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Electronic Cash und Kryptologie
Electronic Cash und Kryptologie
Vorwort
Die Bezahlung via Kreditkarte war im Internet bisher ein unsicheres
Unterfangen, denn es gab keine Sicherheit gegen unbefugtes Kopieren der
Kartennummer. Neue Verfahren sollen das Internet sicherer machen und damit das
virtuelle Kaufhaus beziehungsweise Electronic Cash überhaupt erst
ermöglichen.
Einkaufen und Bezahlen per Electronic Cash
Das Internet entwickelt sich immer stärker zu einem internationalen
Marktplatz, auf dem Dienstleistungen und Produkte rund um die Uhr und weltweit
erreichbar angeboten werden. Banken und Kaufhäuser entdecken nun auch das
Internet, Beispiele sind in den USA die Internet-Plaza, die Huntington
Bancshares Inc. oder die Security First Network Bank. Ein großer deutscher
Kaufhauskonzern will nun das erste virtuelle Kaufhaus eröffnen.
"Im Jahr 2000 werden im Internet und über Online-Dienste
weltweitFinanztransaktionen mit einem Volumen von mehr als 500 Mrd. Dollar ab
gewickelt", meint Günter Bröcking, Geschäftsführer des auf
Bankensoftware spezialisierten Softwareherstellers Management Data, eine
Tochtergesellschaft der Österreichischen Creditanstalt. In Deutschland
werden bei der Bayerischen Vereinsbank rund 60.000 Konten bereits online
geführt. Bisher konnten die Online-Konten nur über T-Online
geführt werden, weil nur dieses Medium die hohen Sicherheitsanforderungen
erfüllte. "Nun ist auch AOL soweit. Via PC können Vereinsbank-Kunden
weltweit zum Ortstarif ihren Kontostand abfragen, die Umsätze der letzten
90 Tage ansehen oder Überweisungen tätigen", erläutert
Vorstandsmitglied Dr. Stephan Schüller.
Im ersten Halbjahr 1997 sollen auch die notwendigen Sicherheitsstandards
für die Abwicklung von Bankgeschäften im Internet verfügbar sein.
"Schon heute bieten wir im Internet ein umfangreiches Angebot zu unseren
Produkten und Dienstleistungen. Immobilien-Interessenten finden nicht nur eine
Wohnung oder ein Haus nach ihren Vorstellungen. Sie können auch die
Finanzierung gleich berechnen lassen. Geldanleger finden interessante Produkte
mit aktuellen Konditionen und individuellen Renditeberechnungen.
Börsen-Einsteiger macht unser Börsensimulator fit für den
Aktienmarkt.
Man findet auch aktuelle Zahlen oder gar Stellenangebote unserer Bank", so
Schüller. Allein im September verzeichnete die Bank 380.000 Zugriffe auf
das Internet-Programm, im Juni waren es knapp 200.000. Die Tendenz ist weiterhin
stark steigend.
Rushhour auf dem Vereinsbank-Server ist montags bis freitags zwischen 10
und 16 Uhr. Die meisten Zugriffe werden daher während der Arbeitszeit vom
Büro aus getätigt. Das deutet zum einen darauf hin, daß die
Durchdringung der privaten Haushalte mit Online-Anschlüssen noch nicht so
hoch ist. Zum anderen beweist es, daß es sich nicht mehr nur
nachtschwärmende Surfer im Internet handelt, sondern auch der
Normalverbraucher immer mehr dieses Medium nutzt.
Allen diesen Anwendungen ist jedoch gemein, daß letztendlich
Güter bewegt werden, deren Bestellung und Bezahlung gegen kriminellen
Mißbrauch zu schützen ist. Und da das Internet per se offen und damit
von sich aus keine sicheren Transaktionen garantiert, müssen entsprechende
Sicherheitsmechanismen implementiert werden. Als einen Durchbruch für
Internet und Online-Banking stuft Bröcking daher die Vereinbarung zwischen
Master Card und Visa ein, einen gemeinsamen technischen Standard für die
Sicherheit von Online-Finanztransaktionen zu forcieren. Der "Druck zur Einigung"
sei im wesentlichen von Banken und Handelsketten in den USA ausgegangen, die die
Unterstützung zweier konkurrierender Standards abgelehnt hätten. Der
SET-Standard (Secure Electronic Transactions) basiert auf einer eigens
dafür entwickelten Verschlüsselungstechnologie von RSA Data Security.
Der RSA-Verschlüsselungsalgorithmus wurde bereits 1978 beschrieben. Er
beruht auf dem Problem der Faktorisierung großer Zahlen. Es ist zwar
relativ einfach, zwei Primzahlen aus mehr als hundert Dezimalstellen zu finden,
aber selbst Großrechner können in angemessener Zeit nicht aus dem
Produkt der Primzahlen die entsprechenden Faktoren errechnen. Das Produkt
großer Primzahlen läßt sich daher als öffentlicher
Schlüssel verwenden und die dazugehörige Faktorisierung als geheimer
Schlüssel.
Der Standard wird von führenden Softwareherstellern im Markt für
Finanzsoftware unterstützt. "Das elektronische Kaufhaus ist kein
Versandhandel im Internet, denn die Privatsphäre der Nutzer in
Online-Diensten erfordere den höchstmöglichen Schutz durch
Verschlüsselung", stellt RSA-Präsident Jim Bidzos fest.
Mitte Juli stellte Netscape in Zusammenarbeit mit RSA den ersten
Verschlüsselungsalgorithmus mit 128 bit Länge vor. Dieses Verfahren
ist auf grund amerikanischer Exportbestimmungen nur auf die USA beschränkt,
internationale Versionen des Netscape-Internet-Navigators werden mit einer
Schlüssellänge von "nur" 40 bit ausgeliefert. Je größer die
Schlüssellänge, umso höher der Rechenaufwand zum "Knacken" des
Codes. "Dieses höhere Sicherheitsniveau wird die Verbreitung des Internet
als Medium für Online-Geschäfte sicher beschleunigen", erwartet der
technische Leiter von Netscape, Marc Andreesen. Das Unternehmen will auch darauf
hinwirken, daß die US-Regierung ihre bisherige restriktive Haltung aufgibt
und Schlüssellängen oberhalb 40 bit auch für den Export freigibt.
"Das Interesse in 128 bit sowohl in den USA als auch international sollte
die US-Regierung dazu veranlassen, im Interesse stärkerer weltweiter
Konkurrenzfähigkeit amerikanischer Unternehmen sicherere Algorithmen in
Produkten wie dem Netscape Navigator exportieren zu dürfen", fordert
Marketingchef Mike Homer.
Mehr Sicherheit durch Verschlüsselung
Bei Bestellungen oder anderen Transaktionen im Internet kommt es darauf an,
daß der Empfänger verifizieren kann, ob der Absender echt ist und die
Informationen unterwegs nicht manipuliert wurden. Dies erreicht man mit Hilfe
digitaler Unterschriften. Bevor er eine Nachricht über das Netz sendet,
fügt der Absender eine kurze zusätzliche Datensequenz hinzu, die als
digitale Unterschrift bezeichnet wird. Anschließend wird die Nachricht mit
einem bestimmten Schlüssel chiffriert. Die so verschlüsselte Nachricht
wird gemeinsam mit der unverschlüsselten Nachricht an den Adressaten
übertragen, der die digitale Unterschrift mit seinem Schlüssel
dechiffriert und beide Versionen miteinander vergleicht.
Ergibt sich keine Übereinstimmung, so müssen die Daten als
verdächtig angesehen und zurückgewiesen werden. Entweder wurden an der
Datei Manipulationen vorgenommen, oder der echte Absender hat es versäumt,
die Unterschrift zu erzeugen. Eine einwandfreie Unterschrift dagegen ist ein
hinreichender Beleg dafür, daß die Daten nicht modifiziert wurden und
von der richtigen Quelle stammen.
Es gibt zwei Hauptgruppen kryptographischer Funktionen. Eine verwendet
einen einzigen Schlüssel für Ver- und Entschlüsselung
(SecretKey-Kryptographie), während die andere zwei Schlüssel benutzt
(PublicKey-Kryptographie). Bei der letzteren können Meldungen, die mit dem
einen Schlüssel chiffriert wurden, nur mit dem jeweils anderen wieder
entschlüsselt werden. Um die SecretKey-Kryptographie im Zusammenhang mit
digitalen Unterschriften effizient einsetzen zu können müßte der
Absender seinen privaten Schlüssel an jeden übergeben, mit dem er zu
kommunizieren beabsichtigt. Nun versteht es sich aber von selbst, daß man
einen privaten Schlüssel unmöglich an jeden Internet-Anbieter
übergeben kann. Bei der PublicKey-Kryptographie kann der Absender seinen
öffentlichen Schlüssel freizügig bekanntgeben und ihn sogar auf
seiner Visitenkarte abdrucken. Nur mit diesem Schlüssel lassen sich
Meldungen dechiffrieren, die zuvor mit dem privaten Schlüssel
verschlüsselt wurden. Da aber dieser private Schlüssel sicher auf
einem Datenträger (beispielsweise in der Smartcard) verwahrt und nicht
einmal dem Eigentümer bekannt ist, läßt sich die Echtheit der
digitalen Unterschrift und damit die des Absenders zweifelsfrei feststellen.
Um den komplexen Algorithmus für eine elektronische Unterschrift nur
auf möglichst wenige Daten anwenden zu müssen und somit Zeit zu
sparen, wird auf die zu unterschreibenden Daten zunächst ein sogenannter
Hash-Algorithmus angewendet, der die Daten im Umfang reduziert. Sie werden dann
mit dem privaten Schlüssel des Absenders "signiert". Signatur und Daten
werden zum Empfänger übertragen, dieser wendet auf die Daten den
Hash-Algorithmus an und dekodiert die Signatur mit dem öffentlichen
Schlüssel des Absenders. Sind die beiden so erhaltenen Werte gleich, ist
die Authentizität und Integrität der Daten sichergestellt. Die
Zertifizierung eines solchen öffentlichen Schlüssels, vergleichbar mit
einem Ausweis, fördert in Deutschland der 1989 gegründete Verein
Teletrust. Die Arbeitsgruppe Mailtrust will mit achtzehn Partnerfirmen und der
Telekom AG eine entsprechende Infrastruktur aufbauen. Anläßlich der
CeBIT `97 ist eine erste Vorführung geplant. "Im europäischen Rahmen
läuft bereits ein Projekt zur Sicherung von Transaktionen im Internet. Eine
oberste europäische Zertifizierungsinstanz wird mit unseren Techniken
arbeiten", so Teletrust-Vorsitzender Prof. Dr. Helmut Reimer. Diese
Aktivitäten dienen nicht zuletzt dem Zweck, die Abhängigkeit von
amerikanischer Technologie zu verringern.
Die Geschwindigkeit ist bei der Kryptographie selbstverständlich
wichtig, denn niemand möchte bei der Abwicklung seiner Transaktionen lange
Wartezeiten in Kauf nehmen. Ohne einen hardwaremäßigen
Krypto-Coprozessor könnte dieser Vorgang zehn Sekunden oder länger
dauern. Netscape beispielsweise will hardwaregestützte Sicherheitsverfahren
in die Browser integrieren. Dieser Meinung ist auch Robert Schneider, Chef der
deutschen Chipkarten-Firma SCM Microsystems. "Cybercash und andere
Software-gestützte Verfahren haben Sicherheitslücken, da eine
Authentifizierung des Benutzers nicht vorgesehen ist. Besser sind
Hardware-gestützte Verfahren auf PCMCIA-Basis (PC-Cards) oder Smartcards".
Für PCMCIA (spezielle Schnittstelle für Zusatzkarten vorwiegend in
Notebook-Rechnern) spreche der hohe Datentransfer.
Ein wesentlicher Vorteil des PC-Card-Formats ist die große
Verbreitung von PCMCIA-Slots, die 1995 bereits in über 10 Millionen
Systemen installiert waren. Die meisten Notebook-PCs verfügen über
mindestens einen PCMCIA-Steckplatz vom Typ II. Zudem gehört diese
Technologie bereits zur Standardausstattung in vielen neuen Desktop-PCs, und
ältere PCs können problemlos mit einem Adapter-Kit aufgerüstet
werden.
Smartcards mit Kryptoprozessor
Smartcards sind kreditkartengroße Plastikkarten, die einen
Mikrocontroller zur Verwaltung und Speicherung der Daten enthalten. Nachteil
gegenüber PC-Cards sind die relativ geringe Datenrate und Rechenleistung
sowie das spezielle Lesegerät. Dennoch, diese intelligenten Chipkarten
lassen sich mit PC-Cards kombinieren und haben sich bereits in puncto
Datensicherheit gegenüber Kredit, Scheck und Bankkarten-Magnetstreifen
bewährt. Statistiken der "Cartes Bancaires" zeigen, daß die
französischen Banken beispielsweise den Betrugsanteil von 0,3 Prozent des
gesamten Transaktionswertes auf 0,04 Prozent seit der weitgestreuten
Einführung der Smartcard senkten.
Die Smartcard-Technologie wurde bereits Mitte der siebziger Jahre
entwickelt, ihre große Verbreitung begann jedoch erst Mitte der Achtziger
in den Bereichen Gesundheitswesen, Personentransport und elektronischer
Geldverkehr. Verschiedene Faktoren sprechen laut Schneider für die schnelle
Verbreitung der Smartcards in Europa: mehr Sicherheitsfunktionen bei zunehmender
Anzahl von Ferntransaktionen, Mißbrauch duch mangelnde Sicherheit bei
Magnetstreifenkarten sowie sinkende Herstellungskosten für Smartcards. In
Europa werden bereits landesweite Programme, die auf der Smartcard-Technologie
basieren, eingeführt. Ein Beispiel ist die Krankenversicherungkarte
für alle 80 Millionen Versicherten in Deutschland. Ähnliche
Überlegungen gibt es auch in anderen europäischen Ländern.
Smartcards sind daher mit 37 Prozent jährlich das am stärksten
wachsende Marktsegment für Mikrochips. Übereinstimmend erwarten die
Chiphersteller Motorola und Siemens bis zur Jahrtausendwende ein Volumen von 1,5
Mrd. Mark weltweit. So will Motorola laut Allan Hughes, weltweitverantwortlich
für dieses Geschäft, ab dem Jahr 2000 durchschnittlich 10 Millionen
Smartcard-Mikrocontroller pro Woche überwiegend in Großbritannien
produzieren.
"Smart Cards stellen ein ideales Medium zur Speicherung des
öffentlichen/privaten Schlüssels für Sicherheitslösungen auf
Basis von RSA dar", erläutert Schneider. Die derzeitige dynamische
Entwicklung des Internet und der wachsende Bedarf an sicheren Transaktionen habe
neue Einsatzbereiche geschaffen, insbesondere für die Vergabe von
Zugriffsrechten und die Abrechnung. Die Smartcards könnten mit Merkmalen
wie der elektronischen Unterschrift und Verschlüsselung dazu beitragen, die
Transaktionen zwischen Verbrauchern und Banken, dem Einzelhandel und
Dienstleistern sicherer zu gestalten.
Die im Oktober `96 vorgestellten sogenannten "FastCrypto"-Chips von
Motorola sind in der Lage, komplexe Verschlüsselungsfunktionen bis zu 200
mal schneller auszuführen als konventionelle Smartcard-Chips. Laut Mike
Inglis, Worldwide Smartcard Operations Manager bei Motorola, eignen sich die
FastCrypto-Chips für den Einsatz in Smartcards, die sowohl eine hohe
Verschlüsselungsgeschwindigkeit als auch ein hohes Maß an
Datensicherheit verlangen. Anwendungen sind daher die "elektronische
Geldbörse" sowie elektronische Handelskonzepte. Bei den Chips können
"Public Key"-Kryptographietechniken angewandt werden, die als die sicherste
Verschlüsselungsmethode anerkannt sind.
Als einer der führenden Anbieter von Smartcard-Lösungen hat die
Firma Schlumberger die FastCrypto-Chips für die Smartcards der
"Cryptoflex"Reihe ausgewählt. In diesen Karten verarbeiten die
FastCrypto-Chips den RSA-Algorithmus, der bei der
"PublicKey"-Verschlüsselungsmethode den neuesten Stand der Technik
darstellt. Jerome Traisnel, Marketing Director bei der Smartcard Division von
Schlumberger, bezeichnet die Produkte der "Cryptoflex"Reihe als die "sichersten
Smartcards im heutigen Angebot". Nach seinen Worten sind sie für
Applikationen geeignet, die eine sichere Informationsübertragung über
Datennetzwerke erfordern, wie beim elektronischen Handel, elektronischen
Banktransaktionen, EMail und Werksschutz.
Die beiden neuen FastCrypto-Chips SC49A und SC50 sind mit einem 8bit
Mikrocontroller, einem modularen arithmetischen Coprozessor in 1024 Bit
Technik,20 KB ROM,4 KB EEPROM und 896 Bytes RAM ausgestattet. Die modulare 1024
Bit-Verschlüsselungseinheit kann auch 512 und 786 Bit-Schlüssel
effizient verarbeiten. Die neuen Chips ermöglichen darüber hinaus die
Entwicklung von Multifunktions-Smartcards, da zum Beispiel der 8 KB große
EEPROM-Speicher (Electrically Erasable Programmable Read Only Memory) beim SC50
für mehr als nur eine Applikation genutzt werden kann. So ist eine einzige
Smartcard als Kredit und Guthabenkarte, elektronische Geldbörse und
Kundenkarte einsetzbar.
Elektronisches Geld auf der Chipkarte
Neben dem Internet als elektronischem Marktplatz gibt es bereits zahlreiche
andere Beispiele für sogenannte ElectronicPurse-Systeme (elektronische
Geldbörse) in Europa. Im Feldversuch "Electronic Purse" von Danmont in
Dänemark wurde eine landesweit nutzbare PrepaidCard (Karte, auf der ein
Guthaben gespeichert ist) eingesetzt, die von öffentlichen Telefonen,
Verkaufsautomaten, Waschsalons und Parkuhren akzeptiert wird. Das Projekt war
nach Startschwierigkeiten erfolgreich, obwohl es sich um ein hoch komplexes
offenes System handelt, da die Karte eines Anbieters von jedem Reader-System bei
anderen Anbietern akzeptiert werden muß.
MONDEX in Großbritannien ist das bisher wahrscheinlich erfolgreichste
Electronic-PurseSystem. Seit 1995 erhalten Verbraucher PrepaidCards, die als
Bargeldersatz für Transaktionen jeder Höhe verwendet werden
können. Die MONDEX Card wird im Einzelhandel und bei Dienstleistern
akzeptiert und eignet sich auch für Transaktionen zwischen Privatpersonen.
Das Guthaben auf der Karte kann mit Hilfe speziell angepaßter
Geldautomaten, die mit dem MONDEX Symbol gekennzeichnet sind, wieder
aufgefüllt werden (zu dem gibt es für diesen Zweck einen neu
entwickelten Telefonautomaten). Das MONDEX System wurde für den
internationalen Einsatz konzipiert und kann bis zu fünf verschiedene
Währungen auf einer Karte speichern. Die Benutzerführung für
Transaktionen erfolgt zudem mit Hilfe von Symbolen, so daß keine Probleme
durch Sprachbarrieren entstehen.
Mastercard, VISA und Europay International entwickeln seit kurzem gemeinsam
ein offenes System für den Einsatz von Smart Cards im elektronischen
Handel. Im Rahmen ihrer Initiative EUROPAY planen Sie die Entwicklung eines
kombinierten Electronic Purse/Kreditkartensystems, das Interoperabilität
und Sicherheit im internationalen Einsatz ermöglicht. Der Sicherheitsaspekt
steht im Vordergrund und wird von den meisten Unternehmen derzeit als
größte Hürde für die Implementierung des elektronischen
Handels angesehen. Die Zukunftspläne verschiedener Branchenexperten
basieren jedoch auf den kryptographischen Möglichkeiten von Smart Cards.
Abgesehen von diesen Projekten erfreuen sich ElectronicPurse-Systeme seit
ihrer Einführung wachsender Beliebtheit in Europa. Auch in den USA wird
für das nächste Jahr ein rapider Anstieg der Nachfrage erwartet.
"Für das Jahr 2000 liegt der geschätzte Anteil dieser Systeme an allen
finanziellen Transaktionen bei 16 Prozent, das entspricht einem Volumen von 1,7
Milliarden Dollar", erläutert Robert Schneider von SCM. "Die
Einführung von Multifunktionskarten für verschiedene Einsatzbereiche
(verschiedene Anwendungen, die auf einer einzelnen Smart Card unter einem
einheitlichen Betriebssystem laufen) werden die Nachfrage nach Smart Cards
zusätzlich erhöhen".
Sicherheitpaket für das Internet
Das Internet wird sicherer, so sicher, daß Handel und Geldwirtschaft
dieses effektive Kommunikationsnetz nutzen können, um Geschäfte und
Transaktionen abzuwickeln. Diese Meinung vertritt die deutsche Tochter der
israelischen Firma AR Algorithmic Research (Dietzenbach).
Das neue Gesamtpaket ARISF (AR Internet Security Framework) ist jetzt
für alle gängigen Computersysteme verfügbar und enthält
Sicherheits-Soft und Hardware, die Handelsunternehmen oder Banken ihren Kunden
zur Verfügung stellen können. Unverfälschbare digitale
Unterschrift, sichere Internet TCP/IP-Kommunikation und einfache
Datenhandhabung, bei der ein Nutzer sich nicht weiter um die
Verschlüsselung und Datensicherheit kümmern muß, sind wichtige
Eigenschaften des Sicherheitspaketes. Hardwaremodule tragen dazu bei, das
erforderliche hohe Sicherheitsniveau zu erreichen.
Die Anwendung beim Endkunden ist verfügbar auf allen gängigen
Plattformen (einschließlich Windows 3.x). Eingesetzt werden kann das
System ohne weitere Anpassungen mit jedem Standard-Internet-Browser oder anderen
TCP/IP-Anwendungen des Internets.
Für den Serviceanbieter werden Filter und andere Funktionen
bereitgestellt, wodurch sowohl Authentifizierung wie verschlüsselte
Kommunikation mit dem System ermöglicht werden. Bestellformulare,
Überweisungen o.ä. können digital unterschrieben werden. So
entsteht die Möglichkeit, mit Hilfe von WWW Internet-Anwendungen sichere
Dienstleistungen wie Home Banking bereitzustellen. Für den Anbieter
enthält das Paket ein Managementsystem zum Aufbau einer Infrastruktur
für das Public/PrivateKey-Verfahren und die Zertifizierung von
elektronischen Schlüsseln nach dem X.509-Standard.
Kryptographische Server im Unternehmen sowie eine preisgünstige
Lösung mit RSA-Chipkarten oder RSA-Standalone-Prozessoren beim Endanwender
bilden den HardwareTeil des Sicherheitskonzeptes. Für das zentrale System,
bei dem sowohl Sicherheit als auch Performance für den Einsatz entscheidend
sind, wird ein kryptographischer Hochsicherheits-Server angeboten, der
physikalisch und logisch abgesichert ist.
Sicherheit bei Electronic Cash
Das Transaktionsprotokoll muß zeigen, daß Sicherheit auf
höchster Stufe erreicht wird, indem höchstentwickelte
Verschlüsselungstechniken - z.B. die RSA-Verschlüsselung - zur
Anwendung kommen.
Dem User muß versichert werden, daß seine elektronischen Token
und sein Speichergerät nicht leicht gefälscht oder verändert
werden können. Wenn kriminelle Aktivitäten erfolgen, so sollte es
sofort zur Inspektion der Token oder der verwendeten Speichermedien kommen. Der
Austausch elektronischer Token erfordert, daß der Empfänger (z.B. der
Händler) ein Zertifikat über die Authentizität der Token bekommt.
Die Authentifikation kann durch eine dritte Partei (Bank) oder wechselseitig
durch die miteinander korrespondierenden Parteien nachgewiesen werden. Der User
muß auch imstande sein, zu verifizieren, daß der Austausch zwischen
den erwünschten Parteien tatsächlich erfolgt ist.
Die empfangene und bezahlte Information muß unwiderlegbar sein,
unabhängig von jeglichen Komplikationen, die durch die Lieferung von
Diensten über längere Zeitspannen entstehen, sei es durch
Unterbrechungen des Dienstes oder durch momentane Differenzen aufgrund von
unterschiedlichen Verrechnungsmethoden verschiedenster Firmen. Alle
Sicherheitsanforderungen sollen für jede Partei garantiert sein, ohne
daß eine Partei einer anderen vertrauen muß.
Zuverlässigkeit bei Electronic Cash
Die den Geldaustausch unterstützende Infrastruktur muß
zuverlässig sein. Wann auch immer der User eine Transaktion
durchführen will, muß das System verfügbar sein.Dem User
muß garantiert werden, daß das System trotz Komponentenfehler oder
Hochlast zuverlässig die geforderten Dienste erbringt.
Durch die zunehmende Häufigkeit der Abwicklung von Geschäften via
Internet gerät die Wirtschaft in hohe Abhängigkeit von der
Verfügbarkeit des Systems.Wiederum sei erwähnt, daß ein System
fehlerhaft sein oder zur Zielscheibe für Angriffe werden kann. Der Schaden,
der durch einen Angriff, durch einen Design-Fehler, durch einen
Implementierungsfehler, durch einen temporären Fehler etc. entstehen
könnte, hätte katastrophale Auswirkungen für die
Netzwerkinfrastruktur. Aus diesem Grund muß jene Infrastruktur ein hohes
Maß an Verfügbarkeit repräsentieren und auftretende Fehler durch
Fehlertoleranz transparent machen. Darunter versteht man z.B., daß bei
einem Fehler an einem Server ein anderer Server seine Aufgabe übernimmt.
Dem User wird aber dieser Fehler nicht präsentiert.
Das Sicherheitsproblem der Secret-Key-Svsteme bei Smart-Cards
Secret-Key Bezahlungssysteme sind trivial. Da gibt es nur einen
Schlüssel, den sogenannten Master-Schlüssel (master key), der
über das gesamte System verteilt wird. Die Smart-Card des Käufers
produziert eine Unterschrift auf die Transaktionsdaten durch Verwendung des
Master-Schlüssels. Die Unterschrift wird vom Terminal des Händlers
verifiziert, indem der MasterSchlüssel verwendet wird. Die Sicherheit baut
vollständig auf der strengen Vertraulichkeit des Master-Schlüssels
auf. Da der Schlüssel auf das gesamte System verteilt wird, ist es sehr
schwierig, diesen geheimzuhalten. Somit sind jene Systeme nicht für
große, offene, verteilte Systeme geeignet. Die Sicherheit von
Secret-Key--Systemen kann durch unterschiedliche Schlüssel erreicht werden.
In jenen Systemen wird der Master-Schlüssel durch eindeutige geheime
Schlüssel in der SmartCard ersetzt, die mit Hilfe der eindeutigen
Smart-Card-Identifikationsnummer aufgebaut werden. Zur Verifikation von
Unterschriften, die durch einen geheimen, kartenspezifischen Schlüssel
geschaffen wurden, braucht das Terminal des Händlers auf jeden Fall den
Master-Schlüssel. Aus Effizienzgründen wird keine Liste von
kartenspezifischen Schlüsseln gehalten, sondern das Terminal hält nur
den Master-Schlüssel. Der Prozeß des Händlers nimmt den
Master-Schlüssel und entwickelt den kartenspezifischen Schlüssel aus
der Smart-Card-ID-Nummer des Users so wie der User es schon zuvor machte.
Dieses System ist etwas sicherer als das Basissystem, weil die geschaffenen
Unterschriften über den kartenspezifischen Schlüssel entstanden sind.
Wenn der Mißbrauch des Schlüssels erkannt wird, erfolgt ein
Ausschluß (der User wird auf eine schwarze Liste gesetzt). Der
MasterSchlüssel ist weniger weit über das System verbreitet. Doch das
ganze System ist gefährdet, wenn der Master-Schlüssel gestohlen wird.
Dann könnte etwa der User Geld selbst produzieren. Er hat den
Master-Schlüssel der Bank und kann jetzt selbst unterschreiben. Seine
Unterschrift ist von jener der Bank nicht mehr unterscheidbar. Und der
Master-Schlüssel ist immer noch auf allen Terminals der Service-Provider
vorhanden. Dieses Problem überwindet man durch Public-Key-Systeme. Hier
hält jedes Terminal einen öffentlichen Verifikationsschlüssel, um
die digitalen Unterschriften der Karte zu überprüfen. Mit dem
öffentlichen Schlüssel können die Anwender aber keine
Unterschrift leisten.
CyberCash
Die Firma CyberCash Inc. in Reston (Virginia) wurde im August 1994 von Bill
Melton, Steve Crocker und Donald Eastlake gegründet und ermöglicht die
kreditkartenbasierende Bezahlung am Internet (Beginn: 12 Dezember 1994).
Das sichere Internet Payment Service veranlaßt den Kunden zur
Kontoeröffnung auf einem CyberCash-Server, von dem aus die
Geldtransaktionen via Kreditkarte oder über das Bankkonto erfolgen. Es ist
ein auf Windows basierendes System. Auch soll es Mac- bzw. Unix-Versionen geben.
Konsumenten mit einem Personal-Computer, einem Internet-Browser und einen
Netzanschluß sind in der Lage, sichere Bezahlungen durchzuführen. Es
verwendet laut den Herausgebern zwei verschiedene Verschlüsselungssysteme
(RSA: 768 BIT Schlüssellänge, DES: 56 BIT Schlüssellänge).
Die Transaktionen werden durch digitale Unterschriften (RSA)
authentifiziert und durch den DES-Algorithmus verschlüsselt. CyberCash ist
ebenfalls ein experimentelles Cash-System und zusätzlich noch ein
kreditbasierendes System. Im E-Cash-System bauen die User ein Konto mit der Bank
auf. Dann verwenden Sie eine Software, die von CyberCash gratis zur
Verfügung gestellt wird. Am Ende des Tages wird CyberCash alle E-Cash
Transaktionen einlösen. Die E-Cash-Kontostände werden in Dollar
konvertiert. Das CyberCash-System operiert auf der Spitze jedes allgemeinen
Sicherheitssystems (wie es etwa das sichere HTTP ist) und verwendet RSA und DES
Sicherheitstandards für die Verschlüsselung.
Beim Kauf werden die Kreditkartendaten verschlüsselt und elektronisch
unterschrieben zum Händler transferiert. Der Händler
entschlüsselt die Daten nicht. Statt dessen fügt er weitere
Informationen (u.a. Zahlungsbetrag) zur Datenstruktur hinzu und
überträgt die Daten an den CyberCash-Server. Nach
Überprüfung der Unterschrift wird die Kartennummer in das
Kreditkarten-Netzwerk übertragen.
PGP, eine Übersicht
Pretty Good(tm) Privacy (PGP), von Philip Zimmermann`s Pretty Good Software
ist eine hochsichere kryptografische Software für MSDOS, Unix, VAX/VMS und
andere Computer. PGP erlaubt es, geheime Dateien oder Nachrichten bequem und mit
Authentizität auszutauschen. Geheim bedeutet, nur die Personen, die eine
Nachricht lesen sollen, können sie auch lesen. Authentizität bedeutet,
wenn eine Nachricht von einer bestimmten Person zu kommen scheint, kann sie nur
von dieser Person kommen. Bequem heißt, Sicherheit und Authentizität
ohne die Schwierigkeiten wie z.B. der Schlüsselverwaltung
herkömmlicher kryptografischer Programme. Es werden keine `sicheren`
Kanäle benötigt, um die Schlüssel auszutauschen, und dies macht
PGP wesentlich einfacher in der Benutzung. Dies kommt daher, das PGP auf einer
neuen Technologie basiert, die RSA-Verschlüsselung heißt. PGP
kombiniert die Bequemlichkeit des Rivest-Shamir-Adleman (RSA) Kryptosystems mit
der Geschwindigkeit herkömmlicher Verschlüsselungsmethoden, digitalen
Unterschriften, Datenkompression vor der Verschlüsselung, gute Ergonomie
und hervorragende Schlüsselverwaltung. Und PGP führt die
RSA-Funktionen schneller durch als die meisten anderen Software-Lösungen.
PGP ist RSA-Verschlüsselung für Jedermann. PGP stellt keine
eingebauten Modem-Funktionen zur Verfügung. Sie müssen eine eigene
Software dafür benutzen.
Wozu PGP
Es ist persönlich. Es ist privat. Und es geht niemanden außer
Sie etwas an. Vielleicht planen Sie eine politische Kampagne, ihre Steuern oder
eine unerlaubte Affäre. Oder vielleicht tun Sie etwas, von dem Sie denken
das es nicht illegal sein sollte, aber es ist. Wasauchimmer es ist, Sie wollen
nicht, das ihre private elektronische Post (E-mail) oder ihre vertraulichen
Dokumente von irgend jemand anders gelesen werden. Es ist nichts falsch daran,
Privatsphäre zu verlangen. Vielleicht denken Sie, ihre E-mail ist legitim
genug um ohne Verschlüsselung auszukommen. Wenn Sie ein so gesetzestreuer
Bürger sind, der nichts zu verstecken hat, warum schreiben Sie ihre Briefe
nicht auf Postkarten ? Warum verweigern Sie einen Drogentest wenn er verlangt
wird ? Warum verlangen Sie einen Durchsuchungsbefehl wenn die Polizei vor der
Tür steht ? Versuchen Sie etwas zu verstecken ? Sie müssen ein
Drogendealer sein, wenn Sie ihre Post in Umschlägen verstecken. Müssen
gesetzestreue Bürger ihre E-mail verschlüsseln ?
Was, wenn jeder glauben würde, gesetzestreue Bürger
müßten Postkarten für ihre Post benutzen ? Wenn irgendjemand
seine Privatsphäre gelten machen und seine Post in Umschläge stecken
würde, würde das sofort Verdacht erregen. Vielleicht würden die
Behörden seine Umschläge öffnen um zu sehen was er versteckt.
Glücklicherweise leben wir nicht in einer solchen Welt, weil jeder seine
meiste Post mit Umschlägen schützt. So erregt niemand Verdacht, wenn
er seine Privatsphäre mit Umschlägen geltend macht. Analog dazu
wäre es schön, wenn jeder, unschuldig oder nicht, seine E-mail
verschlüsseln würde, denn dann würde niemand Verdacht erregen,
wenn er seine private E-mail mit (Verschlüsselungs-) Umschlägen
schützt. Sehen Sie es als eine Form der Solidarität.
Wenn die Regierung heute die Privatsphäre von normalen Leuten
verletzen will, muß sie eine ganze Menge Geld ausgeben und Aufwand treiben
um die Post abzufangen, mit Dampf zu öffnen und zu lesen, oder um
Telefongespräche mitzuhören oder aufzuzeichnen. Diese Art
aufwandsintensive Beobachtung ist im großen Stile unpraktikabel. Sie wird
nur in wichtigen Fällen betrieben, wenn es lohnend erscheint. Mehr und mehr
unserer privaten Kommunikation geht durch elektronische Kanäle. E-mail
ersetzt immer mehr die Briefpost. Aber E-mail-Nachrichten sind zu einfach
abzufangen und nach interessanten Stichwörtern zu durchsuchen. Das kann im
großen Stile sehr einfach, routinemäßig, automatisch und
unerkennbar gemacht werden. Internationale Kabelnetze werden jetzt schon von der
NSA (National Security Agency/USA- Behörde) im großen Stile gescannt.
Wir gehen auf eine Zukunft zu, in der die Welt überzogen sein wird von
hochkapazitiven Fiber-optischen Netzwerken die unsere allgegenwärtigen
Personalcomputer verbinden. E-mail wird die Norm sein, nicht die Neuigkeit, die
sie heute ist. Die Regierung wird unsere E-mail mit
Verschlüsselungsprotokollen sichern, die von der Regierung geschaffen
wurden. Die meisten Menschen werden damit zufrieden sein. Aber vielleicht werden
einige ihre eigenen Sicherheitsmaßstäbe setzen.
Die US-Senatsverordnung 266 beinhaltet eine sehr störende Resolution.
Wenn diese nicht bindende Erklärung Realität geworden wäre,
wären Hersteller von sicheren Kommunikationsmitteln dazu verpflichtet
gewesen, spezielle `Falltüren` in ihre Produkte einzubauen, damit die
Regierung jedermannes verschlüsselte Nachrichten lesen kann. Sie lautete:
`Es liegt im Sinne des Kongresses, das Anbieter von elektronischen
Kommunikationsservice und Hersteller von elektronischen Kommunikationsmitteln
sicherstellen müssen, daß die Regierung unverschlüsselte Inhalte
von Sprache, Daten und andere Kommunikationswegen erhalten kann, wenn das Gesetz
es erfordert.` Diese Maßnahme wurde aber nach rigorosen Protesten von
ziviler und industrieller Seite nicht Gesetz.
1992 wurde das `FBI Digital Telephony wiretap proposal` im US-Kongreß
vorgestellt. Alle Hersteller von Kommunikations-Equipment sollten spezielle
`Abhörports` in ihre Geräte einbauen, was es dem FBI möglich
machen sollte, alle Formen elektronischer Kommunikation vom Büro aus
abhören zu können. Obwohl es 1992 wegen Ablehnung durch die
Bürger niemals Unterstützung fand, wurde es 1994 wieder vorgeschlagen.
Das größte Alarmzeichen ist aber die neue
Verschlüsselungs-Politik des Weißen Hauses, die schon seit dem Beginn
der Bush-Zeit von der NSA entwickelt und am 16.April 1993 bekannt wurde. Das
Herzstück dieser Politik ist ein von der Regierung gebautes
Verschlüsselungs-Gerät, der `Clipper`-Chip, welcher einen neuen, von
der NSA entwickelten geheimen Verschlüsselungsalgorithmus trägt. Die
Regierung fordert die Privatindustrie auf, den Chip in ihre sicheren
Kommunikationsgeräte einzubauen, wie verschlüsseltes Telefon, FAX,
usw. AT&T baut den Clipper schon in seine `secure voice`-Produkte ein. Das
Problem: In der Produktion bekommt jeder Chip seinen einzigartigen
Schlüssel und die Regierung erhält eine Kopie dieses Schlüssels.
Keine Problem soweit, die Regierung verspricht, den Schlüssel nur zu
benutzen um Ihre geheimen Nachrichten zu lesen, wenn sie durch das Gesetz dazu
autorisiert wird. Aber natürlich, um Clipper erst effektiv zu machen
wäre der nächste logische Schritt, alle anderen Formen der
Kryptografie zu illegalisieren.
Wenn Privatsphäre illegal ist, werden nur Illegale Privatsphäre
haben. Geheimdienste haben Zugang zu guter kryptografischer Technologie.
Waffenhändler und Drogendealer ebenfalls. Ölfirmen und andere
große Konzerne ebenfalls. Nur die normalen Leute und kleine politische
Organisationen hatten bis jetzt keinen Zugriff auf kryptografische Technologie
mit `militärischer Sicherheit`. Bis jetzt. PGP fordert die Menschen dazu
auf, ihre Privatsphäre in die eigenen Hände zu nehmen. Dafür ist
ein wachsender sozialer Bedarf vorhanden.
Die USA betrachten RSA-Verschlüsselungssysteme als Waffen (RSA-Systeme
wurden für den militärischen Einsatz entwickelt) und erlauben deren
Export nicht. Frankreich und Rußland verbieten den Einsatz solcher Systeme
durch nichtmilitärische Einrichtungen. Zum Beispiel haben anonyme Systeme
und unauffindbares digitales Cash einige offensichtliche Bedeutungen für
das Arrangieren von "verschlüsselten" Mordverträgen und
ähnliches. Militärische Anleitungen für Bombenbauer und für
Waffen können anonym verschlüsselt werden und gegen Digitalgeld
jenseits der Reichweite verschiedener Regierungen verkauft werden. Die
Verbreitung massiver rassistischer und nationalsozialistischer Propaganda durch
RSA-Krypto-Systeme ist ebenso denkbar.
Die Funktionsweise von PGP
Zuerst, einige elementare Terminologien. Nehmen wir an, ich will ihnen eine
Nachricht schicken, aber ich will, das niemand außer ihnen Sie lesen kann.
Ich kann die Nachricht `verschlüsseln`, was bedeutet, ich zerwürfle
sie auf eine hoffnungslos komplizierte Art, sodaß niemand außer
ihnen in der Lage ist, sie zu lesen. Ich benutze einen kryptografischen
`Schlüssel` um die Nachricht zu verschlüsseln und Sie müssen den
selben Schlüssel verwenden um die Nachricht wieder zu entschlüsseln.
So funktioniert es jedenfalls auf die herkömmliche Weise in
`Ein-Schlüssel`-Kryptosystemen.
In herkömmlichen Kryptosystemen, wie z.B. dem `US Federal Data
Encryption Standard (DES)` wird ein einzelner Schlüssel für Ver- und
Entschlüsselung benutzt. Das bedeutet, der Schlüssel muß zuerst
über sichere Kanäle übertragen werden, sodaß beide Seiten
ihn kennen, bevor verschlüsselte Nachrichten über `unsichere`
Kanäle übertragen werden können. Das hört sich sinnlos an.
Wenn ich einen sicheren Kanal habe, um den Schlüssel zu übertragen,
wozu brauche ich dann Verschlüsselung ?
In RSA-Kryptosystemen hat jeder zwei Schlüssel, die zueinander
komplementär sind, einen öffentlich bekannten und einen geheimen (Auch
oft Privatschlüssel genannt). Jeder Schlüssel öffnet den Code,
den der andere erzeugt. Den öffentlichen Schlüssel zu kennen hilft
ihnen nicht, den zugehörigen geheimen zu erzeugen. Der öffentliche
Schlüssel kann weit über ein Kommunikations-Netz verbreitet sein.
Dieses Protokoll erzeugt Privatsphäre ohne die sicheren Kanäle zu
brauchen, die für konventionelle Kryptosysteme benötigt werden.
Jeder kann den öffentlichen Schlüssel des Empfängers
benutzen, um eine Nachricht für ihn zu verschlüsseln, und dieser
benutzt seinen geheimen, um sie wieder zu entschlüsseln. Niemand
außer ihm kann die Nachricht entschlüsseln, weil niemand außer
ihm Zugriff auf den geheimen Schlüssel hat. Nicht einmal die Person welche
die Nachricht verschlüsselt hat, kann sie entschlüsseln.
Authentifikation einer Nachricht ist auch möglich. Der geheime
Schlüssel des Absenders kann benutzt werden, um eine Nachricht zu
verschlüsseln, sie zu `unterschreiben`. Das erzeugt eine digitale
Unterschrift der Nachricht, welche der Empfänger (oder jeder andere)
überprüfen kann, indem er den öffentlichen Schlüssel
benutzt, um sie zu entschlüsseln. Dies beweist, das der Absender wirklich
der wahre Erzeuger der Nachricht ist und das die Nachricht nicht von jemand
anders verändert wurde, weil nur der Absender den geheimen Schlüssel
besitzt, der die Unterschrift erzeugte. Eine Fälschung der Unterschrift ist
unmöglich und der Absender kann seine Unterschrift später nicht
leugnen.
Diese beiden Prozesse können kombiniert werden, um Geheimhaltung und
Authentizität zu gewährleisten, indem Sie zuerst ihre Nachricht mit
ihrem geheimen Schlüssel unterschreiben und dann mit dem öffentlichen
Schlüssel des Empfängers verschlüsseln. Der Empfänger kehrt
dieses Schema um, indem er zuerst die Nachricht mit seinem geheimen
Schlüssel entschlüsselt und dann ihre Unterschrift mit ihrem
öffentlichen Schlüssel prüft. Diese Schritte werden vom Programm
automatisch ausgeführt.
Weil die RSA-Verschlüsselung wesentlich langsamer ist als
konventionelle Methoden, ist es besser, ein schnelleres, hochsicheres
konventionelles Verfahren zu verwenden, um den Text zu verschlüsseln.
Dieser originale unverschlüsselte Text wird `einfacher Text` genannt. In
einem für den Benutzer unsichtbarem Prozess wird zuerst ein einmaliger
Zufallschlüssel erzeugt, mit dem der Text dann auf konventionelle Weise
verschlüsselt wird. Der Zufallsschlüssel wird jeweils nur ein einziges
Mal verwendet. Dann wird dieser Zufallschlüssel mit dem öffentlichen
Schlüssel des Empfängers verschlüsselt und mit der Nachricht zu
ihm geschickt. Er entschlüsselt ihn mit seinem geheimen Schlüssel und
benutzt ihn, um ihre Nachricht wieder mit den schnellen konventionellen Methoden
zu entschlüsseln.
Öffentliche Schlüssel werden in individuellen
`Schlüssel-Zertifikaten` aufbewahrt, welche die `User ID` (der Name des
Benutzers), die Entstehungszeit des Schlüssels und das eigentliche
`Schlüsselmaterial` enthalten. Öffentliche Schlüsselzertifikate
enthalten öffentliche Schlüssel, während geheime
Schlüsselzertifikate geheime Schlüssel enthalten. Jeder geheime
Schlüssel ist nochmal mit einem Passwort verschlüsselt, um ihn zu
schützen, sollte er gestohlen werden. Eine Schlüsseldatei, oder
`Schlüsselbund` enthält ein oder mehrere dieser
Schlüsselzertifikate. Öffentliche und geheime Schlüssel werden in
getrennten Schlüsselbunden aufbewahrt.
Die Schlüssel werden intern auch mit einer `Key ID` referenziert,
welche eine `Abkürzung` (die untersten 64 Bit) des öffentlichen
Schlüssels ist. Wenn diese Key ID angezeigt wird, sehen Sie aber nur 32
Bit, um noch weiter abzukürzen. Viele Schlüssel können die
gleiche User ID haben, aber in der Praxis haben keine zwei Schlüssel die
gleiche Key ID. PGP benutzt `Nachrichten-Extrakte` um Unterschriften zu
erzeugen. Ein Nachrichtenextrakt ist eine 128 Bit lange kryptografisch sehr
starke Hash-Funktion. Es funktioniert etwa wie eine Checksumme oder CRC, indem
es die Nachricht in kompakter Form `repräsentiert` und dazu benutzt wird,
um Veränderungen in der Nachricht zu entdecken. Aber im Gegensatz zu einer
CRC ist es für einen Angreifer praktisch unmöglich, eine Nachricht zu
erzeugen, aus der das gleiche Nachrichtenextrakt entsteht. Dieser
Nachrichtenextrakt wird mit dem geheimen Schlüssel des Absenders
verschlüsselt um eine digitale Unterschrift zu erzeugen.
Dokumente werden unterschrieben, indem ihnen ein Unterschriftszertifikat
vorangestellt wird, welches die Key ID des Schlüssels enthält, mit
welchem sie unterschrieben wurde, das verschlüsselte Nachrichtenextrakt und
eine Zeitmarke, mit der festgestellt werden kann, wann die Unterschrift erzeugt
wurde. Die Key ID wird vom Empfänger benutzt, um den zum
Überprüfen nötigen öffentlichen Schlüssel zu finden.
Das Programm des Empfängers sucht automatisch die zur Key ID passende User
ID und den Schlüssel im öffentlichen Schlüsselbund.
Verschlüsselten Dateien wird die Key ID des öffentlichen
Schlüssels vorangestellt, der benutzt wurde, um sie zu verschlüsseln.
Das Programm des Empfängers sucht automatisch den zur Entschlüsselung
nötigen Schlüssel im geheimen Schlüsselbund.
Diese zwei Schlüsselbunde sind die prinzipielle Methode, um
öffentliche und geheime Schlüssel zu verwalten. Anstatt jeden
einzelnen Schlüssel in einzelnen Datei zu verwalten, werden sie in
Schlüsselbunden gesammelt, um ihr Auffinden durch User ID und Key ID
möglich zu machen. Jeder Nutzer erhält sein eigenes Paar
Schlüsselbunde. Erzeugte öffentliche Schlüssel werden
temporär in einzelnen Dateien gehalten, damit Sie sie zu ihren Freunden
senden können, die sie dann zu ihren öffentlichen Schlüsselbunden
hinzufügen können.
Die Funktionsweise des RSA-Verfahrens
phi(x) sei die Eulersche Phi-Funktion, die die Anzahl der n aus N
bezeichnet, die kleiner als x und mit x teilerfremd sind. Ist nicht weiter
wichtig, interessant ist nur, daß für zwei Primzahlen p und q gilt:
phi(p*q)=(p-1)*(q-1).
Es gilt
a^(phi(z)) = 1 (mod z) [ = bedeutet: ,kongruent modulo` ]
also auch:
a^(phi(z)+1) = a (mod z) (a<z)
Über die Umformung zu
a^x = b (mod z)
b^y = a (mod z)
Was haben wir nun davon? Nun, wenn es nicht gelingt, aus x und z y zu
berechnen, dann können wir das Zeichen a mit dieser Rechnung in das Zeichen
b verschlüsseln, das nicht ohne weiteres zurückverwandelt werden kann.
RSA verwendet für v das Produkt zweier möglichst großer
Primzahlen, die Sicherheit des Ganzen liegt darin, daß noch kein schneller
Algorithmus bekannt ist, um Primfaktorzerlegungen durchzuführen.
Zahlenbeispiel
Mit x*y = (phi(z)+1) kommen wir zur Verschlüsselung: Man nehme zwei
Primzahlen (als Beispiel 13 und 11), deren Produkt (143) wird als z
veröffentlicht (also nehmen wir besser größere Zahlen, daß
143=13*11 ist, läßt sich recht schnell herausfinden...), weiterhin
berechnen wir (phi(z)+1) = 121, einen Teiler hiervon (da kommt wohl nur die 11
in Frage...) veröffentlichen wir als x, y (in diesem Fall auch 11) behalten
wir geheim.
Nun nehmen wir das zu verschlüsselnde Zeichen (6) und berechnen b:
6^11 = 362797056 = 50 (mod 143)
Unser verschlüsseltes Zeichen ist also 50. Die verschicken wir nun,
der Empfänger kann leicht ausrechnen:
50^11 = 6 (mod 143)
Normalerweise sind x und y natürlich voneinander verschieden, aber
gute Zahlen zu finden wird erst bei größeren Zahlen leichter.
Das IDEA-Verfahren
IDEA ist ein ,konventionelles` Verschlüsselungsverfahren, das sich als
sicherer als das bekannte DES erwiesen hat. PGP benutzt eine Kombination von RSA
und IDEA, weil eine komplette RSA-Verschlüsselung zu rechenaufwendig,
sprich: langsam wäre. Also erzeugt PGP einen zufälligen
Schlüssel, den ,Session Key`, mit dem die Information IDEA-codiert wird,
und packt diesen RSA-codiert zu dem verschlüsselten Text dazu. Das hat
außerdem den Vorteil, daß eine Nachricht mit wenig Aufwand für
mehrere Empfänger verschlüsselt werden kann: PGP erweitert den
verschlüsselten Text für jeden zusätzlichen Empfänger
einfach um eine eigene RSA-codierte Kopie des ,Session Key`.
Der Schutz von öffentlichen Schlüsseln
In einem RSA-Kryptosystem müssen Sie die öffentlichen
Schlüssel nicht vor dem bekanntwerden schützen. Es ist sogar besser,
wenn sie soweit wie möglich verbreitet sind. Aber es ist sehr wichtig,
öffentliche Schlüssel vor Veränderungen zu schützen, um
sicher zu gehen, das ein Schlüssel wirklich dem gehört, dem er zu
gehören scheint. Dies ist der verletzlichste Punkt eines RSA-Kryptosystems.
Zuerst sehen wir uns eine mögliche Katastrophe an, und dann wie man sie mit
PGP sicher verhindert.
Nehmen wir an, Sie wollen eine private Nachricht an Alice schicken. Sie
laden sich Alice`s öffentlichen Schlüssel aus einer Mailbox (oder BBS)
herunter. Nachdem Sie die Nachricht mit diesem Schlüssel verschlüsselt
haben, senden Sie diese über die E-mail Station der Mailbox an Alice.
Unglücklicherweise, Ihnen und Alice unbekannt, hat ein anderer Benutzer
namens Charlie die BBS infiltriert. Er hat ein neues Schlüsselpaar
generiert und Alice`s User ID benutzt. Er vertauscht seinen gefälschten
Schlüssel mit Alice`s echtem öffentlichem Schlüssel. Sie benutzen
unwissentlich Charlies`s Fälschung anstatt Alice`s echten. Alles sieht
normal aus, weil die Fälschung Alice`s User ID hat. Jetzt kann Charlie die
für Alice bestimmte Nachricht entschlüsseln, da er den passenden
geheimen Schlüssel hat. Er könnte sogar die Nachricht wieder mit
Alices echtem öffentlichen Schlüssel verschlüsseln und an Alice
senden, sodaß niemand irgendetwas bemerkt. Er kann sogar augenscheinlich
echte Unterschriften von Alice erzeugen, da ja jeder den gefälschten
Schlüssel benutzt, um die Unterschriften zu prüfen.
Die einzige Möglichkeit, diese Katastrophe abzuwenden ist, jeden davon
abzuhalten, die öffentlichen Schlüssel zu verändern. Wenn Sie
Alice`s Schlüssel direkt von Alice haben, ist das kein Problem. Aber das
könnte schwierig sein, denn vielleicht lebt Alice tausend Kilometer
entfernt oder ist zur Zeit nicht erreichbar. Vielleicht können Sie Alice`s
Schlüssel von einem vertrauenswürdigem Freund, David, bekommen. David
weiß, er hat den echten öffentlichen Schlüssel von Alice. David
könnte Alice`s Schlüssel unterschreiben, um dessen Integrität zu
bestätigen. David würde diese Unterschrift mit seinem eigenen geheimen
Schlüssel erzeugen.
Das würde ein unterschriebenes öffentliches
Schlüsselzertifikat erzeugen und zeigen, das Alice`s Schlüssel nicht
verändert wurde. Dazu müssen Sie einen echten öffentlichen
Schlüssel von David haben, um die Unterschrift zu prüfen. Vielleicht
könnte David Alice ein beglaubigtes Zertifikat ihres Schlüssels
übergeben. David wirkt also als ein `Vorsteller` zwischen Ihnen und Alice.
Der beglaubigte Schlüssel von Alice könnte von David oder Alice
auf eine BBS geladen werden, von der Sie ihn später wieder herunterladen
können. Sie können David`s Unterschrift mit seinem öffentlichen
Schlüssel überprüfen. Niemand wird Sie dazu bringen, seinen
gefälschten Schlüssel als Alice`s zu akzeptieren, weil niemand David`s
Beglaubigung fälschen kann.
Eine vertrauenswürdige Person kann sich sogar darauf spezialisieren,
neue Benutzer `bekanntzumachen`, indem er deren Schlüsselzertifikate
beglaubigt. Diese Person könnte als `Schlüsselverwalter` oder
`Beglaubiger` agieren. Von jedem von ihm beglaubigten Schlüsselzertifikat
kann mit Sicherheit gesagt werden, das es wirklich demjenigen gehört, dem
es zu gehören scheint. Alle Benutzer, die an diesem Service teilnehmen
wollen brauchen nur eine bekannt echte Kopie des öffentlichen
Schlüssels vom `Schlüsselverwalter`, um dessen Unterschriften
prüfen zu können.
Ein vertrauenswürdiger Schlüsselverwalter oder Beglaubiger ist
besonders für große unpersonale zentral kontrollierte Firmen oder
Regierungsbehörden zu empfehlen. Einige Institutionen verwenden Hierarchien
von Beglaubigern. In kleineren Umgebungen würde es besser funktionieren,
wenn man allen Nutzern erlaubt, als `Bekanntmacher` für ihre Freunde zu
fungieren. PGP geht diesen `organischen` nicht-institutionellen Weg. Er spiegelt
besser die Art wieder, wie Menschen sonst miteinander umgehen, und erlaubt den
Menschen die Wahl, wem Sie das Schlüsselmanagement anvertrauen.
Die Notwendigkeit öffentliche Schlüssel vor unerlaubter
Veränderung zu schützen ist das schwierigste Problem in praktischen
RSA-Applikationen. Es ist die Achillesferse der RSA-Kryptografie und ein
großer Teil der Software-Komplexität wird nur gebraucht, um dieses
eine Problem zu lösen.
Sie sollten einen öffentlichen Schlüssel nur dann benutzen, wenn
Sie sichergestellt haben, das er wirklich dem gehört, von dem er es
behauptet. Sie können sich dessen sicher sein, wenn Sie ihn direkt vom
Besitzer haben oder wenn er eine Unterschrift von jemandem trägt, von dem
Sie schon wissen, das Sie seinen echten öffentlichen Schlüssel haben.
Auch sollte die User ID den vollen Namen des Besitzers enthalten, nicht nur den
Vornamen.
Wie verlockt Sie auch immer sein mögen - und Sie werden verlockt
sein-- trauen Sie niemals, NIEMALS einem öffentlichen Schlüssel, den
Sie von einer BBS heruntergeladen haben, wenn er nicht von jemandem, dem Sie
trauen unterschrieben ist. Ein nicht beglaubigter Schlüssel kann von jedem
verändert worden sein, sogar vom SysOp der Mailbox.
Wenn Sie gebeten werden, einen öffentlichen Schlüssel zu
beglaubigen, stellen Sie sicher, das er wirklich der Person gehört, die in
der User ID angegeben ist, weil ihre Unterschrift auf diesem Schlüssel Ihr
Versprechen ist, das dieser Schlüssel wirklich Ihr gehört. Andere
Leute werden diesem öffentlichem Schlüssel vertrauen, weil Sie ihrer
Unterschrift darauf vertrauen. Es wäre falsch, Hörensagen zu glauben -
unterschreiben Sie nur, wenn Sie aus erster Hand wissen, das er wirklich Ihr
gehört. Vorzugsweise sollten Sie einen Schlüssel nur dann
unterschreiben, wenn Sie ihn direkt von der Person haben.
Um einen Schlüssel zu unterschreiben, müssen Sie sich über
den Eigentümer viel sicherer sein, als wenn die nur mit diesem
Schlüssel verschlüsseln. Um sicher zu sein, das ein Schlüssel zur
Benutzung gut genug ist, sollten die Unterschriften einiger Bekanntmacher
ausreichen. Aber um ihn selbst zu unterschreiben müssen Sie aus erster Hand
wissen, wem er gehört. Vielleicht können Sie den Eigentümer
anrufen und die Schlüsseldatei mit ihm überprüfen und
festzustellen, das Sie wirklich ihren Schlüssel haben - und stellen Sie
sicher, das Sie mit der richtigen Person reden.
Halten Sie sich vor Augen, das ihre Unterschrift auf dem öffentlichen
Schlüssel nicht die Integrität dieser Person garantiert, sondern nur
für die Integrität (das Eigentum) des Schlüssels bürgt. Sie
werden nicht ihre Reputation verlieren weil Sie den Schlüssel eines
Psychopaten beglaubigt haben, nur weil Sie absolut sicher waren, das dieser
Schlüssel wirklich ihm gehört. Andere Leute werden dem Schlüssel
vertrauen, weil Sie ihrer Unterschrift vertrauen (angenommen Sie vertrauen
Ihnen), aber Sie müssen nicht dem Besitzer des Schlüssels vertrauen.
Einem Schlüssel zu vertrauen bedeutet nicht, dem Schlüsselbesitzer zu
vertrauen.
Vertrauen ist nicht unbedingt übertragbar; Ich habe einen Freund, von
dem ich glaube, das er nicht lügt. Er ist ein leichtgläubiger Mensch,
der glaubt, der Präsident lügt nicht. Das bedeutet nicht, das ich
glauben muß, der Präsident lügt nicht. Das ist ganz einfach.
Wenn ich Alice`s Beglaubigung traue, und Alice traut Charlie`s Beglaubigung,
heißt das nicht, das ich Charlie`s Beglaubigung trauen muß.
Es wäre eine gute Idee, ihren eigenen Schlüssel mit einer
Sammlung von Unterschriften einiger Beglaubiger zu haben, in der Hoffnung, die
meisten Leute werden wenigstens einem der Bekanntmacher genug trauen, für
ihren Schlüssel zu bürgen. Sie können ihren beglaubigten
Schlüssel in einigen Mailboxen ablegen. Wenn Sie jemandes Schlüssel
beglaubigen, senden Sie ihm eine Kopie, damit er ihre Unterschrift in seine
Schlüsseldatei aufnehmen kann.
Achten Sie darauf, das niemand ihren eigenen öffentlichen
Schlüsselbund verändern kann. Das Überprüfen neuer
Schlüssel ist unbedingt von der Integrität der Schlüssel ihres
Schlüsselbundes abhängig. Behalten Sie physikalische Kontrolle
über ihren geheimen Schlüsselbund, bevorzugterweise auf ihrem eigenen
PC, nicht auf einem entfernten (z.B. Netzwerserver), genauso wie Sie es mit
ihrem geheimen Schlüsselbund machen. Dies, um die Schlüssel vor
Veränderung zu schützen, nicht um sie geheimzuhalten. Behalten Sie
immer Sicherheitskopien ihrer Schlüsselbunde auf schreibgeschützten
Medien.
Weil Ihr eigener öffentlicher Schlüssel als `oberste
Autorität` zum direkten oder indirekten Beglaubigen aller anderen
Schlüssel benutzt wird, ist er der wichtigste zu schützende
Schlüssel. Um unerwünschte Veränderungen zu erkennen, können
Sie PGP anweisen, ihren Schlüssel mit einer Sicherheitskopie auf einem
schreibgeschützten Medium gegenzutesten.
PGP nimmt generell an, das Sie physische Sicherheit über Ihr Sytem,
ihre Schlüsselbunde und natürlich PGP selbst haben. Wenn ein Angreifer
PGP selbst verändern kann, kann er eventuell die Sicherheitsmaßnahmen
ausschalten, die PGP hat, ihre Schlüssel zu schützen. Ein etwas
komplizierter Weg, ihren Schlüsselbund zu schützen wäre, wenn Sie
die gesamte Schlüsseldatei mit ihrem geheimen Schlüssel
unterschreiben. Sie können eine separate Unterschriftsdatei mit dem Befehl
`-sb` erzeugen.Unglücklicherweise brauchen Sie immer noch eine
Sicherheitskopie ihres öffentlichen Schlüssels, um die Integrität
der Beglaubigung zu überprüfen. Benutzen Sie dazu nicht den
Schlüssel aus der beglaubigten Unterschriftsdatei, denn diesen wollen Sie
ja gerade überprüfen.
Der Schutz von geheimen Schlüsseln
Schützen Sie ihren geheimen Schlüssel und seinen Sicherheitssatz
gut. Wirklich, wirklich gut. Wenn Ihr geheimer Schlüssel je bekannt wird,
teilen Sie das besser jeder interessierten Partei mit (viel Glück), bevor
irgendjemand ihn benutzt, um in ihrem Namen Unterschriften zu machen. Er
könnte zum Beispiel benutzt werden, um gefälschte
Schlüsselzertifikate zu beglaubigen, was vielen Leuten Probleme bereiten
könnte, speziell wenn Sie großes Vertrauen genießen. Und
natürlich, ein Bekanntwerden Ihres geheimen Schlüssel gefährdet
auch alle Nachrichten, die an Sie geschickt werden.
Um ihren geheimen Schlüssel zu schützen, fangen Sie am besten
damit an, immer physische Kontrolle über ihn zu behalten. Es ist OK, ihn
auf ihrem Heimcomputer zu speichern, oder Sie können ihn auf ihrem Notebook
halten, das Sie mit sich herumtragen können. Wenn Sie einen
Bürocomputer benutzen müssen, über den Sie nicht immer die
Kontrolle haben, behalten Sie den Schlüssel auf einer
schreibgeschützten Diskette, die Sie nicht im Büro zurücklassen
sollten, wenn Sie gehen. Es ist keine gute Idee, ihren Schlüssel auf einem
Fern-PC, wie einem remote dail-in Unix-System, zu haben. Jemand könnte ihre
Modem-Leitung abhören, ihren Sicherheitssatz herausfinden und dann den
Schlüssel vom Fern-PC holen. Benutzen Sie ihren Schlüssel nur auf
einem PC, den Sie kontrollieren können.
Speichern Sie ihren Sicherheitssatz nicht auf dem gleichen Computer wie
ihre geheime Schlüsseldatei. Das wäre ungefähr so
gefährlich, wie ihre Geheimzahl in der Geldbörse mit ihrer Scheckkarte
aufzubewahren. Niemand anders sollte die Diskette mit der geheimen
Schlüsseldatei in die Hände bekommen. Am besten wäre es, Sie
merken sich den Sicherheitssatz gut und schreiben ihn nirgends auf. Wenn Sie ihn
sich aufschreiben müssen, schützen Sie ihn gut, vielleicht sogar
besser als ihre geheime Schlüsseldatei.
Behalten Sie Sicherungsdateien ihrer geheimen Schlüsseldatei -- denken
Sie daran, daß nur Sie die geheimen Schlüssel besitzen. Wenn Sie
diese verlieren werden alle von ihnen verteilten öffentlichen
Schlüssel nutzlos.
Das dezentralisierte Schlüsselmanagement hat seine Vorteile, aber das
bedeutet auch, das wir uns nicht auf eine zentrale Liste ungültig gemachter
Schlüssel verlassen können. Das macht es ein wenig schwieriger, den
Schaden gering zu halten, wenn der geheime Schlüssel bekannt wird. Sie
müssen einfach in den Wald rufen und hoffen, das jeder es hört.
Wenn der schlimmste Fall eintritt-- Ihr geheimer Schlüssel und Ihr
Sicherheitssatz fallen in falsche Hände (hoffentlich finden Sie das
irgendwie heraus) -- müssen Sie ein `Schlüssel bekannt geworden`-
Zertifikat ausgeben. Dieses Zertifikat warnt andere Leute vor der Benutzung
ihres öffentlichen Schlüssels. PGP kann mit dem Befehl `-kd` ein
solches Zertifikat für Sie erstellen. Sie müssen es dann irgendwie zu
jedem auf diesem Planeten schicken, oder wenigstens zu ihren Freunden und deren
Freunden, usw. Deren PGP wird dieses Zertifikat in die öffentlichen
Schlüsselringe einbauen und Sie automatisch davon abhalten, ihren
öffentlichen Schlüssel zu benutzen. Sie können jetzt ein neues
Schlüsselpaar erzeugen und den neuen öffentlichen Schlüssel mit
dem Ungültigkeitszertifikat absenden.
Angreifbarkeit
Kein Datensicherheitssystem ist unangreifbar. PGP kann auf verschiedenen
Wegen hintergangen werden. Mögliche Angreifbarkeiten schließen ein:
Bekanntwerden ihres geheimen Schlüssels oder des Schutzsatzes,
Veränderung öffentlicher Schlüssel, gelöschte Dateien, die
immer noch auf ihrer Festplatte sind, Viren und Trojanische Pferde, Lücken
in der physikalischen Sicherheit, elektromagnetische Emmissionen,
ungeschützte multi-user Systeme, Datenverkehranalyse oder sogar direkte
Kryptoanalyse.
Manchmal benutzen kommerzielle Produkte den `Federal Data Encryption
Standard` (DES), einen ziemlich guten Algorithmus, der von der US-Regierung
für kommerzielle Anwendung empfohlen wird (allerdings nicht für
geheime Regierungsdaten, naja...). Es gibt mehrere Arbeitsmodi, die DES benutzen
kann, wovon einige besser als andere sind. Die US-Regierung empfiehlt, nicht den
schwächsten Modus für Nachrichten zu verwenden, den `Elektronisches
Codebuch` (ECB) Modus. Aber Sie empfehlen die stärkeren und komplexeren
Modi `Chiffratrückführung` (Chiper-Feedback - CFB) oder
Chiffratblockverkettung (Chiperblock-Chaining - CBC).
Sogar die wirklich guten Softwarepackete, die DES in korrekter Weise
verwenden, haben immer noch Probleme. Das Standard-DES benutzt einen 56-bit
Schlüssel, der für heutige Anforderungen zu klein ist, und jetzt auch
leicht mit simplem `Durchprobieren` aller Schlüssel auf
Hochgeschwindigkeitsmaschinen knackbar ist. DES ist am Ende seines
nützlichen Lebens angelangt, und somit auch alle Software, die es benutzen.
Es gibt eine Firma, genannt AccessData (87 East 600 South, Orem, Utah
84058, Telefon 1-800-658-5199) welche ein Softwarepacket für $185 verkauft,
das die eingebauten Verschlüsselungen von Lotus 1-2-3, MS Excel, Symphony,
Quattro Pro, Paradox, und MS Word 2.0 knackt. Es rät nicht einfach
Passwörter -- es macht echte Kryptoanalyse. Einige Leute kaufen es, wenn
Sie die Passworte zu ihren eigenen Dateien vergessen haben. Behörden kaufen
es auch, damit sie die Dateien lesen können, die sie beschlagnahmen. Eric
Thompson sagt, sein Programm braucht nur Bruchteile einer Sekunde, um sie zu
knacken, aber er hat ein paar Warteschleifen eingebaut, damit es für den
Käufer nicht zu einfach aussieht. Er sagte mir auch, das die Passwort-
Option von PKZIP auch oft einfach geknackt werden kann, und seine
behördlichen Kunden haben diesen Service schon von einem anderen Anbieter.
Schlusswort
Israelische Forscher haben eine Methode entwickelt, die so gut wie jedes
Verschlüsselungssystem knackt, auch das bei sensiblen Daten von Banken
meistverwendete, DES. Es gilt als sicher, weil es mit Primzahlen arbeitet und
"Einbrecher" mit extrem langen, schwer zu findenden Zahlen abwehrt. Gegen die
Israelis hilft die Strategie nichts, sie finden Primzahlen jeder Länge,
indem sie wie Verhaltensforscher die Chips beobachten, denen die
Verschlüsselung einprogrammiert ist. Ähnliches ist schon bei "public
keys" gelungen, bei denen alle Sender einen gemeinsamen Schlüssel und nur
der Empfänger noch einen zweiten hat. Anstatt wie herkömmliche
Datendiebe diesen Schlüssel zu stehlen, haben US-Forscher über die
Beobachtung der Länge seiner Entzifferung durch den Empfänger die
Codes geknackt. Nun wurde der härtere DES - ein "secret key", bei dem die
Parteien den Schlüssel austauschen - überlistet. Die Forscher holen
sich das Verschlüsselungsprogramm aus der "black box" - dem versiegelten,
unzugänglichen Chip -, indem sie mehrere Male dieselbe Botschaft durch den
Chip schicken und ihn zwischen jedem Durchgang mit Mikrowellen bestrahlen.
Dadurch richten sie kleine Schäden im Programm an, das dann immer ein wenig
anders verschlüsselt. Aus diesen Abweichungen schließlich kann man
mit einem speziellen Verfahren - Differential-Fehler-Analyse - den
Schlüssel selbst rekonstruieren.
Quellenangabe
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