|
Du bist hier: Referate Datenbank | Deutsch
| Nestroy, Johann: Der böse Geist Lumpazivagabundus
Nestroy, Johann: Der böse Geist Lumpazivagabundus
Steinberger Roland
Inhaltsangabe
Der böse Geist Lumpazivagabundus
Von Johann Nestroy
Der böse Geist Lumpazivagabundus wird bei dem
Feenkönig Stelaris von Mystifax und einigen anderen Zauberern angeklagt,
weil er deren Söhne vom rechten Pfad der Tugend abgebracht hat. Stelaris
lässt Lumpazivagabundus zu Wort kommen, doch dieser bereut keine seiner
Taten, sondern gibt noch keck damit an und als Stelaris ihn aus dem Feenreich
verbannt, lacht er nur, denn seine Opfer seien ihm für immer verfallen. Die
Söhne der Magier lassen sich wie es sich herausstellt auch nicht durch
Fortuna der Fee des Glücks, mittels Reichtümer bekehren, nur Amerosa
die Fee der Liebe vermag den Bann des bösen Lumpazivagabundus zu brechen.
Der Sohn des Mystifax, Hilaris ist durch die Liebe zu Fortunas Tochter
Brillantine schon am besten Weg der Besserung, jedoch ist die eingebildete
Fortuna strikt gegen diese Beziehung und zweifelt auch an der Macht Amarosas.
Sie will die Leidenschaft der beiden sofort unterbinden, allerdings weist
Stelaris sie darauf hin, dass dies nur unter einer Bedingung möglich ist.
Fortuna soll unter Beweis stellen, dass auch sie dazu fähig ist,
Lumpazivagabundus entgegen zu treten. Drei Sterbliche, die im Leben nicht gerade
das große Los gezogen haben und durch ihre liederliche Lebensweise sich
oftmals durch Betteln durchs Leben kämpfen müssen, werden von Fortuna
auserwählt um durch ihre Fähigkeiten zu fleißigen und
wohlhabenden Leuten zu werden. Hat sie Erfolg, so werden Hilaris und Brillantine
für immer getrennt, erst wenn sich herausstellt, dass sie den Wohlstand,
den Fortuna ihnen zukommen lassen will, verschwenden bis nichts mehr davon
übrig ist, wie von Lumpazivagabundus angenommen wird, gibt Fortuna ihr
Einverständnis zur Heirat von Hilaris und Brillantine.
Die auserwählten Fortunas sind, der Tischler Leim,
der Schneider Zwirn und der Schuster Knieriem, der ein beträchtliches
Alkoholproblem hat. Die drei begegnen sich auf dem Weg in die Stadt, dort lernen
sie einander kennen und gehen gemeinsam in die Kneipe. Hier wird gezecht und
gestanzt, insbesondere der Casanova Zwirn treibt es bunt. Knieriem ist
zufrieden, wenn sein Krug voll Bier ist, und die Getränke gehen auf die
Rechnung eines gewissen Herrn Fassel, der in der Lotterie tausend Taler gewonnen
hat. Knieriem bedauert ihn allerdings, weil ihm die Zeit fehlt, das Geld zu
investieren , denn er als Astronom glaubt, dass bald ein Komet die Erde
zerstören wird. Leim kritisiert dies, weil diverse Professoren anderer
Meinung sind und sie sollten es wissen. Doch Knieriem lässt von seiner
Vorstellung nicht ab. Im Laufe weiterer Gespräche stellt sich heraus, dass
Leim Liebeskummer hat und ein sehr liederliches Leben führt. Sein Herz
gehört noch immer Peppi, der Tochter des Tischlermeisters Hobelmann. Ihr
hat er, als er noch in der Lehre beim Tischler war, das Leben gerettet, so hat
ihm der Meister die Hand seiner Tochter zugesichert. Jedoch ist Leim eine
schreckliche Botschaft zu Ohren gekommen, dass Peppi den Wirt Strudel heiraten
soll und da sie die einzige Tochter Hobelmanns ist, hat Leim seine Sachen
gebackt und ist verschwunden. Zwirn kann den Liebeskummer Leims nicht verstehen,
denn er kann es mit einer Frau alleine nicht aushalten. Die drei Gesellen
erfahren noch vom Wirt Pantsch, dass am nächsten Tag die Verlosung von
hunderttausend Talern stattfindet, bei der er schon so gut wie sicher gewonnen
hat, weil seine Frau von der Losnummer geträumt hat. Fortuna lässt
alle drei nachts von der gleichen Zahl träumen. Sie lautet 7359. Am Morgen
laufen sie sogleich zum Händler, der zufällig gerade dieses Los noch
besitzt und kaufen es. Sie gewinnen natürlich und teilen sich das Geld.
Jeder der drei hat etwas anderes vor, so trennen sich ihre Wege. Doch sie wollen
sich nach einem Jahr wieder in Wien beim Hobelmann treffen, um zu sehen was aus
jedem geworden ist. Leim kehrt zum Hobelmann zurück um um die Hand seiner
Tochter anzuhalten, was nun auch, unter anderem durch das Vermögen, dass er
hat kein Problem mehr ist. In vier Wochen wird geheiratet. Zwirn leistet sich
eine Hübsche Wohnung in Prag, doch durch seine Prahlerei verjuxt er sein
ganzes Geld. Knieriem lässt den Alkohol auf seinen vielen Reisen
fließen und verbraucht so sein ganzes Geld. Als sie sich nach einem Jahr
wieder in Wien treffen sind Knieriem und Zwirn ziemlich heruntergekommen. Sie
treffen Leim nicht an, sondern bekommen von ihm nur einen Brief, den ihnen
Hobelmann vorlesen muß. Darin steht geschrieben, daß Leim im Sterben
liegt und ihnen nur die beiliegenden hundert Taler Anreisegeld schenken kann.
Doch die beiden wollen das Geld zu ihm zurückbringen. Er aber hat sich nur
versteckt um zu sehen ob sie das Herz noch am rechten Fleck haben. Leim sellt
ihnen seine Frau vor und sie wollen Knieriem bei ihnen behalten, damit er ein
besseres Leben anfängt. Doch den beiden ist nicht zu helfen. Sie wollen ihr
eigenes lumpiges Leben weiterführen. Da tritt Stelaris heran und verdammt
die beiden in die Hölle. Somit hat Fortuna verloren und muß zugeben,
dass Amarosa die stärkere ist, Hilaris und Brillantine sind in Liebe
vereint. Amarosa hat auch die Söhne der anderen Zauberer bekehrt, und
Stellaris ist ihr zu großem Dank verpflichtet. Sie will allerdings nur
Zwirn und Knieriem in ihre Obhut nehmen. Nach einiger Zeit sieht man alle drei
mit Frau und Kindern im selben Hause arbeiten.
Steinberger Roland
Kritik
Der böse Geist Lumpazivagabundus
Von Johann Nestroy
Das Buch spiegelt drei Charaktere wider, die es auch
noch in unserer Zeit gibt, und die es immer wieder geben wird. Zum einen Leim.
Er ist von Grund auf fleißig und auch fähig einen geregeltes Leben zu
führen. Doch ist er ein Mensch, der immer alles sofort schwarz sieht, auch
als er glaubt seine einzige Liebe sei für immer in festen Händen, hat
er sofort keinen Sinn mehr im Leben gesehen und wollte es wegwerfen.
Zwirn will sein Lebe wiederum in vollen Zügen
auskosten, wenn er auch nie das nötige Kleingeld hat, oder es nicht lange
besitzt. Er kann es auch nicht lange an einem gleichen Ort aushalten. Er braucht
immer neue Erlebnisse und neue Leute um sich um sich wohlzufühlen. Er wird
es auf diese Art und Weise aber nie zu etwas bringen. Auch ihm würde nur
die wahre Liebe etwas Standfestigkeit geben.
Knieriem stellt jenen Menschen dar, der durch ewiges
Endzeitdenken keinen Sinn im Leben finden. Er lebt in den Tag hinein und kann
sich keine Zukunft aufbauen. Er sucht wie viele Menschen Zuflucht im Alkohol,
der seine verworrenen Zukunftstheorien nur noch schlimmer macht. Zu viel
Glück ist für ihn nur noch eine Last, um die er sich vor dem Ende zu
kümmern hat.
Man bemerkt, daß alle drei ohne einen
Lebenspartner verloren sind. Einmaliges Glück kann mißachtet werden
und genau das Gegenteil bewirken. Weiters zeigt die Erzählung im Fall Leim,
dass durch bloßes Reden viele Probleme beseitigt werden können.
Am Ende des Buches überschlagen sich die Ereignisse
und werden von einer Sekunde auf die andere immer unglaubwürdiger. Dieses
Buch ist wie so viel andere der Zensur zum Opfer gefallen. Johann Nestroy wollte
das auch zeigen und schrieb so diesen, überhaupt nicht zur Geschichte
passenden Schluß. Er war ein Mann, der sich nichts gefallen ließ und
wenn, dann konterte er. Er wollte zeigen, dass der Schluß nicht seinen
Gedanken entflossen ist, sondern der Zensur zum Opfer fiel. Er wollte eine
Grenze zwischen seinem Verlauf des Buches und dem Verlauf des ihm auferlegten
ziehen, die auch unschwer zu übersehen ist.
Nestroy wurde am 7. Dezember 1801 in Wien geboren. Er
war der Sohn einer höchst angesehenen Bürgerfamilie. Sein Vater war
Hof- und Gerichtsadvokat gewesen. Kurze Zeit studierte Johann Nestroy
Rechtswissenschaft, ohne recht Freude daran zu finden. Später versuchte er
sich als Sänger. Schon bald konnte er bei der Zauberflöte mitspielen.
1825 bekommt er seine erste Sprechrolle in Brünn. 1827 verfasste er seine
ersten eigenen Stücke. 1831 kommt er ans Theater an der Wien, wo er bis zu
seinem Tod sesshaft gewesen ist. Die Uraufführung von Lumpazivagabundus
fand am 11. Aprill 1833 statt, und Nestroy spielte persönlich die Rolle des
Knieriem. Diese Aufführung war zugleich die gelungenste überhaupt.
1834 führt Nestroy noch ein Werk, basierend auf Lumpazivagabundus auf ,
welches jedoch durch wenig Begeisterung bald von den Bühnen verschwand.
|