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Schiller, Friedrich: Don Carlos, Infant von Spanie
DON CARLOS-
INFANT VON SPANIEN
In meinem Referat werde ich euch vom Drama Don Carlos,
Infant von Spanien mit dem Untertitel “ ein dramatisches Gedicht”
von Friedrich Schiller berichten, zunächst aber die allerwichtigsten Daten
im Leben des Autors.
Johann Christoph Friedrich Schiller wird am 10. November
1759 in Marbach am Neckar
als 2. Kind von Johann und Elisabeth Schiller geboren.Es
herrscht eine streng religiöse
Erziehung in seinem Elternhaus, so daß der junge
Schiller zunächst den Wunsch verspürt, Theologe zu werden.Auf
Geheiß des Herzogs Karl Eugen trittt er jedoch 1773 in die
Militärakademie Solitude ein , wo er zunächst Rechtsgelehrsamkeit,
dann Medizin studiert . 1776-1777 entstanden die ersten literarischen
Versuche.Als Schiller 1780 aus der Militärakademie entlassen wird, tritt er
eine Stelle als Regimentsmedikus an, arbeitet aber nebenbei an seiner
dichterischen Karriere. Zu den wichtigsten Werke Schillers zählen Die
Räuber (1776), Kabale und Liebe (1782) , Fiesko (1783) und Maria Stuart (
1801). 1790 heiratet er Charlotte von Lengenfels. Im Laufe seiner
schriftstellerischen Tätigkeit entwickelt sich Schillers Stil vom Sturm
und Drang zur weimarer Klassik. Am 9. Mai 1805 stirbt er an den Folgen einer
Lungenentzündung.
Friedrich Schillers Tragödie “Don Carlos”
entstand in der Zeit zwischen 1783-87 und wurde
am 29.8.1787 in Hamburg uraufgeführt. Als Vorlage
diente der Geschichtsroman des Abbé
Saint-Réal, der von allen aufgeklärten Feinden
des spanisch- katholischen Weltreiches hoch
gepriesen wurde.Es handelt sich hierbei um ein Gemisch aus
Liebesgeschichte und Hofintrige, Verherrlichung edler Leidenschaft, Verdammung
roher Gewalt sowie die Verurteilung Phillips II und seines Staatswesens.
Für Schiller, erbitterter Gegner jeglicher Tyrannei, war dieser Stoff wie
geschaffen. So entstand ein Schauspiel in fünf Akten, welches im Blankvers
( 5-hebiger, ungereimter Jambus) gehalten ist.Die Vielzahl der Enjambements
jedoch rücken es immer wieder in die Nähe der Prosa.
Zum besseren Verständnis des Stückes werde ich
kurz auf den zeitgeschichtlichen Hintergrund
eingehen: Das Drama spielt in der Regierungszeit Phillips
II, der von 1556-1598 König von Spanien war. Zur Zeit der Handlung , im
April 1568, war er 41 Jahre.Schiller dagegen geht mit den Daten im Allgemeinen
großzügig um und läßt ihn in seiner Tragödie bereits
60 Jahre alt sein.Unter Phillips Herrschaft fällt ein Teil der Niederlande
an Spanien und wird aufgrund der Steuerpolitik des Königs
rücksichtslos ausgebeutet, was zu scharfem Protest bei der
niederländischen Aristokratie führte.Ebenfalls Gegenstand der
Empörung war die Einführung der Inquisition(=Untersuchung der
kath.Kirche, ob man ein Ketzer ist oder nicht, und daras resultierende
Verfolgung der Ketzer zur Reinhaltung des Glaubens) die besonders
PhillipII
zur Zeit der Gegenreformation als beliebtes Mittel zur
Bekämpfung der Protestanten diente.
Dennoch versuchte der Sohn Karls V als weltliches Oberhaupt
der europäischen Gegenreformation vergeblich, dem Verfall des spanischen
Weltreiches entgegenzuwirken.
Und nun zum Inhalt:
Don Carlos, der Kronprinz des spanischen Weltreiches, liebt
seine jugendliche Stiefmutter,
die Königin Elisabeth. Verschlossen gegen seine
Umgebung, enthüllt er sein Geheimnis dem
aus Brüssel zurückgekehrten Marquis von Posa,
seinem Jugendfreund. Die Basis ihrer Freundschaft war das beiderseitige
Verlangen, den unter spanischer Herrschaft stehenden
Niederlanden die Freiheit zu geben. ( Carlos damals sehr
ambitioniert und voll Tatendrang)
Um so mehr ist Posa irritiert über das Befinden von
Don Carlos, den er melancholisch und ausgezehrt von der unglücklichen Liebe
zur Königin antrifft.Für den Marquis ist Carlos
Verhalten unverständlich. Dennoch arrangiert er eine
Unterredung zwischen Elisabeth und Carlos, in deren Verlauf der Prinz seine
Liebe zu ihr bekundet..Er wird allerdings von der Königin
zurückgewiesen und auf seine politische Bestimmung aufmerksam gemacht, ein
neues Zeitalter in Spanien einzuläuten und die Grausamkeiten in den
Niederlanden zu beenden:
so appeliert sie an ihn:” Elisabeth war ihre erste
Liebe.Ihre zweite sei Spanien.”
Also verlangt Carlos von seinem Vater, anstelle des
“Henkersknechtes” Herzog
Alba das Kommando über die in die Niederlande
entsandten spanischen Truppen zu erhalten.
Doch der König lehnt ab, denn der Aufruhr dort verlangt
seines Erachtens eine harte Reaktion,
für die sein Sohn zu weich ist. Er hat kein Vertrauen
zu Karlos und unterstellt ihm zudem
Putsch-bzw. Mordpläne:” und zugleich mein bestes
Kriegsheer deiner Herrschbegierde? Das Messer meinem Mörder?”
Der weitere Gang der Handlung wird nun durch eine Intrige
der Prinzessin Eboli, einer Hofdame der Königin, vorangetrieben.Sie ist
heimlich in Don Carlos verliebt und sendet ihm
ein anonymes Schreiben zu , worin dieser wiederum eine
geheime Nachricht der Königin
erblickt. Eine Konfrontation zwischen Carlos und der
Prinzessin klärt das Mißverständnis, aber die Prinzessin
weiß nun auch um die Neigung des Kronprinzen für die
Königin.
Carlos dafür erfährt, daß sein Vater zu den
Verehren der Eboli zählt. Um ihre Schwäche zu
rächen, weckt sie, in Verbindung mit Herzog Alba und
Domingo, dem königlichen Beichtvater,
beim König den Verdacht einer
“blutschänderischen Umarmung”(=Verhältnis) zwischen Mutter
und Sohn. In der weiteren Entwicklung der Handlung gewinnt Posa eine zentrale
Bedeutung.Er wird am Ende des dritten Aktes vom König beauftragt, ihm
Sicherheit über die Behauptungen der Eboli zu verschaffen. Posa
enthüllt im Zusammentreffen mit dem König seine republikanische
Gesinnung und drängt ihn, die Niederlande von der spanischen
Tyrannei
zu befreien. Posa soll Carlos überwachen und will
natürlich die Unschuld seines Freundes
beweisen. Zugleich verfolgt er hinter dem Rücken des
Königs seine Rebellionspläne weiter.
Der Marquis will nämlich heimlich mit Carlos in die
Niederlande reisen.Posa entlarvt die Intrige der Eboli und verschafft sich
einen Haftungsbefehl, um Carlos besser kontrollieren
zu können, weiht diesen aber nicht in seine Vorhaben
ein.Der Prinz vertraut sich erneut der
Eboli an und Posa kann die Situation nur noch klären
indem er entweder die Prinzessin tötet,
oder sich selbst opfert. Er entscheidet für letzteres.
Carlos wird vorübergehend vom Marquis verhaftet. Zugleich spielt er dem
König ein Schreiben in die Hände, das ihn, Posa, als Hochverräter
ausweist, denn der Brief handelt von der angeblichen Liebe zwischen der
Königin und dem Marquis. Carlos kommt frei, und Posa kann ihm die
wahren Hintergründe schildern. Er hat zugleich alles vorbereitet,daß
der Prinz in die Niederlande flüchten kann.Kurz darauf wird Marquis Posa
als Hochverräter erschossen.
Auch die Königin ist nun in Carlos Vorhaben
eingeweiht. Sie hat zur Begünstigung seiner Flucht in Madrid einen Aufstand
veranlaßt.Doch Herzog Alba entdeckt die Pläne und der König
übergibt seinem Sohn dem Großinquisitor .Das Drama beschließt
mit den Worten des Königs:” Kardinal! Ich habe das Meinige getan. Tun
Sie das Ihre”.
Charakteristik der Personen und
Interpretationsansätze:
Don Karlos, Infant von Spanien wächst ohne Elternliebe
auf. Die Mutter stirbt bei der Geburt,
den Vater sieht er zum ersten Mal, als er sechs Jahre alt
ist und dieser gerade ein Todesurteil
unterschreibt. Dies,und die knechtische Erziehung, die er
seinem Kind zukommen läßt, ersticken jede Sohnesliebe im Keim. Die
Situation verschärft sich dramatisch, als der König
die Verlobte des Prinzen, nämlich Elisabeth von Valois,
der Staatsraison zuliebe selbst zur Frau nimmt.Der Infant liebt die Frau seines
Vaters und so ist der Konflikt unweigerlich vorprogrammiert. .Diese Leidenschaft
zehrt an der Lebenskraft des Prinzen,sie hindert ihn, sich auf die großen
Aufgaben vorzubereiten, die sein zukünftiger Beruf ihm stellt.Von
Eifersucht gequält, hält der König seinen Nachfolger von der
Königin und den Regierungsgeschäften fern. Zwischen Vater und Sohn
sind alle Brücken der Verständigung abgebrochen.
Der Prinz ist im Grunde kein Kämpfertyp.Wenn sein Weg
nicht deutlich vor ihm liegt, verfällt er ohne Orientierung in Lethargie.Er
selbst hätte nie die Iniziative ergriffen,
um seine Ideale, sprich die Befreiung der Niederlande und
ein humaneres Spanien, zu verwirklichen sondern er braucht vielmehr immer einen
Hieb von außen.Sogesehen
hat der Prinz am Ende des ersten Aktes eine bemerkenswerte
Entwicklung vollzogen, denn nach dem Zuspruch des Marquis ist er nun endlich
bereit, seine Untätigkeit aufzugeben und den Kampf um die Befreiung der
Niederlande aufzunehmen.Erleichtert stellt Posa fest:” Jetzt endlich
hör ich meinen Karlos wieder. Jetzt sind Sie wieder ganz Sie
selbst.”
Doch bereits zu Beginn des zweiten Aktes verabschiedet sich
der Titelheld nach der Absage des
Königs, ihn nach Flandern zu schicken, als handelnde
Figur aus dem Dramengeschehen.
Dies zeigt den extremen Charakter des Prinzen, denn zuerst
ist er so begeistert von der Idee,
doch schon beim ersten Rückschlag wandelt sich die
Begeisterung ins andere Extrem und
er verfällt wieder in Lethargie.Der Prinz
läßt sich in Intrigen verwickeln und durchschaut
nicht
mehr, was um ihn herum vorgeht. Er ist zum Objekt fremder
Pläne und Interessen geworden.
Die Anschauungen des Marquis Posa sind von den Ideen der
europäischen
Aufklärung geprägt.So sind es meist Schillers
eigene Wertvorstellungen, die den Marquis im
Drama sprechen und handeln lassen. Obwohl Don Carlos
eigentlich der Titelheld ist, gewinnt
der Marquis ab dem 2. Akt eine wesentlich größere
Bedeutung als der Kronprinz und steigt
als handelnde Person voll ins Geschehen mit ein. Alle
Grundsätze und Gefühle Posas
drehen sich um die republikanische Tugend, was vor allem den
Aufopferungswillen des Marquis für seinen Freund deutlich wird.Während
Karlos sich in der Zeit der Trennung zum Negativen hin veränderte, ist aus
dem Marquis ein erfahrener Weltmann geworden, der seine erhabenen Ziele mit
Willenskraft, diplomatischem Geschick und Klugheit verfolgt.Schiller legt dar,
daß Posa einen Schauplatz sucht, auf dem er seine Ideale anwenden kann.
Die flanderischen Provinzen brauchen einen Retter und nun erst erinnert er sich
an seinen alten
Freund Karlos.Der Prinz wird also zum Werkzeug des Marquis.
Zudem setzt er das Wohl seines
Freundes, sein eigenes und sein Lebenswerk leichtfertig aufs
Spiel- und verliert. Sein Opfertod
für Karlos erscheint nur als heroische Torheit und ist
absolut unnötig. Der Marquis scheint ein
bißchen zu idealistisch zu sein, da er
gefährliche Situationen nicht als solche erkennt und
scheinbar darauf vertraut, daß das Gute nicht
verlieren kann.
Mit König Phillip stellt Schiller das Staatssystem und
die Charaktereigenschaften dar, die
ihm selbst ein Greuel sind. Der König herrscht
über sein Land mit politischer und religiöser
Tyrannei und unterdrückt mit unerbittlicher Strenge
alle freien menschlichen Regungen.Er ist
voll von grenzenlosem Mißtrauen, sogar gegen seine
Frau und seinen Sohn, von zynischer
Menschenverachtung und übermäßigem
Bewußtsein seiner königlichen Würde. Er beharrt auf die
bedingungslose Ausführung seiner Befehle und unterwirft sich voll und ganz
dem Willen
der Kirche.Insgeheim aber sehnt sich Phillip nach einer
mitfühlenden Seele,denn er hat keine Freunde.In dem eifersüchtigen
König steckt im Grunde ein tief verwundbarer Mensch. Schiller verleiht dem
Tyrannen also auch menschliche Züge. Dies wird deutlich in der Szene , wo
der Herzog von Medina-Sidonia dem König den Untergang der Armada unter
seiner Führung gesteht. Nicht ohne Milde tröstet er den Herzog:”
Gott ist über mir. Ich habe gegen Menschen, nicht gegen Sturm und Klippen
dich gesendet.”Er findet in Marquis Posa den Menschen, den er sucht.Zum
ersten Mal verläßt ihn sein Argwohn und sein kalter Stolz. Für
einen Augenblick leuchtet die Möglichkeit auf, Phillip von seiner Politik
des Schreckens und der Tyrannei abzubringen, doch der Marquis hintergeht den
könig treulos. Nach dieser Enttäuschung ist sein Bruch mit der
Menschlichkeit entschieden. Er läßt Posa ermorden.
Auch der Königin wird die Entscheidung zwischen
Humanität und Inhumanität nicht erspart.
Sie nimmt Partei für das Prinzip der Menschlichkeit und
beteiltigt sich an der Verschwörung des Marquis Posa. Damit entscheidet sie
sich zugleich auf einer höheren Ebene, auf der Ebene eines politischen und
sittlichen Ideals, für Don Carlos, und gegen ihren Gatten, den
König.
Mit dem ersten Akt ist die Exposition des Stückes
abgeschlossen. Der Konflik zwischen Vater und Sohn, aus dem tragische
Entwicklungen entstehen, ist hier angelegt. Ferner
treten zwei Personen auf, die für grundverschiedene
Prinzipien stehen, nämlich Posa und der
Herzog von Alba. Der eine tritt für ein freies,
höheres Menschentum ein, der andere für die Erhaltung eines
menschenverachtenden Regimes.Nun beginnt die steigende Handlung.
Zunächst scheitert im zweiten Akt die Bitte des Prinzen
an den König, ihm Flandern anzuver-
trauen am Starrsinn des Königs. Der dritte Akt kann als
retardierender Moment bezeichnet
werden, weil er im Zeichen der Entwicklung des Königs
zu mehr Menschlichkeit steht. Er sehnt sich nach einem wahrheitsliebenden
Menschen und findet ihn in Posa.Dieser weist den Herrscher auf den Weg der
Menschlichkeit , der alle seine Gebrechen heilen und seinen Untertanen
Glück bringen würde.Damit ist der Gipfelpunkt der Handlung,die
Peripetie, erreicht.Der vierte Akt leitet die fallende Handlung ein.Indem Posa
sich auf das Intrigenspiel einläßt, leitet er die Wendung ein, der er
und Karlos zum Opfer fallen. Am Ende triumphiert Alba, die Inkarnation des
Bösen:” Der Sieg ist unser.”Mit Beginnd des 5. Aktes ist das
äußere
Intrigenspiel beendet Posa stirbt an der Mörderkugel
des Königs, neben seiner Leiche fällt die
Entscheidung zwischen Vater und Sohn.Ein weiterer
retardierender Moment tritt auf, als der
König die Höflinge sodann mit seiner Abdankung
überrascht.Doch schon im nächsten Auftritt gewinnt der König
seine eiserne Entschlußkraft zurück.Folgerichtig geht die Handlung zu
Ende:
Der König büßt die letzten Spuren der
Menschlichkeit ein, während der Prinz allen irdischen
Begierden entsagt und sein Leben einer besseren Zukunft der
Menschheit weiht. Damit wird die
Katastrophe vollendet.
Die Tragödie “Don Carlos” ist ein
klassisches Drama. Dies erkennt man zunächst an der Reimart, denn der
Blankvers ist typisch für diese literarische Epoche. Ebenfalls Merkmal
eines
klassischen Dramas ist das Auftreten eines idealen Menschen.
In diesem Drama tritt dennoch nicht eine ideale Person auf, von der man
mit Sicherheit behaupten könne, sie sei der Held.
Don Carlos und Marquis Posa teilen sich diese Rolle mehr
oder weniger, indem sie beide
auf ihre Art Menschlichkeit und den Glauben an das Wahre und
Gute in ihrer Figur versinnbildlichen. Ferner läßt Schiller die
geistigen Strömungen seiner Zeit durch den Marquis
ins Drama einfließen, also z.B: die Gedanken der
Aufklärung, die ja die Klassik auch stark
beeinflußt haben.
Schiller wollte mit seinem Geschichtsdrama die Schrecken
einer autoritären Monarchie, in
der jegliche Gedanken- und Meinungsfreiheit grausam
unterdrückt wird, darstellen.
Dennoch empfindet man bis heute die Tragödie
“Don Carlos”als zu kompliziert, intrigenreich und undurchschaubar.
Vor allem am Ende des Vierten Aktes kann der Leser nur noch mit Mühe
auseinanderhalten, wer wen seit wann mit welchen Mitteln zu welchem Zweck
hintergeht.
Ich hoffe allerdings, daß bei euch nicht solche
massiven Verständnisschwierigkeiten aufgetreten sind!
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