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In den ersten beiden Strophen bezieht sich Goethe auf die aktuelle
Situation der Hauptperson Prometheus. Dieser spricht den Göttervater Zeus
an und gibt ihm zu verstehen, dass er sich aus dem Leben der Menschen
heraushalten soll (Z.1f.). Außerdem unterstellt er ihm, dass dieser ihn
beneidet (Z.12). In der 2. Strophe führt er die Kritik fort und behauptet,
die Götter seien die ärmsten Geschöpfe „unter der
Sonn’“ (Z.14f). Nach seiner Ansicht müssen die Götter
mühsam von den Gebeten und Opfern ihrer Gläubiger zehren
(Z.15ff.).
Es werden auch Stilmittel verwendet, wie zum Beispiel gleich zu Beginn ein
Parallelismus („Bedecke...“, „Und übe...“). In den
Zeilen 13/14 kann man ein Enjambement beobachten.
Prometheus kritisiert Zeus massivst, indem er ihm versucht zu sagen, dass
er ihn in Ruhe lassen soll. Er ist also kein Atheist, aber anscheinend jemand,
der von Gott enttäuscht wurde, denn man kann fast schon von
hass-geprägter Ausdrucksweise sprechen.
In den Strophen 3 bis 5 blickt Prometheus dann auf die Vergangenheit
zurück. Er lässt seine Kindheit Revue passieren, in der er einsam war
und auch in Gott keine Hilfe für seine Probleme gefunden hat. Deshalb fragt
er Zeus, welchen Grund er haben sollte, ihn zu ehren (Z.38).
Man kann einen Parallelismus in den Zeilen 29 bis 32 beobachten, und ferner
verwendet Goethe rhetorische Fragen, wie in den Zeilen 39ff. deutlich wird. Die
Worte „Ich dich ehren? Wofür?“ sind ein sehr gutes Beispiel
für eine Ellipse. Das Wort „Knabenmorgenblütenträume“
(Z.51f.) ist ein Neologismus Goethes.
In diesen Strophen findet man nun die Erklärung für
Prometheus’ „Hass“ auf Zeus. Denn die Tatsache, dass er sich
in seiner einsamen Kindheit, in der er dringend Hilfe benötigt hätte,
nicht auf Gott verlassen konnte, löste in ihm eine Trotzreaktion aus. Er
stellte somit fest, dass er seines eigenen Glückes Schmied ist.
Prometheus zieht dann in der 6. Strophe ein Fazit. Goethe schwenkt hierzu
wieder in die Gegenwart. Die Folgerung ist, dass der Protagonist nun die
Menschen nach seinem Bilde formt (Z.53f.) und ihnen so versucht, dieselbe
Verachtung „einzupflanzen“, wie er sie Gott gegenüber
äußert.
Sprachlich sticht in den Zeilen 56f. ein wunderbarer Chiasmus ins
Auge.
Mit dieser letzten Strophe bringt Prometheus nun ganz klar seine totale
Ignoranz gegenüber Zeus zum Ausdruck. Er droht ihm förmlich mit der
Tatsache, dass er die Rolle des Schöpfers übernimmt und die Menschen
nach seinem eigenen Bilde schafft – nämlich mit denselben Problemen
wie er sie hatte und gotteslästernd.
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