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Planck, Max
Max
Planck
Kindheit
Max Karl Ernst Ludwig Planck wurde
am 23.April 1858 in Kiel als sechstes Kind eines Professors für
Rechtswissenschaften geboren. Entsprechend einer langen Familientradition war
seine Erziehung darauf ausgerichtet, Werte wie Hochachtung vor Kirche und Staat,
hervorragende Schulerfolge, Unbestechlichkeit, Konservatismus, Idealismus,
Zuverlässigkeit und Großzügigkeit ausgerichtet. Als Planck neun
Jahre alt war erhielt sein Vater eine Berufung an die Universität
München und Planck besuchte das berühmte Maximilian Gymnasium in
München, wo sein Lehrer Hermann Müller sein Interesse an Physik und
Mathematik weckte. Nachdem er mit siebzehn Jahren die Matura mit sehr gutem
Erfolg in allen Fächern abgelegt hatte, mußte er die schwierige
Entscheidung über seine weitere Karriere treffen. Er zog die Physik der
klassischen Philosophie und der Musik vor. Trotzdem blieb Musik immer ein
wichtiger Bestandteil seines Lebens. Er besaß die Gabe des absoluten
Gehörs und war ein exzellenter Pianist. Er spielte täglich Klavier,
wobei er insbesondere Werke von Brahms und Schubert liebte. Jeden Tag machte er
einen ausgedehnten Spaziergang und Radfahren und Klettern gehörten bis ins
hohe Alter zu seinen liebsten Vergnügungen.
Studium
Im Herbst 1874 inskribierte er an
der Universität München wo Professor Philipp von Jolly lehrte.
Während seiner Wanderjahre 1877-78 kam er an die Universität Berlin.
Dort war er von den Vorlesungen der Professoren Hermann von Helmholtz und Gustav
Robert Kirchhoff trotz ihres Rufes als Kapazitäten nicht sehr beeindruckt.
Er betrieb unabhängige Studien nach den Schriften von Rudolf Clausius
über Thermodynamik. 1897, im Geburtsjahr von Einstein, kam er nach
München zurück und erhielt da das Doktorat im erstaunlich jungen Alter
von 21 Jahren. Im darauffolgenden Jahr verfaßte er seine
Habilitationsschrift in München und wurde Privatdozent. Im Jahre 1885 wurde
er mit Hilfe der Beziehungen seines Vaters außerordentlicher Professor an
der Universität Kiel. Nach dem Tod von Kirchhoff erhielt Planck im Jahre
1889 eine Berufung nach Berlin, wo er Helmholtz als Kollegen und Mentor
schätzen lernte. Im Jahre 1892 wurde er ordentlicher Professor. Er hatte
insgesamt nur neun Dissertanten, aber seine Vorlesungen aus allen Gebieten der
Theoretischen Physik wurden in mehreren Auflagen gedruckt. Er blieb für den
Rest seiner aktiven Laufbahn in Berlin.
Die Entdeckung von h
Den ersten tiefen Eindruck einer
absoluten Naturkonstanten hinterließ bei Planck noch als Gymnasiast der
erste Hauptsatz der Thermodynamik. Während seiner Studienzeit gewann er die
Überzeugung, daß der zweite Hauptsatz der Thermodynamik, der
Entropiesatz ein absolutes Naturgesetz sei. Der zweite Hauptsatz wurde Thema
seiner Dissertation und diese Arbeiten führten ihn zur Entdeckung des
Wirkungsquantums im Jahre 1900, als Planck´sche Konstante h
bekannt.
In den Jahren 1859-60 hatte
Kirchhoff den schwarzen Körper als einen Gegenstand definiert, der auf ihn
einfallende Strahlung perfekt absorbiert, als ein perfekter Absorber (und auch
Emitter) ist. Ein schwarzer Körper war also etwas besonderes, und um 1890
wurden viele Experimente und Überlegungen angestellt, um die spektrale
Verteilung der vom schwarzen Körper emittierten Strahlung zu beschreiben(
die abgestrahlte Energie einer bestimmten Frequenz bei einer bestimmten
Temperatur). Planck war von der Formel, die sein Kollege Wilhelm Wien an der
Physikalisch Technischen Reichsanstalt (PTR) in Berlin Charlottenburg im Jahre
1896 gefunden hatte sehr beeindruckt. Er versuchte in der Folge, das
"Wien´sche Strahlungsgesetz" aus dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik
herzuleiten.
Im Oktober 1900 fanden jedoch
andere Kollegen vom der PTR experimentell heraus, daß das Wien`sche Gesetz
zwar höhere Frequenzen stimmte, jedoch für niedrige Frequenzen
komplett versagte.
Planck erfuhr von diesen
Forschungsergebnissen unmittelbar vor einem Treffen der Deutschen Physikalischen
Gesellschaft am 19. Oktober. Er wußte wie die Entropie der Strahlung
mathematisch von der Energie für hohe Frequenzbereiche abhängen
mußte, und er wußte auch, wie die Formel für niedrigen Bereiche
aussehen mußte, um die experimentellen Ergebnisse zu beschreiben. Planck
vermutete, daß er die beiden Formeln einfach kombinieren sollte um eine
Formel zu erhalten, die Energie zur Frequenz der Strahlung in Beziehung
brachte.
Für Planck war das Finden der
Formel, eine glückliche Eingebung und er versuchte nun, diese Formel
theoretisch abzuleiten und zu bestätigen. Am 14. Dezember war es soweit,
Planck hatte Erfolg. Er mußte jedoch dazu sein physikalisches Weltbild
grundsätzlich ändern. Er mußte erkennen, daß der zweite
Hauptsatz der Thermodynamik kein absolutes Naturgesetz war. Vielmehr mußte
er Ludwig Boltzmann´s Interpretation annehmen, wonach der zweite Hauptsatz
ein statistisches Gesetz ist. Weiters mußte er annehmen, daß der
schwarze Körper (oder der Oszillator, der ihn in der Rechnung darstellt)
die Strahlung nicht kontinuierlich aufnehmen konnte, sondern nur in kleinen
diskreten Mengen, in sogenannten Energiequanten. Erst die statistische
Verteilung dieser Quanten (von denen jedes die Energie
hν
die der Frequenz proportional ist hatte) über alle Oszillatoren im
schwarzen Körper ließ Planck die Strahlungsformel herleiten, die er
zwei Monate vorher gefunden hatte. Mit seiner neuen Formel schätzte er die
Naturkonstanten h, die Boltzmannkanstante, die Avogadro Zahl und die Ladung des
Elektrons ab. Im Laufe der Zeit erkannten die Physiker immer deutlicher,
daß die Existenz von h zur Folge hatte, daß die mikrophysikalische
Welt, die Welt in den Dimensionen der Atome, nicht durch die klassische Mechanik
beschrieben werden kann.
Die Rolle Einsteins
Plancks Konzept der Energiequanten
stand im Widerspruch mit der damaligen physikalischen Theorie. Es dauerte Jahre,
bis Plancks Erkenntnisse generell anerkannt wurden und in diesem Prozeß
spielte Einstein eine entscheidende Rolle. Einstein stellte fest, daß
Strahlungsenerie selbst aus Quanten besteht (Lichtquanten, Photone genannt) und
in 1907 zeigte er die generelle Gültigkeit der Quantentheorie, indem er die
Temperaturabhängigkeit der spezifischen Wärme von Festkörpern
beschrieb. 1909 führte er den Welle-Teilchen-Dualismus in die Physik
ein.
1911 lieferte Henri
Pointcaré einen mathematischen Beweis, daß Plancks Strahlungsgesetz
notwendigerweise die Einführung eines Elementarquntums erforderte. Niels
Bohr trug entscheidend zur Entstehung der Quantentheorie durch seine Theorie des
Wasserstoffatomes im Jahre 1913 bei.
Ironischerweise war Planck selbst
einer der letzten, die für eine Rückkehr zur klassischen Theorie
plädierten. Unter den Physikern hielt sich ein Widerstand gegen Einsteins
Lichtquantenhypothese von 1905 bis zur Entdeckung des Compton-Effektes im Jahre
1922.
Plancks späteres
Leben
Planck war 42 Jahre alt, als er
1900 seine entscheidende Entdeckung machte, für die er 1918 den Nobelpreis
gewann. Es ist nicht verwunderlich, daß er danach keine Entdeckungen von
vergleichbarer Bedeutung machte. Dennoch lieferte er noch wichtige Beiträge
zu verschiedenen Gebieten wie Optik, Thermodynamik und statistische Mechanik
sowie physikalischer Chemie. Er war auch der erste prominente Physiker, der die
Bedeutung von Einsteins spezielle Relativitätstheorie 1905 erkannte. Planck
sagte: "Die Bedeutung der Lichtgeschwindigkeit für die
Relativitätstheorie ist das was das Elementarquantum für die
Quantentheorie ist: sie ist das absolute Herz".
1914 gelang es Planck zusammen mit
Walther Herrmann Nernst Albert Einstein nach Berlin zu bringen, und nach dem
Krieg im Jahre 1919 wurde auch Max von Laue, Plancks liebster Schüler, nach
Berlin geholt.
Als Planck im Jahre 1928
emeritierte wurde Erwin Schrödinger, der Begründer der Wellenmechanik,
als sein Nachfolger nach Berlin geholt. Für einige kurze Jahre, bis Hitler
1933 an die Macht kam, war Berlin ein hervorragendes Zentrum für
theoretische Physik.
In den späteren Jahren
widmete sich Planck immer mehr seiner Schriften philosophischer,
ästhetischer und religiöser Themen. Zusammen mit Einstein und
Schrödinger gehörte er zu den stärksten Kritikern des
indeterministischen, statistischen Weltbildes, das von Bohr, Max Born, Werner
Heisenberg und anderen nach der Entdeckung der Quantentheorie in den Jahren
1925-26 eingeführt wurde. Planck glaubte, daß die physikalische Welt
unabhängig vom Menschen existiert, daß eine enge Kopplung von
beobachtetem Objekt und Beobachter nicht existiert, wie Bohr und seine Schule es
postulierten (Schrödingers Katze).
Schrödingers Katze
Die Quantentheorie nimmt an,
daß die Beobachtung das Experiment beeinflußt.
So ist bei einer Menge instabiler,
radioaktiver Atomkerne, durch die physikalischen Gesetze genau festgelegt, wie
viele Kerne nach einer bestimmten Zeit t zerfallen sind. Über den Zeitpunkt
des Zerfalls eines einzelnen, bestimmten Atomkerns kann die Quantenphysik jedoch
keine Aussage machen. Hier ist die physikalische Gesetzmäßigkeit eine
statistische Aussage, im Gegensatz zu den streng deterministischen Gesetzen des
Makrokosmos (der „normalen“ Physik). Der Zeitpunkt des Zerfalls des
Atomkernes ist nach der Quanten-theorie dem Zufall überlassen. Diese
Aussage wurde von einigen Kritikern dieser Inter-pretation (Einstein,
Schrödinger und Plack) heftig kritisiert. Von Einstein stammt der
Aus-spruch: „Ich glaube nicht, daß der liebe Gott
würfelt“.
Die Quantentheorie glaubt nun,
daß der Zustand des Atomes an sich nicht bestimmt ist, sondern erst durch
die Beobachtung einen Zustand, also „zerfallen“ oder „nicht
zerfallen“, annimmt.
Die Kritiker setzten dieser Idee
das Gedankenexperiment von „Schrödingers Katze“
entgegen.
Das Experiment sieht so aus: In
einer Kiste befinden sich eine Katze, eine Giftviole aus Glas, ein Hammer der
mit einem Strahlungsdetektor gekoppelt ist und ein instabiles Atom.
Zerfällt das Atom, so sendet es beim Zerfall eine Strahlung aus, die vom
Detektor registriert wird. Der Detektor löst dadurch den Mechanismus des
Hammers aus, der wiederum die Giftviole zerschlägt. Dadurch stirbt die
Katze.
Nach der Quantentheorie ist nun,
solange der Deckel des Kistchens nicht durch einen Beobachter geöffnet wird
der Zustand des Atoms unbestimmt. Damit ist aber auch unbestimmt, ob die Katze
lebt oder schon tot ist.
Schrödinger wollte mit diesem
Gedankenexperiment das heftige Diskussionen unter den Physikern hervorrief, zum
Ausdruck bringen, daß er die Idee des „unbestimmten Zustandes“
für absurd hielt.
Planck wurde im Jahre 1912
Sekretär der mathematischen und physikalischen Sektion der
preußischen Akademie der Wissenschaften und hielt diese Position bis 1938,
er war auch Präsident der Kaiser Wilhelm Gesellschaft (jetzt Max Planck
Gesellschaft) von 1930 bis 1937.
Planck war aufgrund seiner
Funktionen und seiner Weltanschauung eine moralische Autorität. Bezeichnend
für ihn ist, daß er direkt zu Hitler ging, um ihn zu einer Abkehr von
seiner Rassenpolitik zu bringen. Er entschied sich, während der Nazizeit in
Deutschland zu bleiben und von der Deutschen Physik soviel er konnte zu
retten.
Planck hatte einen unbeugsamen
Willen, eine stoische Ruhe und eine tiefe Religiosität. Anders hätte
er wohl die Schicksalsschläge, die ihm nach seinem fünfzigsten
Lebensjahr widerfahren sind, nicht ertragen können. Im Jahre 1909 verstarb
seine erste Frau Marie nach 22 Jahren glücklicher Ehe. Aus der Ehe stammten
zwei Söhne und zwei Mädchen (Zwillinge). Der ältere Sohn Karl
fiel 1916 im Krieg, im darauffolgenden Jahr starb seine Tochter Margarete bei
der Geburt ihres Kindes und 1919 ereilte seine zweite Tochter Emma das gleiche
Schicksal. Der zweite Weltkrieg brachte Tragödien. Plancks Haus in Berlin
wurde 1944 durch Bomben völlig zerstört. Der jüngere Sohn Erwin
war in das Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 verwickelt und starb Anfang
1945 in den Händen der Gestapo auf furchtbare Weise.
Max Planck starb am 4. Oktober
1947 in Göttingen im Alter von 89 Jahren
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