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Frisch, Max (1911-1991)
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Max Frisch
(1911-1991)
Biographie:
1911 geboren in Zürich als Sohn eines Architekten
1924-30 Besuch des Realgymnasiums in Zürich
- Germanistikstudium / Zürich →
abgebrochen wegen Tod des Vaters;
wendet sich Journalismus zu;
Balkanreise (schafft den Erfahrungshintergrund für ersten Roman,
s.1934)
- Jürgen Reinhart. Eine sommerliche Schicksalsfahrt;
- Architekturstudium an der ETH in Zürich (Diplom)
- Militärdienst als Kanonier → neuer
Drang zum Schreiben
1940 Die Blätter aus dem
Brotsack
- Heirat mit Constanze von Meyenburg; Eröffnung eines eigenen
Architekturbüros in Zürich
1943 J’adore ce qui me brûle oder Die Schwierigen
- Bin oder die Reise nach Peking
Nun
singen sie wieder
- Reisen in das zerstörte Nachkriegseuropa (D, F, It) und in die
sowjetisch besetzten Gebiete
Die Chinesische Mauer; Als der Krieg zu Ende war 1949
Kontakt mit Bertold Brecht in Zürich
- Tagebuch 1946-1949
1951 Graf Öderland
Rockefeller Stipendium für einjährigen Aufenthalt
in den USA
- Stiller; Auflösung des Architekturbüros , Trennung von
seiner Frau, freier Schriftsteller
- Reise nach den USA, Mexiko, Kuba
- Homo Faber; Reise in die arabischen Staaten
- Biedermann und die Brandstifter (1953 Hörspiel)
- Wohnsitz in Rom
1961 Andorra
- Mein Name sei Gantenbein
- Reisen nach Israel und in die UdSSR
Wohnsitz im Tessin,
Schweiz
1968 Heirat mit Marianne Oellers (Trennung 1978)
- Aufenthalt in Japan
- Aufenthalt in den USA; Wilhelm Tell für die Schule
- Montauk
- Triptychon. Stück in drei szenischen Bildern
- Der Mensch erscheint im Holozän. Erzählung
- Blaubart. Erzählung
- Tod am 4. April in Zürich
Auszeichnungen u.a.:
Wilhelm Raabe-Preis (1955), Georg Büchner-Preis und Literaturpreis der
Stadt Zürich (1958), Literaturpreis von Nordrhein-Westfalen (1963),
Großer Schillerpreis der schweizerischen Schillerstiftung (1974)
Zu seinen Werken:
Homo Faber (1957):
Der Hauptheld und Ich-Erzähler des “Berichts” ist Walter
Faber. Er ist die vollkommene Verkörperung der technischen Existenz, die
sich vor dem Zufall und dem Schicksal sicher glaubt. Frisch lässt Faber
jedoch systematisch mit der außertechnischen Welt, dem Irrationalen,
zusammenstoßen. Die Notlandung seines Flugzeugs in der Wüste, der
Selbstmord seines ehem. Freundes im Dschungel von Mexiko – all das bringt
aber sein rational zementiertes Weltbild nicht in Wanken. Ernsthaft wird es erst
bedroht, als Faber durch die Ereignisse zu einem Rechenschaftsbericht über
seine eigene Vergangenheit gezwungen wird. Ein junges Mädchen verliebt sich
in ihn. Es stellt sich heraus, dass es seine eigene Tochter ist, von deren
Existenz er nichts gewusst hat. Hineingezogen in das Stärkste, was das
menschliche Leben an irrationalen Einbrüchen zu bieten hat, bricht sein
Rationalismus zusammen. Faber sieht sein verfehltes Leben und nimmt den Tod in
seine Welt auf.
Biedermann und die Brandstifter (1958):
Der Untertitel “Ein Lehrstück ohne Lehre” ist eine
Anspielung auf das Lehrtheater von Bertold Brecht. Im Gegensatz dazu,
führte Frisch gerade die Unbelehrbarkeit vor: Dem knallharten
Geschäftsmann und Stammtischmaulhelden Gottlieb Biedermann fehlen Urteil
und Zivilcourage, um den Brandstiftern, vor denen die Zeitungen und ein
parodistischer Feuerwehrchor warnen und die nun schmeichelnd und drohend in sein
Haus drängen, entgegenzutreten. Die Brandstifter, die Biedermann’s
schlechtes Gewissen, seinen Egoismus und sein Sicherheitsdenken geschickt zu
manipulieren wissen, bringen ihn letztendlich dazu, seine eigenen
Streichhölzer zur Verfügung zu stellen.
Andorra (1961):
Das Stück in zwölf Bildern veranschaulicht, wie aus
diskriminierenden Vorurteilen ein vernichtender Rollenzwang entsteht: Im
Mittelpunkt steht der Junge Andri. Er ist der uneheliche Sohn des andorranischen
Lehrers Can mit einer Frau aus dem feindlichen Land der ‘Schwarzen‘.
Um seinen Seitensprung zu verheimlichen gibt der Lehrer Andri als jüdisches
Kind aus, das er vor dem Zugriff der ‘Schwarzen‘ gerettet und
aufgezogen hätte. Im Glauben er sei ein Judenkind, lassen die Bürger
von Andorra ihn durch böse Vorurteile, Beschuldigungen und Gewalt seine
Andersartigkeit spüren. Dies geht so weit, dass sich der Junge
schließlich selbst wie ein Fremder in Andorra fühlt. Als seine Mutter
auftaucht und Can auffordert sich zu dem Jungen zu bekennen, glaubt ihr niemand
– sie wird ermordet. Daraufhin greifen die ‘Schwarzen‘ die
Andorraner an; eine ‘Judenschau‘ wird angeordnet. Der als Jude
bezeichnete Andri wird erschossen. Folglich nimmt sich auch der Lehrer Can, der
seine Schuld längst eingesehen hat, das Leben.
Mein Name sei Gantenbein (1964):
Der gesamte Roman ist als Ich-Erzählung geschrieben, wobei der Leser
nie irgend etwas über das wirkliche Ich erfährt. Das ganze Buch
hindurch befindet sich der Erzähler in einer fiktiven Welt, d.h., er stellt
sich verschiedene Rollen in verschiedenen Personen vor, welche er dann
niederschreibt. Diese Rollen des “Ich” sind in einem gleitenden
Wechsel: mal Ehemann, mal Geliebter, mal verlassener Ehemann. Rollen wie
Enderlin und Svoboda werden im Laufe des Romans fallengelassen; die
entgültige Entscheidung lautet: Mein Name sei Gantenbein.
Diese Person, welche ja eine Erfindung des Ich-Erzählers ist,
schlüpft nun wiederum in eine andere Identität, nämlich in
diejenige eines Blinden. Obwohl Gantenbein sehen kann, wie jeder andere auch,
besorgt er sich eine Blindenbrille und einen Stock. In dieser Tarnung kann
Gantenbein nun seine Mitmenschen beobachten, ohne dass diese irgendeinen
Verdacht hegen. Oft stellt sich Gantenbein auch vor, wie es wäre, wenn er
diese gespielte Blindheit auf einmal wieder aufgäbe.
Es wechseln jedoch nicht nur die Rollen des Ich-Erzählers, sondern
auch diejenigen von Lila, der Partnerin Gantenbeins. Sie schlüpft in die
Haut einer Ärztin, Mutter und einmal sogar einer Contessa
(Gräfin).
Die Hauptperson, der "Held" der Geschichte, ist zweifelsfrei die Person
Gantenbein. Es handelt sich hier um einen Antihelden, welcher nicht einmal mehr
Träger eines individuellen Bewusstseins ist. Er liefert sich bewusst
seiner Umwelt aus und nimmt als Blinder an den meisten Situationen nur
passiv teil.
Thema: Ein unerschöpfliches Thema in Frischs Werken ist das der
Identität. Sein Roman ‘Stiller’ beginnt mit dem Satz “Ich
bin nicht Stiller”, Walter Faber lebt an seinem eigenen Wesen vorbei und
Gantenbein schlüpft in immer neue Rollen.
Seine Abneigung gegen Vorurteile macht er in ‘Als der Krieg zu Ende
war‘ und ‘Andorra‘ zum Thema.
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Bezug zu zeitgenössischen Autoren und zur
zeitgenössischen Dichtung:
- fasziniert von Brecht; teilt mit ihm den Willen
durch parodistische Attacken die Gesellschaft aufzurütteln und zur
Besinnung zu bringen (Verfremdungseffekt!); legt jedoch keinen Wert auf
Belehrbarkeit des Menschen (vgl. Biedermann..., Ein Lehrstück ohne
Lehre)
- wie der Schweizer Dürrenmatt zieht Frisch
das ort-und zeitlose und nicht das bestimmte geschichtliche Modell vor
- Unterschied Dürrenmatt – Frisch:
groteskes Theater (D.) – parabolisches Theater (F.)
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