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Nestroy, Johann: Liebesgeschichten und Heiratssach
Johann Nestroy
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Posse mit Gesang in drei Akten
Liebesgeschichten und Heiratssachen wurde zum ersten Mal
am 23. März 1843 aufgeführt. Die Musik war von Michael Hebenstreit.
Zum Autor:
Johann Nepomuk Nestroy, geboren Wien 7. Dez 1801, gest.
Graz 25. Mai 1862, österreichischer Dichter und
Schauspieler.
Sohn eines Advokaten; nach anfänglichen
Rechtsstudium ging Nestroy 1822 zur Bühne und war als Opernsänger in
Wien, Amsterdam, Brünn und Graz engagiert. Er wechselte allmählich zu
komischen Sprechrollen über und spielte – meist in eigenen
Stücken – seit 1831 am Theater an der Wien, seit 1845 am
späteren Carltheater, das er 1854-60 leitete. Nach Raimund ist Nestroy ein
neuer Höhepunkt und zugleich letzter Vertreter der Altwiener
Volkskomödie. Im Gegensatz zu Raimund spielen seine Possen nicht mehr in
der Feen- und Zauberwelt, sondern im nüchternen Alltag des
biedermeierlichen Wien. Der scharfe Witz und der rücksichtslose Spott, mit
dem er Zeitgeschehnisse, allzumenschliche Schwächen und jede Art von Pathos
anprangerte, sind verbunden mit wienerischem Gemüt und versöhnlichem
Humor. Echte Komik bewies er vor allem in seinen brillanten Wortspielen.
Personen: FLORIAN FETT:
ehemals Fleischselcher, jetzt Partikulier
FANNY: dessen Tochter
ULRIKE HOLM: mit Herrn von Fett entfernt
verwandt
LUCIA DISTEL: ledige Schwägerin des Herrn
von Fett
ANTON BUCHNER: Kaufmannssohn
MARCHESE VINCELLI
ALFRED: dessen Sohn
DER WIRT „Zum Silbernen
Rappen“
NEBEL
Alfred wohnt zur Zeit in einem Zimmer des Gasthofes
„Zum silbernen Rappen“. Von dort aus schreibt er seinem Vater
Briefe, die ein Kutscher abwechselnd mit nach Triest nimmt und dort aufgibt. So
glaubt der Marchese Vincelli, dass Alfred dort ist. Dieser aber arbeitet seit
zwei Monaten als Sekretär im Haus des Herrn von Fett, weil er Ulrike
für sich gewinnen will.
Im Gasthof treffen sich Anton und Alfred, die beiden
sind alte Freunde. Anton erzählt, dass er Fanny heiraten will. Ebenfalls in
diesem Gasthaus ist Nebel, der dort sehr hohe Schulden hat. Aber er erzählt
dem Wirten, dass er Lucia Distel heiraten wird, die reiche Verwandte des Herrn
von Fett. Damit Anton und Nebel in das Haus des Herrn von Fett kommen, gibt sich
Nebel als Antons Bedienter aus.
Fanny und Anton wollen also heiraten. Doch Herr von Fett
ist damit nicht einverstanden, weil Anton im Gegensatz zu früher kein Geld
hat. Alfred und Ulrike können nicht heiraten, weil der Marchese Vincelli
dieser Hochzeit nie zustimmen würde. Lucia glaubt, dass Nebel reich ist.
Als die beiden miteinander plaudern und Herr von Fett dazukommt, glaubt dieser
natürlich auch, dass Nebel viel Geld hat. So stimmt er ihrer Hochzeit zu,
unter der Bedingung, dass Nebel die Beziehung zwischen Fanny und Anton
zerstört.
Der Wirt, der es nicht erwarten kann, endlich sein Geld
zu bekommen, versucht Herrn von Fett zu warnen. Doch dieser verwechselt
natürlich Nebel und Buchner. So kommt es zu einer Reihe von
Missverständnissen, weil sich Anton, Alfred und Nebel ja abwechselnd als
jemand anderer ausgeben, als sie eigentlich sind.
Der Marchese Vincelli hat davon gehört, dass sein
Sohn ein Mädchen eher niederen Standes heiraten will. Deshalb müssen
sich Alfred und Nebel verstecken. Alfred, weil sein Vater ihn nicht finden darf,
und Nebel, weil er sich als Sohn des Marchese Vincelli ausgibt und ja dann seine
Geschichte auffliegen würde. Als der Marchese Vincelli dann zu Herrn von
Fett kommt, wird ihm Lucia Distel als zukünftige Schwiegertochter
vorgestellt. Er kann es kaum glauben, dass sein Sohn diese Frau heiraten will.
Nebel führt unterdessen seine Pläne aus. Um
Anton und Fanny auseinander zu bringen, erzählt Nebel, dass Fanny ihm nicht
treu sei. Anton kann es kaum glauben, deshalb lässt er sich im Nebenzimmer
verstecken, während Nebel und Fanny miteinander reden. Nebel erzählt
Fanny, dass sie so tun soll, als ob sie ihn liebt, weil hinter der Türe ihr
Vater wäre. Und wenn er das hört, so würde er besänftigt
werden und vielleicht doch in die Hochzeit von ihr und Anton einwilligen. Als
Anton hört, dass Fanny ihn nicht liebt, will er nichts mehr mit ihr zu tun
haben.
Das kommt Herrn von Fett nur recht. Der Marchese
Vincelli will nämlich, dass irgendwer Lucia heiratet, die er ja für
die Verlobte seines Sohnes hält. Herr von Fett sagt nun Anton, dass er die
Verlobte des Sohnes des Marchese Vincelli heiraten soll. Anton weiß ja,
dass Alfred der Sohn des Marchese Vincelli ist, deshalb erzählt er Ulrike
davon. Diese will das verhindern, deshalb lässt sie Alfreds Vater ein Bild
von ihr zukommen. Der Marchese Vincelli kann nicht verstehen, warum sein Sohn
nicht die hübsche Person auf dem Bild heiraten will.
Als Anton, Nebel, Alfred, der Marchese Vincelli und Herr
von Fett zusammentreffen, verplaudert sich Nebel. Anton weiß jetzt, dass
Fanny ihn liebt und will Nebel aus lauter Zorn erwürgen. Herr von Fett sagt
zu dem Marchese Vincelli, dass er seinen Sohn doch schützen soll, doch er
kennt sich überhaupt nicht aus. Alfred und sein Vater beginnen einen
Streit, bei dem sich klärt, dass Alfred Ulrike heiraten will und nicht
Lucia. So gibt der Marchese Vincelli seine Einwilligung zur Hochzeit. Auch Herr
von Fett erkennt jetzt, dass Alfred der Sohn des Marchese Vincelli ist, und
nicht Nebel. Ganz überraschend stimmt er dann doch der Hochzeit von Fanny
und Anton zu. So wendet sich also die Geschichte zum Guten. Nur Nebel geht leer
aus, denn auch Lucia will nichts mehr von ihm wissen.
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