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Die Meditation
Michael Sailer, HS II
- Die Notwendigkeit der
Meditation
Meditation, dieses Wort ist in meinem Sprachgebrauch ein
irgendwie mystisch behafteter Ausdruck. Mir kommt oft vor, daß Meditation
etwas ist, das weit weg ist und mit unserer Kultur wenig zu tun hat.
Andererseits habe auch ich mitbekommen, daß in unseren Breiten ein
regelrechter Asien - Boom eingesetzt hat.
Es entspricht durchaus der Realität, daß fast in
jedem Buchgeschäft Bücher über Tibet oder über irgendwelche
östlichen Weisheiten in der Auslage zu sehen sind. Ein weiteres Indiz
für die Popularität des Ostens ist auch, daß bereits mehrere
Prominente und Schauspieler zum Buddhismus übergetreten sind.
Auch kenne ich persönlich einige Leute, die sich mit
östlichen Meditationstechniken auseinandersetzen und ganz fanatisch jedes
neue Tibet - Buch verschlingen. Manche mögen sagen, diese Menschen
wären Ausdruck der sogenannten New Age - Bewegung, aber das sei
dahingestellt.
Ich jedenfalls glaube, daß viele Menschen momentan so
fasziniert vom Osten sind, weil sie ganz einfach mit der Masse schwimmen. Ich
muß zum Beispiel auch zugeben, daß ich nur angefangen habe zu
snowboarden, weil es alle anderen auch getan haben.
Ich bin auch der Ansicht, daß allgemein nur derjenige
wirklich meditieren kann, der auch daran glaubt.
Dazu muß ich hinzufügen, daß auch ich
bereits mit östlicher Meditation konfrontiert worden bin. Und zwar haben
wir uns im Gymnasium im Religionsunterricht sehr ausführlich mit den
Weltreligionen beschäftigt. Dazu gehörte dann auch, daß uns der
Religionsprofessor anbot, vor schwierigen Schularbeiten und Tests eine kleine
Meditationsstunde einzulegen. Dies sollte der Entspannung
dienen.
Hierzu darf ich anmerken, daß ich nicht daran glaube,
dadurch meinen Horizont erweitert zu haben. Entspannen konnte ich mich schon
beim Meditieren, allerdings taucht hier die Frage auf, ob man Müdigkeit als
Entspannung bezeichnen darf.
Zusammenfassend möchte ich anmerken, daß es wohl
jedem Menschen selbst überlassen werden soll, welcher geistigen
Strömung er sich anschließt.
- Die Besonderheiten christlicher
Meditation
Im Gegensatz zu vielen (nicht allen) östlichen
Meditationstechniken gibt es im christlichen Glauben die inhaltliche Meditation.
Einer der Vorreiter der christlichen Meditation war der Jesuitenpater Ignatius
von Loyola. Er verfaßte das sogenannte
"Exercicienbüchlein".
Die Grundgedanken der geistlichen Übungen stammen aus
der Zeit von Ignatius’ Einsiedlerleben in Manresa. Vorbild waren die
Übungen für das geistliche Leben (1500) des spanischen Abtes Garcia
de Cisneros. Das Werk ist im Wesentlichen ein Leitfaden zur Meditation und
religiösen Unterweisung. Vier Abschnitte regeln den Ablauf der
täglichen Übungen, die zum Leben in Frömmigkeit führen
sollen. Am Ende steht der miles christianus (lateinisch für:
Christenritter), der durch blindgläubigen Gehorsam der Kirche
gegenüber den Verlockungen der Reformation widersteht.
Im Christentum wird die Meditation in der Regel als eine
Form des stillen Gebets und des Nachdenkens verstanden.
Auch die heilige Theresia von Ávila befaßte
sich mit meditativen Praktiken im christlichen Glauben.
Theresia von Ávila wurde am 28. März 1515
in Ávila geboren. 1535 trat sie dem örtlichen Kloster der
Karmelitinnen bei. Nach Christusvisionen (1555) und besorgt durch die
nachlassende Disziplin unter den Karmelitinnen, beschloß sie eine
Reformierung des Ordens. Die heilige Theresia gewann die Überzeugung,
daß Frömmigkeit mit Weltlichkeit einher geht. Außerdem gab sie
der Meditation insofern einen Inhalt, indem sie Gott personifizierte.
Vergöttlichung bedarf Vermenschlichung und umgekehrt, das war die Ansicht
der Theresia von Ávila.
Die Eigenart der christlichen Meditation besteht nun darin,
daß die Meditation selbst eigentlich zweitrangig ist. Dafür gibt es
sogar Beweise in der Bibel. Meditation kann sozusagen als der Vorraum des Betens
bezeichnet werden. Je hilfreicher die Meditation für den Gläubigen
ist, desto günstiger.
Ein kleines Problem ist auch, daß die Heilige Messe in
unserer schnellebigen Zeit oft nur noch eine halbe Stunde dauert. Da der Mensch
aber allein diese halbe Stunde braucht, um zur inneren Ruhe zu gelangen, ist es
oft schwer, den meditativen Charakter der Messe zu verstehen.
Während die nichtchristliche Meditation darauf
hinausläuft, eine innere Ausgeglichenheit zu erreichen, ist es das Ziel der
christlichen Meditation durch Gott zu sich selbst zu finden. Diese Begegnung mit
Gott ist nicht gleichzusetzen mit der gerade angesprochenen Ausgeglichenheit.
Denn Ruhe kann nicht erzwungen werden, sie wird durch Gott geschenkt. Dies ist
auch der Grund dafür, daß bei der christlichen Meditation die Methode
zweitrangig ist.
Ein bekannter christlicher Meditationsmeister war auch der
Jesuitenpater Lassalle. Der Religionswissenschaftler wurde am 11. November
1898 in Externbrock bei Nieheim (Westfalen) geboren. Nach seinem
Theologiestudium sowie einer kurzen Militärzeit im 1. Weltkrieg trat
er 1919 in den Jesuitenorden ein und wurde 1927 zum Priester geweiht. 1929 wurde
er von seinem Orden als Missionar nach Japan geschickt. Seit 1939 hatte er
Kontakt zu Zen-Buddhisten und nahm 1943 an ersten "Zen-Meditationen" teil.
Besondere Bedeutung gewann er durch seinen Versuch, die Zen-Meditationen in das
Christentum zu integrieren. Nach anfänglicher Beanstandung seines Buches
Zen, Weg zur Erleuchtung (1960), wurde es von der katholischen Kirche
schließlich doch akzeptiert. Weitere Werke sind Zen Buddhismus
(1966, auch unter dem Titel Zen und christliche Mystik, 1986); sowie
Zen-Meditation für Christen (1969).
Wie bereits erwähnt gibt es in der christlichen
Meditation einen persönlichen Gott, nicht nur ein "es". Erfährt man
nun beim Meditieren die Begegnung mit Gott, so ist dies einerseits auf die Gnade
Gottes, andererseits auf persönliche Leistung
zurückzuführen.
Abschließend muß noch angeführt werden,
daß keine Meditationsmethode - auch im Christlichen - überbetont
werden sollte. Es sollte keine künstliche Atmosphäre geschaffen
werden. Außerdem muß jeder Meditierende sich der Tatsache
bewußt sein, daß der Alltag der beste Lehrmeister ist und auch
bleibt.
Zusammenfassung der
Artikel in Religionspädagogik 2
- Wie wir Menschen leben
- Begrüßung - Fest -
Abschied
In unseren persönlichen
Festen erleben wir das Leben intensiver. Ein Geburtstag Feiernder wird
begrüßt, geküßt oder gestreichelt. Dadurch werden Zeichen
der Nähe gesetzt. Solche Zeichen treten auch bei jedem Abschied auf.
Daraus resultiert, daß der Mensch sein Lebenswissen
den Mitmenschen anvertrauen will, es aber durch Gesten und Handlungen
untermauert, um es auch spürbar zu machen.
- Orientierungszeichen des
Alltags
Der Alltag scheint oft eine
monotone, sich immer wiederholende Erscheinung zu sein. Wir übersehen
jedoch oft, daß es auch im Alltag Symbole und Zeichen gibt, die diesen
Trott durchbrechen. Solche Zeichen sind etwa ein Handschlag, ein Gruß, ein
gemeinsames Essen, Feier oder Umarmung. Es gibt auch für den Einzelnen
wichtige Gegenstände (z.B. eine Halskette), die für ihn eine
Geschichte beinhalten und sich vom Alltag dadurch abheben.
1.3 Wie wir uns darstellen
Wir stellen uns in allem dar, was wir tun (Essen,
Kleidung,...). Oft ist die äußere Erscheinung eines Menschen auch
Ausdruck für eine Denkensweise oder die Zugehörigkeit zu einer Gruppe
(Hippies). Es existieren deshalb logischerweise auch Symbole wie etwa Lieder
oder das V - Zeichen als Verstärker für den Zusammenhalt der
Gruppe.
- Außen und
Innen
Oftmals tritt der Fall ein,
daß man durch die Erscheinung eines Menschen auch irgendwie auf sein
Inneres schließen kann. Dies zeigt sich zum Beispiel darin, daß man
auf einem Foto ein Gesicht sieht und man eigentlich viel mehr über diesen
Menschen zu wissen scheint, als durch eine verbale Beschreibung. Daher kommt
auch die bekannte Weisheit "Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte".
- Quellen, aus denen wir leben, oder leere
Wasserläufe
In unserem Leben gibt
es Kraftquellen, die unseren Lebensfluß wieder zum Erwachen bringen
können. Allerdings ist für uns oft unverständlich, in welche
Richtung diese Kräfte uns führen können. Manchmal scheint die
Richtung erwünscht, oft aber auch gefürchtet. Auch das Versiegen von
Kraftquellen kann auftreten, wenn zum Beispiel Musikstücke nicht mehr
faszinierend wirken oder wir Geschenke nur mehr gefühllos annehmen oder
wenn religiöse Zeichen plötzlich ihre Kraft
verlieren.
- Der zusammengefügte Ring - das
Symbol
Das Wort "Symbol" kommt aus dem
Griechischen. Es wird daraus abgeleitet, daß Freunde im alten Griechenland
Ringe in zwei Hälften brachen - jeder bekam eine. Somit ist der Ring ein
Zeichen der Freundschaft. Die eine Hälfte braucht die andere, um ein
vollständiges Ganzes zu ergeben. So können wir auch das Leben als Ring
verstehen: eine Hälfte ist sichtbar und wirksam, sie weist uns aber darauf
hin, daß sich hinter den Dingen noch etwas verbirgt.
- Zur Klärung der Begriffe Symbol -
Zeichen
Zeichen meinen einen rein
äußerlichen, auch zufälligen und austauschbaren Verweis. Sie
richten sich punktuell an den Verstand des Menschen, ohne ihn innerlich zu
bewegen oder emotional anzusprechen.
Symbole haben demgegenüber Anteil an dem, was sie
andeuten und worauf sie verweisen. Sie bewegen den Menschen ganzheitlich, sie
sind weniger austauschbar und werden überall ähnlich
gedeutet.
- Zugänge zum
Symbol
Alle Handlungen des Menschen sind
im weitesten Sinn Symbole, d.h. sie sind Ausdruck und Konkretisierung einer
Person. Menschsein ist daher Symbol - Bilden. Alle Symbole sind Spuren des
Menschen. Gleichzeitig wirken diese Spuren des Menschen aber auch
zukunftsweisend. Das Symbol ist eine Brücke, die die subjektive
Wirklichkeit mit der objektiven verbindet.
- Wortsymbole/Handlungssymbole/Gegenstandssymbole
Man
kann drei Hauptarten von Symbolen unterscheiden. Worte können Symbole sein,
wie das christliche Glaubensbekenntnis beweist. Auch Handlungen sind insofern
Symbole, indem sie das Denken und Fühlen eines Menschen zum Ausdruck
bringen. Bei Gegenstandssymbolen können wir zwischen natürlichen
Symbolen (Stern, Berg, Wasser,...) und von Menschen geschaffenen
("künstliche") unterscheiden.
- Bedeutung der Symbole
- Mensch und Welt - Weltanschauung
Die Errungenschaften der
Naturwissenschaften haben teilweise bewirkt, daß viele Menschen sich dazu
verleiten lassen, nur an das Sichtbare und Beweisbare zu glauben. So glaubte
etwa ein Pathologe es gäbe keine Seele, weil er sie beim Sezieren nicht
gefunden hatte. Russische Kosmonauten zweifelten an der Existenz Gottes, weil
sie ihn im Weltraum nicht angetroffen hatten. Aber auch die Wissenschaft hat
Grenzen, es gibt immer noch Dinge, die unerklärlich scheinen, wie auch der
berühmte Physiker Werner Heisenberg bestätigt. Doch um die Welt
richtig zu verstehen, muß man wieder auf den Symbolcharakter
zurückgreifen. Wer die Welt nur als Gegenstand sieht, kann nur schwer oder
gar nicht verstehen, weshalb sie geschützt und nicht ausgebeutet werden
soll.
- Das Bild des Menschen
Individuation heißt,
daß sich der Mensch entfalten und reifen kann. Dieser Prozeß
vollzieht sich durch Symbolbildung, wodurch gleichzeitig Distanz und
Vergegenwärtigung ermöglicht wird.
Transzendenzfähigkeit: Ob und inwieweit
menschliches Leben gelingt, hängt von der Entfaltung der
Transzendenzkräfte.
Der Mensch als Symbol: Wenn der Mensch sich selbst
transzendieren kann, so ist das Sichtbare nur ein Teil, so ist er selbst Symbol,
so ist er ein Gleichnis.
- Die totale Kommunikation und ihre
Folgen
Die Kommunikationstechnik der
heutigen Zeit umgibt den Menschen. So kann oft ein verzerrtes Bild der
Wirklichkeit entstehen. Der Einzelne weiß nicht mehr, was real ist und was
nicht. Dem kann durch individuelle Symbolbildung entgegengewirkt
werden.
3.4. Gottesbild und Menschenbild
Die Welt ist ein Fenster zu Gott. Das Wesen des Menschen und
der Welt leuchtet erst auf dem Hintergrund Gottes auf. Menschenbild und
Gottesbild ergeben zusammen die Einheit "Mensch".
- Die Inkarnation - Gott wird in Jesus Christus
Mensch
Auch Jesus Christus kann als
Symbol bezeichnet werden, im theologischen Sprachgebrauch wird oft von Jesus als
Sakrament gesprochen. Christus selbst ist aber stets mehr als die auftauchende
mögliche Erkenntnis.
Die ganze Welt ist in den Vorgang der Inkarnation mit
hineingenommen. Die Welt selbst ist Spur Gottes.
- Religionspädagogische Folgerungen
- Symbole öffnen die
Sinne
Symbole eröffnen die
Fähigkeit der Sinne und führen zu einer ganzheitlicheren Wahrnehmung.
Die geöffneten Sinne sind wieder Voraussetzung für das rechte Erkennen
und Wahrnehmen. Mit dem "dritten Auge" können wir die Welt und die Menschen
erst richtig sehen.
- Symbole schenken und brauchen
Zeit
Wir alle haben die Tendenz, uns im
Alltag soviel Zeit wie möglich zu ersparen. Symbole geben uns ein neues
Maß an der Zeit. Durch sie kann Hektik und Mechanik außer Kraft
gesetzt werden.
- Symbole eröffnen
Räume
Symbole haben auch einen
aufschließenden Charakter. Sie lösen uns aus der Umklammerung unseres
Wissens und ermöglichen uns dadurch, weiter zu sehen.
- Eine neue
Körperlichkeit
Symbole müssen
gestaltet werden, da sie sich intellektuell oder sprachlich nicht adäquat
fassen lassen. Heute wird oft die äußere Wirklichkeit betont, die
materiellen Werte. Unsere materielle Kultur ist ein amputierter Teil von
Körperlichkeit, der eindeutig vorgefaßten Zwecken dienen
muß.
- Tradition und
Kreativität
Traditionen sind
Wurzeln unserer Gesellschaft. Symbole erschließen die Schätze der
Traditionenund ermöglichen in der individuellen Aneignung auch individuelle
Kreativität.
4.6 Menschliche und religiöse
Bildung
Religiöse Erziehung ist Hilfe zur Menschwerdung. Die
Entfaltung des menschlichen Lebens in jeweilig neuer geschichtlicher Situation
erschließt gleichzeitig ein neues Verständnis und ein neues Erfahren
Gottes.
- Religion als
Symbolwelt
Heutzutage ist es oft so,
daß religiöse Symbole einfach als Teil einer Tradition angesehen
werden und ihre eigentlich religiöse Bedeutung übersehen wird. So wird
oft nur kirchlich geheiratet, weil es halt so feierlich ist und irgendwie
dazugehört. Jedoch bieten das Mitgestalten und Mitwirken in der
christlichen Gemeinschaft die Möglichkeit, in bezug auf Sakramente und
Symbole wieder eine Echtheit herzustellen. Auch geht in manchen Fällen das
Wechselspiel von religiösem Wissen und religiösem Handeln verloren. So
wird der Friedensgruß in der Kirche mancherorts nicht mehr praktiziert,
weil eh jeder zu wissen glaubt, daß wir uns sowieso alle gegenseitig
Frieden wünschen.
- Beispiele und
Deutungen
Rose: Freundschaft,
Zuneigung, Liebe
Brot: menschliche Gemeinschaft, Miteinandersein,
Leben
Das Runde: Mutterschoß, Himmel, Nest,
Zuhause
Wasser: Quelle des Lebens, Lebenskraft, ewiges Leben
durch Christus (Taufe)
Kreuz: Kosmos, Universum, Symbol des Todes und des
Lebens, Symbol f. Mensch
Maria und Jesus: Mutter und Kind, Darstellung unserer
Lebensgeschichte
- Abschluß
Die
vielschichtige Fülle der religiösen Wirklichkeit umgibt uns einerseits
wie selbstverständlich, andererseits hängt es mit der menschlichen
Fähigkeit und Freiheit zusammen, sie anzunehmen. Dies bewirkt, daß
sich das menschliche Leben für unbekannte Dimensionen
öffnet.
CHRISTLICHES BRAUCHTUM IN DER
ERZIEHUNG
- Begriffsbestimmung
Man
muß einen unterschied machen zwischen Sitte und Brauch. Der Brauch
gebietet, Sitte kann auch verbieten. Der Ursprung des Brauches liegt im Bereich
des Kultischen, der Ursprung der Sitte im Bereich der gemeinschaftlichen
Lebenserfahrung.
- Ein neues Interesse am
Brauchtum?
Viele Publikationen über
Kirche und Brauchtum haben das Interesse am Brauch in der Gesellschaft wieder
geweckt. Es ist zu vermuten, daß Brauchtum Elemente enthält, die
einerseits einer allgemein um sich greifenden Verunsicherung entgegenwirken und
andererseits wenigstens teilweise den menschlichen Grundwünschen
entsprechen. Bräuche müssen auch in ihrer religionspädagogischen
Bedeutung erkannt werden, um erzieherisch wirken zu können.
- Notizen zur Geschichte des christlichen
Brauchtums
Inkulturation in der
griechisch - römischen Welt: Auslösung aus dem jüdischen
Kulturkreis, Übernahme von Symbolen und Ritualen aus der griechisch -
römischen Welt, Symbiose von Theologie und Philosophie.
Brauchtum im Mittelalter: Inkulturation in
vielfältige Stammesstrukturen, Toleranz gegenüber regionalen
Bräuchen durch Papst Gregor, Christentum eher germanisch
geprägt.
Infragestellung und Erneuerung: Glaube + Aberglaube,
Brauch + Mißbrauch oft nebeneinander, Brauchtum wurde in Frage gestellt,
Konzil von Trient: Christentum inkludiert auch die lebendigen Traditionen in der
Kirche (auch überliefertes, dem Glauben dienliches
Brauchtum).
Funktionsverlust des Brauchtums: Aufklärung und
Industrialisierungführen zu pluralistischer Lebenswelt und zum starkem
Rückgang des Brauchtums, tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen
folgen, heute: junge Menschen haben oft Probleme mit überliefertem
Brauchtum.
- Die anthropologische Dimension des
Brauchtums
- Brauchtum stiftet
Gemeinschaft
- Brauchtum bildet
Identität
- Brauchtum vermittelt
Lebenswissen
- Brauchtum gestaltet die
Zeit
- Brauchtum gestaltet den
Raum
- Brauchtum spricht die
Sinne an
- Die religionspädagogische Dimension des
Brauchtums
- Bedeutung für den religiösen
Lernprozeß
Das Urvertrauen als
personale Begegnung, die Begegnung des Kindes mit seiner Umwelt und den
Gegenständen seiner Umgebung sind von großer Bedeutung für die
Sozialisation im allgemeinen sowie für die religiöse Sozialisation im
besonderen. Der liebevolle Umgang mit religiösem Brauchtum kann dem Kind
Zugang zu einer Welt eröffnen, die den Erfahrungshorizont der einzelnen
Familie bei weitem übersteigt.
- Bedeutung für die Weitergabe des
Glaubens
Die Weitergabe des Glaubens an
die nachfolgende Generation wird zunehmend zum Problem. Es macht sich ein Bruch
zwischen Kirche und Kultur bemerkbar. Brauchtum jedoch ist kulturgewordener
Glaube, deshalb sollte bei der Weitergabe des Glaubens an nachfolgende
Generationen dieser Gesichtspunkt auf keinen Fall vergessen
werden.
- Bedeutung für den
"Auswahlchristen"
Bräuche
können auch dann noch mitvollzogen werden, wenn man sich mit der
vermittelten Botschaft nur zum Teil identifiziert. So feiern viele Menschen
Weihnachten, obwohl sie längst nicht bejahen, was der Glaube zu diesem Fest
sagt. Aber diese Treue zu christlichen Bräuchen kann auch die Chance sein,
den Kontakt zur Religion nicht ganz zu verlieren oder ihn neu zu
entdecken.
- Neues und erneuertes
Brauchtum
Viele alte Bräuche sind
bereits wieder im Aufwind, oft sind sie nur noch nicht als altbewährte
Bräuche erkannt worden (Jugendvespern, Familienfasttage). Unter die
erneuerten Bräuche ist sicher auch das Sternsingen zu zählen. Auch der
Adventkranz ist ein Beispiel für neues anerkanntes Brauchtum. Er wurde erst
in unserem Jahrhundert im katholischen Süden heimisch.
MIT SCHÜLERN MEDITIEREN UND
FEIERN
- Mit Schülern
meditieren
- Religionspädagogische
Anliegen
- Stille in der Schule
(Stilleübungen, objektgebundene meditative Formen,
Entspannungsübungen)
- Begriffserklärung:
Meditation ist Nachdenken, Hinwendung zur eigenen Mitte, das bewußte Da -
Sein.
- Intention: Meditation
entspringt der Stille, sie ist eigentlich deren Fortsetzung. Auf dem Weg zur
Stille können Sensibilisierungsübungen
helfen.
- Impulse für die
Eigenerfahrung
Die Meditation ist der Weg, der dorthin führt, wo wir
erfahren können, daß wir sind. Die Meditation will in die Mitte des
Seins führen, in die eigene Tiefe, zu den in uns tief verborgenen Quellen
des Lebens. Übung, die dies gut zum Ausdruck bringt:
Labyrinth.
- Schulpraktische
Anregungen
- Stille - Übungen mit
Kindern (ganze Klasse, freundliche Atmosphäre, Stille beginnt beim Lehrer,
Übungszeit ist wichtig, Meditationsraum wäre günstig)
- Sensibilisierungsübungen:
Hören lernen (Geräusche erkennen, inneres Ohr entdecken, auf
Gefühle hören, aufeinander hören), schauen lernen
(Bildmeditation, Identifikation, Sinndeutung), tasten/spüren lernen
(Tastübungen, Vertrauensspiel,
Körperübungen)
- Mit Schülern
feiern
- religionspädagogische
Anliegen
Wie ein Baum Himmel und Erde verbindet, so umspannt ein Fest
Vergangenheit und Zukunft. Feste sind außerdem Orte der Begegnung, sie
fördern die Gemeinschaft. Der Mensch gewinnt durch Feste die Gelegenheit,
aus dem Alltag herauszutreten. Auch für die religiöse Erziehung haben
Feste ihre Bedeutung: Sie verstärken das Vertrauen ins Dasein, sie
vermitteln Sicherheit und Vorfreude und sie wirken prägend, ohne viel
verbale Deutung.
- Aspekte einer Didaktik des
Festes
- Fest und allgemeine
Schulkultur
Seit der Reformpädagogik gibt es immer wieder Impulse,
Feste und Feiern ins Schulleben einzubeziehen. Eine Feier in der Klasse
führt die Kinder zusammen, läßt sie ein Stück gemeinsames
Fest erfahren. Kinder leben auf ein Fest zu und zehren oft lange von seinen
Erfahrungen, weil Feste die alltägliche Routine unterbrechen und
"verzaubern".
- Klasse und Fest
Das Klassenzimmer ist täglicher Lebensraum für die
Schüler. Feste als Teil des Lebens gehören deshalb auch in diesen
Raum. Wichtig ist, daß die Klasse über ein Repertoire einfacher
festlicher Elemente verfügt (Vasen, Kerzen,...). Auch sollten Kinder ihre
Feste selbst mitgestalten und planen dürfen, damit sie sich mit dem Fest
identifizieren können.
- Schulpraktische Anregungen für Feste und Feiern in
der Klasse
- Geburtstag eines
Schülers: Geburtstagskind sollte an diesem Tag im Mittelpunkt der Klasse
stehen
- Namenstag eines
Schülers: Glückwünsche, kurze Lebensgeschichte des Namenspatrons
vorbringen
- Fest für einen neuen
Schüler: Vorstellen, begrüßen, kennenlernen
- Friedensfest: Anlaß
könnte Konflikt in der Klasse sein
- Franziskusfest: am
Welttierschutztag (4.Oktober), Umgang mit der Geschichte des Franz von
Assisi
- Martinsfest: Für
jüngere Schüler ist es oft noch reizvoll, eigene Laternen zu basteln.
Ältere Schüler könnten sich z. B. mit dem Gedanken des Teilens
auseinandersetzen.
- Frühlingsfest: Idee:
Blumen mitbringen
- Muttertag: Lieder,
Gedichte, Zeichnungen,... persönliche Dinge sind als Geschenk
wichtig
- Feier der Erstkommunion:
Einlernen und Proben der Lieder, Basteleien (Einladungen, Kerzen,...) in BE und
WE, Lehrer übernimmt beratende und koordinierende Funktion
- Johannisfeuer/Schulschlußfeier:
kleines Lagerfeuer, um den Kindern die Kraft des Feuers vor Augen zu
führen
- Mit Schülern Advent
und Weihnachten feiern: Adventkalender, religiösen Sinn von Weihnachten
kennenlernen, alte und neue Weihnachtslieder lernen, Adventkranzfeiern,
Nikolausfeiern
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