|
Du bist hier: Referate Datenbank | Deutsch
| Hoffmann, Ernst Theodor Amadeus (1776-1822)
Hoffmann, Ernst Theodor Amadeus (1776-1822)
Lebensweg Hoffmanns
Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann wurde am 24.Januar 1776
in Königsberg geboren. Zwei Jahre nach seiner Geburt trennten sich die
Eltern, und die Mutter zog mit Ernst in das Haus ihrer Mutter, in dem auch ihre
drei unverheirateten Geschwister lebten. In dieser Großfamilie wuchs
Hoffmann bis zu seinem 20.Lebensjahr auf. Seine Mutter kümmert sich so gut
wie nie um ihren Sohn, der deshalb ganz in der Obhut seines ungeliebten Onkel
Ottos aufwächst.
Ab seinem sechsten Lebensjahr besucht er die reformierte
Burgschule in Königsberg (zehn Jahre lang). Während dieser Zeit lernt
er Theodor Gottlieb Hippel kennen, der zuerst nur Hoffmanns Schulkamerad, dann
ein Freund fürs Leben wird.
Schon früh zeigen sich Hoffmanns musikalische und
auch zeichnerische Begabungen, er erhält Unterricht in mehreren
Instrumenten und später Zeichenunterricht.
Mit 16 Jahren (1792) beginnt Hoffmann aus
familiären Tradition das Studium der Rechte an der Universität
Königsberg, wie auch sein Freund Hippel. Doch seine Liebe gilt immer mehr
der Kunst: Er komponiert, malt und schreibt zwei Romane (die aber nicht
veröffentlicht wurden und verschollen sind).
Mit 17 Jahren begegnet er seiner ersten großen
Liebe, der neun Jahre älteren,verheirateten Dora Hatt. Seine Liebe wird
aber nur teilweise erwiedert und führt vier Jahre später zur
endgültigen Trennung. Sein Freund Hippel schließt sein Jurastudium
früher ab und verlässt 1794 Königsberg. Von nun an herrscht reger
Briefverkehr zwischen den beiden Freunden.
Obwohl sich für Hoffmann selbst wiederholt die
Frage stellt, ob er eher zum Maler oder Musiker geboren sei, steigt er auch in
seinem ungeliebten Juristenberuf langsam auf:
Nach seinem ersten Examen, das er 1795 mit 19 Jahren
ablegt, arbeitet er in Königsberg und Glogau, dann 1798 - 1800, als
Referendar am Kammergericht Berlin und schließlich als Assesor in Posen.
Seine Ernennung zum Regierungsrat verzögert sich, weil er sich, durch
Karikaturen auf prominente Posener Persönlichkeiten, den Zorn seiner
Vorgesezten zuzieht und wird daraufhin in das Provinznest Plock verbannt. Mit 26
Jahren heiratet er dort (am 26.Juli1802) die Polin Michaelina Rorer (genannt
Mischa).
Hoffmann,der sich in Plock wie im "Exil" fühlt,
führt mit Mischa ein zurückgezogenes Leben: Er komponiert Kirchenmusik
und Klavierwerke und vertieft sich in das Studium der Kompositionstheorie, da er
sich nun für die Musik entschieden hat. Die Schriftstellerei betrachtet
Hoffmann eher als eine Nebentätigkeit. Doch im September sieht er sich
erstmals gedruckt, mit einem kleinen kritisch - satirischen Beitrag zur Rolle
des Chors im Drama.
Erst 1804, und für seine Begriffe viel zu
spät, erreicht Hoffmann die Versetzung nach Warschau, in die frühere
polnische Hauptstadt, die1795 an Preußen fiel. Dort beginnt für den
inzwischen 28-jährigen Hoffmann ein buntes und interessantes Leben, auf
beruflicher und künstlerischer Ebene. Im Dezember 1804 komponiert er das
Singspiel ´Die lustigen Musikanten´, mit dem er sich in Warschau den
Ruf eines kunstfertigen Musikers erwirbt und auf dessen Titelblatt Hoffmann sich
erstmals mit dritten Namen Amadeus nennt (,weil er Mozart über alle
Maßen verehrt). Im Mai 1805 wird die Musikalische Gesellschaft in
Warschau gegründet, an der Hoffmann dann auch
führend beteiligt ist. Ùnd durch die er auf Zacharias Werner, einen
alten Bekannten aus Königsberger Tagen, trifft.
Auch in dieser Zeit macht er die Bekanntschaft mit
Eduard Hitzig, der im Sommer 1804 als Assesor ans Warschauer Gericht versetzt
wird. Hoffmann sucht die Bekanntschaft des Juristen, weil dieser mit ihm in der
Ablehnung der pedantisch "steifleinernen" Kollegschaft übereinstimmt.
Hitzig verfasste auch 1823 (ein Jahr nach Hoffmanns Tod) die erste Biograhie
Hoffmanns. In dieser habe ich folgende Passage über sein Aussehen
gefunden:
"Hoffmann war von sehr kleiner Statur, hatte eine
gelbliche Gesichtsfarbe, dunkles, beinahe schwarzes Haar, das ihm tief bis in
die Stirn gewachsen war,graue Augen, die nichts Besonderes auszeichneten, wenn
er ruhig vor sich hinblickte; die aber, wenn er, wie so oft zu tun pflegte,
damit blinzelte, einen ungemein listigen Ausdruck annahmen. Die Nase war fein
und gebogen, der Mund fest geschlossen.
Sein Körper schien, ungeachtet seiner Behendigkeit,
dauerhaft, denn er hatte für seine Größe eine hohe Brust und
breite Schultern.
(Sein Anzug war in früheren Zeiten seines Lebens
ziemlich elegant, ohne irgend ins gesuchte zu verfallen. Nur auf den Backenbart
hielt er große Stücke und ließ ihn sorgfältig gegen die
Mundwinkel hinziehen. Später erregte ihm seine Uniform, in welcher er etwa
wie ein französischer oder italienischer General aussah, inniges
Wohlgefallen.)"
Ende 1806 (er ist nun 30 Jahre alt) wird Hoffmanns
beruflicher und künstlerischer Aufstieg jäh unterbrochen: Die
Franzosen marschieren unter Napoleon in Warschau ein und entlassen alle
preußischen Beamten, die keinen Eid auf die neue Regierung leisten wollen.
Da sich Hoffmann grundsätzlich nicht für Politik interessiert und sich
schon gar nicht dafür engagieren will, tut er das nicht und steht nun vor
den schlimmsten Jahren seines Lebens: Seine einzige Tochter stirbt, er ist
arbeitslos, krank und seine künstlerischen Arbeiten bringen ihm so gut wie
keine Einkünfte.
In seiner Not bewirbt er sich um eine Stelle als
Musikdirektor in Bamberg, wohin er 1808 übersiedelt. Der Beginn ist wenig
erfolgversprechend: Chaotische Zustände am Theater und im Orchester, eine
missglückte Premiere; schon nach wenigen Wochen muss er seine
Dirigententätigkeit beenden und ist fortan als Komponist tätig; das
kärgliche Gehalt bessert er durch Musikstunden auf.
Trotzdem bringt diese Zeit den Durchbruch als
Künstler: Der Musiker wird Musikkritiker und arbeitet in den nächsten
Jahren als Rezensent für die renommierte "Allgemeine Musikalische Zeitung",
die von ihrem Mitarbeiter auch musikalische Erzählungen annimmt. Am
15.Februar erscheint die erste dieser Erzählungen,´Ritter Gluck´.
Ohne dass Hoffmann es ahnt, ist dies der Wendepunkt seiner Karriere vom Musiker
zum Schriftsteller.
Im privaten Bereich sind die Bamberger Jahre
geprägt von Hoffmanns Liebe zu seiner Musikschülerin Julia Mark -
während er nach aussen hin den gesellschaftlichen Anstand (meistens) wahrt,
notiert er in sein Tagebuch Woche um Woche Ausbrüche der Leidenschaft und
der Verzweiflung. Als sich die Angeschwärmte mit einem Kaufmann verlobt,
trifft dies Hoffmann aufs Tiefste. Er lädt seinen Hass in der scharfen
Satire´Nachricht von den neusten Schicksalen des Hundes Berganza´ab.
In späteren Werken wird die Gestalt Julias unter anderem Namen immer wieder
als Ideal der Schönheit,der Reinheit, aber auch als Ideal der
Künstlerin,insbesondere der Sängerin, auftauchen.
Hiztig schreibt in seiner Charakteristik über
Hoffmanns Beziehung allgemein mit Frauen:
"Den Umgang mit Frauen liebte er eben nicht. Konnte er
(dies war die Regel, von der allerdings einige Ausnahmen stattfanden) sie nicht
mystifizieren oder sie in die abendteuerlichen Kreise seiner Phantasien ziehen,
oder enteckte er in ihnen nicht etwa entschiedenen Sinn für das Komische,
so zog er den Verkehr mit Männern, bei denen sich die letztere Eigenschaft
viel häufiger entwickelt findet, bei weitem vor. ... Unter allen
Erscheinungen in der Gesellschaft war ihm die gelehrter Frauen am
gründlichsten zuwider. Legte es eine solche auf ihn an, und ließ es
sich, wie auch wohl vorgekommen ist, gar beigehen, in einer Art Pairschaft ihm
nahezutreten, etwa bei Tische ihren Platz neben ihm aufzuschlagen, so war er
imstande, sein Couvert aufzunehmen und damit in die weite Welt zu fliehen (, bis
er an einem entfernten Ende sich unbemerkt irgendwo einbürgern konnte).
Im Frühjahr1813 nimmt der 37-jährige Hoffmann
das Angebot auf eine Musikdirektorenstelle in Leipzig und Dresden an. Inmitten
der Kriegswirren (Napoleon marschiert nun auch in Dresden ein) übt er sein
Amt aus, dirigiert oft mehrfach in der Woche; daneben schreibt er Musikkritiken,
Erzählungen und das Märchen ´Der Goldene
Topf´.
Doch schon ein Jahr später verliert er, wegen
Kompetenzmangels, seine Kapellmeisterstelle. Eine erneute Notlage steht ihm
bevor. Darum ermutigt ihn der Bamberger Verleger Kunz seine bis dahin erschienen
und gesammelten Werke, die´Fantasiestücke in Callots Manier´, zu
veröffentlichen. Doch auch das bringt ihm nicht genug Geld ein, um davon
leben zu können. Und so beschließt Hoffmann, auch durch seinen Freund
Hippel ermutigt, mit 38 Jahren, zunächst ohne Gehalt, wieder als
Staatsbeamter zu arbeiten.
Er siedelt nach Berlin über und setzt dort seine
acht Jahre lang unterbrochene Karriere fort:
Im April 1816 wird er dann zum Obergerichtsrat ernannt
und fünf Jahre später rückt er in den Oberappellationssenat des
Kammergerichts auf. Hoffmanns Vorgesetzter sagte einmal über ihn: "Das
Vorurteil, dass ein genialer Schriftsteller für ernste Geschäfte nicht
tauge, hat wohl nie jemand vollständiger widerlegt wie
er."
Obwohl diese Lebensjahre für Hoffmann den Schritt
vom freischaffenden Künstler zurück zum Beamten bringt, tritt für
ihn die Kunst keineswegs in den Hintergrund.
Mit 40 Jahren (1816) kann er seinen größten
Erfolg als Komponist feiern:
Die Uraufführung seiner, wie er meint, gelungesten
Oper ´Undine´ (nach der Erzählung Fouqués). Und die
´Fantatasiestücke´ haben ihn in den literarischen Kreisen der
Hauptstadt mit einem Schlag berühmt gemacht. In dem nächsten Jahren
schreibt er mit unermüdlicher und schier unglaublicher Produktionskraft
mehrere Romane und über 30 teils umfangreiche Erzählungen, (darunter
´Die Elexiere des Teufels´ , ´Klein Zaches´ und
´Das Fräulein von Scuderi´ ), die seinen
Ruhm festigen und vermehren. Er wird wegen seiner unterhaltsamen Schreibart von
Verlegern umworben, insbesondere von Herausgebern der beliebten
Taschenbücher und Almanche, in denen ein großer Teil seiner
Erzählungen zuerst erscheint.
Der große Erfolg bringt freilich auch viele Gegner
hervor: sie greifen insbesondere sein Privatleben an, vor allem seinen
stadtbekannten Umgang mit Weinlokalen, sie stellen auch eine Beziehung zwischen
seiner, ihrer Meinung nach "wirren" Schreibweise und dem Alkoholkonsum her. Zwar
wurde der Schöpfer genialer und wahnsinniger Kunstgestalten seit der
Neuromantik hoch geschätzt, jedoch fand der nächtliche Hoffmann
("Gespenster-Hoffmann") erst später ähnliche Annerkennung.
Mittlerweile setzt sich die Einsicht immer mehr durch, dass der
Universalkünstler nicht teilbar ist, dass man den Schreiber der Kreisler
Geschichten nicht von dem Almanach-Autor trennen kann und darf.
Doch auch die Zeit in Berlin bringt starke
Schattenseiten für Hoffmann. Schon im Frühjahr 1818 erleidet er mit 42
Jahren seine erste schwere Krankheit, von der er sich nur mühsam wieder
erholt.
Er nimmt dann auch wieder seine juristischen "Brotberuf"
auf, und beginnt im Mai 1819 mit der Arbeit an dem Roman ´Lebensansichten
des Katers Murr´.
Doch schon im Januar 1822 wird Hoffmann erneut von einer
schweren Krankheit heimgesucht, an der der Künstler dann am 25.6.1822 im
Alter von 46 Jahren in Berlin
stirbt.
Erzählweise:
Durch Hoffmanns gesamtes Werk zieht sich die Frage nach
dem Verhältnis zwischen der Welt der Wirklichkeit und der der
Träume.
Hoffmann verwirft nicht nur das einseitige Verharren in
der Außenwelt, sondern auch die einseitige Betonung der Innenwelt ist
verhängnisvoll, sie führt zu Skurrilität bis hin zu psyschischer
Krankheit und Wahnsinnserscheinungen, die Hoffmann in zahlreichen seiner
Geschichten immer wieder variiert.
Deshalb bewegt sich Hoffmann in seinen Erzählungen
gerne in den Grenzgebieten, wo Traum und Wirklichkeit
ineinanderfließen.Die Erzählung ´Der goldene Topf´ ist das
beste Beispiel dafür.
Doch auch in den ´Serapionsbrüdern´
veranschaulicht Hoffmann die Beziehung der Realität zu der Welt des
Phantastischen und Wunderbaren. Er lässt dort einen
Gesprächsteilnehmer sagen:
"dass die Basis der Himmelsleiter, auf der man
hinaufsteigen will, in höhere Regionen, befestigt sein müsse im Leben,
sodass jeder nachzusteigen vermag. Befindet er sich dann immer höher und
höher hinaufgeklettert, in einem phantastischen Zauberreich, so wird er
glauben, dies Reich gehöre auch noch in sein Leben hinein und sei
eigentlich der wunderbar herrlichste Teil desselben."
(sw III, 599)
Ein anderes Merkmal in Hoffmanns Werken ist das
Grässliche und Schauerliche, das in vielen seiner Erzählungen eine
wesentliche Rolle spielt.Er schöpft das große Arsenal der Schauer-
Räuber- und Gespensterliteratur seiner Zeit voll aus.
In seinen Erzählungen treiben Verbrecher ihr
Unwesen, furchtbare Unglücksfälle, Schicksalsschläge und
Racheakte treffen oft ganze Familien.
Eine zweite Schicht bezieht sich auf die Kräfte,
die hinter diesen grauenhaften Geschehen verborgen sind und den Menschen
bedrohen, verfolgen, irreleiten und psychisch oder physisch zerstören. Es
bleibt offen, ob dämonische Mächte für die Verhängnisse
verantwortlich sind, oder ob Menschen in teuflischer Weise die Fäden
ziehen.
In einer dritten Schicht schließlich steht im
Mittelpunkt, was man besonders im (exemplarischen) Nachtstück "Der
Sandmann" erkennen kann: der Mensch fühlt sich diesen Kräften hilflos
ausgesetzt, das Bedrohliche umgibt ihn von allen Seiten, ja mehr noch, er weiss
schließlich nicht einmal mehr, ob diese verderblichen Kräfte in
Wirklichkeit existieren, oder nur in seiner Vorstellung, also Wahngebilde sind,
Zeichen von Irrsinn, und Bewusstseinsspaltung.
Bei dieser Gestaltung des Nächtlichen zieht
Hoffmann die naturwissenschaftlichen und medizinischen, besonders psychatrischen
Kenntnisse seiner Zeit heran, um den Blick in die Nachtseiten der menschlichen
Seele zu vertiefen. Dabei werden die Grenzlinien zwischen Normalität und
Wahnsinn ununterscheidbar verwischt, es wird deutlich, dass es nach Hoffmanns
Auffassung eine derartige Grenze überhaupt nicht gibt.
Kennzeichnend für Hoffmanns Erzählweise ist
auch der häufige Verzicht auf die Chronologie. Die Folgen sind
Zeitverschiebungen und Verschachtelungen.
In der Erzählung ´Der Artushof´, zum
Beispiel, steigen die Figuren aus einem alten Hansegemälde herab und
spielen als Wesen vergangener Jahrhunderte ihre Rollen im bürgerlichen
Alltagsleben von Hoffmanns Gegenwart.
In der Erzählung ´Der Sandmann´ geht
Hoffmann sogar so weit, dem Leser gegenüber die verschiedenen
Erzählmuster durchzuspielen: "So trieb es mich denn gar gewaltig, von
Nathanaels verhängnisvollem Leben zu dir (dem Leser) zu sprechen. Das
Wunderbare, Seltsame davon erfüllte meine ganze Seele, aber eben deshalb
weil ich dich, o mein Leser! gleich geneigt machen musste, Wunderliches zu
ertragen, welches nichts Geringes ist, quälte ich mich ab, Nathanaels
Geschichte bedeutend, originell, ergreifend anzufangen: "Es war einmal" - der
schönste Anfang jeder Erzählung, zu nüchtern - "In einer kleinen
Provinzstadt S., "lebte" - etwas besser, wenigstens ausholend zur Klimax. - Oder
gleich medias in res:"Scher dich zum Teufel" rief, "Wut und Entsezten im wilden
Blick, der Student Nathanael, als der Wetterglashändler Giuseppe Coppola" -
das hatte ich in der Tat schon aufgeschrieben, als ich in dem wilden Blick des
Studenten Nathanael etwas Possierliches zu verspüren glaubte.... Mir kam
keine Rede in den Sinn, die nur im mindesten etwas von dem Farbenglanz des
inneren Blicks abzuspiegeln schien, ich beschloss, gar nicht erst anzufangen.
Nimm, geneigter Leser! die drei Briefe, welche Freund Lothar mir gütigst
mitteilte, für den Umriss des Gebildes, in das ich nun erzählend immer
mehr und mehr Farbe hineinzutragen mich bemühen werde."
Zusammenfassend kann man über Hoffmann sagen, dass
sich der Universalkünstler Hoffmann nicht nur darin zeigt, dass er in
mehreren Kunstgattungen Bedeutendes schuf, sondern auch darin, dass er die
verschiedensten Ausdrucksweisen und -formen virtuos
beherrschte:
Er schrieb eine Fülle bedeutender
Kunsterzählungen, wie z.B. ´Don Juan´, ´Rat Krespel´
und ´Die Bergwerke zu Falun´; er war mit dem ´Goldenen Topf´
und der ´Prinzessin Brambilla´ ein Autor phantasievoller und
hintergründiger Märchen und verfasste scharfe Gesellschaftsatiren
(´Schreiben Milos´ und ´Klein Zaches´); ausserdem war er
einer der wenigen deutschen Meister der Spannungsliteratur (´Das
Majorat´ und ´Die Elexiere des Teufels´) und schrieb mit dem
´Fräulein von Scuderi´ eine der ersten Detektivgeschichten. Er
blickte in die Abgründe der Seele und wurde zum Vorbild psychologischer
Analysen, wie ´Der Sandmann´ zeigt ; er war ein vielseitiger
Romantiker, jedoch auch ein scharfsichtiger Musikkritiker, der zum Beispiel als
einer der ersten Beethovens Genie erkannte (und nicht zuletzt war er ein
großer Humorist).
Die Einsicht, die sich im Ausland und in Deutschland bei
Künstlern und bei Lesern bereits seit langer Zeit durchgesetzt hat, wird
auch bei den Literaturwissenschaftlern immer seltener in Frage
gestellt:
Hoffmanns Werk bildet in dem Jahrhundert zwischen Goethe
und Thomas Mann einen der bedeutendsten deutschen Beiträge zur
Weltliteratur.
"Nur der Dichter versteht den Dichter; nur ein
romantisches Gemüt kann eingehen in das Romantische; nur der poetisch
exalierte Geist, der mitten im Tempel die Weihe empfing, das verstehen was der
Geweihte in der Begeisterung ausspricht."
(E.T.A. Hoffmann in ´Don
Juan´)
|