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Reischl, Gerald: Im Visier der Datenjäger
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Im Visier
der
Datenjäger
VON GERALD
REISCHL
INHALTSVERZEICHNIS
GERALD REISCHL
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Gerald Reischl wurde am 17. August
1965 in Neunkirchen in Niederösterreich geboren. Nach dem Besuch des
Privatgymnasiums Sachsenbrunn in Kirchberg am Wechsel studierte Musik in Wien.
Während des Musikstudiums war er Mitglied im Niederösterreichischen
Jugendsymphonieorchester.
Nach drei Jahren gab er das
Musikstudium auf und begann Publizistik/ Kommunikationswissenschaft und
Theaterwissenschaft an der Universität Wien zu studieren. 1992 schrieb er
seine Diplomarbeit mit dem Titel „Die deutschsprachigen Immigranten in
Australien und ihr Mediensystem“. Zu diesem Zweck verbrachte er ein halbes
Jahr in Australien.
Bereits neben seinem Studium arbeitete
Gerald Reischl als freier Mitarbeiter bei den Niederösterreichischen
Nachrichten, dann beim ORF-Niederösterreich und bei der Presse. Nach dem
Studium wurde er vom Kurier angeworben, wo er seither als Hintergrundreporter
für aktuelle Themen arbeitet.
Berufliche Meilensteine legte er bei
seiner journalistischen Tätigkeit in Sarajewo (1993), Ruande/Zaire (1995),
Kabodscha (1996/1997), in der Mongolei und in Patagonien. Außerdem hielt
er Exklusivinterviews von Justizflüchtlingen wie Willi Papst, Michael
Margules und Oskar Schmidt.
INHALTSANGABE
Gerald Reischls „Im Visier
der Datenjäger“ ist in zwölf Kapiteln unterteilt. In jedem
der Kapitel werden Vor- und Nachteile neuer Technologien, die uns bzw. dem Staat
zur Verfügung stehen, behandelt. Reischl deckt dabei ein sehr breites
Spektrum vom Handy bis zum Fernerkundungssatelliten ab.
Total überwacht am Telefon
Österreich erlebt gerade einen
Handy-Boom. Doch kaum jemand ist sich bewußt, daß er mittels eigenem
Handy fast perfekt überwacht werden kann.
So können eingeschaltete
GSM-Handys zum Beispiel in Städten von den Netzbetreibern auf 20 bis 30
Meter genau geortet werden. Dies macht sich natürlich auch die Exekutive zu
Nutzen. Überhaupt hat der Netzbetreiber Überwachungseinrichtungen
für den Fremdmeldeverkehr nach Telekommunikatonsgesetz bereitzustellen.
Dies kostet den Betreibern Unmengen von Geld, was der letztendlich wieder der
einzelne Kunde bezahlen muß.
Auch ist das neue GSM Netz gar nicht
so abhörsicher wie es gerühmt wird. Schon gar nicht bei Telefonaten
ins Festnetz. GSM Abhörgeräte sind bereits seit 1996
erhältlich.
Und auch ältere
unverschlüsselte Systeme wie Fax, Pager und Anrufbeantworter mit Fernabruf
stellen sich als äußerst unsicheres Medium
heraus.
Voll erfaßt im Straßenverkehr
Neue Satellitennavigationssysteme,
eine Verbindung aus GPS (Global Positioning System) und GSM (Global System for
Mobile Communication), erobern gerade den Verkehr. Mit deren Hilfe ist es
möglich, den eigenen Standort bis auf wenige cm genau zu bestimmen. Doch
die Fäden dafür hält das US-Militär in der Hand, dessen
Satellit dafür verwendet wird.
Sicherlich ist es für die
einzelnen Benutzer oft eine große Hilfe, wenn sie ihre Position genau
bestimmen können, doch mit dieser neuen Technologie ist es auch
möglich Tempokontrollen und ein perfektes Road-Pricing-System für alle
Straßen per Satellit
anzuwenden.
Kartenmacher sammeln gern
Fast jeder Österreicher hat
heutzutage mindestens eine Plastikkarte in der Geldbörse. Ob EC-, Kredit-
oder Kundenkarte, Plastikkarten erfreuen sich allgemeiner Beliebtheit. Doch wie
sicher sind diese Karten wirklich vor illegalen Eingriffen Fremder? Kein
Problem, wird Sie jeder Bankangestellte sicherlich besänftigen. Ihre Karte
sei mit einem PIN-Code geschützt, den nur Sie und die Bankgesellschaft
wissen. Was jedoch verschwiegen wird ist, daß der PIN-Code aus der
Kontonummer berechnet wird. Der Caos Computer Club hat dies aufgezeigt,
und mit einem Computerprogramm die 9999 verschiedenen Möglichkeiten eines
Codes auf 150 herabgesetzt.
Besonders vorsichtig sollte man mit
Karten ohne Chip sein, also nur mit Magnetstreifen. Diese Karten sind mittel im
Handel erhältlichen Auslesegerät und Programmiergerät ohne
weiters kopierbar.
Lauschangriffe im Datenreich
Daß Datenübertragungen im
Internet zum Teil auch für unbefugte ein gefundenes Fressen sind, hat sich
mittlerweile herumgesprochen. Dies beweist laut Reischl auch die Webseite
www.anonymizer.com. Doch PCs können
auch ganz ohne Telefon- oder Netzwerkverbindung über die Monitorabstrahlung
und Netzleitung abgehört werden. Diese Umstände sind natürlich
äußerst hemmend für das Internet-Shopping. Mittels Kryptographie
können wertvolle Daten wie Kreditkartennummern verschlüsselt werden,
doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch diese neuen Methoden für
Computer Hackern keine Hindernisse mehr
sind.
Banken mit Verbindungen
Auch Versicherungen machen sich jetzt
Datenbanken zum Nutzen. Jeder Versicherungsfall wird in eine Datenbank
eingegeben, die auf Knopfdruck Ähnlichkeiten oder Analogien erkennt und
auflistet. So werden Jahr für Jahr tausende Versicherungsbetrüger
ertappt.
Banken nutzen Datenbanken laut Reischl
zum Teil auch illegal. In riesengroßen Datenbanken werden alle
Buchungssätze jedes einzelnen Kontoinhabers gespeichert. So können
Banken die Lebensgewohnheiten ihrer Kunden genau erforschen und auch zum
Beispiel bei Vergabe von Krediten auch nutzen.
Zusätzlich wird jeder, der einen
Kredit beantragt nach einem Punktesystem, das Nationalität, Alter,
Familienstand, Beruf, Verdienst und noch viele andere Kriterien beinhaltet,
bewertet. Anhand der Gesamtpunkteanzahl wird dann entschieden ob der Kredit
vergeben wird.
Die Daten der Exekutive
Eine neue Technologie revolutioniert
kriminalistische Arbeiten. Die DNA-Analyse. Forensic Sience Service in
Großbritannien arbeitet sogar schon an der Erstellung von Phantombildern
aus der DNA.
Doch wie eine Grazer Firma beweist,
wird diese neue Technologie auch mißbraucht. Diese Firma bot sich an, die
Verhaltensweisen von Stellenbewerbern aus deren DNA zu ermitteln. In
Österreich ist es jedoch verboten, Genanalysen für Stellenbewerbungen
oder Versicherungen anzunehmen oder zu
fordern.
Im Visier der Rasterfahnder
Der Fall Franz Fuchs hätte der
erste durch die Rasterfahndung gelöste Fall werden können, wenn Fuchs
nicht schon vor dem offiziellen Start der Rasterfahndung festgenommen wäre.
Doch auch Franz Fuchs gab zu, daß er Angst davor hatte, daß die
Rasterfahnder vor offiziellen Start bereits Vorarbeit geleistet haben
könnten.
Auch wenn die Idee der Rasterfahndung
ursprünglich aus Deutschland in den 70er Jahren kam, so wird sie heute dort
kaum noch angewandt. Laut Behörden, weil es keine wirklich großen
terroristischen Kriminalfälle mehr gibt. Laut Reischl jedoch, weil massive
Kompatibilitätsprobleme unter den Datenbanker eine effiziente Rasterung
verhindern.
Rasterfahndung wird jedoch auch in der
Privatwirtschaft unter dem Begriff Data Mining betrieben. Dabei werden
Kundendaten gesammelt, selektiert und zum Teil sogar mit elektronischen
Landkarten verknüpft. So können bestimmte Kundengruppen angesprochen
werden.
Kranksein ist gefährlich
Laut österreichischem Aidsgesetz
müssen alle Aidsinfektionen dem Gesundheitsministerium gemeldet werden.
Name des Arztes, Geschlecht, Initialen und Geburtsdaten des Infizierten werden
im anonymen Aids-Register gespeichert. Doch gerade über diese Daten
können die meisten Österreicher genau identifiziert
werden.
Die Angst vor Aids beweist auch die
Tatsache, daß Staaten bereits versucht haben, HIV-Tests für alle
Touristen einzuführen. 1996 wurden an Rußlands Flughäfen von
allen ankommenden Ausländern Blutproben abgenommen. Unhygienische
Zustände machten dem Treiben jedoch bald ein Ende.
Wie sicher sind eigentlich die in den
Computern eines Krankenhauses gespeicherten Krankheitsdaten? 1997 wurde im
Wiener AKH begonnen alle PCs mit Stahlseilen zu befestigen, weil im Laufe der
Jahre rund 140 PCs unerlaubt aus dem Gebäude getragen und gestohlen
wurden.
Stadt und Staat schauen zu
Die Sozialversicherung hat mit rund 60
Millionen Datensätzen die größte Informationssammlung in
Österreich. In ihr sind 99% aller Österreicher registriert. Viele der
Informationen wären natürlich auch für Dritte sehr nützlich.
Deshalb wird mit allen Mitteln versucht die Datenbank nach außen so gut
wie möglich abzuschirmen. Doch das nützt gegen den „Datenklau
von innen“ nichts. Laut Sozialversicherung sei eine solche Kooperation von
Beamten mit „Privatkunden“ erst einmal vorgekommen.
Mit der Medikamentenstatistik der
SV-Datenbank wäre es prinzipiell möglich genau festzustellen, welcher
Sozialversicherte in seinem Leben wie viele und welche Medikamente verschrieben
bekommen hat.
In der Stadt Wien gibt es zur Zeit 176
verschiedene Datenbanken. Sie umfaßt mit Datenbank 001-Standesamt bis zu
176-Digitale Archivierung von Krankheitsgeschichten beinahe jede Person, die in
Wien lebt, oder dort nur für kurze Zeit
war.
Gute Adressen sind teuer
In Deutschland gibt es 140
Adreßhändler, in Österreich 40. Sie erhalten ihre Informationen
von Telefon-CDs (früher wurden Telefonbücher eingescannt),
Preisausschreiben und Versandhäusern. Je mehr Informationen über die
einzelne Person bekannt sind, desto wertvoller ist die Adresse und desto teurer
kann sie verkauft werden.
Von Fessel-Gfk wurde für jede
österreichische Gemeinde eine Kaufkraftkennziffer ermittelt. Sie ist
abhängig von der Bevölkerung, der sozialen, geographischen und
wirtschaftlichen Lage der Gemeinde und gibt im Prinzip an, wie viel sich die
Bürger leisten wollen oder
können.
Die Spione der Lüfte
Zwei amerikanische, drei
französische und ein indischer Fernerkundungssatelliten umkreisen die Erde.
Mit ihrer Hilfe werden nicht nur Schmuggler überführt, sonder man hat
auch Kontrolle über „wildwachsende“ Mülldeponien. Auch
Agrarbetrüger in den EU-Mitgliedsstaaten, die Förderungen für
nicht angebaute Güter erhalten, bekämpft man damit
erfolgreich.
In der Privatwirtschaft werden ihre
Betreiber sogar angeheuert, um die Parkplätze der Konkurrenz
auszuspionieren.
Datenschützer contra Datenjäger
Es gibt kaum statistische Auswertungen
über Datendiebstäle. Doch auch Politiker klauen gelegentlich Daten,
wie es die Vergangenheit bewiesen hat, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt. In
Österreich ist der Datenklau im Gesetz noch nicht eindeutig geregelt. Eine
einheitliche EU-Richtlinie ist jedoch im Kommen.
ZUM WERK
Im Visier der Datenjäger ist 1998
im Ueberreuter Verlag erschienen. Reischl recherchierte und schrieb sein
Erstlingswerk in fünf. Die Erste Auflage des Buches war innerhalb einer
Woche vergriffen. In der zweiten Woche landeten die
„Datenjäger“ auf Platz 1 der österreichischen
Bestsellerlisten. Es löste sogar parlamentarische Anfragen
aus.
Das Buch ist in zwölf Kapiteln
unterteilt, welche weiter in Unterkapiteln aufgeteilt sind. Von Kapitel zu
Kapitel werden immer zuerst die Vor-, dann die Nachteile einer neuen Technologie
aufgezählt. Es scheinen dabei immer die Nachteile zu überwiegen.
Gerald Reischl scheint also recht skeptisch der neuen Technologie gegenüber
zu stehen. Er selbst besitzt jedoch auch ein GSM-Handy, sowie eine eigene
Homepage (http://www.reischl.com), und eine
E-Mail Adresse.
Die angenehm kurzen und
überschaubaren Kapitel sind leicht verständlich und mit vielen
Verweisen, auf andere Bücher und Fernsehsendungen, und Zitaten versehen.
Das Buch ist noch in alter Rechtschreibung geschrieben, jedoch wurden auch
wenige neue Schreibformen verwendet.
Reischl deckt mit diesem Buch ein sehr
breites Spektrum an Informationen ab, geht jedoch nirgends weit ins Detail.
WEITERE WERKE
Gerald Reischl schrieb bis heute drei
Bücher:
- Im
Visier der Datenjäger, März 1998
- Der
kleine Handyaner, Oktober 1998
- Die
mobile Revolution, März
1999
„Der
kleine Handyaner“ gibt Einblick in die Welt des Mobiltelefons. Es ist
jedoch kein technisches Handbuch. Es erklärt, wer das Handy erfunden hat,
wie es den Namen erhalten hat, und wie es funktioniert. Zusätzlich
beinhaltet es wahre Alltagsgeschichten und Karikaturen.
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In „Die mobile Revolution“
beschreibt Reischl den Mobilfunk-Standard IMT-2000, der in Europa UMTS
(Universal Mobile Telecommunications System) genannt wird. Mit diesem System
wird man auf der ganzen Welt mit der selben Nummer erreichbar sein. Es verbindet
Schnurlosanwendungen, Paging-Systeme und das Internet
PERSöNLICHE MEINUNG
Das Buch ist klar gegliedert, die
Texte leicht verständlich. Die ersten paar Kapitel verschlang ich
regelrecht. Dann ließ die Begeisterung langsam nach. Gegen Ende fing es an
mich zu langweilen. Die einzelnen Kapitel sind sich trotz unterschiedlicher
Themen sehr ähnlich:
Zuerst wird geschildert worum es geht,
dann wie es funktioniert. Danach kommen wenige Vorteile der neuen Technologie
und dann die überwiegenden Nachteile. Begründet werden diese mit
vielen Zitaten, jedoch mit sehr wenigen technischen
Erklärungen.
Im Allgemeinen ist das Buch sehr
„untechnisch“ gehalten. Das ist sicherlich ein Vorteil für die
breite Masse an Lesern, Techniker würden jedoch sicherlich oft gerne tiefer
in die Materie gehen.
Die von Reischl genannten Webadressen,
die jeden, der darauf zugreift innerhalb weniger Sekunden identifizieren
können, mußte ich natürlich sofort ausprobieren. Das Ergebnis
war enttäuschend erleichternd: Die Identifikation funktionierte zumindest
an meinem PC doch nicht so einwandfrei wie von Reischl beschrieben. Die
restlichen Webadressen, die Reischl erwähnt funktionieren zur Zeit jedoch
einwandfrei.
Im Großen und Ganzen würde
ich das Buch jederzeit weiterempfehlen. „Im Visier der
Datenjäger“ war sehr informativ und ich bereue es nicht,
daß ich dieses Buch gewählt habe.
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