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Keller, Gottfried: Die drei gerechten Kammacher
Die drei gerechten
Kammacher
In Seldwyla gab es ein gut geführtes
Kammachergeschäft, das seinen Besitzer üblicherweise alle fünf
bis sechs Jahre wechselte.
Eines Tages kam aber ein sächsischer Kammacher namens
Jobst, der sich in alles fügte, wie ein “Verrückter”
arbeitete und nicht zu vertreiben war. Seinen gesamten Lohn legte er sich
monatlich zur Seite, mit dem Wunsch sich eines Tages das Geschäft zu
erkaufen und Meister zu werden.
Doch bald gesellte sich ein weiterer Kammacher an seine
Seite. Es war der Bayer Fridolin, der die selben Absichten und den selben
Charakter wie Jobst hatte.
8 Tage nachdem Fridolin eintraf, kam der schwäbische
Kammacher Dietrich mit dem selben Vorhaben, wie die anderen und gesellte sich
ebenfalls zu ihnen. Jedoch hatte er noch keine Ersparnisse, da er der
jüngste war und noch nicht soviel gereist war. Er war jedoch in Züs
Bünzlin, die Tochter einer Wäscherin verliebt, die so viel Geld durch
einen Gültbrief hatte, wie Jobst oder Fridolin zusammen. Das war Dietrichs
Geheimnis vor den anderen, da er sonst keine Chance hätte, das
Geschäft zu erkaufen.
Die anderen Kammacher kamen ihm aber auf die Spur und
versuchten auch ihr Glück bei Züs Bünzlin.
Diese entschloß sich denjenigen der Kammacher zu
heiraten, der den Laden zuerst erkaufen würde. Dabei schloß sie
Dietrich aus, da er kaum Ersparnisse hatte. Jedoch gab sie ihm durch stille
Zeichen noch am ehesten eine Hoffnung, von ihr geheiratet zu werden.
Die 3 Kammacher arbeiteten, seitdem sie Züs
Bünzlin kennengelernt hatten, so hart, daß zuviel Ware produziert
wurde.
Darauf reagierte der Meister schnell und hielt ihnen vor, 2
Kammacher entlassen zu müssen. Er schlug vor, dass sie sich untereinander
entscheiden sollten, wer von ihnen gehen sollte.
Die Kammacher konnten sich aber nicht entschließen,
weil jeder von ihnen der baldige Besitzer des Kammachergeschäfts werden
wollte. Deshalb bettelten die Kammacher den Meister an, sie ohne Lohn weiter
arbeiten zu lassen, nur um nicht fort ziehen zu müssen.
Der Meister stimmte diesem Vorschlag nicht zu. Statt dessen
schlägt er ihnen vor, am nächsten Tag die Sachen zu packen und eine
halbe Stunde lang zu wandern, dann eine kurze Pause zu machen und denjenigen,
der als erstes zurück kommt wieder einzustellen.
Die Kammacher waren darüber so empört, daß
sie Züs Bünzlin zu rate zogen. Diese erklärte sich dazu bereit,
am nächsten Tag mit ihnen mit zu gehen, denn sie wollte, daß nur
einer der zwei Ältesten Sieger würde.
Am darauffolgenden Morgen zogen sie zusammen los und
ließen sich nach einer halben Stunde an einer Anhöhe nieder. Sie
redeten viel und bekamen Durst.
Jobst und Fridolin suchten eine Wasserquelle auf und
tranken, worauf es ihnen schlecht wurde. Dietrich jedoch hatte sich eine Flasche
Kirschgeist mitgenommen, die ihm für den Rückweg stärken sollte.
Danach standen sie auf und bereiteten sich auf das Zurückrennen vor.
Als das Rennen begann, blieb Dietrich absichtlich als
einziger zurück, weil er den anderen einen Vorsprung geben wollte. Als er
jedoch die anderen Kammacher aus den Augen verlor, wollte er losrennen, aber
Züsi ließ ihn nicht gehen.
Inzwischen waren Jobst und Fridolin bereits wieder in
Seldwyla angelangt und stritten sich um den Sieg, dabei übersahen sie das
Kammachergeschäft und rannten weiter durch die Stadt. In der Zwischenzeit
trafen die beiden Verliebten, Dietrich und Züs, ein und kauften sich mit
ihrem gesamten Ersparnissen den Kammacherladen.
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