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Ägypten
| Kurzinformation: |
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18199 |
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| Typ: |
Spezialgebietsausarbeitung |
| Sprache: |
Deutsch |
| Autor: |
Unbekannt |
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Ägypten-Referat
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Erstellt von:
Peter Fröhlich und Jost Philip
Pöttner am 01.11.2000
Inhaltsverzeichnis
- Geographische Lage
- Topographie
- Kulturland
- Wüste
- Klima
- Bevölkerung
- Allgemeines
- Schulsystem
- Flora und Fauna
- Wirtschaft
- Landwirtschaft
- Fischerei
- Bodenschätze/Bergbau
- Energie
- Industrie
- Außenhandel
- Infrastruktur
- Suezkanal
- Verkehr
- Tourismus
- Besonderheiten
- Kairo
- Die Pyramiden
- Assuan-Staudamm
- Politik
- Der Glaube
- Götterwelt
- Totenkult
- Mumien
- Geschichte
- Allgemein
- Vorzeit
- Frühe dynastische Zeit (Vorzeit)
- Altes Reich
- Goldenes Zeitalter
- Beginn des Niedergangs
- Erste Zwischenzeit
- Mittleres Reich
- Wiedervereinigung
- Zweite Zwischenzeit
- Neues Reich
- Die Könige der 18. Dynastie
- Die Zeit der Pharaonen Ramses
- Dritte Zwischenzeit
- Spätzeit
- Griechische und Römische Zeit
- Das Haus der Ptolemäer
- Römische und Byzantinische Zeit
- Ägypten unter dem Kalifat
- Interne Auseinandersetzungen
- Abfolge autonomer Dynastien
- Dynastie der Fatimiden
- Dynastie der Aijubiden
- Mameluckenherrschaft
- Türkenherrschaft
- Wiederaufstieg der Mamelucken
- Die Zeit des Mehmed Alis
- Staatsbankrott und Fremdherrschaft
- Ägypten unter britischer
Vorherrschaft
- Ägypten als britisches
Protektorat
- Formelle Unabhängigkeit und
Monarchie
- Der Staatsstreich von 1952
- Die Ära der Republik
- Die Ära Nasser
- Die Suezkrise
- Arabischer Sozialismus
- Die Kriege der Sechziger Jahre
- Die Ära Sadat
- Jom-Kippur-Krieg
- Annäherung an Israel
- Ermordung Sadats
- Ägypten unter
Mubarak
Lage
Ägypten liegt im Nordosten Afrikas zwischen dem 22.
und 32. Grad östlicher Länge und dem 25. und 35. Grad nördlicher
Breite.
Es wird im Norden durch das Mittelmeer (995 km
Küste) begrenzt und erstreckt sich nordöstlich auch auf Asien
(Sinai). Im Osten grenzt das Land an Israel ( 265 km Grenze) sowie
an das Rote Meer. Der Sudan begrenzt es im Süden (1280 km)
und im Westen Libyen (1115 km).
Die Abmessungen des Staates betragen in Nord-Süd
Richtung etwa 1085 km und in Ost-West-Richtung etwa 1255 km.
Ägypten ist in etwa doppelt so groß wie
Frankreich. Die Gesamtfläche beträgt 1 001 450 km² , davon
beträgt die Landfläche 995 450 km² und die Wasserfläche 6000
km².
Das Land besteht jedoch zum größten Teil aus
Wüsten, so daß die meiste Bevölkerung auf einer Fläche
lebt, die kleiner ist als die Schweiz.
(Q1 ; Q2 ; Q3)
Topographie
Ägypten gliedert sich in 5 Großlandschaften:
die Westliche oder Libysche Wüste, die Östliche oder
Arabische Wüste, die Sinaihalbinsel sowie das Niltal
und Nildelta.
Weniger als 5% der Staatsfläche sind besiedelt
oder werden landwirtschaftlich genutzt:
Lebensraum ist die Stromoase des Nil, die Ägypten
auf 1550 km durchzieht, gegliedert in Unterägypten (das bei Kairo
beginnende, stark besiedelte Nildelta) und Oberägypten( mit dem
Becken von Al Faijum).
Das von 3 bis zu 20 Kilometer breite Niltal ist
in die, aus Kalk bestehende, Wüstentafel eingesenkt. Es verbreitert sich
nördlich von Kairo zum Nildelta, das sich etwa 160 km weit nach
Norden bis zum Mittelmeer erstreckt, wo es eine Breite von ca. 250 km erreicht.
Schwebstoffe, die von vielen Flußarmen angeschwemmt werden, machen das
Gebiet zur fruchtbarsten Gegend des Landes. Durch einen Seitenkanal des Nils
wird auch die Oase Al Faijum bewässert.
Mehr als 95 % des Landes bestehen aus
Wüsten:
Westlich des Nils erstreckt sich die Libysche
Wüste, die mit rund 690 000 km² zwei Drittel der Fläche
Ägyptens einnimmt. Das leicht gewellte Plateau, bis zu 300 Meter hoch, wird
von Senken wie der Kattara-Depression (bis zu 134 Meter unter dem
Meeresspiegel), aber auch der Oasen Siwa, Bahariya,
Farafra, Dakhla und Kharga unterbrochen und steigt im
Süden im Gilf Kebir auf 1000 Meter an.
Die Arabische Wüste, die etwa 220 000
km² mißt, liegt zwischen dem Nil und dem Roten Meer. Sie besteht aus
Basalt und Granit und erreicht ihre größte Höhe im Gebel
Shayib al-Banat mit 2187 Metern.
Die Halbinsel Sinai (ca. 50 000 km²) liegt
bereits in Asien und wird durch den 161 km langen Suezkanal von Ägypten
getrennt. Sie ist in ein nördliches Wüstengebiet und ein
südliches Gebirge unterteilt, dessen höchste Erhebung gleichzeitig
diejenige ganz Ägyptens ist, der Djebel Katarina mit 2642
Metern.
(Q2 ; Q3 ; Q4 ; Q5 ; Q6 ; Q7; Q13)
Klima
Ägypten liegt in der subtropischen
Hochdruckzone.
Das Klima wird von einer heißen Jahreszeit
zwischen Mai und September (durchschnittlich 35°C ) und einer kühlen
Jahreszeit von November bis März (durchschnittlich 12°C )
bestimmt.
In den Küstenregionen liegen die Temperaturen
zwischen einem durchschnittlichen Höchstwert von 37,2 °C und einem
durchschnittlichen Tiefstwert von 13,9 °C . In den Wüstenregionen kann
es zu extremen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht kommen – von
einem Jahreshöchstwert von 45,6 °C tagsüber zu einem
Jahrestiefstwert von 5,6 °C während der Nacht.
Im Winter fallen die Temperaturen in der Wüste oft
auf 0 °C.
An der Mittelmeerküste befinden sich die
niederschlagsreichsten Gebiete Ägyptens, dort liegt die jährliche
Niederschlagsmenge etwa bei 200 Millimetern. Die Niederschlagsmenge nimmt jedoch
nach Süden hin schnell ab, so daß sie in Kairo nur noch etwa 24
Millimeter pro Jahr beträgt. In vielen Wüstenregionen kommt es nur
alle paar Jahre zu Niederschlägen.
In den Frühjahrsmonaten von März bis Juni
wehen aus Südwest die heißen Sandstürme (Khamsin) mit
Geschwindigkeiten bis zu 150 Stundenkilometern, die mehrere Stunden oder auch
Tage andauern.
(Q3 ; Q5 ; Q6 ; Q8)
Bevölkerung
Die Menschen in Ägypten sind verschiedener Rasse
und Herkunft. Araber, die man oft mit Ägyptern verwechselt ,sind erst im 7.
Jahrhundert in das Land gekommen und machen heute 25 % der gesamten
Bevölkerung aus. Mehr als drei Viertel der Bevölkerung sind
nichtarabischer Abstammung und können als direkte Nachfahren der
pharaonischen Ägypter angesehen werden. Eine
weitere Gruppe in Ägypten sind die Kopten (7-12% der gesamten
Bevölkerung ). Sie sind aber keine Rasse, sondern eine kulturelle
Sondergruppe. Sie sind schon im 5. Jahrhundert von der byzantinischen
Reichskirche abgefallen und bilden seither eine eigene christliche
Glaubensrichtung. Den Kopten wird eine
überdurchschnittliche Intelligenz nachgesagt. Und es halten auch viele von
ihnen einen hohen Anteil an den ägyptischen
Spitzenberufen. Die Juden spielen in Ägypten
auch eine große Rolle. In jeder ägyptischen Stadt gab und gibt es ein
Judenviertel, die sogenannte Melah. Die drei Kriege
mit Israel seit 1948 haben die Zahl der Juden in Ägypten drastisch sinken
lassen. Trotzdem aber blieb Kairos Judentum bis heute aktiv. Ägyptens heute
schon 40 Millionen Menschen leben jedoch nicht im Sand der Sahara, sind nicht
gleichmäßig über das Land verteilt, sondern siedeln dicht
gedrängt im Niltal, das an seiner breitesten Stelle, bei Kom Ombo, 15
Kilometer erreicht, sonst aber zwischen einem und fünf Kilometer
mißt. Niltal wird in der Statistik mit 35 577
Quadratkilometer angegeben. Außer dem Niltal
und Deltagebiet gibt es in Ägypten auch noch andere kleine besiedelte
Gebiete (kleine Städte und
Oasen). Berücksichtigt man auch die zwei, drei
Städte am roten Meer und an der Mittelmeerküste, ergibt sich im Niltal
eine Bevölkerungsdichte von weit über 20 000 Menschen pro
Quadratkilometer. Im Delta leben bis zu 2500
Einwohner pro Quadratkilometer (in dörflichen
Verhältnissen). Das Niltal gehört somit
zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Erde
überhaupt. Doch auch im Niltal ist die
Bevölkerung nicht gleichmäßig
verteilt. In den beiden Großstädten
Kairo und Alexandrien lebt fast ein Drittel der
Ägypter. Die Verstädterung in
Ägypten schreitet rasch fort. Von 1960 bis
1977 stieg der Anteil der städtischen Bevölkerung von 37% auf
45%. Seit 1800 erfolgte in Ägypten jeweils
eine Verdoppelung der Bevölkerung innerhalb von 50
Jahren. Eine Verdoppelung wird innerhalb von 25
Jahren erwartet. In der letzten Zeit betrug das
relative jährliche Bevölkerungswachstum 2,7%.
Die Entwicklung der Bevölkerungszahl in
Ägypten mit den Prognosen für die Jahre 2000, 2010 und 2020 sind in
diesem Diagramm verdeutlicht.
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Die Säuglingssterblichkeit ist aufgrund der
verbesserten medizinischen Versorgung stark gesunken. 19950 starb noch
fast jedes zehnte Kind im Säuglingsalter, 1994 nur noch ungefähr 4 %
der Neugeborenen. Die Lebenserwartung nach dem vollendeten 5. Lebensjahr betrug
1991 bei Frauen 66,4 Jahre ( wobei sie durchschnittlich 3-4 Kinder zur Welt
bringen) und bei Männern 62, 5 Jahre.
Die Bevölkerung setzte sich 1995 wie folgt zusammen
:
|
unter 15 Jahren
|
38 %
|
|
15-30 Jahre
|
26 %
|
|
30-45 Jahre
|
19 %
|
|
45-65 Jahre
|
12 %
|
|
65Jahre und älter
|
4 %
|
Die Amtssprache ist Arabisch, Umgangssprache ist
der ägyptisch-arabische Dialekt, der von 98, 8% der Bevölkerung
gesprochen wird. Die Handelssprachen sind Englisch und
Französisch
Das Schulsystem
Seit 1923 besteht Schulpflicht. Das Schulsystem
wurde 1952 reorganisiert und ausgebaut. Für alle Staatsbürger ist der
Schulbesuch ein Grundrecht und somit kostenlos. 1991 wurde die gesetzliche
Schulpflicht um ein Jahr auf 5 Jahre verkürzt,(6. bis 11. Lebensjahr), aus
Mangel an Lehrern und Räumlichkeiten bei steigender Schülerzahl. 1990
gab es in Ägypten 16 045 Grundschulen und 289 Grundschullehrer. Auf den
Land wird jedoch immer noch nicht jedes Kind zur Schule geschickt, da ihre
Arbeit auf den Feldern für den Erhalt der Familie als wichtiger angesehen
wird.
An den 12 Universitäten (drei darunter in Kairo)
studierten 1993 620 000 Studenten. Doch auch dort gibt es einen großen
Lehrermangel.
Insgesamt gab es trotz des ausgebauten Schulwesens in
Ägypten 1996 eine Analphabetenrate von 49,5%, wobei der
Anteil der Frauen fast doppelt so hoch ist wie der der
Männer.
(Q1 ; Q4 ; Q6 ; Q10)
Flora und Fauna
Abgesehen von einzelnen Oasen, beschränkt sich die
Vegetation Ägyptens hauptsächlich auf das durch den Nilschlamm
fruchtbare Niltal und das Nildelta.
Die Dattelpalme ist die am häufigsten
vertretene Baumart. Daneben gibt es noch eine geringe Anzahl weiterer
einheimischer Bäume. Dazu zählen Akazie, Maulbeerbaum, Tamariske und
Johannisbrotbaum. Dazu kommen noch die eingeführten Arten, wie Eukalyptus,
Zypresse Mimose und einige Obstbäume (z.B. Mango). Als Windschutz werden
teilweise Keulenbäume angepflanzt. Auf den Schwemmböden im Deltagebiet
wachsen unter anderem Wein und Gemüse sowie Blumen ( z.B. Rosen und
Jasmin).
In den Trockengebieten beschränkt sich die
Vegetation zum größten Teil auf Dornsträucher und Halfgras. Die
einst so typisch ägyptische Papyrusstaude des Nilufers findet man
heutzutage nur noch im äußersten Süden.
Die vorherrschenden Tiere Ägyptens sind
Kamele und Affen.
Die Wildtierarten, deren Anzahl aufgrund des trockenen
Klimas gering ist, umfassen in den Wüsten vor allem Gazellen.
Hauptsächlich im Deltagebiet, sowie in den Bergen und entlang des Roten
Meeres leben Wüstenfüchse, Hyänen, Schakale, Luchse, wilde Esel
und Mungos. Krokodile und Nilpferde findet man nur noch am Oberen
Nil.
Durch Ägypten fliegen im Jahr ungefähr 200
Zugvögelarten. Die meisten der etwa 200 einheimischen Arten, wie Pelikane,
Flamingos, Reiher, Adler, Falken und Bussarde leben im Niltal und
Nildelta.
Etwa 100 verschiedene Fischarten leben im Nil und den
Seen des Deltagebiets. Im Roten Meer findet man Haifische, Schildkröten,
Rochen und einige große Korallengebiete.
(Q3 ; Q4 ; Q9)
Wirtschaft
Unter der Regierung von Präsident Nasser wurde
1961 Ägyptens Außenhandel, das Banken- und Versicherungswesen
sowie der Großteil der regionalen Industriebetriebe durch eine Reihe von
Gesetzen radikal verstaatlicht. In Privatbesitz blieben die
Landwirtschaft, die Immobilienwirtschaft und einige bestimmte
Produktionsbranchen – jedoch streng Überwacht durch die Regierung.
Diese neue Ordnung, der "arabische Sozialismus" sollte durch die
Einschränkung des privaten Sektors und die wirtschaftliche Entmachtung der
ägyptischen Kapitalisten eine größere soziale Gerechtigkeit und
wirtschaftliches Wachstum bringen. Der entwickelte Fünfjahresplan brachte
zunächst auch beachtliche Fortschritte in der Industrieproduktion doch
langfristig fehlten die ausländischen Investoren. Der Tourismus nahm durch
Nassers anti-westliche Haltung und die mangelnde touristische Infrastruktur
enorm ab. Auf den Sechstagekrieg gegen Israel ( 1967) folgte aufgrund der
Verluste und einer allgemeinen Wirtschaftskrise ein Stagnieren der
wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung des Landes.
Seit der Einleitung der Öffnungspolitik
(Infitah) 1974 unter Präsident Sadat entwickelte sich neben dem
staatlichen Sektor ein in- und ausländischer Privatsektor, den die
Regierung zunehmend fördert. Das Hauptziel der "Letter of Intent" von 1991
ist die Umwandlung von der Staatswirtschaft in eine Volkswirtschaft .Die
Staatsunternehmen sollen privatisiert werden, die bürokratischen
Hürden für Investoren verringert und die Wettbewerbsfähigkeit auf
dem Weltmarkt verbessert werden.
Trotzdem beherrscht der Staatssektor etwa 300
Unternehmen sowie Bergbau, Infrastruktur und Banken. Er kontrolliert noch immer
70 % der gesamten Industriekapazität und erwirtschaftet ca. 40 % des
Bruttosozialprodukts ( Angaben von 1995). Der riesige "informelle Sektor", der
vielen Arbeitslosen als letzte Zuchflucht dient, soll fast ein Drittel der
wirtschaftlichen Aktivität ausmachen. In den offiziellen Statistiken wird
er jedoch nicht berücksichtigt.
Die vier tragenden Säulen der ägyptischen
Wirtschaft sind:
- der Tourismus
- die Einnahmen durch den
Suezkanal
- das Erdöl
- die Überweisungen der
im Ausland arbeitenden Ägypter
- Kennzeichnend für die
Ägyptische Wirtschaft ist der stetig wachsende Dienstleistungssektor
( vor allem Handel und Tourismus), in dem 1997 38 % der
Erwerbstätigen beschäftigt waren, und der im gleichen Jahr etwa 66%
des BIP ausmachte ( 1987 waren es noch 51 %). In der Industrie waren 1997 21
% der Beschäftigten angestellt und erwirtschafteten ca. 18 % des BIP. Die
Landwirtschaft erzeugte rund 16 % des BIP und ist mit 43 % der
Beschäftigten der größte "Arbeitgeber" des Landes.
- Abgesehen von der
vorübergehenden Krise, die 1990 aufgrund des Golfkriegs auftrat und der
immer noch sehr hohen Arbeitslosigkeit, die von unabhängigen
Beobachtern 1997 auf bis zu 20% geschätzt wurde, machte die ägyptisch
Wirtschaft seit den 70er Jahren kontinuierlich Fortschritte. Sie erreichte 1996
eine jährliche Wachstumsrate von 4,7 % (1994 waren es nur 2,9%) ein
Haushaltsdefizit von weniger als 2 % (1990/91 waren es noch 17% )und eine
Inflationsrate von 6,2 % ( 1990 waren es noch 25 %).
- Das Steigen des realen BIP
(BIP 1997: US$ 42,9 Mio.), die sinkenden Inflationsrate und
das verringerte Haushaltsdefizit, kennzeichnet folglich die
momentane Wirtschaftslage. Die Gründe für den Wachstum der
Hauptsektoren der Wirtschaft (im Durchschnitt 4- 6 %) sind hauptsächlich
die Investitionen des privaten Sektors und des Auslands.
- Doch liegt in Ägypten
weiterhin eine große negative Handelsbilanz vor(1996 war es ein
Minus von US$ 9234 Mio.) , da gegenüber den leicht steigenden Exporten die
Importe stärker angestiegen sind. Die Auslandsverschuldung lag 1995/96 bei
US$ 31,0 Mrd.
(Q1 ; Q4 ; Q8 ; Q9 ;
Q11)
Landwirtschaft
Ägypten gehört zu den landwirtschaftlichen
Hauptproduzenten von Afrika.
Die Landwirtschaft bleibt trotz aller Industrialisierung
mit 43 % der Beschäftigten( 1997) der wichtigste Arbeitgeber. Mit einer
durchschnittlichen Wachstumsrate von 2,5 % erwirtschaftete sie 1997 etwa 18 %
des BIP.
Bei einer nur zu 50 % im eigenen Land zu deckenden
Nahrungsmittelversorgung ( Ägypten gibt jährlich etwa $ 3 Mrd.
für Nahrungsmittelimporte aus), einer weiterhin stark steigenden
Bevölkerungszahl und einem immer noch großen Mangel an
Arbeitsplätzen, bildet die Landwirtschaft eine zentrale Säule in der
ägyptischen Volkswirtschaft.
In den letzten 15 Jahren haben immer mehr
ausländischen Investoren in die Landwirtschaft investiert.. Mit der
Verabschiedung neuer Gesetze, die u.a. den Landbesitz durch Ausländer
erlauben wird mit einer Fortsetzung dieser Entwicklung
gerechnet.
Nur ca. 3 % der Staatsfläche können
agrarisch genutzt werden, der Rest des Landes besteht aus Wüsten.
Die klimatischen Bedingungen (milde Winter ; hohe Anzahl der Sonnenstunden) sind
für die Agrarwirtschaft sehr günstig. Der Druck der wachsenden
Bevölkerung fordert die Intensivierung der Kultivierung. Arbeitsaufwendige
Bewirtschaftung mit einfacher Technik, Staudämme und weitverzweigte
Kanäle ermöglichen durch ganzjährige Bewässerung der
fruchtbaren Alluivalböden an vielen Orten 2-3 Ernten im Jahr. Der 1971
fertiggestellte Assuan-Hochdamm hält jedoch den fruchtbaren Nilschlamm
zurück, der sich zuvor als nützlicher Bodendünger ablagerte.
Deshalb muß zunehmend Kunstdünger eingesetzt werden.
Außerdem ist das Nildelta wegen des ausfallenden Schlamms vom Verfall
bedroht. Da praktisch das gesamte Land bewässert wird, wächst
vielerorts durch die hohe Verdunstungsrate und mangelhafte Entwässerung die
Gefahr einer Versalzung der Ackerböden.
Die wichtigsten Kulturen, die nahezu 92 % der
Gesamternte des Landes ausmachen sind Baumwolle, Weizen, Reis, Durra,
Futterklee, Tomaten, Zuckerrohr und Kartoffeln.
Der Wert der landwirtschaftlichen Produktion ist von
1982 bis1995 von US 7 Mrd. auf US $ 12,2 Mrd. gestiegen. Die bebaubare
Fläche wuchs im gleichen Zeitraum von 2,9 Mio. ha auf 3,5 Mio. ha. Seit
1991 hat sich der Agrarexport von US$ 226 Mio. auf US$ 616 Mio.(1995) nahezu
verdreifacht.
Die wichtigste Agrarexportware Ägyptens ist
die Baumwolle ( seit der Aufhebung des Baumwoll-Exportverbots Anfang
1996). Sie wird auf mehr als einem Fünftel des bewirtschafteten Landes
während einer Saison angepflanzt und bringt dem Land harte Devisen und
versorgt die Textilindustrie. Anfang der neunziger Jahre brachte der Export von
Rohbaumwolle US$ 306 Mio. und somit die Hälfte des Exportgewinns aller
Agrarprodukte.
Die Viehaltung, vor allem Büffel- und
Rinderzucht (1990 jeweils 3 Millionen), macht rund ein Drittel der
landwirtschaftlichen Produktion aus. Neben der Geflügelhaltung hat in den
letzten Jahren auch die Fischerei an Bedeutung gewonnen.
(Q4 ; Q5 ; Q6 ; Q8 ; Q9)
Fischerei
In Ägypten gibt es eine bedeutende
Fischereiindustrie. Zu den fischreichsten Gewässern gehören die
flachen Seen im Deltagebiet, der See Birkat Qarun und das Rote Meer. Die
früher ergiebigen Sardinenschwärme entlang der Mittelmeerküste
sind seit der Fertigstellung des Assuan-Hochdammes und den nachfolgenden
ökologischen Veränderungen größtenteils
verschwunden.
Bodenschätze/Bergbau
In Ägypten gibt es zahlreiche Bodenschätze,
darunter Eisen- und Manganerze, Rohphosphat, Titan,
Asbest, Gips, Buntmetalle, Bausteine,
Schwefel und Salz.
Gold und roter Granit wurden neben anderen
schon seit dem Altertum abgebaut.
Die größte Rolle spielen heute die
Erdölvorkommen am Golf von Suez, in El Alamein am Mittelmeer, in der
Kattara-Depression in der Libyschen Wüste und auf der Sinai
Halbinsel. Alexandria, Kairo und Suez, die Raffineriezentren, haben eine
derzeitige Tagesproduktion von 860 000 Barrel.
Die Erdölförderung, die neben dem Tourismus
der größte Devisenbringer des Landes ist, stieg seit der Entdeckung
riesiger Erdölfelder im Gebiet Al Alamein und am Golf von Suez in den 50er
und 60er Jahren, von 1974 7,5 Mio. Tonnen auf 44,6 Mio. Tonnen 1995 an .
Exportiert werden davon über 50 % (1992/93 für über 2 Mrd. US$
).
Die Erdölvorräte werden voraussichtlich
maximal bis zum Jahr 2005 reichen, deshalb wird der Inlandsverbrauch gezielt auf
Erdgas umgestellt, dessen aussichtsreichstes Vorkommen im
Off-shore-Bereich des Nildelta liegt. Jährlich werden etwa7,8 Mrd.
m³ Erdgas gefördert. Über die Hälfte davon entfällt auf
die Stromerzeugung, der restliche Teil auf Privathaushalte und die Industrie.
Die Reserven werden auf 24 Billionen Kubikfuß geschätzt.
Weitere wichtige abgebaute Bodenschätze waren zu
Beginn der neunziger Jahre (mit den Daten von 1990): Eisenerz ( 2,4 Mio.
Tonnen), Phosphat ( 2,4 Mio. Tonnen), Gips ( 1,3 Mio. Tonnen) und Salz ( 1,1
Mio. Tonnen) .
Mit dem Uranabbau wurde 1991 in Assuan
begonnen.
(Q4 ; Q6 ; Q8)
Energie
Vor 1970 wurde die elektrische Energie in Ägypten
vorwiegend über Wärmekraftwerke erzeugt. Durch die 1970 fertig
gestellten zwölf Turbinen am Assuan-Hochdamm steigerte sich die Leistung
des Landes auf dem Energiesektor drastisch. Die Hochdammturbinen erzeugen 10Mrd.
Kilowattstunden pro Jahr. Ein normaler Haushalt verbraucht ca.2500Kwh im Jahr.
Die gesamte Elektroenergieerzeugung beträgt 32,5 Mrd Kwh im Jahr. Ein
großer Teil des seit 1975 geförderten Erdgases wird für die
Produktion von Energie verwendet.
Industrie
Die ersten Schritte zur Industrialisierung des Landes im
19. Jahrhundert wurden von den europäischen Mächten – allen
voran Großbritannien – behindert, da die Europäer mehr an einem
Absatzmarkt für ihre eigenen Produkte interessiert waren als an der
Entstehung konkurrierender Industrien. Während und nach dem 1. Weltkrieg
entwickelte sich eine kleine industrielle Produktion, die sich auf den
nationalen Markt konzentrierte. Während des 2. Weltkrieges erlebte das
produzierende Gewerbe, insbesondere die Textilindustrie, einen großen
Aufschwung. Nach dem Sturz der Monarchie zu Beginn der fünfziger Jahre
hatte die industrielle Entwicklung des Landes für die neue Regierung
absolute Priorität. Nach Ablauf des ersten Fünfjahresplanes 1965 hatte
der Gesamtwert der industriellen Produktion einschließlich des
Energiesektors und der Förderung von Bodenschätzen ein jährliches
Volumen von etwa 2,71 Milliarden US-Dollar erreicht. Danach konnte der
Bruttoertrag aus verarbeitendem Gewerbe und Rohstoffindustrie kontinuierlich
gesteigert werden. Die Zahl privat organisierter Unternehmen hat seit den
siebziger Jahren ständig zugenommen.
Zu den wichtigsten industriellen Erzeugnissen des Landes
gehören Baumwollgarn, Jutegarn und -stoffe, Wollgarn, Zucker,
Schwefelsäure, Stickstoffdünger, Papier, Zement, Autoreifen und
Schläuche sowie Fernsehgeräte. Weitere wichtige Produktionszweige sind
die Schwerindustrie (in Hulwan), die Kraftfahrzeugindustrie und die Erdöl
verarbeitende Industrie. In diesen und anderen Branchen des produzierenden
Gewerbes sind etwa 21 Prozent der Erwerbstätigen beschäftigt.
Zu den kleineren Gewerbebetrieben mit
gesamtwirtschaftlicher Bedeutung gehören Gerbereien, Brauereien, keramische
Werkstätten und Parfümfabriken. Daneben spielen das Kunstgewerbe sowie
die Herstellung von Asphalt, Baumwollsamenöl, Mehl und anderen
Nahrungsmitteln eine Rolle. Die Industrie konzentriert sich vorwiegend auf die
Großräume Kairo und Alexandria.
Die Industrie ist vor allem abhängig von billigen
Rohstoffen aus eigener Produktion der
Landwirtschaft und Energie. Mit dem Assuanstaudamm wurde
die Energieerzeugung als Grundlage
für eine Erweiterung der Industrie entscheidend
erhöht. Die Hochdammturbinen erzeugen 10Mrd.
Kilowattstunden pro Jahr. Ein normaler Haushalt
verbraucht ca.2500Kwh im Jahr. Die gesamte
Elektroenergieerzeugung beträgt 32,5 Mrd Kwh im
Jahr.
Traditionsgemäß ist der wichtigste
Industriezweig in Ägypten die Textilindustrie.Sie konzentriert
sich in Kairo und in Unterägypten. Es werden pro
Jahr ca. 320.000t Baumwollgarne und ca. 700Mio
m² gewebte Baumwollmaterialien hergestellt.
Durch die relativ hohe Elektroenergieereugung kann unter
anderem auch ein Stahlwerk, das von der
BRD finanziert wurde, betrieben werden. Es wurde von den
Russen vielfach erweitert und ist heute
das größte Stahlwerk auf dem Kontinent.
Weiterhin gibt es ein Aluminiumschmelzwerk, das
ebenfalls einen hohen Energieverbrauch hat.
Sowie eine Düngemittelfabrik.
In Ägypten gibt es bedeutende Erdöllager und
jedes Jahr werden ca. 45Mio t gefördert. Damit
gehört Ägypten zu den mittleren
Erdölproduzenten.
Der Erdölexport ist eine wichtige
Deviseneinnahmequelle.
Das Bruttosozialprodukt (Summe aller Güter und
Dienstleistungen sowie der produzierten und noch
nicht verkauften Halb- und Fertigprodukte und die selbst
hergestellten Anlagen zuzüglich dem Saldo
aus Im- und Export) betrug in Ägypten 1990 50,4 Mrd
DM und wuchs jährlich um ca 0,5 %. Pro
Kopf der Bevölkerung beträgt es 915 DM. Zum
Vergleich weist das BSP in Deutschland pro
Einwohner eine Höhe von 26.489 DM auf. Daraus
lassen sich Rückschlüsse auf das wirtschaftliche
Niveau Ägyptens ableiten.
Auf Grund der Rückständigkeit Ägyptens
ist dieses Land in hohem Maße abhänig von Importen. Vor
allem werden Nahrungsmittel, Maschinen, Fahrzeuge,
Treibstoffe, Chemikalien , Dünger und
Nutzholz importiert. Durch diese Importabhängigkeit
ist die Handelsbilanz Ägyptens negativ (1,7
Mrd DM 1988).
Der Vergleich wichtiger wirtschaftlicher und
gesellschaftlicher Daten Ägyptens mit anderen
afrikanischen Staaten zeigt, daß Ägypten
relativ entwickelt ist (Führende Stellung im
Elektroenergieverbrauch, hohe Anzahl von Ärzten).
(Q1 ; Q4 ; Q8 ; Q9 ; Q11)
Außenhandel
Zu den wichtigsten Importgütern gehören
landwirtschaftliche Produkte, Fahrzeuge, chemische Stoffe, Maschinen für
den Bergbau sowie Metallwaren. Die wichtigsten Lieferstaaten dieser Produkte
sind die USA, Deutschland, Italien, Frankreich und Japan. Aufgrund des rapiden
Bevölkerungswachstums wurde das Land immer mehr von Lebensmittelimporten
abhängig, insbesondere von Weizen, Mehl und Fleisch. Zu den wichtigsten
Exportgütern zählen Rohöl und Erdölprodukte, die mehr als
die Hälfte der Einnahmen ausmachen; darüber hinaus werden auch
Rohbaumwolle, Baumwollgarn und -stoffe sowie Nahrungsmittel ausgeführt. Die
Hauptabnehmerländer für diese Erzeugnisse sind Italien, Rumänien,
Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Japan.
Trotz umfangreicher Investitionen und strikter
staatlicher Kontrolle hat Ägypten eine negative Handelsbilanz. Ende der
siebziger Jahre stiegen die Staatseinnahmen nach der Wiedereröffnung des
Suezkanals. Mit dem Abschluß des Friedensvertrags mit Israel und der
allmählichen Rückgabe der besetzten Gebiete auf der Sinai-Halbinsel
(einschließlich der Ölfelder) stiegen die Staatseinnahmen durch den
verstärkten Tourismus und die Ölproduktion rasch an. Mitte der
neunziger Jahre war Ägypten bei den westlichen Industrienationen mit
insgesamt 14 Milliarden US-Dollar verschuldet. Die Handelsbilanz Ägyptens
ist defizitär.
(Q1 ; Q4 ; Q6 ; Q8)
Infrastruktur
Der Suezkanal
Im Nordosten Ägyptens verbindet der Suezkanal das
Mittelmeer mit dem Golf von Suez, einem Arm des Roten Meeres. Der 195 Kilometer
lange und 160 Meter breite künstliche Kanal stellt eine wichtige
Abkürzung des Schiffswegs zwischen Europa(und Amerika) und Asien und
Südafrika dar. Der französische Diplomat und Ingenieur Vicomte
Ferdinand Marie de Lesseps entwarf die Pläne, und nach 10 Jahren des Baus
wurde er am 17. November 1869 fertiggestellt. Ab 1888 wurde der Kanal für
den internationalen Schiffsverkehr geöffnet.
Als Folge der Konflikte mit Israel im Sechs-Tage-Krieg
wurde der Kanal zwischen 1967 und 1975 gesperrt.
Heutzutage sind die Gebühren für die
Durchfahrt eine wichtige Einnahmequelle. Bei Durchfahrten von 16 370
Schiffen 1994 und einer Nettotonnage von 364,5 Mio. NRT, betrugen die
Kanaleinnahmen im Finanzjahr 1994/95 ca. US$ 920 Mio..
Im größten Teil des Kanals kann nur ein
Schiff passieren, daß aber bis zu 150 000 Tonnen schwer sein kann. Da
keine Schleusen die Durchfahrt behindern, dauert sie im Schnitt nur 15 Stunden.
Der Kanal soll jetzt aber so verbreitert werden, daß Gegenverkehr auf der
gesamten Strecke möglich ist. Außerdem sieht ein Entwicklungsprogramm
eine Freihafen- und Industriezone bei Port Said und Suez vor.
Verkehr
Die Gesamtzahl des Straßen und
Fernstraßennetzes betrug 1996 ungefähr 64 000 km, davon waren 78%
befestigt. Zwei Fernstraßen verbinden Kairo und Alexandria. Außerdem
wird Kairo mit Port Said , Suez und Al Faiyum verbunden.
In ganz Ägypten gibt es (Stand 1997) 89
Flughäfen von denen 70 geteert sind. Die beiden internationalen
Flughäfen liegen in Kairo und Alexandria. Alexandria gehört
ebenfalls zu den wichtigsten Hafenstädten neben Port Said und
Suez.
Das staatliche ägyptische Eisenbahnnetz,
deren Hauptlinie Assuan und verschiedene Orte im nördlichen Niltal mit
Alexandria( am Mittelmeer) verbindet, umfaßt eine Länge von etwa 8831
Kilometern. Der Nil ist auf seiner gesamten Länge in Ägypten schiffbar
und ist deshalb die wichtigste Binnenwasserstraße des Landes.
Daneben gibt es 1610 km Kanäle und 17 700 Bewässerungskanäle, die
intensiv zum Transport genutzt werden. Auch die Karawanen in den
Wüstengebieten gehören, wenn auch nur als sehr kleiner Teil, zum
Transportwesen Ägyptens.
(Q1 ; Q4 ; Q6 ; Q10)
Tourismus
Der Tourismus ist einer der wichtigsten Devisenbringer
Ägyptens. 1995 /96 waren über 140 000 Menschen in diesem Sektor
beschäftigt (2,9 % mehr gegenüber 1994/95). Die Einnahmen aus der
Tourismusindustrie betrugen US$ 3,3 Mrd. mit einer Wachstumsrate von
26,9% gegenüber 1995/96.
Doch ist diese Branche sehr anfällig für
Krisen in der Region und Ägypten, wie zum Beispiel die Golfkrise
1990/91. Auch ist sie ein effektives Druckmittel fundamentalistischer
Extremisten. Aufgrund diverser Übergriffe sanken zwischen 1992 und 1993 die
Einkünfte aus dem Tourismus um 42%. Nach der Hauptwelle der Anschläge(
1992 bis1994) nahm der Tourismus aber wieder stark zu. 1996 besuchten
fast 4 Millionen Touristen das Land. Die deutschen Besucher stellten mit
436 809 Menschen den größten Anteil( 11,2%).
Die wichtigsten Tourismusarten Ägyptens sind :
historischer Tourismus, religiöser Tourismus, Sporttourismus,
Safari-Tourismus, Erholungstourismus sowie Konferenz- und
Messetourismus.
Ein Jahr nach dem großen Massaker bei Luxor am 17.
Oktober 1997, hatte Ägypten schätzungsweise US$ 700 Mio. verloren, und
die Hotels waren trotz der Dumpingpreise vieler Reiseveranstalter nur bis zu 25%
belegt.
(Q4 ; Q5 ; Q6 ; Q8 ; Q12)
Besonderheiten
Kairo
Kairo ist mit seinen ca. 15 Mio. Einwohnern die
größte Stadt Afrikas und zugleich kulturelles Zentrum des Mittleren
Osten. Zu dieser immensen Einwohnerzahl kommen noch ca. 2,5 - 3 Mio. Pendler die
täglich in die Hauptstadt Ägyptens strömen.
Kairo ist diesen Menschenmassen nicht mehr gewachsen.
Die Infrastruktur ist unzureichend und die Wohnungsnot bedingt durch die
Landflucht ist außerordentlich groß. Strom- und Wasserversorgung
sind unzureichend und es vergeht kaum ein Tag an dem nicht bauläufige
Häuser einstrürzen. Der Smog und die Zersiedlung historisch
bedeutender Areale zerstören viele Kulturdenkmäler
Kairos.
Die Stadtväter Kairos versuchen dem entgegen zu
wirken. Demnach dürfen keine Industriebetriebe mehr angesiedelt werden und
der Bau von Hochhäusern und großen Hotels soll gestoppt
werden.
Trotz alledem ist und bleibt Kairo einer der
bedeutensten Kulturstätten überhaupt, beeindruckt durch seinen
unverwechselbare Skyline von Minaretten, ebenso wie sein Reichtum an
pharaonischen und islamischen Kulturdenkmälern
Die Pyramiden
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Wohl kaum ein Monument in Ägypten ist so umstritten
wie die Pyramiden. Um sie ranken sich zahlreiche Gerüchte und Mysterien.
Schon über die
Bautechniken wird seit
Jahrhunderten gerätselt, auch gibt es zahlreiche Spekulationen über
den Sinn oder Unsinn der Pyramiden, die von Gräbern für
Pharaonen über aus
Stein gebaute astronomische Meßgeräte bis hin zu Bauten von
Außerirdischen reichen.
Die moderne Ägyptologie vertritt erstere These: es
handelt sich um Grabbauten. Wie diese jedoch genau errichtet wurden,
darüber streiten die Gelehrten wie eh und je. Am geläufigsten
dürfte die Theorie des
Rampenbaus sein, doch auch
hier gibt es genug Gegenargumente.
Die bekanntesten Pyramiden sind die sieben großen
Pyramiden des
Alten Reiches:
Stufenpyramide
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König
Djoser ist der
eigentliche "Erfinder" der Pyramiden. Neu war nicht nur die Form, auch das
Material war revolutionär. Zwar wurden Steine bereits in Teilen
früherer Gräber genutzt, doch hier wurde erstmals ausschließlich
Stein verwendet. Imhotep, sein Bauherr, unterstütze ihn tatkräftig und
wurde später als Gott verehrt. Ursprünglich wurde eine gewaltige
Grabkammer gebaut, die aus zwei Stockwerken bestand. Um diese Mastaba zog man
schließlich eine 10 m hohe Mauer, die ein Areal von 554 x 277 m umschloss.
Zunächst wurde die Mastaba allseitig um 3 m, dann um weitere 8,5 m
erweitert. Dann wurde sie erneut um 3 m angebaut. Die spätere Form der
Pyramide zeichnete sich jedoch erst ab, als Imhotep Mastaba auf Mastaba setzte,
bis schließlich eine Höhe von ca. 60 Metern erreicht war,die aus
sechs Stufen bestand. Der Grundriss maß jetzt 125 x 110 m. Unterirdisch
verlaufen Schächte und Stollen, von denen jedoch die "echten" von denen,
die Grabräuber angelegt haben, kaum zu unterscheiden sind. In diesen
Stollen wurden die Familienmitglieder bestatten, von
Djoser selbst fand
man nur einen mumifizierten linken Fuß.
Die Stufenpyramide ist jedoch nur Mittelpunkt einer
riesigen Grabanlage, die
Djoser erbauen
ließ. So befindet sich dort auf der Südseite das Südgrab, dessen
genaue Funktion nicht ganz geklärt ist. Dieses Grab ähnelt dem in der
Pyramide, wobei besonders die Grabkammer Rätsel aufgibt: sie besteht aus
Rosengranit, die Wände sind blau gekachelt und mit Darstellungen des
Pharaos bedeckt. Sogar ein Sarkophag ist vorhanden. Dieser ist jedoch nur 1,60 m
lang, also viel zu klein um einen ausgestreckten Körper aufzunehmen. Zudem
hätte der Leichnam durch eine 80 x 40 cm weite Öffnung eingeführt
werden müssen. Möglicherweise wurden hier die Eingeweide des Pharaos
bestattet, aber dies ist reine Spekulation.
Im Osten der Pyramide befindet sich ein
Gebäudekomplex, wobei es sich hier um Scheinbauten handelt. Ebenso findet
man hier den Sedfest-Hof mit drei Pavillons, die jedoch nur Scheineingänge
besitzen. Das Haus des Nordens und das Haus des Südens sind zwei
größere Gebäude innerhalb des Komplexes, deren Sinn nicht klar
ist. Der ganze nördliche Bereich könnte noch ein Leckerbissen für
die Ägyptologie sein, denn er ist noch unter Schutt, Sand und Geröll
begraben.
Pyramide von Meidum
Dies ist die erste "echte" Pyramide - zumindest sollte
es die erste werden. Sie gilt als Werk
Snofrus, dem
Begründer der 4. Dynastie. Kurt Mendelssohn vermutet, dass beim Bau der
Pyramide ein verheerendes Unglück geschah, weshalb das Bauwerk
zusammengestürzt ist. Grund für diese Baukatastrophe könnte der
steile Steigungswinkel sein. Heute ist uns nur eine Art Turm geblieben. Hier
findet man zum ersten mal den klassischen Pyramidenkomplex, der seither immer in
ähnlicher Form gebaut wurde. Die Anlage selbst hat einen Eingang in der
Nordwand, auf der Ostseite befindet sich eine kleinere Nebenpyramide. Eine Art
Damm führt zum Taltempel, der per Schiff erreichbar war. Eine weitere
Neuerung ist die Lage der Grabkammer, die sich im Pyramidenkörper selbst,
statt in einem Schacht befindet. Die Grabkammer war leer und enthielt nicht
einmal einen Sarkophag, was zu der Überlegung geführt hat, dass hier
nie ein Begräbnis stattgefunden hat. Eventuell wurde
Snofru in einer
seiner beiden weiteren Pyramiden beerdigt.
Knickpyramide
Die beiden anderen Pyramiden
Snofrus befinden
sich in Dahschur. Nach längerem Streit der Gelehrten geht man heute davon
aus, dass die Knickpyramide die ältere der beiden ist. Die Knickpyramide
erhielt ihren Namen aufgrund der merkwürdigen Änderung des
Böschungswinkels von 54 auf 43 Grad, der zu vielen Spekulationen Anlass
gibt. Diese Maßnahme verminderte die Höhe der Pyramide von
ursprünglich 135 m auf 101 m bei einer Kantenlänge von 190 m. Der
deutsche Ägyptologe Ludwig Borchardt (1863-1938) hat die Theorie
aufgestellt, dass man diesen Knick einfügte um schneller fertig zu werden.
Eine gängige Theorie von Kurt Mendelssohn spricht dagegen von einer
Katastrophe der
Pyramide von Meidum, die infolge
des steilen Böschungswinkels zusammengestürzt sein soll und weshalb
man hier einen niedrigeren Winkel wählte, damit sich die Katastrophe nicht
wiederholt.
Zur Besonderheit dieser Pyramide zählt nicht nur
der klassischen Eingang auf der Nordseite, sondern auch ein zweiter hoch oben in
der Westfassade. Auch bei dieser Pyramide führt eine nach dem Polarstern
ausgerichtete Zugangspassage zu zwei Kammern, die durch ein kompliziertes System
von Gängen und Fallsteinen miteinander verbunden sind. Weiterhin gibt es
einen zweiten Gang, der in die obere Kammer an die Westwand der Pyramide
führt. Auch hier wurde keine Mumie gefunden, nicht einmal ein Sarkophag war
vorhanden. Auch diese Pyramide besitzt einen Taltempel so wie einen Totentempel
an der Ostseite.
Rote Pyramide
Die Rote Pyramide ist die erste "echte" Pyramide, wie
sie auch von den Nachfahren
Snofrus gebaut
wurden. Sie wurde mit einem Winkel von 43"36' erbaut, was nur wenig von der
späteren Norm (51°52') abweicht. Ihren Namen hat die Pyramide aufgrund
der Farbe der Steinquader erhalten, die im Abendlicht rötlich glänzen.
Die Rote Pyramide wurde von den Ägyptologen bisher wie ein Stiefkind
behandelt, ihr Inneres ist uns jedoch bekannt: Die Zugangspassage führt zu
drei hintereinander liegenden Kammern, deren dritte und größte 9,50 m
lang und gerade etwas über 4 m breit ist. Einen fast unschätzbaren
Fund stellen die Markierungen auf Steinen an der Ostseite dar. Hier sind Daten
angegeben, die Vermutungen über den Fortschritt der Arbeiten zulassen.
Ansonsten darf man gespannt sein, was sich noch alles unter dem Wüstensand
verbirgt.
Cheopspyramide
Die zweifelsohne bekannteste Pyramide ist die
Cheopspyramide, die auch Große Pyramide genannt wird.
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Die größte Pyramide in der Geschichte der
alten Ägypter erreicht stolze Ausmaße: die Grundfläche hat fast
230 m Seitenlänge, eine Höhe von 146,60 m (heute nur noch 137,50) und
wurde aus ca. 6,5 Mio. Tonnen Kalkstein erbaut, was etwa 2.300.000 Steinquadern
à 2,5 Tonnen entspricht. Die Grundfläche beträgt rund 5,3
Hektar, der Böschungswinkel wieder 51°52'. Ein aufsehenerregendes
Phänomen ist ihre einzigartige geometrische Eigenschaft, dass ihre
Höhe zu ihrem Umfang im gleichem Verhältnis steht wie der Radius zum
Umfang eines Kreises. Anders gesagt: das Verhältnis ist 1:2 Pi. Diese
Tatsache regt immer wieder zu neuen Spekulationen an. War dies Absicht oder
handelt es sich etwa nur um einen Zufall?
Das Innere der Pyramide ist recht verzweigt. Allem
Anschein nach wurden die Pläne während der Bauarbeiten mindestens
zweimal geändert. Der auf den nördlichen Himmelspol ausgerichtete
Eingang führt über eine Passage unter die Oberfläche des
Plateaus. Hier wurde zunächst eine Kammer erbaut, deren Fertigstellung
jedoch aufgegeben wurde. Vermutlich lag dies an den unzumutbaren
Arbeitsbedingungen, da hier kaum Sauerstoff hingelangte. Statt dessen entschied
man sich dafür, diese Kammer in das Pyramideninnere zu verlegen und baute
vom Eingangsstollen aus einen neuen Gang, der nach ca. 40 m in eine horizontale
Passage übergeht, die zu einer weiteren Grabkammer führt. Sie ist
unvollendet geblieben und wird - ohne Grund - als die "Königinkammer"
bezeichnet. Von dieser Kammer aus führen zwei sogenannte
"Luftschächte" in das Innere der Pyramide. Forschungen durch R. Gantenbrink
mit Hilfe eines Roboters ergaben jedoch, dass sich am Ende des südlichen
Schachtes eine Art Tür befindet, die bis heute jedoch nicht geöffnet
wurde. Somit dürfte es sich hier nicht wie bisher angenommen um
Luftschächte handeln. Die Welt darf gespannt sein, was sich hinter dieser
Tür verbirgt.
Eine weitere Änderung der Urspungsplanung
lässt sich beim Bau der Großen Galerie erkennen. Sie geht in einen
horizontalen Gang über, der zur Königskammer im Zentrum der Pyramide
führt. Drei Falltüren oder besser gesagt drei als "Fallgatter"
funktionierende Steine schützen die Grabkammer am oberen Ende der Galerie
vor unerwünschten Besuchern. Die Königskammer selbst ist ein
schmuckloser, kahler Raum, in dem sich an der Westseite ein einfacher
Granitsarkophag befindet. Er wurde bereits während des Baus hierher
gebracht, da es nicht möglich gewesen wäre, ihn nachträglich
durch die schmalen Gänge der Pyramide zu transportieren.
Cheops' Pyramide ist
umgeben von drei kleine Pyramiden, in denen Verwandte und hohe Beamte bestattet
wurden. Weiterhin findet man in Reihen ausgerichtete Mastaben. 1954 wurden die
Reste eines großen Schiffes gefunden, das sich in einer der Schiffsgruben
befand.
Chephrenpyramide
Chephrens Pyramide
steht auf einer leichten Anhöhe und wirkt deshalb größer als die
Pyramide seines Vaters
Cheops. In
Wirklichkeit ist sie jedoch 10,20 m kleiner als die
Große Pyramide und
erreicht somit eine Höhe von 136,40 m. Die Grundkantenlänge
beträgt 216 m, der Böschungswinkel ist mit 52°20' etwas steiler.
Zum Pyramidenkomplex gehört ein Totentempel an der Ostflanke, der durch
einen Weg mit dem beindruckenden Taltempel verbunden ist - und natürlich
der Sphinx, ein überlebensgroßes Abbild des Pharaos über das in
letzter Zeit viele Spekulationen bezüglich seines Alters in die Welt
gesetzt wurden.
Das Innere der Pyramide ist recht einfach gehalten. Der
Zugang ist wie üblich nach dem Himmelspol ausgerichtet, ein Gang führt
zu einer Grabkammer am Boden des Bauwerks. Es gibt zusätzlich einen zweiten
Zugang ein Stück weiter nördlich unter dem Pflaster des
Pyramiden-Vorplatzes. Der Ausgräber Giovanni Battista Belzoni fand 1818 in
der Grabkammer einen schönen Granitsarkophag, doch enttäuscht
mußte er feststellen, dass die Grabräuber mal wieder schneller waren.
Da das Innere der
Cheopspyramide recht
komplex ist, vermutete man auch hier noch weitere Gänge und/oder Kammern
und ließ das Bauwerk mit Hilfe spezieller Strahlen "röntgen". Doch
die Mühe war vergeblich.
Mykerinospyramide
Die kleinste der drei Pyramiden bei Gizeh wurde von
Pharao Mykerinos
(Menkaure) gebaut. Im Vergleich zu seinen Vorgängern wirkt der Bau klein
und unauffällig. Die Grundkantenlänge beträgt gerade 108 m,
insgesamt erreicht die Pyramide eine Höhe von 70 m (146 m
Cheopspyramide). Es ist
gleichzeit die letzte Pyramide dieser Epoche, die weiteren Pyramiden sind nicht
mit den drei Giganten zu vergleichen. Ansonsten unterscheidet sich auch dieses
Bauwerk nicht großartig von denen seiner Vorfahren. Drei Grabkammern
existieren im Felsuntergrund, ein blinder Gang, der von der oberen Kammer
ausgeht, wird als Änderung des ursprünglichen Bauvorhabens gesehen.
Colonel Howard Vyse fand hier im Jahre 1837 in der zweiten Kammer einen
Basaltsarkophag, der eine Mumie enthielt. Diese ist heute im British Museum in
London zu bewundern.
Die Pyramide wurde wahrscheinlich in größter
Eile erbaut, denn einige Blöcke bleiben unbehauen und auch der Toten- und
der Taltempel sind von minderer Qualität. Grund hierfür findet man in
einer Inschrift, die davon berichtet, daß Mykerions' Sohn Schepseskaf das
Bauwerk vollenden ließ.
Wie und warum wurden Pyramiden gebaut?
1. Mythos und Fakten
Wie bereits oben auf meiner Seite beschrieben,
gibt es viele Theorien zum Bau und Sinn der Pyramiden. Noch keine konnte 100%-ig
bewiesen werden, Schwachstellen gibt es bei jeder These, nicht eine Behauptung
konnte bisher alle Fragen klären.
Grund für dieses Rätsel-Raten ist die
unerklärliche Tatsache, dass es weder Hinweise noch sonstige Aufzeichnungen
über den Pyramidenbau gibt. Hierfür gibt es nur zwei Erklärungen:
entweder war den Ägyptern das Pyramiden-Bauen so alltäglich, dass es
keinen Grund für Aufzeichnungen gab, oder aber es war ein streng geheimes
Projekt. Bekannterweise rühmten sich die Pharaonen gerne mit ihren
Heldentaten - aber über die Errichtung solch enormer Bauwerke verlieren sie
kein Wort, auch gibt es keine gezeichneten Szenen oder ähnliches.
Aufzeichnungen und Pläne müssen jedoch existiert haben, denn ohne
Bauplan hätte man keine Pyramide bauen können. Die Frage, wohin diese
Pläne verschwunden sind, wird wohl noch lange das Geheimnis der Alten
Ägypter bleiben. Eventuell wurde dieses Wissen in der Bibliothek von
Alexandria aufbewahrt bis ein Feuer alles vernichtete.
Der Großteil der heutigen Ägyptologen
hält die Pyramiden für Gräber der Pharaonen, wobei sie sich
hierbei auf Erzählungen von Herodot und anderen Geschichtsschreibern des
Altertums berufen. Astrologie-orientierte Wissenschaftler sehen in den Pyramiden
Nachbildungen der Gestirne (Orion-Mystery) oder Einrichtungen, die das
Vorhersagen der Zukunft ermöglichen. Eine weitere Theorie besagt, dass die
Pyramiden gebaut wurden um das Volk zu beschäftigen, denn während der
Überschwemmungszeit konnte kein Ackerbau betrieben werden.
Mathematik-geneigte Wissenschaftler halten die Pyramiden für die
Verkörperung mathematischer Formeln, also ein überdimensionales
Nachschlagewerk. Die wohl für die Ägyptologie inakzeptabelste These
sagt aus, dass die Pyramiden von Außerirdischen erbaut wurden. Wie man
sieht, gibt es Spekulationen in alle nur denkbaren Richtungen.
Herodot, der griechische Geschichtsschreiber, war der
erste, der von diesen Wunderwerken berichtete. Er bereiste Ägypten im 5.
Jahrhundert vor Christus - aber da gab es die Pyramiden schon seit 2.000 Jahren.
So stützte auch er sich nur auf Erzählungen der damaligen
Bevölkerung. Folgendes gab es da zu hören:
Cheops, der böse Pharao, zwang alle Untertanen,
beim Pyramidenbau zu helfen. Es arbeiteten je zehnmal zehntausend Mann drei
Monate hindurch und das zwanzig lange Jahre - Sklaverei also. Herodot berichtet
auch von Maschinen "hergestellt aus kurzen Holzblöcken", über die bis
heute philosophiert wird. Vom Flaschenzug bis hin zum Kran sind auch hier alle
Thesen vertreten.
Heute sind sich die Ägyptologen einig, dass es kaum
möglich war, ein ganzes Volk mit der Peitsche zu bezwingen. Beweise
hierfür finden sich auch in den Überresten der Arbeitersiedlungen,
unweit der Pyramiden. Hierbei handelte sich um ganz normale extra für den
Pyramidenbau erreichtete Dörfer, in die sich von den eigentlichen
Städten nicht untscheiden. Es ist auch davon auszugehen, dass teilweise
blinder Glaube die Menschen dazu trieb, unermüdlich an der Pyramide zu
arbeiten, denn wer zu Lebzeiten dem Pharao half, bekam im Jenseits dafür
Pluspunkte angerechnet. Abgesehen hiervon bot diese antike Baustelle viele
Arbeitsplätze, was Brot und vielleicht auch Ansehen mit sich brachte. An
qualifizierten Arbeitern wird es jedenfalls nicht gemangelt haben.
2. Meisterwerk Organisation
Bevor jedoch der Bau der Pyramide beginnen
konnte, - ich gehe hier nicht davon aus, dass Ausserirdische am Werk waren! -
musste eine funktionierende Infrastruktur geschaffen werden. Diese Leistung
für ein so gigantisches Projekt darf auf keinen Fall unterschätzt
werden, auch wenn die Ägypter zu diesem Zeitpunkt bereits auf eine
langjährige Grabbautradition zurückblicken konnten. Sämtliche
Facharbeiter, das Versorgungspersonal und die Bauarbeiter wurden aus allen
Teilen des Landes gerufen, auch ihre Unterkunft musste organisiert sein. Eine
riesige Baustelle entstand.
Eine Meisterleistung stellt die Organisation des
Baumaterials sowie die zeitgerechte Anlieferung desselben dar. Ohne eine sehr
gut durchdachte Materialverwaltung wäre der Pyramidenbau kaum möglich
gewesen. Nicht zu vergessen der den Pyramiden angeschlossene Tempelkomplex, der
auch noch erbaut wurde, ebenso die Unterkünfte der Arbeiter, wobei es sich
um tausende Leute handelt. Schätzungsweise umfasste diese antike Baustelle
300.000 Quadratmeter.
3. Wie viele Menschen bauten an der
Pyramide? Fragen gibt es immer noch
zur Anzahl der benötigten Arbeiter und wann und wie lange während
eines Jahres an der Pyramide gearbeitet wurde. Herodot, der antike griechische
Geschichtsschreiber berichtet, dass nur während der dreimonatigen
Überschwemmungszeit gebaut wird, die heutige Ägyptologie vertritt
jedoch zunehmend die These, dass ganzjährig gearbeitet wurde. Ausgrabungen
an der Roten Pyramide
zeigen Datierungen an den Verkleidungsblöcken, die diese Theorie
bestätigen.
Herodot sprach von ca. 100.000 Arbeitern, aber so viele
können es wohl doch nicht gewesen sein. Allein die Tatsache, dass die
Baustelle keinen Platz für so viele Menschen bot, ist Beweis genug. Viele
Forscher gehen von ca. 36.000 Arbeitern aus, einige tippen sogar auf nur auf
20.000 Menschen. Inschriften sagen aus, dass man Gruppen bildete, die man in
einzelne kleine Unterabteilungen einteilte. Genaue Angaben findet man leider
nirgends, man geht heute jedoch von etwa 200 Mann pro Mannschaft aus. Einige
Hinweise deuten sogar darauf hin, dass nie mehr als drei Teams gleichzeitig im
Einsatz waren. Also maximal 3000 Arbeiter. Eine Zahl, die staunen lässt und
an die nicht jeder glauben mag. Zudem mußten auch die bereits oben
erwähnten Siedlungen für die Arbeiter erbaut werden. Eine Siedlung
für 100.000 Menschen zu bauen hätte auch viel zu viel Zeitaufwand
gekostet und versorgt werden mußte die Bevölkerung auch.
4. Das Einmaleins des Pyramidenbaus
Nicht von der Hand zu weisen ist das
großartige mathematische Wissen der Alten Ägypter, ohne welches die
Pyramiden nie hätten gebaut werden können. Trotzdem ist nicht davon
auszugehen, dass die Ägypter das ganze heutige mathematische Wissen hatten.
Rätselhaft bleibt, wie die Berechnungen eines quadratischen
Pyramidenstumpfes hergeleitet wurde: VPyr.stupf = 1/3h*(a2+a*b+b2) mit
h:Höhe, a:Länge der Grundkante und b:Länge der Kante der
Deckfläche.
Inzwischen ist man sich darüber einig, dass die
Formel zur Berechnung des gesamten Pyramidenvolumens ebenfalls bekannt gewesen
sein musste, sowie sämtliche anderen geometrischen Größen, die
für den Pyramidenbau benötigt werden. Aufzeichnungen aus
Rechenaufgaben für Schülern zufolge kannten die Ägypter
allerdings den Tangens noch nicht, weshalb sie zwar komplizierte Rechenwege
wählten, aber doch zum Ziel kamen.
Ein weiterer äußerst wichtiger Schritt zur
perfekten Pyramide ist die Absteckung der Seiten, die einen hohen Grad an
Messgenauigkeit verlangt. Bis heute bleibt unklar, wie die Ägypter diese
Leistung vollbringen konnten. Hinweise, wie diese Messungen vorgenommen wurden,
gibt es nicht. Hier ist man auf Spekulationen angewiesen. Die einfachste
Möglichkeit wäre die Verwendung von überdimensional großen
Geodreicken. Diese Methode wäre jedoch recht ungenau.
Eine weitere Besonderheit der Pyramiden ist deren genaue
Ausrichtung nach den Himmelsrichtungen. In der modernen Ägyptologie geht
man heute davon aus, dass die grundlegende Ausrichtung der Pyramidenkanten nach
Norden erfolgte, so wie bereits die Kammersysteme im Alten Reich angelegt
wurden.
Der deutsche Ägyptologe Ludwig Borchard ist auf die
Idee gekommen, die Ausrichtung beruhe auf der Bestimmung der Mitte zwischen dem
Auf- und Untergangspunkt eines am Nordhimmer befindlichen Sterns. Der englische
Pyramidenforscher I.E.S. Edwards schlug vor, einen künstlichen Horizont zu
bauen, der aus einer halbkreisförmigen Mauer mit absolut waagerechtem
oberen Mauerrand bestand. Mit einem Visirinstrument wurde im Mittelpunkt des
Mauerhalbkreises der Auf- und Untergang eines horizontnahen Sterns gemessen.
Diese beiden Punkte wurden auf dem künstlichen Horizont markiert. So
entstanden drei Messpunkte, die miteinander verbunden wurden.
Das klingt zwar alles recht simpel, stellt sich jedoch
in der Praxis als recht unrentabel heraus. Allein der absolut gerade
künstliche Horizont stellt ein Problem dar, da bereits kleinste Bewegungen
des Beobachters zu verfälschten Messungen geführt hätten. Dennoch
ist dies die bekannteste, wenn auch gleich eine umstrittene Theorie, zur
Ausrichtung der Pyramide.
5. Der Bau beginnt
Seit sich die Menschen mit den Pyramiden
beschäftigen, wird über die Bauweise dieser Monumente gerätselt.
Die Aussagen Herodots wurden von allen Seiten beleuchtet, gerade die
beschriebenen "Maschinen" regten die Phantasie an. Doch keine Theorie konnte
bisher überzeugen, weshalb man bei der verbreitetsten These, dem
Rampenbau, geblieben ist.
Allerdings stellt die Benutzung von Rampen unüberwindliche technische
Schwierigkeiten dar, so dass fröhlich weiter spekuliert wird.
Fest steht, dass die Steine mit Hilfe von Schiffen zur
Baustelle gebracht wurden. Es wurde ein Kanal angelegt, der vom Nil zum
Fuße des Gize-Plateaus führte. Ein gigantischer Aufweg von 1.000 m
Länge und 18 m Breite führte direkt vom Hafen zum Plateau, wo die
Steine abgeladen und zur Pyramide gebracht wurden. Der Aufweg war
unumgänglich, denn sonst wäre durch die schweren Steinblöcke die
Straße zerstört worden.
6. Theorien zum Rampenbau
Wie bereits erwähnt ist die Theorie des
Rampenbaus die unter Ägyptologen verbreitetste Theorie zum Pyramidenbau.
Hierbei gibt es verschiedene Modelle, doch bisher wurde an jedem ein Haken
gefunden. Die nun folgenden Erklärungsversuche beziehen sich alle auf den
Bau der
Großen Pyramide
des Cheops, sind
aber durchaus auf die anderen Pyramiden zu übertragen. Das Hauptproblem
stellen die oberen Steinschichten dar, da die Rampe für diese Steine
entweder zu lang oder zu steil würde.
Generelle Problem aller Rampentheorien sind, dass die
Arbeit an der Pyramide jedesmal hätte gestoppt werden müssen um die
Rampe auszubauen und dass es keine Hinweise auf die Existenz dieser Rampen gibt.
Auch Herodot berichtet ausschließlich von "Stufen", nicht jedoch von
Rampen.
Die wohl bekannteste Theorie der geraden Rampe wurde von
Lauer aufgestellt. Das Problem hierbei sind die gewaltigen Ausmaße und der
enorme Aufwand für die Errichtung der Rampe. Schon der geringe Platz vor
der Cheopspyramide
spricht gegen diese Erklärung.
Goyon schlägt die umhüllende Rampe als
Lösung vor, die sich um die Pyramide zieht. Hierbei wird weniger Material
benötigt, auch der geringe Platz stellt kein Problem dar. Allerdings ist
der Weg für die oberen Steine enorm lang, auch der Ausbau der Rampe
würde viel Zeit verschlingen.
Dieter Arnold stellt eine These vor, die eine steile
Rampe im Innenbereich vorsieht. Dies würde erklären, warum bisher
keine Überreste einer Rampe gefunden wurden. Kritikpunkte finden sich in
der großen Anzahl der Arbeiter, die aufgrund der steilen Steigung
nötig gewesen wäre. Grundvoraussetzung für das Funktionieren
einer solchen Rampe ist ein optimaler Reibungswinkel. Hierunter versteht man den
Neigungswinkel, bei dem ein Körper von selbst abwärts rutscht. Ein
weiterer Schwachpunkt ist die Erklärung wie das Innere der Pyramide gebaut
werden konnte.
Ein relativ junger Vorschlag ist die Nutzung von
Schaukelaufzügen. Hierbei werden vier Schaukeln verwendet, die um den Stein
herum befestigt wurden. So konnten die Steine die Rampe hinauf gerollt werden.
Problematisch an dieser Theorie ist der weite Weg zur Spitze der Pyramide, aber
auch der Personalaufwand, der mit dieser Bautechnik verbunden wäre. Auch
kann hiermit nicht erklärt werden, wie die größeren Blöcke
der Verkleidung transportiert wurden.
Eine etwas außergewöhnliche Theorie ist die
von Davidovits und Morris. Sie besagt, dass die Steine erst an Ort und Stelle
der Pyramide "gebrannt" wurden. Dies würde jedoch einen riesigen Vorrat an
Holz voraussetzen, doch dieses Material war in Ägypten äußerst
knapp bemessen. Allerdings könnte so erklärt werden, warum keine
Rampen benötigt wurden. Kritikpunkte gibt es durch die verschiedenen Formen
der Steine des Kernmauerwerks. Bei geformten Steine würden diese nicht
auftreten. Auch kann mit dieser Theorie nicht erklärt werden, wie die aus
Granit bestehenden Blöcke gefertigt wurden.
Bleibt noch die Vermutung, dass es wirklich "Maschinen"
- in welcher Form auch immer - gegeben haben muss. Aber auch hierfür
lässt sich kein Hinweis finden, außer der Aussage Herodots. So kann
ich an dieser Stelle leider keine eindeutige Antwort auf die Frage nach den
wirklichen Bautechniken geben.
Assuan Staudamm
1960 fing Bau des Assuan Staudamms an. Er hat eine
Höhe von 111 m und ist 3800m breit. Er hat mit 164 Mrd. m³ Seevolumen
das zweitgrößte Wasserreservoir der Welt.
Die Gründe für seinen Bau
waren: Ø Vervierfachung der
Nilbevölkerung seit 1900 Ø Anstieg der
Kulturfläche um 1/5 Ø Speichern von
Wasser im Herbst für Frühjahr und Sommer
Die Nachteile des Baus sind:
Ø Zurückhaltung des Nilschlamms ->
Abnahme der Fruchtbarkeit des Bodens Ø Das
schlammarme, mit Düngemittel angereicherte Nilwasser greift Steinbauten an
und unterspült leichter Böschungen, Steinmauern und Brücken als
das normale Nilwasser Ø Fortschreitende
Erosion der Delta-Küste durch Fehlen der Schlammsedimente -> Mittelmeer
holt sich das Delta zurück Ø
Verschmutzung des Trinkwassers durch
Düngemittelrückstände Ø
Anstieg des Grundwassers -> Statikprobleme beim
Hausbau Ø Verdunstung großer
Wassermengen des Stausees Ø Verlust von
fruchtbarem Lehmboden durch traditionelle Lehmziegelherstellung aus dem
Nilschlamm durch die Landbevölkerung Ø
Ausbleiben der Sardinenschwärme vor der Delta-Küste -> Arbeitslose
Fischer Ø Zunahme von Phyto-Plangton ->
Trinkwasseranlagen müssen gereinigt
werden Ø Dünger statt Schlamm vom
Vulkanisches Hochland aus Äthiopien Ø
Landwirtschaft mittlerweile stagnierend Ø
Überwässerung -> Versalzung Ø
Ausbreitung der Wurmkrankheit Ø
Veränderung des Jahresgangs
Folgende Vorteile gibt es durch den
Bau: Ø Umwandlung von 420000 Hektar
Brachland in Ackerland durch neue
Bewässerung Ø Erreichen von mehreren
Ernten pro Jahr in Oberägypten durch die
Fellachen Ø Eindämmung von Katastrophen
wie Hungersnöten, Wassermangel und
Hochwasser Ø Nutzung der elektrischer
Energie durch die Industrie
Politik
Ägypten ist eine präsidiale Republik.
Die Nationalversammlung nominiert den Staatspräsidenten, der durch
Volkswahl für sechs Jahre im Amt bestätigt wird. Er ernennt den
Ministerpräsidenten und die Kabinettsmitglieder, außerdem ist er
Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Das Land wird gemäß der
Verfassung von 1971 als ein sozialistischer arabischer Staat mit dem Islam als
Staatsreligion regiert. Besonderer Wert wird auf die Chancengleichheit und die
soziale Solidarität gelegt. Seit 1977 besteht in Ägypten das
Mehrparteiensystem (zwischen 1961 und1977 war die einzige zugelassene Partei die
Arabische Sozialistische Union – ASU ). Zu den führenden politischen
Parteien zählen zur Zeit die Nationaldemokratische Partei (NDP),die
am stärksten vertreten ist , und die linksgerichtete Sozialistische Partei
der Arbeit (SLP). Unter den führenden politischen Gruppen ist vor allem die
nominell illegale fundamentalistisch-islamische Muslimbruderschaft
dominierend.
Am 6. Oktober 1981 wurde der amtierende
Staatspräsident Sadat von islamistischen Fundamentalisten ermordet. Seine
Nachfolge trat der Vizepräsident Hosni Mubarak an. Er bemühte
sich um eine Verständigung mit der gemäßigten Opposition und
bessere Beziehungen zu den anderen arabischen Staaten. Seine politischen Erfolge
waren der israelische Rückzug von der Sinai Halbinsel (am 25.April 1982)
und die Herstellung der diplomatischen Beziehungen mit fast allen arabischen
Staaten (1987-89). Jedoch konnte er die Zunahme der Auslandsverschuldung nicht
verhindern. Dem Land wurden aber, nachdem es sich im Golfkrieg der von den USA
angeführten Koalition gegen den Irak angeschlossen hatte, etwa die
Hälfte der Auslandsschulden (20,2 Mrd. US$) erlassen.
Die Ursachen der schwersten Probleme des Landes liegen
in der schwierigen Wirtschaftslage. Die Mehrheit der Bevölkerung ist
unter 35 (1998 lag allein die geschätzte Anzahl der 0-14 Jährigen bei
36 %) und meist chancenlos auf dem Arbeitsmarkt. Die daraus entstehenden
sozialen Unruhen stärken die militanten islamistischen
Fundamentalisten. Deren Ziel ist der Sturz der Regierung Mubaraks und die
Errichtung der Regierung auf strengen islamischen Gesetzen. Sie begannen 1992
mit Übergriffen auf Regierungsbeamte, koptische Christen und Touristen. Am
26. Juni 1995 entging Mubarak selbst nur knapp einem Anschlag. Trotz
Maßnahmen der Regierung wie öffentlichen Hinrichtungen hielten die
Anschläge an. So wurden bei einem Massaker in Luxor 1997 58 Touristen
getötet.
(Q3 ; Q4 ; Q6 ; Q7)
Der Glaube
Götterwelt
Die Entstehungsgeschichte der Götterwelt:
Am Anfang war ein riesiger Ozean, aus welchem die
geordnete Erde entstand. Und es tauchte ein Urhügel auf, aus dem der
Sonnengott
Re
geboren wurde. Re gebar die Zwillinge, Schu (Luft) und Tefnut (Wasser). Die
beiden Kinder vereinigten sich und zeugten Geb (Erde) und Nut (Himmel). Von
diesen beiden wiederum entstanden gleich vier Nachkömmlinge:
Osiris (Fruchtbarkeit), Isis
(Fruchtland), Seth (Dürre)
und Nephthys (Wüste).
Osiris wird von seinem Bruder
Seth aus Neid ermordet und in den Nil geworfen.
Isis, seine Gemahlin und Schwester
findet jedoch keine Ruhe und entdeckt den Leichnam schließlich in Byblos,
wo er an Land gespült worden war und rettet somit seine Seele. Hierdurch
wird Osiris zum Gott der Toten, zum Symbol der Auferstehung und des ewigen
Lebens.
Allgemeines:
Das zutiefst gläubige Ägypten kannte
eine Vielzahl von Göttern, deren Eigenschaften und Zuständigkeiten
sich im Laufe der verschiedenen Epochen verändert haben. Auch hatte jede
Region zusätzlich seine eigenen Götter. Beschäftigt man sich mit
der ägyptischen Götterwelt, so stellt man sehr schnell fest, dass man
nicht einfach jedem Gott eine Funktion zuordnen kann, so wie man es z. B. von
den griechischen Göttern kennt. Bei den Ägyptern können mehrere
Götter die gleiche Funktion haben, z. B. die Sonnengötter
Re und
Amun. Hinzu kommt, dass sich der
Sonnengott je nach Tageszeit in unterschiedlichen Gestalten zeigt. Am Morgen
taucht er in Skarabäusgestalt auf, am Mittag wird er als Re dargestellt
(menschlich mit Falkenkopf - nicht zu verwechseln mit dem Falkengott
Horus) und abends nimmt er die
Gestalt eines älteren Mannes an. Eine "Sortierung" der Götter nach
Wirkungsbereich bzw. Gestalten ist von daher nicht möglich.
Bevor Ägypten vereinigt wurde, gab es in den
einzelnen Siedlungsgebieten sogenannte Ortsgottheiten, die im übrigen Land
unbekannt waren. Einige von ihnen konnten sich später im ganzen Land
durchsetzen. Trotzdem wurden die lokalen Gottheiten weiterhin verehrt. Im Laufe
der Jahrtausende änderten sich die Hauptgötter je nach Zeitalter. So
stieg z. B. Amun, der bis zum
Mittlere Reich
noch recht unbekannt war, im
Neuen Reich
mit Beginn der 18. Dynastie - u. a. aus politischen Gründen - zum
Reichsgott auf.
Einige Hauptkultstätten im alten Ägypten und
deren Lokalgötter:
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Anubis
Diese schakalköpfig dargestellte Kreatur ist der
Gott der Unterwelt und der Toten. Da der Schakal hauptsächlich in der
Westlichen Wüste beheimatet war, wurde er mit dem im Westen liegenden
Totenreich in Verbindung gebracht. Er war gleichzeitig Gott der Einbalsamierung,
führte die Bestattungsriten durch und nahm auch an der
Mundöffnungszeremonie teil.
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Aton
Die Sonnenscheibe wurde als Gott Aton verehrt.
Auf Darstellungen wird die Sonnenscheibe u. a. mit strahlenförmigen Armen
dargestellt, die dem Pharao das Lebenszeichen Anch entgegenstrecken. Unter
Pharao
Echnaton
(18. Dynastie) entstand der sogenannte Aton-Kult. Echnaton, der sich von
Amenophis IV. auf den Namen Echnaton zu Ehren dieses Gottes umnennen ließ,
erklärte Aton zum alleinigen Gott - eine völlig neue Weltansicht, die
bestimmt nicht überall auf Gegenliebe gestoßen ist. Sogar eine neue
Hauptstadt widmete dieser Pharao dem Gott: Achet-Aton, heute bekannt als
El-Amarna. Nach dem Tod Echnatons führte
Tutenchamun
wieder die alte Religion ein und sagte sich vom Aton-Kult los. Auch die
Hauptstadt wurde wieder nach Memphis zurückverlegt.
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Hathor
ist die Göttin der Freude, des Tanzes und der Liebe
und der Fruchtbarkeit, manchmal tritt sie neben Nut auch als Himmelsgöttin
auf. Sie wird als Kuh dargestellt, manchmal auch in Menschengestalt mit
Kuhhörnern. Später wurde noch die Sonnenscheibe zwischen ihre
Hörner gesetzt. Ein großes Hathor-Heiligtum befindet sich in Abu
Simbel, die Hauptkultstätte befindet sich jedoch in Dendera, wo ihr von den
Ptolemäern ein Tempel errichtet wurde. Hathor ist eine Tochter des
Re und soll auch mit ihm einen Sohn,
Horus, gezeugt haben. Als
gütige Göttin genoss Hathor ein großes Ansehen.
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Horus
Der Falkengott Horus ist nach einem
Schöpfungsmythos der Sohn von
Isis und
Osiris. Auch er hat über
Ägypten geherrscht. Aus diesem Grund verkörperte der jeweils
regierende Pharao den Falkengott, um im Tod schließlich zu Osiris zu
werden. Er ist auch der Gott des Lichts und der Kraft. Bereits in der
Frühzeit wurde er als Himmels- oder Sonnengott verehrt.
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Isis
Die treueste Gefährtin des Gottes Osiris ist Isis -
seine Frau. Sie ermöglichte nach einem Götter seine Wiederauferstehung
nach seinem Tode durch Seth und erreichte nach vielen Kämpfen, dass ihr
Sohn Horus den Thron des Vaters erlangte, was Seth zu vermeiden versucht hatte.
Oft wird sie als Vogel dargestellt, der seine Flügel schützend
über Osiris ausbreitet. Isis werden große Zauberkräfte
nachgesagt, weshalb viele Zaubersprüche ihren Namen nennen.
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Nephthys
Diese Schwester von Isis, Osiris und Seth war
ursprünglich eine heliopolitanische Totengöttin. Sie wird als Frau mit
der Hieroglyphe "Herrin des Hauses" auf dem Kopf dargestellt. Sie hält in
der einen Hand das Lebens-Zeichen "Anch", in der anderen Hand einen Papyrusstab.
Nut
ist die Himmelsgöttin aus der
Schöpfungslehre von Heliopolis, Gemahlin des Geb und Mutter von Osiris,
Isis, Nepthys und Seth. Sie verkörpert den täglichen Sonnenverlauf ,
indem sie morgens die Sonne gebiert und abends wieder verschlingt. Dargestellt
wird sie als Frau, deren Körper mit Sternen bedeckt ist. Sie berührt
immer den Boden mit Händen und Füßen und stellt so den Himmel
dar. weiterhin galt sie als Mutter des Sonnengottes Re, da sie ihn jeden Abend
in sich aufnahm um ihn am nächsten Morgen wiederzugebähren.
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Osiris
Osiris ist der Gott der Unterwelt und der Fruchtbarkeit
und zählt zu den bedeutendsten Götter Ägyptens. Er wird stets mit
der der Krone Ägyptens dargestellt. Dem Mythos nach wird Osiris von seinem
Bruder Seth ermordet, seine Gemahlin Isis jedoch findet seinen Leichnam und er
erwacht zu neuem Leben. Aus diesem Grund verkörpert Osiris die
Auferstehung. Osiris wird meistens mit den Königsinsignien Geißel und
Krummstab dargestellt.
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Ptah
Der Hauptkultort des Schöpfergottes Ptah befand
sich in Memphis. Er wurde meist als Mann in einem eng sitzenden Gewand mit
kahlgeschorenem Haupt und einer enganliegenden Haube dargestellt, in seinen
Händen hält er einen Stab. In erster Linie galt er als Gott der
Handwerker und soll die Kunst der Metallbearbeitung und der Bildhauerei erfunden
haben. Der Schöpfungslehre von Memphis zufolge soll Ptah die Welt
erschaffen haben.
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Seth
Seth ist der Gott des Unfriedens, des Chaos, des
Krieges. Schon die oben beschriebene
Schöpfungsgeschichte macht
dies deutlich. Dargestellt wird er als undefinierbares Tier mit eckig
abgeschnittenen Ohren, einer langen Nase und einem hochgestellten, pfeilartigen
Schwanz. Obwohl er in der ägyptischen Geschichte als "negativer" Gott
auftritt, gelangt er unter Sethos I. (19. Dynastie) endlich zu Anerkennung, da
dieser Pharao das fast unmögliche wahr macht: er versöhnt die
Götter Seth und Osiris.
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Thot
Dieser Gott wird als Pavian oder Ibis dargestellt, oft
mit Schreibzeug. Er ist der Gott der Weisheit, der Wissenschaften und gilt auch
als Erfinder der Schrift. Deshalb schreibt er das Ergebnis beim Totengericht
auf. Thot galt außerdem als Wächter der Toten, denen er auf ihrer
Reise durch die Unterwelt zur Seite stand.
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Totenkult
Dem Totenkult der Ägypter lag der Gedanke zugrunde,
dass der Mensch mehr ist als nur ein Körper, nämlich ein Wesen, dessen
Seele über den Tod hinaus in einer ähnlichen Welt weiter lebt. Nach
ägyptischer Auffassung besaß der Mensch mehrere Seelen. Drei von
ihnen spielten eine besondere Rolle: Die Ka-Seele, die Ba-Seele und die
Ach-Seele.
Unter dem Ka stellte sich der Mensch eine Art
Schutzgeist bzw. körperlosen Doppelgänger vor. Er spendet Lebenskraft
und begleitet den Menschen auf seinem Lebensweg und gibt ihm auch nach seinem
Tode Kraft. Dargestellt wird der Ka durch zwei abgewinkelt erhobene Arme auf dem
Kopf der zu beschützenden Person.
Das Ba verkörpert dagegen die unverwechselbaren
Charaktereigenschaften eines Menschen, die Persönlichkeit. Meistens wurde
dieses Seele als Vogel dargestellt, der beim Tode den Körper verlassen
konnte um frei herumzufliegen. Ihr war es jedoch jederzeit möglich, wieder
in den Leichnam zurückzukehren. Dies war natürlich nur dann
möglich, wenn der Körper nach dem Tod gut erhalten blieb und nicht
durch die Verwesung entstellt wurde. Aus diesem Glauben heraus entwickelten die
Ägypter den unvergleichlichen
Mumienkult.
Die Ach-Seele versinnbildlichte die enge Verbundenheit
des Menschen mit dem Jenseits. Nach dem Tod wacht sie über das Grab und den
guten Ruf des Verstorbenen und gilt als Rachegeist, wenn jemand die Totenruhe
stört. Dargestellt wurde die Ach-Seele in der Gestalt des Schopfibis mit
dunkelglänzendem Gefieder.
Mumien
Obwohl auch in anderen Kulturen der Mumienkult gepflegt
wurde (z. B. in Peru), denken die meisten Menschen zuerst an die Mumien des
Alten Ägypten. Dies ist kein Wunder, denn deren Technik der Einbalsamierung
und Mumifizierung war im Laufe der Jahre zur Perfektion herangereift, so dass
wir heute, 3000 Jahre später, noch immer sehr gut erhaltene Mumien finden
und bewundern können. Eine schöne Sammlung von Mumien gibt es im
Ägyptischen Museum Kairo,
wo unter anderem die bekannte Mumie
Ramses II.
ausgestellt ist.
Entstehung und Entwicklung der Mumifizierung
Das Mumienwesen hat sich aus dem altägyptischen
Totenglauben heraus
entwickelt, der besagt, dass der Körper eines Menschen auch nach dem Tod
erhalten bleiben muss, damit die
Ba-Seele seinen "Besitzer"
wiederfindet. Bis die Kunst der Mumifizierung jedoch die uns bekannte Perfektion
erreicht hatte, war es ein langer Weg. Bis in die Anfangsphase des
Alten Reiches
wurden die Verstorbenen bestenfalls einbalsamiert, d. h. mit allerlei Essenzen,
Kräutern, Salben und Ölen eingerieben. Anschließend wurde der
Leichnam in Binden gewickelt - in der Annahme, der Körper kann so die Zeit
überdauern.
Erst in der 4. Dynastie entdeckten die Ägypter,
dass der Körper dem Verfall länger entgeht, wenn man ihm die
Eingeweide entnimmt. Hiermit war der erste Schritt zur wirklichen Mumifizierung
getan. Zu Beginn des
Mittleren Reiches
kam man auf die Idee, den Körper mit trockenem Natron zu behandeln. So
wurde dem Gewebe des Körpers viel Wasser entzogen, allerdings nicht
vollständig. Hierdurch wurde der Verfall des Leichnams jedoch bereits stark
hinausgezögert. Ein weiterer Schritt der Mumiefizierungstechnik war die
Entnahme des Gehirns aus dem Schädel durch die Nase. Nach heutiger Kenntnis
wurde dieses Verfahren zunächst bei Verstorbenen der höheren sozialen
Schichten angewendet. Erst im
Neuen Reich
wurde es Standart, sowohl Eingeweide als auch das Gehirn zu entfernen.
Mumien aus dem
Alten Reich
sind uns kaum erhalten geblieben, da die Technik zum Erhalt des Körpers
noch nicht gut genug ausgereift war. Obwohl die Leinenbinden, in die der
Leichnam gewickelt wurde meist noch in relativ gutem Zustand waren, waren vom
Körper nur noch das Skelett und Hautfetzen über, die jedoch sehr
leicht zu Staub zerfielen. Die Mumien des
Neuen Reiches
dagegen sind teilweise in sehr gutem Zustand erhalten geblieben, so dass uns
viele Rückschlüsse auf die Person möglich sind.
Das oben beschriebene Ritual der Einbalsamierung wurde
von einem mit der Schakalmaske des Totengottes
Anubis bekleideten Priesters
durchgeführt. Nach seinen Anweisungen wurden dem Verstorbenen die Organe
entnommen, der Körper in Natronlauge entsalzen und nach 70 Tagen in
Leinenbinden gewickelt. Dutzende von Amuletten und magischen Gegenständen
wurden in die Leinenbinden gewickelt, damit der Verstorbene sicher ins Jenseits
gelangte und dort sein neues Leben beginnen konnte. Die Mumie wurde nun in einen
Sarg gelegt und an den Bestattungsort gebracht, wo das so genannte
Mundöffnungsritual vollzogen wurde. Hierzu wurde der Sarg und der
Verstorbene mit heiligen Instrumenten berührt, damit die Seele in den Leib
zurückkehren konnte und den Toten im Jenseits neu beleben kann.
Während der 70 Tage dauernden Prozedur der
Mumifizierung wurden für den Toten sämtliche Grabbeigaben in die letze
Ruhestätte gebracht, eventuell wurden schnell letzte Hieroglyphen in die
Wände gemeißelt und die Wände verziert. Dass 70 Tage nicht viel
Zeit sind, kann man deutlich in einigen Pharaonengräbern erkennen, wo der
Pharao vorzeitig verstorben war und das Grab noch nicht fertig war. Eine
Katastrophe!
Moderne Mumienforschung
Obwohl viele Mumien, gerade die des
Neuen Reiches,
recht gut erhalten sind, geben diese uns bei ihrem Fund Rätsel auf. Wer ist
der Verstorbene? Wann hat er gelebt? Nicht immer sind Amulette mit dem Namen des
Verstorbenen mit der Mumie gefunden worden, die eine eindeutiges Identifizieren
der Person möglich machen bzw. erleichtern. Woran ist die Person gestorben?
Fragen, auf die Wissenschaftler eine Antwort suchen um noch mehr Licht in die
altägyptische Geschichte zu bringen.
Geschichte
Ägyptische Geschichte vom Altertum bis
1952
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3200 – 343 v.Chr.
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Die dynastische Zeit ist die Zeit der 31
Dynastien seit der Staatsgründung bis zur Eroberung durch
Alexander dem Großen
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2900-2620 v.Chr.
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Frühzeit: Entwicklung von Schrift und
Beamtentum
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2620-2100 v.Chr.
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Altes Reich: Pyramiden der Könige
Cheops
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2040-1650 v.Chr.
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Mittleres Reich: Hauptstadt wird Memphis
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1551-1070 v.Chr.
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Neues Reich: König Thutmosis I weitet das
Einflußgebiet vom Euphrat im Norden zum 3. Nilkatarakt im Süden
Echnaton bringt größten Wohlstand
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715-332 v.Chr.
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Spätzeit: Assyrer vertreiben die
Äthiopier
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332 – 30 v. Chr.
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Die Griechische Zeit beginnt mit der Eroberung
Ägyptens durch Alexander den Großen (332 v.
Chr.)
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30 v. Chr. – 638 n. Chr.
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Die Römische und Byzantinische Herrschaft
wird mit der Schlacht bei Actium (31 v. Chr.) , in der
Octavian Alexandria eroberte eingeleitet
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642 – 1517
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Die Zeit des Kalifat und der
Mameluckenherrschaft
1260 stoppen die Mamelucken den Vorstoß der
Mongolen
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1517 – 1882
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Nach der Invasion osmanischer Truppen wird Ägypten
Türkische Provinz
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1869
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Eröffnung des Suezkanals
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1882 – 1952
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Während des Britischen Kolonialismus wurde
Ägypten Britisches Protektorat und strebte nach dem 1. Weltkrieg nach
Unabhängigkeit
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28.2.1922
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England entläßt Ägypten als
parlamentarische Monarchie in die Unabhängigkeit, sichert sich aber
militärische Reservatrechte
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Das unabhängige Ägypten nach
1952
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1956
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Nach dem Abzug der britischen Truppen aus der Kanalzone
führt die Verstaatlichung der Suezkanalgesellschaft zur
Suezkrise
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1958- 1961
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Ägypten und Syrien bilden die Vereinigte
Arabische Republik (VAR) unter Nasser als
Staatspräsident
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1971
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Am 11.9. wird die( noch heute geltende)
Verfassung verkündet
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1973
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Ein Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und
Ägypten beendet den 4. Israelisch-Arabischen Krieg
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1979
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Ägypten und Israel unterzeichnen
einen Friedensvertrag, der zur wirtschaftlichen und diplomatischen
Isolierung Ägyptens innerhalb der arabischen Staaten
führt
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1981
|
Präsident Sadat wird ermordet, sein
Nachfolger wird Mubarek
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1991
|
Ägypten steht im Golfkrieg auf Kuwaits
Seite
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1994
|
Terror islamischer Extremisten, das Parlament
verlängert die seit der Ermordung Sadats bestehenden
Notstandsgesetze
|
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1997
|
Am 17.November sterben 58 Touristen bei einem
Massaker in Luxor
|
Die genauen Ursprünge der altägyptischen
Kultur lassen sich nicht mit Sicherheit angeben. Archäologische Funde
weisen darauf hin, daß die frühen Bewohner des Niltales von den
Kulturen Vorderasiens abstammen. Wenn man die Entwicklung der ägyptischen
Kultur und ihrer Grundlagen beschreiben möchte, ist man
größtenteils auf archäologische Funde wie Ruinen, Gräber
und Monumente angewiesen. Hieroglypheninschriften haben wertvolle Informationen
geliefert.
Die Grundlage für das Studium der dynastischen Zeit
der ägyptischen Geschichte zwischen der 1. Dynastie und der
ptolemäischen Zeit bildet die Aegyptiaca von Manetho. Dabei handelt
es sich um einen ptolemäischen Priester aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., der
die Herrscher des Landes in 30 Dynastien einteilte, die in etwa den jeweiligen
Herrscherfamilien entsprechen. Einigkeit herrscht im Allgemeinen über die
Einteilung der ägyptischen Geschichte bis zu den Eroberungen von Alexander
dem Großen: das Alte, das Mittlere und das Neue Reich mit den
entsprechenden Zwischenzeiten, gefolgt von der Spätzeit und der
ptolemäischen Zeit.
Vorzeit
Seit etwa 60 000 Jahren tritt der Nil alljährlich
über die Ufer und hinterläßt fruchtbares Schwemmland; dies wurde
erst in der Neuzeit durch den Bau von Dammanlagen eingeschränkt. Die
Gebiete in der Nähe der Überschwemmungsebene wurden eine wichtige
Wasser- und Nahrungsmittelquelle. Mit der Zeit schränkten Klimawechsel und
längere Trockenzeiten das Siedlungsgebiet immer weiter auf das Niltal ein.
Vom Chalkolithikum (die Kupferzeit, die etwa 4000 v. Chr. begann) bis zum Beginn
des Alten Reiches nutzten die Menschen offenbar weitere Landstriche über
das Niltal hinaus.
Im 7. Jahrtausend v. Chr. herrschten in Ägypten
milde klimatische Bedingungen; in den Wüstengebieten Oberägyptens und
Unterägyptens wurden Siedlungen aus dieser Zeit gefunden. Auch in der
Nubischen Wüste in der heutigen Republik Sudan wurden ähnliche
Siedlungsreste freigelegt. Anhand der in Gräbern gefundenen Keramik aus dem
4. Jahrtausend v. Chr. (der prädynastischen Zeit) läßt sich eine
relativ stimmige zeitliche Abfolge rekonstruieren. Die prädynastische Zeit
wird eingeleitet durch die Einigung des Landes unter einem König. Sie wird
im Allgemeinen in drei Abschnitte unterteilt, die sich jeweils auf den Fundort
bedeutenden archäologischen Materials beziehen: Badari, Amrati (Negade I)
und Gerze (Negade II und III). In den nördlichen Ausgrabungsstätten
(aus der Zeit um etwa 5500 v. Chr.) wurde datierbares archäologisches
Material zutage gefördert, das auf eine gewisse kulturelle Kontinuität
schließen läßt.
Frühe dynastische Zeit
(Vorzeit)
Archäologische Funde deuten darauf hin, daß
gegen Ende der gerzeanischen Zeit (etwa 3200 v. Chr.) eine beherrschende
politische Macht aufkam, die das erste vereinigte Reich des alten Ägypten
errichtete. Die frühesten bekannten Inschriften in Hieroglyphenform stammen
aus dieser Zeit, auf den Monumenten finden sich die Namen der ersten Herrscher.
Diese Zeit begann mit der Dynastie 0, repräsentiert durch 13 Herrscher, sie
endete mit König Narmer (etwa 3100 v. Chr.). Darauf folgten die 1. und die
2. Dynastie (um 3100 bis 2755 v. Chr.) mit mindestens 17 Königen.
Während der 1. und 2. Dynastie wurden auch die ersten gewaltigen
Begräbnisanlagen (Vorläufer der Pyramiden) in Sakkara und Abydos
angelegt.
Altes Reich
Das Alte Reich (um 2755 bis 2255 v. Chr.) umfaßte
fünf Jahrhunderte, von der 3. bis zur 6. Dynastie. Die Hauptstadt war
Memphis im Norden. Die Herrscher standen an der Spitze eines streng
organisierten Beamtenstaates. Eine wichtige Rolle spielte die Religion, wie sie
durch die ägyptische Mythologie überliefert ist. Staatsform war eine
Theokratie, in der die Pharaonen, wie die Herrscher genannt wurden, sowohl
absolute weltliche Herrscher waren als auch als Götter verehrt wurden.
Goldenes Zeitalter
Die 3. Dynastie wurde repräsentiert durch das Haus
Memphis, dessen zweiter Herrscher Djoser (Regierungszeit um 2737 bis 2717 v.
Chr.) den Bestand der nationalen Einheit in den Vordergrund rückte. Sein
Architekt Imhotep verwendete Steinblöcke statt der traditionellen
Lehmziegel und gestaltete damit den ersten monumentalen Steinbau. Dessen
zentrales Element, die Stufenpyramide, war Djosers Grab. Zur Regelung der
Staatsangelegenheiten und der Bauprojekte entwickelte der König eine
effektive Bürokratie. Eine kulturelle Blütezeit begann.
Die 4. Dynastie begann mit König Snofru, zu dessen
Bauprojekten die ersten Pyramiden in Dahschur (südlich von Sakkara)
gehörten. Snofru war der erste Kriegerkönig, über den
umfangreiche Dokumente erhalten sind, er führte Feldzüge in Nubien und
Libyen sowie auf der Halbinsel Sinai. Durch die Förderung von Handel und
Bergbau vergrößerte sich der Wohlstand im Reich. Nachfolger Snofrus
war sein Sohn Khufu (oder Cheops), der die Große Pyramide in Gise erbauen
ließ. Obwohl von seiner Regierungszeit kaum etwas bekannt ist, legt dieses
Bauwerk nicht nur Zeugnis von seiner Macht ab, sondern beweist auch die
Effektivität der Verwaltung. Khufus Sohn Redjedef, der etwa von 2613 bis
2603 v. Chr. regierte, führte das Sonnensymbol (Ra oder Re) in den
königlichen Titel und die Religion ein. Khafre (oder Chephren), ein
weiterer Sohn Khufus, folgte seinem Bruder auf dem Thron und ließ in Gise
eine Nekropole erbauen. Zu den weiteren Herrschern der Dynastie gehörte
Menkaure (oder Mykerinos), dessen Regierungszeit auf etwa 2578 bis 2553 v. Chr.
datiert wird. Er ist insbesondere durch die kleinste der drei großen
Pyramiden in Gise bekannt.
Unter der 4. Dynastie gelangte die ägyptische
Kultur zu ihrer Blütezeit, die sich auch noch auf die 5. und 6. Dynastie
erstreckte. Die hervorragenden Leistungen auf dem Gebiet der Baukunst wurden
durch Fortschritte auf fast allen anderen Gebieten ergänzt: in der
Architektur, der Bildhauerei, der Malerei, der Navigation, des Kunsthandwerkes
und der Wissenschaft sowie der Astronomie. Astronomen der Memphis-Dynastie
entwickelten den ersten Sonnenkalender, der das Jahr in 365 Tage einteilte. Die
Ärzte des Alten Reiches verfügten auch über beträchtliche
medizinische Kenntnisse und chirurgische Fähigkeiten.
Beginn des Niedergangs
Auch wenn in der 5. Dynastie der Wohlstand durch
extensiven Außenhandel und militärische Vorstöße nach
Asien gewahrt bleiben konnte, wurde die Abnahme der königlichen Macht durch
übermäßige Bürokratisierung und Machtzuwachs der
nichtköniglichen Verwalter offenkundig. In den Grabkammern des letzten
Königs dieser Dynastie in Sakkra, Unas (2428-2407 v. Chr.), fand man
Zauberformeln, die in die Wände eingemeißelt wurden. Derartige Texte
fand man auch in den Königsgräbern der 6. Dynastie. Mehrere
Inschriften von Beamten der 6. Dynastie weisen auf den abnehmenden Einfluß
der Monarchie hin, es gibt sogar Anzeichen für eine Konspiration gegen
König Pepi I. (Regierungszeit um 2395 bis 2360 v. Chr.), an der seine
Gemahlin beteiligt war. Man nimmt an, daß in den letzten Regierungsjahren
von Pepi II. (Regierungszeit um 2350 bis 2260 v. Chr.) die Macht in den
Händen eines Ministers lag. Die zentrale Gewalt über die Wirtschaft
wurde durch die Gewährung von Steuerbefreiungen untergraben. Die Nomes
(Bezirke) wurden rasch mächtiger, als die Nomarchs (Statthalter) nicht mehr
länger von Zeit zu Zeit in verschiedene Nomes versetzt wurden.
Erste Zwischenzeit
Die 7. Dynastie markiert den Beginn der Ersten
Zwischenzeit. Da es in dieser Zeit zu sozialen Unruhen kam, weiß man
über die 7. und 8. Dynastie sehr wenig. Sicher ist nur, daß beide
Dynastien, die in Memphis ihren Regierungssitz hatten, nur etwa 25 Jahre Bestand
hatten. Zu dieser Zeit hatten die mächtigen Nomarchen ihre Bezirke fest
unter Kontrolle, und Splittergruppen aus dem Norden und Süden rangen um die
Macht. Während der Herakleopolitenzeit (9. und 10. Dynastie) weiteten die
Nomarchen nahe Herakleopolis ihre Macht nach Norden hin bis nach Memphis (sogar
bis in das Nildelta) und im Süden nach Asyut (Lycopolis) aus. Die
rivalisierenden Nomarchen aus Theben errichteten die 11. Dynastie, indem sie das
Gebiet von Abydos bis Elephantine in der Nähe von Syene (dem heutigen
Assuan) kontrollierten. Der erste Teil dieser Dynastie – die erste des
Mittleren Reiches – überschneidet sich mit dem letzten Teil der 10.
Dynastie.
Mittleres Reich
Ohne Zentralregierung war die Verwaltung nicht mehr
effektiv, und die einzelnen Regionen verfolgten ihre eigenen Ziele. Die
ägyptische Kunst wurde regionaler, und es wurden keine größeren
Nekropolen mehr angelegt. Auch die Religion wurde demokratisiert, da die
Bürger Privilegien beanspruchten, die bislang allein dem Monarchen
vorbehalten waren. So konnten sie beispielsweise Zauberformeln, die von den
königlichen Pyramidentexten abgeleitet waren, auf ihren eigenen Särgen
und Gräbern anbringen.
Wiedervereinigung
Zwar schließt das Mittlere Reich (2134-1784 v.
Chr.) die gesamte 11. Dynastie mit ein, genau genommen beginnt es aber erst mit
der Wiedervereinigung des Landes unter Mentuhotep II. (Regierungszeit 2061-2010
v. Chr.). Die ersten Herrscher dieser Dynastie versuchten, ihre Kontrolle von
Theben aus sowohl nach Norden als auch nach Süden auszudehnen, aber es
sollte schließlich Mentuhotep überlassen bleiben, den
Wiedervereinigungsprozeß etwa um 2047 v. Chr. abzuschließen.
Mentuhotep regierte mehr als 50 Jahre lang und konnte trotz gelegentlicher
Aufstände das ganze Reich unter Kontrolle halten. Er ersetzte einige
Nomarchen und beschnitt die noch immer beträchtliche Macht der Nomes. Die
Hauptstadt war Theben, und sein Grabtempel in Deir el Bahri enthielt sowohl
traditionelle als auch regionale Elemente.
Die Regierungszeit des ersten Königs der 12.
Dynastie, Amenemhet I., verlief friedlich. Er errichtete seine Hauptstadt in der
Nähe von Memphis und stellte im Gegensatz zu Mentuhotep seine Verbindung zu
Theben zugunsten der nationalen Einheit in den Hintergrund. Dennoch behielt der
wichtige thebanische Gott Amun die Vorherrschaft gegenüber den anderen
Gottheiten. Amenemhet forderte Loyalität von den Nomes, baute die
Verwaltung wieder auf und förderte die Ausbildung von Schriftgelehrten und
Verwaltungsbeamten. Während der letzten zehn Jahre seiner Regierungszeit
herrschte Amenemhet zusammen mit seinem Sohn. In der zeitgenössischen
Erzählung „Die Geschichte von Sinuhe” wird darauf angespielt,
daß der König ermordet wurde.
Amenemhets Nachfolger führten seine Programme fort.
Sein Sohn Sesostris I. (Regierungszeit 1962-1928 v. Chr.) legte in ganz Nubien
Festungen an und förderte den Handel mit anderen Ländern. Er schickte
Gouverneure nach Palästina und Syrien und führte im Westen Krieg gegen
die Libyer. Sesostris II. (Regierungszeit 1895-1878 v. Chr.) beanspruchte Land
im Gebiet von El Faiyum. Sein Nachfolger Sesostris III. (Regierungszeit
1878-1843 v. Chr.) ließ einen Kanal am ersten Nilkatarakt graben, stellte
ein stehendes Heer auf (das er gegen die Nubier einsetzte) und baute neue
Festungen an der Südgrenze. Er teilte die Verwaltung in drei mächtige
geographische Einheiten ein, die jeweils von einem dem Wesir unterstehenden
Beamtenstab kontrolliert wurden, und weigerte sich, die Provinzadeligen
anzuerkennen. Amenemhet III. führte die Politik seiner Vorgänger fort
und weitete die Landreform aus.
Unter den thebanischen Königen erfolgte eine
kulturelle Renaissance. Architektur, Kunst und Schmuck dieser Zeit weisen ein
außergewöhnlich hohes Maß an Kunstfertigkeit auf; zudem gilt
diese Periode als das goldene Zeitalter der ägyptischen Literatur.
Zweite Zwischenzeit
Die Herrscher der 13. Dynastie – etwa 50 im Lauf
von 120 Jahren – waren zwar schwächer als ihre Vorgänger,
konnten aber dennoch die Kontrolle über Nubien und die Verwaltung der
Zentralregierung aufrechterhalten. Am Ende ihrer Herrschaft wurde ihre Macht
aber nicht nur durch die rivalisierende 14. Dynastie herausgefordert, die die
Kontrolle über das Deltagebiet übernahm, sondern auch von den aus dem
westlichen Asien kommenden Hyksos. Zu Beginn der 13. Dynastie gab es eine
große Hyksos-Bevölkerung in Nordägypten. Als die
Zentralregierung immer schwächer wurde, ermöglichte ihre Anwesenheit
die Zuwanderung von Völkern der Küste Phönikiens und
Palästinas und die Errichtung einer Hyksos-Dynastie. Mit dieser wird der
Beginn der Zweiten Zwischenzeit markiert, eine Phase der Unruhe und Uneinigkeit,
die etwa 215 Jahre anhielt. Die Hyksos der 15. Dynastie regierten von ihrer im
östlichen Delta gelegenen Hauptstadt Avaris aus und behielten dabei die
Kontrolle über die mittleren und nördlichen Teile des Landes. Zur
selben Zeit existierte im Deltagebiet und in Mittelägypten bereits die 16.
Dynastie, die aber vermutlich von den Hyksos abhängig war. Unabhängig
davon gab es eine dritte Macht, die zur selben Zeit existierte, nämlich die
thebanische 17. Dynastie, die in dem Gebiet zwischen Elephantine und Abydos
herrschte. Der thebanische Herrscher Kamose (Regierungszeit um 1576 bis 1570 v.
Chr.) bekämpfte die Hyksos erfolgreich, seinem Bruder Amosis I. gelang es
schließlich, sie zu unterwerfen und Ägypten wieder zu vereinigen.
Neues Reich
Die Vereinigung des Landes und die Gründung der 18.
Dynastie unter Amosis I. markiert den Beginn des Neuen Reiches (1570-1070 v.
Chr.). Amosis stellte die Grenzen, Staatsziele und die Verwaltung des Mittleren
Reiches wieder her und nahm das Landnahmeprogramm wieder auf. Mit
Unterstützung der Streitkräfte, die entsprechend entlohnt wurden,
sorgte er für ein Machtgleichgewicht zwischen den Nomarchen und der
Zentralgewalt. Der Einfluß der Frauen im Neuen Reich zeigt sich an den
hohen Titeln und Machtpositionen, die die Mütter und die Frauen der
Könige innehatten.
Die Könige der 18.
Dynastie
Als Amenophis I. (Regierungszeit 1551-1524 v. Chr.) die
volle Regierungsgewalt erhielt – er war zuvor fünf Jahre lang
Mitregent gewesen –, begann er die Grenzen Ägyptens nach Nubien und
Palästina vorzuschieben. Amenophis, der gewaltige Bauwerke in El-Karnak in
Auftrag gab, ließ sein Grab im Gegensatz zu seinen Vorgängern von
seinem Begräbnistempel trennen. Mit ihm setzte der Brauch ein, die letzte
Ruhestätte der Pharaonen zu verbergen. Unter Thutmosis I. wurden die
Fortschritte des neuen imperialen Zeitalters fortgesetzt und die Vorrangstellung
des Gottes Amun betont. Er hatte das erste Grab im Tal der Könige.
Thutmosis II., ein von einer Nebenfrau geborener Sohn, war sein Nachfolger. Er
hatte die Prinzessin Hatschepsut geheiratet, um seine Ansprüche auf den
Thron zu unterstreichen, und führte das Werk seiner Vorfahren fort. Als er
1504 v. Chr. starb, war sein Erbe Thutmosis III. noch im Kindesalter, und so
führte Hatschepsut für ihn die Reichsgeschäfte. Noch vor Ablauf
eines Jahres übernahm sie die Pharaonenwürde, später regierten
Mutter und Sohn gemeinsam. Als Thutmosis III. nach Hatschepsuts Tod 1483 v. Chr.
die Alleinherrschaft übernahm, verfolgte er zunächst das Ziel, Syrien
und Palästina zurückzuerobern, die während der gemeinsamen
Herrschaft abgefallen waren, und sorgte für eine Vergrößerung
seines Herrschaftsgebiets. Seine Annalen im Tempel bei Karnak weisen auf viele
seiner Kriegszüge hin. Fast 20 Jahre nach dem Tod von Hatschepsut ordnete
er die Entfernung ihres Namens und ihres Bildes aus sämtlichen
Aufzeichnungen an. Amenophis II. (Regierungszeit 1453-1419 v. Chr.) und
Thutmosis IV. versuchten, die in Asien eroberten Gebiete gegen die immer
stärker werdenden Mitanni und Hethiter zu halten.
Amenophis III. (Regierungszeit 1386-1349 v. Chr.) sorgte
für eine fast vier Jahrzehnte dauernde Friedensperiode, während der
Kunst und Architektur eine Blüte erlebten. Durch Diplomatie erhielt er ein
Gleichgewicht der Kräfte mit den ägyptischen Nachbarstaaten und sorgte
für den Bau des großen Amuntempels in Luxor. Sein Sohn und Nachfolger
Echnaton (Amenophis IV.) war ein religiöser Reformer, der sich der Macht
der Amunpriester widersetzte. Echnaton verließ die Hauptstadt Theben und
gründete mit Akhenaton eine neue Hauptstadt (das heutige Amarna) zu Ehren
von Aton, des Sonnengottes, der im Zentrum seiner monotheistischen Religion
stand. Zum Ende seiner Herrschaft wurde die religiöse Erneuerung nach und
nach rückgängig gemacht, und sein Schwiegersohn Tutanchamun verlegte
die Hauptstadt wieder nach Theben. Tutanchamun ist heute vor allem wegen
seines reich ausgestatteten Grabmals bekannt, das von den britischen
Archäologen Howard Carter und George Herbert, dem 5. Earl von
Carnarvon, 1922 fast unversehrt aufgefunden wurde. Die 18. Dynastie endete mit
Haremheb (Regierungszeit 1321-1293 v. Chr.).
Die Zeit der Pharaonen
Ramses
Der Begründer der 19. Dynastie, Ramses I.
(Regierungszeit 1293-1291 v. Chr.) hatte seinem Vorgänger als Befehlshaber
der Armee gedient. Nach einer Regierungszeit von nur zwei Jahren folgte ihm sein
Sohn Sethos I. (Regierungszeit 1291-1279 v. Chr.) nach. Dieser unternahm
Kriegszüge gegen Syrien und Palästina sowie gegen die Libyer und
Hethiter. Er baute ein Heiligtum in Abydos. Wie sein Vater favorisierte er die
Hauptstadt Pi-Ramesse (das heutige Qantir) im Deltagebiet. Sein Nachfolger war
einer seiner Söhne, Ramses II., der fast 67 Jahre lang regierte. Er
war für einen Großteil der Bauten in Luxor und Karnak verantwortlich
und gab auch das Ramesseum (seinen Begräbnistempel in Theben), die
Felsentempel von Abu Simbel sowie heilige Stätten in Abydos und Memphis in
Auftrag. Nach Kämpfen mit den Hethitern schloß Ramses einen
Friedensvertrag und heiratete eine hethitische Prinzessin. Sein Sohn Mernephtah
(Regierungszeit 1212-1202 v. Chr.) besiegte die Invasoren aus der
Ägäis, die im 13. Jahrhundert in Vorderasien einfielen. Aus Quellen
geht hervor, daß dabei das Gebiet des heutigen Israel verwüstet
wurde. Die späteren Herrscher mußten sich immer wieder mit
Aufständen unterworfener Völker auseinander setzen.
Der zweite Herrscher der 20. Dynastie war Ramses III.
Seine militärischen Siege sind auf den Wänden seines Totentempels in
Medinet Habu in der Nähe von Theben dargestellt. Nach seinem Tod zerfiel
das Reich, hauptsächlich aufgrund der zunehmenden Macht der
Amunpriesterschaft und des Militärs. Ein hoher Priester und
Militärbefehlshaber ließ sich sogar mit den königlichen
Insignien darstellen.
Die Dritte Zwischenzeit
Die Dritte Zwischenzeit beginnt mit der 21. Dynastie und
endet mit der 24. Dynastie. Die Könige rangen von der Hauptstadt Tanis im
Norden des Landes aus mit einer Reihe von Hohepriestern im südlichen
Theben, mit denen sie verwandt waren, um die Macht. Die Herrscher der 21.
Dynastie dürften zum Teil libysche Vorfahren gehabt haben, die 22. Dynastie
wurde jedenfalls von libyschen Fürsten begründet. Als die Herrschaft
der Libyer Schwächen zeigte, wurde sie von mehreren Mächten
herausgefordert. Die nächsten beiden Dynastien, die 23. und die 24.
Dynastie, herrschten teilweise zeitgleich mit der 22. Dynastie, und die 25.
Dynastie (Kuschiten) kontrollierte gegen Ende der 22. und 24. Dynastie
große Teile Ägyptens.
Spätzeit
Die so genannte Spätzeit beginnt mit der Herrschaft
der 25. Dynastie und endet mit der 31. Dynastie. Die Kuschiten regierten von
etwa 767 v. Chr. an, bis sie 671 v. Chr. von den Assyrern vertrieben wurden. Zu
Beginn der 26. Dynastie wurde die Fremdherrschaft durch Psammetich I. wieder
beseitigt. Die Kultur erlebte noch einmal eine Blütezeit, die an
frühere Epochen erinnerte. Nach der Niederlage des letzten ägyptischen
Königs gegen Kambyses II. 525 v. Chr. wurde Ägypten unter der 27.
Dynastie persische Provinz. Zwar gelang es den Ägyptern während der
29. und der 30. Dynastie ihre Unabhängigkeit wieder herzustellen, aber die
Könige der 30. Dynastie waren endgültig die letzten ägyptischen
Pharaonen. Bei der 31. Dynastie, die in dem Geschichtswerk Manethos nicht
aufgeführt ist, handelt es sich bereits um die zweite persische
Herrschaft.
Griechische und Römische
Zeit
Die Besetzung Ägyptens durch die Truppen Alexanders
des Großen 332 v. Chr. beendete die Perserherrschaft. Alexander ernannte
Cleomenes von Naucratis, einen Ägypter griechischer Abstammung, sowie
seinen makedonischen General, den späteren Ptolemaios I., zu Statthaltern
des Landes. Obwohl auch zwei ägyptische Gouverneure eingesetzt wurden,
riß Ptolemaios die Herrschaft an sich und regierte das Land nach wenigen
Jahren mit absoluter Macht.
Das Haus der Ptolemäer
Nach dem Tod Alexanders 323 v. Chr. konnte sich
Ptolemaios in Ägypten gegen die rivalisierenden Generäle durchsetzen,
die das Reich Alexanders unter sich aufteilen wollten. 305 v. Chr. nahm er den
Königstitel an und begründete das Haus der Ptolemäer, dem er
seinen Namen gab. Das ptolemäische Ägypten gehörte zu den
Großmächten der hellenistischen Welt und konnte zuweilen seine Macht
bis nach Syrien, Kleinasien, Zypern, Libyen und Phönikien ausdehnen.
Da den einheimischen ägyptischen Herrschern
während der ptolemäischen Herrschaft größtenteils nur eine
untergeordnete Rolle zufiel, kam es immer wieder zu Rebellionen, die jedoch
allesamt rasch unterdrückt werden konnten. Während der Regierungszeit
von Ptolemäus VI. wurde Ägypten nach Eroberung durch Antiochos IV. 169
v. Chr. syrisches Protektorat. Die Römer zwangen Antiochos jedoch zur
Aufgabe des Landes, es wurde in der Folgezeit zwischen Ptolemaios VI. und seinem
jüngeren Bruder Ptolemaios VIII. aufgeteilt. Nach dem Tod des älteren
Bruders 145 v. Chr. übernahm dieser die Alleinherrschaft.
Die folgenden Ptolemäer konnten zwar Reichtum und
Status Ägyptens halten, verloren aber zunehmend Territorium an Rom.
Kleopatra VII. war die letzte Ptolemäerin. In einem Versuch, die drohende
Besetzung Ägyptens durch römische Truppen zu verhindern,
verbündete sie sich zunächst mit Julius Caesar und später mit
Antonius, konnte das Ende aber nur kurzzeitig aufhalten. Nachdem ihre
Streitkräfte den römischen Legionen unter Oktavian (dem späteren
Kaiser Augustus) unterlegen waren, beging Kleopatra 30 v. Chr.
Selbstmord.
Römische und Byzantinische
Zeit
Nach dem Tod Kleopatras wurde Ägypten fast sieben
Jahrhunderte lang vom Römischen Reich beherrscht (mit Ausnahme der kurzen
Regierungszeit der Königin Zenobia von Palmyra im 3. Jahrhundert n. Chr.).
Das Land wurde wirtschaftlich ausgebeutet, es diente als „Kornkammer
Roms”. Das Ägypten unter römischer Herrschaft wurde von einem
Präfekten verwaltet, dessen Kompetenzen als militärischer
Oberbefehlshaber und oberster Richter denen der früheren Pharaonen
entsprachen. Die umfassenden Machtbefugnisse des Präfekten wurden
später jedoch unter dem Kaiser Justinian aufgeteilt, der im 6. Jahrhundert
n. Chr. die Streitkräfte einem eigenen Befehlshaber unterstellte, der ihm
persönlich verantwortlich war.
Während der römischen Zeit erlebte
Ägypten eine relativ friedliche Epoche, nur die Südgrenze bei Assuan
wurde gelegentlich von den Äthiopiern attackiert. Zur Zeit der Herrschaft
der Ptolemäer war die Bevölkerung hellenisiert worden und
umfaßte inzwischen große griechische, jüdische und andere
kleinasiatische Minderheiten. In dieser Zeit entwickelte sich auch aus dem
damaligen Ägyptisch unter griechischem und semitischem Einfluß die
koptische Sprache. Die verschiedenen Kulturen wuchsen jedoch nicht zu einer
homogenen Gesellschaft zusammen, so daß es häufig zu internen
Auseinandersetzungen kam. 212 n. Chr. verlieh der römische Kaiser Caracalla
der gesamten Bevölkerung das römische Bürgerrecht.
Die von Alexander dem Großen gegründete
Mittelmeerhafenstadt Alexandria blieb wie unter den Ptolemäern Hauptstadt.
Die Stadt gehörte zu den bedeutendsten Handelsstädten des
Römischen Reiches, hier wurde insbesondere der Handel zwischen Indien, der
Arabischen Halbinsel und dem Mittelmeerraum abgewickelt. Daneben beherbergte die
Stadt die große Alexandrinische Bibliothek und das angeschlossene Museum.
Die Stadt hatte zu der Zeit 300 000 Einwohner (die Sklaven nicht mitgerechnet).
Ägypten wurde zu einem wirtschaftlichen
Stützpfeiler des Römischen Reiches, und zwar nicht nur aufgrund der
Getreideproduktion, sondern auch aufgrund der Herstellung von Glas- und
Metallwaren. Daneben wurden über den Handel Gewürze, Parfüm,
Edelsteine und seltene Metalle aus den Häfen des Roten Meeres
eingeführt. Das Land wurde auch durch die Erhebung von Steuern ausgebeutet.
Um das Volk zu kontrollieren und das machtvolle
Priestertum nicht gegen sich aufzubringen, schützten die römischen
Kaiser die alte Religion. Sie führten die unter den Ptolemäern
begonnenen Tempelbauten weiter, schmückten sie aus und ließen ihre
Namen als Pharaonen eingravieren. In Isna, Kawn Umbu, Dandarah und Philae haben
sich solche Kartuschen erhalten. Der ägyptische Isis- und Serapis-Kult
breitete sich in der gesamten griechisch-römischen Welt aus. Ägypten
war zudem ein wichtiges Zentrum des frühen Christentums und das erste
Zentrum des christlichen Mönchstums. Die koptische Kirche, die für den
Monophysitismus eintrat, spaltete sich im 5. Jahrhundert vom übrigen
Christentum ab.
Während des 7. Jahrhunderts wurde die Macht des
Byzantinischen Reiches von den aus Persien kommenden Sassaniden herausgefordert,
die Ägypten 616 n. Chr. eroberten. Sie konnten zwar 628 wieder vertrieben
werden, doch kurz darauf, 642, fiel das Territorium an die Araber, die mit dem
Islam eine neue Religion ins Land brachten und ein neues Kapitel der
ägyptischen Geschichte einläuteten.
Ägypten unter dem Kalifat
Da die koptischen Christen in Ägypten unter der
religiösen Intoleranz und der starken Besteuerung durch die Byzantiner zu
leiden hatten, setzten sie den arabischen Eroberern keinen nennenswerten
Widerstand entgegen. Daraufhin wurde ein Vertrag mit dem Kalifat unterzeichnet,
in dem sich die Ägypter zur Entrichtung einer Kopfsteuer (Jizyah)
verpflichteten und die Araber im Gegenzug die religiösen Praktiken sowie
das Existenzrecht und das Eigentum der Kopten anerkannten. Neben der Kopfsteuer
hatte die männliche Bevölkerung (schätzungsweise sechs bis acht
Millionen Menschen) die Kharaj zu bezahlen, eine Steuer, die auf
landwirtschaftlich genutztes Land erhoben wurde.
Interne
Auseinandersetzungen
Unter den Abbasiden-Kalifen wurden die Gouverneure immer
nur für kurze Zeit ernannt. Es kam zu einer Reihe von Aufständen, die
durch Konflikte zwischen zwei muslimischen Gruppierungen entstanden, die sich
hier niedergelassen hatten: die orthodoxe Mehrheit der Sunniten und die
Minderheit der Schiiten. Mehrmals erhoben sich auch die Kopten, um gegen die
übermäßige Besteuerung zu protestieren. Solche Aufstände
wurden vonseiten der Regierung meist mit Repression und Verfolgung beantwortet.
Die innere Lage verschlechterte sich gegen Ende des 8. Jahrhunderts so sehr,
daß sich eine Gruppe neuer Einwanderer aus Andalusien mit einem arabischen
Stamm verbündete und Alexandria belagerte. Die Belagerung wurde so lange
aufrechterhalten, bis ein Heer aus Bagdad eintraf und die Aufständischen
nach Kreta vertrieb. Die Aufstände der Kopten hielten an, bis es dem
Kalifen Abdullah al-Mamun mit Hilfe einer türkischen Armee gelang, die
Revolten 832 niederzuschlagen. Skrupellose Gouverneure beuteten die
Bevölkerung rücksichtslos aus. Das einzige Bollwerk gegen diese
Unterdrückung war der Kadi, der höchste Richter der
religiösen Gerichtsbarkeit, der das heilige Gesetz der Scharia bei
Machtmißbrauch und Habgier der Gouverneure anwendete. Der Handel
blühte, und Fustat wurde ein wichtiger Warenumschlagplatz.
Abfolge autonomer
Dynastien
Ab 856 ließ das Kalifat von Bagdad die Herrschaft
über Ägypten durch eine türkische Militäroligarchie
ausüben. 868 kam der 33-jährige Türke Ahmad Ibn Tulun als
Gouverneur ins Land. Tulun verschaffte Ägypten den Status einer autonomen
Provinz, die mit den Abbasiden nur mehr durch die Zahlung einer geringen
jährlichen Tributleistung verbunden war. Er gründete nördlich von
Fustat die Stadt El Katai („die Bezirke”). Unter seiner Führung
kam Ägypten zu neuem Wohlstand und konnte seine Grenzen bis nach Syrien
ausdehnen. Die Tuluniden-Dynastie herrschte 37 Jahre lang über ein Reich,
das Ägypten, Palästina und Syrien umfaßte.
Dynastie der Fatimiden
Nach dem Niedergang der Tuluniden fiel das Land in
Anarchie und wurde 969 von den Fatimiden erobert, einer Schiiten-Dynastie, die
sich 909 von der Autorität der Abbasiden gelöst und in Tunesien ein
eigenes Kalifat gegründet hatte. Mitte des 10. Jahrhunderts kontrollierten
sie den größten Teil Nordafrikas. Sie gründeten nördlich
von Fustat eine neue Stadt, Kairo, und machten sie zur Hauptstadt ihres Reiches.
Fustat, eine Großstadt mit einem hervorragenden
Abwassersystem, blieb jedoch auch unter den Fatimiden das Handelszentrum des
Landes. Ägypten erlebte eine Periode der Ruhe und des Wohlstands.
Unter den schiitischen Fatimiden lebten Schiiten und
Sunniten friedlich zusammen. Zu dieser Zeit wurde auch die älteste
Universität der Welt, die Al-Azhar-Universität, gegründet. Kairo
entwickelte sich immer mehr zu einem geistigen Zentrum.
Dynastie der Aijubiden
Die Zeit relativer Ruhe endete unter der Regierung der
späteren Fatimidenherrscher. Es kam zu Revolten in den Regimentern, die
sich aus Berbern und Sudanesen zusammensetzten. 1065 sorgte ein Niedrigwasser
des Nil für eine große Hungerkatastrophe. Durch den 1. Kreuzzug, der
zur christlichen Herrschaft über Syrien und Palästina geführt
hatte, war eine neue Bedrohung entstanden. Die Fatimidenkalifen wandten sich an
Nur ad-Din von Aleppo, der ihnen 1168 eine Armee zur Unterstützung gegen
die christlichen Kreuzfahrer schickte. Saladin, einer der Generäle Nur
ad-Dins, wurde als Wesir eingesetzt. 1171 vertrieb er die Fatimiden,
gründete die Aijubiden-Dynastie und stellte die Herrschaft der Sunniten in
Ägypten wieder her. Saladin eroberte den größten Teil Syriens
und Palästinas von den Kreuzfahrern zurück und wurde zum
mächtigsten Herrscher des Vorderen Orients. Seinem Neffen Sultan al-Kamil
(Regierungszeit 1218-1238) gelang es in den Jahren 1218 bis 1221 Angriffe der
Christen zurückzuschlagen. Doch nach seinem Tod war die Macht der Aijubiden
im Niedergang begriffen. Der 6. Kreuzzug, angeführt von König Ludwig
IX. von Frankreich, konnte 1249 mit Hilfe der Mamelucken abgewehrt werden. Bei
den Mamelucken handelte es sich um Militärsklaven in Diensten der
Aijubiden, die im Jahr darauf die Aijubiden stürzten und eine eigene
Dynastie begründeten.
Mameluckenherrschaft
Die erste Mamelucken-Dynastie der Bahriten herrschte bis
1382 über das Sultanat Ägypten. Die Erbfolge wurde häufig
mißachtet, und der Thron wurde von den mächtigen Emiren
(militärische Befehlshaber) beansprucht. Zu den zahlreichen bedeutenden
Herrschern gehörten Baibars I., der den Vormarsch der Mongolen nach Syrien
und Ägypten 1260 stoppte. Die Mamelucken konnten zwei weitere
Mongoleninvasionen zurückschlagen. Es gelang ihnen auch, die Kreuzfahrer
aus der Region zu vertreiben und Akko, den letzten christlichen Stützpunkt
in Palästina, 1291 einzunehmen. Gegen Ende des 13. und zu Beginn des 14.
Jahrhunderts reichten die Grenzen des Mameluckenreiches im Norden bis nach
Kleinasien.
Während der Herrschaft der Mamelucken kam es zu
einer Blüte der Kunst. Daneben wurde der Handel ausgeweitet; die
ägyptischen Gewürzhändler, die Karimi, waren die Fürsten
unter den Händlern und galten neben den Emiren als große
Förderer der Kunst.
Nach dem Tod des letzten großen Bahritensultans
al-Nasir 1341 begann der Niedergang des Mameluckenreiches. 1348 kam es wegen
einer Pestepidemie zu einem drastischen Bevölkerungsrückgang.
Die 2. Dynastie der Mameluckensultane, die Burdjiten,
waren tscherkessischer Abstammung, sie herrschten zwischen 1382 und 1517. Die
Zeit der Burdjitenherrscher war geprägt durch ständige
Machtkämpfe unter den Führungseliten. Aber trotz der Aufstände
und inneren Unruhen blieben die Mamelucken in Ägypten und Syrien an der
Macht. Es gelang ihnen, alle Invasionen zurückzuschlagen. Zu Beginn des 16.
Jahrhunderts gerieten sie dagegen unter Druck des Osmanischen Reiches, das
seinen Machtbereich kontinuierlich ausdehnte. 1517 marschierte schließlich
der osmanische Sultan Selim I. in Ägypten ein und eroberte es.
Türkenherrschaft
Obwohl die Herrschaft der Osmanen über Ägypten
nur bis zum 17. Jahrhundert dauerte, war das Land offiziell bis 1915 Bestandteil
des Osmanischen Reiches. Die Mamelucken wurden nicht vertrieben, sondern sie
wurden in der Verwaltung eingesetzt. Die Osmanen stellten einen Gouverneur und
stationierten sechs Ocaks (Regimenter) in Ägypten. Die
ländlichen Gebiete wurden als Kronländer betrachtet und in Parzellen
– so genannte Iqta – aufgeteilt, deren Ertrag an die
osmanische Elite abgeführt werden mußte.
Wiederaufstieg der
Mamelucken
Nach der Entdeckung des Seeweges nach Indien verfiel der
Wohlstand des Landes. Es kam zu erbitterten Verteilungskämpfen unter den
Ocaks um die Güter des Landes. Dabei büßten sie an Macht ein.
Diesen Umstand nutzten die Mamelucken umgehend, Mitte des 17. Jahrhunderts
hatten die auch Beis genannten Mameluckenemire ihre Vorherrschaft
sichergestellt. Sie teilten die Bodensteuern untereinander auf und besteuerten
die städtischen Zünfte, die mit den Ocaks verbündet waren, um den
Einfluß der Osmanen einzuschränken und die Einnahmen zu erhöhen.
Die Osmanen gaben sich mit dem System zufrieden, solange die Tributleistungen
pünktlich eingingen.
Die Macht des osmanischen Gouverneurs sank, und der
führende mameluckische Bei, Scheich al-Balad, galt als wahrer Herrscher des
Landes. Die Beis erhöhten die Steuern, um ihre Kriegszüge nach Syrien
und Arabien zu finanzieren. Die Mamelucken herrschten in Ägypten bis zum
Jahr 1798. Die letzten 30 Jahre des 18. Jahrhunderts waren gekennzeichnet von
Seuchen und Hungersnöten.
Die Zeit der Mehmed Alis
Die französische Besetzung Ägyptens 1798 durch
Napoleon Bonaparte bildete nur ein kleines Zwischenspiel in der Geschichte
Ägyptens. Die Kornkammern Oberägyptens blieben in der Hand der
Mamelucken. Die Invasion Napoleons scheiterte trotz einiger Siege über
türkische und mameluckische Heere, markierte aber den Beginn eines neu
erwachten Interesses europäischer Mächte an Ägypten. 1801 wurden
die Franzosen durch englisch-osmanische Truppen vertrieben. Auseinandersetzungen
zwischen Mamelucken und Osmanen um die Vorherrschaft ruinierten das Land, bis
Mehmed Ali, ein osmanischer Offizier albanischer Abstammung, mit
Unterstützung der einheimischen Bevölkerung die Macht übernahm.
1805 machte ihn der osmanische Sultan zum Gouverneur von Ägypten.
Mehmed Ali gelang es, all seine politischen Gegner
auszuschalten, bis er schließlich unumschränkter Herrscher des Landes
war. Um die Kontrolle über sämtliche Handelsrouten nach Ägypten
zu erhalten, führte er zahlreiche Eroberungskriege. Zunächst eroberte
er Al-Hijaz (auf dem Territorium des heutigen Saudi-Arabien) 1819, dann zwischen
1820 und 1822 das Territorium der heutigen Republik Sudan. 1824
unterstützte er den osmanischen Sultan bei der Niederschlagung einer
Revolte in Griechenland. Die europäischen Mächte intervenierten
jedoch, um den Vormarsch der Ägypter in Griechenland zu stoppen, und Mehmed
Ali war gezwungen, seine Truppen zurückzuziehen.
In seinem Land förderte Mehmed Ali die
Baumwollproduktion für die Spinnereien in Europa und verwendete die Profite
für den Aufbau einer Industrie. Er errichtete Handelsbeschränkungen,
um die heimische Industrie zu schützen. Er schickte die jungen Ägypter
zum Studium ins Ausland und warb europäische Spezialisten zur Ausbildung
des Militärs und zum Aufbau der Industrie an.
1831 marschierten die Truppen Mehmed Alis und seines
Sohnes Ibrahim Pascha in Syrien ein. Dadurch kam es zum Konflikt mit den
Osmanen. Die Ägypter besiegten die osmanischen Truppen und bedrohten 1833
Istanbul, die Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Wieder intervenierten
Rußland, Großbritannien und Frankreich, diesmal auf Seiten des
Sultans. Die Truppen Mehmed Alis zogen sich zurück, doch er behielt die
Macht über Syrien und Kreta.
Diese Expansion und die damit verbundene Kontrolle
über wichtige Handelswege brachte Ägypten in Konflikt mit
Großbritannien, das ein wachsendes Interesse am Nahen Osten als
Absatzmarkt für seine Industrieprodukte hatte. Zudem wollte
Großbritannien eine Schwächung des Osmanischen Reiches verhindern,
damit Rußland seinen Einflußbereich nicht bis zum Mittelmeer
ausdehnen konnte. Aus diesem Grund griffen die Briten 1839 auf der Seite der
Osmanen ein, als Mehmed Ali gegen die osmanische Vorherrschaft rebellierte. Man
bot ihm den erblichen Titel des ägyptischen Herrschers an, wenn er im
Gegenzug türkischer Vasall blieb und auf weitere Eroberungen verzichtete.
Staatsbankrott und
Fremdherrschaft
Nach dem Tod Mehmed Alis 1849 geriet Ägypten immer
mehr unter europäischen Einfluß. Sein vierter Sohn Said Pascha
unternahm den Versuch, die Regierung zu modernisieren, hinterließ bei
seinem Tod aber einen gewaltigen Schuldenberg. Sein Nachfolger Ismail Pascha
vergrößerte die Staatsverschuldung zusätzlich, indem er von
europäischen Banken hohe Kredite in Anspruch nahm, um die Entwicklung des
Landes voranzutreiben und den Suezkanal zu finanzieren, der 1869 für die
Schiffahrt eröffnet wurde. Diese Herrscher trieben das Land in den Bankrott
und machten es letztlich von den britischen und französischen Geldgebern
abhängig. 1876 übernahm eine britisch-französische Kommission die
Verantwortung für die ägyptischen Staatsfinanzen, und 1879 wurde
Ismail zugunsten seines Sohnes Tawfik Pascha abgesetzt. Um der Fremdherrschaft
ein Ende zu setzen, verübten Offiziere einen Staatsstreich. Tawfik rief
daraufhin die Briten um Hilfe, die Ägypten 1882 besetzten.
Ägypten unter britischer
Vorherrschaft
Für die Briten war Ägypten interessant
geworden, da die Route über den Suezkanal den Seeweg nach Indien erheblich
verkürzte. Die Zusicherung, das Land zu verlassen, sobald Ruhe und Ordnung
wieder hergestellt sind, wurde gebrochen; die britische Armee hielt das Land bis
1954 besetzt. Tawfik blieb zwar auf dem Thron, die tatsächliche Macht im
Staat lag aber beim britischen Generalkonsul. Der erste und bedeutendste
Generalkonsul war Sir Evelyn Baring (der nach 1892 als Lord Cromer bekannt
wurde).
Zur Zeit des Wechsels vom 19. zum 20. Jahrhundert
unterstützte Tawfiks Nachfolger Abbas II. eine von dem Juristen Mustafa
Kamil angeführte nationalistische Bewegung. Kamil trat für
Selbstverwaltung und eine Beendigung der britischen Besatzung ein.
Die ägyptische Landwirtschaft war damals so sehr
auf die Baumwollproduktion für die Spinnereien im englischen Lancashire
ausgerichtet, daß man zur Ernährung der Bevölkerung Getreide
einführen mußte. Um die landwirtschaftliche Anbaufläche zu
vergrößern, wurden Bewässerungsprojekte durchgeführt, und
im Lauf der Zeit konnten sämtliche Staatsschulden an die Briten
zurückgezahlt werden.
Das Versprechen der Briten, sich zurückzuziehen,
wurde nicht eingehalten, denn der Suezkanal wurde zum Kernstück der
britischen Verteidigungspolitik im Mittelmeer. Die Besatzung wurde 1904 sogar
international gebilligt, als Frankreich die britischen Rechte in Ägypten
anerkannte, während die Briten im Gegenzug die französischen Rechte in
Marokko anerkannten.
Ägypten als britisches
Protektorat
Der Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 beendete
zunächst den nationalen Widerstand gegen die Vorherrschaft der Briten in
Ägypten. Als die Türkei auf Seiten Deutschlands in den Krieg eintrat,
erklärte Großbritannien Ägypten zu einem Protektorat und setzte
Abbas II. zugunsten seines Onkels Hussein Kamil ab.
1918 wuchs der Widerstand der ägyptischen
Bevölkerung gegen die britische Fremdherrschaft.
Formelle Unabhängigkeit und
Monarchie
Die Zusagen der Alliierten, daß man den
Territorien des früheren Osmanischen Reiches Selbstverwaltung zugestehen
würde, nährte die Hoffnung der Ägypter auf Unabhängigkeit
nach dem Krieg. 1918 bildete sich der Wafd („Delegation”),
eine nationale Bewegung, die den Einfluß der Briten
zurückdrängen wollte. Diese Hoffnungen zerschlugen sich jedoch, als
sich die Briten weigerten, die Forderungen der Ägypter anzuerkennen, und
den Wafdführer Saad Zaghlul des Landes verwiesen. Es kam zu Aufständen
und blutigen Auseinandersetzungen, die bis 1922 dauerten. Ägypten wurde
formell eine unabhängige Monarchie unter König Fuad I. (dem Nachfolger
Sultan Husseins). Die Briten behielten sich jedoch das Recht vor, in die inneren
Angelegenheiten Ägyptens einzugreifen, sofern sie ihre Interessen
gefährdet sahen. Damit verweigerten sie den Ägyptern eine echte
Unabhängigkeit, und die britische Herrschaft blieb de facto erhalten.
1936 kam es schließlich unter dem Eindruck der
italienischen Invasion in Abessinien (siehe Italienisch-Äthiopischer
Krieg) zum Abschluß eines britisch-ägyptischen Vertrags. Die
Besetzung des Landes durch britische Truppen und deren Einmischung in innere
Angelegenheiten des Staates blieb aber bestehen.
Staatsstreich von 1952
Während des 2. Weltkrieges fanden keine politischen
Verhandlungen statt. Nach Kriegsende zogen sich die Briten aus Ägypten
zurück, nur im Gebiet um den Suezkanal blieben sie mit Truppen
präsent.
1948 kam es zum 1. Arabisch-Israelischen Krieg.
Ägypten und andere arabische Staaten versuchten, die Entstehung des Staates
Israel zu verhindern, erlitten jedoch eine Niederlage. 1952 gelang einer Gruppe
von Offizieren ein Staatsstreich, König Faruk I. wurde abgesetzt, und
Ägypten wurde 1953 zur Republik erklärt.
Die Ära der Republik
Der erste Präsident der Republik wurde General
Muhammad Nagib. Die eigentliche Macht lag jedoch bei Gamal Abd el-Nasser und dem
Revolutionsrat, der sich aus Offizieren zusammensetzte, die an dem Putsch
beteiligt waren. Im April 1954 wurde Nasser Premierminister. Im November
desselben Jahres wurde Nagib seines Amtes enthoben, und Nasser übernahm die
gesamte Exekutivgewalt. Im Juli 1956 wurde er offiziell zum Präsidenten
gewählt.
Die Ära von Nasser
Nasser verfolgte zunächst eine prowestliche Politik
und erreichte nach erfolgreichen Verhandlungen 1954 den endgültigen Abzug
der britischen Truppen aus Ägypten. Bald aber betrieb er eine Politik der
Neutralität und Solidarität mit anderen afrikanischen und asiatischen
Nationen und wurde ein Verfechter der arabischen Einheit.
Die Suezkrise
Da die westliche Welt Ägypten keine Waffen
verkaufen wollte, wandte sich Nasser an den Ostblock. Im Gegenzug wies die
Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Weltbank) den Antrag
Ägyptens auf einen Kredit zur Finanzierung des Assuan-Hochdammes ab.
Daraufhin verstaatlichte Nasser den Suezkanal und versuchte den Damm über
die Einnahmen aus dem Kanal zu finanzieren. Dadurch wurde der Suezkrieg
ausgelöst. Großbritannien und Frankreich, die beiden
Hauptaktionäre des Kanals, griffen 1956 in Kooperation mit Israel
Ägypten an. Auf Druck der USA und der UdSSR wurden die drei Staaten zum
Rückzug aus ägyptischem Territorium gezwungen, und es wurden
UNO-Friedenstruppen in das Gebiet entsandt. Siehe auch Suezkrise
Um seinen Traum von der arabischen Einheit zu
verwirklichen, setzte Nasser 1958 den Zusammenschluß Syriens und
Ägyptens unter der Bezeichnung Vereinigte Arabische Republik (VAR) durch.
Obwohl diese Republik nach nur drei Jahren wieder auseinander brach, behielt
Ägypten den offiziellen Namen der Republik noch mehrere Jahre bei.
Arabischer Sozialismus
Nasser führte das Einparteiensystem ein, abgesehen
von der Einheitspartei Arabische Sozialistische Union (ASU) waren politische
Parteien verboten. Eine Reihe von Gesetzen begrenzte den maximal zulässigen
Grund- und Bodenbesitz und beschnitt den Einfluß der
Großgrundbesitzer. 1961 wurden das investierte Auslandskapital und
regionale Industriebetriebe verstaatlicht. Diese neue Ordnung, die Nasser als
„arabischen Sozialismus” bezeichnete, zielte auf eine
größere soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliches Wachstum ab.
Die Kriege der sechziger
Jahre
1962 wurde Ägypten in den Bürgerkrieg im Jemen
verwickelt und unterstützte die Republikaner gegen die Monarchisten. 1967
sperrte Nasser die Meerenge von Tiran für israelische Schiffe und verlangte
den Abzug der UNO-Truppen. Die Israelis, die davon ausgingen, daß Nasser
einen Krieg vorbereiten wollte, schlugen zuerst zu und zerstörten die
ägyptischen Flugplätze und Stützpunkte auf dem Sinai. Die
israelischen Streitkräfte rückten bis zum Suezkanal vor. Dieser so
genannte Sechstagekrieg brachte Israel in den Besitz der gesamten
Sinai-Halbinsel. Der UNO-Sicherheitsrat erließ daraufhin die Resolution
242, in der die „Unzulässigkeit der Aneignung von Gebieten infolge
kriegerischer Auseinandersetzungen” betont und Israel zum Rückzug aus
den besetzten Gebieten aufgefordert wurde. Doch die Halbinsel Sinai blieb
weiterhin besetzt. Nachdem die Verhandlungen ergebnislos verlaufen waren, wandte
sich Nasser an die UdSSR, die Ägypten militärisch unterstützte
und im Gegenzug in Ägypten einen Flottenstützpunkt errichten durfte.
Nach dem Tod Nassers 1971 trat sein langjähriger
Vizepräsident Anwar as-Sadat seine Nachfolge an.
Die Ära Sadat
Der neue Präsident ließ politische
Häftlinge frei, die als Oppositionelle unter Nasser inhaftiert worden
waren, und betrieb eine Politik der wirtschaftlichen und politischen
Liberalisierung, auch der Presse, die unter Nasser mit Zensur belegt war.
Jom-Kippur-Krieg
Das Verhältnis zu Israel blieb gespannt. Sadat
versuchte über Verhandlungen einen Weg aus dieser Sackgasse zu finden. Als
die Verhandlungen keinen Erfolg brachten, bereitete er einen neuen Schlag gegen
Israel vor. Zunächst verbesserte er die Beziehungen zu den arabischen
Staaten, insbesondere zu Saudi-Arabien, das Waffenkäufe aus der Sowjetunion
finanzierte. Am 6. Oktober 1973, dem jüdischen Feiertag Jom Kippur und
während des Fastenmonats Ramadan, begannen die Ägypter einen massiven
Luft- und Artillerieangriff auf die andere Seite des Suezkanals und lösten
damit den Jom-Kippur-Krieg aus. Innerhalb weniger Stunden hatten Tausende
ägyptischer Soldaten den Kanal überquert und waren auf die
Sinai-Halbinsel gelangt. Unter einem Raketenschutzschirm, der die israelische
Luftwaffe ausschaltete, überrannten sie eine Reihe israelischer
Festungsanlagen, die so genannte Bar-Lev-Linie. Israel war völlig
unvorbereitet. Mitte des Monats gelang es den Israelis jedoch, die Initiative
zurückzugewinnen und ägyptische Einheiten in den Außenbezirken
von Suez einzukesseln. Die Vereinten Nationen veranlaßten eine Waffenruhe,
und schließlich wurde eine von UNO-Truppen sichergestellte
Waffenstillstandslinie zwischen den ägyptischen und den israelischen
Streitkräften vereinbart.
Annäherung an Israel
Auch wenn Ägypten den Krieg nicht gewinnen konnte,
wurden doch die Grenzen des Jahres 1967 erneut in Frage gestellt, und
Ägypten gewann wieder Kontrolle über den Suezkanal nicht zuletzt
aufgrund der Politik des amerikanischen Außenministers Henry A. Kissinger.
In den Jahren 1974 und 1975 vereinbarten Ägypten und Israel unter
Vermittlung Kissingers Verträge über den Truppenabbau auf der
Sinai-Halbinsel. Im Juni 1975 beendete Ägypten die Sperrung des Suezkanals
und genehmigte die Durchfahrt für Schiffe, die Waren für Israel
geladen hatten. Israel zog sich hinter strategische Linien zurück und gab
einige der Ölfelder auf der Sinai-Halbinsel auf.
Mittlerweile verschlechterte sich die wirtschaftliche
Situation in Ägypten. Zu Beginn des Jahres 1976 war das Land mit
geschätzten vier Milliarden US-Dollar bei der UdSSR verschuldet. Im darauf
folgenden Jahr forderte Sadat völlig überraschend die sowjetischen
Militärberater zum Verlassen des Landes auf und begann eine Annäherung
an die USA. Er erklärte, sie allein besäßen den Schlüssel
zum Frieden im Nahen Osten. Bei seinem Staatsbesuch in Israel am 19. November
1977 unterbreitete Sadat in der Knesset (dem israelischen Parlament) ein
Friedensangebot. Dieser historischen Reise folgten weitere Verhandlungen unter
Beteiligung der USA. Bei einer trilateralen Konferenz in Camp David im
US-Bundesstaat Maryland unter der Leitung des US-Präsidenten Jimmy Carter
im September 1978 einigten sich Sadat und der israelische Premierminister
Menachem Begin auf die Rahmenbedingungen für eine Lösung der
israelisch-ägyptischen Spannungen. Am 26. März 1979 wurde zwischen
beiden Staaten in Washington auf der Grundlage der Vereinbarungen von Camp David
ein Friedensvertrag geschlossen.
Ermordung Sadats
Ägypten wurde wegen seines Separatfriedens mit
Israel von der gesamten übrigen arabischen Welt scharf kritisiert. Unter
den radikaleren arabischen Führern galt Sadat als Verräter an der
arabischen Sache. Ägypten erhielt allmählich die Sinai-Halbinsel
zurück, aber bei den späteren ägyptisch-israelischen
Gesprächen über die Palästinenserfrage wurden kaum Fortschritte
erzielt. Ägypten wurde wegen des Friedensvertrags aus der Arabischen Liga
ausgeschlossen (1979), und der Sitz der Organisation wurde von Kairo in die
tunesische Hauptstadt Tunis verlegt. 1989 wurde Ägypten wieder aufgenommen,
und im folgenden Jahr wurde Kairo wieder Sitz der Organisation.
Bis zum Jahr 1981 mußte sich Sadat auch mit einer
immer größeren Opposition im eigenen Land auseinander setzen.
Insbesondere die muslimischen Fundamentalisten waren gegen die Einigung mit
Israel. Sadat reagierte schließlich, indem er Hunderte von Oppositionellen
festnehmen ließ und eine Pressezensur einführte. Am 6. Oktober 1981
wurde er während einer Militärparade zum Gedenken an den
Jom-Kippur-Krieg von Extremisten in Reihen seiner Leibgarde ermordet.
Ägypten unter
Mubarak
Nachfolger Sadats wurde der bisherige Vizepräsident
Hosni Mubarak. Er hielt sich an die Abmachungen von Camp David und sorgte
für eine politische Liberalisierung des Landes und für bessere
Beziehungen zu den anderen arabischen Staaten. Am 25. April 1982 war der
israelische Rückzug von der Sinai-Halbinsel abgeschlossen. Im Januar 1984
nahm Ägypten eine Einladung zur Teilnahme an der Islamischen Konferenz an.
Im April desselben Jahres erhielt die regierende Nationaldemokratische Partei
bei den ersten ägyptischen Parlamentswahlen unter Mubarak 87 Prozent der
Stimmen. Nach der Auflösung der Volksversammlung aufgrund eines Referendums
im Februar 1987 wurden Neuwahlen ausgeschrieben. Zwar konnte die
Nationaldemokratische Partei 338 von insgesamt 448 Sitzen gewinnen, aber dennoch
verzeichnete die Muslimbruderschaft große Stimmengewinne. In einem
Referendum im Oktober 1987 wurde Mubarak als Präsident bestätigt.
Nachdem sich Ägypten im Golfkrieg (1991) der von den USA angeführten
Koalition gegen den Irak angeschlossen hatte, wurden dem Land etwa die
Hälfte der Auslandsschulden in Höhe von 20,2 Milliarden US-Dollar
erlassen, der Rest wurde umgeschuldet.
1992 begannen muslimische Fundamentalisten mit
Übergriffen auf Regierungsbeamte, koptische Christen, Touristen und
unverschleierte Frauen. Ziel war es, die Regierung Mubarak zu stürzen und
eine Regierung auf der Grundlage der strengen islamischen Gesetze zu errichten.
Aufgrund dieser Übergriffe sanken zwischen 1992 und 1993 die Einkünfte
aus dem Tourismus um 42 Prozent. Die Regierung ging hart gegen muslimische
Extremisten vor und verhängte 1993 gegen 29 von ihnen die Todesstrafe. Bei
den Wahlen im Oktober 1993 wurde Mubarak für eine dritte Amtsperiode als
Präsident bestätigt. Die Gewalttaten islamischer Fundamentalisten
gegen Touristen hielten auch 1994 an. Am 14. Oktober desselben Jahres wurde der
Literaturnobelpreisträger Nagib Mahfus von Anhängern einer militanten
Untergrundbewegung schwer verletzt. Die Attentäter wurden am 29. März
1995 hingerichtet. Am 26. Juni entging Präsident Mubarak während eines
Besuchs im äthiopischen Addis Abeba nur knapp einem Attentat. Im Januar
1996 wurde Kamal Ahmed al-Gansuri neuer Ministerpräsident von Ägypten.
Die Anschläge militanter Islamisten auf öffentliche Einrichtungen und
Touristen hielten an. Besonders schwere Zwischenfälle ereigneten sich im
April 1996 und im September 1997 in Kairo sowie im November 1997 in Luxor; bei
diesen Anschlägen starben jeweils mehrere Menschen. Die Regierung
beantwortete diese Aktionen mit Massenverhaftungen von Islamisten und
verhängte gegen einige von ihnen Todesurteile.
Weiterhin sehr ernst nimmt Ägypten seine Rolle als
Vermittler im Nahostkonflikt. So legten führende Politiker im Juni 1997 ein
Kompromißpapier vor, das die Wiederaufnahme der für mehrere Monate
unterbrochenen Friedensgespräche ermöglichte.
(Q2 ; Q4 ; Q7)
Quellenangaben
Q2 dtv MERIAN Reiseführer (3. Auflage Juni
1990)
Q4 Encarta 98
Q5 Britannica 99
Q6 Munzinger-Archiv/IH – Länder
aktuell 18/97
Q7 Goldman Lexikon 1998 (Verlagsgruppe
Bertelsmann)
Q10 Encarta World Atlas 99
Q11 Munzinger-Archiv/IH –Länder
aktuell 27/98
Q13 Irgendein Ägyptenfilm.
Außerdem haben wir noch so einiges selbst
gewußt, weil wir beide einmal da waren...
Weitere interessante Ägypten-Adressen, von denen
wir kein Material benutzt haben:
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