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Wirtschafts- und Währungsunion
1 Allgemeines
1.1 Die Wirtschaftsunion
Im Bereich der Wirtschaftsunion baut die Europäische
Union (EU) auf die durch das Binnenmarktprojekt (4 Freiheiten) erreichte
Marktintegration auf. Die wirtschaftspolitischen Kompetenzen verbleiben dabei
bei den Mitgliedsstaaten. Die Mitgliedsstaaten haben jedoch die
Wirtschaftspolitik zur Angelegenheit von gemeinsamem Interesse erklärt,
d.h. sie koordinieren ihr Vorgehen im Rat bzw. der Rat erarbeitete die
Grundzüge für die Wirtschaftspolitik, die anschließend in Form
einer Empfehlung durch den Europäischen Rat an die Mitgliedsstaaten
weitergeleitet werden.
Besondere Aufmerksamkeit gilt hier der Haushaltspolitik der
Mitgliedsstaaten. Die Kommission der EU überwacht anhand von
Kriterien die Haushaltsdisziplin, die Preisstabilität und die
Wechselkursstabilität.
Bei Nichtbeachtung dieser Kriterien steht dem Rat ein
abgestuftes Instrumentarium bis hin zu Sanktionen zur Verfügung, um auf die
Haushaltsdisziplin des betreffenden Staates einzuwirken.
1.2 Die Währungsunion
Im Bereich der Währungspolitik sieht der Vertrag zur EU
für die Endstufe der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) in Artikel
3a “ ... die unwiderrufliche Festlegung der Wechselkurse in
Hinblick auf die Einführung einer einheitlichen Währung ... ”
vor. In einer Währungsunion muß die Geldpolitik zentralisiert sein.
Erreicht soll dieses Ziel mittels dreier Stufen werden. Die
währungspolitischen Kompetenzen gehen dabei schrittweise auf
EU-Institutionen über, in der Endstufe werden sie dann dem
Europäischen System der Zentralbanken (ESZB) übertragen,
welches aus der Europäischen Zentralbank (EZB) und den nationalen
Notenbanken besteht. [6]
2 Fahrplan der WWU in 3 Stufen
Wie bereits beim ersten Versuch - dem Werner-Plan (1969
erstmals Überlegungen zur WWU) - zur Einführung einer WWU in Europa,
bedient sich die EU eines Dreistufenplans, mit fixen
Übergangsfristen. Diese drei Stufen sind im Vertrag von
Maastricht festgeschrieben.
2.1 Die Erste Stufe - Ingangsetzen der WWU
Die erste Stufe zur Verwirklichung der WWU begann am 1. Juli
1990 mit der vollständigen Liberalisierung des Kapitalverkehrs
zwischen den Mitgliedsstaaten und endete mit 31. Dezember 1993.
1991 Abschluß des Maastrichter
Vertrags.
Neben der Beseitigung aller materiellen, technischen und
steuerlichen Schranken im innergemeinschaftlichen Verkehr von Personen, Waren,
Dienstleistungen und Kapital (Vollendung des Binnenmarktes) wurde in
dieser Phase auch eine verstärkte Koordinierung der Wirtschafts-, Finanz-,
Wechselkurs- und Geldpolitiken unter den Mitgliedern verfolgt, um eine
dauerhafte wirtschaftliche Konvergenz und Preisstabilität zu schaffen. Das
sind die Voraussetzungen für die Verwirklichung der WWU.
2.2 Die Zweite Stufe - Vorbereitungen
Mit dem 1. Jänner 1994 sind die
EU-Mitgliedsstaaten automatisch in die zweite Stufe der WWU eingetreten. Diese
zweite Stufe führt den Grundsatz weiter, die wirtschaftliche, fiskalische
und monetäre Konvergenz der Mitgliedsstaaten auf der Basis
größtmöglicher Preisstabilität zu stärken, wie in der
ersten Stufe bereits festgelegt wurde.
- Sicherstellen der
wirtschaftlichen Stabilität (Beurteilung anhand der
Konvergenzkriterien)
Konvergenzkriterien:
- Gesamtverschuldung max. 60% des BIP
- öffentliche Neuverschuldung max. 3% des BIP
- Inflationsrate max. 1,5% über dem Durchschnitt der drei
preisstabilsten Länder (derzeit darf die 3%-Marke nicht überschritten
werden)
- langfristiger Zinssatz max. 2% über dem Durchschnitt der
drei preisstabilsten Länder (derzeit höchstens 8,1%)
- Teilnahme am Wechselkursmechanismus des EWS und das Einhalten
der Bandbreiten für Wechselkursschwankungen seit mind. 2 Jahren (wird von
allen Länder mit Ausnahme von Griechenland, Großbritannien und
Schweden erfüllt)
Abbildung 1: Lage der Erfüllung der
Konvergenzkriterien [1]
- Eine entscheidende
Neuerung stellt jedoch das Europäische Währungsinstitut (EWI)
mit Sitz in Frankfurt dar. Mitglieder des EWI sind alle Zentralbanken der
EU-Mitgliedsstaaten. Da die Geldpolitik auch in der zweiten Stufe im
Verantwortungsbereich der Mitgliedsstaaten verbleibt, nimmt das EWI noch keine
monetären Steuerungsfunktionen wahr. Seine Aufgaben liegen bei der
Vorbereitung der Errichtung des Europäischen Systems der Zentralbanken, der
Stärkung der Kooperation der Zentralbanken der Mitgliedsstaaten,
Stärkung der geldpolitischen Kooperation und der Überwachung des EWS
(Europ. Währungssystems).
- Einheitswährung
erhält den Namen “Euro”.
- Festlegung des
technischen Szenarios für die Einführung des Euro und des
Zeitplans für den voraussichtlichen Übergang zur Einheitswährung
- 2002).
- Festlegung des
rechtlichen, organisatorischen und logistischen Rahmens der EZB und des
ESZB
- Festlegung der
teilnehmenden Länder durch den Europäischen Rat im Frühjahr
1998.
- Endgültige
Vorbereitung der EZB und des
ESZB
2.3 Die Dritte Stufe - Tatsächlicher Beginn der WWU
Die dritte und letzte Stufe der WWU wird gemäß
der derzeitigen Planung am 1. Jänner 1999 beginnen.
Phase A (1999 bis 2001):
- Unwiderrufliche
Fixierung der Wechselkurse der teilnehmenden Währungen.
- Die EZB übernimmt
die Geldpolitik (EWI wird abgelöst).
- Der Euro kann bereits als
Buchgeld verwendet werden.
Phase B (1. Halbjahr 2002):
- Spätestens Anfang
2002: Ausgabe von Euro-Münzen und Euro-Banknoten.
- Spätesten Mitte
2002: Der Euro wird alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel; restliche
Schilling-Münzen und -Banknoten können auch danach bei der
Österreichischen Nationalbank umgetauscht werden. [1], [6],
[8]
3 Das Gesicht der neuen Einheitswährung
Am 13. Dezember wurde der Siegerentwurf der
Euro-Banknoten vorgestellt: Der österreichische Designer
Robert Kalina gewann mit seinem Entwurf zum Thema “Zeitalter und Stile in
Europa”. Jede der sieben Banknoten (5, 10, 20, 50, 100, 200, 500) stellt
eine bestimmte Epoche der europäischen Kulturgeschichte dar - von
der Klassik, Romanik, Gotik und Renaissance über das Barock und Rokoko bis
hin zur Eisen- und Glasarchitektur des 20. Jahrhunderts. Fenster, Tore und
Brücken stehen als Symbole für Offenheit, Zusammenarbeit und
Verbindungswege zwischen den Staaten der EU.
Die Banknoten werden genauso fälschungssicher gestaltet
wie die Schilling- Banknoten: Wasserzeichen, Spezialfarben (Kippeffekt),
Kinegramm, klare lesbare Zahlen, Sicherheitsstreifen, benutzerfreundliche
farbliche Gestaltung, deutliche Prägung (Reliefdruck) für Blinde und
Sehbehinderte.
Die Entscheidung für das Aussehen der
Euro-Münzen wird spätestens Mitte Juni 1997 fallen . Es wird
Münzen zu 1, 2, 5, 10, 20, und 50 Cent sowie zu 1 und 2 Euro geben. Die
Münzen werden auf einer Seite eine europaweite einheitliche Gestaltung
aufweisen, während die andere Seite ein nationales Motiv des ausgebenden
Staates zeigen wird. Auch bei den Münzen werden Unterscheidbarkeit und
Fälschungssicherheit eine wesentliche Rolle spielen. [9]
4 Auswirkungen des Euro - Vor- und Nachteile der WWU
4.1 Reibungsloses und effizientes Funktionieren des Binnenmarktes
Um ein reibungsloses Funktionieren des Binnenmarktes zu
gewährleisten, muß vermieden werden, daß
Wechselkursschwankungen den Handelsverkehr oder die Rentabilität von
Investitionen negativ beeinflussen. Selbst geringe Wechselkursveränderungen
können das vertragliche Gleichgewicht zwischen zwei europäischen
Unternehmen ganz empfindlich stören. Gleichzeitig wird der relativer
Wohlstand der Unionsbürger und die Kaufkraft der Konsumenten
beeinträchtigt.
Durch den Wegfall des Wechselkursrisikos und die
Einführung einer einheitlichen Währung werden Unternehmen und Private
vor solchen Störungen geschützt.
Weiters wird es auch zum ersten Mal möglich sein,
die Güter- und Dienstleistungspreise direkt über die Grenzen hinweg
zu vergleichen. Durch die daraus resultierende Stärkung des
Wettbewerbs innerhalb des Binnenmarktes profitieren wiederum die Verbraucher und
Unternehmen.
4.2 Anregung von Wachstum und Beschäftigung
Der Euro wird Investitionen und Beschäftigung auf
zweierlei Weise fördern. Erstens, weil die Währungsunion sich an
stabilitätsorientierten Zielen ausrichtete
und daher einen stabilen wirtschaftlichen Rahmen
mit kontrollierten öffentlichen Defiziten anbietet. Dadurch wird der
Handel gefördert, die optimale Verteilung der Ressourcen verbessert, eine
zunehmende Ersparnis und Wachstum angeregt und schließlich neue
Arbeitsplätze und eine höherer Lebensstandart
geschaffen.
Zweitens, weil die EZB über die erforderlichen
Instrumente und Mittel verfügen wird, um ihre vorrangigen Ziele -
Sicherung der Preisstabilität und monetäre
Stabilität in Europa - zu verwirklichen. Das daraus resultierende
wachsende Vertrauen in die Märkte wird zu Zinssenkungen
führen und damit unter anderem die öffentlichen Haushalte
entlasten.
4.3 Wegfall der Transaktionskosten
Unter Transaktionskosten werden jene Kosten, verstanden die
für die Wirtschaftssubjekte durch das bei internationalen Geschäften
unumgängliche Geldwechseln oder durch die Absicherung des
Wechselkursrisikos entstehen. Diese Kosten stellen eine nicht zu
vernachlässigenden Größe dar. Sie werden mit 0,5% des
Bruttoinlandsprodukts der EU, d. h. 20-25 Mrd. ECU (ca. 260-325 Mrd. ÖS),
veranschlagt.
Diese Kosten entstehen jedem einzelnen. Wenn beispielsweise
eine Privatperson mit 1000ÖS, DM, FF oder dem Gegenwert in einer anderen
Währung von zu Hause aus nacheinander durch die Staaten der Union reist und
an jeder Grenze ihr Geld in die jeweilige Landeswährung wechselt, bleiben
ihr bei der Rückkehr nach Hause nur noch 500ÖS, DM, FF oder der
entsprechende Gegenwert in einer anderen Währung, ohne daß sie
unterwegs irgend etwas gekauft hätte. Die andere Hälfte ging durch
Kursverluste und Gebühren verloren.
4.4 Ein Beitrag zur internationalen Stabilität
Die EU ist die größte Handelsmacht
der Welt. Mit der Einführung des Euro in Europa wird sich diese zu einer
der wichtigsten Reserve- und Handelswährungen entwickeln und gleichwertig
neben dem US-Dollar und dem japanischen Yen stehen. Für die
europäischen Unternehmen bedeutet das, daß sie ihre Importe mehr und
mehr mit Euro bezahlen und ihre Exporte gleichfalls in der neuen Währung
verrechnen können. Dadurch werden sie in die Lage versetzt. Die
Rentabilität ihrer Investitionsprogramme auf einer soliden Basis
kalkulieren zu können und so Beschäftigung in Europa zu
sichern.
Außerdem wird Europa in Kooperation mit Japan und den
USA in der Lage sein, für eine erhöhte Stabilität des
Weltwährungssystems zu sorgen.
Eine isolierte nationale Betrachtungsweise stellt angesichts
des weltweiten Wettbewerbs eine gefährliche Illusion dar und erweckt
falsche Erwartungen. Europa befindet sich mit anderen Kontinenten im Wettbewerb.
Vielfach wird auch von einer tripolaren Welt - Europa, Nordamerika, Asien
- gesprochen. Die Absicherung der sozialen Sicherheit und des Wohlstandes in
Europa erfordern daher gemeinsame wirtschaftliche Anstrengungen der
EU-Staaten. Zwar kann der Euro nicht direkt die wirtschaftlichen Probleme
Europas lösen, er stellt aber die Voraussetzung dar, daß nationale
und EU-weite Maßnahmen möglichst effizient wirksam werden
können.
4.5 Stärkung der gemeinsamen Währungssouveränität
Mit dem Übergang in die dritte Stufe der WWU gehen die
währungspolitischen Kompetenzen auf die EU über. De facto ist dies mit
einem Verlust der nationalen Währungssouveränität
gleichzusetzen. Allerdings ist hier zu hinterfragen, wie glaubwürdig bzw.
effektiv eine souveräne Währungspolitik von einzelnen Staaten heut
noch betrieben werden kann. In einer intedependenten, d. h. gegenseitig
abhängigen Wirtschaft mit freiem Kapitalverkehr ist die Verfolgung einer
autonomen Geldpolitik keine glaubwürdige Alternative. Die Mitgliedstaaten
übertragen der Union nur ein für sich nicht mehr effektives
Instrument, um gleichzeitig durch die aktive Teilnahme am Europäischen
System der Zentralbanken (ESZB) eine gemeinsame, gestärkte und
wirkungsvolle europäische Währungssouveränität zu
etablieren. [6]
4.6 Mögliche Bedenken - unwiderruflich festgelegter Wechselkurs
Eine einheitliche Währung bedeutet unwiderruflich feste
Wechselkurse. Es besteht daher von verschiedenen Seiten Bedenken, daß das
Wechselkursinstrument nicht mehr zur Bewältigung bestimmter Schwierigkeiten
zur Verfügung stehen könnte. Aber dieses Instrument schafft nur unter
ganz bestimmten Umständen und in der Regel nur vorübergehend
Erleichterung. In den meisten Fällen kann solchen Schwierigkeiten besser
mit anderen Mitteln wie der Fiskalpolitik oder dem Funktionieren der
Arbeitsmärkte begegnet werden, die in der Verantwortung der Mitgliedstaaten
liegen. Deshalb betont der Vertrag die Notwendigkeit eines hohen Maßes an
Konvergenz und das Prinzip einer offene Marktwirtschaft mit freiem Wettbewerb.
Gerät ein Mitgliedstaat durch außergewöhnliche Umstände,
die nicht in seinem Einflußbereich liegen, in Schwierigkeiten, so sieht
der Vertrag unter bestimmten Bedingungen die Möglichkeit der Gewährung
eines finanziellen Beistands durch die Gemeinschaft vor, über die der Rat
zu entscheiden hat. [8]
5 Wird der Euro so stabil wie die D-Mark?
Eine Währungsunion berührt nationale Interessen
und Hoheitsrechte in erheblichem Maße. Das Recht auf eigene Währung
schließt nämlich die Möglichkeit der Zentralbanken ein, durch
Geldpolitik die Wirtschaftsentwicklung zu beeinflussen. Wichtiges Instrument
dabei ist da Recht, Banknoten zu drucken und in Umlauf zu bringen. Durch
Begrenzung oder Ausdehnung der umlaufenden Geldmenge, was indirekt z. B.
über Veränderung der Zinssätze gesteuert wird, kann das
Wirtschaftsgeschehen beeinflußt werden.
Eine einheitliche EU-Währung “Euro” kann
natürlich nur auf Weisung einer einzigen, neu zu schaffenden
Europäischen Zentralbank (EZB) in Umlauf gebracht werden. Die Satzung
dieser EZB (also gewissermaßen ihre verbindliche Arbeitsgrundlage) wurde
von den Zentralbankpräsidenten der EU-Staaten gemeinsam ausgearbeitet und
von den Regierungen als Bestandteil des Maastrichter Vertrags verabschiedet,
wofür Einstimmigkeit vorgeschrieben war.
Es wurden vorher Befürchtungen laut, man werde sich,
wie so oft, auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen, um die Zustimmung auch
jener Staaten zu erlangen, die bisher Preisstabilität für weniger
wichtig und ihre abhängige Notenbank als bequeme Finanzquelle betrachtet
haben. Die Satzung der EZB, so wurde vor allem in Deutschland gewarnt,
könne allzu “weich” ausfallen, so daß manche Regierungen
nach wie vor ihre chronischen Haushaltsdefizite über die Notenbank
finanzieren können - auf Kosten der anderen Mitgliedstaaten, die sparsamer
wirtschaften.
Solche Befürchtungen haben sich als vollkommen
unbegründet erwiesen, tauchen aber immer noch in Kritiken auf. Tatsache
ist, daß die EU-Staaten für die EZB eine Satzung vorgeschrieben
haben, die dem Modell der Deutschen Bundesbank sehr ähnlich ist und z. T.
über die Anforderungen im Bundesbankgesetz hinausgeht:
- Preisstabilität ist
vorrangiges Ziel der EZB
- Sie ist unabhängig
von den Regierungen und den Organen der EU
- Vergabe von Krediten zur
Staatsfinanzierung ist ihr verboten
Da diese Arbeitsbedingungen der EZB im Vertrag über die
Europäische Union festgeschrieben sind, also gewissermaßen
Verfassungsrang haben, können sie nicht wie ein nationales Gesetz
aufgehoben oder geändert werden. Damit steht fest: Die EZB muß eine
gemeinsame EU-Währung so stabil halten, wie die Deutsche Bundesbank bisher
die D-Mark. [3]
6 Umstellung auf den Euro
Der Beginn der Währungsunion ist für den 1. 1.
1999 geplant. Euro-Münzen und Euro-Banknoten werden voraussichtlich aber
nicht vor 1. 1. 2002 in Umlauf gebracht werden. Theoretisch steht es den
Unternehmen im Übergangszeitraum frei, ob sie ihre Geschäfte und
Finanzaktionen in Euro oder in Schilling abwickeln, ob sie ihre Buchhaltung
umstellen oder damit noch warten. Firmen, die mit internationalen Abnehmern
verflochten sind, stehen aber möglicherweise vor dem Problem, daß
diese schon ab 1999 in Euro rechnen, kalkulieren und verhandeln. Zwar ist jeder
Schillingbetrag einfach in Euro umzurechnen, doch könnte bei
Preisverhandlungen, Nachkalkulationen oder Detailgesprächen das
Nebeneinander von Währungen bald zum Thema werden. Für jene Firmen,
die nicht zu den obig genannten gehören, ist wahrscheinlich eine
relativ späte Umstellung empfehlenswert. Dabei ist zu beachten,
daß es relativ viele geben wird die zu einem späteren Zeitpunkt
umstellen, und so ist ein Engpaß bei EDV-Spezialisten und Experten
abzusehen.
Auch die öffentliche Verwaltung geht erst zu einem
relativ späten Zeitpunkt über. Bilanzerstellung, Löhne und
Gehälter werden wahrscheinlich erst ab 2002 in Euro
berechnet.
6.1 Kosten der Umstellung/ Finanzplanung
In jedem Fall wird die Umstellung zusätzliche Kosten
zur Folge haben. Zu erwarten - und in der langfristigen Finanzplanung zu
berücksichtigen sind die vorallem in folgenden Bereichen:
- Technik: z.B. neue Kassen
bzw. allgemein bei Automaten;
- neue Preisauszeichnung
bzw. für einen bestimmten Zeitraum wahrscheinlich doppelte
Preisauszeichnung in Euro und Schilling;
- Umstellung der
Datenverarbeitung, der Buchhaltung und des sonstigen Berichtswesen;
- Anpassung der Bildschirme
und Formulare
- Marktstudien (sowohl
Absatz als auch Beschaffung);
- Kosten für Berater
(von technischer Beratung bis Marktanalyse);
- Marketingmaßnahmen;
- Mitarbeiterschulung;
- Kundeninformation
Zwei Punkte sollten in diesem Zusammenhang besonders
berücksichtigt werden:
- Information der Mitarbeiter über die Euro-Auswirkungen,
sodaß auf allen Entscheidungsebenen schon heute der Euro
“mitgedacht” wird.
- Information über die Möglichkeiten, mit anderen
Unternehmen zu kooperieren und dadurch gewisse Kosten aufzuteilen bzw.
gemeinsam Vorarbeiten tätigen können. Zu beachten ist allerdings,
daß die Euro-Einführung kein ausschließlich technischer Vorgang
ist, sondern auch Marktveränderungen bewirken kann und damit die Umstellung
auch einen Wettbewerbsfaktor darstellt.[1]
Eventuell wird in Österreich ein Sevice Center
aufgebaut, welcher die Kleinbetrieb, die oft überfordert sind, bei der
Umstellung auf den Euro unterstützen. [2]
7 Konklusio
Der Übergang zu einer einheitlichen Währung kann
nur dann gelingen, wenn er von den Bürgern voll akzeptiert wird. Diese
Entwicklung wird aber zwangsläufig eine Umstellung der alltäglichen
Gewohnheiten wie auch der Organisation von Banken und Unternehmen erfordern.
Daher muß unbedingt immer wieder auf die zahlreichen Vorteile der
einheitlichen Währung hingewiesen werden (Förderung der
Beschäftigung, Wegfall der mit dem Nebeneinander mehrerer nationaler
Währungen verbundene Mehrkosten, größeres Gewicht Europas in der
Welt, Preisstabilität und -transparenz, Erleichterung bei Reisen durch
Europa, preisgünstigere Überweisungen von einem Land ins andere,
usw.). Dann wird die einheitliche Währung Europa den Bürgern
näherbringen, die Einheit Europas stärken und zu Stabilität,
Frieden und Wohlstand bringen. [8]
Mit dem einzigen Nachteil den ich in der WWU sehe,
müssen die Staaten zurechtkommen, die nicht in die WWU aufgenommen werden.
Es ist sicherlich wichtig zu untersuchen, ob es diesen Staaten mit ihrer, meiner
Meinung nach großen Benachteiligung, möglich ist verspätet in
die WWU einzutreten.
8 Literaturverzeichnis
|
[1]
|
Wailand und Waldstein GmbH: Unternehmen
Europa
Gewinn Spezial 4d/97; 16. Jahrgang; Seite
163-180
Mediaprint Zeitungsvertriebsges.m.b.H. & CO AG;
Wien
|
|
[2]
|
Hans V. Haumer: Kleinbetriebe sind derzeit für Euro
schlecht gerüstet
Kurier; 28. Juni 1997; Nr.176; Seite 21
Wien
|
|
[3]
|
C. D. Grupp: “Europa 2000- Die Europäische Union
der 15”
OMNIA Verlag, Edition 1996, Europäische
Parlament
|
|
[4]
|
Dr. K.-D. Borchardt: “Die Europäische
Einigung”
EGKS-EG-EAG, Brüssel
•
Luxemburg, 1995
4. Ausgabe
|
|
[5]
|
Europ. Kommission: Europa ... Fragen und Antworten - Wann
kommt der Euro?
EGKS-EG-EAG, Brüssel
•
Luxemburg, 1996
|
|
[6]
|
Europ. Kommission: Sicher und stabil wie der Schilling - Die
europäische Währungsunion
Wien
|
|
[7]
|
Europa - Chancen und Risiken: Das Buch II
Bundeskanzleramt, Staatssekretariat für Integration und
Entwicklungszusammenarbeit
Wien 1994; 2. Auflage
|
|
[8]
|
Europ. Kommission: Wirtschafts- und
Währungsunion
EGKS-EG-EAG, Brüssel
•
Luxemburg, 1996
|
|
[9]
|
Mag. Peter Achleitner: Der Euro - Das neue Gesicht
Europas
Österreichische Nationalbank; Wien
|
9 Weiterführende Literatur
- Mag. Marianne Kager: Der
Euro - Informationen für
Unternehmer
Bank Austria AG
Wien; April 1997
- Mag. Marianne Kager: Der
Euro - Fragen und Antworten zum Geld von
morgen
Bank Austria AG
Wien; März 1997
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