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Romantik/ETA Hoffmann
Abgabetermin: 10.04.2000 Name:
Ralf Kirchhof
Romantik Semesterarbeit - LK
Deutsch
1. Überblick über die
Grundzüge der Epoche der Romantik
Die Epoche der Romantik ist eine
vielschichtige geistige und künstlerische, insbesondere literarische
Strömung in Europa zwischen 1790 und 1830. Sie symbolisierte den geistigen
Umbruch in Europa um 1800 und fungierte als Gegenbewegung zum Rationalismus der
Aufklärung. Die Romantik versuchte die Kräfte des Gefühls, der
Phantasie und des Unbewußten zu wecken. Der Begriff "romantisch" stammt
aus dem altfranzösischen (romanz in der Volkssprache) und ist seit 1650 als
englisch "romantic" nachgewiesen. Es bedeutete ursprünglich
"übertrieben zügellos, phantastisch", im Sprachgebrauch der Romantik
selbst jedoch "nicht klassisch, romanhaft, modern, interessant". Die Romantik
versuchte alle geistig-literarischen Strömungen aufzunehmen, die im 18.
Jahrhundert in Widerspruch zum absolutistischen Staat und zum Rationalismus der
Aufklärung gestanden haben.
Grundlegende Bedeutung hatten
für die Romantik die Bestrebungen, die dem Bewußtsein noch nicht
zugänglichen Bereiche der menschlichen Seele, der Geschichte und der Natur
zu erfassen, um so eine Einheit von Bewußtem und Unterbewußtem, von
Geist und Natur, Religion und Kunst zu erreichen. Novalis faßte dieses
Programm in die Formel: "Die Welt muß romantisiert werden. So findet man
den ursprünglichen Sinn wieder ... Indem ich dem Endlichen einen
unendlichen Schein gebe, romantisiere ich es ...". Der Zentrale Begriff mit dem
sich das romantische Denken unaufhörlich beschäftigte, war das
Unendliche, die Entgrenzung des Irdisch-Bedingtem in Raum und Zeit. Zugrunde lag
die Vorstellung, dass das Ich an der Unendlichkeit einer geistbestimmten Welt
teilhat und dabei an der Bindung an das Endliche leidet. Immer wieder versuchte
der Romantiker in die Bereiche des "Unendlichen" vorzudringen oder Begrenzungen
zu überwinden. Bevorzugte Themen waren daher der Blick in die Rätsel
und unauslotbaren Abgründe der menschlichen Psyche, die Nachtseiten des
Lebens, in das Unergründliche-Geheimnisvolle der Natur (symbolisiert in
Novalis` "blauer Blume") sowie der Ausbruch aus der bürgerlichen
Gesellschaft, welcher häufig an der Problematik der künstlerischen
Existenz dargestellt wurde. Aus allem resultierte eine Grundverfassung des
Romantikers: die Sehnsucht in die Ferne (Italien, Orient, das Erdinnere) und
Zeit (Verklärung des Mittelalters).
Die um die Wende des 18. zum 19.
Jahrhunderts entstandene literarische und künstlerische Bewegung, war eine
Reaktion auf die Ergebnisse der Französische Revolution sowie auf die
Kapitalisierung und ihre sozialen Folgen. Die Epoche der Romantik bestimmte im
wesentlichen das geistige Leben der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts. In
einigen Ländern, besonders in Deutschland, bestand ein Zusammenhang mit
umfassenderen ideologischen und weltanschaulichen Tendenzen. Die Romantik wurde
durch die Überwindung der feudalen und dem Sieg der kapitalistischen
Gesellschaftsformation ausgelöst. Sie spiegelte den Zerfall der alten und
die Herausbildung der neuen Verhältnisse wieder. Die Epoche sollte in
gewisser Weise die Zurückweisung von Entfaltungsbestrebungen und die
Vertiefung des Widerspruchs von Individuen und Gesellschaft sein. Die konkrete
Gestalt der Epoche hing davon ab, in welchem Grade die jeweiligen Länder
und Nationen vom Prozess der Kapitalisierung ergriffen waren oder von den Krisen
überlebter, aber noch wirksamer Feudalverhältnisse erschüttert
wurden.
In Frankreich nahm die Romantik von
reaktionären Anhängern überholter Verhältnisse ihren
Ausgang. Bei den Dichtern äußerten sich starke Tendenzen der
Resignation und Innerlichkeit und es entwickelten sich im Geiste der
Aufklärung Gedanken zum Verhältnis von Dichtung und Gesellschaft. In
der Entwicklung des Dichters V. Hugos wurde der Durchbruch zu einer
revolutionären Romantik vollzogen. Hugo sprach die Notwendigkeit eines
revolutionären Sturzes der Klassengesellschaft als Voraussetzung für
das Glück der Menschheit poetisch aus. In den süd- und
osteuropäischen Ländern bildeten sich romantische Bewegungen im
Zusammenhang mit den Erschütterungen der alten feudalen
Herrschaftsverhältnisse und den nationalen absolutistischen
Befreiungsbewegungen aus. Die deutsche Romantik ist im starken Maße durch
Komplexität und Widersprüchlichkeit gekennzeichnet. Nach 1800
entwickelten sich romantische Strömungen in sehr verschiedenen Bereichen
des gesellschaftlichen Lebens. So zum Beispiel in der bildenden Kunst, in der
Musik, in Philosophie, Ästhetik sowie Naturwissenschaften und Recht. Die
Entwicklung der literarischen Romantik ist mit der Wirksamkeit mehrerer
Schriftstellergruppen verbunden, die zu verschiedenen Zeiten auftraten und
infolgedessen auf unterschiedliche geschichtliche Situationen reagierten.
Um 1797/98 bildeten sich verschiedene
Literaturkreise heraus, die die Frühromantik um 1799 begründeten.
Anfangs gehörten die Frühromatiker zu jenem Teil der bürgerlichen
Intelligenz, der die feudalständischen Verhältnisse ablehnte und
für eine grundlegende Veränderung der Gesellschaft eintrat. Als sich
jedoch ihre Hoffnungen auf eine Humanitäre Gesellschaft als illusionär
erwiesen, distanzieren sie sich weitgehend von der gesellschaftlichen Gegenwart
und richteten ihre Kritik gegen Kunstfeindlichkeit und Egoismus der
bürgerlichen Schichten. Die von der historischen Entwicklung wieder
erzwungene Hinwendung zur Wirklichkeit veranlaßte schließlich einige
der führenden Frühromantiker, sich politisch den Kräften des
Feudalismus und weltanschaulich der katholischen Religion und Kirche zuzuwenden.
Damit wurde der Bruch mit grundlegenden Entwicklungslinien des bürgerlichen
Humanismus und Realismus vollendet. Die kritischen Arbeiten der
Frühromantiker, die in der Entwicklung der spätbürgerlichen
Literatur wirksam wurden, waren jedoch bedeutender als die Dichtungen, die
insbesondere J.L.Tiek und Novalis vertraten. Einen wesentlichen Beitrag zur
deutschen Literaturentwicklung stellen die großen Übersetzungswerke
durch A.W.Schlegel ("W.Shakespeares Dramen") und J.L.Tiek ("Don Quichote")
dar.
Die Hochromantik stand weitgehend im
Zeichen der nationalen Regenerationsbestre-bungen in der Periode von 1806 bis
1815. Sie ist Charakterisiert durch die Tendenz zur Überwindung von
Subjektivismus und Individualismus und zur Herausbildung positiver
Gemeinschaftsbeziehungen. Es bildeten sich verschiedene Literaturkreise zumeist
romantischer Dichter und Ideologen. Die Dichterischen Schöpfungen litten
stärker unter den tiefen weltanschaulichen Widersprüchen. Die
Konfrontation von Kunst und Wirklichkeit offenbarte die unlösbare
Problematik des romantischen Künstlers in der sich kapitalisierenden
Gesellschaft. Aus dem Umfangreichen Schaffen ragen die Lyrik von C. Brentano und
J. von Eichendorff sowie die Erzählprosa Eichendorffs und E.T.A. Hoffmanns
hervor.
In der Spätromantik nach 1815
ließ abgesehen von Eichendorff und Hoffmann die Produktivität stark
nach. Im Bereich der Unterhaltungs- und Trivialliteratur herrschte die Romantik
noch eine Reihe von Jahren nahezu unumschränkt. Die kulturhistorische
Bedeutung der Romantik besteht vor allem darin, dass sie den Verlust der Ideale
und Illusionen der bürgerlichen Aufstiegsepoche und die mit der Entwicklung
bürgerliche-kapitalistischer Verhältnisse sich zuspitzenden
Widersprüche reflektiere und bewußt machte. Ihre positiven Leistungen
bestehen insbesondere im scharfsichtigen Signalisieren neuer gesellschaftlicher
Widersprüche. Die Epoche der Romantik schärfte den Blick für die
historische Bedingtheit der gesellschaftlichen Erscheinungen und lenkte das
Interesse auf die Erforschung der Äußerungen des Volkslebens. Im
Großen und Ganzen war die deutsche Romantik sehr einflußreich und
bis in unsere Jahre wirksam. Sie blieb jedoch eine problematische Bewegung, die
weltliterarisch, abgesehen von den theoretischen Anregungen und
Erzählwerken E.T.A. Hoffmanns, keinen nennenswerten Erfolg hatte. In den
anderen europäischen Ländern übten die nationalen Romantiker zum
überwiegenden Teil eine positive Funktion aus und brachten Leistungen
hervor, die in die Weltliteratur eingingen.
2. Biographie von E.T.A.
Hoffmann
1776 Am 24.01. wurde Ernst Theodor
Amadeus Hoffmann in Königsberg bei Kaliningrad geboren und auf diesen Namen
am 02.02. getauft. Seine Heimatstadt war das Zentrum des nicht zum Heiligen
Römischen Reich Deutscher Nationen gehörende Ostpreußen, des
autonomen Gebiets der Hohenzollern. Königsberg war ein Sammelbecken
verschiedener Nationalitäten. Auch in der Hoffmannschen Familie gab es
polnische und ungarische Vorfahren.
Die Berufstradition der Familie
Hoffmann wies die männlichen Familienmitglieder vorrangig als Advokaten,
Justiz- und Kriminalräte aus.
1778 Hoffmanns Vater Christoph Ludwig
fungierte als Anwalt am preußischen Hofgericht in Königsberg. Er
hatte seine Cousine Luvisa Albertina Doerffer geheiratet, eine kränkliche,
kontaktscheue und zur Hysterie neigende Frau. Nach zwölf Jahren
unglücklich verlaufener Ehe reichten die Eltern des gerade 2 Jahre alten
Ernst Hoffmann die Ehescheidung ein. Daraufhin siedelte er mit seiner Mutter ins
Haus der Großeltern über, wo er in einer Atmosphäre
familiärer Geborgenheit aufwachsen konnte.
1782/92 Der Vater ging später
als Kriminalrat nach Insterburg und nahm den älteren der beiden noch
lebenden Söhne mit. Ernst Hoffmann besuchte in dieser Zeit die reformierte
Burgschule in Königsberg. Er wuchs in einer von Frömmigkeit
geprägten Atmosphäre des Hauses mit überkommenen
Moralgrundsätzen auf, die bedrückend für ihn gewesen sein muss.
Die oft durchgeführten Hauskonzerte durchbrachen aber die augenscheinliche
Ereignislosigkeit im Leben des jungen Ernst Hoffmann. Er begeisterte sich
für das Reich der Musik und erwarb seine Sachkenntnis bald durch
Musikunterricht.
1786 Trotz des sich in ihm bildenden
Zwiespalt des sehnsüchtigen Schwärmens und des entlarvenden Sarkasmus
gewann er einen Freund, dem er sich Rückhaltlos anvertrauen konnte und dem
er seine ganze Neigung zuwandte: Theodor Gottlieb von Hippel, einen mutterlosen
Pfarrerssohn. Neben Theodor Gottlieb hatte er nur wenig andere Freunde, und dies
waren zumeist Kunstinteressierte.
1790 Auf Anraten des Rektors der
Burgschule erhielt Hoffmann Mal- und Zeichenunterricht sowie Klavier-, Orgel-
und Geigenunterricht bzw. Lektionen in Musiktheorie. Allmählich rückte
eine Berufsperspektive in den Mittelpunkt des Interesses, jedoch nicht nur bei
Hoffmann.
1792 Der gestrenge Familienrat
entschied die Familientradition fortzusetzen und das Hoffmann Jurist werden
müsse. Hoffmann selbst nahm ohne Widerstreben am 27. März 1792 ein
Studium der Rechte an der Königsberger Universität auf. In seinem
Studium zeigte er sich fleißig, doch sein eigentliches Interesse blieb der
Kunst vorbehalten.
1794 Neben seinem Studium gab
Hoffmann Musikunterricht, und damals erfaßte ihn die erste wirkliche Liebe
seines Lebens. Er verliebte sich in eine seiner Gesangsschülerinnen, die
28jährige Dora Hatt, welche in unglücklicher Ehe mit einem alten
Weinhändler zusammenlebte.
1795 In dieser Zeit entstanden die
zwei als verschollen geltenden Romane "Cornaro, Memoiren des Grafen Julius von
S." und "Der Geheimnisvolle". Hoffmann erlebte die Aufführung von Mozarts
"Don Giovanni" und laß viel Lektüre von Shakespeare, Jean Paul,
Sterne, Smollet und Rouseau. Im Juli 1795 beendete er sein Studium und legte
erfolgreich das Regierungsauskultator-Examen ab. Danach war er als Beisitzer am
Königsberger Obergericht angestellt, was die der Kunst vorbehaltene Zeit
noch mehr einschränkte.
1796 Im März des Jahres 1796
starb seine Mutter plötzlich an Schlagfluß. Anfang Juni reiste
Hoffmann auf Anraten seiner Familie in das oberschlesische Glogau zu seinem
Onkel Johann Ludwig Doerffer, welcher als Rat am Obergericht tätig war.
Dort lernte er den Maler Aloys Molinary kennen.
1797 Auch den Finanz- und Zollbeamten
Johann Samuel Hampe, der ebenfalls die Musik liebte, lernte er in Glogau kennen.
Eine Freundschaft die dauerhaft und wichtig werden sollte. Am 24.04. starb sein
Vater in Insterburg. Das Verhältnis zwischen Hoffmann und Dora war nach
einem Besuch in Königsberg unversehens zu Ende.
1798 Im Januar des darauffolgenden
Jahres verlobte er sich mit der Tochter des Onkels, seiner Cousine Minna
Doerffer. Am 20.06. hatte er mittlerweile sein zweites juristisches Examen
erfolgreich bestanden. Im August wurde er an das Berliner Kammergericht
versetzt.
1800 Dort angelangt in Berlin
entstanden das Singspiel "Die Maske" und er traf seinen alten Schulfreund Hippel
wieder. Am 27.03. bestand er sein drittes juristisches Examen mit Auszeichnung
und wurde im Mai zum Assessor am Obergericht in Posen ernannt, wo er im
Frühsommer ankam. Seit Sommer war er dort oft zu Gast im Hause des
Regierungsrats Johann Ludwig Schwarz, einem Literaturenthusiasten mit einer
gleichfalls literarisch gebildeten Frau.
1801 Fast ein Jahr nach der Ankunft
vollzog er dort die Komposition und Aufführung des Singspiels "Scherz, List
und Rache".
1802 Im Februar des Jahres 1802
zeichnete und verteilte Hoffmann Karikaturen von Posener Militärs und
Beamten, was seine Strafversetzung nach Plock zur Folge hatte. Mit der
Lösung des Verlöbnisses zu der Berliner Cousine und der Heirat der
22jährigen Michaelina Rorer Trzcinksa am 26. Juli beschwor Hoffmann
selbstredend wieder die Entrüstung der Verwandtschaft herauf. Er gab jene
Karriere, die ihn dank der Protektion des Onkels wohl erwartet hätte,
preis. Im Sommer machte sich Hoffmann begleitet von Michaelina auf den Weg zu
seinem Verbannungsort.
1803 Während des Wiederausbruchs
des Krieges mit England verfasste er eine Abfassung des "Schreibens eines
Klostergeistlichen an seinem Freund in der Hauptstadt". Mehr denn je versuchte
er jetzt in der Einöde der Verbannung im Alkohol Vergessen.
1804 Vom 24.01 bis zum 15.02.
verweilte Hoffmann ein letztes Mal in Königsberg und erfuhr vom Tod seiner
ehemals Verlobten Dora Hatt. Im Februar/März wurde er als Regierungsrat
nach Warschau versetzt. Dort machte er Bekanntschaft mit den Schriften
romantischer Schriftsteller. Hoffmann schloss in jener Zeit neue, wichtige
Bekanntschaften. Ein besonders vertrauter Freund wurde ihm der jüdische
Amtskollege Julius Eduard Itzig. Für ihn bestand das Reich der Romantik in
der Musik, speziell in der Haydns, Mozarts und Beethovens. Im Dezember
veröffentlichte er das Singspiel "Die lustigen
Musikanten".
1805 Ein halbes Jahr später nahm
er das Amt als zweiter Vorsteher und Zensor bei der "Musikalischen Gesellschaft"
ein. Im Juli folgte die Geburt seiner Tochter Cäcilia, die sein einziges
Kind sein sollte. Weiterhin entstanden in diesem Jahr eine Sinfonie Es-Dur, eine
Messe in d-Moll und Hoffmann begann mit einer Oper. Die Erfolge des
Musikschaffenden waren jedoch mehr als bescheiden.
1806 Hoffmann beteiligte sich an der
Ausgestaltung des Musikalischen Palais und dirigierte zur Einweihung dessen das
Orchester, welches er seitdem leitete. Mit dem Einmarsch der französischen
Armee in Warschau und der Niederlage Preußens bei Jena folgte die
Auflösung der preußische Behörden, so dass Hoffmann seine
Stellung als Regierungsrat verlor.
1807 Hoffmann mußte sich ab nun
um seine Existenz sorgen. Er versuchte bei Musikverlagen, im Theater, als
Komponist und als Porträtmaler sein Auskommen zu finden. Im August erfuhrt
er, dass seine kleine Tochter in Posen gestorben ist und seine Frau todkrank
sei. Hoffmann rutschte in die Armut ab und lebt nur noch von der Hilfe seiner
Freunde.
1808 Mitte April des Jahres erfolgte
seine Berufung als Musikdirektor an das Bamberger Theater, wo er am 01.09.
eintraf. Während dieser Zeit, zu Beginn der Befreiungskriege der
europäischen Völker, wirkte er am Bamberger Theater, legte jedoch am
26.10. sein Amt als Orchesterleiter nieder.
1810 Im Jahr davor erschien seine
Novelle "Ritter Gluck" in der "Allgemeinen Musikalische Zeitung", deren
Mitarbeiter Hoffmann kurzzeitig wurde. Er bekam die Chance sich
künstlerisch frei zu betätigen und war wieder rege am Theatergeschehen
beteiligt. Nebenbei gab er Musikunterricht und verliebte sich in seine
Gesangsschülerin Julie Mark. Im Julie erschien seine Rezension über
die 5. Sinfonie Beethovens in der AMZ. (Entstehung von "Johannes Kreisler, des
Kapellmeisters musikalische Leiden")
1811 Nach seiner Reise nach
Bayreuth zu Besuch des Schriftstellers Jean Pauls im März, erschien im
August des darauffolgenden Jahres der Aufsatz "Über die Aufführung der
Schauspiele des Caldéron de la Barca auf dem Theater in Bamberg". Vom
19.09. - 24.09 erfolgte die Niederschrift des "Don Juan".
1813/17 In der Zeit der
Befreiungskriege entstanden viele seiner Werke. Hoffmann wurde Zeuge der
Schlacht bei Dresden und reiste nach Leipzig. Er stellte den Antrag auf
Rückkehr in den Staatsdienst und fing so wieder an am Kammergericht in
Berlin zu arbeiten. Viele seiner Niederschriften wurden veröffentlicht und
es folgten Aufführungen von seien Opern. Im Jahr 1816 wurde er zum
Kammergerichts-rat ernannt und wurde Mitglied des
Kriminalsenats.
1818/19 Noch immer entstanden
fünf bis sechs Niederschriften und Werke pro Jahr, doch im Frühjahr
dieses Jahres folgte eine schwere Erkrankung Hoffmanns. Im Sommer des Jahres
1919 unternahm Hoffmann eine Erhohlungsreise ins Riesengebirge. Am 01.10. wurde
er Mitglied der "Immediat-Untersuchungs-Kommission".
1822 Die im Jahre 1821 entstandenen
Manuskripte des "Meiste Floh", welche an den Verleger Wilmans in Frankfurt
gerichtet waren, wurden beschlagnahmt. Hoffmann erkrankte am 18.01. letztmalig
schwer und wurde am 22.02. vernommen. Er diktierte seine Verteidigungsschrift
und den Schluss von "Meister Floh". Am 26.03 machte er sein Testament, worauf
bald seine völlige Lähmung eintrat. Am 25.06 1822 starb E.T.A.
Hoffmann in Berlin.
3.
Gedichtsinterpretation
Entschluß
|
Sie kommt in diese stillen
Gründe, Ich wag’
es heut mit kühnem
Mut. Was soll ich beben vor
dem Kinde, das niemand was
zu Leide tut?
Es grüßen alle sie so
gerne, Ich geh vorbei und
wag es nicht; Und zu dem
allerschönsten
Sterne Erheb’ ich nie
mein Angesicht.
Die Blumen,die nach ihr sich
beugen, Die Vögel mit
dem Lustgesang, Sie
dürfen Liebe ihr
bezeugen: Warum ist mir
allein so bang?
|
|
Dem Himmel hab` ich oft
geklaget In langen
Nächten
bitterlich; Und habe nie
vor ihr gewaget Das eine
Wort: Ich liebe dich!
Ich will mich lagern unterm
Baume, Da wandelt
täglich sie
vorbei; Dann will ich reden
als im Traume, Wie sie mein
süßes Leben sei.
Ich will- owehe! welches
Schrecken!
Sie kommt heran, sie wird mich
sehn;
Ich will mich in den Busch
verstecken,
Da seh’ ich sie
vorübergehn.
|
E.T.A.
Hoffmann 1815
Bei diesem zu interpretierendem Werk,
handelt es sich um ein Werk des Romantikers und Schriftstellers E.T.A. Hoffmann.
Es ist eines seiner wenigen jemals verfaßten Gedichte und stammt aus
seiner Schaffenszeit, dem Jahre 1815. Das Gedicht "Entschluß" stammt aus
der Epoche der Romantik und soll wie viele Gedichte und Literaturwerke dieser
Zeit die Gedankengänge der menschlichen Seele und das Unterbewußtsein
darlegen. Das Gedicht versucht Einblick zu geben, in die unauslot-baren
Abgründe und Rätsel der menschlichen Psyche. Diese Art der Themenwahl,
hinsichtlich dieses Gedichts, ist typisch für das Zeitalter der Romantik,
wo doch Themen wie die menschliche Psyche und die Nachtseiten des Lebens
beliebte Literaturstoffe waren. Der Mensch, seine Assoziationen und seine
Gefühle stehen im Vordergrund der Poesien und Gedichte
Hoffmanns.
Mein erster Eindruck von diesem
Gedicht war durchweg positiv. Die unkomplizierte Verständlichkeit und die
sofortige Erkennung der Themenstruktur, haben mich unter anderem dazu bewegt
dieses Werk auszuwählen. Außerdem wird in diesem Gedicht eine
Problematik beschrieben, mit der sich wahrscheinliche jeder identifizieren kann.
Das Gedicht "Entschluß" behandelt die Unschlüssigkeit, den fehlenden
Mut und das unzureichende Selbstvertrauen eines Menschen in Bezug auf die Liebe
und schildert die inneren Gedankengänge einer verliebten Person. Es handelt
sich meiner Ansicht nach um einen verliebten jungen Mann, welcher eine junge
Frau oder ein Mädchen schon seit längerem kennt aber noch nie
angesprochen hat. Aus dem Gedicht ist zu entnehmen, dass er sie verehrt und
heimlich liebt. Alle Menschen in seiner Umgebung sprechen sie an und unterhalten
sich mit ihr, nur er getraut sich nicht sie anzusprechen oder ihr gar in die
Augen zu blicken. Das Gedicht macht deutlich wie sich `die ganze Welt` nach ihr
umdreht und sie praktisch bewundert. Doch der Jüngling ist im Gegensatz zum
Rest der Welt unfähig ihr seine Liebe zu bezeugen, denn er ist richtig
verliebt. Der Schmerz der Liebe wird für ihn immer deutlicher und er
erkennt, dass er unfähig ist sie anzusprechen. Aus diesem Grund zieht er es
vor ihr heimlicher Verehrer zu bleiben und träumt von ihrer Liebe. Ich
denke jeder hat schon einmal heimlich jemanden verehrt, ihn aber erst sehr viel
später oder gar nicht darauf angesprochen. Mir persönlich ging es
mitunter schon einmal genauso, und ich gehe davon aus, dass niemand davor
gefeilt ist dem Liebeskummer unterlegen zu sein.
In der ersten Strophe begegnet man
dem jungen Mann mit neuem Tatendrang. Er faßt den Entschluß und sagt
sich "Ich wag` es heut mit kühnem Mut", und meint damit ein ersehntes
Treffen mit der Frau, die er verehrt. Dieser spielt seine Angst vor einer
möglichen Begegnung mit ihr herunter und versucht ruhig zu bleiben. Er
stellt sich rhetorisch die Frage, warum er Angst haben solle vor einem Wesen wie
ihr, dass niemanden etwas zuleide tut und versucht den Kampf gegen seine eigene
Unsicherheit und sein fehlendes Selbstvertrauen zu gewinnen. Die `stillen
Gründe`, in der er sie zu treffen erhofft, stehen, wenn sie überhaupt
eine Interpretatorische Bedeutung haben, für die Ruhe und Ausgeglichenheit
die er sich einredet. Der Jüngling erkennt selber den Gegenstand seiner
Unfähigkeit, ihr ohne Angst zu begegnen. Doch es scheint selbst für
ihn paradox, dass er einfach nicht in der Lage ist, sich mit ihr zu unterhalten,
obwohl alle sie so gerne grüßen. Er hat Angst davor, ihr direkt in
die Augen zu schauen und meint metaphorisch "[...]zu dem allerschönsten
Sterne Erheb` ich nie mein Angesicht[...]". In der dritten Strophe des Gedichtes
wird vermehrt deutlich, von welcher unglaublichen Schönheit diese Frau sein
muss. Sogar das Tierreich und die Pflanzenwelt rufen ihr hinterher und verbeugen
sich vor ihr. Die Blumen und die Vögel stehen symbolhaft für die ganze
Welt und zeigen, dass die Schönheit dieses jungen Mädchens alle
Auffassungen der Ästhetik in sich vereint. In den Augen des Verehrers sind
alle mit Ausnahme von ihm dazu befähigt, ihr ihre Liebe zu bezeugen. Wieder
stellt er sich eine rhetorische Frage, warum ihm alleine so bang sei. In der
vierten Strophe erreicht seine Wehmut und Klagetrauer meiner Ansicht nach ihren
Höhepunkt. Rückblickend auf all die Abende die er klagend und von
Liebeskummer zerstört verbracht hat, fällt ihm schlagartig auf, dass
er es ja nie gewagt die drei entscheidenden Worte `Ich liebe dich` in ihrer
Gegenwart auszusprechen. Diese Erkenntnis beflügelt ihn unter dem Motto:
`Ein Versuch kann ja nicht schaden.` und so faßt er den Entschluß
auf sie zu warten. Er knüpft in der fünften Strophe mit dem Gesagtem
aus der ersten an, so dass die drei Strophen dazwischen einen gedanklichen Faden
bilden. Dieses Mal beschließt er, auch in der Realität und nicht nur
im Traum, zu ihr zu sprechen. Doch als er sie, nach wahrscheinlich langem
Warten, endlich von seinem Lagerplatz aus erblickt, schwindet all seine Tatkraft
und Mut. Als würde ihm der Leibhaftige begegnen, fährt ihm ein
Schrecken in die Glieder. Anstatt sich der Konfrontation zu stellen, weicht er
nach gewohntem Verhaltensmuster aus und versteckt sich. Mittlerweile ist er an
einem Punkt angelangt, wo er sich in seiner Traumwelt besser zurechtfindet als
in der Wirklichkeit. Er versteckt sich hinter irgend einem Busch und erfreut
sich, als diese anmutige Gestalt an ihm vorübergeht. Nun hat er sich wieder
nicht getraut sie anzusprechen und es wird von für ihn, meiner Ansicht nach
von einem mal zum anderen immer schwieriger, die Angst vor einem Versagen zu
überwinden.
Es handelt sich bei dem
`Entschluß` um ein sechsstrophiges Gedicht mit jeweils vier Versen pro
Strophe. Dieses Werk läßt sich zur Erlebnis- und Stimmungslyrik
zählen, welche durch reale oder traumhafte persönliche Erlebnisse,
besonders zu den Themen Natur und Liebe gestaltet ist. Die metrische und
rhythmische Struktur der Verse läßt sich folgendermaßen
einteilen. Es handelt sich bei den einzelnen Strophen um sogenannte Kreuzreime
(abab Form). Das gängige Metrum in diesem Gedicht wird meiner Ansicht nach
von einem jambischen Versmaß bestimmt, dem sogenannten Alexandriner mit
sechsfüßiger Mittelzäsur. Die Pausen und die Klangfarbe der
rhythmisch bewegten Verszeilen ist von durchschnittlich gleicher Länge. Das
Wortmaterial und die Sprachebene sind umgangssprachlich und emotionsgeladen. Bei
den Stilmitteln stechen vor allem die spärlichen Metaphern und Symbole wie
"[...]zu den allerschönsten Sternen [...]" und "Die Blumen [...] Die
Vögel [...]" hervor. Der Ausruf "soll ich beben vor dem Kinde" kommt einer
Antithese gleich. Durchweg ist das Gedicht von Hyberbatons gekennzeichnet, denn
oft verwendet der Dichter Satzstellungen, wie "Die Blumen, die nach ihr sich
beugen,..." die vom normalen Satzbau abweichen.
Die geschilderte Problematik des
Gedichtes ist meiner Auffassung nach für jeden nachvollziehbar. Jeder hat
schon einmal Hemmungen gehabt fremde Personen auf offener Straße einfach
anzusprechen. Es herrscht ein Gefühl der Verunsicherung, weil man oft nicht
weiß wie der andere auf einen reagiert. Doch normalerweise überwindet
man sich und merkt, dass es gar nicht so schlimm ist fremde Personen
anzusprechen. Wenn man verliebt ist, dann wird dieses Gefühl
verstärkt. Denn in diesem Moment legt man Wert auf die Meinung des Anderen
und erhofft sich etwas von dem Gespräch. Man ist automatisch verunsichert
und würde in einigen Situationen sprichwörtlich lieber im Erdboden
versinken. Normalerweise hat man diese Ehrfurcht vor Dialogen und
Auseinandersetzungen nur im frühen Jugendalter. Denn mit der Zeit kann man
auf eine gewisse Menschenkenntnis bauen und gewinnt an Sicherheit im Umgang mit
anderen Menschen. Bei einigen Menschen fehlt, wie hier das Gedicht zeigt, selbst
im Erwachsenenalter das nötige Vertrauen in sich selbst. Dieser Prozess der
Selbstentwicklung vollzieht sich bei jedem auf anderem Wege und niemand ist vor
der Liebe gefeilt. Doch meiner Ansicht nach kann man diesem Phänomen durch
eine gesunde Portion Selbstvertrauen und Arroganz entgegentreten.
Wortzahl:
3.850
Literaturverzeichnis: 1.
Meyers neues Lexikon, Bibliographisches Institut Leipzig, Heinz Götzel
2. Schülerduden Die Literatur,
Meyers Lexikonred. BI-Leipzig
3. E.T.A. Hoffmann, v. Marianne
Beese, Bibliographisches Institut Leipzig
4. BI Schriftstellerlexikon: Autoren
aus aller Welt, Prof. Dr. Eva Kaufmann
5. Meyers neues Lexikon,
Bibliographisches Institut Leipzig, Heinz Götzel
6. www.gutenberg.aol.de
(Gedichtsammlungen)
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