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Geld und Gold - Notendeckungstheorien
BBS Buxtehude
Fachgymnasium Wirtschaft
Facharbeit
im Leistungskurs ‘Geld-
und Konjunkturpolitik’
Thema: Geld und Gold -
Notendeckungstheorien
Verfasser: Sven Deden
Fachlehrer: Herr Wiegers
Abgabetermin: 19.04.1999
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Gründe der Entstehung der Banking- und
Currencytheorie
3 Die Bankingtheorie
- Die Hauptmerkmale der
Bankingtheorie
- Positive Aspekte der
Bankingtheorie
- Negative Aspekte der
Bankingtheorie
4 Die Currencytheorie
- Die Hauptmerkmale der
Currencytheorie
- Kritik an der
Currencytheorie
5 Die Durchsetzung der Currencytheorie und ihre
Auswirkungen
6 Notendeckungsvorschriften in Deutschland von 1876 bis
in die Gegenwart
7 Literaturverzeichnis
1 Einleitung
Geld und Gold - Notendeckungstheorien, so lautet das
Thema dieser Facharbeit. Die Frage, ob und wenn ja, zu wieviel Prozent das
umlaufende Geld durch Gold gedeckt sein sollte, sorgte vor einigen hundert
Jahren zu heftigen Diskussionen und Auseinandersetzungen unter den
Geldtheoretikern, da jeder seine eigene Meinung zur Notendeckung hatte. Die
Diskussionen über die Notendeckung reichen bis in die jüngste
Vergangenheit und im Laufe der Jahrhunderte setzten sich immer wieder
verschiedene Theorien durch. „Die erste Theorie dürfte in England im
17. Jahrhundert, mit der Entstehung unserer modernen Banknoten, entstanden sein.
Damals konnte man Edelmetalle und Münzen aus Gold und Silber bei
Goldschmieden in Verwahrung geben und erhielt dafür Quittungen, die zu 100
Prozent durch die hinterlegten Edelmetalle gedeckt waren. Diese Quittungen
liefen wie Geld um, und man konnte sie jederzeit bei den Goldschmieden
einlösen und erhielt dafür die Menge Gold, die man zur Verwahrung
abgegeben
hatte.“[1]
„Am Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in England
heftige Diskussionen zwischen den Anhängern zweier Notendeckungstheorien,
zum einen der Bankingtheorie und zum anderen der
Currencytheorie.“[2]
Diese beiden Theorien und der Ausgang der Diskussion
werden später noch ausführlich erläutert. In Deutschland gab es
verschiedene Deckungsvorschriften. „So war es bis zum Beginn der Ersten
Weltkrieges möglich, Banknoten bei der Notenbank in Gold
umzutauschen."[3]
„Heute ist die Bundesbank bei der Geldausgabe
nicht mehr an Deckungsvorschriften
gebunden.“[4]
„Man nennt eine Währung, die nicht an
irgendein Währungsmetall gebunden ist, eine freie Währung. Eine
Währung, bei der ein festes Verhältnis zwischen dem Geld und dem
verwendeten Edelmetall vorgeschrieben ist, bezeichnet man als gebundene
Währung.“[5]
2 Gründe der Entstehung der
Banking- und Currencytheorie
Zur Entstehung der Bankingtheorie und der
Currencytheorie trugen zwei wichtige Ereignisse bei, die hier näher
erläutert werden sollen. Das erste Ereignis, das zur Entstehung beitrug,
war die Diskussion, wie die Englische Notenbank, am Anfang des 19. Jahrhunderts
nach den Napoleonischen Kriegen, die Geldmenge am zweckmäßigsten
regeln sollte.
„Über diese Frage wurde lange und
ausführlich diskutiert. Einzelne Wissenschaftler und Politiker erstellten
Gutachten, woraufhin andere Wissenschaftler wieder Gegengutachten erstellten. Es
bildeten sich zwei gegeneinanderstehende Richtungen heraus. Die eine Richtung
vertrat die Bankingtheorie und die andere Richtung die Currencytheorie. Ein
großer Streitpunkt zwischen beiden Richtungen war die Frage, ob und wie
die Banknoten bei ihrer Ausgabe gedeckt sein sollten. Die Anhänger der
Currencytheorie vertraten die Meinung, daß die ausgegebenen Banknoten in
voller Höhe mit Gold und Silber gedeckt sein müßten, die
Anhänger der Bankingtheorie meinten dagegen, daß eine derartige
Begrenzung unnötig
sei.“[1] Auf die
Banking- und Currencytheorie wird in den nächsten Gliederungspunkten noch
aus-führlicher eingegangen. Das zweite Ereignis, das zur Entstehung der
beiden Theorien beitrug, war das Scheitern des bullionistischen Prinzips.
„Die Theoretiker beider Theorien waren auf der Suche nach den
Gründen, die das bullionistische Prinzip scheitern ließen. Das
bullionistische Prinzip wurde von dem Bullion-Komitee ausgearbeitet und die
englische Notenbank setzte das Prinzip auf Empfehlung des Bullion-Komitees im
Jahre 1821 in die Praxis um. Das Prinzip besagte, daß die
Einlösbarkeit der ausgegebenen Banknoten in Gold ausreiche, um den Geldwert
auf lange Sicht stabil zu halten, woraufhin die englische Notenbank die
Einlösungspflicht für Banknoten wieder aufnahm. Die anhaltenden
Goldzuflüsse in England zwischen 1830 und 1840 sorgten jedoch für
einen instabilen Geldwert, da immer mehr Geld ausgegeben werden konnte, weil
durch die anhaltenden
Goldzuflüsse ausreichend Gold zur Einhaltung der
Einlösepflicht
Dies führte zum Scheitern des bullionistischen
Prinzips und zur Entstehung der Banking- und Currencytheorie.
3 Die
Bankingtheorie
- Die Hauptmerkmale der
Bankingtheorie
Durch die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
in England entstandene Streitfrage, wie die englische Notenbank die Geldmenge am
zweck-mäßigsten reguliere, bildete sich die Bankingtheorie, deren
Hauptvertreter Thomas Tooke und John Fullarton waren. „Die Anhänger
der Bankingtheorie waren der Meinung, daß eine enge Bindung der Emission
von Papiergeld, also der Ausgabe von Papiergeld, an die Goldvorräte der
Notenbank unnötig sei, da es auch ohne diese Regel zu einer stabilen
Ausweitung der Papiergeldmenge kommen
würde.“[3]
Die Bankingtheorie forderte, „daß nur ein bestimmter
prozentualer Anteil der umlaufenden Banknoten durch Gold gedeckt werde,
während der restliche Teil des umlaufenden Geldes durch Handelswechsel zu
decken sei. Diese Auffassung beruht auf dem
Fullarton’schen
Rückströmungsprinzip. Dieses Prinzip besagt, daß Bank-noten, die
durch Ankauf von Handelswechseln seitens der Notenbank in den Umlauf gelangt
sind, bei Fälligkeit der Wechsel nach spätestens drei
Monaten wieder an die Notenbank
zurückfließen und die Geldmenge entsprechend
verringern.“[4]
Die Bankingtheorie sorgt also dafür, daß die
Notenbank keinen Einfluß auf
die Papiergeldmenge hat, da diese abhängig von dem
Kreditbedarf der Wirtschaft ist. Dadurch ist auch eine stabile Ausweitung der
Papiergeldmenge gewährleistet, da nur so viel Geld in Umlauf kommt, wie die
Wirtschaft benötigt. In Zeiten, in denen eine gute wirtschaftliche Lage
herrscht, erhöht sich die Papiergeldmenge, da die Wirtschaft einen hohen
Kreditbedarf hat, z.B. zum Kauf von neuen Maschinen um mehr Güter zu
produzieren. Es werden mehr Handelswechsel in Umlauf gebracht und an die
Notenbank verkauft, die dafür Papiergeld ausgibt, was zu einer
Erhöhung der Papiergeldmenge führt. Bei Fälligkeit, der von der
Notenbank angekauften Wechsel, fließt das für die Wechsel ausgegebene
Papiergeld wieder zurück an die Notenbank und die Papiergeldmenge
verringert sich. In Zeiten, in denen eine schlechte wirtschaftliche Lage
herrscht, hat die Wirtschaft einen sehr geringen Kreditbedarf und es kommt zu
keiner bzw. nur zu einer sehr geringen Geldmengenerhöhung, da nur sehr
wenige Handelswechsel an die Notenbank verkauft werden. Die Wirtschaft regelt
also die Geldmenge auto-matisch, „da sie nur eine solche Geldmenge
nachfragt, die sie zur
Finanzierung des Warenwertes tatsächlich
benötigt.“[5]
„Die Bankingtheorie nannte man auch eine moderne Theorie, da sie eine
elastische Handhabung der Notenausgabe ermöglichte, da sich die
Notenausgabe den jeweiligen Bedürfnissen der Wirtschaft
anpaßte.“[6]
- Positive Aspekte der
Bankingtheorie
Positiv zu sehen an der Bankingtheorie ist die
Forderung, die die Banking-
theoretiker vertraten, „daß sich die
Geldmenge nach den Bedürfnissen der Wirtschaft richtet und damit eine
elastische Handhabung der Notenausgabe ermöglicht
wird.“[7] Hat
die Wirtschaft einen sehr hohen Kreditbedarf, so steigt automatisch die
Geldmenge, hat sie jedoch einen eher niedrigen Kreditbedarf, so sinkt die
Geldmenge. Das sorgt dafür, daß nie zuviel Geld im Umlauf ist und die
Gefahr einer Inflation sehr gering gehalten wird. Zu einer Inflation kommt es
immer dann, „wenn die Geldmenge in einer Volkswirtschaft schneller zunimmt
als die Gütermenge, die verkauft werden
kann.“[8] Dies
kann bei der Bankingtheorie nicht passieren, da die Geldmenge nur steigt,
wenn Handelswechsel von der Wirtschaft an die Notenbank
verkauft wer-
den, da ein Kapitalbedarf, z.B. zum Kauf von neuen
Produktionsanlagen zur
Steigerung der Produktionsmenge, besteht. Weiterhin ist
bei der
Bankingtheorie positiv zu sehen, „daß der
Umfang der Wechseldiskon-tierung, das heißt die Anzahl der Wechsel, die
die Notenbank ankauft und dafür Papiergeld in Umlauf bringt, ein Merkmal
für die wirtschaftliche Lage ist. Eine Notenausgabe aufgrund angekaufter
Handelswechsel ist weniger bedenklich für die Aufrechterhaltung des
Preisniveaus, als andere Arten der
Banknotenausgabe.“[9]
Als Aufrechterhaltung des Preisniveaus bezeichnet man „die Konstanthaltung
des gemessenen Durchschnittstandes aller wichtigen Preise in der
Volkswirtschaft. Steigen einzelne Preise an, so müssen diese
Preissteigerungen durch Preissenkungen an anderer Stelle ausgeglichen werden, um
das Preisniveau konstant zu
halten.“[10]
- Negative Aspekte der
Bankingtheorie
Negativ zu sehen an der Bankingtheorie ist der Aspekt,
daß nicht beachtet wird, „daß ein erhöhter oder
verminderter Kreditbedarf der Wirtschaft bereits die Folge einer Inflation oder
einer Deflation sein kann. Selbst bei gleichbleibendem Handelsvolumen wird sich
bei steigenden oder sinkenden Preisen der Kreditbedarf
ändern.“[11]
Das bedeutet, daß es bereits bei einer leichten Inflation zu einem
erhöhten Kreditbedarf der Wirtschaft kommen kann, da bei einer Inflation
die Preise, aus Gründen von z.B. einer Güterknappheit, steigen und die
Wirtschaft immer mehr Geld benötigt. Umgekehrt kann ein verminderter
Kreditbedarf bereits ein Anzeichen für eine leichte Deflation sein, da bei
einer Deflation die Preise, aus Gründen von z.B. einem
Güterüberangebot, sinken und die Wirtschaft deshalb relativ wenig Geld
benötigt. Ein weiterer negativer Aspekt der Bankingtheorie ist die
Nichtbeachtung der Kreditbedingungen, „die einen entscheidenden
Einfluß auf die Nachfrage nach Kredit und damit auf die Geldmenge
haben.“[12]
Eine große Rolle bei den Kreditbedingungen spielt der Zinssatz
(Diskont), den die Notenbank festsetzt. „Der Diskontsatz ist der Zinsabzug
beim Ankauf von Wechseln für die Zeit vom Verkaufstag des Wechsels bis zum
Fälligkeitstag. Der Verkäufer des Wechsels erhält die um die
Zinsen verkürzte Wechselsumme
ausgezahlt.“[13]
Das bedeutet, daß bei einem sehr niedrigen Diskontsatz die Kreditnachfrage
sehr hoch ist, da sich durch den niedrigen Zinsabzug die ausgezahlte
Wechselsumme nur wenig verringert. Die hohe Kreditnachfrage sorgt dann für
eine starke Erhöhung der sich im Umlauf befindenden Geldmenge. Als dritter
negativer Aspekt der Bankingtheorie ist zu erwähnen, daß nicht
beachtet wird, „daß nicht jeder von der Wirtschaft an die Notenbank
verkaufte Handelswechsel zur Steigerung der Produktivität verkauft
wurde.“[14]
Wichtig zu beachten wäre hierbei gewesen, daß die Banknoten, die von
der Notenbank für den Ankauf von Wechseln, ausgegeben werden, bis zur
Tilgung des Wechsels im Umlauf sind. „Bei einer hohen Anzahl von Wechseln,
die die Notenbank ankauft, kann eine inflatorische Erscheinung auftreten, da
sich die Umlauf befindende Geldmenge stark
erhöht.“[15]
4 Die
Currencytheorie
- Die Hauptmerkmale der
Currencytheorie
Genauso wie die Bankingtheorie bildete sich in der
ersten Hälfte des
19. Jahrhunderts in England die Currencytheorie aufgrund
der Streitfrage, wie die englische Notenbank die Geldmenge am
zweckmäßigsten reguliere. Die Hauptvertreter der Currencytheorie
waren Lord Overstone und David Ricardo. Sie und ihre Anhänger forderten,
„daß eine genau abgegrenzte Geldmenge voll durch Gold gedeckt sein
müsse.“[16]
Sie waren der Meinung, „daß die Geldmenge und auch deren
Umlaufgeschwindigkeit einen Einfluß auf das Preisniveau haben und das die
vorhandene Geldmenge (Geldangebot) eines Landes auch seinem Bedarf
(Geldnachfrage)
entspreche.“[17]
Diese Aussage begründeten sie damit, daß wenn sich die im Umlauf
befindende Geldmenge gegenüber dem Geldbedarf erhöht, so kann es zu
einer Erhöhung der Güterpreise kommen. Wenn sich die Geldmenge
gegenüber dem Geldbedarf unangepasst erhöht, spricht man auch von
einer Inflation, da das Geld immer mehr an Wert verliert. „Jedes Land
besitze daher auf Dauer die Geldmenge, die es gerade
braucht.“[18]
Die Currency-theoretiker forderten, „daß die ausgegebenen Banknoten
zu 100 % durch Gold gedeckt sein
müßten.“[19]
Ist das umlaufende Geld zu 100 % durch Gold gedeckt, so wäre
„eine Zunahme der Geldmenge nur möglich, wenn in entsprechendem
Umfang auch die Goldproduktion gesteigert
wird.“[20]
Das bedeutet, wenn die englische Notenbank die sich im Umlauf befindende
Geldmenge erhöhen möchte, so muß sie gleichzeitig die
Goldproduktion steigern, da sich nach der Geldmengenerhöhung mehr Geld als
vorher im Umlauf befindet, das zu 100 % durch Gold gedeckt sein muß. Der
Grund-gedanke der Currencytheoretiker war, „daß die Nachfrage
nach Geld in der Wirtschaft unbegrenzt sei und daher zur Verhinderung einer
Inflation die Geldmenge [durch die Notenbank] künstlich knapp
gehalten werden müsse und alle umlaufenden Banknoten durch Gold zu decken
seien.“[21]
Die
Currencyanhänger waren aber damit einverstanden,
„daß eine bestimmte von der Notenbank an den Staat ausgeliehene und
von diesem in Umlauf gebrachte Grundgeldmenge von der Golddeckungspflicht
befreit sein könne, wenn diese Grundgeldmenge stattdessen durch die Ausgabe
eines ent-sprechenden Volumens von Staatspapieren gedeckt
werde.“[22] Als
Staatspapiere bezeichnet man die „vom Staat zum Zwecke der
Kreditaufnahme ausgegebenen
Schuldtitel.“[23]
- Kritik an der
Currencytheorie
Kritisch zu sehen an der Currencytheorie ist der
Standpunkt, „daß sie geldtheoretisch primitiver als die
Bankingtheorie ist. Im Gegensatz zur Banking-
theorie wird von der Currencytheorie nicht beachtet,
daß es in der Volkswirtschaft neben dem Bargeld auch Buchgeld
gibt.“[24]
„Als Buchgeld bezeichnet man Geld, daß auf den Konten (in den
Büchern) der Geldinstitute existiert. Häufig wird anstatt von Buchgeld
auch von Giralgeld
gesprochen.“[25]
Des Weiteren ist an der Currencytheorie kritisch zu erwähnen,
„daß die von ihr geforderte starre Begrenzung der Bargeldmenge zu
schweren Störungen des wirtschaftlichen Ablaufs führen kann, da sich
die Wirtschaft in dauernder Entwicklung befindet, das heißt das
Umsatzvolumen ändert sich
ständig.“[26]
Das bedeutet, wenn die Wirtschaft ein hohes Umsatz- bzw. Produktions-volumen
hat, die sich im Umlauf befindende Bargeldmenge aber gering ist, so kann die
Folge davon sein, daß die Unternehmen die Preise für ihre Waren
senken müssen, damit sie diese überhaupt verkaufen können und
wettbewerbsfähig bleiben. Sinken die Preise anhaltend über einen
längeren Zeitraum, so spricht man auch von einer Deflation. „Aus
diesem Grund darf die Bargeldmenge, die der Wirtschaft zur Verfügung steht,
nicht starr begrenzt sein, sondern sie muß dem sich ändernden
Umsatzvolumen elastisch angepaßt
werden.“[27]
5 Die Durchsetzung der Currencytheorie
und ihre Auswirkungen
Aus dem Streit zwischen der Bankingtheorie und der
Currencytheorie ging schließlich die Currencytheorie als Gewinner hervor.
Mit der Peelschen Bankakte, einem von dem britischen Premierminister Robert Peel
für die Bank von England erlassenen Gesetz, trat die Currencytheorie im
Jahre 1844 in Kraft. Sie schrieb der englischen Notenbank von nun an vor,
„daß sie Banknoten bis zu einem Betrag von 14 Millionen Pfund ohne
Edelmetalldeckung ausgeben dürfe. Diese 14 Millionen Pfunde
müßten jedoch durch Staatsschuldverschreibungen, also durch Ausgabe
eines entsprechenden Volumens von Staatspapieren, gedeckt werden. Eine über
diesen Betrag hinausgehende Ausgabe von Banknoten ist nur gestattet, wenn diese
Bank-
noten durch ein Edelmetall gedeckt
werden.“[28]
„Mit dieser Deckungsvorschrift
beschränkte man jedoch die Banknotenausgabe mehr,
als dem Geldverkehr auf lange Sicht zuträglich
war.“[29] Aus
diesem Grund suchte die Wirtschaft immer mehr nach Ausweichmöglichkeiten.
„Solche waren die zeit-
weilige Aufhebung der vorgeschriebenen
Deckungsvorschriften und die schnelle Entwicklung des bargeldlosen
Zahlungsverkehrs, wodurch neben das Münz- und Notengeld das Giralgeld
trat.“[30]
„Die Geschäftswelt in England nutzte mehr und mehr die
Möglichkeit, bargeldlos zu zahlen. Das führte dazu, daß es in
England neben der Notenbank Depositenbanken gab, die kurzfristige Kredite gaben
und dem bargeldlosen Zahlungsverkehr dienten. Der bargeldlose Zahlungsverkehr
erlangte in England eine viel größere Bedeutung als im restlichen
Europa, wo die Banknotenausgabe nicht so eng begrenzt
wurde.“[31]
„Am 28.02.1939 wurde die Currencytheorie in England endgültig
außer Kraft
gesetzt.“[32]
Die Hauptauswirkung der Currencytheorie war die Entstehung des Giralgeldes oder
des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, der seinen Ursprung in England hat und heute
weltweit durchgeführt wird.
6 Notendeckungsvorschriften in
Deutschland
von 1876 bis in die
Gegenwart
Als im Jahre 1876 die Reichsbank gegründet wurde,
schuf sich das Deutsche Reich seine zentrale Notenbank, allerdings hatte diese
noch nicht das alleinige Recht zur Notenausgabe. Es gab noch sogenannte
Privat-notenbanken, die ebenfalls Geldscheine herstellen und in Umlauf bringen
durften. „Die Notenausgabe war durch die Deckungsvorschrift begrenzt,
daß mindestens ein Drittel des Banknotenumlaufs durch Reichskassenscheine
oder Gold gedeckt sein mußten (sogenannte Bardeckung). Der Rest
des
Notenumlaufs wurde überwiegend durch Handelswechsel
gedeckt
(sogenannte bankmäßige
Deckung).“[33]
„Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden
die Deckungsvorschriften zwar nicht völlig abgeschafft, aber zugunsten
staatlicher Schuldtitel aufgeweicht. Damit war die Finanzierung des Ersten
Weltkrieges gesichert und der Weg in die große Inflation von 1923
geebnet.“[34]
„Nach dem Ersten Weltkrieg legte man gesetzlich die Unabhängigkeit
der Reichsbank von der Reichsregierung fest und man begrenzte die
Kreditgewährung sehr eng an den Staat. Für den Notenumlauf wurde eine
Deckung von mindestens 40 % durch Gold und Devisen (über fremde
Währungen lautende, im Ausland zahlbare Wechsel und Schecks)
vorgeschrieben. Ab 1930 war die Reichsbank verpflichtet, ihre Banknoten in Gold
und Devisen einzulösen. Im Jahre 1938 verlor die Reichsbank ihre
Unabhängigkeit von der Reichsregierung, die Noteneinlösungspflicht
entfiel und anstelle der 40prozentigen Gold- und Devisendeckung konnte die
Notendeckung in Wechseln, Schecks und ähn-lichen Forderungsrechten
bestehen. Der Reichskanzler und Führer konnte den Reichsbankkredit an das
Reich in beliebiger Höhe festsetzen. Damit war die Finanzierung des Zweiten
Weltkrieges gesichert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Deutsche Mark
geschaffen, die bis heute ihre Gültigkeit behalten hat. Bei deren Ausgabe
in Form von Münzen und Noten gab es eine nicht starr handzuhabende Grenze,
die anfangs bei 10 Milliarden DM lag. Eine Notendeckung und eine
Einlösungspflicht waren nicht mehr vorhanden, da die allgemein akzeptierte
Erkenntnis exisitiert, „daß es für die Werterhaltung des
Geldes weder erforderlich ist noch genügt, die ausge-gebenen Noten durch
Gold oder Devisen zu decken. Die Notenbank hat heute die Aufgabe,
eigenverantwortlich Maßstäbe und Steuerungsverfahren zu entwickeln,
um eine knappe, am Wirtschaftswachstum orientierte Geldversorgung zu
gewährleisten.“[35]
7
Literaturverzeichnis
Prof. Dr. Wilhelm Seuß. „Alles über
Geld“. Bank-Verlag Köln, Köln 1993
Dr. Erich Carell. „Allgemeine
Volkswirtschaftslehre“. 14. Auflage. Quelle & Meyer Verlag,
Heidelberg 1972
Heinz Peutzlin. „Das Geld“. Verlag
Ullstein GmbH, 1982
Hans Harlandt. „Das Geld von gestern, heute
und morgen“. 1. Auflage. Reinhardt Becker Verlag,
1996
Deutsche Bundesbank. „Die Geldpolitik der
Bundesbank“.
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„Gabler Wirtschafts-Lexikon“. 13.
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Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH,
Wiesbaden 1993.
Dr. Adalbert Kitsche, Prof. Dr. Heinz Markmann.
„Geld & Geldpolitik“. Verlag Dr. Neufang KG,
Gelsenkirchen-Buer 1999
Prof. Dr. Manfred Borchert. „Geld und
Kredit“. R. Oldenbourg Verlag, München 1997
Prof. Dr. Peter Schaal. „Geldtheorie und
Geldpolitik“. R. Oldenbourg Verlag, München
1998
„Geldpolitik - Ziele, Institutionen, Strategien
und Instrumente“.
Verlag Franz Vahlen, München 1996
Dr. Alfred Krause. „Geschichte der
volkswirtschaftlichen Theorien“. Duncker & Humblot Verlag, Berlin
1959
Dr. Adalbert Kitsche, Prof. Dr. Heinz Markmann.
„Unser GELD“.
Verlag Dr. Neufang KG, Gelsenkirchen-Buer
1999
Gernot B. Hartmann. „Volks- und
Weltwirtschaft“. 17. Auflage.
Merkur Verlag, Rinteln 1995
[1] „Geld & Geldpolitik“.
Verlag Dr. Neufang KG, Gelsenkirchen-Buer 1999
[2] „Geldtheorie und
Geldpolitik“. R. Oldenbourg Verlag, München 1998
[3] „Alles über Geld“.
Bank-Verlag Köln, Köln 1993
[4] „Geld & Geldpolitik“.
Verlag Dr. Neufang KG, Gelsenkirchen-Buer 1999
[5] „Geld & Geldpolitik“.
Verlag Dr. Neufang KG, Gelsenkirchen-Buer 1999
[1] „Das Geld“. Verlag Ullstein
GmbH, 1982
[2] „Geschichte der
volkswirtschaftlichen Theorien“. Duncker & Humblot Verlag Berlin,
1959
[3] „Geldpolitik - Ziele,
Institutionen, Strategien und Instrumente“. Verlag Franz Vahlen,
München 1996
[4] „Geldtheorie und
Geldpolitik“. R. Oldenbourg Verlag, München 1998
[5] „Geldtheorie und
Geldpolitik“. R. Oldenbourg Verlag, München 1998
[6] „Das Geld von gestern, heute und
morgen“. Reinhardt Becker Verlag, 1996
[7] „Das Geld von gestern, heute und
morgen“. Reinhardt Becker Verlag, 1996
[8] „Geld & Geldpolitik“.
Verlag Dr. Neufang KG, Gelsenkirchen-Buer 1999
[9] „Geschichte der
volkswirtschaftlichen Theorien“. Duncker & Humblot Verlag, Berlin
1959
[10] „Gabler
Wirtschafts-Lexikon.“ Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH,
Wiesbaden 1993.
[11] „Geschichte der
volkswirtschaftlichen Theorien“. Duncker & Humblot Verlag, Berlin
1959
[12] „Geschichte der
volkswirtschaftlichen Theorien“. Duncker & Humblot Verlag, Berlin
1959
[13] „Gabler
Wirtschafts-Lexikon.“ Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH,
Wiesbaden 1993.
[14] „Geschichte der
volkswirtschaftlichen Theorien“. Duncker & Humblot Verlag, Berlin
1959
[15] „Geschichte der
volkswirtschaftlichen Theorien“. Duncker & Humblot Verlag, Berlin
1959
[16] „Geld und Kredit“. R.
Oldenbourg Verlag, München 1997
[17] „Geld und Kredit“. R.
Oldenbourg Verlag, München 1997
[18] „Geld und Kredit“. R.
Oldenbourg Verlag, München 1997
[19] „Geschichte der
volkswirtschaftlichen Theorien“. Duncker & Humblot Verlag, Berlin
1959
[20] „Geld und Kredit“. R.
Oldenbourg Verlag, München 1997
[21] „Geldtheorie und
Geldpolitik“. R. Oldenbourg Verlag, München 1998
[22] „Geldtheorie und
Geldpolitik“. R. Oldenbourg Verlag, München 1998
[23] „Gabler
Wirtschafts-Lexikon.“ Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH,
Wiesbaden 1993.
[24]„Allgemeine
Volkswirtschaftslehre“. 14. Auflage. Quelle & Meyer Verlag,
Heidelberg 1972
[25]„Volks- und
Weltwirtschaft“. 17. Auflage. Merkur Verlag, Rinteln 1995
[26]„Allgemeine
Volkswirtschaftslehre“. 14. Auflage. Quelle & Meyer Verlag,
Heidelberg 1972
[27] „Allgemeine
Volkswirtschaftslehre“. 14. Auflage. Quelle & Meyer Verlag,
Heidelberg 1972
[28] „Geldtheorie und
Geldpolitik“. R. Oldenbourg Verlag, München 1998
[29] „Das Geld von gestern, heute
und morgen“. 1. Auflage. Reinhardt Becker Verlag, 1996
[30] „Geschichte der
volkswirtschaftlichen Theorien“. Duncker & Humblot Verlag, Berlin
1959
[31] „Das Geld von gestern, heute
und morgen“. 1. Auflage. Reinhardt Becker Verlag, 1996
[32] „Geldtheorie und
Geldpolitik“. R. Oldenbourg Verlag, München 1998
[33] „Die Geldpolitik der
Bundesbank“. Frankfurt am Main, 1995
[34] „Unser GELD“. Verlag Dr.
Neufang KG, Gelsenkirchen-Buer 1999
[35] „Die Geldpolitik der
Bundesbank“. Frankfurt am Main, 1995
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