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Frisch, Max: Homo Faber
Hausaufsatz von Simon
Flotzinger
Zum Thema 2:
“Homo Faber”
von
Max Frisch
Gliederung
- Max Frisch: Gegner des technischen Fortschritts
- Vergleich des Dualismus des männlichen und weiblichen Prinzips in
Fabers Weltbild.
- Das männliche Prinzip
- Technik als Mittel der Verdrängung alles “Natürlichen”
- Einstellung zum Beruf
- Ingenieurjob als reine Männersache
- Freude am Technikersein
- Aufbau des Lebens aus Statistiken und mathematischen
Formeln
- Abneigung gegenüber Mitmenschen
- Das weibliche Prinzip
- Natur und Kunst sind Lebensziele
- Schicksal und Glück sind Lebensbestimmend
- Beruf als Nebensache
- Anhänglichkeit der Frau
- Aktualität des Berichts “Homo
Faber”
Sind technische Neuerungen wie Medikamente, Kernenergie und Raumfahrt wirklich
der goldene Fortschritt ?
Diese Frage haben sich in den 50zigern viele Kritiker des Fortschritts
gestellt. Zu diesen Skeptikern gehörte auch Max Frisch, der mit seinem
“Homo Faber” einen sehr interessanten und eben auch kritischen
Bericht – in Bezug auf den viel gelobten Fortschritt und die
Naturwissenschaften – verfaßte.
Das männliche Prinzip, bestehend aus Technik, Beruf und Statistiken,
von dem Walter Faber zu Anfang noch überzeugt ist, wird im Laufe des
Berichts mehr und mehr vom weiblichen Prinzip, bestehend aus Natur, Kunst und
Schicksal, abgelöst.
Die Unterschiede des Dualismus des männlichen und weiblichen Prinzips
werden nun näher erklärt:
Das männliche Prinzip von Fabers Weltbild basiert auf vier Punkten:
der Technik, mit der Walter Faber versucht alles Menschliche von sich fern zu
halten; seinem Beruf, den er als reine Männersache empfindet, den
Statistiken bzw. mathematische Formeln, aus denen sein Leben aufgebaut ist, und
seiner abneigenden Haltung gegenüber seinen Mitmenschen.
Die Technik, die Walter Faber, der aufgrund seiner Art und Weise auch Homo
faber genannt wird, während seiner ganzen Reisen nicht vergessen kann,
benötigt er überwiegend zum Abschütteln und Vergessenmachen des
Menschlichen an ihm. Da “[er] [den Schweiß] haßt,
(...)” [1] duscht er während des
Aufenthalts in Palenque “von morgens bis
abends” [2]. Oder als er sich in der
Wüste Tamaulipas, nachdem sein Flugzeug dort notlanden mußte,
“ohne elektrischen Strom” [3]
unbedingt rasieren will, denn “[er] habe dann [unrasiert] das Gefühl,
(...) wie eine Pflanze [zu sein],
(...)” [4]. Dieses Verhalten zeigt seine
enorme Abneigung gegen das Natürliche bzw. Menschliche. Ferner ist er als
“(...) Techniker (...) gewohnt, die Dinge zu sehen wie sie
sind.” [5], was Faber durch sein
ständiges Filmen mit seiner Kamera deutlich macht, und nicht wie all die
anderen Leute um ihn herum, die in “gezackten
Felsen” [6] den “Rücken eines
urweltlichen Tieres” [7] erkennen wollen,
wobei es nur “Gestein, wahrscheinlich
vulkanisch” [8], ist. Am besten kann man das
aber erkennen, als er die Maschine über den Menschen stellt: “Eine
Maschine [kann Reflexe] ebensogut erledigen (...) wie ein Mensch, wenn nicht
sogar besser.” [9] Damit dass er sagt:
“Fleisch ist kein Material, sondern ein
Fluch” [10], versucht er die Stärken
der Maschine gegenüber dem Mensch zu erklären.
Diese enge Verbundenheit mit der Technik ist auf seinen Beruf als Ingenieur
und vor allem auf seine Einstellung zu diesem zurückzuführen. Seiner
Ansicht nach ist der Ingenieursjob der “einzigmännliche Beruf
überhaupt” [11]. Außerdem macht
es ihm “immer Freude (...), Maschinen in Betrieb zu
sehen” [12], was seine enge Beziehung zum
technischen Beruf wiederum bestätigt. Ferner wird dies noch deutlich, als
er Herbert, den er auf einer Geschäftsreise im Flugzeug kennenlernte, auf
einer Tabakplantage besucht und ihm seinen Jeep, obwohl es Herbert “nicht
interessiert” [13], unbedingt reparieren
möchte. “Denn er wisse nicht, was er damit
soll” [14], so Herberts
Gleichgültigkeit zum Thema Jeepreparatur. Auch wird der Workaholic- Drang
dadurch belegt, dass er fest “entschlossen [war] die Stelle in Bagdad
anzutreten” [15], weil es “eine
Chance sondergleichen für einen (...)
Ingenieur” [16] darstellte, obwohl seine
damalige Freundin Hanna ein Kind von ihm erwartete, und er sie sogar bat, das
Kind abzutreiben.
Folge aus seiner Arbeit: Sein ganzes Leben basiert auf Statistiken und
mathematischen Formeln. So errechnet er mit Hilfe der Wahrscheinlichkeitslehre
von Hans Reichenbach [17] nach der Notlandung in
Tamaulipas wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines solchen Absturzes gewesen ist.
Sogar als seine Tochter Sabeth schwer krank im Krankenhaus liegt, versucht er
sich und Hanna, die gleichzeitig auch Mutter von Sabeth ist, mit Statistiken zu
trösten: “Was mich beruhigte: Die Mortalität bei Schlangenbissen
(...) beträgt drei bis zehn
Prozent” [18]. Genau wie bei seiner
Magenoperation, “die in 94,6 von100 Fällen
gelingt” [19], vertraut er den
statistischen Aussagen mehr als den Fertigkeiten der Ärzte zu glauben.
Durch diese Umstände erklärt Hanna ihn als einen, der “das Leben
nicht als Gestalt, sondern als bloße Addition
[behandelt]” [20].
Als Ingenieur war er es gewohnt, dadurch, dass er viel unterwegs war, viel
allein zu sein. Wenn er dann jedoch einmal in einer Gesellschaft, durch seine
wichtige Arbeit, anwesend sein mußte, dann war er immer heilfroh, wenn er
sie verlassen konnte und allein in seinem Auto sitzen
kann [21]. Auch in Frauen sieht er “eine
Anstrengung” [22], er fühlt sich von
ihnen wegen ihrer fordernden Sexualität
“bedrängt” [23]. Am
deutlichsten wird das wohl an seiner Geliebten Ivy, die er mit
“Efeu” [24] gleichsetzt, und
während eines Fluges, wo er “keinerlei Bedürfnis [hat]
Bekanntschaft” [25] mit seinem Nachbarn zu
machen. Er fühlt sich von ihm sogar
genervt [26]. Faber empfindet nicht nur gegen
Gesellschaften und Frauen eine gewisse Abneigung, sondern auch noch gegen das
ganzes amerikanisches Volk: “Diese Bleichlinge, (...), diese Vitamin-
Fresser, (...), dieses Coca- Cola- Volk, das ich nicht (...) ausstehen
kann” [27]. Diese Verhaltensweise und
Einstellung weist ganz klar darauf hin, dass Walter mit Beziehungen nichts
anfangen kann.
Das weibliche Prinzip beinhaltet im Gegensatz zum Männlichen, Natur
und Kunst als Lebensziel, die Art zu Leben, das Leben zu genießen
möglichst ohne Arbeit, Schicksal und Glück, die das Leben bestimmen,
und die Offenheit gegenüber Mitmenschen.
So spielt in Fabers Weltbild über die Frau die Technik keine Rolle:
“Am meisten imponierten ihr die vielen Röhren, gleichgültig wozu
sie dienten” [28], sondern sind Natur und
Kunst ihre angepeilten Lebensziele. Die Natur wird von der Frau als “ein
Erlebnis” [29] gesehen. Sie sieht in
gezackten Felsen den Rücken eines urweltlichen
Tieres [30], während Faber solche Dinge
ganz realistisch betrachtet. Weiter wird das weibliche Naturell darin gezeigt,
dass Sabeth auf der Schiffreise seekrank wird, während Walter und ihr
Freund sich um sie kümmern [31].
Von der Kunst, die Faber
“kitschig” [32] findet, ist Sabeth
vollkommen “begeistert” [33].
“Ihr Kunstbedürfnis” [34]
drängt sie “alles
anzuschauen” [35], während Faber
“mit Museen nichts anfangen
[kann]” [36] und in einem Café auf
Sabeth wartet. Da Hanna noch dazu als Archäo-login in einem Museum
arbeitet, wird das anvisierte Lebensziel mit Natur und Kunst erreicht.
Obwohl ein Job lebensnotwendig ist, findet dieser im weiblichen Leben kaum
eine angemessene Bedeutung. So will Sabeth von Amerika bis nach Griechenland
ohne Geld kommen, obwohl sie
“bankrott” [37] ist. Ferner kann man
erkennen, dass der Beruf der Frau nur Nebensache ist, da nicht einmal Walter
Faber genau weiß und sich nicht dafür interessiert, ob Ivy nun als
Tänzerin, Kokotte oder Mannequin
arbeitet [38]. Dies ist deshalb so interessant,
da es Ivy selbst anscheinend nicht für wichtig hält, womit sie ihr
Geld nun verdient, ansonsten hätte sie es Walter ja erzählt. Dieser
weiß jedoch nur, dass sie mit einem reichen Geschäftsmann verheiratet
ist. Diese Gleichgültigkeit steht also ganz im Kontrast zur
Berufsauffassung von Walter Faber.
Während Fabers männliche Prinzipien auf Statistiken und anderen
mathematischen Formeln basieren, bestimmt das Schicksal den Lebensverlauf der
Frau: “[Hanna glaubt] nicht an Statistiken (...), statt dessen aber an
Schicksal und Derartiges” [39]. Auch
Walter hat schon die Zufälligkeit entdeckt, denn “es war (...) ein
purer Zufall” [40], ohne den er Sabeth
nicht kennengelernt hätte.
Die Einstellung zum Mitmenschen ist im weiblichen Prinzip auch wieder
völlig anders als beim Männlichen. Ivy fühlt sich viel mehr zu
Faber hingezogen als es diesem lieb ist. Obwohl er ihr einen Brief geschrieben
hat, in welchem er seine Beziehung zu ihr als beendet
betrachtet [41], holt sie ihn vom Flughafen ab,
und will mit ihm auch noch ausgehen. Sie ignoriert den Brief einfach, in der
Hoffnung, dass er es sich noch einmal anders
überlegt [42].
Bei Frauen halten Gefühle länger als bei Männern.
Während Faber schon wieder seiner Arbeit als Ingenieur
nachgeht [43], trauert Hanna noch immer um ihre
verstorbene Tochter. Ebenso verspürt Walter keinerlei Trauer um seinen
verstorbenen Freund Joachim.
Max Frisch, der selbst Techniker war, hat erkannt, wie gefährlich es
ist, alles nur in Formeln und Phrasen zu sehen, und dabei ganz auf die
Menschlichkeit zu vergessen. Als er “Homo Faber” schrieb, kam gerade
die Kernenergie auf, Antibiotika und Impfungen werden zugänglich. Experten
befürchten, dass durch diese Substanzen der Tod in Zukunft aussterben
könnte, und dass man mit Hilfe der Kernenergie den Weltraum erobern
würde. Dieses hat sich bis heute nicht bewahrheitet, trotzdem geht die
Entwicklung immer weiter weg vom Menschlichen und der Natur, und darum ist der
Bericht “Homo Faber” noch längst nicht ausgestorben, sondern
aktueller als je zuvor.
Literaturverzeichnis:
1. Primärliteratur
Max Frisch, “Homo Faber” 57. Auflage
- Sekundärliteratur
[41] (vgl. Frisch, S.30f)
[43] (vgl. Frisch, S.162)
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