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Hitler, Adolf (1889-1945)
Am 30. Jänner 1933 zog er als Regierungschef in die
Berliner Reichskanzlei ein und wollte sich “von keiner Macht der Welt
lebend wieder herausbringen” lassen:
Adolf Hitler (1889 - 1945)
Adolf Hitler wurde am 20. April 1889 in Braunau am Inn als
viertes von sechs Kindern aus der dritten Ehe des Zollbeamten Alois Hitler
geboren, der 1903 starb. 1905 mußte er wegen unzureichender Leistungen die
Realschule in Linz verlassen und blieb ohne Berufsausbildung. Interesse an der
Kunst (Malerei, Architektur und Opern, besonders Richard Wagner) führte ihn
1907 nach Wien, wo zwei Bewerbungen an der Malschule der Kunstakademie wegen
mangelnder Begabung abgelehnt wurden. Nachdem seine Mutter 1907 gestorben war,
schaffte es Hitler, mit Waisengeld, Erbe und Verkauf von selbstgemalten Bildern
halbwegs sorgenfrei zu leben. Die verletzten Empfindungen des geltungshungrigen,
von Erfolgen als Künstler und Baumeister träumenden, aber
antriebsschwachen Einzelgängers am Rande der Gesellschaft, die ihn
umgebenden politischen und sozialen Spannungen in der Hauptstadt der
Donaumonarchie und planlose Lektüre formten Hitlers Weltbild, in dem der
Gedanke vom Recht des Stärkeren, Haß auf die Juden als Gefahr
für die germanische Herrenrasse, alldeutscher Sendungsglaube und eine
Haßliebe zu bürgerlichen Anschauungen und Lebensgewohnheiten
dominierten, ohne schon eine politische Stoßrichtung
anzunehmen.
1913 entzog sich Hitler dem österreichischen
Militärdienst durch Übersiedlung nach München, trat allerdings
1914 bei Kriegsausbruch freiwillig in die bayrische Armee ein. 1914 - 1918 war
er Meldegänger an der Westfront (1915 Gefreiter, 1918 mit dem eisernen
Kreuz erster Klasse ausgezeichnet). Im Oktober 1918 nach einer Gasvergiftung
vorübergehend erblindet, blieb Hitler bis März 1920 noch Soldat und
wurde 1919 in München und Umgebung als Vertrauensmann und Agitator einer
Reichswehrpropaganda eingesetzt. Im September 1919 trat er der Deutschen
Arbeiterpartei (seit Anfang 1920 NSDAP) als 55. Mitglied bei, wurde ihr
Werbeobmann und verkündete im Februar 1920 das von ihm mitverfaßte 25
Punkte Parteiprogramm. Nach innerparteilichen Auseinandersetzungen über den
Kurs der Partei übernahm Hitler im Juli 1921 den Vorsitz mit weitreichenden
Machtbefugnissen. Bis zum Herbst 1923 schwoll die NSDAP auf über 50 000
Mitglieder an, die vor allem von Hitlers radikaler Agitation gegen den
Versailler Vertrag, die jüdisch-marxistischen
“Novemberverbrecher”, das jüdische Großkapital und das
liberal-demokratische System der Weimarer Republik angezogen wurden. Als
Massenagitator fand Hitler Förderung durch rechtsgerichtete Kräfte in
bayrischen Reichswehr-, Polizei-, Regierungs- und Wirtschaftskreisen, die selbst
Staatsstreichgedanken gegen Berlin hegten und Hitler in ihre Pläne
einbezogen.
Am 8./9. 11. 1923, auf dem Höhepunkt der Inflation und
in äußerst gespannter politischer Lage in Deutschland, versuchte
Hitler zusammen mit Ludendorff, die zaudernden Rechtskreise durch die Ausrufung
einer Regierung der nationalen Revolution zum Handeln zu zwingen. Der
dilettantisch angelegte Hitlerputsch scheiterte. Die NSDAP wurde verboten,
Hitler verhaftet und vom Münchner Volksgericht am 1. 4. 1924 mit einigen
Mittätern zu 5 Jahren Haft verurteilt. Da die eigentlichen
Hintergründe des Putsches im Prozeß verschleiert wurden, konnte
Hitler seine aktive Rolle sehr vorteilhaft herausstreichen. Bereits im Dezember
1924 wurde er aus der Festung Landsberg, wo er den ersten Band seiner
Bekenntnis- und Programmschrift “Mein Kampf” (erschienen 1925, 2.
Band 1927) verfaßt hatte, wieder entlassen und erreichte die Aufhebung des
Verbots der Partei und begann im Februar 1925 mit ihrem Wiederaufbau, jetzt von
vornherein reichsweit. In Folge der vorübergehenden Konsolidierung der
politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland und auch wegen
des Redeverbots, das zwischen 1925 und 1928 in den meisten Reichsländern
gegen ihn verhängt wurde, gewann die Partei nur allmählich an Boden.
Immerhin sammelte sie in diesen Jahren einen verläßlichen Kader von
Unterführern und Gefolgsleuten, die Hitler nahezu vorbehaltlos ergeben
waren, und formte sich zur Führerpartei, in der sich die Willensbildung
nach dem Schema von Befehl und Gehorsam vollziehen sollte. Innerhalb der Partei
wurde Hitler zum Objekt eines bald auch propagandistisch genutzten
Führerkults.
Den Durchbruch zur Massenpartei, der Hitler in seiner
Führerrolle bestätigte, erreichte die NSDAP seit 1929 unter den
für sie günstigen Umständen der Weltwirtschaftskrise (1932:
Über 6 Millionen Arbeitslose) und des rapid anwachsenden Zweifels der
Bevölkerung an der Fähigkeit der demokratischen Kräfte, mit den
Problemen fertig zu werden. In dieser Lage wuchs Hitler eine Schlüsselrolle
zu, da er über den plebiszitären Rückhalt (37,3 % der Stimmen bei
der Reichstagswahl Juli 1932) verfügte, der den Gegnern der Republik auf
der politischen Rechten in Militär, Verwaltung, Großgrundbesitz und
Großwirtschaft fehlte. Hitler verfolgte eine Taktik der Zusammenarbeit in
der nationalen Opposition bei gleichzeitiger Wahrung der Eigenständigkeit
der NSDAP. Im April 1932 verlor Hitler die Reichspräsidentenwahl gegen
Hindenburg (um kandidieren zu können, wurde er vom nationalsozialistischen
Innenminister von Braunschweig zum Regierungsrat ernannt und erhielt dadurch die
deutsche Staatsbürgerschaft). Im August wies Hindenburg seinen Anspruch,
als Führer der stärksten Partei zum Reichskanzler berufen zu werden,
zurück. Dadurch wankte die Basis Hitlers bisheriger Stärke, der
unaufhaltsam erscheinende Erfolg; darauf geriet die NSDAP in eine ernste Krise.
Die eigennützige Initiative Franz von Papens, der dabei auf A. Hugenberg,
den Stahlhelm, aber auch auf die Reichswehrführung bauen konnte,
veranlaßte Hindenburg schließlich doch, Hitler am 30. Jänner
1933 zum Reichskanzler zu ernennen.
In der Koalitionsregierung überspielten Hitler und die
beiden nationalsozialistischen Minister Frick und Göring sehr schnell ihre
acht deutschnationalen bzw. parteilosen Kollegen. Der 18monatige Prozeß
der “Machtergreifung” verlief zwar unsystematisch, festigte aber die
Stellung der NSDAP auf allen Ebenen. Als Hitler nach Hindenburgs Tod am 2. 8.
1934 das Amt des Reichspräsidenten aufhob und dessen bisherige Befugnisse
auf sich als “Führer und Reichskanzler” übertrug, war der
Nationalsozialismus in seiner Person grundsätzlich - unbeschadet von ihm
geduldeter oder in Kauf genommener eigenständiger Entwicklung im Rahmen des
Systems - als der maßgebliche politische Wille in Deutschland etabliert.
Bei der Benutzung des politischen, bürokratischen, militärischen und
wirtschaftlichen Instrumentariums war Hitler fortan nicht mehr an rechtliche
Normen gebunden. Seine Entscheidungen konnten sich in Gesetzes- oder
Verordnungsform niederschlagen. Aber auch im persönlichen Auftrag, im
Führerbefehl. Der nach außen hin behauptete, im Urteil der
Zeitgenossen über 1945 hinaus lange nachwirkende Eindruck der
monolithischen Geschlossenheit des Regimes täuschte. In der Realität
gab es unterhalb Hitlers keine Einheit stiftende Verbindlichkeit im
Nationalsozialismus. Bis in die ersten Kriegsjahre hinein besaß Hitler
aufgrund der tatsächlichen oder auch nur behaupteten Erfolge des Regimes
eine beträchtliche Popularität, die weit größer war, als
die seiner Partei.
Hitler konzentrierte sein Interesse von 1933 an in erster
Linie auf Außen-, Militär- und Rüstungspolitik (seit Februar
1938 war er auch formal Oberbefehlshaber der Wehrmacht), daneben auch auf
Repräsentationsbauten, in denen sich das nationalsozialistische Deutschland
als Weltmacht darstellen sollte. Zunächst betrieb er mit Nachdruck den
Ausbau des militärischen und rüstungswirtschaftlichen Potentials bei
gleichzeitiger außenpolitischer Abschirmung durch Friedenspropaganda und
lediglich revisionistische Forderungen, bis die Gefahr einer direkten
Intervention der infolge innerer Schwierigkeiten geschwächten
Westmächte überwunden war. Von 1936 an war seine Politik dann - unter
noch steigendem, von der Verschärfung der internationalen Lage, von der
Begrenzung der militärischen und rüstungswirtschaftlichen
Möglichkeiten, aber auch von persönlichen Faktoren bestimmten
Zeitdruck - beschleunigt auf den Übergang zur kriegerischen Expansion
ausgerichtet. Insofern war der Ausbruch des 2. Weltkrieges mit dem deutschen
Überfall auf Polen am 1.9.1939 Folge eines insgesamt, wenn auch nicht in
jedem einzelnen Schritt zielgerichteten Kurses.
Die militärischen Erfolge der ersten Feldzüge,
deren Strategie Hitler mitbestimmt hatte, führten dazu, daß er sich
auch als Feldherr für unfehlbar zu halten begann (Propagandaslogan:
“Größter Feldherr aller Zeiten!”). Im Dezember 1941
übernahm er selbst den Oberbefehl über das Heer. Widerspruch seiner
militärischen Berater ertrug er immer weniger, auch als die Kriegslage
immer aussichtsloser wurde. Ein Waffenstillstand kam für ihn zu keinem
Zeitpunkt des Krieges in Frage (“Deutschland muß siegen oder
untergehen!”). Die Unterdrückungsmaßnahmen in den eroberten
Gebieten, vor allem die Verfolgung und Vernichtung der Juden im deutschen
Machtbereich, fanden in den meisten Fällen auf Hitlers ausdrückliche
Weisung, jedenfalls aber mit seinem Wissen und seiner Billigung statt. Hitler
entging mehreren Versuchen von Mitgliedern der Widerstandsbewegung ihn zu
töten und damit Deutschland vor der totalen Niederlage zu retten. Der
Verantwortung für den Ruin des Deutschen Reiches entzog sich Hitler am 30.
April 1945 im Bunker der Reichskanzlei in Berlin, das bereits von Sowjetischen
Truppen eingeschlossen war. Mit ihm starb seine langjährige Geliebte Eva
Braun, die er am Vortag geheiratet hatte. Ihre Leichen wurden
verbrannt.
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