|
Du bist hier: Referate Datenbank | Deutsch
| Hertz, Gustav (1887-1975)
Hertz, Gustav (1887-1975)
Der älteste Sohn des Hamburger
Rechtsanwaltes und späteren Senators
der Hansestadt Hamburg, Dr. Gustav Hertz,
wurde auf den Namen Heinrich
Rudolf getauft, im Familienkreis aber immer
nur Heins genannt. Er hatte
das Glück, in einem kultivierten und gut
situierten Elternhaus auf
zuwachsen. Der Vater war ein gebildeter Mann
mit humanistisch-liberalen
Idealen, die Mutter eine warmherzige Frau, die
ihren Kindern viel
Verständnis entgegenbrachte. Der
erstgeborene war der Stolz der Eltern.
Schon in den ersten Lebensjahren fiel das Kind
durch sein phänomänales
Gedächtniss auf. Mit drei Jahren konnte
der Junge bereits etwa 100 Fabeln,
die ihm die Mutter vorgelesen hatte Wort
für Wort aus dem Gedächtniss
wiederholen. Bei vielen Gelegenheiten
bewieß er hohes Maß an manueller
Geschicklichkeit. Zum 10.Geburtstag bekam er
eine Drechselbank geschenkt,
und erhielt bei einem Handwerksmeister
Drechselunterricht. Als der Meister
Jahrzehnte später erfuhr, daß sein
ehemaliger Lehrling Professor geworden
war, meinte er bedauernd: "Wie schade, was
wäre das für ein prächtiger
Drechsel geworden!" In der städtischen
Bürgerschule glänzte der Junge als
Stern erster Größe. Der Lehrer
schrieb dem 9-jährigen ins Zeugniss:
"Keiner übertrifft ihn an Schnelligkeit
und Schärfe der Auffassung".
Inallen Fächern war Hertz Klassenbester -
mit einer Ausnahme: im Singen
bekam er stets ein "Ungenügend". In der
Poesie fand er musischen Ausgleich
die Verse von Homer und Dante begleiteten ihn
ein Leben lang. In der
Gewerbeschule, die ersonntags besuchte, lernte
der junge Hertz Mathematik
und technisches Zeichnen. Damit war aber seine
Lernbegierde immer noch
nicht befriedigt. Der vater schickte ihn zu
einem Privatlehrer, der ihn
auf das humanistische Gymnasium vorbereiten
sollte. Im Frühling 1875 legte
Heinrich an der "Gelehrtenschule" des
Johaneums in Hamburg die
Reifeprüfungab. In seinem Zeugniss wurde
die scharfe Logik, das sichere
Gedächtniss und die Präzision des
Ausdrucke hervorgehoben, bemängelt wurde
lediglich die "monotonie des Vortrages".
Welchen Beruf sollte Hertz
ergreifen? Von der Begabung her standen ihm
alle Wege offen, er konnte
sich aber nur schwer entscheiden.
Preußischer Baumeister oder Uniprofessor
der Naturwissenschaften - das war die
Alternative. Er entschied sich für
die falsche Richtung und ging als Praktikant
zu einem Baumeister nach
Frankfurt/M. Die Arbeit in einem Baubüro
nahe der Frankfurter Paulskirche
befriedigte ihn jedoch gar nicht. Das
Arbeitsmilieu war muffig, kaum ein
freundliches Wort wurde gewechselt, Und auch
im privaten Bereich fühlte er
sich ziemlich einsam. Sein einziger Freund war
ein Engländer, der in
derselben Pension wohnte. So vertrieb sich der
Praktikant mißlaunig und
von Heimweh geplagt, die Zeit mit Lesen,
Modellieren und Zeichnen. Er
studierte die griechischen Klassiker
löste mathematisch eAufgaben, lernte
Arabisch, beschäftigte sich mit Physik
und Physiologie. "Ich mache alles
durcheinander, wie ein Verrückter",
schrieb er treffend in sein Tagebuch.
Frohm, das unbefriedigene Praktikantenjahr
hinter sich zu haben, nahm
Hertz das Studium der Ingeneurwissenschaften
am pOLYTECHNIKUM IN Dresden
auf. Seine hochgestekten Erwartungen
erfüllten sich aber nicht. Die
Vorlesungen boten ihm wenig neue Erkenntnisse,
die Professoren langweilten
ihn, er fühlte sich erdrückt von der
Fülle des Lernstoffes. Nach 5 Monaten
verließ er Dresden, um in Berlin seinen
1-jährigen Militärdienst
abzuleisten. Der auf Wissenschaft versessene
junge Mann konnte dem
Kasernenleben und dem preusischen Drill weing
abgewinnen. Gegen Ende der
Dienstzeit zählte er jedeen Tag, der ihn
der Entlassung näher brachtre. Im
Wintersemester 1877/78 nahmer das
Ingeneurstudium wieder auf, diesmal am
Polytechnikum in München. Er belegte alle
erreichbaren Vorlesungen und
stürtze sich kopfüber in die Arbeit.
Bereits nach wenigen Wochen wußte er
was erwollte. Mit dem Einverständniss der
Eltern sattelte er auf
Naturwissenschaften um, belegte Mathe Physik
Zoologie und Astronomie
studierte Newton Werke und die Atbeiten von
Leibniz Zum ersten Mal fühlte
er sich nun in seinem Element. Nach einem Jahr
wechselte er nocheinmal die
Uni und verließ München in Richtung
Berlin. Dort lehreten damals die
großen Physiker Helmholtzund, Kirchhoff.
Sie nahmen den begabten Studenten
Hertz unter Ihre Fittiche unter förderten
ihn nach Kräften. Ein Jafhr
später erhielt er für die
Lösung einer Preisaufgabe die Goldmedallie der
Humboltuni. Nach der Promotion bot Helmholtz
ihm die Stelle eines
Forschungsund Vorlesungsassisten an. Er nutze
diese Chance. Nach der
Habiblitationan der Uni Kiel erhielt Hertz im
Sommer des Jahres 1885 einen
Ruf an die Tu Kahrlsruhe. Das Physikalische
Institutmit seiner modernen
apperativen Aussstattung bot dem
Lehrstulinhaber optimle
Arbeitsbedingungen. Nun konnte er seinen
langgehegten wunscherfüllen, den
Nachweis der el-mag Wellen, deren Existenz der
eng. Physiker Maxwell
bereits theoretisch vorrausgesagt hatte. Seine
Hypotese über das el-mag
Feld sagte aus, daß eine schwingende
el-mag Störung, also zum Beispiel
eine Funken entladung, el-mag Wellen erzeugen
müsse, die sich mit Licht-
geschwindigkeit ausbreiten würden. Diese
Annahme war in Fachkreises heftig
um stritten zumal sie von Maxwell nicht
experimentell bewiesen werden
konnte. Hertz gelang dieser Nachweis mit einer
verhältnissmaäßigen
einfachen Versuchsanordnung. Er verband eine
Spule mit zwei Mettallkugeln,
die im Abstand von etwa 10 Milimetern,
nebeneinander angeordnet waren.
Wurden die Kugeln el. qaugeladen, sprang ein
Funke von einer Kugel zur
anderen. Im Abstand von einem Meter befestigte
Hertz eine Drahtschlinge,
an der ebenfalls 2 Metallkugeln befestigt
waren. Jedesmal wenn zwischen
dem ersten Kugelpaar ein Funke
übersprang, geschah das gleiche auch beim
zweiten Kugelpaar, obwohl keine feste
Verbindung bestand. Damit konnte
Hertz im Herbst des Jahres im Herbst des
Jahres 1886 erstmals den Nachweis
dafür liefern, daß es
tatsächlich el-mag Wellen gibt, die sich durch die
Luft fortpflanzen. Dies war die Geburtsstunde
des Rundfunks, noch heute
errinert die Bezeichnung "FUNK" an dieses
Hertzsche Experiment, obwohl man
zur šbertragung von Radiowellen schon
längst keine überspringenden Funken
mehr benötigt. In den nächsten 3
Jahren erforschte Hertz eingehend die
Eigenschaften dieser el-mag Wellen. Er
untersuchte Interferenz und die
Reflexion, die Polarisation und die Beugjung
der Wellen. Er konnte
beweisen daß, ihre Ausbreitung
geschwindigkeit identisch ist mit der des
Lichts und das Licht nichts anders ist als
eine besondere Form der el-mag
Wellen. Merkwürdigerweise scheint er von
der enormen Bedeutung seiner
Entdeckung, die schließlich zur
Erfindung des Radios und des TVs führte
nichts geahnt zu haben. Im letzen Karlsruher
Jahr faßte er seine
Arbeitsergebnisse in seinem Werk zusammenmit
dem Titel: Uber Strahlen
elektrischer Kraft. Hertz`Entdeckung der el.
Wellen fand in der Fachwelt
große Anerkennung, sein Name wurde
weltweitberühmt. Die Royal Society lud
ihn nach London ein wo er mit großen
englischen Physikern zusammentraf.
Die Berufungen häuften sich. Gießen
Berlin Bonn standen in der engeren
Wahl. Hertz wählte kurtzentschlossen
Bonn, weil er hier in das schöne Haus
seines Amtsvorgängers Clausius einziehen
konnte. In Fortsetzung seiner
Forschungen beschäftigte er sich weiter
mit den Fernwirkungen der
Elektrizität. Die Ergebnisse hatten
für spätere tech. Entwicklungen große
Bedeutung. So führte seine Erkenntniss,
daß dünne Kathodenstrahlen dünne
Metallschichten durchdringen, ohne die
Eigenschaft zu verlieren sich grad-
linig auszubreiten, wenige Jahre später
zur Entdeckung der
Röntgenstrahlen. Viel Zeit Zeit blieb ihm
nicht mehr für die Fortführung
seiner Forschungen; immer häufiger
plagten ihn die Folgen einer zu spät
erkannten von den Zähnen ausgehenden
Infektion. Nach mehreren Operationen
verschlechterte sich sein Gesundheitszustand
rapide. Am 7. Dez 1893
hielt Hertz seine letze Vorlesung, 3 Wochen
später starb er, noch nicht
einaml 37 Jahre alt in seinem Haus in Bonn.
Wenige Tage vor seinem Ende
hatte er noch vorrausahnend an seine Eltern
geschrieben: Wenn mir wirklich
etwas geschieht, sollt ihr nicht trauern,
sondern sollt ein wenig stolz
sein und denken, das ich zu den besonders
Auserwählten gehöre, die nur
kurz leben und doch genug leben. Eine Ehrung
besonderer Art erfuhr Hertz
2 Jahre nach seinem Tode. Der russische
Pysiker Alexandr Popow, der
Erfinder der Antenne funkte im ersten
gelungenen Versuch der drahtlosen
Telegrafie, über eine längere
Strecker hinweg, den Namen seines
am meisten bewundereten deutschen Kollegen:
Heinrich Hertz.
|