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| Eichendorff, Joseph Freiherr von (1788-1857)
Eichendorff, Joseph Freiherr von (1788-1857)
JOSEPH VON EICHENDORFF
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WüNSCHELRUTE
Joseph von Eichendorff, 1788 geboren, ist wohl der populärste
romantische Lyriker. Eichendorff wird epochal der Spätromantik zugeordnet,
welche als ausgeprägteste Form zu bezeichnen ist. Historischer Hintergrund
waren unter anderem die Forderungen nach Freiheit, Gleichheit,
Brüderlichkeit - bekannt durch die Französische Revolution. Somit
knüpft die Romantik also unmittelbar an den schrankenlosen Individualismus
der Spätaufklärung und des Rationalismus an. Die Tendenz des
Romantischen Stils vereint bisher getrenntes und erscheint somit als
progressive, also fortschrittliche Universalpoesie. Auf diesem Weg der
individuellen Entwicklung der freischöpferischen Phantasie gingen einige
bisher zählenden Richtlinien verloren. Daher fehlt diesen Werken der
Romantik die strenge formale Konzeption. Sie sind eher Improvisationen,
Arabesken, gekennzeichnet durch die offene Form.
Eichendorff, der viele Werke in dieser romantischen Überladenheit
schrieb, läßt sein Gedicht WüNSCHELRUTE in einem ganz
anderen Gewand erscheinen. Der schlicht gehaltene Vierzeiler stellt die Welt als
ruhig, ja fast schläfrig dar. Es hat den Anschein, als ob alles nur
“dahinvegitiert”, ohne die wahre Schönheit des Lebens - der
Natur zu erblicken. Erst als der Künstler das Zauberwort trifft, erwacht
der ganze Komplex zum Leben und entdeckt bisher verborgen gebliebene
Qualitäten. Im Zuge des Individualismus kann die Person des Künstlers
- des Erlösers aus der Verborgenheit - jeder übernehmen und den
Anstoß zur gewaltfreien Reform alter Grenzen und Werte
vollbringen.
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