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Inflation
Volkswirtschaftsprojekt
Inflation
Berufsmittelschule Winterthur
Klasse MV2
Semesterarbeit: Wirtschaftskunde
Titel: Inflation
24. August 2000
Benz Samuel
Bosshardt Michael
Peter Lukas
Titelblatt
Semesterarbeit: Wirtschaftskunde
Titel: Inflation
Berufsmittelschule Winterthur Klasse
MV2
24. August 2000
Autoren:
Benz Samuel
8400 Winterthur
samuel.benz@netzmeister.com
Bosshardt Michael
8400 Winterthur
Peter Lukas
8400 Winterthur
Experte:
Vitali Bruno
8400 Winterthur
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Warum das Thema Inflation? Den Begriff Inflation
hört man immer wieder im Alltag im Zusammenhang mit Teuerung,
Teuerungsausgleich beim Lohn und Entwertung des Geldes. Angaben, die jeden von
uns auf die eine oder andere Weise betreffen. Aber was Inflation wirklich ist,
oder welche Auswirkungen sie auf die ganze Wirtschaft hat, waren
Zusammenhänge, die für uns nicht nachvollziehbar waren. Oder wie
können 1Billion Mark Noten entstehen? Wir wollten nun diese Projektarbeit
benutzen, um uns diese Zusammenhänge zu erarbeiten.
Management Summary
Beschreibung des Projekts:
Volkswirtschaftliche Hintergründe der Inflation
erarbeiten und schriftliche Arbeit verfassen.
Themenumfang:
- Was ist
Inflation
- Wie entsteht eine
Inflation
- Auswirkungen einer
Inflation
Ziel und Beabsichtigte Resultate:
Schriftliche Arbeit mit fundierten Kenntnissen des
Themenumfanges der Inflation erarbeiten und einen Einblick in den komplexen
Wirtschaftskreislauf bekommen.
Was ist Inflation
Geldüberhang = Inflation
Wenn sich im Zustand der
Vollbeschäftigung[1]
der Geldstrom weiter verbreitert ( mehr Geld in Umlauf kommt ), so steigen die
Preise, weil mehr Geld zur Verfügung steht bei gleicher Anzahl Waren. Man
ist bereit mehr zu bezahlen, um die Güter zu erhalten. Die Folge sind
Preissteigerungen. Diesen Zustand bezeichnet man als Inflation oder Teuerung.
Inflation bedeutet ein Missverhältnis zwischen
Geld- und Gütermenge in dem Sinne, dass in einer Volkswirtschaft
„zuviel“ Geld ( Geldüberhang )und „zuwenig“
Güter vorhanden sind.
Der marktübergreifende und kontinuierliche Anstieg
des gesamtwirtschaftlichen Preisniveaus wird anhand eines Indexes der Kosten der
verschiedenen Güter und Dienstleistungen gemessen. (Warenkorb). Wiederholte
Preissteigerungen untergraben die Kaufkraft des Geldes (man kennt den
„wahren“ Wert des Geldes nicht) und anderer Finanzanlagen mit festem
Wert und führen zur wirtschaftlichen Destabilität. Inflation entsteht,
wenn der tatsächliche wirtschaftliche Druck und die Erwartungen
hinsichtlich zukünftiger Entwicklungen eine Nachfrage nach Waren und
Dienstleistungen auslöst, die das vorhandene Angebot zu den jeweils
aktuellen Preisen übersteigt oder wenn sich die verfügbare Produktion
infolge abnehmender Produktivität und Marktbeschränkungen
verringert.
Berechnung der Inflation
Um die Inflation zu berechnen, müssen wir die
Preisentwicklung möglichst vieler Güter erfassen und die
durchschnittliche Preisbewegung berechnen. Diese Arbeit übernimmt in der
Schweiz das Bundesamt für Statistik. Es verfolgt regelmässig die
Preisänderungen und veröffentlicht laufend drei
Indexreihen:
- Landesindex der
Konsumentenpreise: Er zeigt, wie sich die Preise von Gütern entwickeln, die
ein Privathaushalt hauptsächlich braucht.
- Index der Konsumentenpreise:
Er zeigt die Preisentwicklung wichtiger Inlandwaren beim Verlassen der Fabrik
sowie von Importwaren.
- Preisindex für das
gesamte
Bruttosozialprodukt.[2]
Landesindex der Konsumentenpreise
Am direktesten betroffen sind die meisten Leute von
einer Teuerung der Güter des täglichen Gebrauches. Die
öffentliche Diskussion dreht sich vor allem um den Landesindex der
Konsumentenpreise. Wenn wir davon lesen, dass die Inflation sich verstärkt
oder abgeschwächt hat, dann bezieht sich das auf das Ansteigen dieses
Indexes. Er hat einen Einfluss bei Lohnverhandlungen und bei Anpassungen von
Alters- und Invalidenrenten.
Um den Index der Konsumentenpreise zu berechnen, muss
man zuerst wissen, wofür genau die Konsumentinnen und Konsumenten ihr Geld
ausgeben. Darum wurden die Ausgaben von 2000 verschiedenen Haushalten
untersucht. Ziel waren die eigentlichen Konsumausgaben, das sind die Ausgaben
nach Abzug von direkten Steuern, Unterhaltsbeiträgen oder
Geldspenden.
Das Resultat ist ein sogenannter Warenkorb, der die
Konsumausgaben eines durchschnittlichen Privathaushaltes
repräsentiert.
Güterhauptgruppen des schweizerischen
Warenkorbes:
• Nahrungsmittel
• Getränke,
Tabakwaren
- Bekleidung
- Wohnungsmieten
- Heizung und
Beleuchtung
- Haushaltseinrichtung- und
Unterhalt
- Verkehr
- Körper- und
Gesundheitspflege
- Bildung und
Erholung
Hinter jeder Güterhauptgruppe stehen viele Unter-
und Einzelpositionen
Um die reine Preisentwicklung zu erfassen, wird für
eine gewisse Zeit ein konstant gleicher Warenkorb angenommen. Seit 1993 (letzte
Revision) werden also monatlich immer nach dem gleichen Gewichtungsschema von
1990 die Preise von etwa 1500 verschiedenen repräsentativen
Konsumgütern (Waren und Dienstleistungen) erhoben und daraus der
Gesamtindex berechnet. Die Preise der folgenden Jahre werden dann im
Verhältnis zum sog. Basismonat Mai 1993 ausgedrückt.
Die Resultate, die unter anderem die
Lohnverhandlungsrunden der ganzen Schweiz überzeugen müssen, finden
wir in der folgenden Tabelle und der dazugehörigen Grafik:
Beispiel : 0,1% mehr oder weniger Teurungsausgleich
bedeuten etwa 200 Mio. Fr. mehr oder weniger Löhne pro Jahr.
Inflationsarten
In der Alltagssprache unterscheidet man folgende Arten
der Inflation:
Geldinflation Die Notenbank schafft
zusätzliches Geld. Meistens handelt
es sich dabei um eine Budgetinflation (die Defizite des
Staates werden durch neues Geld der Notenbank gedeckt).
Kreditinflation Die Geschäftsbanken gewähren
viele Kredite.
Kosteninflation Höhere Produktionskosten (meistens
durch Lohnkosten bedingt) werden auf die Preise
überwälzt.
Lohninflation Die Löhne werden laufend erhöht,
ohne dass die Produktivität gesteigert werden kann. Die Lohninflation
führt meistens zu einer Kosteninflation, indem die höheren Lohnkosten
auf die Preise abgewälzt werden.
Nachfrageinflation Überbordende Ansprüche der
Konsumenten auf Konsumgüter und Dienstleistungen sowie zu grosse
Ansprüche an den Staat führen in einer hochentwickelten
Konsumgesellschaft zu einem Nachfrageüberhang mit
Inflationstendenz.
Anspruchsinflation Der Anstoss zu den Preissteigerungen
erfolgt durch eine das Angebot übersteigende Nachfrage (Nachfrage der
Produzenten der öffentlichen Hand und des Auslandes) nach inländischen
Produkten.
Importierte Inflation Die Importgüter werden
teurer. Dadurch steigt das inländische Preisniveau.
Inflationsformen
Man unterscheidet zwischen:
Schleichender Inflation Sie stellt keine ernst zu
nehmende Bedrohung der gesamt wirtschaftlichen Entwicklung dar. Sie kann die
wirtschaftlichen Aktivitäten sogar stimulieren, da die Illusion von
persönlichen Einkommenssteigerung zu erhöhtem privatem Konsum
führen kann.
Galoppierende Inflation Sie ist durch einen erheblich
höheren Preisauftrieb gekennzeichnet, der in manchen Industrienationen bis
zu 30 Prozent beträgt und in einigen Entwicklungsländern sogar bis zu
100 Prozent. Die galoppierende Inflation kann zu einer permanenten Bedrohung der
wirtschaftlichen Stabilität
auswachsen und
sich sogar noch beschleunigen.
Hyperinflation Im Extremfall entwickelt sich die
galoppierende Inflation zu einer Hyperinflation, die den Zusammenbruch des
gesamten Wirtschaftssystems zur Folge hat.
Geschichtlicher Hintergrund
Inflationen gab es in der gesamten
Menschheitsgeschichte, aber es existieren keine Aufzeichnungen, anhand der
ökonomische Entwicklungsmuster vor dem Mittelalter Nachvollzogen werden
könnten. Wirtschaftshistoriker bezeichnen die Periode zwischen dem 16. Und
dem 17. Jahrhundert als eine Zeit lang anhaltender Inflation.
Während des Nordamerikanischen
Unabhängigkeitskrieges kam es zu einschneidenden Veränderungen; in
dieser Zeit stiegen die Preise in den USA im Durchschnitt um 8,5 Prozent im
Monat; während der Französischen Revolution stiegen die Preise in
Frankreich monatlich um zehn Prozent. Auf diese vergleichsweise kurzen
Turbulenzen folgten lange Perioden, in denen sich abhängig von bestimmten
politischen und wirtschaftlichen Ereignissen, Inflations- und
Deflationsphasen[3]
abwechselten. An historischen Massstäben gemessen war die Zeit nach dem 2.
Weltkrieg in vielen Ländern von relativ hohen Inflationsraten geprägt,
und in der Mitte der sechziger Jahre begann sich in den meisten
Industrienationen eine galoppierende Inflation zu etablieren.
Der ungünstige inflationäre Trend schlug in
der Mitte der achtziger Jahre in den meisten Industrienationen ins Gegenteil um
: Die strenge Geld- und
Fiskalpolitik[4] der
Regierungen und der gleichzeitige starke Rückgang der internationalen
Öl- und Warenpreise senkten die Inflation um durchschnittlich vier
Prozent.
Wie entsteht eine Inflation
Inflation in einem einfachen Modell
Auf einer abgelegenen Insel lebten 10 Bauern, die je 20
Brote pro Woche herstellten, sowie 10 Fischer, welche je 20 Fische pro Woche an
Land zogen. Einmal pro Woche trafen sie sich auf dem Markt und tauschten ihre
Waren untereinander. So hatte danach jeder ein Brot und einen Fisch. Immer
wieder kam es aber vor, dass Fischer A das Brot von Bauer C wollte und nicht von
Bauer A. So führte man den Inseldollar ein, von welchem man jedem $10 gab.
So kamen also jede Woche 10 Bauern mit 10 Broten und 10$ auf den Markt und
tauschten ihre Waren mit den 10 Fischern mit 10 Fischen und 10$. Das Ergebnis
war das gleiche, doch der Tauschhandel wurde vereinfacht. Betrachten wir einmal
die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Insel
(Angebot/Nachfrage):
So hätte es jahrzehntelang weiter gehen
können. Leider gab es aber öfters Streit auf dem Markt, so dass auch
hin und wieder das Marktzelt wieder aufgebaut werden musste. Die Inselbewohner
holten einen Häuptling auf die Insel, welcher für die Ordnung und die
Infrastruktur zuständig war. Dieser musste aber auch etwas zu essen haben.
So zog er am Markttag von jedem 1$ als Steuer ein (insgesamt 20$). Dann wurde zu
den alten Preisen gehandelt. Der Häuptling deckte sich mit 10 Fischen und
10 Broten ein, die Bauern gingen mit 9 Broten und 10$, die Fischer mit 9 Fischen
und 10$ nach Hause. Natürlich wurde nun auf der Insel gemurrt, der Frieden
und Unterhalt, hatte ihren Preis.
Nun kam ein neuer Häuptling der den Inselbewohnern
versprach, die Steuern abzuschaffen. Er wurde sogleich gewählt. Am ersten
Markttag kam dieser mit 20 neuen Dollars. Nun waren also 220$ auf dem
Marktplatz, doch leider immer noch 200$ in Waren. Der Häuptling kaufte sich
mit seinem Geld 10 Fische und 10 Brote, um den Rest stritten sich die Bewohner.
Waren alle gleich schnell, kam jeder mit 9 Fischen oder Broten und 11$ nach
Hause.
Nun hatten die Bewohner an jedem Markttag mehr Geld,
aber was taten sie damit? Es gibt drei mögliche Varianten.
- Das Geld wird gehortet, d.h.
die Kassahaltung wird vergrössert. So stapelt sich das Geld zu Hause. Sonst
bliebe alles beim Alten.
- Die Gesamtnachfrage steigt,
ungenutzte Kapazitäten werden aktiviert, das Gesamtangebot steigt
ebenfalls. Steigt das Gesamtangebot im gleichen Schritt wie die Gesamtnachfrage,
bleiben die Preise stabil.
- Spätestens beim Erreichen
der Kapazitätsgrenzen werden die Preise erhöht. Ist die Inflation
einmal da, wird die Kassahaltung eher verkleinert, d.h. die Geschwindigkeit, mit
dem das Geld wieder ausgegeben wird, die Umlaufgeschwindigkeit, wird sich
erhöhen. Dies hat die gleiche Wirkung, wie wenn sich die Geldmenge nochmals
erhöhen würde. Die Inflation wird zusätzlich
angeheizt.
Welche der drei möglichen Reaktionen
tatsächlich eintritt, kann man nicht voraussagen, nicht einmal in diesem
einfachen Modell. Es wird irgend eine Mischung entstehen.
Eine Inflation ist also von der Geldmenge direkt
abhängig und entsteht dann, wenn die Geldmenge stärker wächst als
die gehandelte Gütermenge und wenn die Wirtschaftsteilnehmer mit dem
Geldüberschuss ihre Nachfrage vergrössern. Weil hier die Inflation von
der zu grossen Gesamtnachfrage verursacht wird, spricht man von einer
Nachfrageinflation.
Geldmenge und Inflation in der komplexen Wirklichkeit
Geldmengenwachstum und Inflationsrate
Wie sieht es nun in der komplexen Wirklichkeit aus,
funktioniert das Inselmodell? In der nächsten Tabelle sind
Geldmengenwachstum und Inflationsrate über mehrere Jahrzehnte
aufgelistet:
Land
|
Noten
|
Preise
|
Land
|
Noten
|
Preise
|
Land
|
Noten
|
Preise
|
|
Brasilien (1963-90)
|
77%
|
78%
|
Griechenland (1953-87)
|
15%
|
10%
|
Niger (1963-89)
|
10%
|
6%
|
|
Argentinien (1952-90)
|
73%
|
76%
|
Madagaskar (1964-86)
|
9%
|
10%
|
Marokko (1958-89)
|
11%
|
6%
|
|
Bolivien (1950-89)
|
49%
|
48%
|
Spanien (1954-90)
|
13%
|
9%
|
Guatemala (1950-89)
|
9%
|
5%
|
|
Peru (1960-89)
|
50%
|
48%
|
Senegal (1967-86)
|
12%
|
9%
|
Japan (1953-90)
|
11%
|
5%
|
|
Uruguay (1960-89)
|
42%
|
43%
|
Ägypten (1955-89)
|
12%
|
8%
|
Irak (1965-75)
|
14%
|
5%
|
|
Chile (1960-90)
|
47%
|
42%
|
Philippinen (1950-90)
|
11%
|
8%
|
Kanada (1950-90)
|
8%
|
5%
|
|
Jugoslavien (1961-89)
|
39%
|
32%
|
Neuseeland (1954-89)
|
6%
|
8%
|
Österreich (1950-90)
|
7%
|
5%
|
|
Israel (1950-90)
|
31%
|
29%
|
Cote d´lvoire (1962-86)
|
12%
|
7%
|
USA (1950-90)
|
6%
|
4%
|
|
Türkei (1955-88)
|
23%
|
20%
|
Italien (1950-90)
|
10%
|
7%
|
Singapur (1963-89)
|
11%
|
4%
|
|
Island (1950-90)
|
18%
|
19%
|
Indien (1960-89)
|
11%
|
7%
|
Belgien (1950-89)
|
4%
|
4%
|
|
Mexiko (1950-89)
|
23%
|
19%
|
Syrien (1957-87)
|
15%
|
7%
|
Schweiz (1950-90)
|
5%
|
3%
|
|
Kolumbien (1950-88)
|
19%
|
14%
|
Grossbritannien (1951-90)
|
6%
|
7%
|
BRD (1953-90)
|
7%
|
3%
|
|
Südkorea (1953-90)
|
22%
|
13%
|
Austarlien (1950-90)
|
9%
|
6%
|
|
|
|
|
Nigeria (1955-89)
|
14%
|
11%
|
Frankreich (1950-90)
|
7%
|
6%
|
|
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|
Quelle: International Financial Statistics
- Man betrachte den Zusammenhang
zwischen Geldmengen - Zunahme und Inflationsrate. Bei Brasilien nahm die
Geldmenge um 77% zu, die Inflation um 78%, in der Schweiz hingegen nur 3%
Inflation bei 5% höherer
Geldmenge.
Fazit: Je grösser die
Geldmengen Zunahme, desto grösser die Inflation.
- Auf den zweiten Blick sieht
man, dass die Geldmenge meist stärker wuchs als die Inflation. In diesen
Ländern steigerte sich zuerst die Produktion, es wurden mehr Waren
produziert und natürlich auch gehandelt. Nimmt das Handelsvolumen aber zu,
braucht es automatisch auch mehr Geld.
Fazit: Ein Teil des
Geldmengenwachstums wir durch höhere Produktion, also höheres
Handelsvolumen absorbiert.
- Untersucht man die Länder
mit sehr hoher Inflationsrate (Brasilien, Argentinien), bemerkt man, dass die
Inflation höher ist als die Geldmengenzunahme. Es gibt eine einfache
Erklärung dazu. Die Leute sind nicht mehr gewillt zu Sparen, so bringen
diese ihr Geld schneller wieder in den Umlauf, es könnte Morgen schon
weniger Wert sein. Leider hat diese Steigerung der Umlaufgeschwindigkeit des
Geldes den Nachteil, dass es die Inflation noch mehr antreibt. Es wirkt wie eine
zusätzliche Erhöhung der Geldmenge.
Fazit: Schneller zirkulierendes Geld
heizt die Inflation zusätzlich an.
- Bei der Erklärung von
gemässigteren Inflationsrate (Neuseeland, Schweiz, BRD) kommt man an die
Grenzen der einfachen Theorie. In der unteren Grafik sieht man einen
vergrösserten Ausschnitt der Tabelle. Unter 15% gibt es eine starke
Streuung zwischen Geldzunahme und Inflation.
Quelle: International
Financial Statistics
Die Analyse der Statistik zeigt einen klaren
Zusammenhang von Geldmenge und Inflation. Allerdings gibt es bei kleineren
Inflationsraten nur einen lockeren Zusammenhang.
Finanzierung von Staatsdefiziten mit neuem Geld
Aufgrund der oben aufgestellten Theorien kann man nun
auch vermuten, wie einer Inflation entgegengewirkt wird. Man steuert die
Geldmenge. Gelingt es der Notenbank, die Geldmenge im Gleichlauf mit der
Entwicklung des Güterstroms zu halten, dürfte es keine Inflation
geben.
Wird aber neues Geld in den Umlauf gebracht, zum
Beispiel um einen Krieg zu finanzieren, passiert dasselbe wie es der
Häuptling auf der Insel vorgemacht hat. Er hat jede Woche die
Staatsausgaben erhöht. Es entsteht ein Inflation. Will sich ein Staat nicht
verschulden, in dem er Obligationen herausgibt, muss er neues Geld drucken um
sein Defizit zu decken.
Heute werden in modernen Industrieländern die
Staatsdefizite nicht mehr in so einfacher Weise mit neuem Geld bezahlt. Die
Notenbanken sind vom Staat unabhängiger geworden. Eine wichtige
Inflationsursache ist so also eliminiert worden. Offenbar können
Notenbanken mit einer Kontrolle der Geldmenge sehr hohe Inflationsraten
verhindern – schwierig scheint es aber, die Geldmenge so fein zu steuern,
dass eine Inflation ganz ausgeschaltet wird.
Leider hat diese Geldmengentheorie Schwächen. Auf
unserer kleinen Insel war klar wie die Geldmenge definiert ist. In der
Wirklichkeit haben wir aber auch noch elektronische Zahlungsmittel, Buchgeld,
Spareinlagen und so weiter. Welche Geldmenge muss nun im gleichen
Verhältnis mit dem Gütervolumen steigen?
Zinsniveau und Inflation
Die Notenbanken regeln die Geldmenge über die
Zinssätze, die sie von den Banken für ihr Geld verlangt, das
sogenannte Zinsniveau. Senkt die Notenbank ihre Zinssätze (Diskont- und
Lombardsätze), beziehen die Banken mehr Geld, so dass die Geldmenge steigt
– erhöht die Notenbank ihre Zinssätze, verlangen die Banken
weniger Geld, womit die Geldmenge weniger stark ansteigt oder sogar
zurückgeht. Tiefere Zinssätze der Bank führen zu einer
grösseren Geldmenge (und umgekehrt). Die Beobachtung des Zinsniveaus bringt
etwas mehr Licht in den Inflationsmechanismus:
Lockere = expansive Geldpolitik (Grafik links)
- Die Notenbank senkt ihre
Zinssätze, erhöht somit die Geldmenge
à Zinsniveau
sinkt
- Niedrige Zinsen können zu
höheren Investitionen führen. Im privaten Bereich, steigt die
Nachfrage wie zum Beispiel nach Autos. Niedrige Zinsen lassen die
Gesamtnachfrage steigen.
- Die Firmen nutzen ihre Chance
und versuchen das Angebot auszuweiten. Sie stellen neue Arbeitskräfte ein.
Die Arbeitslosigkeit sinkt.
- Können die Firmen die
grosse Nachfrage nicht mehr decken, ist die Produktionskapazität erreicht,
erhöht sich nun das allgemeine Preisniveau. Wächst also die
Gesamtnachfrage über das Gesamtangebot, steigt das allgemeine Preisniveau
(Teuerung).
Restriktive Geldpolitik (Grafik
rechts)
- Die Notenbank hebt die
Zinssätze an, verringert dadurch die Geldmenge
à das Zinsniveau
steigt
- Hohe Zinsen bremsen die
Investitionen und fördern das Sparen auf Kosten des Konsums. Hohe Zinsen
verringern die Gesamtnachfrage.
- Dies führt zu
unausgelasteter Produktion. Höhere Arbeitslosigkeit
droht.
- Die Lagerhallen füllen
sich, der Absatz wurde kleiner. Der Wettbewerb wird härter. Die Kunden
werden mit tieferen Preisen angelockt. Härterer Wettbewerb bewirkt
sinkende Preise.
In einem Marktsystem mit Preiswettbewerb könnte
eine restriktive Geldpolitik eine Inflation schnell niederschlagen. In grossen
Teilen unserer Wirtschaft werden aber die Preise und Löhne durch
marktbeherrschende Grossunternehmen, Kartelle und Gewerkschaften bestimmt.
Dadurch setzt sich eine Inflation eigenständig fort. Man spricht von einer
Preis-Lohn-Spirale.
Preis-Lohn-Spirale
Die Preis-Lohn-Spirale braucht in der Regel einen
Anstoss. Dieser kann von dem Angebot her kommen (z.B. Ölpreiserhöhung)
– meist aber von der Nachfrageseite. Eine zu lockere Geldpolitik
lässt die Gesamtnachfrage steigen, dass die Kapazitätsgrenzen
überschritten werden. Das Preisniveau steigt. Bis jetzt ist der Mechanismus
bekannt, nun werden aber höhere Löhne von den Gewerkschaften
ausgehandelt. Die Firmen müssen in folge dessen ihre Produktpreise
dementsprechend anpassen. Das Preisniveau steigt weiter. Ein Teufelskreis in
Form eines Schwungrades. Man bedenkt, dass nicht nur die Löhne angepasst
werden müssen. Die Post- , SBB- und Krankenkassenprämien werden
erhöht.
So kann eine einmal in Gang gekommene Inflation eine
lange Lebensdauer haben. Die Inflationsbekämpfung wird immer komplexer,
denn bei einer Bekämpfung, muss immer mit hoher Arbeitslosigkeit gerechnet
werden. Das Produktionsvolumen nimmt stark ab. Leider muss die Notenbank immer
einen Kompromiss eingehen zwischen optimaler Geldpolitik des Schulbuches und dem
menschlichen Schicksal der Arbeitslosigkeit.
Die Wirtschaftlichen Folgen der Inflation
Übermässige Preissteigerungen / Geldentwertung
Die Inflation führt anfangs zu einer Erhöhung
der Betriebsgewinne, da die Löhne und andere Kosten hinter den
Preissteigerungen zurückbleiben und verstärkte Kapitalinvestitionen,
Dividendenausschüttungen und Zinszahlungen nach sich
ziehen.
Trotz zeitweiliger Gewinne verhindert die Inflation
langfristig jedoch jede normale wirtschaftliche Aktivität. Bei der
Festsetzung der Zinssätze wird meist die zu erwartende Inflationsrate
berücksichtigt. Die Betriebskosten erhöhen sich, das Ausgabeverhalten
der Verbraucher ändert sich und der Wert von Aktien und Anleihen wird
gemindert. Die Inflation unterminiert die reale Kaufkraft der Einkommen und den
Wert von Kapitalanlagen. Die Folge ist ein geringerer Verbrauch, weil die
Verbraucher nicht willens oder einfach nicht in der Lage sind, auf Ersparnisse
zurückzugreifen.
Das betriebliche Investitionsverhalten leidet unter der
allgemeinen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage, die Gewinne nehmen ab,
da die Angestellten einen sofortigen Inflationsausgleich in Form einer
Lohnanpassung an die Lebenshaltungskosten (auf der Grundlage des Landesindex)
fordern.
Rationalisierungsmassnahmen und kostengünstigere
Produktionsprozesse führen nicht mehr zu Preissenkungen. Das verhindert
einen funktionierenden Wettbewerb.
Beeinträchtigung der Konkurrenzfähigkeit im Ausland
Im Vergleich zum Ausland stärker steigende
Inlandpreise verteuern die inländischen Exportgüter. Höhere
Ausfuhrpreise senken die Exportraten und bewirken dadurch
Defizite
in der Handels- und Dienstleistungsbilanz.
Flucht in die Sachwerte
Nutzniesser der Inflation sind Eigentümer von
Sachwerten. Bei Anlagen mit flexiblem Wert wie Grundstücke, Liegenschaften,
Kunst oder Rohstoffen, sind die Auswirkungen der Inflation eher
gering.
Deshalb steigt die Nachfrage nach Sachwerten;
höhere Preise aller typisch wertbeständigen Sachwerte sind die
Folge.
Verschiebung der Vermögens- und Einkommensverteilung
Die Inflation erschüttert den Leitsatz der sozialen
Marktwirtschaft, Wohlstand für alle, weil es bei steigenden Preisen weiten
Kreisen verunmöglicht wird, Eigentum an wertbeständigen Gütern zu
erhalten. Beschäftigte mit relativ festem Einkommen, vor allem jene in
Niedriglohngruppen leiden unter einer stärker werdenden Inflation. Andere,
deren Einkommen auf flexiblen Verhandlungen beruht, können mit der
Inflation Schritt halten oder sogar von ihr profitieren (Spekulationsgewinne,
Kreditkauf von weiteren Sachwerten gegen Grundpfand usw.)
Dadurch verschiebt sich die
Lorenzkurve[5] in
Richtung mehr
Ungleichheit.
Nachteile für Gläubiger, Sparer, Fixbesoldete und Rentner
Die Inflation untergräbt den Sparwillen und die
persönliche Selbstvorsorge. Wer von Wertanlagen mit einem festen Nennwert
abhängig ist, etwa von Spareinlagen, Pension, Versicherungsprämien und
langfristigen schuldrechtlichen Wertpapieren, muss einen Verlust seines
Realvermögens hinnehmen.
Vorteile für Schuldner
Kreditnehmer profitieren im Allgemeinen von der
Inflation, da die Schulden an Wert verlieren.
Die deutsche Hyperinflation von 1923
Schwindendes Vertrauen in die Währung und letztlich
Zusammenbruch des gesamten Wirtschaftssystems!
Mit diesem Extremfall einer Inflation wollen wir unsere
Arbeit abschliessen.
Die Hyperinflation zieht einen Zusammenbruch des
gesamten Wirtschaftssystems nach sich. Die Hyperinflation in Deutschland nach
dem 1. Weltkrieg hatte zur Folge, dass sich die im Umlauf befindliche Geldmenge
um das Siebenmilliardenfache erhöhte, während die Preise in einem
Zeitraum von 16 Monaten um das Zehnmilliardenfache
explodierten.
Motor solcher Entwicklungen sind Regierungen, die
versuchen ihre steigenden Staatsausgaben mit zusätzlich gedrucktem Geld und
somit der Erhöhung der Geldmenge zu begleichen.
Anders als Deutschland es sich zu Beginn des 1.
Weltkrieg erhofft hatte, konnte es sich nicht an den Besiegten schadlos halten,
sondern wurde seinerseits mit Forderungen der Sieger konfrontiert
(Reparationsleistungen). Die Verschuldung wuchs unaufhörlich, die
Notenpresse lief auf vollen Touren. Gleichzeitig schwächten die
Ablieferungen von Verkehrsmitteln (Schiffe, Eisenbahnwagen, Lastwagen) an die
Siegermächte die Rohstoffversorgung der ohnehin durch Streiks und
politische Kämpfe geschwächte deutsche Wirtschaft. Die Produktion ging
zurück, die Diskrepanz zwischen Warenangebot und Geldangebot
vergrösserte sich und beschleunigte die Geldentwertung.
Der Wert der Mark war in erster Linie vom Vertrauen
abhängig, das der einzelne in die Währung hatte. Das Ausland glaubte
nicht an die innere Stabilität der jungen Republik. Die einsetzende
Kapitalflucht leitete die Phase der Hyperinflation ein. Bis dahin hatte das
Vertrauen in die Mark und die daraus resultierende Nachfrage nach dieser
Währung trotz wachsender Geldmenge den Preisanstieg
gebremst.
Spätestens im Herbst 1922 aber war klar, dass die
Mark nicht länger die grundlegenden Geldfunktionen erfüllen konnte.
Die Reichsbank druckte Banknoten zu 10000 M und 50000 M,
im Februar 1923 wurden erstmals Notenwerte von 1 Mill. M in Verkehr gebracht,
und im September überschritt man die Milliarden-, Anfang November sogar die
Billionen - Schwelle. Ein Kilo Brot kostete Ende Oktober 680 Million
Mark.
|
1920
|
Febr.
|
847
|
|
1921
|
Jan.
|
1`179
|
|
1922
|
Jan.
|
2`041
|
|
Juli
|
5`392
|
|
Sept.
|
13`319
|
|
Okt.
|
22`066
|
|
Nov.
|
44`610
|
|
Dez.
|
68`506
|
|
1923
|
Jan.
|
112`000
|
|
Mai
|
381`000
|
|
Juni
|
765`000
|
|
Juli
|
3`800`000
|
|
Aug.
|
58`600`000
|
|
Sept.
|
1`500`000`000
|
|
Okt.
|
365`700`000`000
|
|
Nov.
|
65`700`000`000`000
|
|
Dez.
|
124`700`000`000`000
|
Quelle: Statistisches Jahrbuch für das
Deutsche Reich, Jg. 44, 1924/25
Literaturverzeichnis
Beck, Bernhard Wohlstand, Markt und Staat: eine
Einführung in die Volkswirtschaftslehre
Verlag Sauerländer,1997 (2.
Aufl.)
Bohley, Peter Statistik: einführendes Lehrbuch
für Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler
R. Oldenburg Verlag München Wien, 1991 (4. verb.
Aufl.)
Dubs, Rolf Volkswirtschaftslehre: eine
Wirtschaftsbürgerkunde für höhere Schulen, Erwachsenenbildung und
Selbststudium
Verlag Paul Haupt Bern – Stuttgart – Wien,
1998 (7.aktualisierte Aufl.)
Microsoft Encarta
North, Michael Das Geld und seine Geschichte: vom
Mittelalter bis zur Gegenwart
Verlag C. H. Beck München, 1994
Schlusswort
Die Inflation hat Auswirkungen auf viele Bereiche
unseres menschlichen Lebens.
Während des Einarbeitens ins Thema Inflation wurde
uns schnell bewusst, wie umfassend die Hintergründe dieses Begriffs
eigentlich sind, und wie die Inflation andere Bereiche der Volkswirtschaft
beeinflusst und umgekehrt. Bezieht man den Devisenhandel, Import/Export
Geschäfte oder Konjukturschwankungen mit ein? Wo sollten wir die
Schwerpunkte setzen? Nun hoffen wir, dass wir ein richtiges Mass an
Informationen des Themas Inflation übersichtlich und verständlich
dargestellt weiter geben konnten. Uns hat diese Arbeit einen Einblick in die
Volkswirtschaft gegeben. Wir haben gelernt, was für komplexe
Zusammenhänge hier Einfluss haben.
[1] Vollbeschäftigung =
Produktionsfaktoren voll ausgelastet,
(die Produktion kann nicht mehr gesteigert werden)
[2] Bruttosozialprodukt = Geldwert aller
erwirtschafteten Güter
[3] Deflation = Der Geldstrom verkleinert
sich im Verhältnis zum Güterstrom. Weil in diesem Fall zu viele
Güter vorhanden sind, werden die Preise sinken und die Wirtschaft wird nach
einer gewissen Zeit stagnieren
[4] Fiskalpolitik = Finanzpolitik (Teil der
allgemeinen Wirtschaftspolitik)
[5] Lorenzkurve = graphische Darstellung der
personellen Einkommensverteilung
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