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Seghers, Anna: Das siebte Kreuz
"Das siebte
Kreuz"
von Anna
Seghers
1. Inhaltsangabe
"Das Siebte Kreuz" von Anna Seghers, zuerst in englischer Sprache im Jahre
1942 erschienen, spielt im Nazideutschland um das Jahr 1937. Dieses Buch besteht
aus sieben Kapiteln, jedes Kapitel erzählt einen Tag der Flucht von sieben
Häftlingen aus dem KZ Westhofen und ihrer Verfolgung durch die SS. Am
Ausbruch waren Georg Heisler, Wallau, Beutler, Pelzer, Belloni, Füllgrabe
und Aldinger beteiligt. Die Fluchtgeschichte wird nicht durchgehend
erzählt, sondern ständig von Geschichten unterbrochen, die zur
gleichen Zeit laufen.
Eines Morgens fliehen aus dem Lager Westhofen sieben Gefangene, darunter
Georg Heisler, Wallau (der hat alles mit Georg geplant , und er hat ihm genau
erzählt , wie man sich draußen verhalten muß um nicht gefangen
genommen zu werden), Beutler, Pelzer, Belloni, Füllgrabe und Aldinger. Der
Alarm wird schon nach ein paar Minuten im Lager ausgelöst, und die Jagd
nach den Ausgebrochenen beginnt. Wallau wird als erster gefangen genommen. Er
wird zusammen geschlagen und nach Westhofen zurückgebracht. Georg hat das
alles gehört, aber er weiß nicht, daß es sich um Wallau
handelt. Im Lager befiehlt Fahrenberg, der Lagerkommandant, sieben Bäume zu
fällen um an dieser Stelle sieben Kreuze hinzurichten. An diesen Kreuzen
sollen die Flüchtlinge aufgehängt werden. Wallau ist der erste. In
dieser Zeit hat Georg es geschafft bis zum nächsten Dorf zu kommen. Gerade
vor dem Dorfeingang hört er ein Motorrad auf ihn zukommen, er muß
sich unbedingt irgendwo verstecken. Er springt über eine Mauer, das
Motorrad fährt vorbei. Bei der ganzen Eile hat sich Georg die Hand an
Glassplittern zerschnitten und geht dann in eine kleine Hütte hinein, die
eigentlich ein Umkleideraum ist, wo er irgendwas sucht, um seine Hand zu
verbinden. Er verbindet sich die Hand mit einem weißen Tuch und er klaut
eine Lederjacke, um seinen blauen, verdächtigen Häftlingsanzug zu
dissimulieren. Georg geht dann ins Dorf hinein, aber er muß sehr schnell
ein Versteck finden, weil die Meldung aus Westhofen gerade angekommen ist. Er
taucht hinter einem Holzhaufen unter und er sieht vor seinen Augen, wie ein
zweiter Flüchtling gefangen genommen wird. Dieser Geflohene wird auch
zusammen geschlagen und an einem Kreuz aufgehängt.
Georg schafft es in der Nacht aus dem Dorf zu fliehen und er geht auf Mainz
zu, weil sein Ziel ist, zu Leni, seiner früheren Freundin, zu gehen. Als er
nach ein paar Stunden in Mainz ankommt, geht er gleich zum nächsten Arzt,
um seine quälende Hand behandeln zu lassen. Am nächsten Morgen schaut
er zufällig zu, wie die SS Belloni auf einem Dach fängt. Dann geht er
zu Leni, die ihn nicht mehr erkennen will, weil sie jetzt verheiratet ist. Sie
schmeißt ihn raus. Dann geht Georg zu Madame Marelli, eine Schneiderin
für Artistenkostüme, er sagt ihr, daß er seinen Platz als
Akrobat mit Belloni umgetauscht hat. Sie gibt ihm dann die Kleider, die sie
für Belloni vorbereitet hatte, und Georg zieht die gleich an, so kann er
sich besser unter die Bevölkerung mischen. Dann geht er zu Schenks, die ihm
normalerweise einen Paß vorbereitet haben, aber als er an der
Wohnungtür klingelt, antwortet niemand. Die Nachbarin sagt ihm, daß
Schenks ausgezogen sind. Eigentlich sind sie vor kurzer Zeit von der Gestapo
abgeholt und nach Westhofen gebracht worden. Georgs letzte Hoffnung ist also
ausgefallen, er weiß nicht, zu wem er gehen soll, weil alle seine
Verwandten wie Elli, seine Frau, oder seine Arbeitskollegen
höchstwahrscheinlich überwacht sind und sein ehemaliger Freund, Franz,
ist nach Berlin verreist. Dann fällt ihm ein alter
Jugendfreund ein, Paul Röder. Er nimmt die Straßenbahn, um ans
andere Stadtende zu fahren. Neben ihm sitzt ein alter Mann, der die Zeitung
liest. Georg sieht auf der ersten Seite sein Bild und von zwei anderen
Flüchtlingen, Aldinger und Füllgrabe. Er erschrickt und steigt an der
nächsten Haltestelle aus. Er merkt, daß ihn jemand folgt, aber der
Mann, der ihm folgt, ist eigentlich Füllgrabe. Füllgrabe versucht
Georg zu überzeugen sich der Gestapo zu stellen, so meint er, kann man dem
Tod entgehen. Georg ist nicht mit ihm einverstanden und er verläßt
Füllgrabe mit seinen Gedanken. Am nächsten Morgen sieht Georg,
daß nur noch sein Bild in der Zeitung steht : Füllgrabe hat sich also
der Gestapo gestellt und Aldinger wurde bei seinen Verwandten tot gefunden. Er
hatte es bis zur seiner Heimat geschafft, aber er war zu alt, um diese
anstrengende Flucht zu überleben. Georg kommt endlich bei Paul Röder
an. Als er zu ihm steigt, sieht ihn der Hauswart. Röders und Georg haben
sich seit drei Jahren nicht gesehen. Georg fragte seinen Freund, ob er nicht bei
ihm übernachten könnte, unter dem Vorwand, daß er bei sich zu
Hause Krach gehabt hat. Aber Paul merkt, daß Georg lügt. Georg sagt
ihm dann die Wahrheit, daß er drei Jahre lang in Westhofen gesessen hat
und daß er jetzt auf der Flucht ist. Am nächsten Morgen geht Paul auf
Georgs Bitte zu einem ehemaligen Freund, Sauer heißt er, der ihm immer
gesagt hatte, daß wenn er Hilfe braucht er ihn fragen sollte. Als Paul bei
Sauer ankommt, versucht er ihm klar zu machen, daß Georg Hilfe braucht,
aber dieser Architekt will sich nicht einmischen, er glaubt auch daß Paul
von der Gestapo kommt. Aber Paul gibt nach diesem Mißerfolg nicht nach, er
geht zu Fiedler, ein Arbeitskollege von ihm, und fragt ihn, ob er nicht Georg
helfen kann. Fiedler ist einverstanden und er gibt Paul folgenden Termin
für Georg : er soll am nächsten Morgen zum Hauptbahnhofsparkplatz
gehen und in einen blauen Opel einsteigen, er wird erwartet. Aber Paul muß
Heisler noch für eine Nacht irgendwo in der Stadt verstecken, er bringt ihn
also zu seiner Tante, Katharina Grabber, die Eigentümerin einer Garage. Er
wird für die Nacht in der Garage arbeiten und am nächsten Morgen zum
Treffen gehen. Am nächsten Morgen wird Paul von der Gestapo abgeholt und
über seinen Gast verhört. Aber am Abend wird er freigelassen. Georg
ist schon in den Opel eingestiegen und wird aus der Stadt gefahren in ein Haus,
in dem er übernachtet. Die Leute, die ihn zu diesem Haus, gefahren haben,
geben ihm einen Paß und eine Verabredung : er soll am nächsten Tag
auf ein holländisches Schiff um aus Deutschland fliehen zu können.
Dieser Paß wurde eigentlich von Franz gefertigt, weil Sauer ihm gesagt
hatte, daß Georg in Mainz ist und unbedingt Hilfe bräuchte. Er geht
für seinen letzten Abend in eine Gaststädte, die am Hafen steht und
bestellt ein Bier. Dann übernachtet er bei der Kellnerin, die ihn sehr
früh aufwachen läßt, damit er sein Treffen nicht verpaßt.
Georg Heisler steigt dann auf das Schiff...
Das siebte Kreuz wird im Lager
verbrannt...
2. Biographie und Entstehungsgeschichte vom
Roman "Das siebte Kreuz"
Anna Seghers (Netty Reillig) ist als Tochter eines jüdischen
Antiquitätenhändlers und Kunstsachverständigen am 19.11.1900 in
Mainz geboren. Ab 1919 studierte sie an der Universität Köln und
Heidelberg Philologie, Geschichte, Kunstgeschichte und Sinologie. 1924 erwarb
sie den Doktorgrad der Philosophischen Fakultät der Universität
Heidelberg mit der Dissertation "Jude und Judentum im Werke
Rembrandts".
1925 heiratete sie den ungarischen Schrifftsteller und Soziologen Laszlo
Radvanyi.
Sie trat 1928 der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und dem Bund
Proletarisch-Revolutionärer Schriftsteller (BPRS) bei. Im selben Jahr
erschien ihr erstes Buch "Aufstand der Fischer von St. Barbara" unter dem
Pseudonym Anna Seghers. Dieses Buch wurde mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet.
1930 nahm sie am Internationalen Kongreß der Schriftsteller in Charkow
(UdSSR) teil.
1933 wurde sie während der ersten Verfolgungswelle nach dem
Reichtagsbrand (am 27. Februar 1933) verhaftet, nach der Entlassung eine
Zeitlang überwacht, ihre Wohnung wurde von der Polizei durchsucht.
Daraufhin floh sie mit ihrer Familie von Berlin über die Schweiz nach
Frankreich und fand in einem Pariser Vorort eine Wohnung.
In Paris arbeitete sie an antifaschistischen Zeitschriften, zum Beispiel an
der Zeitschrift "Neue Deutsche Blätter", die sie zusammen mit anderen im
Exil lebenden Schriftstellern in Prag herausgab. Sie nahm aktiv an verschiedenen
Kongressen und Versammlungen teil, um zum Widerstand gegen Hitler aufzurufen. In
diesen Jahren veröffentlichte sie mehrere Werke, wie "Der Kopflohn" (1933),
"Der letzte Weg des Koloman Wallisch" (1934), "Der Weg durch den Februar" (1935)
und "Die Rettung" (1937), die alle mit der politischen Situation in Deutschland
zu tun hatten.
1937 fing Anna Seghers "Das siebte Kreuz" zu schreiben an. Im
März/April 1939 wurde der Roman abgeschlossen. Die beiden ersten Kapitel
erschienen im Juni 1939 in der in Moskau erscheinenden Zeitschrift
"Internationale Literatur". Bevor sie einen neuen Verleger finden konnte,
marschierten die deutschen Truppen in Frankreich ein. Als sie im Mai 1940 Paris
erreichten, ging die Flucht wieder los : es gelang ihr und ihren zwei
Töchtern über die Demarkationslinie ins unbesetzte Frankreich zu
fliehen, ihren Mann im Internierungslager Vernet zu finden und nach Marseille zu
kommen. Dort verbrachte sie mehrere Monate, bis sie endlich Ausreisepapiere
bekam.
Anna Seghers berichtet über das Manuskript : "Ich hatte es kurz vor
der Besetzung Frankreichs durch die Deutschen beendet, da kam plötzlich die
Evakuierung von Paris. Mein Mann war in einem französischen KZ, und ich,
allein mit meinen Kindern, wußte die Gestapo auf meiner Spur. Eine Zeit
der Hetzjagd und des Verbergens folgte, dabei ging das Manuskript verloren, und
erst nach dem ich von französischen Freunden über die
Demarkationslinie gebracht wurde, erst als ich meinen Mann in Südfrankreich
wiederfand, erfuhren wir, daß ein Pariser Lehrer es versteckt gehalten und
gerettet hatte.". Anna Seghers in Berlin "Sonntag" 27. April
1947.
Ende März 1941 konnte sie sich einschiffen und gelangte nach
Zwischenaufenthalten und einer Internierung durch US-Einwanderungsbehörden
auf der Insel Ellis Island vor New York nach Mexiko.
Der Roman "Transit" (1943 vollendet) und die Novelle "Das Obdach" (1941)
schildern die Erfahrungen der Flucht und des Exils.
Mexiko-city blieb die letzte Station ihrer Flucht. Dort gehörte Anna
Seghers zusammen mit anderen deutschen Exilanten einem Kreis von Schriftstellern
an, die die Zeitschrift "Freies Deutschland" herausgaben.
1942 erschien "Das siebte Kreuz" in englischer Sprache und leicht
gekürzt, es wurde gleich zu einem der größten Bucherfolge der
Exilliteratur. Die erste deutsche Fassung des "siebten Kreuzes" wurde im Januar
1943 vom Exilverlag El Libro Libré in Mexiko-city herausgebracht. In den
Kriegsjahren erschienen Übersetzungen in verschiedenen Sprachen. Im
September 1944 verfilmte die US-Filmgesellschaft MGM Anna Seghers’ Roman
unter der Regie von Fred Zinnemann. In den USA erreichte das Buch eine Auflage
von über 600.000 Exemplaren und wurde sogar in einer Taschenausgabe
für die in Europa kämpfenden amerikanischen Soldaten herausgebracht.
In dem mexikanischen Exil verfaßte Anna Seghers die Erzählung
"Der Ausflug der toten Mädchen", die als ihr wichtigstes literarisches Werk
gilt.
Im April 1947 kehrte Anna Seghers nach Deutschland zurück, ließ
sich im Ostteil Berlins nieder und beendete die Arbeit an dem großen Roman
"Die Toten bleiben jung". Für den Weltberühmten Roman "Das siebte
Kreuz" bekam sie den Büchner-Preis der Stadt Darmstadt.
In der DDR spielte Anna Seghers eine große
künstlerisch-politische Rolle : sie wurde Vizepräsidentin des
Kulturbundes der DDR, nahm an Internationalen Kongressen teil, gehörte dem
Präsidium des Weltfriedensrates, war Präsidentin des
Schriftstellerverbands, bekam mehrere Preise -den Internationalen
Lenin-Friedenspreis, den Nationalpreis der DDR, usw...- und unternahm mehrere
Reise nach China, Brasilien und Westeuropa.
Ihre Nachkriegswerke heißen : "Die Hochzeit von Haiti", "Crisanta",
"Das Schilfrohr", "Steinzeit" : es handelt sich um
Geschichtensammlungen.
Sie starb 1983 in Berlin.
3. Kommentar zum Buch
Obwohl Anna Seghers sehr früh Deutschland verlassen hatte und seit
mehreren Jahren im Exil lebte, wußte sie genau Bescheid über die
Situation in Deutschland.
Sie hat die Handlung des Romans in eine Gegend versetzt, die sie aus ihrer
Jugendzeit kennt : es handelt sich um die Gegend um Mainz, ihrer Geburtsstadt,
zwischen dem Rhein, dem Main und dem Taunus. Georg Heisler flieht, zum Beispiel
aus dem KZ Westhofen : der Name verweist eindeutig auf das KZ Osthofen bei
Worms, das in den ersten Märztagen 1933 errichtet wurde und zu den
Internierungslagern der ersten Stunde zählte. Außerdem beschreibt sie
ausführlich den Mainzer Dom, in dem Georg Zuflucht findet, und die
Landschaft um Mainz.
Sie hatte Kontakte mit Bekannten bewahrt, die in Deutschland geblieben
waren, und informierte sich bei Flüchtlingen, die kürzlich Deutschland
verlassen hatten. Außerdem gab es schon 1933/34 Berichte über die KZ,
meistens von Ausgebrochenen geschrieben. Nach einer Aussage von Anna Seghers
hätte sie selbst von dieser "sonderbaren und zugleich schrecklichen Sache
mit dem Kreuz" gehört "an das ein Häftling gebunden" wurde.
Ihr Roman liefert also eine treue Darstellung der Lebensbedingungen und der
Geistesverfassung der deutschen Bevölkerung unter der Nazi Diktatur.
Die Realität wird von der Autorin nicht verschönert : im Jahre
1937 ist Deutschland eine vollkommene Diktatur. Das Ergebnis der Verfolgungsjagd
zeigt die Macht dieses Regimes : es gelingt nur einem der sieben
Flüchtlinge, seinen Verfolgern zu entkommen und die Flucht wäre um
eine Haaresbreite gescheitert.
Die Schriftstellerin zeigt, daß die Diktatur vom großen Teil
der Bevölkerung unterstützt wird oder mindestens akzeptiert. Der
Lagerkommandant Fahrenberg gehört zu den überzeugten Nazis, die schon
vor 1933 der NSDAP angehörten und dem Führer treu bleiben : er ist
derjenige, der die sieben Kreuze errichten läßt und die halbtoten,
gefangenen Flüchtlinge aufhängen läßt. Er ist ein grausamer
und brutaler Sadist, der seine beschränkte Macht über wehrlose und
hilflose Menschen ausübt. Overkamp, der Polizeikommissar, der den Fall
Westhofen untersucht, ist einfach ein korrekter Beamter, der seine Arbeit
sorgfältig und genau durchführt ohne sich Fragen über das Regime
zu stellen. Die Block- und Hauswarte sind kleine Spitzel, die die Hausbewohner
überwachen und alles der Gestapo melden, zum Beispiel wird Paul Röder
von seinem Hauswart denunziert, als er Besuch von Georg bekommt. Einfache
Bürger beobachten, denunzieren und verraten ehemalige Freunde und Bekannte.
Ein gutes Beispiel ist, als Paul Röder zu dem Architekten Sauer geht,
dieser ist mißtrauisch und paßt auf, nichts Verdächtiges zu
sagen.
Diese Beispiele zeigen die Allmacht des Staates, dem es gelungen ist, einen
großen Teil der deutschen Bevölkerung für sich zu
gewinnen.
Es gibt auch die passiven Deutschen, die ein ruhiges Leben führen und
keine Schwierigkeiten mit dem Regime haben wollen. Zum Beispiel gehört der
Tapezierer Mettenheimer, Ellis Vater, zu diesen braven Bürgern : er
renoviert ein Haus, dessen jüdische Eigentümer verjagt worden sind und
das jetzt einem Mitglied der NSDAP gehört. Obwohl Mettenheimer Bescheid
weiß und selbst kein Antisemit ist, lehnt er den Auftrag nicht ab und
leistet sogar sehr gute Arbeit. Trotz seiner Neutralität wird er von der
Gestapo vorgeladen, weil er der Vater von Georgs Frau ist. Diese
Durchschnittsdeutschen glauben, daß es möglich ist zu leben, als ob
nichts wäre, aber die Diktatur hat alle unter Kontrolle und zerstört
ihren Traum vom privaten Glück.
Aus Angst oder Bequemlichkeit arrangieren sich andere mit dem Regime,
obwohl sie vor 1933 gegen den Faschismus waren. Sie leben zurückgezogen und
isoliert, wie Franz Marnet, der erst aus seiner Isolierung herauskommt, als es
sich darum handelt Georg zu helfen und zu retten.
Unter diesen Umständen erscheint der Fluchtversuch aussichtslos, und
doch gelingt es Georg zu entkommen, denn er stößt auf Menschen, die
bereit sind anderen zu helfen und dabei große Risiken einzugehen : der
Dompfarrer verwischt die Spuren, die Georg hinterlassen hat, der jüdische
Arzt, Doktor Löwenstein, behandelt Georgs verletzte Hand und der
Gärtnerlehrling Fritz Helwig, erkennt angeblich seine Lederjacke nicht
mehr, um die Gestapo nicht auf die Spur von Georg zu bringen, die
Kostümverleiherin besorg ihm neue Kleider.
Den aktiven Widerstand leisten Leute, wie Paul Röder, Franz Marnet und
Fiedler, die Mitglieder der verbotenen sozialdemokratischen oder kommunistischen
Parteien sind. Indem sie Georg einen gefälschten Paß besorgen und ihn
aus Mainz und Deutschland bringen, fügen sie dem Regime eine Niederlage
zu.
Mit dieser gelungenen Flucht zeigt Anna Seghers, daß es im
Nazideutschland noch Leute gibt, die gegen die Diktatur sind und bereit sind,
ihr Leben zu riskieren um anderen Menschen zu helfen. Der Faschismus hat es doch
nicht geschafft, menschliche Werte, wie Solidarität, Hilfsbereitschaft und
Treue zu zerstören. Das ist also eine Hoffnung für die
Zukunft.
4. Bibliographie
- "Das siebte Kreuz" von Anna Seghers, Aufbau
Taschenbuch Verlag, 1996.
- "Schriftsteller der Gegenwart" von Heinz
Neugebauer, Deutsche Reihe, 1970.
- "Lexikon deutschsprachiger Schriftsteller" von
Günter Albrecht, Kurt Böttcher, Herbert Greiner-Mai und Paul
Günter Krohn, VEB Bibliographisches Institut, 1974.
- "Grundlagen und Gedanken zum Verständnis
erzählender Literatur" von Bernhard Spies, Diesteweg, 1993.
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