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Sophokles: Antigone (Interpretation)
Michael Holz /12 24.11.2000
Interpretieren Sie die Szene von Antigone und Kreon
(Seite 15 - 20). Achten Sie dabei besonders auf den Dialog von Antigone zwischen
Kreon und ordnen Sie die Szene in die Dramenstruktur ein!
Im zu untersuchenden zweiten Epeisodion kommt es zum
dramatischen Höhepunkt des Werkes Sophokles´: Antigone wird vom
Wächter bei der erneuten Bestattung ihres Bruders gefaßt und Kreon
vorgeführt. Nach einem heftigen Streitgespräch zwischen den beiden
verhängt Kreon die Todesstrafe über seine Nichte.
Die gesamte Szene läßt sich in drei Phasen bzw.
Abschnitte unterteilen: das Gespräch zwischen dem Wächter und Kreon,
der Dialog von Antigone und Kreon sowie die Wechselrede der beiden Schwestern
Antigone und Ismene:
Im ersten Abschnitt der Szene (Zeile 381 - 439) bringt der
Wächter Antigone zu Kreon und berichtet ihm eifrig was Antigone tat. Kreon
scheint dies nicht glauben zu wollen und ist skeptisch, erst als ihm Antigone
auf seine Frage hin die Tat gesteht, muß er es akzeptieren. Dennoch
scheint der Herrscher Antigone unter vier Augen befragen zu wollen, denn bevor
er Antigone fragt, ob sie von dem Verbot wußte, schickt er den
Wächter weg (Z.:443). Dies deutet daraufhin, daß sich Kreon von
Anfang an der Tragweite seiner zu fällenden Entscheidung bewußt ist
und noch etwas mit sich zögert, wohlwissend seine angedrohte Strafe
anwenden zu müssen, dies aber eigentlich nicht will.
Im sich nun anbahnenden Streitgespräch zwischen
Antigone und ihrem Onkel begründet Antigone die Übergehung des Verbots
der Bestattung mit der höheren Wertigkeit der Göttergesetze (die
Tradition alle Toten zu bestatten) gegenüber den weltlichen Gesetzen Kreons
(Z.:452 - 454). Dabei sieht sie die sie zu erwartende Strafe für sich als
Gewinn an, ist ihre Familie doch mit dem Fluch des Labdakos, also dem
vorzeitigen Tod aller Mitglieder, belegt. Und nur noch Antigone und ihre
Schwester leben, gibt es für Antigone nicht mehr viele Gründe in der
Welt der Lebenden zu bleiben.
Antigone legt ihre Interpretation der Lage (höhere
Wertigkeit des göttlichen Gesetzes vor dem weltlichem) sehr kühl,
selbstsicher und gelassen dar. Kreon schien eine derartige Selbstsicherheit
nicht erwartet zu haben und gerät darüber in Zorn: ihm fehlen
Argumente um etwas zu erwidern und er beginnt Antigone zu beleidigen (Z.:479 -
482). In seinem Zorn klagt der Herrscher von Theben auch Antigones Schwester
Ismene an; nun hat er die Beherrschung und alle Zurückhaltung verloren.
Als Antigone ihm eröffnet, daß sie als einzige
den Bruder bestattete, weil das Volkes, obwohl es die gleiche Einstellung wie
Antigone besitzt, Strafe fürchtet und deswegen still hält (Z.:503 -
504), bringt Kreon seine Einstellung zum Staat ins Spiel: der Bruder, der jetzt
ohne Grab liegen müsse, handelte zum Unwohl des Staates (Z.:617) und habe
deshalb kein anständiges Grab verdient, er setzt also auch bei den Toten
den Maßstab an den Taten für den Staat an. Seine Nichte erwidert
darauf hin, sie wolle lieben und nicht hassen (Z.:523). Mit dieser Aussage
stellt sie die Traditionen (die Liebe und Loyalität zu Familienmitgliedern)
vor das Gesetz, womit Antigone ein weiteres Statement von sich gab , welches im
Widerspruch zu den Idealen ihres Onkels steht und erneut scheint jener deswegen
die Fassung zu verlieren und beleidigt sie wiederum.
Im folgenden Dialog der Schwestern Ismene und Antigone
verbietet Antigone ihrer Schwester irgendwelche Schuld auf sich zu laden und
versucht sie durch Hohn von sich wegzutreiben, man möchte fast meinen den
kommenden Trennungsschmerz schon im Vorfeld zu lindern (Z.:548 - 549).
Die oben beschriebene Szene bildet wie bereits gesagt die
Klimax des Werkes "Antigone", denn an dieser Stelle ist die Zuspitzung des
Konflikts am intensivsten, für den Rezipienten kann erkennen, daß die
Handlung keinen guten Verlauf nehmen wird: sowohl Antigone als auch Kreon sind
in ihrer Einstellung stur und keinesfalls bereit auf den anderen zu zu gehen:
ein für Antigone negatives Ende scheint unausweichlich, da Kreon als
Herrscher die uneingeschränkte Macht besitzt sowie von der gesetzlichen
Seite im Recht ist. Außerdem ist während des Dialogs der beiden
erkennbar, daß Kreon seine Bedenken gegenüber der Todesstrafe
für einen Verwandten ablegt und auch dieses Mal das Wohl des Staates vor
alles andere stellt. Dementsprechend ist diese Szene die Schlüsselszene
für die weitere tragische Entwicklung des Werkes, das in einer totalen
Katastrophe endet.
691 Wörter
Michael Holz
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