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Freud, Sigmund
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Psychoanalytiker, Neurologe * 06. Mai 1856 in Freiberg/heute:
Tschechische Republik + 23. September 1939 in London
Sigmund Freud - der "Vater der Psychoanalyse" - hat, wohl wie kaum ein
anderer Arzt, bis heute die Diskussion in medizinischer, sozialer,
psychologischer, politischer und weltanschaulicher Frage geprägt. Er wurde
verehrt und bekämpft und war und ist wie kaum ein anderer Gegenstand
heftiger Auseinandersetzungen. Er machte dadurch auf sich aufmerksam, daß
er die sexuellen Geheimnisse anderer erforschte, denn nach seinen Theorien wird
das menschliche Verhalten entscheidend durch sexuelle Kräfte geprägt.
Als Hauptantrieb sah er die "Libido" (Lust, Begierde, Geschlechtstrieb), der er
später den "Todestrieb" als Antagonisten an die Seite stellte. Dazwischen
stehen die "Verdrängung", das "Unbewußte", das "Ich" und
"Über-Ich", die "Neurosen".
Freud besuchte in Wien die Universität und war ein hervorragender und
ehrgeiziger Student. Er entschied sich erst später für die Medizin, da
es sein eigentlicher Wunsch war, Politiker zu werden. Schon während seiner
Assistenzzeit am Wiener Physiologischen Institut begann er mit Forschungen zur
Funktionsweise des Nervensystems, die seine spätere Laufbahn, das Studium
nervöser Erkrankungen und deren Heilung , bestimmten. Dabei kam er mit dem
Kokain in Berührung, das der Apotheker Albert Niemann (1834-1861) im Jahre
1858 entdeckt und 1860 erstmals hergestellt hatte. Freud sah darin ein wichtiges
Mittel zur Bekämpfung von Depressionen, zur allgemeinen
Leistungssteigerung, ja zur Entwöhnung beim Morphinismus. Als er Anfang
1884 an sich selber dessen narkotisierende Wirkung und die Wirkung auf die
Schleimhäute entdeckte, sah der Ophtalmologe Carl Koller (1857-1944), der
zu Freuds Freundeskreis gehörte, darin eine Möglichkeit der
Anästhesierung des Auges. Er griff Freuds Beobachtungen auf, und es gelang
ihm, mit wenigen Tropfen Kokain am Auge eine vollkommene Anästhesie zu
erzeugen. Nach erfolgreichen Operationen am grauen Star unter
Lokalanästhesie führte er es Ende 1884 in die Augenheilkunde
ein.
Während seiner Studienaufenthalte in Paris und Nancy begann sich
Freuds Interesse gänzlich auf Erkrankungen ohne organischen Befund zu
richten, die damals, wenn überhaupt ,im wesentlichen durch Pharmaka,
Suggestion und Hypnose behandelt wurden. 1886 eröffnete er in Wien eine
Privatpraxis und spezialisierte sich auf Störungen des Nervensystems. Nach
der Bewältigung einer schweren Psychoneurose, ausgelöst durch den
qualvollen Tod seines Vaters und durch nachlassende sexuelle Libido, verbrachte
er ab Ende der 1890er Jahre ein friedliches und erfolgreiches Leben. Dabei
sammelte er einen Kreis von Schülern um sich, von denen viele angesehene
Wissenschaftler wurden, wie beispielsweise Alfred Adler, Helene Deutsch,
Sándor Ferenczi, Ernest Jones, Carl Gustav Jung. Nach der
nationalsozialistischen Machtergreifung wurden 1933 auch Freuds Werke als
"jüdische Pornographie" verbrannt, und er selbst mußte 1938 nach dem
Einmarsch der Nationalsozialisten in Österreich flüchten. Er fand in
London Aufnahme, wo er 15 Monate später an den Folgen eines Gaumen- und
Kieferkarzinoms starb.
Der psychologische Faktor bei wissenschaftlichen Ideen wurde zwar schon von
griechischen Philosophen und Ärzten in Erwägung gezogen, es war jedoch
Freud, der als Erster das Konzept des Unbewußten aufstellte und
systematisch ausarbeitete. In Freuds Haupttheorie sind seelische Störungen
ins Unterbewußte verdrängte Vorstellungen, Ängste und
Wünsche. Nach dieser Erkenntnis ist es möglich, psychologische
Störungen durch Bewußtmachung und Befreiung zu behandeln; hierin
liegt auch ein wichtiger Aspekt der wissenschaftlichen Betrachtung der
Völkerpsychologie und Religionszoziologie.
Einführung
Ende 19.Jhd.: Freud beschäftigt sich mit dem Phänomen Hysterie
und mit Hypnose 1900:“Traumdeutung“ 1902: eine kleine Gruppe
schart sich um ihn, um Psychoanalyse zu lernen 1904: „Psychopathologie
des Alltagslebens“ -> Versprecher, Fehlleistungen 1909: 5
Vorlesungen in der USA -> erste öffentliche Anerkennung später
in seinen Büchern: Analyse der Ästhetik, Religion, Geschichte, Kultur,
sämtlicher Aspekte menschlicher Aktivität.
Kritik:
- quantitative Genauigkeit seiner Beobachtungen
fehle
- Begriffe seien oft animistisch, mentalistisch und
unklar
- seine Begriffe entbehrten jeglicher Empirischen
Grundlage -> doch Freud hatte tausende Stunden intensiver klinischer
Beobachtung an neurotischen Patienten und eine gründliche introspektive
Selbstanalyse hinter sich!
=> Freud reagierte gelassen auf
Kritik und war sich bewußt, daß seine ursprünglichen Konzepte
revidiert, erweitert und ausgearbeitet werden mußten.
Analyse der
alltäglichen Versprecher und Fehlleistungen
These: unbewußte Motive spielen sowohl bei alltäglichen
Aktivitäten als auch bei neurotischen Störungen eine Rolle -> Freud
glaubte, daß „normales“ und pathologisches Verhalten
kontinuierlich ineinander übergehen.
- Müdigkeit, Krankheit, Erregung oder
Unkonzentriertheit erhöht zwar die Häufigkeit des Auftretens ist aber
kein entscheidender Faktor -> Fehlleistungen treten besonders dann auf, wenn
an der richtigen Leistung besonders viel gelegen ist.
- Wortähnlichkeiten und gängige
Wortassoziationen erleichtern das Versprechen, ebenso wie Müdigkeit etc.
Bsp.: Verlesen, Verhören, zeitweiliges Vergessen von Namen,
Verlegen von Gegenständen, zufälliges Zerstören von
Gegenständen
- Versprecher und Fehlleistungen entstehen aus dem
Gegeneinanderwirken (Interferenz) zweier Absichten oder Tendenzen
- Eine Tendenz wird
zurückgedrängt/verdrängt, aber setzt sich gegen den Willen der
Person in eine Äußerung oder Handlung um, indem der Inhalt des
Gesagten oder die Intention der Handlung entstellt, vermengt oder ersetzt wird
- Fehlleistungen sind Kompromisse: sie bedeuten ein
halbes Gelingen für jede der beiden Absichten
Einfachste Art
die störende Tendenz festzustellen: die Person fragen, was sie dachte kurz
bevor der Versprecher auftrat
Wenn der Analysierte eine Tendenz leugnet oder nicht gefragt werden kann:
indirekte Methode
- zuerst: Hypothese/Vorschlag zur Deutung
aufstellen
- dann: Untersuchung der psychischen Situation,
über den Charakter der Person informieren und die Eindrücke
analysieren, die sie vor der Fehlleistung betroffen haben
- Bestätigung oder Ablehnung der Hypothese?
- falls unklar: weitere Entwicklungen abwarten und
weitere Beobachtungen über das Verhalten der Person machen -> Motive
äußern sich oft erst in nachfolgenden Handlungen z.B. Chemiker
verpaßt seine Hochzeit; Frau spricht von ihrem Mann als Herr X./verliert
ihren Ehering/ unterschreibt mit ihrem Mädchennamen und läßt
sich ein Jahr später scheiden.
Grundannahme der Psychoanalyse: jede seelische Aktivität und jedes
Verhalten ist determiniert und sie lassen sich voll und ganz erklären, wenn
man das Motiv oder die ausgedrückte Absicht kennt. -> Suche nach der
zugrundeliegenden Dynamik oder dem Motiv
Gehäufte und kombinierte
Fehlleistungen:
- höchste Form von Fehlleistungen
- Hartnäckigkeit der störenden Tendenz
besonders groß
Bsp.: X. wird von Y. um Geld gebeten
für ein für beide wichtiges Projekt. X. ist in Geldnot und erlebt
einen inneren Konflikt. Er entschließt sich und schickt Y. einen Brief mit
einem Scheck ...
Ausnahmen:
Die Gegenabsicht kann mit dem in Frage kommenden Vorsatz unmittelbar
zusammenhängen, muß es aber nicht; ein anderer weniger sichtbarer
Faktor kann die Ursache der störenden Tendenz sein z.B. Rendezvous
vergessen, nicht weil man die Person nicht mag, sondern weil man mit dem Ort des
Rendezvous eine peinliche Erinnerung verbindet; Brief aufzugeben vergessen,
nicht wegen des Inhalts, sondern weil man sich an einen früheren Brief
erinnert, der unangenehme Konsequenzen nach sich zog
Die Absicht zur Vermeidung von Unlust, die psychische Flucht vor der
Unlust als letztes wirksames Motiv für viele Fehlleistungen,
Unterlassungen, Irrtümer etc.
Traumdeutung
Traum als Kompromiß Tagträume sind durchsichtige und
nicht verzerrte Wunscherfüllungen, bei der man selber der Held ist oder
sich mit der Hauptperson identifiziert -> Befriedigung egoistischer Ehrgeiz-
und Machtbedürfnissen, sowie erotischer Wünsche
Ähnlich wie Tagträume sind Kinderträume: sie sind
kurz, klar, kohärent und leicht zu verstehen; man kann klar erkennen,
daß der Kindertraum den Schlaf bewahrt, indem er einen hartnäckigen
Wunsch erfüllt -> Traumentstellung gehört nicht zum Wesen des
Traums
Annahme: der Träumer weiß, was sein Traum bedeutet, nur
weiß er nicht, daß er es weiß
zwischen dem Bedürfnis nach Schlaf und einem anderen hartnäckigen
Wunsch, der den Schlafenden aufwecken würden, wenn er direkt zu Ausdruck
käme -> Traum als Wächter des Schlafes (biologische Funktion) ->
Funktion der Wunscherfüllung
Methode der freien Assoziation: Man nimmt irgendein Traumelement und
fordert die Person auf genau das zusagen, was ihr einfällt, ohne irgend
etwas auszulassen, sei es noch so unsinnig, irrelevant oder peinlich. Es
entsteht eine Assoziationskette, die Ereignisse des vorherigen Tages bis
Erlebnisse aus entfernter Vergangenheit umfassen kann.
Die freie Assoziation führt schließlich zum latenten
Traumgedanken d.h. dem zugrundeliegenden Wunsch, der sich in Form des
entstellten Trauminhaltes, dem manifesten Trauminhalt zeigt. -> diese
Entstellung wird von der Traumzensur vorgenommen.
Der Widerstand des Patienten äußert sich dadurch,
daß er jene Einfälle unterdrückt die immer die wichtigsten und
entscheidendsten für das Auffinden des latenten Wunsches sind. Die
Traumzensur ist im gewissen Sinne auch im Wachzustand noch
aktiv.
Diejenigen Motive werden zensiert, die für den Träumenden
verwerflich, sozial, ethisch und ästhetisch anstößig sind und an
die er nicht zu denken wagt oder nur mit Abscheu denkt z.B. inzestöse
Wünsche, Haß-, Rache- und Todeswünsche.
Dagegen werden Träume, die dem Ausleben berechtigter Wünsche und
dringender körperlicher Bedürfnisse dienen, nicht zensiert.
Alpträume: man wacht auf in Schock und Angst, weil verbotenen
Wünsche zu stark und die Zensur zu schwach ist. Der Traum kann die Funktion
den Schlaf zu hüten nicht erfüllen.
Entstellungsgrad der Traumelemente: je größer der zu
zensierende Wunsch und je strenger die Anforderungen an die Zensur, desto mehr
ist Traum entstellt. Die Zensur ist etwas Relatives, daß von der Art des
Impulses und der Zensuranforderungen, die von den gesellschaftlichen Normen
geprägt sind, abhängt.
Traumarbeit und Deutungsarbeit
Traumarbeit: Prozeß durch den der latente Gedanke in den manifesten
Traum umgewandelt wird -> der Wunsch wird in eine halluzinatorische
Wunscherfüllung umgewandelt
Deutungsarbeit: umgekehrter Prozeß, freie Assoziation
Mechanismen der Traumarbeit
-> sind den Mechanismen ähnlich, die zum Entstehen neurotischer
Symptome führen
Verdichtung: einige latente Elemente werden ausgelassen, andere
werden zu einem Traumelement zusammengefaßt -> der Traum gibt nur einen
Teil, eine Andeutung des latenten Gedankens wieder
Verschiebung: ein latentes Traumelement kann durch ein Teil seiner
selbst oder ein entfernt assoziiertes Element ersetzt werden; außerdem
kann der Akzent des Traumes von einem wichtigen Element auf ein weniger
wichtiges verschoben werden.
Regressive Umsetzung von Gedanken in Bilder: die latenten Gedanken
werden in Bilder übersetzt, wobei die gedankliche Verarbeitung, die bereits
im Wachzustand geleistet wurde, wegfällt.
Sekundäre Bearbeitung: die Ergebnisse der Verdichtung,
Verschiebung und Umsetzung in Bildern werden zu einem zusammenhängenden
Gebilde verknüpft, das die Beziehung zwischen latentem Gedanken und
manifestem Trauminhalt weiter entstellt.
Symbolik: Symbole sind die Übersetzung der latenten Gedanken in
manifeste Elemente -> universelle Sprache des Unbewußten
-> wenn Traumelemente mit der Technik der freien Assoziation nicht
geklärt werden können, ergeben sie meist einen Sinn, wenn sie als
allgemeingültige Symbole gedeutet werden
Freud bezeichnete die Ausdrucksform der Träume als archaisch und
regressiv. Die unbewußten Vorgänge der Traumarbeit könnten einer
früheren Phase der intellektuellen Entwicklung angehört
haben.
Die latenten Traumgedanken bestehen aus:
- einem „Überbleibsel“ der
Aktivitäten des vergangenen Tages
- einem verdrängten Wunschimpuls, der oft auf
ein vergangenes Erlebnis des Träumers zurückgeht und mit dem
Gedankenrest des vorherigen Tages in Berührung kommt
Die Bedeutung des
Unbewußten
Um etwas Unbewußtes ins Bewußtsein zu rücken ist einige
Anstrengung notwendig, denn erst muß eine Art Widerstand bzw. ein
Gefühl der Abwehr bewältigt werden. Trotzdem kann der
unbewußte Gedanke entstellt werden, wenn er in einen bewußten
transformiert wird.
Freud wollte eine konsistente Psychologie entwickeln ohne auf physische
Korrelate zu verweisen.
Unsere Wahrnehmung des Unbewußten ist genauso unvollkommen, wie die
Wahrnehmung der Außenwelt durch unsere Sinnesorgane. Das Unbewußte
war für Freud der Bereich instinkthafter Impulse, die nach
unmittelbarer Erfüllung drängen. Durch Verschiebung kann die
Impulsivität eines Wunsches auf den andere übertragen werden, durch
Verdichtung kann ein Wunschimpuls die Impulsivität mehrerer Wünsche
übernehmen. Bei zwei Wunschregungen, die entgegengesetzt sind, wird ein
mittleres Ziel, ein Kompromiß gebildet.
Triebe als Ursache
für Motive
- Trieb als konstante Kraft aus dem
Körperinnern, als innere Reize d.h. als Bedürfnis, das durch
- seine Befriedigung aufgehoben werden kann (im
Unterschied zu äußeren Reizen, die durch instinktive Flucht oder
Angriff aufgehoben werden können). Erregungsreduktion bzw.
Triebbefriedigung bedeutet Lustempfinden.
- Trieb als Grenzbegriff zwischen Seelischem und
Somatischem; Triebe sind die Psychische Repräsentanten von Reizen aus dem
Körper
Merkmale eines Triebes:
Quelle: somatischer Vorgang in einem Organ oder
Körperteil, dessen Reize den Trieb repräsentieren
Drang: Stärke, Impulsivität oder Maß an
Arbeitsanforderung des Triebes
Ziel: Befriedigung, die durch Aufhebung des Reizzustandes an der
Triebquelle erreicht wird
Objekt: damit kann der Trieb sein Ziel erreichen; Mittel zur
Bedürfnisbefriedigung
- Fähigkeit zur Verschiebung: das
Triebobjekt kann im Lebenslauf beliebig oft gewechselt werden
- Triebverschränkung: dasselbe Objekt
wird kann gleichzeitig mehreren Trieben zur Befriedigung dienen
- Fixierung: besonders enge Bindung des
Triebes an das Objekt (Widerstand gegenüber einem Wechsel des Objekts
Triebarten:
Ich- oder Selbsterhaltungstriebe Sexualtriebe: alle nach
Sinneslust suchenden Aktivitäten; führen letztendlich zur Reproduktion
und Erhaltung der Art -> andere Triebe sind Mischungen aus diesen beiden
Grundtrieben
Ursache von Hysterie und Zwangsneurosen: Konflikt zwischen
verdrängtem Wunschimpuls (Sexualtrieb) und den entgegenwirkenden Impulsen,
mit denen sich die Person identifiziert (Ich-Trieb).
1905/1910: Dominanz des Sexualtriebes, dessen Kraft er Libido nannte, die
sich auf die eigene Person oder auf eine anderes Objekt gerichtet werden kann.
1920: Eros als Kombination aus Selbsterhaltungs- bzw. Ich-Trieben und
Sexualtrieben und Thanatos als Destruktionstrieb
Sublimierung: Verschiebung sexueller oder aggressiver Impulse auf
andere sozial akzeptierte Objekte
Freud faßte das Nervensystem als Maschine auf, die mit Hilfe von
Lust- und Schmerzgefühlen Erregung vermindern soll. Dem physiologische
Prinzip der Reizreduktion entspricht auf psychologischer Ebene das
Lustprinzip.
Verdrängung und
Angst
Verdrängung tritt auf, wenn die Tendenz zur Vermeidung der Unlust, die
mit der Reizbefriedigung zusammenhängt, stärker ist als die Lust der
Befriedigung.
Erste Phase der Verdrängung: Urverdrängung: der
psychischen Repräsentanz des Triebes wird die Übernahme ins
Bewußtsein versagt zweite Phase: eigentliche Verdrängung:
psychische „Abkömmlinge“ der verdrängten Idee d.h.
Gedanken, die mit ihr assoziiert werden, erleiden das gleiche Schicksal ->
diese verdrängten Impulse können sich dann im Traum als latente
Gedanken ausdrücken => Doch der verdrängte Impuls kann durch
Verschiebung entfernte Ersatzideen bilden, die das Bewußtsein erreichen
können .
Erste Angsttheorie: Angst als Folge von Verdrängung
- Die verdrängte Triebregung wird in einen
Angstaffekt umgesetzt, wie ausströmender Dampf aus seinem Kessel
Zweite Angsttheorie: Angst als Ursache der
Verdrängung
- Angst als Antwort auf eine Situation, in der das
Individuum sich einer steigernden, schmerzvollen Erregung gegenübersteht
und somit ist sie Ursache für Verdrängung.
- Angst ist die Motivkraft der Zensur und des
Widerstandes und ein unangenehmer Zustand, den man durch Verdrängung oder
andere Selbsttäuschungen abzuwenden versucht.
Arten der
Angst:
- Realangst: Angst vor einer bedrohlichen
äußeren Situation
- Neurotische Angst: Angstobjekt unklar,
unbekannt; Angst vor den Folgen einer Triebbefriedigung
Instanzenmodell
(1923)
ES:
- keine Organisation, Triebbefriedigung, folgt dem
Lustprinzip
- wird von den Trieben genährt
- Inhalte des Es sind unbewußt, speisen sich
aus vererbten Faktoren und Verdrängungen
ICH:
- Rationalität, Vernunft, Kontrolle,
Wahrnehmung der Außenwelt, realitätsangepasste Handlungen,
Realitätsprinzip
- Das Ich hat sich aus dem Es ausdifferenziert
- muß den Impulsen des Es standhalten und sie
kontrollieren
- Energien des Ich sind aus dem Es geborgt -> Es
ist dem Ich überlegen
- nicht das gesamte Ich ist bewußt,
Abwehrmechanismen sind unbewußte Ich-Funktionen, um Unlustgefühle
oder Ängste abzubauen
ÜBER-ICH:
- Gewissensfunktion: Eindämmung von sexuellen
und aggressiven Strebungen des Es
- Selbstbeobachtung, Idealbildung/Idealisierung,
Selbstdisziplinierung, Moralprinzip
- Internalisierung elterlicher Forderungen,
sozialer Gebote und Verbote
- hat sich aus dem Es durch den Ödipus-Komplex
herausgebildet
- Das Ich bemüht sich um Unabhängigkeit,
autonomes Handeln und Denken und wird vom Es, dem Über-Ich und der
Realität bedrängt. -> Vermittler zwischen Realität, Es und
Über-Ich
Reaktionen des Ich:
- Realangst vor der Realität
- Neurotische Angst oder Triebangst vor dem
Es
- Gewissens-/Strafangst vor dem
Über-Ich
-> Bewältigung diese Ängste durch
Flucht, Angriff und Abwehrmechanismen
Abwehrmechanismen
- Abwehr von inneren Trieben, Phantasien,
Erinnerungen und Affekten· , die zu Konflikten führen bzw. Angst
erzeugen
- oft zwanghaft und unbewußt
- Funktion der Selbsterhaltung und
Ich-Integrität -> Sicherung der Handlungsfreiheit und Angstfreiheit
- indirekte Abwehr durch Vermeidung von
Objekten/Personen, die Angst oder Wünsche hervorrufen, wenn dies nicht
möglich -> unbewußte Abwehrmechanismen
- bei Versagen der Abwehr kommt es zu
Kompromißbildungen d.h. Fehlleistungen, neurotische Symptome etc.
Verdrängung:
- Zurückdrängen und Festhalten von
angstauslösenden Triebregungen im Unbewußten
- Bestandteil anderer Abwehrvorgänge
Regression:
- Zurückgehen auf weniger komplexe,
ausdifferenzierte Handlungen, die zu einem früheren Zeitpunkt der
Entwicklung wirksam waren, als Ersatz für nichtbefriedigte Triebe
- z.B.: aus Liebeskummer sich in Tagträume
stürzen
Reaktionsbildung:
- Vermeidung angstbeladener Wünsche durch
Überbetonung gegenteiliger Intentionen
- verdrängter Wunsch wird durch neuen ersetzt
- Verhaltensweisen, die durch Reaktionsbildung
entstanden sind, haben einen zwanghaften Charakter
- z.B.: zwanghafte Sauberkeit als Reaktionsbildung
auf unerlaubte Unsauberkeit
Isolierung:
- Verhalten, das in einem Kontext sinnvoll ist,
wird in einem anderen Kontext ausgeführt, in dem es keinen Sinn hat
Ungeschehen machen:
- so tun, als ob Handlungen oder Ereignisse nicht
stattgefunden hätten
Projektion:
- der eigene psychische Zustand/ein eigenes Motiv
wird auf eine andere Person übertragen
Introjektion:
- ein eigenes unbefriedigtes Motiv wird ersetzt
durch ein Motiv einer anderen Person -> Übernahme von Motiven anderer
Personen (mit denen man sich identifiziert)
- z.B.: Berufswunsch der Eltern übernehmen
Wendung gegen die eigene Person/Verkehrung ins
Gegenteil:
- z.B.: negative Affekte des Kindes gegenüber
dem Vater oder der Mutter werden auf das eigene Selbst oder auf andere Personen
übertragen
Sublimierung:
- Umsetzen von sexueller oder aggressiver Energie
in kulturell anerkannte Tätigkeiten (Verschiebung sexueller oder
aggressiver Impulse auf andere sozial akzeptierte
Objekte)
Überblick
- Freud mahnte oft, daß best. theoretische
Konstruktionen nur als Arbeitshypothesen zu verstehen sind.
- In Freud Schriften finden mehr gesunder und
wissenschaftlicher Skeptizismus als ihm allgemein nachgesagt wird oder als seine
Schüler an den Tag legten.
- Freud reduzierte das Bewußtsein auf das
Ergebnis, daß aus einem Konflikt primitiver Impulse und unbewußter
Entscheidungsprozesse hervorgeht. -> dynamische, konflikthafte Beziehungen:
Unbewußtes, Vorbewußtes, Bewußtsein; Es, Ich, Über-Ich;
Eros, Thanatos
- Gedanken und Handlungen sind nach seiner
Auffassung streng determiniert.
- Für das Normale und das Pathologische gelten
die selben Prinzipien.
- Die Psychoanalyse mahnt zur Vorsicht vor allzu
einfachen Erklärungen unseres Handeln, die wir aus bewußten Motiven
gewinnen.
- Die erhabenen, bewußten Motive des Menschen
werden als Ergebnisse eines Konflikt betrachtet, als Kompromisse, die zu
Ersatzzielen und Ersatzaktivitäten führen, die Verschiebungen von
primitiven Trieben auf eher annehmbare Objekte sind.
Grundsätze der
Psychoanalyse:
- Psychische Prozesse sind vollständig determiniert und nicht
zufällig
- Konflikte haben weit zurückliegende Ursachen, die in der Kindheit zu
suchen sind
- Konflikte bzw. deren Determinanten sind sexueller Natur
- psychische Verdrängungsprozesse werden ausgelöst durch solche
Konflikte und deren Bewältigungsversuch
- Prozeß psychologischer Erkenntnisbildung durch die psychoanalytische
Therapie -> rationale und deutende Rekonstruktion von
Kausalzusammenhängen -> Heilung durch Einsicht im Sinne von
Wiedererleben und emotionalem Durcharbeiten des Konflikts
- Methode der freien Assoziation: Ausgangspunkt sind Träume,
Fehlleistungen, Symptome des Klienten, die in Verbindung gebracht werden mit
Kindheitserlebnissen
- Bedeutung unbewußter Prozesse im Seelenleben: Bewußtheit ist
eher eine außergewöhnliche als vorherrschende Eigenschaft
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