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Crichton, Michael: The Lost World
Literaturtagebuch
MICHAEL
CRICHTON
THE LOST
WORLD
VERGESSENE
WELT
1. AUTOR
Michael Crichton wurde 1942 in Chicago geboren. Sein Studium absolvierte er
am Harvard College und an der Harvard Medical School. Nach seiner Promotion
arbeitete er als Dozent am Salk Institute in La Jolla, Kalifornien, und seit
1988 als Gastdozent am Massachusetts Institute of Technology. Neben der
Regieführung bei mehreren Filmen, darunter der Adaption seines eigenen
Romans „Der große Eisenbahnraub“, und das Schreiben von
Sachbüchern haben ihm vor allem seine Romane weltweiten Ruhm eingebracht,
darunter „Nippon Collection“ und
„Enthüllung“, die auch als Filme international Furore
machten. Crichtons Saurierthriller „Jurassic Park“ wurde von
Steven Spielberg in Szene gesetzt und gilt heute als der größte
Kinoerfolg aller Zeiten.
2. INHALTSANGABE
Sechs Jahre sind vergangen, seit den schrecklichen Vorgängen im
Jurassic Park. Sechs Jahre, seit jener Traum von wissenschaftlicher Allmacht und
vom Sieg menschlicher Phantasie ein jähes Ende fand. Alle geklonten Echsen
wurden damals getötet, der Park verwüstet, die Insel für die
Öffentlichkeit gesperrt. Doch es gibt Gerüchte, daß dort etwas
überlebt hat.
Richard Levin, ein reicher, besserwissender Paläontologe und Ian
Malcolm, ein Pionier der Chaostheorie und Mathematikgenie lernen sich bei einem
Vortrag kennen. Beider Interesse gilt der Entwicklung und dem Aussterben von
Arten auf der Erde. Durch das Vorweisen von Gewebeproben von Dinosauriern, die
Levin aus Costa Rica hat, gewinnt er Malcolm für eine Expedition in die
„vergessene Welt“, auf die Insel Sorna.
Zur gleichen Zeit rüstet Lewis Dodgson zu einem ähnlichen
Unternehmen. Seine Absichten sind aber nicht biologischer Natur, sondern er will
in skrupelloser Art und Weise genetisches Material aus Dinosauriereiern
beschaffen. Er will die Genmanipulationen weitertreiben und damit das
große Geld machen. Zu seinem Team gehören George Baselton und Howard
King.
Levin und Malcolm entwickeln gemeinsam mit Doc Throne, einem Spezialisten
auf dem Gebiet der Feldausstattung, die Expeditionsausrüstung: ein
Explorer, ein schnelles wendiges Fahrzeug und ein Caravangespann, das zur
Forschung dient. Die beiden Kinder Kelly und Arby gehören ebenfalls zum
Team. Später stößt die Verhaltesforscherin Sarah Harding,
Malcolms Freundin dazu.
Obwohl die Vorbereitungen auf die Expedition noch nicht ganz abgeschlossen
sind, reist Levin allein auf die Insel, ohne die anderen zu informieren. Kaum
angekommen wird sein einheimischer Begleiter von Dinosauriern gefressen.
Inzwischen macht sich Levins restliches Team auf den Weg zur Insel Sorna.
Auch Dodgson und seine Leute brechen zur Insel auf. Sofort gehen sie daran
die Dinosauriernester zu plündern. Mit einem technischen Trick gelingt es
ihnen die erwachsenen Tiere von ihren Nestern zu vertreiben. Beim
Tyrannosauriernest haben sie Schwierigkeiten und Baselton wird zerfleischt. Die
beiden anderen, denen die Flucht mit dem Jeep gelingt, werden jedoch durch einen
Unfall voneinander getrennt. Dodgson stürzt über eine Klippe und kann
sich mit Mühe vor Aasfressern in einen Schuppen retten. King verirrt sich
im Dschungel und wird von Raptoren gefressen.
Levin wird von seinen Leuten gefunden und gemeinsam beginnen sie mit ihrer
Forschungsarbeit: sie stellen fest, daß die vergesse Welt nur aus
genetisch produzierten Dinosauriern besteht. Sie stellen für ihre
Beobachtungen einen Hochstand auf und Arby gelingt es sich mit dem Computer in
das Videoüberwachungsnetz der Insel einzuklinken. Ihnen fällt auf,
daß InGen, die Firma, der ursprünglich das Klonen Dinosaurier gelang,
bei der Produktion der Tiere eine zu hohe Sterberate hatte. Die Tiere erreichen
auch nicht ihr biologisches Alter und es gibt zu viele Fleischfresser.
Malcolm und Sarah Harding erforschen das Tyrannosauriernest, finden ein
Baby, dessen Fuß gebrochen ist und nehmen es mit in den Caravan. Alle
kehren zum Hochstand zurück. Nur Malcolm und Sarah, die den Fuß des
Babys behandeln, bleiben zurück.
Als die beiden mit ihrer Arbeit fertig sind, kommen plötzlich die
Tyrannosauriereltern auf der Suche nach ihrem Baby. Als sie es wiederhaben,
greifen sie den Caravan an und schieben ihn in die Richtung einer naheliegenden
Schlucht. Beinahe sterben Malcolm und Harding, wenn nicht Throne mit dem
Motorrad aufgetaucht wäre. Die Dinosaurier ziehen sich zurück, da sie
Gefahr für ihr Baby fürchten. Throne kann seine Gefährten gerade
noch aus dem Caravan herausziehen, bevor er in die Tiefe stürzt.
Die drei kehren zum Hochstand zurück, wo sie alle von Raptoren
angegriffen werden. Arby wird vom Hochstand geworfen. Er kriecht in einen
Käfig, der für Beobachtungen gedacht ist. Der Schlüssel des
Käfigs verfängt sich am Maul eines Raptors. Die Raubtiere rollen Arby
zu ihrem Nest.
Malcolm, Throne und Levin nehmen die Verfolgung der Raptoren auf, die den
Käfig haben. Kelly und Sarah fahren mit dem Motorrad dem Raptor nach, der
den Schlüssel zum Käfig hat. Sarah und Kelly können den Raptor
töten und den Schlüssel an sich nehmen. Die drei Männer fahren
mit Dodgsons Wagen zum Raptorennest, da der Explorer einen Kurzschluß hat.
Sie nehmen den Käfig mit und befreien den Jungen.
Nach dieser Jagd fahren alle mit dem Jeep zu dem Hubschrauberlandeplatz,
unglücklicherweise geht ihnen aber der Sprit aus. Sie machen bei der
Arbeitersiedlung halt. Dort sucht am Abend Throne nach Benzin, kann aber keines
finden. Dafür macht er aber eine andere Entdeckung: draußen lauern
zwei Carnotaurier, die sich wie Chamäleons an die Umwelt anpassen. Sie
verscheuchen sie, indem sie das Licht ein- und ausschalten. Die Dinos haben eine
kurze Umstellungszeit und werden so sichtbar, sie flüchten.
Später fährt Sarah mit dem Motorrad zu der Stelle, wo der
Explorer steht, um die Sicherungen auszutauschen. Dort trifft sie auf Dodgson.
Als ein Tyrannosaurier erscheint, legen sich beide unter das Auto. Um den
Angreifer von sich abzulenken, gelingt es Sarah den Widerling Dodgson unter dem
Auto hervorzuschieben. Der Tyrannosaurier packt ihn und trottet mit ihm zum
Nest, wo er ihn seinen Kindern zum Fraß vorwirft.
Sarah will den startenden Hubschrauber aufhalten, doch sie kommt zu
spät.
Bei ihrer Rückkehr in die Hütte werden sie von einem Dutzend
Raptoren angegriffen. Dank Kellys Hilfe können sie auf dem Computer ein
Bootshaus entdecken und durch einen Kabelschacht aus der Hütte entkommen.
Sie finden tatsächlich ein Boot, das auch noch funktioniert.
Auf dem Weg zum Meer diskutieren sie, warum die Dinosaurier nicht ganz
auswachsen. Sie sind sich einig, daß InGen die Jungtiere mit Ziegenmilch
und die etwas älteren Dinosaurier mit Schafproteinextrakt gefüttert
hat. Durch eine verseuchte Lieferung wurden einige Dinosaurier durch Prionen,
einem primitiven Virus, angesteckt. Die Krankheit wurde durch die Aas- und
Fleischfresser schnell auf der ganzen Insel verbreitet. Durch die von den Viren
hervorgerufene zu hohe Todesrate gab es auch zu viele Fleischfresser.
So steueren sie auf Puerto Cortés zu, um nach Hause zu kommen.
3. Wichtige PERSONEN
Richard Levin: Er ist Erbe einer Puppenfabrik, sehr reich und
Paläontologe. Levin ist zirka 30 Jahre alt. Er ist am Problem des
Aussterbens interessiert. Levin wird von allen anderen Wissenschaftlern als
Nervensäge bezeichnet. Er und Malcolm sind einigermaßen gute Freunde,
aber streiten öfters. Von Malcolm wird er als pedantisch und kleinlich
hingestellt.
Ian Malcolm: Er ist einer der Pioniere der Chaostheorie und an
vielen Universitäten wohlbekannt. Er ist 40 Jahre alt und wie Levin am
Massenaussterben interessiert, aber rein vom mathematischen Standpunkt her. Ian
achtet immer auf die Konsequenzen seiner Handlungen und sieht daher viele Taten
von Levin als verrückt an. Vor einigen Jahren wird er von John Hammond,
Besitzer von InGen zu einer Begutachtung eines Dinosaurierparks eingeladen. Der
Park geriet ausser Kontrolle, Menschen starben und Malcolm wurde an seinem Bein
schwer verletzt. Der Park wurde nie eröffnet.
Jack Throne: Ist 55 Jahre alt. Unterrichtete zuerst, zog sich dann
aber aus der akademischen Welt zurück. Er hat als Professor für
Maschinenbau und Spezialist für exotische Materialien immer einen Hang zum
Praktischen. Er war sehr beliebt bei seinen Studenten und wenn er nicht
unterrichtete, fungierte er als Materialgutachter bei Flugzeugabstürzen,
Explosionen und anderen Katastrophen. Er gründete seine eigene Firma Throne
Mobile Field Systems.
Kelly Curtis: Kelly ist eine der Besten in ihrer Klasse und wird
daher auch von vielen als Streberin bezeichnet. Sie ist 13 Jahre alt stammt aus
mittleren Verhältnissen und ist sehr selbständig. Arby ist ihr bester
Freund. Er versteht sie, weil es ihm selbst so geht. Kelly ist außerdem
ein großer Fan von Sarah Harding.
Arby: Besucht die selbe Klasse wie Kelly. Er ist 11 Jahre alt und
seine Eltern sind reich. Er hat schon zwei Klassen übersprungen weil er so
gescheit ist. Arby ist ein Genie, vor allem mit Computern. Er ist jedoch
unflexibel und jede Veränderung eines einmal festgelegten Plans bringt ihn
aus der Fassung.
Sarah Harding: Berühmte Verhaltensforscherin für
Hyänen in Afrika. Sie hat sich weltweit einen Namen als Expertin für
Hyänen gemacht. Zuerst wurde sie nicht akzeptiert, aber sie sammelte weiter
Datenmaterial und erreichte so immer größere Akzeptanz. Sarah lernte
Malcolm bei seinem Krankenhausaufenthalt kennen und trug dazu bei, daß er
wieder gesund wurde. Sie wollte Malcolm heiraten, doch dann kehrte sie nach
Afrika zurück und Malcolm ging nach Santa Fe.
Lewis Dodgson: Dodgson ist 45 Jahre alt. Er hat ein glattes Gesicht
und schüttere Haare. Er wirkt freundlich und jugendlich. Aber der Schein
trügt. Er ist der skrupelloseste und aggressivste Genetiker seiner
Generation. Er plant gentechnische Versuche an Menschen und testete einen
Tollwutimpfstoff an chilenischen Farmern.
Außerdem leitete er jahrelang bei Biosyn die Abteilung für
„Rückverfolgende
Produktentwicklung“, das bedeutet er stahl die Arbeit eines anderen
im Frühstadium und schmückte sich mit dessen Erfolg.
4. LESEFRÜCHTE
Vorwort:
Was mich wirklich interessiert,
ist, ob Gott bei der Erschaffung
der Welt überhaupt
eine andere Wahl hatte.
ALBERT
EINSTEIN
Malcolm: (S. 22)
„Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, daß menschliche Wesen
Gefühle und Bewußtsein haben. Menschliche Wesen denken nicht
eigenständig, sie finden das viel zu anstrengend. Die Angehörigen
unserer Spezies wiederholen meistens nur, was man ihnen sagt und regen sich auf,
wenn man sie mit divergierenden Ansichten konfrontiert. Nicht Bewußtsein,
sondern Konformität ist das charakteristische Merkmal der menschlichen
Rasse, und das charakteristische Resultat ist der Religionskrieg. Andere
Lebewesen kämpfen um ihr Revier oder um Nahrung, aber, und das ist
einzigartig im Tierreich, die Menschen kämpfen für ihre
‘Überzeugungen’. Der Grund dafür ist, daß
Überzeugungen Verhalten steuern, und dies hat für die Menschen
evolutionäre Bedeutung. Aber in einer Zeit, da unser Verhalten durchaus zu
unserer Ausrottung führen kann sehe ich keinen Grund für die Annahme,
daß wir überhaupt ein Bewußtsein besitzen. Wir sind sture,
selbstzerstörerische Konformisten. Jede andere Betrachtungsweise unserer
Spezies ist nichts als eine Selbsttäuschung.“
Malcolm: (S. 461)
„Die Menschen sind so zerstörerisch. Manchmal glaube ich, wir
sind selbst eine Seuche, die die Erde leerfegen wird. Wir zerstören so
erfolgreich, daß ich manchmal sogar glaube, genau das ist unsere Funktion.
Vielleicht tritt alle paar Äonen ein Lebewesen auf, das den Rest der Welt
vernichtet, klar Schiff macht und der Evolution die Möglichkeit gibt, neu
anzufangen.“
Throne: (S.462)
„Das Leben ist wunderbar. Es ist ein Geschenk, am Leben zu sein, die
Sonne zu sehen und die Luft zu atmen. Und eigentlich gibt’ sonst
nichts.“
5. DEUTUNG
Der Roman von Michael Crichton verfolgt konsequent die Frage der Evolution
und des Aussterbens von Arten. Er führt uns in die Chaostheorie, die die
mögliche Antwort auf diese Fragen darin sieht, daß komplexe Systeme,
wie zum Beispiel die Dinosaurier fähig sind zwischen dem Bedürfnis
nach Ordnung und dem Drang nach Veränderung ein sehr empfindliches
Gleichgewicht herzustellen.
Dieses Gleichgewicht zu finden und zu halten ist eine schwierige
Angelegenheit. Wenn ein lebendes System sich dem „Rand des Chaos“ zu
sehr nähert, läuft es Gefahr, den inneren Zusammenhalt zu verlieren
und sich aufzulösen, wenn es sich aber zu weit davon fortbewegt, wird es
steif, starr, totalitär. Beide Zustände führen zum Aussterben. Zu
viel Veränderung ist genauso schädlich wie zu wenig.
In der Evolutionswissenschaft ist es der Umstand der Zuchtwahl, die
bestimmte Arten zuließ und eine Weiterentwicklung möglich machte und
die Frage, inwiefern Selbstorganisationsprinzipien Veränderungen
koordinieren können, oder eine ganze Population in den Untergang
führen.
Vordergründig wollen die Wissenschafter, die agierenden Personen
dieses Romans durch ihre Beobachtung der Dinosaurier den Beweis erbringen,
daß diese Tiere möglicherweise aufgehört hatten, sich
anzupassen.
Der Autor erklärt das übersteigerte Interesse der Menschen am
Schicksal der Dinosaurier mit der Frage, ob wir früher oder später
nicht vielleicht ebenso verschwinden werden.
Der Roman erinnert in seinem Spannungsaufbau und den Darstellern an ein
Märchen. Da sind einerseits die Guten, die alle Schwierigkeiten und
Todesgefahren auf sich nehmen um für die Allgemeinheit wichtige
Erkenntnisse zu gewinnen. Sie sind letztendlich auch die, die überleben!
Auf der anderen Seite stehen die Bösen, die aus rein persönlicher
Profitgier handeln und sich nicht über mögliche Konsequenzen ihres
Vorhabens bewußt sind. Sie alle werden Opfer ihres Abenteuers.
Eine Erkenntnis, die Moral des ganzen Werkes, ist, daß der Mensch
nicht das Recht und die Macht hat, in komplexe Systeme des Lebens einzugreifen,
was uns dazu anregen soll, das Problem der Genmanipulation noch oft zu
überdenken.
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