherrschaft in OI 1858: Auflösung d. OI-Kompanie u. Übertragung
ihrer Rechte auf die brit. Krone
1858-1947 britische Kronkolonie 1876 : Erhebung Indiens zum Kaiserreich
1947: Entlassung in die Unabhängigkeit, Teilung in die zwei
unabhängigen Staaten Indien (Delhi) und Pakistan (Karachi)
Vom Erwachen des Nationalismus bis zur
Unabhängigkeit :
a¸ Entwicklung Indiens bis zum Ende des 1.WK:
In der Zeit des Bestandes der brit. Kronkolonie (1858-1947) bezeichnete
“Indien” den indischen Subkontinent, politisch gegliedert in
Britisch-Indien und über 500 halbautonome Fürstenstaaten unter brit.
Oberhoheit. 1877 wurde die Kolonie zum Kaiserreich erhoben und Victoria
“Kaiserin von Indien”.
Unter dem Schirm der “Pax Britannica” kam es
während des 19.Jh. in Indien zu bedeutsamen geistigen Wandlungen. Nachdem
die Kolonialherrn 1835 beschlossen hatten die englische Sprache und Kultur zur
alleinigen Grundlage der höheren Erziehung zu machen, begannen tausende
junge Inder, bereitwillig sich westlichen Einflüssen zu öffnen,
Englisch und europäische Wissenschaften zu studieren. (Viele aber nur, um
zumindest Stellen als untergeordnete Beamte zu bekommen.) Neben dieser
Begeisterung wurde aber auch kritische Ablehnung und Besinnung auf eigene
kulturelle Werte immer stärker. In Folge kam es zu einer Neubelebung des
Hinduismus und zu Versuchen, westliche Bildung mit diesen zu vereinen. Daraus
und aus Unruhen (aufgrund der ständig steigenden Steuerbelastung,
Hungersnöten, der expansiven Grenzpolitik,..) entstand schließlich
die Bewegung des indische Nationalismus , die 1947 ihr Ziel, die
Unabhängigkeit, erreichte.
Die verschiedenen hinduistischen Reformvereinigungen, die ständig
gegen den erbitterten Widerstand der Orthodoxie ankämpfen mußten,
setzten sich, neben der Lockerung religiöser Ansichten, für eine
Sozialreform (Ausräumung der Mißstände der Hindu-Gesellschaft,
z.B: Kleinkinderehen,..) und vorallem für eine Modernisierung im
Erziehungswesen ein. Denn schon bald machten sich die Nachteile des, ohne
Abänderungen nach Indien verpflanzten, englischen Unterrichtssystems
bemerkbar. ( Lebensferne, zu wenig gut ausgebildete
Lehrkräfte,..)
Gleichzeitig begannen erste bedeutende politische Auseinandersetzungen mit
der britischen Regierung. So kam es 1885 durch die schmale englisch gebildete
Mittelschicht, unter Mitwirkung liberaler Engländer, zu Gründung des
Indian National Congress. Dieser war in seiner Frühzeit zwar
nicht antibritisch eingestellt, strebte aber bessere Bedingungen für Indien
(als Kolonie) an.. Einige seiner Forderungen waren: • verstärkte
Beteiligung von Indern an der Verwaltung und Regierung (nicht nur einer kleinen
Elite) • Modernisierung der Landwirtschaft und Senkung der Steuerlast zur
Bekämpfung des Massenelends • Mehr Geld für die Volksbildung (
damals 90 % Analphabeten) • Steigerung der Industrialisierung ( Ziel:
größtmögliche industrielle Selbstversorgung) Viele dieser
angedeuteten Schwierigkeiten mußten das freie Indien und Pakistan
später als Erbe der Kolonialzeit übernehmen. Die Schuld für die
Mißstände liegt (zu einem geringen Anteil) aber auch bei den Indern.(
durch die produktionshemmende Wirkunges des Kastenwesen, Scheu der Inder vor
Schädlingsbekämpfung,....)
Da alle Petitionen nichts fruchteten , kam es im Kongreß bald zu
einer inneren Spaltung : Die Extremisten unter ihrem Führer Tilak (
1856-1920) wollten den Freiheitswillen ihrer Landsleute wecken, sahen den Grund
für Indiens Armut in der Fremdherrschaft und strebten eine nationale
Revolution an. Für die Gemäßigten unter Gokhale (1866-1915)
war die Reform der indischen Gesellschaft das wichtigste Ziel. Sie strebten die
soziale Evolution an. 1907 wurde die Radikale Gruppe, nachdem sie auch zu
Terror gegriffen hatte, aus dem Kongreß verdrängt. Diese nun rein
gemäßigte Vereinigung erreichte1909 einige Zugeständnisse von
den Engländern ( z.B: der ind. Stimmenanteil in der Legislative wurde
verstärkt,..), welche allerdings nur ein kleiner Schritt in Richtung
Selbstregierung waren und nur gemacht wurden, um die Lage in Indien zu
beruhigen.
Die Muslims (damals ca. ¼ der Bevölkerung), hatten 1906, als
Gegengewicht zum ursprünglich überkonfessionellen Kongreß, die
Muslim-Liga gegründet, welche 1909 einen für die weitere
Entwicklung wichtigen Erfolg - gesonderte Wahllisten für Muslims
-.erzielte. Aufgrund der türkenfeindlichen britischen Haltung in den
Balkankriegen schwenkten die indischen Muslims mehr und mehr in die nationale
Front ein.
Nach anfänglicher Loyalität Indiens im 1.WK entstand 1916 ( der
Kongreß stand seit 1915 wieder unter dem Einfluß der Extremisten)
eine, von Muslims und Hindus gleichermaßen unterstütze home
rule - Bewegung, die einige ihrer Ziele in den Reformen von 1919
verwirklicht sah: Dezentralisierung ( Einteilung in Zentral-und
Provinzregierungen), Schaffung von Parlamenten, mehrere ind. Minister, mehr
Wahlberechtigte.
Im Kongreß (die Gemäßigten waren 1918 ausgetreten)
schwankte man allerdings lange, ob man sich mit dieser neuen Verfassung
zufrieden geben sollte.Schließlich trat 1919 Mahatma Gandhi an die Spitze
der indischen Nationalbewegung und führte diese in eine völlig neue
Phase.
b¸ Indien zwischen den beiden
Weltkriegen :
M.K. Gandhi ( 1869-1948) war ursprünglich in England
ausgebildeter Rechtsanwalt. Die drei Kernbegriffe in Gandhis
religiös-politischem Denken waren : Wahrheit, Gewaltlosigkeit , Keuschheit.
Die Wahrheit war für ihn das höchste Prinzip des Seins (=Gott) .
Unter Gewaltlosigkeit verstand er nicht nur passiven Widerstand, sondern auch
den Versuch, dem Gegner mit Liebe zu begegnen ( “echte Gewaltlosigkeit
setzt die Fähigkeit zur Gewaltanwendung voraus, sonst ist sie
Hilflosigkeit”). Mit Keuschheit meinte er, neben sexueller Enthaltsamkeit
, vorallem Beherrschung der eigenen Sinne und Affekte.
Gandhi trug die Nationalbewegung, die von der kleinen elitären
Bürgerschicht ausging, in das indische Volk und wurde dafür von diesem
wie ein Heiliger verehrt. ( Ehrentitel mahãtmã = ”dessen
Seele groß ist”)
Für seine Widersacher (vorallem Intellektuelle) aber war die
ständige Vermischung von Religion und Politik und seine Sozialethik (
“die Reichen als Treuhänder der Armen”) unannehmbar.
G. war zwar nur einmal Präsident des Kongresses (1924), stand aber
seit 1920 (inoffiziell) an seiner Spitze. Man kann ihn heute weder den
Gemäßígten noch den Extremisten zuordnen ( Sozialethik ,
religiöse Toleranz , aber zugleich Kampf gegen die “Welt der
Maschine....”) .
Die indische Erbitterung über häufig brutalste Vorgangsweisen der
Regierung, die pol.-wirtsch. Depression der Nachkriegszeit und die schlechte
Behandlung des türk. Kalifen durch die Briten machten es ihm möglich
Hindus und Muslims ( im Zeichen der religiösen Toleranz)
zusammenzuführen und zu seinem “ersten Feldzug” ( =
Nichtzusammenarbeit mit der Fremdherrschaft durch Boykott der Wahlen, Schulen
und Gerichte) zu veranlassen. Da diese religiöse Harmonie nicht von Dauer
war , mußte Gandhi die Aktion 1922 abbrechen. Infolge wurde er für 2
Jahre inhaftiert.
Trotz einiger Veränderungen im politischen Leben Indiens nahmen die
sozialen Spannungen in den folgenden 8 Jahren kontinuierlich zu .
M.A.Jinnah (1876-1948) stellte sich an die Spitze der Muslim-Liga und
führte diese mit starker Hand in Richtung muslimischen Separatismus und die
orthodoxen Hindus kämpften um die Rückbekehrung indischer Muslims zum
Hinduismus. Zur politischen Radikalisierung ( der Kongreß war wieder
in mehrere Flügel aufgespalten) trug auch J.Nehru mit der
Gründung der kommunistischen Partei in Indien wesentlich bei.
1927 kam es , nachdem bei der Überprüfung der Verfassung kein
Inder in die Kommission aufgenommen worden war, wieder zum Boykott. Man forderte
den Dominion-Status , die Radikalen sogar die völlige Unabhängigkeit
vom britischen Empire. Gandhi, nach einigen Jahren wieder in die Politik
zurückgekehrt, stellte den Briten ein Ultimatum, um die Forderungen der
Gemäßigten zu erfüllen. Als dieses abgelehnt wurde, startete er
die Kampagne des “Bürgerlichen Ungehorsams” ( sein
“2. Feldzug”). Die Bewegung wuchs schnell, die Muslims
blieben ihr allerdings fern. Obwohl mehr als 60000 Menschen verhaftet , Gandhi
interniert und viele ausgepeitscht wurden, hielten sich die Massen fast
überall an das Gebot der Gewaltlosigkeit. Die Regierung sah bald ein,
daß die Vorbereitung einer neuen Verfassung ohne die Beteiligung des
Kongresses nicht mehr möglich war . Daher wurden Gandhi und andere
Politiker freigelassen und der Kongreß vom Vizekönig als der
wichtigste Vertreter des indischen Volkes und gleichberechtigter
Verhandlungspartner anerkannt. Erneute Konflikte zwischen den Religionsgruppen
verhinderten allerdings einen gemeinsamen Verfassungsentwurf. Infolge wandte
sich Gandhi dem Problem der Unberührbaren zu , um innere Einheit
(“innere Freiheit”) der äußeren Freiheit vorangehen zu
lassen. Währenddessen versickerte der Feldzug der “Civil
Disobedience” immer mehr, bis er 1934 entgültig eingestellt wurde.
Die Macht der Nationalbewegung und des Kongresses war zwar seit 1922
gewaltig gewachsen, aber handgreifliche Erfolge waren auch nach diesem 2.Feldzug
nicht zu vermerken. Im Kongreß kam es zu Kontroversen über Gandhis
Führungsmethoden ( –> Bildung der Nationalist Party und der
Congress Socialist Party), worauf dieser mit dem Austritt reagierte.
(Inoffiziell blieb er allerdings weiterhin an der Spitze der ind.
Nationalbewegung) Erst 1935 wurde eine neue Verfassung (“ Government of
India Act”) verabschiedet, welche die Gründung eines gesamtindischen
Bundesstaates vorsah ( unter Miteinbeziehung der bis jetzt halbautonomen
indischen Fürstentümer) und zugleich , durch einige Vorteile für
die Fürsten, deren Loyalität stärken sollte. Die Verfassung
war für viele enttäuschend. Von Dominion-Status für ganz Indien
war keine Rede , nur in den Provinzen Britisch-Indien gab es einige
entscheidende Neuerungen (provinzielle Autonomie, ungeteilt ind.
Ministerien,...). In diesen ging man auch sofort an die Verwirklichung von
Gandhis Reformplänen. Der Gandhi-Kult, die Überheblichkeit der
Kongreßpolitiker und die Angst vor einer entgültigen Hindu-Herrschaft
provozierten die Muslims ( besonders die Gruppe um Jinnah) ständig . Sie
sahen bereits in den 30ger Jahren die staatliche Trennung der beiden Religionen
als den einzigen Ausweg.
Diese “Zwei-Nationen”-Theorie wurde 1940 zum offiziellem
Programm der Muslim-Liga.
c¸ Indien von 1939-1947
1939 gründete der ehemalige Kongreßpräsident
S.C.Bose, aufgrund seines faschistischen Gedankenguts zum Rücktritt
gezwungen, eine weitere Partei: den Forward Bloc . In Indien verfolgt
floh er wenig später nach Singapur, wo er aus Kriegsgefangenen und
Auslandsindern die Indian National Army (INA- sie schwor der
Gewaltlosigkeit ab) bildete. Diese wurde innerhalb kürzester Zeit auch in
Indien so populär, daß es zu Massendemonstrationen kam und der
Nationalismus sogar auf die -bis jetzt loyalen- indischen Soldaten
übergriff
Alle anderen Politiker des Landes ließen keinen Zweifel an ihrer
antifaschistischen Haltung. Trotzdem waren sie sich, nachdem Indien am 3.9.1939
von den Briten einfach zum kriegführenden Land erklärt worden war, in
den nächsten Jahren nie einig, ob sie England ihre volle Unterstützung
zusichern sollten (Da die Briten auf die indischen Forderungen nach Freiheit nie
eingingen). Als jedoch die Verteidigungsfrage nach dem Kriegseintritt Japans
(Dez.1941) dringend wurde, rief der Vizekönig zur politischen Einigung auf
und die Engländer sandten Sir Cripps mit den ersten
Verhandlungsvorschlägen ( u.a.: Dominion-Status). Da diese (aufgrund
einiger Nebenbedingungen) abgelehnt wurden und eine japanische Invasion drohte,
übergab man Gandhi wieder die Führung. Dieser forderte (nach einer
plötzlich radikalen geistigen Wendung) den sofortigen Abzug der Briten ,
damit das Land alle Kräfte gegen die Japaner mobilisieren könne. Die
Kolonialherren reagierten schlagartig: Gandhi und die Kongreßführung
wurden verhaftet und der Kongreß verboten (bis 1945). Das führte zu
einer Veränderung der innerindischen Machtverhältnisse. Besonders die
Kommunistische Partei und die Liga konnten ihre Position bedeutend
stärken. Nach Kriegsende hatte sich die Weltlage verändert. England
war geschwächt und konnte die zerrissene, aber größte Kolonie
der Welt nicht mehr halten. Auf der anderen Seite war es aber unmöglich
Indien von einem Tage auf den anderen in die Unabhängigkeit zu
entlassen. Daher versuchte man bereits 1945 eine Interimsregierung
zusammenzusetzen, was aber lange Zeit an dem Wider,0stand der Liga ( unter der
Führung Jinnahs) scheiterte. Indien war bereits offensichtlich
religiös und politisch gespalten. Nach mehreren blutigen
Auseinandersetzungen gelang das Vorhaben schließlich 1946 , worauf die
radikalen Muslims zum Boykott der Verfassungsgebenden Versammlung
aufriefen. Der letzte britische Vizekönig, Lord Mountbatten,
überzeugt , daß die einzige Alternative zu Bürgerkrieg die
Teilung des Landes in Indien und Pakistan ( beide im Dominion-Status und
Mitglieder des Commonwealth) sei, legte der britischen Regierung einen
entsprechenden Plan vor, welcher , nach der Zustimmung Jinnahs und des
Kongresses, im Juli 1947 genehmigt wurde. ( Indian Independence Bill =
Gesetz)
Da Mountbatten täglich ein Zerbrechen der Interimsregierung
befürchtete, wurde der Unabhängigkeitstag um fast ein Jahr vorverlegt.
In knapp zwei Monaten mußte eine der größten
Verwaltungsmaßnahmen der Geschichte vollzogen werden ( Teilung v.
Administration, Finanzen,Armee..). Am 15.8.1947 wurden die beiden
Länder in die Unabhängigkeit entlassen, doch bereits am selben
Tag zeigte die Hast der Machtübertragung ihre (blutigen) Folgen. Im Panjab
hatten Sikhs (verzweifelt über die Zerschneidung ihres religiösen
Stammlandes) und fanatische Muslims und Hindus ein grauenhaftes Massaker
begonnen. Eine Massenflucht (Sikhs und Hindus nach Indien, Muslims nach
Pakistan) setzte ein, Unsicherheit über den genauen Grenzverlauf steigerte
die Panik. Keiner war auf diesen riesigen Bevölkerungsaustausch
organisatorisch vorbereitet und die Briten scheuten sich vor direkter
Einmischung. Die Zahl der Opfer dieser Vorgänge wird auf weit über
100000 geschätzt.
In Bengalen, dem 2. zerschnittenen Teil Indiens, blieb die Bevölkerung
ruhiger . Das war Gandhis Verdienst, der als großer Gegner der Teilung,
dort seinen ganzen Einfluß für eine Versöhnung der Religionen
einsetzte. Dafür wurde er am 30.Januar 1948 von einem Hindu-
Extremisten erschossen. Der Schock, der darauf durch Indien und die ganze Welt
ging, brachte selbst radikalste Stimmen für kurze Zeit zum Schweigen.
Der
indische Subkontinent seit 1947
Die Folgen der Teilung:
Durch Flucht und Vertreibung war Westpakistan ein fast nur von Muslims
bewohntes Land geworden, im damaligen Ostpakistan waren aber noch etwa 20 % der
Bevölkerung Hindus. In Indien ( ab 1947 der Name der unabhängigen
indischen Union) blieben ungefähr 50 Mio. Muslims. Die
Flüchtlingsbewegungen waren aber in den frühen 50ger Jahren noch lange
nicht abgeschlossen. Der größte Krisenherd in der Beziehung der
zwei neuen Staaten war ( neben den ökonomischen Schwierigkeiten) das
Problem der Fürstentümer, für welches die Briten vor ihrem
hastigen Abzug keine Lösung vorgeschlagen hatten. So stand es den über
500 Herrschern frei, sich entweder Indien oder Pakistan anzuschließen. Bis
auf drei fügten sich alle in das Unvermeidliche und wurden
größtenteils in die Union eingegliedert. Die größten
Probleme gab es mit Kaschmir , das weder religiös noch kulturell
noch sprachlich eine Einheit bildete. Im Oktober 1947 erklärte Sheikh
M.Abdullah gegen den Willen großer Teile der Bevölkerung den
Anschluß an Indien. 1948/49 kam es zu Kämpfen zwischen indischen und
pakistanischen Truppen, die mit Hilfe der UNO durch einen Waffenstillstand
vorerst beendet wurden. Als Pakistan jedoch amerikanische Militärhilfe
annahm (1954), wurden der Konflikt zu einem Teil des kalten Krieges. In
der Folge unternahm Indien, unter dem Schirm des sowjetischen Vetos im
Sicherheitsrat, 1957 und 1964 Schritte, um Kaschmir als Bundesland in die Union
einzugliedern. In dem umstrittenen Land selbst gab es allerdings auch einige
Gruppen, die nicht bereit waren, eine Integration (egal in welchen Staat)
hinzunehmen. 1965 wurde die indische Armee in Guerillaaktionen solcher
Vereinigungen verwickelt, in welche sich die pakistanischen Truppen
schließlich einmengten. Dieser unerklärte Krieg wurde von der
Weltmeinung fast einhellig verurteilt ( USA und GB stellten ihre Wirtschafts-und
Militärhilfen ein). Die Sowjetunion übernahm (trotz der
Waffenlieferungen an Indien) die Rolle des neutralen Vermittlers.
Indien in den Jahren nach 1947:
Nach Gründung des Staates übernahm Nehru, seit 1946
bereits Ministerpräsident des Interimskabinetts, die Führung der
Regierung. Am 26.1.1950 trat die neue Verfassung, die, aufgrund
der Sorge um die Stabilität der Union (Grenzstreitigkeiten,,..), alle
revolutionären Experimente (und damit auch Gandhis Ideen) vermied, in
Kraft. Durch sie wurde Indien eine nach föderativen Gesichtspunkten
gegliederte Republik ( die bisherigen 9 Provinzen und 566
Fürstenstaaten wurden in Bundesstaaten und Unionsgebiete
zusammengefaßt) 1956 wurden die Provinzgrenzen nach sprachlichen
Gesichtspunkten neu bestimmt.( Gesetz zur Schaffung von linguistic states) Die
Sprachenfrage in den verschiedenen Regionen war ein immer größeres
Problem geworden, das Ende der 50ger Jahre in einer Art Sprachchauvinismus
seinen Höhepunkt erreichte..
In Indien entwickelte sich bald eine parlament. Demokratie, in der
der Nationalkongreß die führende Partei wurde. Er stellte bis 1977
alle Minister Präsidenten und fast alle Staatspräsidenten. Erst
infolge des diktator. Regierungsstiles, den Indira Gandhi (Min.Präs. v.
1966-77) ab 1975 eingeschlagen hatte, verlor ihre Partei 1977 die parlamentar.
Mehrheit.
In der Außenpolitik verfolgt die Indische Union
(Mitglied der UNO) seit ihrer Gründung eine Politik der diplomatischen
Blockfreiheit (non-alignment). Um gute Beziehungen zur Volksrepublik
China zu knüpfen (Indien hatte diese bereits 1949 anerkannt), machte Indien
in einem Vertrag ( 1954) keine Rechte auf Tibet geltend. Trotzdem kam es 1962
durch einen Vormarsch chin. Truppen zu dem ind.-chin. Grenzkonflikt, den China
(unbezwungen) durch Rückzug beendete. 1961 gelang es der indischen
Regierung französisch Indien ( letzten Enklaven in Goa) durch Verhandlungen
zu gewinnen. Portugiesisch-Indien vereinigte sie aber durch Waffengewalt mit der
Union.(Gegen das Prinzip der Gewaltlosigkeit).
Nach dem ind.-pakistanischen Krieg um Kaschmir schloß die Union 1971
ein Freundschaftsbündnis mit der UDSSR und erzwang im selben Jahr die
Unabhängigkeit O-Pakistans. ( = seit damals Bangladesh). 1975
wurde Sikkim in die ind.Union eingegliedert. In den internationalen
Angelegenheiten (z.B: Vietnam) hält sich Indien seit Ende der 60ger Jahre
im Hintergrund.
Indien heute:
Die Bundesrepublik Indien basiert nach wie vor auf der Verfassung von 1950.
Das Bundesparlament besteht aus dem Haus des Volkes (Lok Sabha) und dem Rat der
Staaten (Rajya Sabha).- In beiden Kammern gibt es nur sehr wenige vom
Staatsoberhaupt ernannte Mitglieder, der Großteil wird vom Volk
gewählt. Der Staatspräsident wird durch ein Wahlmännerkollegium
alle 5 Jahre gewählt. Seit 1997 hat Kocheril Raman Narayanan dieses
Amt inne. Die Bundesrepublik besteht aus 25 Bundesstaaten und 7
“Union Territories”. Die wichtigsten Parteien ( nach den Wahlen
v. 2./3. 98) sind:
•
BJP – Bharatiya Janata Party (nationalistische Hindu
Partei) •
All India Congress Committee (Kongreßpartei)
•
Communist Party of India-Marxist
Atomwaffentests: Im Mai 1998 zündet Indien überraschend 3
(später weitere 2) unterirdische Sprengsätze. Die Wiederaufnahme der
Atomwaffenversuche nach 24 Jahren wird mit der gesteigerten Bedrohung seitens
der VR China und Pakistans begründet. Indien , das weder 1970 noch 1996
einem Atomteststoppabkommen beigetreten ist, unterliegt nicht der Kontrolle der
IAEO. Nach einem Technologie –und Finanzboykott der USA und einer
Kreditstornierung durch die Weltbank erklärt der ind. Premierminister sein
Land zur Atommacht, was aber von den fünf ständigen Mitgliedern des
UN-Sicherheitsrates bis jetzt nicht anerkannt wurde.
Bundesstaaten: In einigen werden die ( noch immer vorhandenen)
sozialen, ethnischen und religiösen Spannungen durch den in den letzten
Jahren wieder verschärften Machtkampf zwischen der BJP und der
Kongreßpartei noch verstärkt.
In Assam kämpfen die Guerillagruppen um die Autonomie der
Region, die faktisch unter militärischem Ausnahmezustand
steht. Während sich indische und pakistanische Truppen in
Kaschmir entlang der Waffenstillstandslinie Gefechte liefern, wird der
“Dialog über die Kaschmir-Frage” weiter fortgesetzt. Bis jetzt
scheiterten alle Vermittlungsbemühungen (auch die v. US-Präs.
B.Clinton), da Pakistan auf eine Internationalisierung der Kaschmir-Frage
drängt, Indien aber jede Einschaltung anderer Mächte
ablehnt.
Pakistan nach 1947 :
Die Muslim-Liga verlor in den Jahren nach 1947 aufgrund von Konflikten
zwischen orthodoxen und liberalen Muslims vorallem in O-Pakistan ständig an
politischem Einfluß. Nachdem zuerst 1954 der Staatsnotstand (wegen des
drohenden Bürgerkrieges), dann 1956 die “Islamische Republik”
ausgerufen worden waren, setzte sich 1958 General Ayub Khan, gestützt auf
das Militär, an die Spitze des Staates. Nach seinem Sturz wurde die
“Pakistan People´s Party” (PPP; Vors.:
Z.A.Bhutto) 1970 bei den Wahlen zu einer Verfassunggebenden
Nationalversammlung in W-Pak. , die Awami-Liga in O-Pak. stärkste
Partei. Daraus resultierende schwere Spannungen zwischen den beiden Landesteilen
führten 1971 zum Bürgerkrieg. Mit indischer militär. Hilfe setzte
O-Pak. noch im selben Jahr seine Unabhängigkeit durch. Der Staat
Bangladesch wurde allerdings erst 1974 von Pakistan anerkannt.
Im Gegensatz zur Indischen Union bekannte sich Pak. nicht von Anfang an zur
Politik der Blockfreiheit, sondern schloß sich dem Bagdadpakt, der SAETO,
sowie der CENTO an und knüpfte auch engere Beziehungen zur VR China.
(Pak.-Chin. Grenzvertrag) Bhutto, der die Führung des Landes
übernommen hatte, verstaatlichte u.a. Industriebetriebe und Banken und
führte eine Bodenreform durch. 1972 trat Pak. aus dem Commonwealth und
der SEATO aus und schließlich, nachdem der PPP Wahlfälschungen
nachgewiesen und Bhutto abgesetzt worden war, verließ es auch die CENTO
und schloß sich den blockfreien Staaten an.
Pakistan heute:
Die Islamische Republik Pakistan wurde 1973 gegründet und ist Mitglied
im Commonwealth. Staatsoberhaupt seit 1997 ist Mohammed Rafiq Tarar (PML-N).
Stärkste Partei derzeit ist die Pakistan Muslim Leaque (PML-N), gefolgt von
der PPP. In den letzten 2 Jahren kam es wieder vermehrt zu
Auseinandersetzungen zwischen militanten sunnitischen und schiitischen
Muslimen. Auch die Spannungen zwischen Pak. und Indien erreichten 1998 durch
die 5 indischen Atomwaffentests (denen 6 pakistanische folgten) einen neuen
Höhepunkt. Am 11.6.1998 verkündete Pakistan ein
Atomtest-Moratorium.
Bangladesch :
B. ist eine Volksrepublik (mit der Hauptstadt Dhaka ) , unterteilt
in vier Verwaltungszonen.
Die heutige Verfassung basiert zwar noch auf der ersten von 1972, es wurden
aber seit damals viele Änderungen vorgenommen. (Das letzte Mal
1996)
Geschichte: 1973 erziehlte die Awami-Liga bei den Wahlen eine 2/3
Mehrheit. Sheik Mujib wurde erster Premierminister und änderte bereits 2
Jahre später die Verfassung, um die Opposition auszuschalten. Als er kurz
darauf ermordet wurde, nahm Ziaur Rahman (Zia), ein Offizier, seine
Stelle ein und gründete eine Miliärdiktatur. 1981 wurde auch Zia
getötet. Staatsoberhaupt (seit 1996) ist Shahabuddin Ahmad und
führende Partei ist (nach wie vor) die Awami-Liga (vor der Bangladesh
National Party).
Literatur-/Qellenverzeichnis:
• Fischer Weltgeschichte : 20. Jahrhundert ( S 93f, S 374ff., S
400ff.)
• Fischer Weltgeschichte: Das moderne Asien (S 11f, S 99-104, S 313f)
• Fischer Weltgeschichte: Die Kolonialisierung seit dem 18 Jh. (
14.Kap.: Die Entkolonisierung)
• Fischer-Almanach ( Ausgabe1999) : Indien ; Pakistan; Bangladesch
• Brockhaus (Ausgabe 1985) : Indien - Geschichte Pakistan-
Geschichte
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