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Cicero, Marcus Tullius (106v.-43v.)
Cicero
© 1997 Falk Wider
I. Leben:
Marcus Tullius Cicero (cicer,-eris - die Kichererbse) lebte vom Jahre 106
(3. Januar) - 43 (7. Dezember) a.Chr.n. und entstammte dem bekannten
Rittergeschlecht der Tullii. Von seinem Geburtsort Arpinum (heute Arpino;
südöstl.von Rom) kam er frühzeitig nach Rom, wo er eine
vorzügliche Ausbildung in Rhetorik, Philosophie und Rechtswissenschaft
erhielt. Dementsprechend früh begann er seine Laufbahn als Anwalt und
machte sich bereits im Jahre 80 unter Sullas Diktatur in der Vertretung des
Sextius Roscius einen Namen als ernstzunehmender Advokat.
Schon 10 Jahre später avancierte er im Jahre 70 mit seinen
Prozeßreden gegen Verres zum führenden Anwalt Roms. Von diesem
Zeitpunkt an galt Cicero als der unumschränkte Meister der Beredtsamkeit.
Seine Erfolge als Redner ebneten ihm auch den Weg in der politischen Laufbahn
(75 Quaestor in Sizilien, 69 Aedil, 66 Praetor), so daß er, trotz des
Widerstrebens der Nobilität gegenüber dem homo novus, im Jahre 63 zum
Konsul gewählt wurde.
In dieses Jahr fallen auch die vier berühmten Catilinarischen Reden,
mit denen er sich erfolgreich gegen die Umsturzversuche Catilinas und seiner
Anhänger zur Wehr setzte. Die angeblich ungesetzliche Hinrichtung der
Rädelsführer wurde Cicero jedoch zum Verhängnis: Im Jahre 58
wurde er, nachdem sich Cäsar, Pompeius und Crassus im Jahre 60 zu ihrem
ersten Triumvirat zusammengeschlossen hatten, auf Betreiben des Clodius verbannt
und verlor seinen politischen Einfluß. In den folgenden Jahren
verfaßte er seine wichtigsten staatsphilosophischen und rhetorischen
Schriften, bis er im Jahre 51 die Verwaltung der Provinz Kilikien
übernehmen mußte. Beim Ausbruch des Bürgerkrieges (Caesar
überschreitet den Rubikon im Jahre 49) schloß sich Cicero nach
vergeblichen Vermittlungsversuchen Pompeius an. Die folgenden Jahre erzwungener
politischer Untätigkeit wurden zur Hauptepoche der philosophischen
Schriftstellerei Ciceros (46-44). Nach Caesars Ermordung (44) trat Cicero noch
einmal politisch hervor und versuchte die alte republikanische Ordnung
wiederherzustellen. Als Führer der Senatspartei griff er in den 14
Philippischen Reden Antonius aufs schärfste an, der ihn daraufhin nach
Abschluß des zweiten Triumvirates auf die Proskriptionsliste setzen und
ermorden ließ.
II. Ciceros politische und
schriftstellerische Bedeutung
Ciceros politische Haltung war bestimmt durch das Bestreben, die durch
Korruption und Forderungen popularer Kreise gefährdete Herrschaft der
Nobilität zu festigen. Zu diesem Zweck entwarf er das Programm der
"Eintracht der Guten" (concordia bonorum), womit er versuchte, eine breitere
Grundlage aller an der Erhaltung des Staates interessierten Kräfte,
unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zur Nobilität, zu schaffen.
Letztlich scheiterte er damit und half unbewußt den Prinzipat
vorzubereiten. Neben seinem politischem Einfluß liegt Ciceros Bedeutung
ganz maßgeblich auf dem Gebiet der Sprache und Literatur. Vor allem durch
seine Reden, aber auch durch seine rhetorischen und philosophischen Schriften
ist er der Schöpfer der klassischen lateinischen Kunstprosa geworden und
hat sich zugleich um die Verbreitung des philosophischen Gedankengutes der
Griechen maßgeblich verdient gemacht.
III. Werk
Reden: 57 vollständig erhaltene (die wichtigsten: s.o.); etwa ebensoviele
sind verloren;
Rhetorische Schriften: vor allem: "De oratore", "Brutus", "Orator";
Philosophische Schriften: "De re publica", "De legibus", "De finibus bonorum et
malorum"; "Tusculanae disputationes", "De natura deorum", "De officiis";
Briefe: 4 Briefsammlungen nach Adressaten geordnet.
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