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Curie, Marie (1867-1934)
Physikreferat:
Marie Curie: ihr Leben und
Werk
1867 wird Marya Salomee Sklodowska in der Fretastr. 16 in
Warschau geboren.
Als sie neun Jahre alt ist, erkranken ihre Schwestern Bronia
und Sofia an Typhus, Sofia stirbt an den Folgen. Doch es geht noch weiter: schon
zwei Jahre später muß Marya miterleben, wie ihre Mutter an
Tuberkulose stirbt. Bronia und ihr Vater kümmern sich daraufhin so gut es
geht um die Familie.
Der frühe Tod ihrer Mutter hat Marya zu einer sehr
selbständigen und selbstbewußten Frau werden lassen. Am 12. Juni 1883
macht sie ihr Abitur, wie alle Kinder der Familie Sklodowska als Schulbeste, und
nimmt in den darauffolgenden Jahren verschiedene Stellen als Gouvernante an, da
ihr ein Studium als Mädchen nicht möglich ist. Nur ihr Bruder Joseph
studiert in Warschau. Es war im 19. Jahrhundert noch in fast allen
europäischen Ländern unmöglich, daß ein Mädchen ein
Universitätsstudium absolvierte. Lediglich Frankreich war so
fortschrittlich, Mädchen als Studentinnen zu akzeptieren.
1891 fährt sie daher mit ihrer Schwester Bronia nach
Paris, wo beide Mädchen an der Sorbonne studieren und Bronia heiratet.
Marya nennt sich fortan Marie.
Sie widmet sich voll und ganz ihrem Studium, da sie weniger
Vorbildung als ihre französischen Kameraden hat. Jeden Tag folgt sie ihrem
Unterricht an der Sorbonne und zieht sich daraufhin in ihr Zimmer zurück,
um weiterzulernen. Der Erwerb von Wissen wird ihre Leidenschaft.
Marie ist arm, sie hat kaum Geld, um ihr Studentenzimmer im
Winter zu heizen. So geht sie über die langen Winterabende in die
Bibliothek Sainte-Geneviève und arbeitet dort, bis die Bibliothek um zehn
Uhr schließt. Dann geht sie nach Hause und fährt mit ihren Studien
oft noch bis ein oder zwei Uhr nachts fort, bevor sie sich zur Ruhe begibt.
Im Sommer 1893 schließt sie ihr Physikstudium als
Beste ihres Jahrgangs ab. Eine Stiftung ermöglicht Marie daraufhin ein
Mathematikstudium.
1894 lehnt sie den ersten Heiratsantrag von Pierre Curie,
einem schon damals für seine Arbeiten bekannten Physiker, ab und
verläßt Paris nach Beendigung ihres Mathestudiums. Schon ein Jahr
später jedoch heiratet Marie Sklodowska Pierre Curie standesamtlich in
Sceaux, und wiederum zwei Jahre später wird ihre erste Tochter Irène
geboren. Um Marie und Pierre zu ermöglichen, ihre Forschungen
weiterzuführen, bietet sich Pierres Vater an, den Vormittag über auf
Irène aufzupassen, nachmittags kümmert Marie sich selbst um
sie.
Im ausgehenden 19. Jahrhundert ist die Welt der Wissenschaft
sehr aktiv. Ein französischer Gelehrter, Henri Becquerel, macht eine
interessante Entdeckung: er stellt fest, daß Uran Strahlen
aussendet.
Die Curies interessieren sich sehr für dieses
Phänomen, und Marie entscheidet sich, es “Radioaktivität”
zu nennen.
1898 sind sie sich sicher, daß es außer Uran
noch zwei andere radioaktive Elemente gibt. Sie nennen sie Radium und Polonium,
können ihre Existenz aber nicht beweisen.
In den beiden darauffolgenden Jahren veröffentlicht
Marie zwei Thesen über die Natur der Radioaktivität.
1902, nach vier Jahren harter Arbeit ohne den Empfang von
Zuschüssen in ihrem “Labor”, einer ungeheizten Baracke im Wald,
ist es geschafft: die Curies können ihren erstaunten Kollegen ein zehntel
Gramm Radium präsentieren.
Noch im selben Jahr stirbt Maries Vater.
1903, nach Maries Promotion, erhalten die Curies zusammen
mit Henri Becquerel den Nobelpreis für Physik, und ein Jahr später
wird ihre Tochter Eve geboren.
Wieder ein Jahr darauf wird Pierre Mitglied der
Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften.
1906 passiert das Unglück: Pierre wird auf dem Weg in
die Sorbonne, wo er seit zwei Jahren einen Lehrstuhl hat, von einer Kutsche
überfahren und stirbt sofort. Marie findet sich verwitwet mit zwei Kindern,
neun und zwei Jahre alt, wieder. Die Universität von Sorbonne bietet ihr
daraufhin die Nachfolge ihres Mannes an, und sie nimmt den Posten als erste
weibliche Professorin an der Sorbonne an.
1910 ist sie Kandidatin für die Mitgliedschaft an der
Akademie der Wissenschaften. Eine Schlacht entbrennt um ihre Person. In der
Zeitschrift “L’Intransigeant” (dt.: “der
Unnachgiebige”) des 10. Januar 1911 ist zu lesen:
“Was hat diese Madame Curie vollbracht, um es zu
wagen, Kandidatin an der Akademie der Wissenschaften zu werden? Ist sie nicht
aus Polen gekommen, um Pierre Curie zu heiraten? Ist es nicht allein ihm zu
verdanken, daß die Curies den Nobelpreis bekamen?
Eine Ausländerin. Wie hieß sie noch, bevor sie
sich Curie nannte? Sklodowska. Ein unmöglicher
Name!”
Die Akademie verweigert ihr die Aufnahme und zieht ihr einen
Mann vor. Doch im Ausland weiß man glücklicherweise noch um die
Wichtigkeit ihrer Arbeiten. 1911 bekommt sie den Nobelpreis in Chemie und ist
nun die einzige Person, die je zwei Nobelpreise bekommen hat.
Seit nunmehr 23 Jahren lebt sie im Dienst der Wissenschaft.
Sie ist in der ganzen Welt bekannt, Staatschefs laden sie ein und sie wird mit
Titeln und Ehrungen beschüttet. Trotzdem lebt sie weiterhin sehr
einfach.
Während des zweiten Weltkrieges organisiert sie den Bau
und Einsatz von 20 mobilen und 200 stationären Röntgeneinrichtungen.
Die “Petites Curie” fahren von Lazarett zu Lazarett und röntgen
Verwundete, um die genaue Lage von Granatsplittern zu bestimmen. Diese
Einrichtungen retten mehr als eine Million Menschenleben.
Doch Marie Curie selbst geht es immer schlechter. Sie hat
schwere Seh- und Hörstörungen, und bis zu ihrem Tod läßt
sie noch vier Augenoperationen über sich ergehen.
Im März 1925 Schließt Irène ihre
Doktorarbeit ab und heiratet im folgenden Jahr Frédéric
Joliot.
1934 entdecken Irène Joliot-Curie und
Frédéric Joliot die künstliche Radioaktivität, und am 4.
Juli stirbt Marie Curie während eines Sanatoriumaufenthalts in der Schweiz,
ohne daß die Ärzte die Ursache feststellen können. Erst
später wird man verstehen, daß es das Radium und die damit verbundene
radioaktive Strahlung war, die sie tötete.
Die Entdeckungen der Curies haben der Wissenschaft neue
Möglichkeiten eröffnet. Sie führten zur Atomforschung – und
der Atombombe.
Pierre Curie sagte schon 1905 ¹:
“Ich denke, daß das Radium der Wissenschaft
helfen und der Menschheit dienen wird. Doch in kriminellen Händen kann es
sehr gefährlich werden. Man sollte sich fragen, ob es unbedingt notwendig
ist, daß die Menschheit die Geheimnisse der Natur kennt, ob sie reif genug
ist, um davon zu profitieren, oder ob dieses Wissen nicht schädlich
für sie ist.”
Mit übersetzten Auszügen aus: Etudes Françaises, Echanges,
Edition longue 4
© Ernst Klett Schulbuchverlag GmbH, Stuttgart 1985
¹ “Madame Curie”, von Eve Curie, Gallimard, Paris, 1938,
Seite 210
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