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Klimt, Gustav (1862-1918)
Gustav
Klimt
Das Wien der Belle Epoque - die Stadt Sigmund Freuds und
Otto Wagners, Mahlers und Schönbergs - wird in der ganzen Welt bewundert
wegen der enormen Schöpferkraft und Vielfalt seines kulturellen und
künstlerischen Lebens.
Und Gustav Klimt ist ohne Zweifel sein
repräsentativster und faszinierendster Maler. Er war, am 14. Juli
1862 in Baumgarten bei Wien geboren, das zweite von sieben Kindern eines
Graveurs und Ziseleurs, eines gewissenhaften aber armen Handwerkers.
Mit kaum 14 Jahren wird Klimt bereits Schüler der
Kunstgewerbeschule in Wien. Sieben Jahre lernt er dort mit seinem Bruder Ernst
und dessen Freund Franz Matsch bei Professor Laufberger die verschiedensten
Techniken, vom Mosaik über Malerei bis zum Fresko (auf frischem
Kalkmörtel ausgeführtes Kunstwerk). Als Trio arbeiten die drei so gut
zusammen, daß Laufberger ihnen Ausstattungsaufträge vermitteln kann,
zB Fertigstellung des Kunstwerks im Treppenhaus des Kunsthistorischen Museums
Im Laufe der Zeit beginnt sich Klimts Stil von dem
seiner Freunde zu unterscheiden. Er löst sich mehr und mehr von der starren
akademischen Tradition und wendet sich dem Mythos Frau zu.
Sein persönliches Verhältnis zu Frauen bringt
Stoff für diverse Spekulationen. Seine Familie fördert den Schein des
zurückhaltenden Familienmenschen, doch heute wissen wir, daß dem
nicht so war. Klimts große Liebe bis zum Ende seines Lebens ist Emilie
Flöge.
Sie betreibt einen Modesalon und er entwirft für
sie Stoffe und Modelle, die wie Ausschnitte aus dem Hintergrund seiner
Landschaftsbilder wirken.
Klimt hatte aber auch viele Liaisons mit Modellen, aber
auch mit Damen der “besseren Gesellschaft” wie Adele Bloch-Bauer,
die er zweimal porträtierte. Er bevorzugte rassige, schwarz- oder
rothaarige Frauen.
Zitat: “Das Weib ist mein
Hauptwerk”
Er nimmt vorerst impressionistische Techniken in Dienst
und malt uns damit den Traum einer unschuldigen, erfreuenden Kunst, die einer
behaglichen Gesellschaft diente. Dies ist der Klimt, den man in Wien liebt. Ein
ungefährlicher Klimt, der auch das konservativste Publikum bezaubert und
den das sentimentale Bürgertum anbetet.
Seine Frauenportraits haben immer den gleichen Ausdruck
der Entrücktheit - abwesend, melancholisch betrachten sie die Welt - und
den Mann - mit demselben heiteren Blick.
Sobald Klimt aber nicht mehr für Auftraggeber
arbeitet, entsagt er jeder Zurückhaltung und kann sich frei entfalten. Er
setzt einen ganz anderen Typ Frau ins Bild - gefährlich und intuitiv - wie
zB in Nuda Veritas. Diese wahrhaftige, zwei Meter große Frau wirkt mit
ihrer provozierenden und ausdrucksvollen Nacktheit auf das Wiener Publikum
verwirrend und herausfordernd. Allein die Schambehaarung ist eine
Kriegserklärung an das klassische Ideal.
Das Leben und sein erotischer Ausdruck konzentrieren
sich immer auf einen Kampf zwischen Eros und Thanatos, und Klimt ist davon
durchdrungen. Mit der Allegorie MEDIZIN provoziert er wiederum einen Skandal. In
ihm sind alle Lebensphasen von der Geburt bis zum Tod vereinigt, der Ekstase
oder dem Schmerz unterworfen. Diese Vision muß erniedrigend wirken, da sie
die Ohnmacht der Medizin gegenüber den Mächten des Schicksals betont.
Selbst Hygieia, die Göttin der Gesundheit, wendet den Menschen den
Rücken zu und ist mehr FEMME FATALE und Zauberin als aufgeklärtes
Symbol der Wissenschaft.
Dies löst eine tiefe Verwirrung der Betrachter aus
- man ist schockiert und bezeichnet den Maler der Pornographie bzw.
übertriebener Perversion.
Klimt läßt sich jedoch durch die lautstarke
Opposition nicht einschüchtern und in seinem Weg nicht
beeinträchtigen. Als einzige Antwort auf die heftigen Kritiken malt er ein
Bild, das er zunächst “AN MEINE KRITIKER” nennt und später
unter dem Titel GOLDFISCHE ausstellt. Es treibt die allgemeine Wut auf einen
Höhepunkt: die schöne, fröhliche Najade im Vordergrund dreht doch
tatsächlich dem Betrachter den Hintern zu!
Klimt will ganz frei sein, er will denken und malen,
ohne von der öffentlichen Meinung abhängig zu sein und zieht sich
deshalb in sein abgelegenes Atelier zurück, in dessen Garten er nicht nur
Anregungen für seine Blumenbilder, sondern auch Inspiration und Entspannung
fand.
Sicherlich bleibt sein Hauptthema immer der Lauf des
Lebens mit Zeugung, Schwangerschaft und Geburt wie auch Krankheiten, Angst vor
dem Alter und Tod.
DANAE
HOFFNUNG l
DIE DREI LEBENSALTER
Danae: hier wird die Liebesekstase in dem Moment
dargestellt, da sich zwischen die riesigen Schenkel der schönen Schlafenden
der mit vergoldeten Samenfäden vermischte Strom von Goldstücken
ergießt, die von Zeus gewählte Form, um die Heldin - Symbol der
fleischlichen und sinnlichen Schönheit - zu besuchen.
Hoffnung I: Hier wird das ganze erotische
Vokabular Klimts aufgeboten, von dem schamlosen Körper über die eine
gewisse Perversion ausstrahlende rote Behaarung bis zu den Motiven des
Durchdringens, die in einer symbolischen Verbindung zu dem ausladenden Bauch
stehen. Aber in der Umgebung dieses Bildes vollendeter Weiblichkeit erscheinen
auch Elemente der Nacht und des Todes.
Die drei Lebensalter: Angesichts einer
Gesellschaft, in der Tod und Sexualität als Elemente des Chaos angesehen
und als unerlaubt ausgeklammert werden, scheint Klimt von nun an mehr denn je
auf den dornigen, unruhigen, fieberhaften und angstvollen Weg des
Infragestellens der Dinge verwiesen zu sein, die der Mensch über seine
Existenz wissen kann.
Seine Mißerfolge haben ihn jedoch unempfindlicher
gegen gesellschaftliche Probleme und gleichgültig gegenüber
politischen Ereignissen gemacht.
Eros und Thanatos bleiben jedoch immer die Quelle seiner
Inspiration, selbst wenn diese sich von nun an vorwiegend unter zwei
fundamentalen Themen verbirgt: Blumen und Frauen. Sie bieten ihm die beste
Möglichkeit, das einzige festzuhalten, das man im Vorbeigehen ergreifen
kann: eine flüchtige Sinnenfreude, die Ekstase des
Lebens!!
Klimt malt seine Landschaften mit derselben Sinnlichkeit
wie seine Porträts.
---- BUCHENWALD u. BIRKENWALD
Allein die Tatsache, daß seine Landschaften immer
ohne Anzeichen von menschlichen Wesen sind, macht verständlich, daß
Klimt sie wie lebende Personen behandelt. Und da die Frau die Hauptperson in
seinem Werk ist, kann man annehmen, daß er seine Landschaften wie Frauen
behandelt.
---- Bauerngarten mit Sonnenblumen
Wenn er die für van Gogh so wichtige Sonnenblume
malt, macht Klimt daraus nicht wie dieser ein Feuer, das brennt und verschlingt,
sondern das Schimmern eines Kleiderstoffes, den eine liebende Fee
trägt.
DER KUSS
Der Kuß ist sein berühmtestes Werk, es
gehört in eine Phase von Klimts Schaffen, die die goldene genannt wird,
weil der Künstler in dieser Zeit besonders ausgeprägt von Goldfarben
und echtem Gold Gebrauch machte. Etwas von dieser Kostbarkeit und dem
glanzvollen Schein, die von dem Gold ausgehen, verbindet sich auf das engste mit
dem Inhalt des Bildes.
Auf einer Klippe, einem Stück Blumenwiese sind die
beiden ineinander versunkenen Menschen in einer goldene Aura entrückt und
zugleich vereinigt und von der Umwelt abgeschieden. Die sonst so dominierende
Femme Fatale ordnet sich hier unter. Sie bietet sich dem Mann dar, gibt sich ihm
hin und das schimmernde Gewand läßt die unverhüllteste
Sexualität durchscheinen. So umgeht das Tabuthema “Kuß”
die Zensur und Klimt wird vom Publikum enthusiastisch gefeiert. Die Modelle des
Bildes: Klimt selbst, der seine Geliebte Emilie in den Armen
hält.
In den letzten Jahren vor seinem Tod erweist sich Klimt
wieder als wandlungsfähig. ----- Die Tänzerin
Mit diesen neuartigen Werken findet Klimt nun
ungebrochene Anerkennung. Die Unterlegung seiner Portraits mit Blumenmotiven
spricht das Unterbewußtsein unmittelbar an. Themen dieser Portraits sind
immer noch Eros und Kreislauf des Lebens, aber die unangenehmen Aspekte sind
verschwunden. Der schritt von der Femme fatale oder dem Sexsymbol hat sich in
einer nur charmanten und anscheinend sehr viel unschuldigeren Erscheinungsform
vollzogen.
Vielleicht hat diese neue Heiterkeit ihre Wurzeln in der
Tatsache, daß Klimt das Alter und die Nähe des eigenen Todes
spürt. Bevor er beginnt nur noch die Momente intensiven Genusses oder
wunderbarer Schönheit und Jugend festzuhalten, nimmt er noch einmal das
Thema von
TOD UND LEBEN auf.
Zitat: “Aus unseren schweren Herzen kamen die
leichten Witze, aus unserem Gefühl, daß wir Todgeweihte seien, eine
törichte Lust an jeder Bestätigung des Lebens: an Bällen, am
Heurigen, an Mädchen, am Essen, an Tollheiten jeder Art, sinnlosen
Eskapaden, an selbstmörderischer Ironie...”
Um seine letzten Allegorien wie DIE JUNGFRAU zu
malen, verwendete Klimt nur noch unvermischte Farben. Immer erzählt er eine
Geschichte: das junge Mädchen wird zur Frau, man erlebt das Erwachen ihrer
Sinne, das zur Liebesekstase führen wird.
Durch seinen Tod infolge eines Schlaganfalles im Februar
1918 bleiben Werke wie das berühmte Gemälde DIE BRAUT
----Poster unvollendet; durch sie können wir aber noch besser in die
Welt Klimts eintreten. Bevor er die Frauen in seinen Bildern in Gewänder
hüllte, malte er sie offenbar nackt. So versteht er es, unter dem Schein
des Respektablen doch das zu malen, was ihn fast ausschließlich
interessiert - die betörende Erotik der Frauen und die
Allgegenwärtigkeit des Eros.
Klimt über sich: “....Malen und
zeichnen kann ich. Von mir gibt es kein Selbstporträt. Ich interessiere
mich nicht für die eigene Person - eher für andere Menschen, weibliche
.... Ich male Tag um Tag von morgens bis abends. Aber schon wenn ich einen
einfachen Brief schreiben soll, wird mir angst und bang wie vor drohender
Seekrankheit.
Wer etwas über mich wissen will, soll meine Bilder
aufmerksam betrachten, daraus erkennen zu suchen, was ich bin und
will.”
Egon Schiele über Gustav Klimt:
“Ein Künstler von unglaublicher
Vollendung,
ein Mensch von seltener Tiefe,
sein Werk ein Heiligtum.”
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