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Liechtenstein, Ulrich von (1200-1278)
Ulrich von Liechtenstein
Wir stellen uns einen Minnesänger vielleicht so vor wie in der Ballade
“Des Sängers Fluch”. Blondgelockt, mit der Laute in der Hand,
zieht er von Hof zu Hof, von Burg zu Burg und besingt die Schönheit der
Damen.
Ulrich von Liechtenstein paßt ganz und gar nicht in dieses Bild:
Er wurde im Jahre 1200 in der Murauer Linie seines Geschlechts geboren. Er hat
als Truchseß (Landeshauptmann) und Landrichter der Steiermark eine
bedeutende Rolle in der Geschichte seines Heimatlandes gespielt.
Wir wissen viel über ihn, weil er in seinem literarischen Hauptwerk, dem
Buch “Frauendienst” eine umfangreiche gereimte Selbstdarstellung
hinterlassen hat. Wenn man seine phantasievollen Gedichte wegläßt und
die fehlenden Zeitangaben rekonstruiert, bildet dieses Werk ein wichtiges
Zeitdokument.
Ulrich genoß die klassische Ritterausbildung, er diente zuerst jahrelang
als Page bei einer edlen Dame, die er sehr verehrte. Ab seinem 15. Lebensjahr
bis zum Tode seines Vaters im Jahre 1219 diente er als Knappe bei Markgraf
Heinrich von Istrien und wurde im Jahre 1223 von Leopold VI., dem Judenburg sein
Stadtrecht verdankt, in Wien zum Ritter geschlagen.
Ulrich besaß 3 Burgen: das Schloß Murau, die Frauenburg bei Unzmarkt
und seinen Stammsitz, die Burg Liechtenstein.
Größte Verdienste in Judenburg erwarb er sich durch die Anlage der
ältesten Wasserleitung der Stadt. Als einer der Führer der steirischen
Adles half er mit, den Anschluß der Steiermark an das habsburgische Reich
vorzubereiten.
Da er sein Werk “Frauendienst” im Jahre 1255 beendete, sind die
letzten zwei Jahrzehnte seines Lebens wenig dokumentiert.
Man vermutet, daß er im Jahre 1269 mit anderen steirischen Adeligen vom
Böhmenkönig Ottokar II. gefangengenommen und bestraft wurde. Lange war
umstritten, wo er begraben sei. Einige behaupteten, daß er in der Kirche
zu Frauenburg begraben ist, tatsächlich ist er aber in Seckau bestattet.
Ulrich von Liechtenstein ist im Verhältnis zur früheren Zeit sehr alt
geworden, er war 77 oder 78 Jahre alt, als er verstarb.
In seinem Roman “Frauendienst” zeigt Ulrich von Liechtenstein neben
den selbstbiographischen und kulturgeschichtlichen Teilen auch eine
unwirkliche, phantastische Ritterwelt. Er beschreibt sich selbst als einen, der
im Dienste einer Frau die lächerlichsten Narrheiten verübt. In der
Verkleidung der “Frau Venus” unternimmt er einen Turnierzug durch
ganz Österreich, um zu ihrer Ehre Speere zu verstechen und goldene Ringe
auszuteilen.
Seine Turnierreisen in Verkleidung hatten auch politische Motive; so schlichtete
er z.B. beim Friesacher Turnier den Streit zwischen Erzbischof Egbert v.Bamberg
und einem Bruder seines ehemaligen Herrn von Istrien.
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In seinen Erzählungen findet sich eine Schilderung des Todes Friedrichs des
Streitbaren mit folgendem Wortlaut:
“Es
kam ein Tag,den ich immer hassen muß,
denn eine geschwinde
Somerzeit erschien
in der der hochgeborene
Fürst Friedrich von Österreich
jämmerlich erschlagen
ward.
Nach ihm erhob sich
große Not in Steier,
mancher ward arm, der vorher
reich gewesen,
man beraubte die Länder
Tag und Nacht,
wovon viele Dörfer
wüste lagen.
Die Reichen nahmen
den Armen
ihr Gut.”
Im “Frauendienst” beschäftigt Ulrich sich aber auch mit
Problemen und Ängsten seiner Zeit. So gehörte die aus dem Orient
eingeschleppte L e p r a zu den schwersten und hoffnungslosesten
Krankheiten.
Mit diesen Worten beschrieb er einen
Leprakranken:
“Die vinger manegem
ûz der haut wâren alsô gefûlet abe als
einem
der tôt in dem grabe gelegen ist
wol hundert tage”
d.h.(Die Finger mancher Kranker waren
so verfault wie an einem, der gut hundert Tage tot im Grabe
gelegen)
Für ihn als geselligen Menschen hatte das Leben jedoch immer angenehme
Seiten an sich. Ulrich hatte als einer der ersten Burgherren eine Badestube
einrichten lassen. Als bei einem Festessen die Stützsäule des
Festsaales brach und seine fürstlichen Gäste ein unfreiwilliges Bad in
der darunterliegenden Badestube nahmen, wurde das Bad von Ulrich regelrecht
modernisiert. Er selbst erzählt vom Badezuber, der über und über
mit Rosen bestreut im Freien von ihm bestiegen wurde. Auch wenn ein Gast nach
mühseliger Reise ankam, ließen ihm die Gastgeber ein Bad
richten.
Ulrichs Leben war nie langweilig. Er war Vater einer
großen Familie, verantwortlicher Verwalter eines riesigen Gebietes und
seiner Bewohner und im späteren Leben wichtiger Politiker. So ist es auch
nicht verwunderlich, daß er Feinde hatte. Eine Geschichte erzählt,
daß er von zwei falschen Freunden auf seiner eigenen Burg, nämlich
der Frauenburg über ein Jahr in Ketten geschmiedet gefangengehalten wurde.
Der Preis für seine Freilassung war der Verzicht auf seine drei Burgen
:
Er blieb dennoch der wohlhabendste und einflußreichste
Mann in der Gegend.
Ulrich war eifriger Schüler Walthers von der Vogelweide
und das schönste an seinem Roman “Frauendienst” sind die
eingestreuten 58 Minnelieder, die Liebe und Schmerz, ritterliche Ideale, Spiele
und Unterhaltung, ebenso zum Thema haben, wie die Liebe zu den steirischen
Naturbildern.
Ulrich geht bereits etwas ab von der “hohen
Minne”, wo nur absolut unerreichbare Damen, schon fast Heilige, besungen
werden und der damit verbundene Liebesschmerz der Sänger.
In den verschiedensten Versmaßen, die sein
ungewöhnliches Talent zeigen, verstand er es frisch und anschaulich Liebe
und Schmerz, Hoffnung und Verzweiflung auszudrücken. Die Heiterkeit seines
Wesens und die Zartheit seiner Empfindungen machten offenbar großen
Eindruck auf seine Zuhörer und wegen ihrer Leichtigkeit im Singen fanden
seine Lieder, wie er selbst sagte, große Verbreitung.
Hören wir nun als Beispiel einige Strophen eines
Liedes, in dem Ulrich von Liechtenstein auch an die Erfüllung seiner
sehnlichsten Wünsche glaubt:
“Minne Fröiden
Spil”, ein Reigen, der von einem Salzburger
Ensemble für alte Musik interpretiert wird.
Der Name Liechtenstein lebt auch heute noch in Judenburg
(Liechtensteinberg, Ruine Liechtenstein, Schloß Liechtenstein,
Liechtensteingasse, ESV Liechtenstein und Forstbetrieb Liechtenstein´sche
Gutsverwaltung). Zwar wurde die Burg im Jahre 1269 mit den beiden anderen Burgen
auf Befehl Ottokar’s geschleift und nur ein winziger Teil der Grundmauern
erinnert an die einstige Festung.
Das neue Schloß, das später unter den Seckauern
errichtet wurde, ist architektonisch eher bedeutungslos. Es diente der
Judenburger Linie der von und zu Liechtenstein als Residenz, bis es vor Jahren
vom Besitzer Dipl. Ing. Luitpold v. Lichtenstein zur Beherbergung des
Schülerheimes zur Verfügung gestellt wurde.
In der “Steirischen Ehrengalerie”, welche 1959
im 2. Burghof der Grazer Burg angelegt wurde, steht eine von Alfred Schlossar
geschaffene Marmorbüste Ulrichs von Liechtenstein.
In Gedenken an den großen Minnesänger wurde die
Musikanstalt in Judenburg 1986 umbenannt und heißt seither
“Ulrich-von-Liechtenstein Musikschule der Stadt
Judenburg”.
Ich habe mich bemüht, aus den vielen Informationen
über Ulrich von Liechtenstein jene an euch weiterzugeben, die am
interessantesten sind und ich hoffe, daß es euch gefallen
hat.
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