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Phaedrus
PHAEDRUS (ca. 15 v.Chr. – ca. 55 n.Chr.)
Über das Leben des Phaedrus (gr. Phaidros) ist nur wenig bekannt. Die
früheste Erwähnung findet sich bei Marital (40-102 n.Chr.), der von
den „spöttischen Scherzen des kecken Phaedrus“ spricht. Das
nächste Zeugnis bietet Avianus (4./5. Jhdt n.Chr.): Phaedrus habe fünf
Bücher verfasst. Da es keine weiteren antiken Zeugnisse gibt, sind
Rückschlüsse aus Phaedrus´ Werken die einzige Quelle.
Er ist ca. 15 v.Chr. in Makedonien geboren, sein Name war Phaidors bzw.
umgangssprachlich Phaeder. Nach Rom kann er als Sklave des Kaisers Augustus, der
ihm wegen seines Talents die Freiheit schenkte.
Als Kaiser Augustus eine ausgeprägte Friedenspolitik und
Kunstförderung betrieb, begann Phaedrus sein Schreiben. Weshalb er
Fabeldichtung ausgewählt hatte, begründete er so:
Weil der Sklavenstand nicht wagt,
das alles frei zu sagen, was er will,
hüllt er die eigenen Gedanken in die Fabel.
(Prol. III 34-36)
Nach dem Tod Augustus, als sich Tiberius, sein Nachfolger, nach Capri
zurückzieht, überlässt er dem Prätorianerpräfekten
Seianus, ein korrupter und tyrannischer Kaisergünstling, die
Regierungsgeschäfte in Rom. Dieser klagt Phaedrus wegen einer vermeintlich
begangenen Verleumdung in den Fabeln an.
Phaedrus rechtfertigt sich:
Ich wollt´ ihn keineswegs mit einer Fabel treffen,
denn nicht hatt´ ich die Absicht, einzelne zu zeichnen,
ich wollt´ das Leben und die Menschensitten malen.
(Prol. III 48 – 50)
Seianus trat als Ankläger, Zeuge und Richter zugleich gegen Phaedrus
auf. Phaedrus wird zu Schreibverbot oder Verbannung (?) Verurteilt und stirbt in
hohem Alter. Die Veröffentlichen seines fünften Buches unter Kaiser
Caligula zwischen 40 und 55 n.Chr. dürfte er noch erlebt haben.
Literarische Anerkennung blieb ihn Versagt, die Dichtungen eines Sklaven
hatten in den vornehmen Kreisen Roms kein Ansehen. Jedoch ist anzunehmen, dass
seine Fabeln beim Volk mit Interesse gelesen wurden.
Phaedrus schreibt über seine Intention als Fabeldichter:
Zweifach ist des Buches Zweck:
Es reizt zum Lachen und gibt fürs künft´ge Leben gute,
weise Lehren.
(Prol. I 3f.)
Werk:
Erhalten sind 94 Fabeln in fünf Büchern. Die Bücher 2 und 5
sind wahrscheinlich unvollständig überliefert worden. Außerdem
existieren noch weiter mit großer Wahrscheinlichkeit von Phaedrus
stammende Fabeln in einer eigenhändig kopierten Sammlung von dem Humanisten
Perotti – „Appendix Perottina“ (1470)
Phaedrus greift häufig auf die Fabelwelt des Aesop zurück, wird
jedoch von Buch zu Buch eigenständiger und variationsreicher. So sagt er
mit Recht im Prolog zum vierten Buch, seine Fabeln seien nicht mehr
„fabulae Aesopi“ sondern „fabulae Aesopiae“ (nach Art
des Aesop). Die moralisch belehrenden Teile der Fabeln erinnern an die
griechische Popularphilosophie, die in der frühen Kaiserzeit sehr beliebt
war. Phaedrus zeichnet sich durch eine einfache, aber prägnante Sprache und
die Fähigkeit, mit ´wenigen Strichen´ lebendige Figuren und
Szenen malen zu können - er konzentriert sich auf das Wesentliche
(brevitas).
Neben Tierfabeln enthält seine Sammlung auch
Märchenähnliches, Anekdoten und Novellistisches.
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