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Leistungsbeurteilung an Schulen - Notwendigkeit od
Mein heutiges Referat behandelt das Thema:
“Leistungsbeurteilung an den Schulen –
Notwendigkeit oder Übel?“
Um uns jedoch genauer mit dem Begriff der Leistungsbeurteilung
beschäftigen zu können, sollten wir uns erstmals mit dem Begriff
der Leistung selbst befassen.
In der Gesellschaft ist „Leistung“ nicht einfach
„Arbeit in der Zeiteinheit“, sondern das Ergebnis von
Zuschreibungen: „Leistung“ ist das, was eine Gesellschaft darunter
verstehen möchte. Dadurch lässt sich zum Beispiel der höhere
Stellenwert von Kopfarbeit gegenüber von Handarbeit erklären.
Wir begründen Leistung meistens durch 2 Begriffe, nämlich
„Fähigkeiten“ und „Anstrengung“, wobei das eine,
und zwar die Fähigkeiten sehr unterschiedlich und individuell verschieden
sein können und Anstrengung für alle gleich ist.
Zwei Personen können zum Beispiel die gleiche Leistung erbringen,
jedoch mit unterschiedlicher Anstrengung, weil der eine für diese Aufgabe
vielleicht weniger begabt ist, als der andere.
In unserer Gesellschaft herrscht das „Leistungsprinzip“
vor. Das bedeutet, dass in Österreich die Vergabe von Posten, die
Entlohnung und die sozialen Ränge durch scheinbar erbrachte Leistung (etwa
Schulabschlüsse) erfolgt. Was für uns selbstverständlich
erscheint ist jedoch eine relativ neue Erscheinung, denn früher war das
„Herkunftsprinzip“ wohl das gebräuchlichste, was soviel heisst,
als das Arbeitsplätze etc. an Leute der angemessenen sozialen Herkunft
vergeben wurden.
Natürlich erscheint uns dieses Prinzip als ungerecht, doch auch das
„Leistungsprinzip“ ist nicht ganz fehlerlos.
Es kann zum Beispiel keine Gesellschaft geben, die rein auf dem
Leistungsprinzip aufgebaut ist, denn das wäre unmenschlich gegenüber
denen, die keine Leistung erbringen können, wie zum Beispiel: alte, kranke
Menschen, oder Kindern.
Deshalb gibt es auch noch das“ „Sozialprinzip“,
welches jeden Menschen nach seinen Bedürfnissen versorgen will. Da das
Sozialprinzip zum Teil auf dem Leistungsprinzip beruht, kommt es auf die
richtige Mischung der beiden an, um eine möglichst gerechte Versorgung der
Menschen zu gewährleisten.
Somit wäre eigentlich nichts mehr gegen das Leistungsprinzip
einzuwenden, trotzdem hat es einige Gegner wie Leibfried oder Brühweiler,
welche es als ein Instrument der kapitalistischen Gesellschaftsordnung sehen,
die das Gewissen der wenigen die „oben“ sind beruhigt.
Außerdem meinen sie, dass es nie ganz gerecht sein kann. Das beginnt schon
in der Schule, denn die Leistung der Schüler hängt auch mit ihrem
sozialen Umfeld und ihrer Erziehung zusammen und diese Faktoren sind bei allen
Schülern unterschiedlich.
Abschließend kann man vielleicht sagen, dass das Leistungsprinzip
nicht das beste Prinzip zum Verteilen der Güter in einer Gesellschaft ist,
dass es jedoch kein besseres gibt.
In unserer Gesellschaft gilt also das Leistungsprinzip.
Das beginnt schon in der Schule. Die Schule sollte in der westlichen Welt
vor allem als „ Weg des Kindes“ gesehen werden, welcher den
Schülern hilft ihre eigene Persönlichkeit und Individualität zu
finden, da jedoch die in der Schule erbrachten Leistungen oft für den
späteren Weg im Berufsleben ausschlaggebend sind, verhärtet sich schon
hier das Konkurrenzdenken. Jeder will gute Leistungen erbringen, oft auch mit
unerlaubten Hilfsmitteln. Der Lehrer wird nicht selten zum Feind erklärt,
und von klug ausgedachten Schummelsystemen wird noch auf späteren
Maturatreffen gesprochen. Jeder will natürlich die besten Noten erreichen,
doch sollte nicht eigentlich das Lernen im Mittelpunkt stehen? Zählen
sollte doch eigentlich das, was „ hängenbeibt“, oder nicht? Ist
uns allen nicht ein durch Auswendiglernen oder gar Schummeln verdienter Einser
lieber, als ein Dreier, den wir uns ehrlich verdient haben, und wo wir in 10
Jahren auf eine Frage zu diesem Thema noch immer korrekt antworten können.
Wäre es da nicht besser gleich auf Zensuren zu verzichten und einfach
nur deshalb in die Schule zu gehen, um seinen Horizont zu erweitern?
Wozu sind Noten denn eigentlich da?
Mit den Funktionen von Zensuren beschäftigten sich viele Psychologen.
Einer davon ist ZIELINSKI, der nicht weniger als 10 Funktionen von Noten
ausfindig machen konnte.
- Rückmeldung über die erbrachten Leistungen für den Lehrer.
- Information des Schülers über seinen Leistungsstand.
- Auskunft an die Eltern über die Leistungen ihrer Kinder.
- Motivierung des Schülers zu weiteren Leistungen.
- Disziplinierung leistungsunwilliger Schüler.
- Aufweis der Leistungsforderungen der Institution Schule für den
Schüler.
- Zuordnung der Schüler zu unterschiedliche Bewertungsklassen.
- Merkmal für die Auslese un dür die weitere Beschulung.
- Mitentscheidung über den weiteren sozialen Aufstieg oder Abstieg.
- Gewisser Ausgleich unterschiedlicher Startchancen der
Schüler.
Wie schon erwähnt haben sich auch noch viele
andere Autoren mit diesem Problem auseinandergesetzt.
Im Grossen und Ganzen können wir 3 GRUNDFUNKTIONEN von Zensuren
nennen, nämlich:
Die Berechtigungsfunktionen
Die Berichtsfunktionen und
Die pädagogischen Funktionen.
Wir werden uns zuerst mit den BERECHTIGUNGSFUNKTIONEN der
Leistungsbeurteilung auseinandersetzten:
Zensuren bzw. Zeugnisse erteilen die Berechtigung zum Aufsteigen in die
nächste Klasse, zum Besuch bestimmter Schultypen, oder zum Besuch von
Universitäten oder bestimmten Berufen.
Die Berechtigungen, die eine Schule dem Schüler erteilt, sind für
ihn also von überragender Bedeutung.
Früher war lediglich die Herkunft für den späteren sozialen
Rangplatz in der Gesellschaft verantwortlich, heute hat die Schule diese Aufgabe
übernommen.
Für die weitere berufliche und persönliche Entwicklung eines
Jugendlichen ist die Beurteilung seiner geistigen Leistungsbereitschaft seht
wichtig.
Eine der bedeutensten Entscheidungen , die durch die Berechtigungsfunktion
der Leistungsbeurteilung, getroffen wird, betrifft das Aufsteigen bzw.
Wiederholen einer Klasse.
Doch ist das „Sitzenbleiben“ überhaupt sinnvoll?
Die Idee des Sitzenbleibens beruht auf der Annahme, dass alle Kinder und
Jugendlichen eines Alters gleich leistungsfähig und gleich lernfreudig
sind, bzw. auf der Gliederung unseres Schulwesens in Jahrgangsklassen.
Außerdem wird angenommen, dass der Schüler das Lehrziel durch
Wiederholen der Klasse erreicht, doch in Wirklichkeit weisen Untersuchungen
darauf hin, dass das Wiederholen der Klasse oft mehr schadet, als es bringt.
Im Allgemeinen ist es so, dass Repetenten, und diese Aussage beruht auf
Untersuchungen, grundsätzlich schlechter beurteilt werden, als Schüler
die diese Klasse zum ersten Mal besuchen. Dies gilt auch für jene
Fächer die der betreffende Schüler im vorigen Schuljahr durchaus
positiv abgeschlossen hat.
Verdeutlichen kann man dieses Pänomen vielleicht mit einem
Beispiel;
Die Beurteilungen in den sogennanten musischen Fächern, wie Zeichnen
und Musik und auch Leibesübungen, von Repetenten und Nicht-Repetenten
wurden untersucht.
Diese Fächer waren in keinem Fall der Grund dafür, dass der
Schüler das Jahr wiederholen muß, dennoch erreichten nur 34% der
Repetenten in diesem Fach ein Sehr gut, im Vergleich zu 45% der altersrichtigen
Schüler. Dies beweist, dass auch Lehrer Repetenten mit gewissen Vorurteilen
begegnen. Natürlich hat es auf wissenschaftlicher Ebene keinerlei
Bedeutung, was ein Schüler zum Beispiel in „Turnen“ bekommt,
das Selbstwertgefühl des betreffenden Schülers leidet jedoch sehrwohl
darunter.
Es fallen außerdem auch nicht alle gleichbegabten Kinder durch.
Im Allgemeinen müssen wesentlich mehr Arbeiterkinder und mehr Buben
eine Klasse wiederholen.
Das völlige Ausschalten sozialer Unterschiede gelingt der Institution
Schule also auch im Zusammenhang mit dem Sitzenbleiben nicht.
Auch in Schulen mit Latein ist die Repetentenrate generell
größer.
Wenn wir uns mit der Berechtigungsfunktion von Zensuren beschäftigen,
müssen wir uns auch mit der Berechtigung zum Besuchen einer
weiterführenden Schule befassen.
In Österreich muß sich ein Kind im Alter von 10 Jahren zum
ersten Mal mit der Frage beschäftigen, ob es die Hauptschule oder das
Gymnasium besuchen soll. Für zweiteres braucht man jedoch eine gewisse, von
der Schule erteilte Berechtigung, sprich gute Noten im Abschlusszeugniss der 4.
Klasse.
Ein gutes Zeugniss gleicht jedoch gewisse Unterschiede in den
Startmöglichkeiten nicht aus, so ist es etwa bewiesen, dass Kinder aus
niederen sozialen Schichten wesentlich häufiger die Hauptschule besuchen.
Auch die räumlichen Voraussetzungen können große Nachteile
bedeuten.
Zwar wird dieser Unterschied im Zusammenhang mit der wachsenden
Mobilität immer kleiner, doch der Anteil der Gymnasiasten ist in
Städten noch immer wesentlich größer als in ländlichen
Gebieten.
Nun kommen wir zur BERICHTSFUNKTION der
Leistungsbeurteilung:
Noten berichten über den Leistungsstand eines Schülers.Sie
erfüllen also eine Berichtsfunktion.
Eine Berichtsfunktion vor allem für die Eltern und für die
Schüler. Diese Berichtsfunktion wird durch die bei uns üblichen
Ziffernnoten jedoch stark eingeschränkt, da bei Leistungsversagen keinerlei
Auskunft darüber gegeben wird, ob eben diesem mangelnde Begabung,
mangelnder Fleiß oder sonstige Ursachen zugrunde liegen.
Problematisch an unserem Ziffernnotensystem mag auch noch sein, dass Eltern
und manchmal auch Schüler und Lehrer die Zensuren einfach
überbewerten. Schlechte Noten werden von Eltern unnötigerweise oft
bestraft. Kindern wird somit bald die Freude am Lernen und an der Schule
genommen. Es ist ihnen nicht mehr wichtig, ob man einen Wissenszuwachs
verzeichnen kann, das was zählt ist nur noch das Sehr gut.
Verstärkt wird dies noch durch eine gewisse
„Zensurenmentalität“ der Eltern, die die Noten ihrer Kinder oft
als staatliche Beurteilung der intellektuellen Leistungsfähigkeit ihrer
gesamten Familie sehen.
Noten erfüllen also eine Berichtsfunktion für Eltern und
Schüler, doch gilt das auch für Lehrer?
Im Prinzip könnte man doch sagen, dass Lehrer aus den Noten ihrer
Schüler auf die eigene Unterrichtsqualität schließen
könnten, doch das ist in den meisten Fällen, besonders wenn es sich um
schlechte Leistungen handelt nicht der Fall.
Anders sieht es jedoch bei Bewerbungen aus. Hier erfüllen Zensuren
sehrwohl ihre Berichtsfunktion, da der Arbeitgeber meist Angestellte mit guten
schulischen Leistungen bevorzugt.
Nun zur PÄDAGOGISCHEN FUNKTION der
Leistungsbeurteilung:
Von der Leistungsbeurteilung an den Schulen wird angenommen, dass sie gute
Schüler durch gute Noten belohne, und schlechtere Schüler durch
schlechte Noten motiviert würden.
Am Beginn jedes Lernprozesses steht die Motivation. Im Tierreich beruht der
Grund der Motivation meistens auf Trieben, wie: Hunger, Durst oder
Fortpflanzung.
Keiner dieser Triebe motiviert uns jedoch dazu, dass wir in der Schule
bessere Leistung erbringen, also brauchen wir Noten, denn wir streben alle
danach so gute Noten wie möglich zu bekommen.
Dass Ziffernnoten dazu motivieren mehr zu lernen um bessere Leistungen
erbringen zu können, steht also außer Frage, doch sind sie auch die
richtige Art der Motivation?
Grundsätzlich sollte man zwischen INTRINISCHEN und EXTRINISCHEN
Lernmotivationen unterscheiden.
Die Wurzel des intrinisch motivierten Lernens ist Neugier, wer aus anderen
Gründen lernt ist extrinisch motiviert.
In seinen ersten Lebensjahren sind Kinder fast ausschließlich
intrinisch motiviert, doch dieses natürliche Lernbedürfniss wird von
der Schule aus 2 Gründen gestört:
1: durch den Zwang zu lernen, das bedeutet also, dass wir keine
Alternative haben.
2: durch das System von Belohnung und Bestrafung im Rahmen der
Leistungsbeurteilung.
Durch dieses System verlagert sich die Lernmotivation also auf die
extrinische Seite.
Schuld daran sind auch die Eltern, die sich ausschließlich an der vom
Kind erhaltenen Note orientieren und sich nicht die Mühe machen die
Leistungen des Kindes zu überprüfen.
Lob und Tadel werden also nicht aufgrund einer erbrachten Leistung, sondern
aufgrund der dafür erhaltenen Note erteilt, was Schüler dazu
veranlasst nur nach guten Noten zu streben, wobei alle Mittel erlaubt sind, und
nicht ihre persönliche Leistung zu verbessern.
Die schulischen Interessen von Schülern und Eltern richten sich also
nur auf den ERFOLG und nicht auf die erhaltene BILDUNG.
Wenn nun schon die Motivation durch positive Noten in Frage gestellt werden
kann, wird die Problemstellung bei der Motivation durch schlechte Noten
wahrscheinlich noch größer sein, denn in vielen Fällen und
für viele Schüler bedeuten schlechte Noten nicht Motivation, sondern
sie schwächen das Selbstvertrauen des Schülers erheblich und das
bewirkt nicht unbedingt eine Verbesserung der Noten, aber ruft ein oft ein
Gefühl der Resignation herbei.
Ein weiteres Problem ist vielleicht noch, dass falls man aus rein
extrinischer Motivation lernt, sobald man aus der Schule geht der
Motivationsfaktor wegfällt, und man auch die Bücher mit dem
Schulabschluss für immer weglegt.
Doch nun einmal zu Frage, was überhaupt beurteilt wird, das
heißt, wonach der Lehrer überhaupt auf die Note
schließt.
Es ist wichtig zu wissen welche Dimensionen einer Arbeit überhaupt
bewertet werden, um zu wissen ob und warum Noten fair oder unfair sind.
Also:
Was beurteilen Lehrer?
Um das zu beantworten müssen wir zwischen KONVERGENTEN und DIVERGENTEN
Leistungen unterscheiden.
Konvergente Leistungen sind jene, welche sich in einem richtigen Ergebnis
ausdrücken lassen.
Mathematik- Schularbeiten etwa werden nach konvergenten Leistungen
beurteilt, aber auch Deutsch- Schularbeiten, bei denen die Rechtsschreibung,
eine konvergente Leistung, beurteilt wird.
Divergente Leistungen können dagegen zu vielen Leistungen führen,
die im Prinzip gleichwertig sind.
Typisch dafür sind etwa Leistungen im kreativen Bereich
künstlerischen Schaffens.
Dasselbe Thema kann musikalisch, poetisch oder bildnerisch in vielen
Variationen ausgearbeitet werden, wobei man hier nicht zwischen richtig und
falsch entscheiden kann.
Von diesem Problem hauptsächlich betroffen sind Fächer wie BE
oder Musikerziehung, doch ein Antrag die Ziffernnoten in diesen Fächern
abzuschaffen wurde abgelehnt.
Ein wichtiger Bildungsauftrag der Schule, der ausschließlich im
divergenten Bereich liegt und deshalb nicht beurteilt werden kann, liegt in den
Bereichen von emotionalen und sozialen Lehrzielen. Damit gemeint ist zum
Beispiel die Erziehung zur Hilfsbereitschaft. Der Lehrer kann dies kaum benoten,
doch die Schule bildet auch in diesem Bereich.
Es ist bedauerlich, dass in der Schule häufig so eng mit Ziffernnoten
verbunden gesehen wird.
Wie kommen Lehrer aber nun genauer zu ihrem Urteil, zum Beispiel bei einer
Deutsch-Schularbeit?
In jedem Aufsatz oder Diktat werden zum Beispiel Bereiche der
Rechtsschreibung geprüft, die nicht gerade „durchgenommen“
wurden. Dadurch fällt eine eindeutige Zuordnung zu einer hanz bestimmten,
abgrenzbaren Unterrichtssequenz schwer.
Die Auffsatzbeurteilung wird jedoch in hohem Maß von der
Rechtsschreibung beeinflusst, da sich die Beurteiler bei der Beurteilung des
Inhalts und des Stils vorsichtig im Mittelbereich halten, weil sie sich ihrer
Subjektivität bewußt sind. Trotzdem ist es möglich, dass sich
die die Noten für dieselbe Arbeit von verschiedenen Lehrern über
mehrere Notenstufen verteilen, weil Lehrer verschiedenes für wichtig
halten.
Zu diesem Thema wurden im Rahmen einer Untersuchung 150 Gymnasiallehrer
befragt, welche Dimensionen bei ihrer Leistungsbeurteilung in den Fächern
Deutsch, Mathematik und Bildnerische Erziehung.
Die Ergebnisse dieser Untersuchung für das Beispiel Deutsch
möchte ich nun darstellen:
Nach der ersten, spontanen Antwort sah das Ergebnis so aus:
150 Lehrer gaben folgende Dimensionen an, nach denen sie ihre Schüler
ein Jahr vor der Matura, was genau unserer Schulstufe gleichkommt,
beurteilen:
81% Stil und Sprachvermögen
79% Rechtschreibung
75% Themenverständnis
62% Aufbau und innere Logik der
Darstellung
31% Ideenreichtum
Wie schon erwähnt erfolgten diese Angaben spontan, nach einiger
Bedenkzeit kam man jedoch zu folgendem Ergebnis: 54% Aufbau und
innere Logik der Darstellung
46% Ideenreichtum
40% Themenverständnis
36% Stil und Sprachvermögen
13% Rechtschreibung
Besonders auffälig ist der Unterschied in der Wichtigkeit der
Rechtschreibung.
In der Praxis dürfte der Wert irgendwo dazwischen liegen, wobei
Rechtschreibung in höheren Klassen weniger zur Note beiträgt, hingegen
Aufbau und Ideenreichtum wichtiger werden.
Nachdem wir uns nun mit der Frage: „Was messen Lehrer?“
beschäftigt haben, befassen wir uns nun mit der Frage:
„Wie messen Lehrer?“
Um Leistungen festzustellen braucht man grundsätzlich keine
Maßstäbe.
Um etwa bei einem Diktat die Leistung festzustellen, braucht man lediglich
die Fehler zu zählen.
Die Feststellung: „Hans hat bei diesem Diktat 7 Fehler!“ sagt
aber nichts über Hans´ Rechtschreibleistung aus.
Um diese korrekt zu beurteilen, ist ein Maßstab erforderlich.
Immer wenn man etwas messen will, benötigt man einen Maßstab.
Wenn man zum Beispiel einen Tisch abmessen will, braucht man ein Maßband
dazu und genau so ist es auch bei der Leistungsbeurteilung.
Man unterscheidet grundsätzlich zwischen 4 verschiedenen
Maßstäben:
- lehrzielbezogene Maßstäbe
- soziale Maßstäbe
- schülerbezogene Maßstäbe
- scheinbare Maßstäbe
- LEHRZIELBEZOGENE MASSSTÄBE:
Lehrer müßten eigentlich darauf vertrauen können, dass die
ihnen vorgesetzte Behörde in einem so heiklen Bereich ihrer Arbeit
bestimmte Richtlinien erteilt.
Die hier erteilten Anweisungen sind jedoch äußerst unklar und
diffus.
Zum Beispiel:
Für die Note „sehr gut“ ist erforderlich,
dass die Anforderungen in weit über das Wesentliche
hinausgehendem Ausmaß erfüllt sind;
Die Note „gut“ ist zu erteilen, wenn die
Anforderungen in einem über das Wesentlich hinausgehendem
Ausmaß erfüllt sind;
Die Note „befriedigend“ bedeutet, dass die
Anforderungen in den wesentlichen Bereichen zur Gänze
erfüllt sind;
Bei der Note „genügend“ werden die
Anforderungen in den wesentlichen Bereichen überwiegend
erfüllt.
Sinngemäß werden bei „nicht
genügend“ die Anforderungen nicht einmal in den wesentlichen
Bereichen
überwiegend erfüllt.
Die Anforderungen, von denen hier immer wieder gesprochen wird sind aus den
jeweiligen Lehrplänen zu entnehmen. Weder diese gesetzlichen
Vorschreibungen, noch verschwommene Formulierungen wie „zur
Gänze“oder „über das Wesentliche hinausgehende
Ausmaß“ sind dem Lehrer jedoch Hilfestellungen.
Diese gesetzlichen Maßstäbe sind so allgemein gehalten, damit
man sie in alle Lehrpläne anwenden kann und sie somit auch für alle
Schultypen gelten.
Eng mit den lehrplanbezobenen Maßstäben in Verbindung stehen die
LEHRZIELBEZOGENE Maßstäbe.
Das bedeutet, dass vor einer Prüfung schon das Wissensoptimum
festgelegt ist und die Note je nach dem, wie viel auf dieses Optimum fehlt
festgelegt wird.
Der SOZIALE MASSSTAB bei der Leistungsbeurteilung:
Der soziale Maßstab zur Leistungsbeurteilung wird auch als
„durchschnittsorientierte“ oder „klassenorientierte“
Leistungsbewertung bezeichnet.
Der Maßstab wird hier nicht von außen angelegt sondern erfolgt
nach dem Leistungsstand der jeweiligen Bezugsgruppe.
Die Note wird nicht sofort durch Zählen der Fehler festgelegt, sondern
es wird festgestellt wie häufig bestimmte Fehlersummen vorkommen.
Bei durchschnittlich vielen Fehlern würde zum Beispiel ein
„Befriedigend“ erteilt.
Bei, im Vergleich zu den übrigen in der Klasse erreichten Leistungen,
vielen Fehlern, würde demnach ein 4er oder 5er gegeben.
Nach der Häufigkeitsverteilung der Noten erhalten nun etwa
50% der Schüler ein „Befriedigend“
20% ein „Gut“ oder „Genügend“ und
etwa
5% ein „Sehr gut“ oder „Nicht
genügen“
Auf den ersten Blick scheint der soziale Maßstab zunächst
vorteilhaft, da er eine praktische Hilfe für den Lehrer bietet, doch werden
erhebliche Nachteile schnell sichtbar.
Man beurteilt nach dem sozialen Maßstab nicht die eigentliche vom
Schüler erbrachte Leistung, sondern sein Abschneiden im Vergleich mit den
anderen Schülern einer Klasse.
Beim sozialen Maßstab hängt das Schulschichsal eines
Schülers davon ab, in welche Klasse er rein zufällig eingestuft
wird.
So ist es etwa egal ob ein Schüler 0 oder 20 Punkte erreicht, beides
könnte im Falle eines hohen Klassendurchschnitts zu „nicht
genügend“ führen.
SCHÜLERBEZOGENE MASSSTÄBE:
Leistungsschwache Schüler bedürfen spezieller Motivation.
Weder soziale noch lehrplanbezogene Maßstäbe bringen für
diese Schüler jedoch Erfolgserlebnisse, deshalb ist der
schülerbezogene Maßstab wohl einer der motivierensten für
jene.
Hier wird der Schüler nur mit sich selbst, oder besser gesagt mit dem
was aus ihm werden könnte verglichen.
Bewertet wird der Leistungszuwachs.
Leistungsstarke Schüler sind jedoch oft dagegen, da sie dadurch ihre
Starstellung einbüßen.
Diese Methode wird nur an alternativen Privatschulen praktiziert.
SCHEINBARE MASSSTÄBE:
Lehrer bekommen im Laufe ihrer Dienstzeit oft ihre eigenen
Maßstäbe zur Beurteilung der Noten.
Meist gibt es dann einen starren Zusammenhang zwischen Fehlern und Noten,
dass zum Beispiel 2 Fehler noch „sehr gut“ sind, wobei 10 Fehler
schon „nicht genügend“ ist.
Das vermittelt den Beurteilern oft ein Gefühl der Objektivität
und Gerechtigkeit.
Gerecht wäre es jedoch nur dann, wenn alle Lehrer für ein
Unterrichtsfach den gleichen Maßstab verwenden würden.
Nun zu den:
Formen der Leistungsbeurteilung:
Es gibt viele Formen von Prüfungen:
Schriftliche, mündliche und praktische Prüfungen
Auch der Stellenwert der Prüfungen ist sehr unterschiedlich, er reicht
von „Ständiger Beobachtung“ bis zur
„Reifeprüfung“.
Erhalten alle Prüflinge die selbe Frage, so spricht man von
„standartisierten Prüfungen“.
Für junge Menschen sind Leistungsbeurteilungen meist sehr wichtig und
sie müssen daher bestimmten Gütekriterien entsprechen.
Prüfungen müssen:
- objektiv sein, dass heißt unabhängig von der Person des
Prüfers.
- Zuverlässig bzw. stabil sein, und
- valide, wie wir im Regelunterricht schon gehört haben, bedeutet das,
dass sie wirklich das messen, was sie vorgeben zu messen.
Schriftliche Prüfungen:
Schriftliche Prüfungen erfüllen die erwähnten Kriterien
meistens besser als mündliche Prüfungen.
Schriftliche Prüfungen sind in der Regel standardisiert.Das bedeutet,
dass alle Prüflinge die gleichen Fragen bekommen. Diese Standardisierung
ermöglicht dem Lehrer einen besseren Vergleich der Schülerleistungen
und dadurch, dass alle Schüler die gleiche Frage beantworten müssen
bekommt der Lehrer ein besseres Bild von der Schwierigkeit der Fragen.
Für die Zuverlässigkeit von Prüfungen ist auch die Anzahl
der Fragen verantwortlich.
Auch das spricht für die schriftliche Püfung, weil hier
gewöhnlich mehr Fragen gestellt werden können.
Und auch das Kriterium der Objektivität wird besser erfüllt, da
äußere ‚Beurteilungsfaktoren wie Aussehen, Kleidung, Haltung
und Ausdrucksvermögen weniger bis keine Rolle spielen.
Oft bevorzugen auch Schüler die schriftliche Prüfung, weil
Blockierungen durch Ängste leichter abgebaut werden.
Mündliche Prüfungen:
Probleme mündlicher Prüfungen:
Bei mündlichen Prüfungen fehlt die Standardisierung, das bedeutet
das es möglich ist das Schüler unterschiedlich schwere und auch
weniger gut überlegte Fragen erhalten können.
Mündliche Prüfungen prüfen haüfiger die Fähigkeit
des Schülers Angst zu ertragen und überhaupt spielt die
Persönlichkeit des Prüflings eine größere Rolle.
Mündliche Prüfungen bevorzugen bestimmte wortgewandte,
selbstsichere und anpassungsfähige Persönlichkeitstypen, was nicht
unbedingt ein Nachteil sein muß, da es auch im späteren Leben eine
Anforderung sein kann solche Merkmale aufzuweisen, doch müsste eine
Prüfung dieser Merkmale vorher festgelegt und angekündigt
sein.
Trotzdem bevorzugen Studenten laut einer Umfrage die mündliche
Prüfung, weil der persönliche Kontakt mit dem Prüfer zum
Ausräumen von Mißverständnissen dienen kann.
Tatsächlich kommt es bei dieser Form der Leistungsbeurteilung jedoch
sehr viel auf Sympathie oder Assympathie an und die persönliche Beziehung
zwischen Schüler und Lehrer sollte auf die Leistungsbeurteilung keinen
Einfluss haben. Dies ist jedoch bei mündlichen Prüfungen eher der Fall
als bei schriftlichen.
Die mündliche Prüfung als soziale Situation:
Jede Prüfung ist eine assymmetrische soziale Situation, das bedeutet,
dass der Prüfer stark und der Prüfling schwach ist. Diese Aufteilung
der Verhältnisse ist auch für leistungsfähige und robuste
Schüler eine Belastung, aber es existiert auch die Angst des Prüfers.
Lehrer empfinden oft eine Art Profilierungsbedürfniss vor ihren
Kollegen, was die Qualität der Prüfung beeinflusst. Außerdem
gibt es eine Hemmung das Urteil „nicht genügend“ mündlich
auszusprechen, was für uns Schüler zwar ein Vorteil ist, aber auch
nicht gerade für das richtige Ergebniss einer Prüfung
spricht.
Prüferfehler bei mündlichen Prüfungen:
Häufig, wen der Prüfer eine hohe Erwartungshaltung hat, werden
Suggestivfragen (=Fragen die dem Prüfling die Antwort schon in den Mund
legen) gestellt, außerdem wird der Prüfer, sei es durch geschickte
Schülerfragen, oder sei es durch das Bedürfniss das eigene Wissen
anzubringen, häufig dazu veranlasst selbst viel zu reden, was dazu
führen kann, dass er das Gefühl bekommt die Fragen seien gut und
richtig beantwortet worden und zur Folge eine gute Note für den eigentlich
schlecht vorbereiteten Schüler hat.
Häufig wird das auch als eine letzte Möglichkeit gesehen, dem
Schüler etwas beizubringen.
Eine besondere Fehlerquelle ist die Wortgewandtheit des Prüflings.
Oft wird versucht den Verlauf des Prüfungsgespräches
mitzubestimmen.
Einen plumpen Versuch schildert dieses Beispiel (Seite 70)
Das alles sind für Schüler doch irgendwie positive
Prüfungsfehler, die zu einer Verfälschung des Prüfungsergebnisses
führen können.
Eine mündliche Prüfung kann jedoch auch dazu genutzt werden, die
Macht des Prüfers auf Kosten des Prüflings zu zeigen. Dies geschieht
durch Fragen, die den Schüler verwirren oder Witze sein sollen.
Tests:
Ein Test ist eine Zusammenstellung von Aufgaben. Eigenart und Anzahl der
Lösungen dieser Aufgaben geben Aufschluß über bestimmte
Fähigkeit oder Eigenschaften einer Person.
Wir unterscheiden zwischen normorientierten und lehrzielbezogenen
Tests.
Normorientierte Tests: zu dieser Sorte Tests zählen etwa IQ-Tests.
Sie können auf alle Menschen angewandt werden und bedienen sich
Standardnormen mit feinen Differenzierungen. Hierbei handelt es sich jedoch um
Scheingenauigkeit, da es in der Praxis fast unmöglich ist zwischen 90
Stufen der Intelligenz zu unterscheiden.
Lehrzielbezogene Tests:
Ein lehrzielbezogener Test ist ein wissenschaftliches Routineverfahren zur
Untersuchung der Frage ob und eventuell wie gut ein bestimmtes Lehrziel erreicht
ist. Zu diesen Tests verwendet man Aufgaben eines mittleren
Schwierigkeitsgrades. Die Leistung eines Schülers wird durch den Abstand
seiner Leistung zu der vom Lehrplan geforderten Leistung gemessen.
Die Mitarbeitsnote:
Die Verordnung über die Leistungsbeurteilung verpflichtet den Lehrer
zu Leistungsfeststellungen aus der
„ständigen Beobachtung der Mitarbeit der Schüler im
Unterricht“.
Diese ständige Beobachtung bildet in manchen Fächern, in denen
keine Schularbeiten stattfinden die Gesamtnote, wobei öfters schriftliche
oder mündliche Prüfungen gebraucht werden um das Urteil zu
festigen.
Ein Ziel der „ständigen Leistungsbeobachtung“ ist sicher
die Leistungsbeurteilung, sie kann aber auch über die Erfolge oder
Mißerfolge des Unterrichts Aufschluß geben.
Doch woraus setzt sich nun diese Mitarbeitsnote zusammen?:
Die Definition wie eine Mitarbeitsnote zustande kommt ist etwas
verschwommen.
Der Gesetzgeber nennt die gesamte Unterrichtsarbeit und vor allem
Hausübungen, man könnte und es werden aber beispielsweise auch Dinge
wie Denkverhalten, Sozialverhalten und Arbeitsverhalten beurteilt.
Ein Problem dabei bildet der große Stellenwert der
Hausübungen.
Hausübungen sind oft so gut, wie sehr Eltern oder Nachhilfelehrer
dahinter sind.
Von manchen Psychologen, wie etwa Bossmann, werden sie außerdem als
unnötig und reine Schikane für die Schüler bezeichnet, denn warum
soll ein Schüler, der das Lehrziel eindeutig erreicht hat Nachteile haben,
nur weil er seine Hausaufgaben nicht erledigt?
Die Reifeprüfung:
Die Reifeprüfung oder auch Matura steht am Abschluss unserer
8-jährigen Ausbildung.
In Österreich ist sie, wie auch in Deutschland, schulintern angelegt,
das bedeutet, dass die Fragen von Schule zu Schule verschieden sind und von den
Lehrern selbst zusammengestellt werden.
In vielen anderen Ländern wird sie jedoch extern angelegt, was soviel
heißt, dass alle Schüler eines Landes in einem Fach die gleiche Frage
erhalten.
Beides hat seine Vor- und Nachteile.
Ein Nachteil der externen Matura wäre etwa, dass Schüler mit
„schlechteren“ Lehrern benachteiligt sind.
Ein Vorteil wäre aber, dass bei dieser Art Prüfung der Lehrer zum
Komplizen wird mit Hilft dessen man die Aufgabe bewältigen kann. Bei
schulinternen Prüfungen ist oft das Gegenteil der Fall und der Lehrer
avanciert zum Gegner.
Analyse von Schulzensuren
Notenverteilungen:
Leistungsbeurteilung und Geschlecht der Schüler:
Mädchen werden in fast allen Unterrichtsfächern und auch bei den
sogenannten Kopfzensuren ( Verhalten und Fleiß) besser beurteilt als
Jungen.
Das gilt für alle Schultypen und Altersstufen.
Die größten Unterschiede bei der Beurteilung findet man in
sprachlichen Fächern (sowohl Deutsch, Englisch, 2.lebende Fremdsprache, als
auch Latein und Griechisch), aber auch in musischen Fächern und
Religion.
Die geringsten Unterschiede werden in den naturwissenschaftlichen
Fächern wie Mathematik, Physik, Biologie und Geographie sichtbar.
Nur einmal fielen die Beurteilungen zu gunsten der Jungen aus, und zwar in
Physik in der Mittelstufe.
Doch warum werden Mädchen durchschnittlich besser
beurteilt?:
Dazu gibt es verschiedene Theorien:
- Mädchen erhalten bessere Zensuren wegen besserer Leistungen aufgrund
höherer Intelligenz.
- Schulisch wichtige Faktoren der Intelligenzstruktur sind bei ihnen besser
ausgeprägt als bei Jungen.
- Mädchen sind fleißiger, als Folge erhalten sie bessere
Zensuren.
- Mädchen sind für den Lehrer angenehmer, weil sie meist braver und
folgsamer sind als Jungen und erhalten deshalg bessere
Noten.
Nach eingehenden Untersuchungen kam man zum Schluß, dass Mädchen
im Durchschnitt nicht intelligenter sind als Jungen, die anderen 3 Gründe
für ihre Bevorzugung aber durchaus zutreffen.
Klasseninterne Maßstäbe?:
Eine Untersuchung des Wissenschafters INGENKAMP, der ein Werk mit dem
Titel: „Fragwürdigkeit der Zensurengebung“ verfasst hat,
beweist, dass es geradezu groteske Unterschiede der Handhabung der Notenskala
durch einzelne Lehrer gibt.
Er hat in 37 verschiedenen Berliner Schulklassen der 6. Schulstufe den
gleichen Mathematiktest ausgegeben und im extremsten Fall zeigte ein
Schüler mit „sehr gut“ schlechtere Ergebnisse als ein
Schüler mit „nicht genügend“.
Laut seiner Meinung ist es auch durchaus angebracht, wenn ein Lehrer seine
Notenverteilung einem Klassenniveau anpasst, problematisch wird die Sache nur,
wenn diese Noten zu Klassenvergleichen oder Aufnahmekriterien von
Universitäten verwendet werden.
Benotungsunterschiede nach Schultypen:
Grundsätzlich wird mit steigenden Leistungsanforderungen strenger
benotet.
Das ist nicht selbstverständlich da im Sinne des Gesetzgebers jede
Schultype eine Unterrichtseinheit für sich ist.
Recht deutlich und meist schmerzlich deutlich wird das für
Schüler jedoch beim Übertritt von der Volksschule in die Unterstufe
des Gymnasiums.
Gleich bleiben die Noten in Deutsch etwa nur bei 18,3% der Schüler und
in Mathematik gar nur bei 15,8% der Schüler, viele verschlechtern sich
sogar um 2 oder 3 Notengrade.
Unterschiede nach Bundesländern:
Die bisher erwähnten Untersuchungen beziehen sich alle auf ein
bestimmtes Bundesland, ein Bundesländervergleich ist daher nicht
möglich.
Anders bei den Repetentenraten. Vergleicht man die Anzahl der Schüler,
die eine Schulstufe wiederholen müssen ist ein deutliches
West-Ost-Gefälle ersichtlich.
So beträgt der Prozentsatz der Volksschulrepetenten im Burgenland
1,25% und in Vorarlberg 2,8%.
Der Unterschied wird in den Allgemeinbildenden höheren Schulen noch
deutlicher.
Hier beträgt die Repetentenrate im Burgenland 2,2% und steigt bis
Vorarlberg auf 7,4%.
Salzburg liegt nicht nur geographisch in der Mitte, auch die Repetentenrate
liegt mit 4,9% im Mittelfeld.
Da diese großen Unterschiede weder auf Intelligenz oder mit
verschieden großem Fleiß erklärt werden kann, liegt es wohl an
der unterschiedlichen Handhabung der Notenskala.
Leistungsbeurteilung und Unterrichtsfächer:
Nach dem gesetzlichen Bestimmungen gibt es keine Unterscheidungen von
Fächer, in denen streng oder milde beurteilt werden soll. In der Praxis
gibt es diese jedoch sehr wohl.
Laut einer Studie wird in unserem Schultyp, also der AHS am strengsten in
der 2.Fremdsprache, in unserem Fall Latein beurteilt. Gefolgt von Englisch,
Mathematik und Deutsch.
Milder ist die Benotung in den naturwissenschaftlichen Fächern und
Geschichte.
Am wenigsten zählen Fächer wie BE, Musik, Leibeserziehungen,
Religion und Handarbeiten.
Diese Verteilung der Wichtigkeit von Fächern lässt sich
vielleicht darauf zurückführen, dass die strengst benoteten
Fächer, oder auch Hauptfächer für die Selektion verantwortlich
sind.
Außerdem sind Hauptfächer Schularbeitenfächer und Fehler in
schriftlichen Arbeiten lassen sich leichter abzählen und man hat weniger
Skrupel eine schlechte Note zu geben.
Interessant zu erwähnen wäre vielleicht noch das etwa in den
musischen Fächern oder Leibesübungen meistens nur Noten zwischen
„sehr gut“ und „befriedigend“ erteilt werden.
Deshalb kann ein „befriedigend“ in Leibesübungen schon
fast mit einem „nicht genügend“ gleichgesetzt werden.
Im Gegensatz dazu steht ein „befriedigend“ in Latein schon eher
für ein „gut“.
Kopfnoten:
Unter Kopfnote versteht man heute nur noch die Betragensnote.
Früher wurde auch der Fleiß bewertet.
Was bei der Betragensnote alles zu berücksichtigen sei, ist immer
wieder eine Streitfrage.
Manchmal werden nur schwere Vergehen und Frechheiten mit einer
Betragensnote beurteilt, manchmal jedoch schon „Kleinigkeiten“ wie
Tratschen, Vergessen von Hausübungen oder Zuspätkommen.
Außerdem ist nicht klar ob damit nur das schulinterne oder auch,
soweit das überhaupt möglich ist das außerschulische Verhalten
benotet werden soll.
Benotungsunterschiede nach Schulstufen:
Am Anfang der Volksschule wird meist sehr mild benotet, da Förderung
und nicht Auslese das Ziel ist.
Die Strenge mit der beurteilt wird steigt jedoch von Jahr zu Jahr an und in
der 4. Klasse der Volksschule verschlechtern sich die Zensuren extrem.
Das ist wohl damit zu begründen, das hier eine Auslese zwischen
Gymnasiasten und Hauptschülern zu treffen ist. Doch die Noten
verschlechtern sich auch danach von Schuljahr zu Schuljahr weiter.
In der 6.und 7.Schulstufe ist die Verschlechterung wahrscheinlich durch die
Pubertätskrise zu erklären.
In der 4. Klasse der Hauptschule ist dagegen wieder eine Verbesserung zu
bemerken.
Das hängt damit zusammen, dass es sich hier um eine Abschlussklasse
handelt.
In Gymnasien ist jedoch bis in die 8.Klasse eine Verschlechterung der Noten
festzustellen, aber auch hier wird in der 8.Klasse wieder milder beurteilt, da
es sich auch hier um eine Abschlussklasse handelt.
Gütekriterien von
Schulzensuren:
Erwartungswidrige Notenverteilungen lassen vermuten, dass Schulnoten die
geforderten Gütekriterien Objektivität, Zuverlässigkeit und
Gülitigkeit nicht erfüllen.
Deutscharbeiten und Gütekriterien:
Am häufigsten wurde das Gütekriterium der Objektivität
überprüft.
Dies geschah im Unterrichtsfach Deutsch anhand von
Aufsätzen.
Man sollte eigentlich vermuten, dass die selbe Arbeit, von verschiedenen
Lehrern beurteilt in etwa die selbe Note erhalten würde. Dann wäre das
Gütekriterium der Objektivität erfüllt.
Mehrere Untersuchungen zeigen jedoch, dass das nicht der Fall
ist.
In einer Untersuchung wurde eine Deutsch-Maturaarbeit 42 Deutschlehrern
vorgelegt.
In den wenigsten Fällen streute sich das Urteil nur über 2
Notenstufen.
Oft waren als Urteile für ein und dieselbe Arbeit alle Noten von
„sehr gut“ bis „nicht genügend“
vertreten.
Doch was sind die Gründe für die unterschiedliche
Benotung?
1. Allgemein kann man sagen, dass ältere Lehrer strenger beurteilen
als jüngere.
2. Auch die Handschrift hat Auswirkungen auf die Leistungsbeurteilung,
wobei Lehrer, die selbst eine
schlampige Handschrift haben, weniger Wert darauf legen. Der
Benotungsunterschied einer schlampig geschriebenen Arbeit und derselben Arbeit
in Schönschrift beträgt jedoch fast ein Notengrad.
3.Die zuerst beurteilten Aufsätze wurden in der Regel strenger
beurteilt.
4.Unterschiedliche Voraussetzungen bewirkten unterschiedliche
Urteile.
Etwa: „Der Vater ist Redakteur einer großen Linzer
Tageszeitung“, bewirkte eine bessere Beurteilung, als „Der
Schüler liest nur Schundhefte“
5.Einen großen Stellenwert bei der Beurteilung haben
Rechtsschreibfehler, weil sie leicht abzählbar sind und somit den Anschein
großer Objektivität bewirken. Doch gerade die unterschiedliche
Handhabung von Rechtschreibfehlern bewirkte die großen Unterschiede bei
den Noten.
Was manche Lehrer als leichten Fehler bezeichneten, wurde von anderen als
schwer beurteilt.
Manche Beurteiler nahmen Rücksicht auf Wiederholungsfehler, andere
nicht, und schließlich konnte festgestellt werden, dass bei guten
Schüler oft Fehler übersehen werden, was bei schlechteren kaum
passiert.
Wir sehen daran, dass das Gütekriterium der Objektivität bei
Deutsch-Arbeiten also kaum erfüllt ist.
Die Zuverlässigkeit wurde weitaus weniger oft untersucht als die
Objektivität, doch es gibt auch Untersuchungen dazu. ASCHERSLEBEN
überprüfte sie bei Diktaten mit Wiederholungen und die
Zuverlässigkeit war sehr gering.
Wegen der geringen Objektivität und Zuverlässigkeit kann man auch
eine geringe Gültigkeit von Zensuren bei Deutscharbeiten
feststellen.
Mathematikarbeiten und Gütekriterien:
Mathematikarbeiten wurden wesentlich weniger auf ihre Gütekriterien
untersucht als Deutscharbeiten, ganz einfach aus dem Grund, dass man
Mathematikarbeiten ohnehin für objektiv beurteilt hielt.
Dem ist aber nicht so. Eine Untersuchung stellte auch bei
Mathematikarbeiten eine Notenstreuung von bis zu 5 Notenstufen fest.
Das geht vermutlich auf die unterschiedliche Gewichtung von
Lösungsansatz, Rechenweg und formaler Gestaltung zurück.
Man sieht, dass auch bei Mathematikarbeiten das Gütekriterium der
Objektivität nicht erfüllt wird.
Ähnlich die Zuverlässigkeit. Man legte Lehrern nach 4 Wochen noch
einmal die gleiche Mathematikarbeit vor.
Die wenigsten beurteilten sie noch einmal mit der gleichen Note.
Auch in anderen Fächern wurden, wie auf Grund von Untersuchungen
festgestellt wurde, die Gütekriterien meist nicht erfüllt.
Trotzdem kann man sagen, dass in der Praxis oft oder sogar meist die
Gütekriterien erfüllt werden, da sich Schüler den Anforderungen
ihres Lehrers anpassen und die große Streuung der Noten bei
verschiedensten Untersuchungen vor allem auf 2 Faktoren zurückzuführen
ist:
1.wenn eine durchschnittliche Leistung vorgelegt wird
2.wenn die Zahl der Beurteiler hinlänglich groß ist.
Eine äußerst gute Leistung wird eigentlich immer mit „sehr
gut“ beurteilt, während schlechte Leistungen immer mit „nicht
genügend“ benotet werden.
Die Streuung ist also hauptsächlich auf durchschnittliche Leistungen
zurückzuführen.
Personbeurteilung und
Beurteilungsfehler:
Wie schon erwähnt, genügen Hinweise auf den Beruf des Vaters,
oder einfach eine schlampige Schrift, die Note um bis zu einem Grad zu
verbessern oder verschlechtern.
Daraus lässt sich erkennen wie eng Leistungsbeurteilung mit
Personbeurteilung zusammenhängt.
Personwahrnehmung:
Personwahrnehmung ist die Grundlage jeder Personbeurteilung.
Wir hören was jemand sagt, wir sehen seine Gestalt, seinen
Gesichtsausdruck, seine Bewegungen und nehmen diese auf. Diese Wahrnehmungen
erfolgen stets in einer gewissen Umgebung (Kontext der Wahrnehmung).
Diese Umgebung kann sehr unterschiedlich sein, von der Schule über die
U-Bahn, die Skipiste oder das Theater, und genauso unterschiedlich gut oder
schlecht wird die gleiche Reaktion in verschiedenen Umbebungen
aufgenommen.
Was einem Lehrer in einer Situation angemessen erscheint, kann er in einer
anderen Situation als unangemessen empfinden.
Außerdem hängt es von früheren Erfahrungen, die wir mit
einer Person gemacht haben ab, wie eine Situation auf uns wirkt.
All diese Informationen nehmen wir nun auf und wir selektieren sie, dass
heißt wir treffen eine Auswahl der Informationen über eine Person,
die uns erhalten bleiben sollen.Was uns bei dieser Selektion wichtig erscheint,
hängt sehr stark von unserer persönlichen Verfassung ab, wie wir uns
fühlen.
Daraus bilden wir dann unser Personurteil. Aufgrund dessen unser Verhalten
gegenüber einer Person stark beeinflusst wird. Dieses Personurteil
beeinflusst auch sehr oft die Notengebung.
(falls noch Zeit, Beispiel auf Seite 129)
Erwartung und Wahrnehmung:
Wenn wir von einer Person eine bestimmte, egal ob positive oder negative
Erwartung haben, beeinflusst das unsere Wahrnehmung.
Natürlich ist dabei die Stärke der Erwartung wichtig. Eine
Erwartung ist umso stärker, je öfter sie bestätigt wurde. Unsere
Wahrnehmung wird jetzt insofern beeinflusst, als das wir bis zu einem gewissen
Grad das sehen, was wir sehen wollen, das bedeutet wir selektieren unsere
Wahrnehmungen aufgrund unserer Erwartungen.
Auf die Schule umgelegt bedeutet das, dass ein Schüler der für
intelligent gehalten wird und durchwegs gute Leistungen bringt auch einmal dumme
Aussagen machen kann, die der Lehrer nicht aufnimmt, oder das schlechte
Leistungen von ihm aufgrund der Wahrnehmungsverzerrung besser dargestellt
werden.
Das gilt natürlich auch umgekehrt.
Personbeurteilung und Gütekriterien:
In der Schule haben Personbeurteilung so große Bedeutung, weil sie
mittelbar auf die Leistungsbeurteilung wirken oder weil die Stellungnahme eines
Lehrer zum Beispiel über die Eignung eines Schülers einer höheren
Schule viel bewirken kann.
Wegen dieser Wichtigkeit müssten eigentlich auch für
Personbeschreibungen Gütekriterien gelten.
Das Gütekriterium der Objektivität wird im schulischen Bereich
der Personbeurteilung jedoch kaum erfüllt, da es sich meist um schwer zu
erfassende Merkmale handelt, und Lehrer nicht darauf „trainiert“
sind Personurteie zu erstellen.
Die Zuverlässigkeit von Personbeschreibungen ist dagegen relativ hoch.
Wenn jemand einmal ein Urteil über eine gewisse Person gefällt hat,
bekommt er schwer wieder ein anderes.
Das lässt sich vermutlich darauf zurückführen das sich
individuelle Beurteilungsfehler immer wieder wiederholen.
Die Gültigkeit gibt an, in wieweit ein Merkmal ein Merkmal richtig
erfasst wurde.
Wegen der geringen Objektivität und weil verschiedene Personen so
viele verschiedene Urteile über andere Personen fällen, kann man von
einer äußerst geringen Gültigkeit von Personbeschreibungen
ausgehen.
Manche wagen sogar zu behaupten, dass Personbeschreibungen mehr über
den Beurteiler als über den Beurteilten aussagen.
Beurteilungsfehler:
Das Wort Beurteilungsfehler hat ein negatives Umfeld, da man glaubt, dass
Fehler vermeidbar sind und das man es „richtiger“ machen
könnte. Beurteilungsfehler sind jedoch unvermeidbar und äußerst
häufig.
Einige dieser Beurteilungsfehler möchte ich nun behandeln.
Hofeffekte:
Dieser Effekt beschäftigt sich im Wesentlichen mit der Ausstrahlung
von Menschen.
Ein Merkmal „straht aus“ auf andere Merkmale.
Zentrale Eigenschaften, von denen Hofeffekte ausgehen wären zum
Beispiel warmherzig/kühl oder höflich/unhöflich.
Ein Lehrer, der merkt, dass ihm ein Schüler besonders aufmerksam
zuhört, schließt daraus, dass dieser Schüler intelligent,
fleißig, kritisch und hilfsbereit ist.
Auch das Aussehen hat großen Einfluß auf die
Personbeurteilung.
Attraktiven Schülern wird von ihren Lehrern auch höhere
Intelligenz, besseres Benehmen und so weiter zugeschrieben.
Soziale Vorurteile – Stereotype:
Vorurteile sind für unsere Wahrnehmung äußerst wichtig.
Sehen wir einen Italiener oder Deutschen, einen Lehrer oder Bankdirektor
etc. haben wir aufgrund von Vorurteilen schon eine bestimmte Erwartungshaltung,
die sich durch Wahrnehmungsselektion bestätigt.
Dasselbe gilt auch für soziale Vorurteile in der Schule.
Einige Beispiele dafür sind etwa:
„Mädchen sind mathematisch nicht begabt.“,
„Vorzugsschüler versagen im späteren Berufsleben“,
oder
„Kinder von Akademikern sind gute Schüler“.
Diese Vorurteile wirken sich auf die Personen und Leistungsbeurteilung
aus.
Deshalb erhalten Kinder aus höheren sozialen Schichten vergleichsweise
öfter Empfehlungen für höhere Schulen als Kinder aus niedrigeren
sozialen Schichten.
„Umso schlimmer für die Wirklichkeit“
Verschiedene Erwartungshaltungen führen also zu Wahrnehmungsselektion,
doch was passiert, wenn sich das Wahrnehmungsbild so stark vom Erwartungsbild
unterscheidet, dass es unmöglich ist, die Wahrnehmung anzupassen?
In diesem Fall kommt es zu KOGNITIVEN DISSONANZEN.
Die Theorie der kognitiven Dissonanzen stammt von Leon FESTINGER, der davon
ausgeht das jeder Mensch in seiner geistigen Welt eine Ordnung haben
möchte.
Er empfindet es als unangenehm, wenn seine Gedankenwelt Widersprüche
in Form von kognitiven Dissonanzen enthält. Diese Widersprüche
müssen ausgeglichen werden. Dazu hat man 2 Möglichkeiten, die sich an
einem Beispiel am besten erläutern lassen:
Einem Raucher wird immer wieder gesagt, wie schädlich Rauchen für
die Gesundheit ist.
Er hat nun die Möglichkeit mit dem Rauchen aufzuhören oder er
schwächt die Beweise ab, in dem er rauchende Bekannte, die ein langes Leben
führen, oder rauchende Spitzensportler erwähnt.
Die Theorie der kognitiven Dissonanzen ist häufig anzuwenden und auch
in der Schule.
- Ein Lehrer hat eine positive Erwartungshaltung von einem Schüler. Der
Schüler bestätigt diese durch eine gute Leistung. Der Lehrer sieht
sich in seiner Erwartung bestärkt und schreibt gerne ein „sehr
gut“ in sein Notenbüchlein.
- Ein Lehrer hat eine negative Erwartungshaltung und diese wird bestärkt.
Auch hier tritt keine kognitive Dissonanz auf und er schreib ein „nicht
genügend“ ohne Skrupel ein.
- Ein Lehrer hat eine positive Erwartungshaltung. Diese wird jedoch
enttäuscht, weil der Schüler ein schwache Leistung erbringt. Handelt
es sich um eine „erträglich“ schwache Leistung wird sie durch
Wahrnehmungsselektion verfälscht und es kann doch ein „sehr
gut“ oder „gut“ eingetragen werden. Ist die erbrachte Leistung
jedoch so schlecht, dass sie durch Wahrnehmungsselektion nicht verbessert werden
kann, sucht der Beurteiler nach Gründen wie Krankheit oder er kann glauben,
dass jeder einmal Pech hat. Auf jeden Fall wird er Skrupel haben ein
„nicht genügen“ einzutragen und eher beim
„genügend“ bleiben.
- Umgekehrt kann es natürlich auch der Fall sein. Hat ein Lehrer eine
negative Erwartungshaltung und der Schüler erbringt eine hervorragende
Leistung, treten manchmal Zweifel auf, ob es sich um eine ehrlich verdiente gute
Arbeit handelt, oder ob geschummelt wurde. Manchmal wird auch versucht, so lange
weiterzufragen, bis etwas gefunden wird, das nicht vollständig beherrscht
wird. In jedem Fall ist es für den Schüler in diesem Fall schwieriger,
eine Note wie „sehr gut“ oder „gut“ zu
erreichen.
Schlußfolgerung: Es muß viel geschehen, dass ein Lehrer einem
Schüler von dem er eine ausgesprochen gute Erwartungshaltung hat, ein
„nicht genügend“ gibt und umgekehrt.
Weil eben nicht sein kann, was nicht sein darf.
Erwartungen:
Auswirkungen auf den Beurteiler:
Das positive oder negative Erwartungen Auswirkungen auf den Beurteiler
haben, haben wir schon gehört.
So werden also etwa bei Deutsch-arbeiten viel mehr Fehler bei guten als bei
schlechten Schülern übersehen, was die Erwartungshaltung wiederum
bestärkt.
Auswirkungen auf den Beurteilten:
Auch auf den Beurteilten haben Erwartungen Auswirkungen
Bis zu einem gewissen Grad macht jemanden eine Erwartung wirklich zu dem
was wir von ihm erwarten.
Schüler zeigen Lehrern oft, was sie von ihnen erwarten, durch verbale
oder nonverbale Kommentare.
Wirken Schüler auf einen Lehrer interessiert und aufmerksam, dann
bestärkt das den Lehrer in seinem positiven Berufsselbstkonzept, was zu
einem angenehmeren Unterricht führt, der wiederum von den Schülern
besser aufgenommen wird und wieder vom Lehrer als positives Selbstkonzept
verwertet wird.
Das gleiche gilt auch für Schüler. Hat ein Lehrer eine positive
Erwartung von einem Schüler, gibt er jenem oft mehr Aufmerksamkeit, was den
Schüler zusätzlich motiviert und ihn zu guten Leistungen
anspornt.
Das hat nun zur Folge, dass Schüler von denen gute Leistungen
angenommen werden, wirklich bessere Leistungen bringen, als gleich
leistungsfähige Schüler, von denen der Lehrer kein so gutes
Erwartungsbild hat.
Außerdem haben Schüler oft noch kein fixes Selbstbild. Er
schließt auf seine eigene Leistungsfähigkeit oft durch die Erwartung
des Lehrers. Schüler von denen der Lehrer nun ein poitives Erwartungsbild
hat, entwickeln nun ein besseres Selbstbild und somit auch größeres
Selbstvertrauen, welches zu besseren Leistungen führt.
Glaubt der Schüler nun zum Beispiel aber, dass ihn die Lehrer für
dumm halten, schwächt das sein Selbstvertrauen und seine
Leistungsbereitschaft, als Folge bringt er schlechte Leistungen und sieht die
Erwartung des Lehrers bestätigt.
Diese Erkenntnissen dürfen jedoch nicht zu der Annahme führen,
dass schlechte Schüler nur schlecht sind, weil ein bestimmter Lehrer eine
negative Erwartungshaltung von ihm hat, oder dass bei jedem Schüler durch
entsprechende Motivierung eine Leistungsverbesserung stattfinden kann.
Das ist nur der Fall, falls ein „nicht ausgenütztes
Leistungspolster“ vorhanden ist.
Vorschläge zur Verbesserung der
Leistungsbeurteilung:
Viele Menschen, die mit Leistungsbeurteilung zu tun haben, sind mit der
gegenwärtigen Situation der Leistungsbeurteilung nicht zufrieden und
verlangen eine Verbesserung.
Hier lassen sich 2 Standpunkte festlegen:
- Die Leistungsbeurteilung wird grundsätzlich bejaht, gefordert wird
jedoch eine meßtechnische Verbesserung. Die Leistungsbeurteilungen
müssen objektiver, zuverlässiger und gültiger werden.
- Die Leistungsbeurteilung wird, weil sie als unpädagogisch gilt
abgelehnt. Die Schule sollte dazu da sein einen jungen Menschen in seiner
Entwicklung zu fördern. Pädagogische Verbesserungen zur
Leistungsbeurteilung werden vorgeschlagen.
Sofortmaßnahmen zur Verbesserung:
Lehrer sollten ihre Beurteilungskriterien öfters mit denen von
Fachkollegen vergleichen.
Dadurch könnte mehr Objektivität erzielt werden. Außerdem
könnten mehrer „kleine“ Fragen zu zuverlässigeren
Prüfungen führen.
Pädagogische Verbesserungen:
Um die Angst der Schüler vor Prüfungen zu nehmen wird vom Autor
vorgeschlagen, dass man öfters Probeschularbeiten oder Probetests machen
sollte. Diese würden nicht beurteilt und man könnte sich an die
Prüfungsituation und das Stoffgebiet gewöhnen.
Durchsichtigkeit für den Prüfling:
Wenn für den Prüfling klar ersichtlich ist, wie die Note zustande
kommt, wenn das Stoffgebiet klar abgegrenzt ist und wenn der Prüfungstermin
festgelegt ist, dann kann das zu einer Angstreduktion führen. Es handelt
sich dann um eine pädagogische Verbesserung der
Leistungsbeurteilung.
Informelle Tests:
Diese Tests sind auch als „Kreuzltests“ bekannt, und werden
meist unterschätzt.
Durch gut überlegte Fragestellungen bieten diese Tests die
Möglichkeit, nicht irgendwelche auswendiggelernte Fakten sondern das
Verständnis eines Themengebietes zu überprüfen.
Verbale Beurteilung:
Eine meßtechnische Verbesserung der Leistungsbeurteilung ist nicht zu
erwarten.
Pädagogische Verbesserungen sind möglich.
Es gibt Vor- und Nachteile von verbaler Beurteilung.
Vorteile:
Verbale Beurteilungen steigern die Motivation.
Der Lehrer kann besser auf die positiben Seiten einer insgesamt schwachen
Leistung hinweisen. Dadurch wird die Entmutigung durch zwangsläufig
schlechte Noten vermieden.
Man könnte auch vermuten, dass verbale Beurteilungen zu einer
Angstreduktion führen, doch diese ist minimal.
Kritik an verbaler Beurteilung:
1. Lehrer dürften durch die große Anzahl von Schülern und
den großen Zeitaufwand, den ein taugliches Wortgutachten benötigt,
wenn es über die Leistungsbeschreibung hinausgehen möchte, völlig
überfordert sein.
- Es würden sich vermutlich starre Formulierungen herausbilden, die
lediglich eine Verschlüsselung der früheren Ziffernnoten
darstellen.
Kommentare zu Ziffernnoten:
Kommentare zu Ziffernnoten werden als ein Weg gesehen, die kühle,
autoritäre Form der Beurteilung durch Ziffernnoten zu mildern.
Kommentare mit individueller Bezugsnorm, das heißt, dass man auf
frühere Leistungen des Schülers eingeht, wirkten auf gute Schüler
leicht und auch schlechte Schüler stark motivierend.
Sie werden vom Autor daher durchwegs positiv und als eine der besten
Möglichkeiten zur Leistungsbeurteilung gesehen.
Schülerselbstbeurteilung:
Damit gemeint ist, das Schüler etwa Ansagen selbst nach Fehlern
untersuchen und beurteilen.
Da nach Meinung des Autors, wenn man am Boden der pädagogischen
Tatsachen bleibt, diese Form der Beurteilung fedoch völlig unrealistisch
ist, möchte ich darauf nicht genauer eingehen.
Mehr oder weniger Notenstufen:
Befürworter einer Notenskala von mehr als fünf Notenstufen
führen als Grund zumeist an, fünf Noten böten zu wenig
Möglichkeit, Schülerleistungen entsprechend abgestuft zu bewerten.
Doch selbst 5 Notenstufen können nicht hinlänglich genau unterschieden
werden.
Mehr Notenstufen würden also lediglich zu einer Scheingenauigkeit
führen.
Es gibt auch Leute, die für eine Verringerung der Notenstufen von 5
auf 2 eintreten.
Diese 2 Notenstufen wären dann „bestanden“ und
„nicht bestanden“.
Ein Vorteil davon wäre, dass eine Angstreduktion bewirkt wird und das
die motivation wieder mehr intrinisch verlagert wird.
Nachteil: Wenig Motivation von „sehr
gut“-Schülern.
Alles in allem kann unser 5-stufiges System als gutes System der Mitte
gesehen werden.
Am Ende seiner Arbeit bekommt der Autor, und auch ich als Leser, und
vielleicht auch ihr jedoch Zweifel daran, ob eine Reform unserer
Leistungsbeurteilung überhaupt sinnvoll ist.
Eine meßtechnische Verbesserung wäre von Lehrern
durchzuführen, doch wird sie auch erwünscht? Manchmal ist es für
Schüler die schlechte Leistungen erbracht haben, ein Trost, wenn sie sich
einreden, dass sie von anderen Lehrern, in anderen Schulen vielleicht bessere
Noten erhalten hätten.
Der Autor erwähnt außerdem, dass eine Reform der
Leistungsbeurteilung, hauptsächlich nicht von der Schule, sondern von
Schülern und Eltern getragen werden müsste.
Würden Schüler und vor allem Eltern nicht so viel Wert auf
Zensuren legen, dann würde das zu einer erheblichen pädagogischen
Verbesserung der Leistungsbeurteilung führen.
Ich hoffe ihr habt in meinem Referat viel neues erfahren und könnt
euch jetzt eure eigene Meinung über Leistungsbeurteilung an den Schulen
bilden.
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