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| Pluviale / Interpluviale, eine aktuelle Forschungs
Pluviale / Interpluviale, eine aktuelle Forschungs
Universität Heidelberg
Geographisches Institut
Wintersemester 1992/93
Hauptseminar: Klimaänderungen, natürlich und
anthropogen induziert
Seminarleiter: Prof. Dr. Heinz Karrasch
Pluviale / Interpluviale,
eine aktuelle Forschungsbilanz
Bearbeiter: Martin Ripsam, 11.Sem./
LA
Hildastr. 11 A
6904 Eppelheim
Verzeichnis der Tabellen, Abbildungen, Karten und
Photos
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Verzeichnis der Tabellen
Tab.1: Generalisierte Chronostratigraphie von
Nordafrika
Tab.2: Wüstenböden der
U.S.-Soil-Taxonometry
Tab.3: Wüstenböden der
FAO-Unesco-Klassifikation
Tab.4: Vergleich
FAO-/U.S.D.A.-Taxonometry
Tab.5: Chronologische Übersicht der
Ökovarianz in der Sahara
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Seite
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Verzeichnis der Abbildungen
Abb.1: Die Troposphäre über Afrika im
Sommer.
Abb.2: Idealprofil der
Witterungsverhältnisse im Bereich der ITC und des tropischen
Ost-Jetstreams.
Abb.3: Resultierende Winde im Juli -
August
Abb.4: Geographische Gegebenheiten verursachen
unterschiedliche morphologische Phänomene.24
Abb.5: Phänomene von Pluvialen Bedingungen
an der Fußfläche von Inselbergen
Abb.6: Vegetationslose Fläche
begünstigen Desertifikation.
Abb.7: Ergs begünstigen feuchte oder
trockene Umgebungen
Abb.8: Verbreitung von Staubpartikeln vor
Westafrika
Abb.9: Verbreitungsmuster der Böden arider
Gebiete
Abb.10: Deuterium und 18O-Gehalt in
Abhängigkeit von der Entfernung der Entnahmestellen
von der nordafrikanischen
Atlantikküste.
Abb.11: 14C-Altersverteilung zentral-
und ostafrikanischer Grundwässer
Abb.12: Generalisierter Überblick über
die Ökovarianzzeiten in den nordafrikanischen
Großräumen
Abb.13: Weltkarte der Seespiegelstände um
6000 BP.46
Abb.14: Schematische Darstellung der Temperatur-
und Zirkulationsänderungen
Abb.15: Schema der atmosphärischen
Zirkulation um 10.000 bis 8000 BP
Abb.16: Schema der atmosphärischen
Zirkulation um 18.000 BP
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Verzeichnis der Karten
Karte 1: Verbreitung von Felsbildern in der
östlichen und zentralen Sahara und die rezente
jährliche Niederschlagsmenge.12
Ergänzung zu Karte 1: Die Verbreitung des
Elefanten, des Nilpferdes, des Rhinozeros und der Giraffe während der
neolithischen Feuchtphase und ihr heutiges Vorkommen.
Karte 2: Bewuchszonen der Sahara.
Karte 3: Absolute Anzahl der Pflanzenarten in der
westlichen Sahara, rekonstruiert für die Zeit um 5500 BP20
Karte 4: Absolute Anzahl der Pflanzenarten in der
westlichen Sahara, rekonstruiert für die Zeit um 18.000
BP20
Karte 5: Mittlere jährliche Niederschlagsmenge in
der westlichen Sahara, rekonstruiert für die Zeit um 5500
BP.20
Karte 6: Mittlere jährliche Niederschlagsmenge in
der westlichen Sahara, rekonstruiert für die Zeit um 18.000
BP.20
Karte 7: Heutige Florengrenze in der westlichen
Sahara21
Karte 8: Heutige absolute Anzahl der Pflanzenarten in
der westlichen Sahara21
Karte 9: Florengrenzen in der westlichen Sahara,
rekonstruiert für die Zeit um 5500 BP21
Karte 10: Florengrenze in der westlichen Sahara,
rekonstruiert für die Zeit um 18.000 BP.21
Karte 11: Alt-Seen und Alt-Dünen am Südrand
der Sahara29
Karte 12: Die theoretische Größe des
hydrographischen Beckens der Tschad-Depression.31
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Verzeichnis der Photos
Photo 1: Invers liegende Barchane.26
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Vorwort3
Einleitung 4
1 Gründe für die Aridität der Sahara
5
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2 Indizien für Paläoklimate in der
Sahara 10
2.1 Archäologische Indizien
11
2.1.1 Felsbilder11
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2.2 Pollenanalytische Indizien14
2.2.1 Rezente Vegetation der Sahara 15
2.2.2 Interpretationsprobleme bei den
Pollenanalysen16
2.2.3 Ergebnisse der Pollenanalysen 17
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2.3 Geologische Indizien22
2.3.1 Zonierung der Reliefformen22
2.3.2 Fossile Formen und ihre paläoklimatischen
Aussagewerte26
2.3.2.1 Äolische Ablagerungen 26
2.3.2.2 Limnische Ablagerungen30
2.3.2.3 Fluviatile Ablagerungen 31
2.3.3 Paläopedologische Indizien32
2.3.3.1 Interpretationsprobleme von
Paläoböden36
2.3.3.2 Paläoklimatische Aussagewerte von
Paläoböden36
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2.4 Isotopenhydrologische
Indizien37
2.4.1Ergebnisse der isotopenhydrologischen
Altersdatierung39
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3 Gründe für die Entstehung von
Pluvialen 43
3.1. Gang der Forschung 43
3.2. Gründe für die
Pluviale44
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Literaturverzeichnis49
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Vorwort
Das vorliegende Referat befaßt sich mit der
Thematik der Pluviale und der Interpluviale, die während eines geologisch
jungen Zeitabschnitts, dem Holozän, auf der Erde geherrscht haben. In
diesem Referat sollen verschiedene Forschungsstände zu verschiedenen
Erforschungszeiten und auch die jeweiligen Forschungsmethoden behandelt werden.
Bei der Bearbeitung dieses Themas trifft man unweigerlich auf Abweichungen,
insbesondere bei der Datierung der verschiedenen Zeiten, die zumeist aus
unterschiedlichen Datierungsmethoden stammen. Um ein möglichst
vollständiges Bild des Phänomens "Pluviale / Interpluviale" zu
bekommen, sind diese zum Teil nicht korrelierenden Zeitangaben zu
diskutieren.
Die Ausführungen über die holozänen
Pluviale beschränken sich schwerpunktmäßig auf die Sahara. Um
einen Vergleich zum Status quo zu haben, muß auch dieser erwähnt und
auch beschrieben werden. Das heißt, finden in den beschriebenen Gebieten
heute Vorgänge wie Bodenbildung und die damit verbundene
Vegetationsansiedlung statt ? Wie sieht die rezente Flächenbildung im
Vergleich zur holozänen aus ? Wieso sind heute diese Bereiche
überhaupt Wüsten ?
Pluviale sind Klimaabschnitte des Pleistozäns in
den heute trockenen Subtropen, die zu Beginn der Erforschung mit den
pleistozänen Warm- und Kaltzeiten korreliert wurden. Das kühlere Klima
der Pluviale sollte von stärkeren Niederschlägen begleitet sein, da
sich die Klimazonen der Erde während des Pleistozäns in Richtung des
Äquators verschoben haben. Für den gesamten ökologischen Zustand
war im Vergleich zu heute der günstigere Wasserhaushalt aufgrund
stärkerer Bewölkung und damit geringerer Verdunstung. Die
Interpluviale unterscheiden sich von den Pluvialen durch veränderte
Klimabedingungen, die sich in anderen geomorphologischen Phänomenen
ausdrücken. Zum Beispiel in Dünenbildungen im Gegensatz zu
Bodenbildungen, in sinkenden Seespiegeln im Gegensatz zu erhöhten
Seespiegelständen. Allgemein formuliert, in arideren und
lebensfeindlicheren Klimaten während des Pleistozäns.
Einleitung
Während des Pleistozäns herrschte in vielen
Gegenden der Erde ein anderes Klima als heute. Besonders in der Sahara war diese
Tatsache eine weitreichende Ursache in Hinblick auf heutige
Oberflächenformen, die offensichtlich unter anderen Umweltbedingungen als
heute entstanden sind. Die heute vorhandenen Serir-Flächen in der Sahara
sind ein Ergebnis einer humideren Epoche, die auf andere Akkumulations- und
Erosionsbedingungen schließen lassen. Die heutigen fossilen Dünen
südlich der Sahara lassen auf einen prähistorischen
Wüstengürtel schließen, der weiter südlich als heute
gelegen haben muß. Felsbilder lassen auf eine weit verbreitete
anspruchsvolle Säugetierwelt schließen. (SMITH, 7ff)
Im oberägyptischen Niltal zeugen alte
Flußterrassen von einer erhöhten Wasserführung, wohingegen in
Unterägypten keine Flußterrassen, aber dafür alte
Meeresterrassen vorhanden sind, die auf eine Eustasie größeren
Ausmaßes schließen lassen. (NILSSON, 342) Ähnliche
Phänomene lassen sich in Marokko nachvollziehen, wobei sich hier
biogeographisch bedingte Korrelationsschwierigkeiten zwischen dem Mittelmeer und
der Küste Marokkos ergeben, sodaß ein Rückschluß auf
prähistorische Meeresspiegelstände hier mit Schwierigkeiten verbunden
ist. (NILSSON, 347)
Man findet jedoch sowohl im Tschad-Becken als auch an
den ostafrikanischen Seen Felsformationen, die mit Spuren von
Süßwassermuscheln versetzt sind, sodaß mit Hilfe der
14C-Methode prähistorische Seespiegelstände rekonstruiert werden
können. (NILSSON, 344)
Ob nun diese Feuchtzeiten in der Sahara mit den
europäischen Kaltzeiten, bzw. Interpluviale mit warmen Episoden in den
höheren Breiten zu korrelieren sind, gilt es zu untersuchen. Vor allem, ob
die Entstehung von Pluvialen in heute ariden Gebiete vom europäischen
Eispanzer oder von globalen tektonischen Geschehnissen, die unterschiedliche
Strahlungs- und Strömungsverhältnisse hervorriefen könnten,
abzuleiten sind.
1 Gründe für die Aridität der
Sahara
Um die letzte Frage des Vorworts aufzugreifen - wieso
ist die Sahara trocken ? - und sie zugleich definieren zu wollen, sind
zahlreiche Faktoren zu beachten: die Lage in bestimmten Klimazonen, die damit
verbundenen Niederschläge, die daraus resultierenden biotischen Faktoren
wie Bodenbildung und Vegetation und die durch relative Vegetationsarmut
bedingten Verdunstungsverhältnisse, die wiederum andere Ein- und
Ausstrahlungsverhältnisse hervorruft, als sie zum Beispiel in den
gemäßigten Breiten anzutreffen sind.
Im einzelnen kann man folgende Phänomene wie folgt
zusammenfassen:
Eine Wüste ist ein Gebiet, das durch
Vegetationsarmut oder Vegetationslosigkeit charakterisiert ist und die durch
Wärme, Trockenheit und/oder Kälte bedingt wird (KAISER, 25). Die
folgenden Ausführungen über die Pluviale und Interpluviale
beschränken sich auf die sogenannten Trocken- und Hitzewüsten. Diese
sind dadurch gekennzeichnet, daß die Verdunstung gegenüber den
Niederschlägen dominiert. Diesen Sachverhalt faßte PENCK um
1910 in der Formel N - V < 0 zusammen (KAISER, 25).
Oder nach MECKELEIN, 1959, Nd < V
pot, wobei die Sahara die höchsten Verdunstungsraten mit
5-6m/Jahr erreicht. Im Vergleich dazu nehmen sich die Werte von 2,4m/Jahr
für Zentralaustralien und 2m/Jahr für die Kalahari geradezu bescheiden
aus (BESLER, 163). Die oben genannten Gebiete sind passatische Trockengebiete,
wobei deren Lage in den Passatgürteln der Erde nur ein Teilgrund für
ihre Aridität ist.
Der um 1956 von KOTESWARAM zum ersten Mal untersuchte
Ostjet ist die eigentliche Hauptursache der Aridität über Nordafrika.
Es handelt sich hierbei um sehr beständige Höhenwinde an der
Obergrenze der Troposphäre, die im Mittel Sturmstärken von 120 km/h,
und nicht selten 270 km/h erreichen.
Der Kern des Ostjets liegt bei 12-14° N und
aufgrund der Aufwölbung der Troposphäre in Äquatornähe in 14
km Höhe. Er erstreckt sich im Gegensatz zum circum-globalen Westjet von
150° E bis 20° W und ist im Gegensatz zu den Passaten nicht direkt von
der Änderung des Sonnenstandes abhängig; er bildet sich im (Nord) -
Sommer aus dem Druckunterschied zwischen einem extremen Höhenhoch über
Tibet und dem Höhentief über dem Indischen Ozean. Über dem
Hochland von Tibet liegen die Temperaturen der oberen Troposphäre um
8-10°C höher als über dem Äquator. Dieses Höhenhoch
entsteht einerseits durch die direkte Aufheizung der im Schnitt 4500 - 6000 m
ü. NN gelegenen Landfläche und anderseits durch die freiwerdende
Kondensationswärme der Steigungsniederschläge am
Himalaya.
Der Ostjet entsteht dabei aus dem Gradientwind zwischen
dem Hoch und dem Tief, der durch die Rechtsablenkung der Coriolisbeschleunigung
die starke Ostströmung als geostrophischen Wind in der oberen
Troposphäre hervorruft (BESLER, 164).
Wie im Bereich jeder Strahlströmung, existiert auch
hier gesetzmäßig im Mittel eine quer zur Strahlstromachse gerichtete
Querzirkulation, bei der die Querkomponente des Windes im Einzugsgebiet (in
diesem Fall im Osten) aus nördlich nach der kalten Seite, im ausgedehnten
Delta von 75°E bis 15°W über Nordafrika aber aus südlichen
Richtungen zur warmen Seite hin gerichtet ist (FLOHN, 1964,
60).
Das heißt, da die Coriolisbeschleunigung C
der Windgeschwindigkeit v proportional ist (C = 2v sin õ) und
dadurch im Entstehungsgebiet des Ostjets langsam anwächst, werden die
Luftmassen ageostrophisch, d.h., durch die abbremsende Wirkung der Bodenreibung
von der Windrichtung abweichend, gegen das Tief beschleunigt. Dabei wird
potentielle in kinetische Energie umgewandelt und es entsteht im
Jet-Entstehungsgebiet die oben beschriebene Querzirkulation im
Gegenuhrzeigersinn mit der aufsteigenden Luft über dem warmen Südasien
und der absinkenden Luft über dem relativ kühlen Ozean.
Anderseits erfolgt im Jet-Delta über Nordafrika
infolge der abnehmenden Geschwindigkeit - bei der Rückwandlung von
kinetischer in potentielle Energie- eine Windablenkung zum Höhenhoch hin
(BESLER, 164).
Die Auswirkungen dieser Umwandlung kann man auf
Wetterkarten in der Zeit von Mitte Juni bis Ende August beobachten, wo in 9-16
km Höhe eine riesige Höhenhochzelle über Nordafrika und dem Nahen
Osten verzeichnet ist (FLOHN, 1964, 64). Diese Zirkulation ist in der Höhe
gegen den hohen Druck gerichtet und erzwingt im Süden ein Aufsteigen in der
äquatorialen Kaltluft und im Norden ein Absinken in der
subtropisch-kontinentalen Warmluft, wobei die absinkende Luft um 3-5°C
wärmer als die aufsteigende ist (FLOHN, 1964, 62).
Man sieht, die Energiequellen für den Ost-Jet
liegen weit vom eigentlichen Betrachtungsgebiet - der Sahara- entfernt; die
Wärmequelle über dem Hochland von Tibet, genauer, ein abgeschlossenes
Wärmegebiet in 5,5 - 9 km Höhe wurde von FLOHN 1968 über
Südtibet nachgewiesen, das seine Entstehung im feuchten Südosten des
Landes dem Freisetzen latenter Wärme in den Gewittertürmen der
einströmenden Monsunluft verdankt, während im 4 - 5000 m hoch
gelegenen ariden Westen Tibets die von der Strahlungsbilanz am Boden gelieferte
fühlbare Wärme zu dem oben genannten Wärmegebiet
beiträgt.
Diese permanente Wärmequelle und ihr Gegensatz zu
den Temperaturen der Äquatorzone ist die Ursache für die
Intensität - die Geschwindigkeit beträgt im Schnitt 30-40 m/s, also
rund 110-140 km/h- und Konstanz dieser tropischen Strahlströmung. Das oben
erwähnte Höhenhoch im Deltabereich des Ost-Jets wird durch die, zum
hohen Druck gerichtete, Querkomponente erhalten, die gleichzeitig ein
großräumiges Absinken von 600m pro Tag auf einer Fläche von fast
7 Millionen km¨ bewirkt (FLOHN, 1964, 65).
Der absinkende Teil des Ost-Jets fällt mit der Lage
der Nördlichen Tropischen Konvergenz im Sommer zusammen, sodaß
hierbei die Konvektion - auch von monsunalen Luftmassen- verhindert, oder
zumindest unterdrückt wird. Daher ist die Tropische Konvergenz nicht wie im
Süden die Niederschlagszone, da die Niederschläge erst dort auftreten
können, wo die absinkende Bewegung der Querzirkulation in den horizontalen
Austausch übergeht. Das bedeutet für Nordafrika, daß eine
trockene Monsunzone im Norden und eine feuchte Monsunzone zwischen 16-17° S
existiert (BESLER, 165).
Zusammenfassend kann man festhalten, daß die
Sahara ihre extreme Aridität letztendlich dem Relief Asiens, und nicht
ihrer eigenen Kontinentalität, verdankt.
2. Indizien für Paläoklimate in der
Sahara
1 Archäologische Indizien
Hierzu gehören die zahlreichen Felsbilder,
die sich in heute ariden bis hyperariden Gebieten befinden. Hinzu kommen noch
aus der Alt- und Jungsteinzeit stammendearchäologische Funde an und auf den
Hochflächen der Sahara (BUTZER, 1971, 352).
2 Pollenanalytische Indizien
Für die Altersbestimmung von organischen Substanzen
hat sich die Pollenanalyse bisher als brauchbar erwiesen. Allerdings ist
die Erhaltung der Pollen in saharischen Ablagerungen ziemlich gering. Hinzu
kommt noch, daß die Pollenspektren durch Fernflug und Umlagerung aus
älteren Lagerstätten dergestalt verfälscht werden, daß eine
Aussage über die tatsächliche Flora und deren Alter selten
möglich ist (BUTZER, 1971, 353).
3 Geologische und bodenkundliche
Indizien
Eine Reihe von fluvialen, äolischen und
limnischen Ablagerungen und Erosionsformen können
geomorphologischen Prozessen während des Holozäns zugeschrieben
werden. Wo sich diese Phänomene von den gegenwärtigen Prozessen
unterscheiden, sind qualitative paläoklimatische Rückschlüsse mit
einem befriedigenden Grad an Zuverlässigkeit möglich (BUTZER, 1971,
353).
Fossile Böden oder Reliktböden,
die sich heute nicht mehr bilden, weisen auf eine ehemalige
Bodenbildungsintensität hin, die im Widerspruch zum Klima und zur heutigen
Vegetation steht. Wenn solche Paläoböden mit rezenten Böden aus
entsprechenden Klima- und Vegetationszonen verglichen werden, lassen sich deren
Bewuchs und Bildungsbedingungen interpretieren. Mithilfe der 14-C-Methode kann
man dann deren Alter feststellen. (BUTZER, 1971, 353)
4 Isotopenhydrologische Indizien
Infolge der unterschiedlichen physikalischen
Eigenschaften leichter und schwerer Wässer, kommt es in den
Niederschlägen (und damit auch im Grundwasser) vom Meer in Richtung der
Kontinente zu dem Phänomen, daß Wässer kontinentwärts an
schweren Molekülen verarmen. Diesen Massenunterschied kann man messen und
daraus das Alter der Niederschläge ableiten (HÖLTING,
155).
2.1. Archäologische
Indizien
2.1.1. Felsbilder
Auf Felsen der saharischen Hochländern wie der
Hoggar in Algerien, wo im Jahre 1933 die ersten Felsbilder entdeckt wurden, das
Aïr-Massiv im Niger, das Tibesti-Massiv im Tschad, dem Gilf-Kebir in
Ägypten sowie dem Djebel-Uweinat und dem Darfur-Massiv im Sudan, weiterhin
in manchen Senken und Trockentälern wie dem Fezzan in Libyen, den Oasen
Dakhla und Kharga in Ägypten, zeichnete der prähistorische Mensch
anspruchsvolle Tierarten aus dem sudanesischen Bereich. Heute bieten die meisten
dieser Gegenden allenfalls für Antilopen und Gazellen eine
Existenzmöglichkeit. Die Fauna der Felsmalereien wird zweifellos eine
günstigere Umwelt als in der jetzt öden und verlassenen Wüste
vorgefunden haben. (BUTZER, 1958, 20)
Diese Darstellungen geben zwar einen Ein- und
Überblick über die neolithische Fauna und deren geographische
Verbreitung. Allerdings ist beim Rückschluß auf die neolithische
Umwelt ein chronologischer Widerspruch vorhanden, denn die Darstellungen wurden
im Verlauf von mehreren Jahrtausenden gezeichnet, sodaß es durchaus sein
kann, daß bestimmte Tierarten nur in bestimmten Zeiten und unter
bestimmten Umweltbedingungen vorgekommen sind. Durch einen Vergleich der
heutigen Ausbreitungen derselben Tiergattungen in ihren ökologischen
Grenzen ist dies in einem gewissen Rahmen möglich. Die Trockengrenze, die
das Grenzvorkommen eines geschlossenen Bestandes an Tierarten darstellt, ist
anhand der Niederschlagskarte von DUBIEF, 1953, nachzuvollziehen. Das
prähistorische Vorkommen ist sowohl auf der Karte 1 als auch auf der Karte
2 ersichtlich, wobei auf Karte 2 die Gebiete des heutigen Bestandes verzeichnet
sind.
Die Giraffe kommt heute bis zur 200 mm-Isohyete vor. In
antiken Zeiten und im Mittelalter wurde ihr Vorkommen in Gegenden wie der
Nordrand des Fezzans und im Bereich der Kufra-Oasen erwähnt, die heute
zwischen 50mm und 150mm Jahresniederschlag erhalten.
Das Vorkommen der Elefanten, die heute in geschlossenen
Verbänden in Gegenden mit rund 250 mm Jahresniederschlag vorkommen, wurde
aus Gegenden mit heute 100-150mm Niederschlag überliefert. Ebenso ist das
rezente Vorkommen des Flußpferdes an permanente Wasserflächen oder
Tümpel gebunden, sodaß diese Spezies als geschlossener Verband in
Bereichen mit rund 500 mm Jahresniederschlag vorkommt. Das Rhinozeros ist heute
in Gegenden mit 250mm Niederschlag anzutreffen (BUTZER, 34f).
Man könnte leicht dazu geneigt sein,
Rückschlüsse auf das Paläoklima zu ziehen. Allerdings liegen
zwischen den einzelnen Fundorten wie Tibesti, Hoggar und Fezzan beispielsweise
hunderte von Kilometern, sodaß man zwar an den Fundstellen der Felsbilder
ungefähre Vorstellungen über das zur Herstellungszeit herrschende
Klima bekommen könnte. Aufgrund der großen Intensität der
physikalischen Verwitterung sind Darstellungen auf weniger resistenten Felsen
nicht mehr vorhanden, sodaß das so gewonnene Bild eher unvollständig
bleibt.
Um aber eine ungefähre chronologische Einordnung zu
geben, seien hier Butzers Ergebnisse aus dem Jahre 1958 aufgeführt, bei
denen die verwendeten Farben mit Hilfe der 14C-Methode auf ihr Alter
untersucht wurden, wobei er zu folgender Epochenchronologie der Felsbilder
kommt:
- Die jungsteinzeitlichen Jäger um 6500 -
5600 BP. fertigten überwiegend naturalistische, dunkel patinierte
Einzeldarstellungen in Größen von 0,50 - 3m an, die allesamt tief und
sorgfältig eingeschliffen wurden. Dargestellt wurde Großwild wie zum
Beispiel Flußpferde, Krokodile, Rhinozerosse und Elefanten, Giraffen,
sowie Strauße und Antilopen.
- Die nomadischen jungsteinzeitlichen
Viehzüchter und Jäger ab ca. 6000 BP. verlegten sich auf
Gruppendarstellungen in Form von Gravierungen und Malereien, die weniger
naturalistisch, aber heller patiniert und von kleinerem Ausmaß waren. Die
Abbildungen bestehen zumeist aus Rinderherden und Jagdwild, wobei eine
allmähliche, wohl anthropogen bedingte, Zurückdrängung der
anspruchsvolleren Arten wie Hippopotamus, Rhinozeros und Elefant festzustellen
ist. Die drei zuletzt genannten Arten verschwinden in der östlichen Sahara
nach 4750, in der zentralen Sahara um 4000 BP
- Nach 3500 BP. in der Ostsahara und um 2200 BP. in der
Mittelsahara stellen die sogenannten Streitwagen-Krieger einige hell
patinierte, eingehämmerte und mit punktförmigen Umrissen gestaltete
Malereien und Gravierungen dar, wobei Pferde, Giraffen, Strauße und
Antilopen abgebildet worden sind.
- Die seit Beginn der Zeitrechnung eingewanderten
Kamelnomaden haben primitive, schematische und kaum patinierte
Darstellungen hinterlassen, auf denen Kamele, Strauße und
Mähnenschafe abgebildet wurden (BUTZER, 1958, 43f).
Wie man aus obigen Ausführungen entnehmen kann,
sind die Felsbilder in der Sahara nur ein Indiz für ein Klima, das im
Gegensatz zu heute, höhere und anspruchsvollere Säugetierarten
zuließ. Es muß weiter untersucht werden, mit welchen Hilfsmitteln
das offensichtlich günstigere prähistorische Klima in der Sahara
rekonstruiert werden kann.
2.2.Pollenanalytische Indizien
Um Rückschlüsse auf das prähistorische
Klima zu erhalten, versuchten Forscher, die prähistorische Vegetation
anhand von Pollenfunden in Fluß- und Seeterrassen und deren Analysen zu
datieren und zu charakterisieren. Um einen Vergleich zur rezenten Vegetation zu
erhalten, soll dazu eine kurze Einführung gegeben werden.
2.2.1. Rezente Vegetation der
Sahara
Die Vegetation der Sahara ist durch eine relative
unregelmäßige räumliche Verbreitung charakterisiert. So zeichnet
sich die Nordsahara durch eine diffuse Vegetation aus, d.h., eine sehr locker
bewachsene Wüstensteppe, während sich in der Zentralsahara die
Vegetation fast ausschließlich auf die Wadiläufe konzentriert. Aber
auch in den begünstigten Gebieten ist die Vegetation nur eine Folge lokaler
Niederschläge, wobei hier während Trockenperioden nur vereinzelte und
verkümmerte Arten zu finden sind. Generell ist festzustellen, daß die
geringe Anzahl von Pflanzenarten durch die extreme Aridität des Klimas und
das Fehlen von entwickelten Böden bedingt wird (QUÉZEL,1971,
436f).
Die feuchteren, überwiegend gebirgigeren Regionen
der nordafrikanischen und vorderasiatischen Mittelmeerküste sind durch die
Hartlaubvegetation des Winterregengebiets gekennzeichnet. Der sich südlich
daran anschließende Steppengürtel ist im wesentlichen baumfrei und
wird von Halbsträuchern wie Artemisia und von Steppengräsern wie
Stipa-, Poa-, Halfa- und Espartogras eingenommen. Die vorwiegend im Winter
fallenden Niederschläge betragen hier 200-400 mm, woraus sich noch eine
gleichmäßig verteilte Strauch- und Gräserbedeckung bilden kann.
Gegenden mit 25% Bodenbedeckung durch Pflanzenbewuchs rechnet man noch zur
Halbwüste (MENSCHING, 1972, 38).
Der Übergang zu den nördlichen Savannen wird
von Akazien oder von Tamarisken gebildet (SCHULZ, 1987, 439), wobei diese
"diffuse" Vegetation der Savanne dann allmählich in eine "kontrahierte"
Vegetation übergeht, d.h., eine auf wenige, durch Klima, Exposition und
Boden bevorzugte Ansiedlung in einer vegetationslosen Umgebung (WALTHER, 437),
worunter Senken, Abflußmulden und Trockentälern
fallen.
Die paläotropische Flora der südlichen Sahara
ist eng an das tropische Klima gebunden, wohingegen die Flora der weitgehend
extrem ariden zentralsaharischen Becken weitgehend an den jeweiligen
Grundwasserspiegel gebunden ist. Die Flora der saharischen Hochländer und
Gebirge beinhalten viele Gemeinsamkeiten der nördlichen und südlichen
Sahara. Mediterrane Elemente sind in Höhen um 1000-2000 m dominant,
gleichzeitig sind sie aber durchsetzt mit tropischen Arten und Vertretern der
prähistorischen panafrikanischen Randflora (LE HOUÉROU,
13).
Die Entdeckung von zahlreichen Reliktarten von
biogeograpisch unterschiedlicher Bedeutung, besonders auf den Hochgebirgen,
veranlaßte Botaniker zu palynologischer Untersuchungsmethoden, sodaß
man aufgrund dieser Ergebnisse die Geschichte des Pflanzenlebens seit Beginn des
Quartärs rekonstruieren konnte (QUÉZEL, 1971, 473). Hinzu kommt
noch, daß man bei zahlreichen Untersuchungen von Pollenspektren in der
Sahara festgestellt hat, daß der rezente Übergang von saharischer zu
sahelischer Vegetation von Zypressen und Graminae gebildet wird, womit die
prähistorische Grenze zwischen Sahara und Sahel gezogen werden kann
(SCHULZ, 1987, 438).
2.2.2. Interpretationsprobleme bei den
Pollenanalysen
Eine direkte Übertragung der aktuellen
Pollenspektren auf holozäne Sedimente ist jedoch nicht immer ohne weiteres
möglich, da die Frage einer selektiven Verwitterung der Pollenkörner
nicht geklärt ist. Die Erfahrungen aus dem aktuellen Pollenniederschlag
zeigen , daß der Anteil an Fernflugkomponenten sehr groß ist. So
müssen die wenigen Pollenkörner der temperierten und mediterranen
Florenelemente durch Ferneinfluß erklärt werden, da sich vor allem in
Gebirgsbereichen eine Anreicherung von weit verfrachteten Pollen einstellt
(SCHULZ, 1980, 154).
Was sehr wichtig für die weitere Betrachtung ist,
daß sich die jeweiligen Witterungsbedingungen im jeweiligen
Pollenniederschlag widerspiegeln (SCHULZ, 1980, 166), sodaß man aus
gefundenen Pollen erstens Rückschlüsse auf die Arten und zweitens
deren umgebendes Klima tätigen kann. Dies trifft aber nur dann zu, wenn die
Pollen nicht durch eine spätere Umlagerung und weiteren Transport in
Sedimenten auftreten, die nicht die geoökologische Situation der Pollen
repräsentieren. Somit sind Rückschlüsse auf die
prähistorische Flora nur möglich, wenn in der weiteren Umgebung des
Fundortes rezent dieselben Pollen der Flora auftreten (LITTMANN, 1988,
36).
Palnyologische Untersuchungen um 1950 ergaben
beispielsweise eine weite Ausbreitung der mediterranen Flora in der Zentralen
Sahara, und dort vor allem an den Fußflächen der Gebirge. Auf den
Bergen wuchsen Koniferen wie die Pinie und die Zeder. Man kann allerdings nur
sagen, daß sich diese mediterrane Flora in den alluvialen Terrassen
gehalten hat (QUÉZEL,1963, 244).
Diese Ergebnisse sind jedoch mit einiger Vorsicht zu
genießen, da nämlich die unterschiedliche hohe Pollenproduktion
verschiedener Arten sowie die sehr unterschiedliche Haltbarkeit der Pollen zu
lokaler Unter- bzw. Überrepräsentation bestimmter Arten in den
Pollenspektren eines Fundorts führt (LITTMANN, 1988, 36).
Eine weitere Verfälschung der Pollenspektren kann
außerdem dann auftreten, wenn der Wüstenboden durchfeuchtet ist,
sodaß von weit vom Pollenfundort entfernt liegenden Wäldern Pollen
verfrachtet werden und der Blütenstaub vom feuchten Boden festgehalten
wird. Hierbei werden die Pollen vor späterer Umlagerung und Zerstörung
weitgehend bewahrt. Auf einem ausgetrockneten Boden bleibt der herangewehte
Blütenstaub hingegen nicht lange liegen und er wird schnell zerstört
(FRENZEL, 191).
2.2.3. Ergebnisse der
Pollenanalysen
QUÉZEL erhielt bei Pollenanalysen um 1950
folgende Ergebnisse für die Vegetation in verschiedenen Epochen, aus denen
er dann Rückschlüsse auf das jeweils vorherrschende Klima in der
Zentralen Sahara ziehen konnte:
Für die Zeit um 10.000 BP fand QUÉZEL
Steppenvegetation und eine womöglich nur diffuse mediterrane Vegetation in
der Zentralen Sahara heraus, die auf ein arides Steppenklima schließen
läßt.
Um 8.000 bis 6.000 BP wuchsen auf den Hochflächen
Mischwälder, die aus Zedern und verschiedenen Eichenarten bestanden,
wohingegen in den Niederungen Aleppokiefern anzutreffen waren. Hieraus leitete
QUÉZEL ein Csa-Klima ab.
Für die Zeit von 5.000 bis 2.800 BP herrschte ein
BSh-Klima, in dem Aleppokiefern, Olivenbäume und Zypressen in den
Niederungen, sowie in den Hochlagen Zedern, Nußbäume und verschiedene
Eichen wuchsen. Ab 2.800 bis 500 BP verschwand nahezu die gesamte mediterrane
Flora aus der Zentralen Sahara, gleichzeitig wanderte die Akazie ein. Daraus
schloß QUÉZEL eine Klimaänderung vom mediterranen zum
sahelischen Klima. Seit 500 BP läßt sich eine fortschreitende und
schnelle Desertifikation in der Zentralen Sahara feststellen, was auf ein
trockenheißes Wüstenklima schließen läßt.
(QUÉZEL,1962, 247)
BUTZER veröffentlichte 1971 seine Ergebnisse
für die Vegetation und das entsprechende Klima in verschiedenen Regionen
innerhalb der Sahara. Er beschränkt sich stärker als QUÉZEL auf
qualitative Aussagen zum Klima. Für die Téneré, Ägypten
und Äthopien, und unter Umständen auch für den Fezzan,
formulierte BUTZER für die Zeit um 8.000 bis 5.500 v.Chr ein im Vergleich
zu heute feuchteres Klima. Für die weiteren Zeiten kommt er auf
ähnliche Ergebnisse wie QUÉZEL, seine Ergebnisse sind aber im
Vergleich zu QUÉZEL insgesamt vorsichtiger.
Einen anderen Weg gingen LAUER und FRANKENBERG, die ohne
Pollenanalysen die Vegetation, deren jeweilige Bereiche in der Sahara als auch
die jährlichen Niederschlagsmengen für die Zeit zwischen 5.500 und
18.000 BP modellierten.
LAUER / FRANKENBERG konstruierten um 1979 anhand von
quantitativen Untersuchungen der rezenten Vegetation, der daraus resultierenden
nördlichen und südlichen Florengrenze der Sahara, sowie deren
determinierenden jährlichen Mindestniederschlag, Pflanzen- und
Niederschlagsgrenzen für die Zeit zwischen 5.500 bis 18.000 BP. Die Grenze
für den nördlichen und südlichen Pflanzenbewuchs korreliert dabei
mit der 100 mm Isohyete und die Grenze zwischen der holoarktischen und der
paläoarktischen Flora lehnt sich an der 24,5°C-Isotherme für das
langjährige Mittel an. Dann wurde die absolute Anzahl der Pflanzenarten in
Gittern mit 80 km Seitenlänge untersucht, wobei die Anzahl der
verschiedenen Pflanzenarten die Netto-Produktion an Pflanzenmasse, d.h., 1 Art
liefert pro m¨ 1 Gramm Pflanzenmasse, sowie den Prozentsatz der
Bodenbedeckung bestimmt.
Letztendlich erhielt man folgende Resultate: Die Werte
für die potentielle Evapotranspiration (ETP) in der Zeit um 5.500 BP waren
mit den heutigen gleichzusetzen, wohingegen die Werte der ETP in der Zeit um
18.000 BP in der nördlichen Sahara um 40% , in der südlichen Sahara um
10% unter den heutigen Werten lagen. Diese Ergebnisse lassen für die Zeit
um 5.500 BP schließen, daß die Grenze der tropische Vegetation um
rund 20-30° nördlicher als heute lag.
Die Grenze der holoarktischen und paläotropischen
Flora verlief am Südrand des Atlas, nördlich des Plateaus von
Tademaït und südlich des heutigen Grand Erg Oriental. In der Zeit um
18.000 BP lagen oben aufgeführte Grenzen um rund 10° südlicher
(LAUER/FRANKENBERG, 1979b, 307-310).
SCHULZ erhielt bei pollenanalytischen Untersuchungen im
Jahre 1987 auf nahezu gleiche Ergebnisse; die nördliche Savannengrenze
verschob sich im Mittleren Holozän, also während der Zeit um 8000-6000
BP, auf 20-22°N, was auf sommerliches Monsunregen-Regime schließen
lassen könnte. Dieser Sachverhalt wird durch Pollenfunde in den
Pollenspektren ersichtlich, die durch Transporte über große Distanzen
aus südlichen Richtungen in zentralsaharische Gegenden wie Mali und Niger
verfrachtet wurden. Atlantische Zyklonen üben zwar heute auch einen
Einfluß auf die Pollenverfrachtung aus, doch dieser ist im Vergleich zum
holozänen Einfluß zu gering. Somit kann man die jährliche
Niederschlagsmenge im Mittleren Holozän für Mali und Niger mit 200 -
300 mm veranschlagen (SCHULZ, 1987, 442).
2.3.Geologische Indizien
In den bisherigen Ausführungen sind vor allem
biotische Indikatoren für sowohl feuchtere als auch aridere Klimate als
heute in der Sahara aufgeführt worden. Jedoch sind diese Indikatoren, wie
zum Beispiel Pollen, in abiotischen Faktoren wie fluvialen, limnischen und
äolischen Ablagerungen erhalten geblieben. Ja sogar die Felsbilder blieben
auf abiotischen Faktoren erhalten, sodaß in diesem Abschnitt die
geologischen Indizien für Pluvial- und Interpluvialzeiten behandelt werden.
Um geologische Indizien als solche zu erkennen, soll eingangs auf die rezente
Morphodynamik eingegangen werden. Dergestalt, welche fluvialen, limnische und
auch äolischen Formen schafft das rezente Klima.
2.3.1. Zonierung der
Reliefformen
HÖVERMANN veröffentlichte 1967 eine Arbeit
über die Hangformen und die Hangentwicklung zwischen Syrte und Tschad, in
der er von den angetroffenen Formen ausging, die sich in Formungsregionen mit
eigentümlichen Formungsstil gruppieren lassen. Diese Gruppierung zeigt
einerseits eine vertikale Stufung, anderseits eine Zonalität.
Es ergaben sich bei dieser Untersuchung mindestens
fünf Relieftypen, die sich als Folge eines von klimatischen
Faktorkombinationen bestimmten Formungsprozesses
präsentieren.
1. Eine Pedimentregion.
2. Eine Region mit Sand- und Kiesebenen mit Inselbergen,
die durch Randfurchen von der Ebene getrennt sind.
3. Inselberglandschaften, in denen sich aus
Flachmuldentälern oder Spülmulden bestehende Rumpfflächen
tieferlegen.
4. Ein aerodynamisches Relief mit reinen äolischen
Formen.
5. Ein schuttreiches Höhenrelief mit Schottersohlen
in den Tälern, das in den höchsten Erhebungen durch periglaziale
Vorgänge gesteuert wird (HAGEDORN, 1979, 51).
Diese Relieftypen ordnen sich in unterschiedlichen
Stockwerken besonderer klimatischer Prägung an und lassen zugleich eine
meridionale Abfolge erkennen. Es ist ein dreidimensionaler Aufbau, in dem sich
die einzelnen Formungsgruppen einordnen.
An der Mediterraneis herrschen Täler vor, die von
Schrägflächen abgelöst werden (Pedimente). Geht man weiter nach
Süden, heben sich diese Flächen von den tiefsten Gebieten, die jetzt
aus Dünen oder Sandflächen bzw. äolischen Abtragungsformen
bestehen, ab.
Weiter südlich haben diese Pedimente fossilen
Charakter und werden fluviatil und äolisch weitergebildet, während
sich in der Vertikalen ein Stockwerk intensiver Tiefenerosion anschließt.
Dieses Gebiet wird gemeinhin als die Region der Wüstenschluchten
bezeichnet.
Südlich des Wendekreises stellen sich Flächen
eines anderen Typs ein, die sich durch die fossilen Flächen von
Randfurchen-Inselbergen charakterisieren. Diese Flächen werden heute als
"Sandschwemmebenen" weitergebildet. Das aerodynamische Relief nimmt hier
wiederum die tiefergelegenen Flächen ein.
Am südlichen Rand der Sahara geht dann diese Zone
in die rezente Inselberg-Rumpfflächenlandschaft über. (HAGEDORN,
51)
Eine Betonung auf die unterschiedlichen landschaftlichen
Gegebenheiten, die bei gleicher Niederschlagsmenge (hier als Beispiel 50mm/Jahr)
unterschiedliche morphologische Phänomene zeigen, zeigt die folgende
Abbildung (ROGNON, 46). Einem Sandboden stünden dann 40mm Wasser zur
Verfügung, einem Lehm- oder Felsboden nur 5mm, wobei der Großteil
verdunstet. Fließt auf einem Inselberg der gesamte Niederschlag ab, und
versickert dabei im Fußflächenbereich, so bildet sich dort ein
Aquifer.
Auf einem Serir versickert nahezu nichts, da es sofort
verdunstet. Werden landwirtschaftliche Nutzflächen drainiert, so bildet
sich in tiefergelegenen Senken Sepkhas, während sich bei nicht-drainierten
Flächen die Abflußlinien nachzeichnen. Versickern die gesamten
Niederschläge und besteht noch die Möglichkeit, daß die
Niederschläge durch Klüfte abfließen können, so bilden sich
Seen oder Schichtquellen wie in den Tassli der Adjer. Ganz im Gegensatz zum
Plateau von Tademaït, wo, bedingt durch die landschaftlichen Gegebenheiten
wie Serir-Flächen, die gesamten Niederschläge
verdunsten.
Diese Erkenntnisse sind deswegen wichtig, damit die
verschiedenen Auswirkungen ersichtlich werden, die eine gegebene
Niederschlagsmenge auf die jeweilige Umgebung hat, je nachdem ob das Wasser
gespeichert wird oder verdunstet.
Tritt der erste Fall ein, kann eine lokale Pedogenese
stattfinden,, die wiederum für die Abtragung sehr unterschiedliche
Voraussetzungen schuf. (SKOWRONEK, 156) Somit können dann an
Landschaftsformen, sowie an etwaigen Oberflächenrelikten wie Böden,
Zeugen von Paläoklimaten nachvollzogen werden. Dieser Sachverhalt wird in
den Abbildungen 4-7 (ROGNON, 50) verdeutlicht. Tab. 1 (LITTMANN, 1988,
65) gibt einen Überblick über die verschiedenen Landformen zu
bestimmten Zeiten.
2.3.2. Fossile Formen und ihre paläoklimatischen
Aussagewerte
2.3.2.1. Äolische
Ablagerungen
Eine Untersuchung, die äolischen Ablagerungen
betreffend, über die möglichen Paläowindrichtungen hat als
Ausgangs- und Anlaßpunkt, die Beobachtung von Barchanabdrücken auf
der Oberfläche lakustriner Sedimente des ehemaligen Tschadsees, rund 200 km
südlich des Emi-Koussi gelegen. (Vgl. Photo Nr.1) Diese Abdrücke
liegen im Vergleich zu heute um 180° gedreht, also in inverser Richtung, zu
den heutigen Barchanen (HAGEDORN; 1990, 235).
Diese Entdeckung läßt auf folgenden
Sachverhalt schließen: zur Bildungszeit der Barchanabdrücken
muß ein Klima geherrscht haben, daß durch einen stärkeren und
längeren sommerlichen SW-Monsun und einen stark abgeschwächten
winterlichen NE-Passat charakterisiert war. Für die Bildung dieser inversen
Barchanfelder waren im Vergleich zu heute um ein Vielfaches höhere und
andauerndere Windgeschwindigkeiten nötig, die zudem noch eine große
südwestliche Richtungskonstanz hatten.
Diese ist aber nicht an der Front des mit der Wanderung
der ITC verbundenen SW-Monsuns zu erwarten, da sie sich erst ein stellt, wenn
die Front erheblich weiter nach Norden gewandert ist. Daraus folgt eine
wesentlich nördlichere Lage der ITC im N-Sommer als heute.
Damit ist gleichzeitig ein großer Energie- und
Wasserdampftransport in die zentrale Sahara mit einer entsprechenden
Instabilität der Atmosphäre im Gebiet der heutigen Hochdruckzellen
verbunden (HAGEDORN; 1990, 244f).
Im Ansatz ähnliche Ergebnisse erhielt SARNTHEIN,
der 1979 in Tiefseebohrungkernen vor der Küste Westafrikas sowohl
äolisches (durch den Harmattan) als auch fluviatil verfrachtetes Material
(durch den Senegal-Fluß) vorfand und damit sowohl auf die
Abflußverhältnisse als auch auf die klimatischen Verhältnisse
rückschließen konnte. An dieser Stelle sollen nur die äolisch
verfrachteten Materialien besprochen werden.
Die Staubfracht der Harmattan-Winde (sehr trockene,
heiße und staubreiche NE-Winde des Passatregimes, die aus der Sahara auf
die atlantische Küste zuwehen.) kam während des letzten Klima-Optimums
nicht völlig zum Erliegen, sondern sie war deutlich grobkornärmer.
Wesentlich ist es, daß das Ausbruchszentrum des Harmattanstaubs konstant
bei 18° bis 20°N lag.
Dieser Windgürtel war also im Verhältnis zur
letzten Eiszeit nicht erkennbar nach Norden verschoben. Allerdings wurde damals
um 6000 BP die Passatwinde von Veränderungen erfaßt, da kaum noch
ungefärbter Passatstaub in den Bohrkernen enthalten war. Hinzu kommt noch,
daß Auftriebsphänomene des ozeanischen Wassers, die kalte Wässer
aus großen Tiefen an die Wasseroberfläche transportieren nahezu
fehlen, so daß in diesem Zeitabschnitt wärmeliebende Molluskenarten
einwanderten. Und diese wiederum konnten mit Hilfe der 14C-Methode
datiert werden.
Aus diesen Indizien kann man schließen, daß
sich die Windgürtel der Sahara - im Gegensatz zur atmosphärischen
Zirkulation in den polaren und gemäßigten Breiten- beim Wechsel
zwischen Kalt- und Warmzeiten nicht erkennbar pol- oder äquatorwärts
verschoben haben. Genauso sollten auch die großen Trockengürtel der
Subtropen nicht eine Nord-Süd-Verschiebung, sondern abwechselnd Phasen der
Spreizung und Schrumpfung mitgemacht haben. Für die zwischengeschalteten
Trockenzeiten sind vor allem ablandige Windrichtungen verantwortlich, die mit
dem verstärkten ozeanischen Auftrieb am Äquator in einem kausalen
Zusammenhang stehen.
Dadurch gelangte kühleres Wasser an die
Meeresoberfläche und verringerte dort die Verdunstung; verminderte
Wasserdampfbildung verringert wiederum die Bildung von tropischen Zyklonen, die
für den Feuchtigkeitstransport vom Ozean zum Kontinent verantwortlich sind.
Diese Vorgänge wurden durch die Vergrößerung der Landmassen
infolge der Meeresspiegelabsenkung noch verstärkt (SARNTHEIM,
64).
Weitaus hypothetischeren Charakter hatte die Diskussion
über den paläoklimatischen Aussagewert von sogenannten "fixierten"
oder "fossilen" Dünen am südlichen Rand der Sahara, die sich vom
Senegal bis in den Sudan erstrecken. Stellvertretend für die zwar
zahlreiche, aber auch sehr widersprüchliche Literatur soll an dieser Stelle
ein Aufsatz von MENSCHING soweit vorgestellt werden, wie er ohne
Widersprüche bleibt. Wichtiger bleibt zum Schluß, ein Resümee zu
ziehen, inwieweit die sogenannten "fixierten" Dünen als
paläoklimatischer Indikator dienen können.
Der nördliche Rand der Altdünen fällt,
generalisiert man lokale Abweichungen, mit der heutigen 150 mm Isohyete am
südlichen Rand der Sahara zusammen, wodurch auf vielen, durch Vegetation
fixierten, Altdünen seitens der Bevölkerung Hirseanbau betrieben wird.
Wird aber diese Vegetationsdecke zerstört, so trägt die fehlende
Vegetation zu einer Mobilisierung der Sandflächen bei (MENSCHING, 1979,
72). Hier ist es, daß menschliche Eingriffe eine weitreichende
Veränderung von lokalen Dünenkomplexen hervorrufen können. Aber
auch in Phasen verstärkter Aridität können größere
Teile von Dünenkomplexen mobilisiert werden, da dann nämlich die
fixierende Pflanzenbedeckung auf den Dünenkämmen fehlt (MENSCHING,
1979, 76).
MICHEL (1973) fand im heute überfluteten Bereich
vor der Senegalküste Dünensande, mit deren Bildungsphase die letzte
marine Regressionsphase des nordischen Glazials verbunden wird. In dieser Zeit
endete der Lauf des Senegals wohl in einem endorheischen Becken, was den
Antransport der dort befindlichen großen Sandmassen erklären
würde. Die Ausrichtung der alten Dünen spricht für vorherrschende
Winde aus nordöstlichen Windrichtungen, die aus den fluvialen
Sandablagerungen den alten Erg geformt haben (MENSCHING, 1979,
75).
Generell ist es vielen Forschern noch nicht gelungen,
den sahelischen Altdünengürtel ganzheitlich zu datieren. Als ein
Problem stellt sich hierbei die polygenetische Bildung als morphogenetische
Sequenz und die an bestimmten geographischen Gegebenheiten (wie zum Beispiel
endorheische Becken, alte Talsysteme u.a.) gebundenen Altdünen dar.
Durch die hohe morphologische Mobilität bei schon
geringen Klimaänderungen werden regionale Unterschiede hervortreten und
somit ist eine sichere zeitliche Einordnung in paläoaride Phasen der Sahara
nahezu unmöglich. Als eindeutiger paläoklimatischer Indikator dienen
Dünen daher nur bedingt (MENSCHING, 1979, 76).
2.3.2.2. Limnische Ablagerungen
Der Tschadsee ist ein seit langem diskutierter Indikator
der paläoklimatischen Entwicklung in der Südsahara. Zahlreiche
Veröffentlichung zeugen zwar von einer gewissen Wichtigkeit, die
zahlreichen Widersprüche in der Literatur lassen aber keine klaren Aussagen
zu. Die folgenden Ausführungen beschränken sich auf LITTMANN, 1988, da
dort ältere neueren Forschungsergebnissen gegenübergestellt
werden.
Eine der ersten Transgressionen um 38.000 bis 36.000 BP
äußerte sich nur durch Flachseebereiche - die heute noch zum Teil im
Tschadsee vorherrschen- innerhalb der umliegenden Dünen. Für die Zeit
um 24.000 bis 22.000 BP kann die erste größere Transgression
nachvollzogen werden, die aber noch von einer ausgeprägten
Austrocknungsphase von 20.000 bis 12.000 BP abgelöst wurde. Bei jeder
Transgression von über 4 m mußte bei einem rezenten Seespiegel von
280 m NN ein Überfließen in die NE-gelegene Bodelé-Region
erfolgen, sodaß sich während des frühen Holozäns um 10.000
BP ein "Mega-Tschadsee" mit einer Fläche von rund 360.000 km¨ (rezente
Fläche 10-20.000 km¨, vergleichbar mit der Größe des
Kaspischen Meers) bildete, der dabei damals vorhandene Altdünen
überflutete. Ab etwa 12.000 BP folgten in der
Nigéro-Tschadien-Formation mehrere deutliche Transgression aufeinander,
die jeweils in Erwärmungsphasen fallen, zwischen 12.000 und 10.000 BP in
das Bölling und Alleröd, zwischen 7000 und 4000 BP ins Atlantikum.
Zwei weitere Transgressionen zwischen 10.000 und 7500, sowie von 4000 bis 2500
BP fallen allerdings in globale Abkühlungsphasen.
Am Südufer des Tschadsees tritt von 29.000 bis
22.000 BP eine sicher bestimmte limnische Phase auf. Diese fluviodeltaische
Sedimentation setzte sich in der Zeit von 20.000 bis 12.000 BP fort, wo
allerdings am Nordufer eine extreme Dünenbildung vorherrschte (LITTMANN,
1988, 67). Man sieht, daß in einem relativ kleinen Bereich starke
regionale klimatische Unterschiede herrschten, die sich an unterschiedlichen
Indizien feststellen lassen. Einen Überblick liefert die Abb.
über die Seespiegelschwankungen.
2.3.2.3. Fluviatile Ablagerungen
Ein Problem ist es, von Flußterrassen (oder
generell Terrassen) auf ein bestimmtes Klima schließen zu wollen, da die
Terrassensedimente eher die morphodynamischen und klimatischen Bedingungen
reflektieren, die vor ihrer eigentlichen Akkumulation geherrscht haben.
Darüber hinaus können sich im Längsprofil
eines Flusses die Sedimentationsbedingungen geändert haben, da das
Einschneiden auch ohne Klimawechsel nur durch einen höheren Gradient des
Längsprofils der vorherherigen Akkumulation initiiert werden (LITTMANN,
1988, 32). Somit wären Terrassen nichts weiter als eine punktuelle
Unterbrechung der ariden Formung, ohne daß gleich eine Klimaschwankung
angenommen werden müßte (MENSCHING, 1979, 75).
Diese Erkenntnis machte FAIRBRIDGE, als er die
Nilterrassen untersuchte. Die hohen Wasserstände des Nils, die er zwischen
25.000 - 10.000 BP erreichte, entsprechen keinen schweren Regenfällen,
sondern diese hohen Terrassen zeugen davon, daß das Tal mit Schlamm und
Sand zugeschüttet war. Dies ist ein Zeichen von niedrigen
Wasserständen, die aus zurückgegangenen äquatorialen
Niederschlägen resultieren, während zur gleichen Zeit im
Mittelmeergebiet verstärkt Niederschläge auftraten. Das hieße,
daß während kalter Epochen universell stärkere
Niederschläge auftraten ist demnach nicht haltbar. Und zwar deswegen, da
die Verdunstung aus den Meeren in den kalten Epochen, aufgrund fehlender
Wassermassen, geringer war. Wäre dies nicht so, hätte der Nil im
Zeitraum von 25.000 - 10.000 BP mehr Wasser führen müssen. Die
Indizien lassen den Schluß zu, daß der Nil während dieser Zeit
nahezu ausgetrocknet war (FAIRBRIDGE, 184f).
2.3.3. Paläopedologische Indizien
Die bodenbildenden Prozesse innerhalb der Sahara werden
durch die Niederschlagsarmut, deren Unregelmäßigkeit und dem fast
völligen Fehlen von Wasserzufuhr bestimmt, was eine Ausbildung einer
dichteren Pflanzendecke verhindert. Hinzu kommt noch das Überwiegen der
physikalischen gegenüber der chemischen Verwitterung, wodurch, bedingt
durch den permanenten Wind, große Mengen an Feinmaterial weggeweht werden
und letztendlich nur noch grobe Steindecken an der Oberfläche
zurückbleiben (GANSSEN, 72f).
In Abhängigkeit des Reliefs laufen auch in ariden
Gebieten unterschiedliche Bodenbildungsprozesse ab, die sich in Form einer
Catena (Abb.9) widerspiegeln. Eine Übersicht (Tab.2,3,4)
über die rezenten Böden der Trockenzonen soll zum Vergleich mit den
gefundenen Paläoböden genügen.
2.3.3.1. Interpretationsprobleme von
Paläoböden
Die für die zentrale Sahara nachgewiesenen
Bodenbildungen dürfen nicht auf den Gesamtraum übertragen werden. Die
Befundsituation und die stratigraphische Stellung der Böden - zumeist in
Terrassen und unter Serirdecken- zeigen vielmehr, daß gebietsweise eine
Pedogenese stattfand, während in der Nachbarregion gleichzeitig sowohl
Abtragung bzw. Akkumulation als auch wegen zu großer Trockenheit weder
eine Pedogenese noch eine Morphodynamik stattgefunden hat. (SKOWRONEK,
156)
Die meisten und am stärksten gegliederten
Paläoböden wurden im Atakor-Massiv des Hoggars nachgewiesen, was aber
gleichzeitig mit einen entscheidenden Nachteil belastet ist; der Atakor ist mit
seinen 3000 m Höhe eine Klimainsel in einer extrem ariden Umgebung, die um
4 mal höhere Jahresniederschläge als die Umgebung erhält. Und was
für die Gegenwart gilt, kann auch auf die Vergangenheit übertragen
werden. Auch aus diesem Grund können paläopedologische Erkenntnisse
nicht ohne weiteres auf paläoklimatische Geschehnisse in der gesamten
Sahara übertragen werden (SKOWRONEK, 153).
2.3.3.2. Paläoklimatische Aussagewerte von
Paläoböden
KUBIENA (1955) beschrieb im Gebiet des Hoggar
reliktische Braunlehme auf Basalt sowie fossile und reliktische Rotlehme.
Untersuchungen dieser Böden ergaben zum Teil hohe Anteile an Kaolinit, so
daß zur Entstehung dieser Böden ein tropisches Feuchtklima mit
ausgeprägten Trockenzeiten angenommen wird. Das Alter dieser
Verwitterungsprodukte wird in das Tertiär bis Altpleistozän gestellt.
Anderseits lassen die jüngeren Braunlehme ein sehr feuchtes subtropisches
oder sogar tropisches Klima vermuten (KUBIENA, 116ff).
Aus Terrassen um den Atakor und das Tibesti unterschied
ROGNON (1980) drei verschieden alte Akkumulationskörper, wobei der
älteste- die Oberterrasse- außerhalb des 14C-datierbaren
Bereichs liegt, und somit vernachlässigt werden kann. ( aus SKOWRONEK,
16)
Die Mittelterrasse, die sich in die Oberterrasse
eingeschnitten hat, baut sich im Gegensatz zu dieser nur aus Ton und Schluff
auf. In ihr sind Gastropoden und Pollen von mediterranen Hölzern enthalten.
An der Basis der Mittelterrasse am Atakor in 1000 bis 1500 m ü NN lassen
Froststrukturen auf kühlere Bedingungen innerhalb des Jungwürms
schließen. Die Montmorillonite und die mengenmäßig variierenden
Illite leiten sich aus Paläoböden ab, die als typische mediterrane
Braunlehme angesprochen werden können. Folglich fand in dem, mit Hilfe der
14C-Methode zwischen 15.000 und 8000 Jahren BP datierten, Bereich
eine Pedogenese statt, die eine Vegetationsdecke mit sich
brachte.
Die kreuzgeschichteten Grobsande, sowie Fein- bis
Mittelkiese, heben sich innerhalb der Niederterrasse deutlich von der
Mittelterrasse ab. In der ersteren deuten feine, silitige Sedimente auf eine
längere Persistenz der Bodendecke hin.
Ihre Entstehungszeit wurde zwischen 5700 bis 4100 BP
datiert, was der neolithischen (mittelholozänen) Feuchtzeit entspricht, in
der in den saharischen Ebenen Vegetationsbedeckung, sowie zahlreiche höhere
Säugetiere anzutreffen waren.
FAZIT: Die erhaltenen Paläoböden sind nur auf
einigen eng begrenzten Lokalitäten erhalten und haben dadurch einen
eingeschränkten Aussagewert. Das Hauptproblem liegt hierbei, daß,
falls eine Pedogenese stattgefunden hat, Paläoböden, die nicht durch
Akkumulation jeglicher Art vor Abtragung geschützt wurden, im Laufe der
jüngeren Erdgeschichte abgetragen worden sind.
2.4. Isotopenhydrologische
Indizien
Einführung
Natürliches Wasser enthält neben Wasserstoff
der (relativen Atom-) Masse 1 (1H)14 und dem Sauerstoff
der Masse 16 (16O) auch in kleinen Mengen die stabilen Isotope des
Wasserstoffs 2H (Deuterium) und des Sauerstoffs 17O,
18O sowie das radioaktive Isotop des Wasserstoffs 3H
(Tritium). [Weitere Isotope des Sauerstoffs sind wegen ihrer Instabilität
zu vernachlässigen]. Somit ist das Wasser ein Isotopengemisch. Wasser mit
höheren Anteilen an Deuterium und Tritium werden als "schweres Wasser"
bezeichnet, die sich physikalisch durch einen höheren Siedepunkt, eine
größere Dichte, eine höhere Molekülmasse und einen
höheren Schmelzpunkt von "reinen" Wasser unterscheiden.
Infolge der unterschiedlichen physikalischen
Eigenschaften leichter und schwerer Wässer kommt es in den
Niederschlägen (und damit auch im Grundwasser) vom Meer in Richtung der
Kontinente zu Isotopenfraktionierungen. Und zwar dergestalt, daß die
Wässer kontinentalwärts "leichter", also ärmer an schweren
Molekülen werden. Ursache dafür ist in erster Linie die Verdunstung,
da der Dampfdruck des "schweren" Wassers etwas geringer als der des "leichten"
ist. "Schweres" Wasser verdunstet daher weniger, während das "leichte"
Wasser kontinentalwärts in den Luftmassen und damit den Niederschlägen
angereichert wird (HÖLTING, 155f). Dieser zuerst für Europa entdeckte
Kontinentaleffekt wurde um 1976 auch für die Sahara nachgewiesen,
sodaß mit Hilfe der Grundwässer Altersdatierungen für
prähistorische Niederschläge durchgeführt werden konnten (SONNTAG
et alii.,1978, 418).
Für die isotopenhydrologische Altersbestimmung ist
allerdings das Deuterium und das nicht radioaktive Sauerstoffisotop
18O von Wichtigkeit, dessen Verhältnis zum häufigeren und
leichteren 16O rund 2_10-3 beträgt. Die Anwendung
dieses Verhältnisses (_18O) zur Altersdatierung beruht darauf,
daß mit wachsender Verdunstung eine vermehrte Anreicherung von
18O im Vergleich zum Deuterium auftritt. Der Kontinentaleffekt führt
zu einer kontinentalwärts gerichteten Verringerung des
18O-Isotops. Da bei der Kondensation die schwereren Isotope eher als die
leichteren kondensieren, wird mit zunehmender Niederschlagsmenge der Anteil an
den 18O- und Deuteriumisotopen vermindert (HÖLTING,
159).
Schließlich besteht eine
Temperaturabhängigkeit bei der Isotopenfraktionierung in der Weise,
daß mit steigender barometrischer Höhe, und der parallel dazu
abnehmender Kondensationstemperatur, eine Anteilsverminderung der schweren
Isotopen in den Niederschlägen erfolgt. Die Temperaturabhängigkeit
führt auch zu jahreszeitlich unterschiedlichen Isotopengehalten
(HÖLTING, 159).
Mit Hilfe dieses Sachverhaltes, und der Extrapolierung
des West-Ost-Gefälles des Isotopengehaltes der Grundwässer, sind
für die Pluvialzeiten 2-3°C niedrigere Lufttemperaturen als heute
abgeschätzt worden (SONNTAG et alii S. 422).
2.4.1. Ergebnisse der isotopenhydrologischen
Altersdatierung
Die auf rund 60 Mio. m3 geschätzten
Grundwasservorräte der Sahara lassen den Schluß zu, daß die
Sahara schon feuchtere Zeiten als heute erlebt hat. Die Grundwässer zeigen
durchwegs hohe 14C-Alter von mehr als 20.000 Jahren BP, wohingegen
die Turnover-Time, d.h., die mittlere Erneuerungszeit des
Gesamtgrundwasserbestandes, in der Sahara 4000 bis 16.000 Jahre beträgt.
Anhand von isotopenhydrologischen Untersuchungen konnte nachgewiesen werden,
daß sich die innersaharischen Grundwasservorräte kaum erneuern und
daß es keine weiträumigen Grundwasserbewegungen von der Peripherie
ins Saharainnere gibt. Abb.11 zeigt, wie das Altersspektrum der
14C-datierten Wässern mit den Vorstellungen über die
Klimaabfolge im Pleistozän und im Holozän korreliert (SONNTAG et alii,
415-417):
40.000 - 20.000 BP: Vor dem Höhepunkt der letzten
Eiszeit, in der
Nordsahara überwiegend Winterregen aus der
Westdrift, variierende Temperatur.
20.000 - 14.000 BP: Höhepunkt der letzten Eiszeit
(ca. 18.000 BP)Sahara semiarid, kühl
14.000 - 10.000 BP: Starke Klimaschwankungen, in der
SaharaWinterregen aus der Westdrift
10.000 -4.000 BP: Warme postglaziale Periode mit
ausreichendenNiederschlägen meist tropisch
konvektierterHerkunft
Die postglaziale Klimaperiode - in Abb.11
schraffiert- ist durch eine Folge von Feucht- und Trockenphasen gekennzeichnet,
die sich auch in der Altersverteilung der Wässer
widerspiegelt
Wie in der Einleitung schon kurz erwähnt, tritt
auch bei den Grundwässern der Sahara der sogenannte Isotopeneffekt auf,
d.h., daß die schweren Massermoleküle gegenüber den leichten
bevorzugt in der flüssigen Phase verbleiben. Daher verarmen
kontinenteinwärts getriebene, feuchte ozeanische Luftmassen durch
sukzessives Ausregnen mehr und mehr an den stabilen Isotopen Deuterium und
18O. Dadurch wird der Wasserdampf und auch das Molekulargewicht des
Wassers isotopisch immer leichter. Der Kontinentaleffekt setzt demnach voraus,
daß das nordafrikanische Klimageschehen während der Pluviale von der
Westdrift bestimmt wurde, die dabei regenbringende atlantische Luftmassen weit
ins Saharainnere getrieben hat (SONNTAG, 418-419).
Zusammenfassung
Jeder der oben aufgeführten paläoklimatischen
Indikatoren läßt zwar Rückschlüsse zu, doch bleiben diese
meist auf regionale Bereiche beschränkt. Zudem haben diese Indikatoren
solange keinen Aussagewert, bis nicht ihre chronologische Einordnung anhand von
physikalischen Methoden stattgefunden hat. Hierbei ist man auf geeignetes
Material angewiesen, daß durch nachträgliche Einflüsse wie zum
Beispiel Infiltration von Huminsäuren oder Intruision von Wurzeln in ihrem
Aussagewert nicht gemindert wird. (GEYH, 83)
Abb.12: Generalisierter Überblick über die
Ökovarianzzeiten in den nordafrikanischen Großräumen
(Quelle: LITTMANN,1988, 70)
Tab.5: Chronologische Übersicht der
Ökovarianz in der Sahara
|
Jahre
BP
|
Klimaschwankungen
Südsahara
|
Klimaschwankungen
Zentralsahara
|
Klimaschwankungen
Nordsahara
|
Menschliche Tätigkeiten und
Industrien
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Prähistorische Kulturen und
14-C-Datierungen
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Fauna und FloraVegetation;
fossile Böden
|
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Gegenwart
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hyperarides
Wüstenklima
|
hyperarides
Wüstenklima
|
hyperarides
Wüstenklima
|
NomadensiedlungenVerstädterung
der Oasenanthropogen bedingte Desertifikation
|
keine
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Aussterben der Großsäuger;
zunehmender Mangel an Büschen und
Sträuchern
|
|
450-500
|
Wüstenklima
|
Wüstenklima
|
Wüstenklima
|
?
|
keine
|
Afrikanische Großsäuger;
Restwälder in der N-Sahara und den Hochländern; Fortschreitende und
schnelle Austrocknung der Sahara
|
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2.200
|
geschichtliche
Trockenperiode
|
geschichtliche
Trockenperiode
|
geschichtliche
Trockenperiode
|
Kamel-Epoche
|
Kamelnomaden
|
Mediterrane
Vegetation
|
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2800-3000
|
a)
arid-semiarid
|
b) Wechsel vom trockenen Mediterran-
zum Sahel-Klima
|
c)
arid-semiarid
|
Pferde-Periode
|
Libysch-BerberischeFelszeichnungen
|
fast gänzliches Verschwinden der
mediterranen Flora; Einwanderung der Akazien; Wälder in der N-Sahara und
den Hochländern; tropische Flora
|
|
3.500
|
klimatische
Aridisierung
|
klimatische
Aridisierung
|
klimatische
Aridisierung
|
Hirtenvölker mit
Weidewirtschaft
|
Rinderfelszeich-nungen
|
reichhaltige und diversifizierte
Fauna, Wälder und Savannen in der S-Sahara
|
|
5.000-5.500
|
a) Tafolian, semiaridb) c) Temperatur
rd. 1-2°C höher als heute
|
im Bergland
humid
Temperatur rd. 1-2°C höher
als heute
|
Rharbian,
semiarid
Temperatur rd. 1-2°C höher
als heute
|
Cro-Magnon
|
Sahara-Neolithikum
|
Afro-tropische Fauna; im Bergland
Zedern, verschiedene Eichen, Nußbaum, Baumheidentorfhaltige
Sumpfböden in der Zentralsahara
|
|
6.000-6.500
|
Nouakchottium,
semiarid
|
semiarid
|
RharbianKlima: semiarid bis
subhumid
|
Büffeljäger
|
Artérienes-Moustèrien in
der Sahara
|
Mediterrane Wälder mit
Aleppo-Kiefern, Olive, Wacholder, Zypresse. Afro-tropische FaunaDiatomite in
der Zentral-Sahara
|
|
8.000
|
a) kurze Trockenperiode b) Csa-Klimac)
kurze Trockenperiode
|
|
|
Neolithikum
|
Artérienes- Moustèrien
in der Sahara
|
Fauna unbekannt, Mischwälder aus
Zedern, verschiedenen Eichen, Erlen, Linden und Ahornen im Bergland,
Aleppo-Kiefer im TieflandDiatomite, Sumpfböden fossile
Waldböden
|
|
10.000- 10.500
|
a) Tschadiumb) BSh-Klimac)
semiarid
|
|
|
Protoneolithikum
|
?
|
Afro-tropische Fauna,
SteppenvegetationAlluvionen
|
|
12.500
|
a) Beginn des Aufbaus des Ogolischen
Dünensystems in einem semiariden Klimab) Niederschlag um 600-1200 mm;
Grundwasserbildung in den Erggebieten; "Mega"-Tschadsee; Terrassen und
Serir-Bildungenc) Beginn des Aufbaus der großen Sandseen in einem
semiariden Klima
|
|
|
Cro-MagnonProtomediteranus
|
?
|
Artemisia"Sol brun" in den
Senken
|
|
14.000
|
a) verstärkte Ariditätb)
Grobschuttakkumulation an Pedimenten; "Mega"-Tschadsee verkleinert sich;
verstärkte Ariditätc) nachlassende fluviale
Aktivität
|
|
|
?
|
?
|
Dünenvegetation, xenomorphe
Flora
|
|
18.000
|
a) Inchirium; Feuchtzeitb)
Grundwasserbildungc) Soltanium;
Pluvial-Erosionszyklus
|
|
|
Paläolithikum
(Neandertaler?)
|
-
|
Afro-tropische Fauna, mediterrane
Wälder, tropische Savannenvegetation
|
|
26.000
|
a) hyperaridb) ?c)
hyperarid
|
|
|
Aterier
|
-
|
?
|
|
40.000
|
a) Beginn eines Pluvialsb) ?c)
?
|
|
|
|
-
|
?
|
|
70.000
|
a), b), c): hyperarid, Bildung von
Dünenzügen
|
|
|
Homo
erectus
|
?
|
Artemisia
|
|
125.000
|
a) feuchtes und warmes Klimab) Bildung
des mittleren Glacisc) Tensiftisches Pluvial
|
|
|
LevalloisianerMousterier
|
?
|
Afro-tropische Fauna, mediterrane
Wälder, tropische SavannenvegetationBodenrutschungen und "Sol
brun"
|
Martin Ripsam,1992, verändert nach LE
HOUÉROU,1989, 14-15SKOWRONEK,1987, 153; LAUER/FRANKENBERG,1979, 307-313;
QUÉZEL,1971, 453-454; LITTMANN,1987, 247-253; GABRIEL,1977, 65f ;
GEYH/JÄKEL, 86-96
Der Versuch, die klimatischen Änderungen in der
Sahara mit globalen Ereignissen zu korrelieren, hat sich in der Vergangenheit
als nicht immer zuverlässig erwiesen, wie das abschließende Kapitel
über die Ursachen der Pluviale zeigt
3. Gründe für die Entstehung von
Pluvialen
Auf die auffälligen Beweise für höhere
Niederschläge in der Sahara wie Böden, Fluß- und Seeterrassen
wurde in den vorigen Kapiteln eingegangen. Nun sollen die auslösenden
Faktoren der Pluviale und Interpluviale behandelt werden.
Die erste dieser Feuchtphasen in der Sahara fand um 9500
BP statt, bei der die Seespiegelstände um ein Vielfaches höher als
heute waren. Die zweite fand um 5500 - 6000 BP statt. Das erste Pluvial stimmt
mit großflächigen klimatologischen Ereignissen überein. Das
heißt, der schnelle und abrupte Rückzug des dünnen
subantarktischen Treibeises um 9500 BP, sowie das etappenweise Abschmelzen der
europäischen und nordamerikanischen Eisschilde (FLOHN/NICHOLSON,1979,
10)
3.1. Gang der Forschung
Anfangs stellte man alle feuchten Perioden zeitlich den
Glazialen gleich. Für einen Teil der Pluviale ist das offenbar auch richtig
und auch verständlich. Der planetarische Westwind der nördlichen
Hemisphäre wurde aufgrund der großen Vereisungen
äquatorwärts gedrückt und erfaßte mit seinen
regenbringenden Winden die nördlichen Randgebiete des subtropischen
Wüstengürtels, sodaß die nordafrikanische Küste unmittelbar
durch die Eiszeitwetterbedingungen beeinflußt wurde (SCHWARZBACH,
224).
Daher ging A.PENCK im Jahre 1932 von einer Einengung der
Trockengürtel während der Kaltzeiten aus. BALOUT wieß bereits
1952 darauf hin, daß eine Einengung der Sahara von beiden Seiten her nicht
mit einen außertropischen Glazial, sondern mit einer Warmphase korreliere.
Die Monsunregen seien von Süden her weiter in die Sahara vorgestoßen,
gleichzeitig habe sich am Nordrand der Wüste die Zyklogenese
verstärkt. Eine Kaltzeit führt dagegen zu einer Südverschiebung
des Trockengürtels. Diese verursacht feuchtere Bedingungen nur in der
Nordsahara, in der Südsahara sowie der heutigen Sahelzone jedoch erheblich
aridere Klimaverhältnisse.
3.2. Gründe für die Pluviale
Während im Mittelmeer innerhalb der glazialen
Phasen des Eiszeitalters zeitweise verstärkte Regenfälle auftraten,
ist es augenscheinlich, daß sich in den tropischen und äquatorialen
Gebieten in diesen Epochen weniger Regenfälle ereigneten. Die sogenannte
"Pluvialtheorie", die annimmt, daß während der kalten Epochen
universell verstärkt Regen auftrat, ist demnach nicht haltbar, da die
Verdunstung aus den Meeren in den kalten Perioden geringer war (FAIRBRIDGE,
185), da es an Wassermengen mangelte, die für die Wasserdampfmengen
verantwortlich sind. Und diese wiederum sind für die Bildung von tropischen
Zyklonen verantwortlich, die feuchte Luftmassen vom Ozean zum Kontinent
transportieren (SARNTHEIM, 65). Generell kann man davon ausgehen, daß
Temperaturänderungen auf der Erde jeweils den primären Faktor
darstellen, dem die Niederschlagsveränderungen nachgeordnet sind.
Eine Temperaturerhöhung bedeutet, daß mehr
Wasserdampf in den Wasserkreislauf eingespeist wird und sich seine
Durchlaufzeiten, d.h., vom Zeitpunkt des Verdunstens bis hin zum Niederschlag,
verkürzen. Erwärmung bedeutet ein höheres Niederschlagsaufkommen,
wohingegen eine Temperaturerniedrigung eine Verminderung der Bereitstellung von
Wasserdampf für den Wasserkreislauf nach sich zieht, bei der sich dann
generell niederschlagsärmere Klimate ausbilden (LAUER / FRANKENBERG, 1979a,
9f).
Was die globale Feuchtigkeit betrifft, so war die
Meeresverdunstung während der Würm/Weichsel-Eiszeit um rund 20% (nach
Berechnungen von FLOHN, 1953) reduziert. Hinzu kommt noch die Verkleinerung der
Meeresfläche durch eustatischen Rückgang und durch das Meereseis, was
weitere 15% Rückgang ausmachte. (FAIRBRIDGE, 174)
Während die Zeit um 5500 BP, als in der Sahara das
Klimaoptimum verherrschte, daß sowohl eine reichhaltige Flora und Fauna
als auch menschliche Kulturen begünstigte, war, bedingt durch die
Flandrische Transgression, global eine größere Wasserfläche
vorhanden als um 18.000 BP. Dadurch erhöhten sich die Verdunstungsraten und
somit auch die atmosphärischen Wasserdampfgehalte.
Im Mittelmeerraum könnte sich damals die
höhere Temperatur des Meerwassers vor allem in der kühleren Jahreszeit
in einer verstärkten Zyklogenese ausgewirkt haben, da eine intensivere
Labilisierung der überlagernden Luftmassen zu vermehrten
Niederschlägen in den Maghreb-Länder führten. Die tropischen
Sommerregen drangen dazu wesentlich weiter als heute nach Norden vor, so
daß es zu einer weiträumigen Überschneidung von Winter- und
Sommerregen gekommen sein muß (LAUER / FRANKENBERG, 1979a,
29).
Dies wäre dadurch zu erklären, daß der
Ost-Jetstream, der heute ein weites Vordringen in nördlichere Richtungen
des Monsuns verhindert - da er die Konvektion von monsunalen Luftmassen
verhindert- deutlich abgeschwächt war. Eine solche Abschwächung ist
deshalb wahrscheinlich, da der Ost-Jet durch den Temperaturkontrast zwischen dem
Tibetanischen Hochplateau und dem Indischen Ozean gesteuert wird. Eine andere
Möglichkeit bestünde darin, daß durch den Verlust des
Druckunterschiedes zwischen dem Höhenhoch über Tibet und dem
Höhentief über dem Indischen Ozean der Ostjet die Konvektion
monsunaler Luftmassen über Nordafrika nicht verhinderte.
Bei einer Vereisung des Tibetanischen Hochlandes wurde,
infolge der geringen Mächtigkeit der Atmosphäre über den Hochland
von Tibet und dessen Lage in den subtropischen Breiten (zwischen 27° und
40° nördlicher Breite), das Drei- bis Vierfache der Globalstrahlung
reflektiert, als etwa über einem, in gleicher Breitenlage liegenden,
Gletscherfirn in Europa oder Nordamerika. [Deren Albedo betrug zwischen 76-
95%.] Die rezente Albedo über dem mit Fels und Schutt bedeckten Hochland
von Tibet beträgt rund 4-15%, maximal 20% und ist der Grund für die
rezente Aufheizung der Landfläche und den niederen Schichten der
Atmosphäre über diesem Gebiet. Die Vereisung dieses Gebiets bedeutet
für die Atmosphäre einen Wärmeverlust, der jede
atmosphärische Zirkulation nach Art der heutigen Monsundynamik und des
Ost-Jets ausschließt. Somit würde diese Situation der heutigen
Wintersituation ähneln (GELLERT, 18).
Dieser Ausfall des Monsunsystems über Südasien
ermöglichte den Einfluß kaltzeitlicher, über dem Indischen Ozean
angefeuchteter und daher niederschlagsträchtiger Passatwinde auf das Klima
Ost- und Nordafrikas, die hier ein kaltzeitliches Pluvial bewirkten (GELLERT,
19).
Dieser Sachverhalt wird durch die globalen
Seespiegelstände um 5500 bis 6000 BP gestützt, da im
Einflußbereich des Ostjets die Seespiegelstände im Vergleich zu heute
höher waren. (Vgl. Abb. 13)
Der Verfasser vermutet, daß durch die
Inlandvereisung Tibets die Möglichkeit bestünde, daß die
heutigen Mechanismen, die den über Nordafrika niederschlagshemmenden Ostjet
bewirken, während des holozänen Klimaoptimums konträr abliefen.
Das hieße, über Tibet herrschte ein Höhentief und über dem,
im Vergleich zu heute wärmeren, Indischen Ozean ein Höhenhoch,
sodaß die aufgestiegenen Luftmassen über dem relativ wärmeren
Ozean über dem relativ kälteren Hochland von Tibet wieder abgesunken
wären. Dort wären dann im Vergleich zu heute mehr Niederschläge
gefallen. Diese Vermutung stützt die Abb.14.
Hierbei verursacht der verstärkte Aufstieg
verstärkte östliche Strömungen in großen Höhen. Das
verstärkte "Kippen" der Wärmezellen des Höhenhochs wirkt sich in
bodennahen und starken südwestlichen Strömungen aus, die den
Feuchtigkeitsfluß vom Ozean zum Land ansteigen lassen. Die Konvergenz der
Feuchtigkeit innerhalb der ITCZ endet mit einem 10-20%igen Zuwachs der
Niederschlagsmenge des Monsuns. Diese südwestlichen Winde sind auch
für das Aufquellen von Tiefseewässern in höhere Wasserschichten
verantwortlich. (CROWLEY, 88)
Die zeitliche Verschiebung der Eisabschmelzung - die
Eisschilde Nordeuropas und Nordsibiriens verschwanden um 8000 BP, während
der Laurentische Eisschild Nordamerikas noch die Hälfte seiner
ursprünglichen Größe innehatte und erst in drei Schritten bis
5000 BP vollständig verschwunden war - erzeugte zwischen den oben
aufgeführten Zeiten eine scharfe Klima-Asymetrie, die besonders im Sommer
wirksam war. Europa war um 6500 BP schnee- und eisfrei und hatte seine
wärmste Phase der vergangen 75.000 Jahre, während das östliche
Nordamerika noch kühl blieb. Das ergab eine Verstärkung der
südwestlichen Winde über dem Atlantik sowie des Golfstroms. Diese
Konstellation müßte dann zwangsläufig im Winter häufig
Hochdruckrücken zwischen 0 und 20°W, gekoppelt mit
Kaltluftausbrüchen über Mittel- und Osteuropa sowie
Niederschlägen über dem Mittelmeergebiet und Nordafrika auslösen
(FLOHN, 1985, 138).
Dieses Phänomen ist aufgrund der Rolle der
Erdbahnelemente zu erklären. KUTZBACH geht davon aus, daß in der Zeit
zwischen 12.000 und 8000 BP das Perihel im Gegensatz zu heute - im Januar- im
Nordsommer lag. Damit erhielten die Nordkontinente im Sommer bis zu 7% mehr
Sonnenstrahlung. Als Folge der Wärmespeicherung und der
Wärmetransporte im Ozean resultierte dann im Sommer eine Verstärkung
des thermischen Gegensatzes Land-Meer, was wiederum zu einer Verstärkung
der Monsun-Zirkulation um Nordafrika und Südasien führte (FLOHN, 1985,
142).
Daß es diese Erdbahnschwankungen gegeben hat,
dafür sprechen Pollenanalysen aus dem Hoggar, die zeigen, daß das
letzte Pluvial der hohen Sonneneinstrahlung des "Klimaoptimums" zuzuschreiben
ist (FAIRBRIDGE, 176). Wie man sieht, sind die Pluviale nur anhand von sehr
komplexen Zusammenhängen zu erklären, wobei die Sonneneinstrahlung
aber nur eine Triebfedern darstellt.
Diese Einflüsse der Sonneneinstrahlung haben die
Tendenz, die Zirkulation entweder zu verstärken oder abzuschwächen,
die jedoch durch einen Selbstverstärkungsmechanismus modifiziert werden.
Bei eisbedeckten Zonen wirkt das Eis abkühlend auf die Umgebung, da das Eis
eine höhere Albedo als zum Beispiel bewachsene Flächen besitzt. So
wird die Eiskappe von Jahr zu Jahr größer (SCHWARZBACH, 308).
Ähnlich müßte es sich auch mit vermehrt
vorhandenen Wassermassen verhalten haben, die für den globalen
Wasserhaushalt im größeren Maße Wasserdampf liefern
würden, der dann die Ausbildung von Zyklonen bewirkt.
Allerdings, so sind sich viele Forscher einig, waren die
sich verringerten europäischen Eismassen um 10.000 BP dafür
verantwortlich, daß sich die ITC im Sommer bis um 15°N verschob,
sodaß vermehrte Niederschläge bis 20°N vorkamen. Der
nordafrikanische Küstensaum hingegen blieb weitgehend trocken, was durch
das starke Hoch vor der marokkanischen Atlantikküste bedingt war. Dieses
verstärkte Niederschlagsaufkommen ist letztendlich ein Produkt der
verstärkten Zyklogenese, die aus der Wechselwirkung zwischen hochliegenden
Trögen und niederliegenden tropischen Störungen herrühren. Ein
weiterer Faktor, der die verstärkten Zyklogenesen entscheidend
beeinflußte, war die höhere Temperatur des Atlantischen Ozeans, die
wiederum durch ein vermindertes Aufquellen von kalten Tiefseewässern
bedingt war (FLOHN/NICHOLSON, 16) Die beiden folgenden Abbildungen geben die
ungefähre atmosphärischen Zirkulationsmechanismen
wieder.
ZUSAMMENFASSUNG UND
REFERATSVORTRAG
Klimaphänomene in der Sahara und deren
Gründe (soweit begründbar)
40.000 - 20.000 BP: Winterregen aus der
Westwinddrift
25.000 - 10.000 BP: hohe Terrassenniveaus des
Nils deuten auf einen mit Schlamm und sonstigen Sedimenten zugeschütteten
Nil hin, dessen Quelle im äquatorialen Bereich kaum Niederschläge
erhielt. (Ein Indiz für die verringerten äquatorialen
Niederschläge wäre das Verschwinden der tropischen
Regenwälder)
18.000 BP: Höhepunkt der letzten Eiszeit;
Volumenzunahme der nordeuropäischen Eisschilde, dadurch Abkühlung des
Atlantischen Ozeans, der die Eisschilde mit Feuchtigkeit und somit
Niederschlägen versorgte, ab 18.000 BP: Übergang von Eisakkumulation
zur Eisabschmelzung;
Austrocknung des Tschad-Sees; Sahara semiarid und
kühl; Niederschläge im Mittelmeerbereich; Bildung des ogolischen
Dünengürtels in der heutigen Sahel-Zone
Gründe für diese Aridität: Verringerung
der Verdunstung über den Ozeanen auf einer Fläche von 40 Mio. km¨
um rund 18%, im äquatorialen Bereich zwischen 10° N und 10° S um
70% - da das Wasser in den Eisflächen gebunden war; Ausbreitung des
arktischen Treibeises und des polaren Wassers bis 43° N [Nordküste
Spaniens]; dadurch Verringerung der Hadley-Zirkulation im Nord-Sommer und von
Zyklogenesen, dadurch Verminderug der Bereitstellung von Wasserdampf, Ausbleiben
des SW-Monsuns über Afrika, also kein Feuchtigkeitstransport vom Ozean zum
Festland, somit niederschlagsarme Klimate auf dem Kontinent.
Oberflächentemperatur des Atlantischen Ozeans im Bereich des Äquators
um 4-7° niedriger als heute (Indischer Ozean 0-2° kühler),
verursacht stärkeres und häufigeres Aufquellen von kalten
Tiefseewässern, bzw. Abquellen von warmen Strömungen, dadurch
Winterregen am nördlichen Rand der Sahara, bei niedrigeren Temperaturen als
heute.
Gründe für das Abkühlen des
nordatlantischen Oberflächenwassers und die äquatorwärts
gerichtete Ausdehnung des Polarfrontrandes (und die damit verbundenen
Winterregen in Nordafrika)
Gabelung (Bifurkation) des westlichen Jet-Streams durch
den laurentischen Eisschild, dadurch werden pazifische Tiefdrucksysteme durch
den Jet-Stream, der durch starke, eisabwärts gerichtete Winde noch
verstärkt wird, über das eisfreie und somit relativ warme Nordamerika
geführt.
Diese Tiefdruckgebiete werden wiederum durch den starken
Temperaturgradienten an der nordamerikanischen Atlantikküste
verstärkt. Weiter nördlich wurden dieser Strömung horizontal
kalte Luftmassen durch extrem starke , vom Grönlandeis kommende Winde,
durch den Korridor zwischen Grönlandeis und dem Laurentischen Eis
zugeführt. Dieser Mechanismus bewirkte nun die Abkühlung und die
Ausdehnung des Polarfrontrandes, und somit Winterregen in Nordafrika, sowie eine
globale Temperaturerniedrigung um 3,5-4°C. Der Golfstrom erstreckte sich in
östlicher Richtung, da das Treibeis bis 43°N vorgedrungen war. Diese
Ausdehnung des Winterregenbereiches brachte eine Südverschiebung des
nördlichen Savannengürtels, sowie eine Schrumpfung des
Trockengürtels (= Sahara) mit sich.
16.000 BP: die Winterregen erreichen das
Tibesti-Gebirge
14.000 BP: starke Klimaschwankungen in der
Sahara; Übergangsperiode (bis 10.000 BP)
Sequenz von ziemlich abrupten Klimaänderungen,
d.h., von Wärmeperioden mit zunehmenden Eisrückzügen und
Kälteperioden mit Eisvorstößen und Vegetationsveränderungen
in einem Gürtel auf 5°N von kolumbianischen Anden bis Äthiopien;
Die Aridität der Eisränder trug zum Rückzug des Eises bei
(Staubansammlung auf der Eisoberfläche, wodurch die Sonnenwärme
absorbiert wurde)
Seit 13.000 BP: Polwärtswandern der
Hadley-Zelle, dadurch graduelle Erwärmung des Nord-Atlantiks (und zwar
dort, wo heute ein Maximum an Aufquellen vorherrscht, d.h., vor der Küste
Senegals, wo der kalte Kanarenstrom Richtung Atlantik strömt) und langsamer
Rückzug des kontinentalen Eises. Dadurch verstärkte monsunale
Intensität in einem größeren Bereich. In NW-Afrika allerdings
verstärkte Aridität durch die kontinentwärts gerichtete
Ausdehnung des Azoren-Hochs, das sich parallel zur sich nordwärts
bewegenden Polarfront polwärts bewegt.
Dieses quasi-stationäre Hoch, verbunden mit den
Trögen über dem zentralen und östlichen Mittelmeer, wurde durch
die einfließende Kaltluft der skandinavischen Gletscherwinde
aufrechterhalten.
Diese Phänomene sind verantwortlich
für:
häufigeren Wechselwirkungen zwischen tropischen und
subtropischen System, was zu vermehrten Tiefs über der Sahara und einer
wahrscheinlichen ganzjährigen Regenzeit, sowie außertropischen
Niederschlägen in kühleren Jahreszeiten führte.
12.000 - 10.000 BP: ab 12.000 BP (bis 8000
BP) lag das Perihel im Nordsommer, wodurch die Nordkontinente 7% mehr
Strahlung als heute erhielten und der thermische Gegensatz zwischen Land und
Ozean (trotz dessen Wärmespeicherung und -transport) verstärkt wurde.
Dies führte zu einer Verstärkung der Monsun-Zirkulation um N-Afrika
und Südasien.
mehrere globale Transgressionen
(Bölling/Alleröd), Winterregen in der Sahara aus der
Westwinddrift
10.000 - 8000 BP: 1. Feuchtphase in der Sahara (von
Mauretanien) bis nach Rajasthan (Wüste Thar; Grenze
Pakistan/Indien)
Trockenheißes Savannenklima in der zentralen
Sahara; Entstehung des "Mega-Tschadsees"
abrupter Eisrückzug des dünnen subarktischen
Treibeises um 9500 BP; steigende Verdunstungsraten über dem eisfrei
gewordenen Atlantischen Ozeans, dadurch höhere Temperaturen.
um 8000 BP: langsamer, gradueller Eisrückzug
der Eisschilde der Nordhemisphäre, wobei der skandinavische Eisschild
verschwindet, der nordamerikanische aber noch 50% seiner ursprünglichen
Fläche behielt
10.000 - 4000 BP: wärmere postglaziale
Periode mit ausreichenden Niederschlägen, die aus der ITC stammen (in
diesem Zeitabschnit: Abfolgen von Feucht- und Trockenphasen, trockenes Intervall
von ca. 8000 bis 6500 BP, mit Höhepunkt um 7000 BP)
8000 - 6000 BP: 2. Feuchtphase in der Sahara
(Atlantikum)
Tschadsee-Transgression; Csa-Klima (Mediterranes
Klima) feuchter als heute; tropische Florengrenze und die Savannengrenze
20-30° nördlicher als heute;
ab 6500 BP: (bis 5000 BP) Neolithikum in der
Sahara, Europa ist eisfrei, erlebt wärmste Phase seit 75.000 Jahren,
dadurch 6000 - 5000 BP: größere Wassermenge
in den Ozeanen (Flandrische Transgression), die Verdunstungsraten und somit auch
die atmosphärischen Wasserdampfgehalte ansteigen lassen.
um 6500 BP: östliches Nordamerika (Labrador
und Baffin-Insel) durch riesige Resteisflächen bedingt noch kühl,
Europa warm. Dieser thermische Gegensatz verstärkt die SW-Winde über
dem Atlantik und den Golfstrom. Dadurch bildeten sich Hochdruckrücken
zwischen 0° bis 20°W, die Kaltluftausbrüche über Mittel- und
Osteuropa, sowie Niederschläge, bedingt durch zyklonale Aktivität am
Bereich der tropischen Ostströmungen, über dem Mittelmeergebiet und
Nordafrika bewirkten.
Im Mittelmeer: höhere Wassertemperaturen, die in
den kühleren Jahreszeiten eine verstärkte Zyklogenese und somit auch
vermehrt Niederschläge in den Maghreb-Ländern
bewirken.
Die tropischen Sommerwinde drangen weit nordwärts
vor, wobei sich Sommer- und Winterregen überschnitten. Sommerliches
Monsunregime für Niederschläge und für tropischen Pollentransport
in die Sahara aus sehr weit südlich gelegenen Gegenden verantwortlich.
Heute verhindert der Ostjet im Nord-Sommer ein weiter nördlicheres
Vordringen, sowie die Konvektion von monsunalen Luftmassen.
Eine Abschwächung des Ostjets durch den Verlust des
Druckunterschiedes zwischen dem tibetanischen Hochland und dem Indischen Ozean
würde das Vordringen der monsunalen Luftmassen begünstigen. Dieser
Druckunterschied entsteht heute durch die geringe Albedo (4-20%) des
tibetanischen Hochlandes und die damit verbundene Aufheizung der
Atmosphäre. Durch eine Eisdecke über Tibet würden das 3-4fache
der Globalstrahlung reflektiert werden, was mit einem erheblichen
Wärmeverlust in der Atmosphäre verbunden wäre. Das Monsunsystem
über Südasien würde ausfallen, sodaß die "Regenbringer"
über Afrika über dem Indischen Ozean angefeuchtete und somit
niederschlagsbringende Passatwind wären.
5000 - 2800 BP: (um 5000 BP verschwindet der
laurentische Eisschild, die Arktis erwärmt sich)
ABER: globale Abkühlungsphase; in der Sahara
trockenheißes Steppenklima; hohe Seespieglestände in Nord- und
Ostafrika, Tschadsee-Transgression; Bodendecken im Hoggar-Massiv, hyperaride
Periode in der Sahara, Austrocknung der Trockengebiete von der Sahara bis
Rajasthan. Dadurch Niedergang der Indus-Hochkultur und Auswandern der Nomaden
aus der Sahara in die permanent wasserführenden Flußtäler wie
das Nil-Tal. Dadurch Entstehung der ersten Hochkultur am Nil, dem Alten Reich in
Ägypten um 2630 - 2150 v. Chr.
2800 - 500 BP: sahelisches Klima
500 BP: trockenheißes
Wüstenklima
Ergänzung: Monsun
beständig wehender kontinentweiter Wind mit
halbjährlichen Richtungswechsel. Die Monsun-Strömung ist im Sommer vom
Meer zum Land, also ein innertropischer Westwind, im Winter vom Land zum Meer
gerichtet, also ein NE-Passat. Die feuchten Luftmassen des sommerlichen Monsuns
bringen große Niederschlagsmengen. Der ablandige winterliche Monsun
dagegen nur, wenn er auf einer Teilstrecke Meeresgebiet überquert. Die
auslösende Ursache ist das große Luftdruckgefälle zwischen dem
Meer und dem inneren Festland, das sich durch die starke sommerliche
Erwärmung (Monsuntief) und die winterliche Abkühlung (Kältehoch)
des Kontinents herausbildet.
Literaturverzeichnis
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verstärkter Aridität in der Sahara. in: Geographische Rundschau 33
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frühgeschichtlichen Landschaftswandel der Sahara. Daraus: Das
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