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Fontane, Theodor: Iphigenie auf Tauris
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von Mathew und Andreas
Iphigenie auf
Tauris:
Inhalt:
Iphigenie stammt als Tochter des Agamemnon und der Klytämnestra aus
dem Geschlecht der Tantaliden, auf dem seit der Verstoßung des Tantalus
ein Fluch der Götter liegt. Auch Iphigenies Familie wurde durch ein
grausames Schicksal zerstört. Vor seinem Feldzug gegen Troja opferte der
Vater sie in Aulis, um seinen Schiffen günstigen Wind zu verschaffen. Diana
rettete Iphigenie vor dem Tod, und brachte sie jedoch in ihr Heiligtum bei den
Taurern, wo sie als Priesterin dienen muss. Thoas, der König der Taurer,
wird von ihr dazu veranlasst, den uralten Brauch, jeden Fremden auf dem Altar
der Diana zu opfern, abzuschaffen.
Doch Thoas beabsichtigt, Iphigenie zu heiraten. Sie lehnt den Antrag ab,
gekränkt durch ihre Weigerung, befiehlt der König, das Fremdenopfer an
zwei soeben an der Küste gelandeten Männern wieder zu vollziehen. Es
handelt sich um Iphigenies Bruder Orest und dessen Freund Pylades, die sich aber
zunächst nicht zu erkennen geben.
Von Pylades erfährt Iphigenie von den schrecklichen Ereignissen, die
sich während ihrer Abwesenheit in ihrer Familie zugetragen haben: Der
Gattenmord der Klytämnestra und der Muttermord Orests. Die Sühne
verkündete Apollo: „Im Heiligtum der Schwester sei Trost und
Hülf’ und Rückkehr dir
bereitet“ [1].
Erst im dritten Akt gibt sich Orest zu erkennen. Er akzeptiert seine
Opferung als unausweichliche Folge des göttlichen Fluches, der auf seiner
Familie lastet. Auf Veranlassung des Pylades ist Iphigenie jedoch zunächst
bereit, mit Orest und seinem Freund die Statue der Diana zu rauben und damit zu
fliehen. Sie erkennt aber bald dass sie nicht in der Lage ist den König,
der ihr vertraut, zu betrügen.
Im Konflikt zwischen Vertrauensbruch und Rettung des Bruders offenbart sie
sich schließlich dem König, der durch Iphigeniens Ehrlichkeit
veranlasst wird, die Heimfahrt zu gewähren.
Charakteristik:
Thoas:
Thoas ist ein Barbarenkönig, der eigentlich für seinen Stand sehr
verständnisvoll und einsichtig ist. Er ist als König seinem Volk
verpflichtet und ihm ist – genau wie Iphigenie – Schreckliches in
der Familie widerfahren. Durch den Tod seines Sohnes ist er in großer Not,
da er unbedingt einen Nachfolger braucht .
Aufgrund des Respekts vor Iphigenie hebt er den uralten Brauch der
Fremdenopferung auf. Mit der Zeit fühlt er sich immer mehr zu der
Priesterin hingezogen und überwindet sich dazu sie um ihre Hand zu bitten.
Obwohl ihm Iphigenie erklärt warum sie ihn nicht heiraten kann ist er sehr
verletzt und aus seinem Frust heraus stellt er sich gegen Iphigenie und will
wieder zu seinen alten barbarischen Bräuchen zurückkehren.
Dadurch, dass er Arkas den Auftrag gibt sie „auszuspionieren“
macht er klar, dass er ihr noch nicht hundertprozentig vertraut und noch ein
wenig Misstrauen in ihm steckt. Als ihm am Schluss Iphigenie die ganze
Wahrheit gesteht ist er wieder von ihrer Ehrlichkeit überzeugt und
beweißt in seinem Handeln Güte, Barmherzigkeit und vor allem
Größe.
Durch seine liebevolle und herzliche Art stellt er eine typische Vaterfigur
dar.
Iphigenie:
Iphigenie ist seit sie auf der Insel als Priesterin lebt, zwischen 2
Fronten. Einerseits hat sie die Sehnsucht nach ihrer Heimat, andererseits
fühlt sie in gewisser Weise dem König Thoas und den Taurern verbunden.
Durch Heimweh nach Mykene geplagt, findet sie sich so gut es geht mit ihrem
Schicksal ab, da sie ja der Göttin Diana verpflichtet ist.
Sie ist sich im Klaren darüber, dass sie mit einem Fluch belastet ist,
und nützt diese Tatsache zum Teil aus (Absage von Thoas’
Heiratsantrag).
Nachdem Pylades und Orest auf der Insel gestrandet, wird Iphigenie durch
Pylades in Versuchung gebracht, Thoas anzulügen. Sie jedoch sieht ein, dass
dieser Weg zur Flucht keine Lösung ist.
Iphigenies Ehrlichkeit macht es ihr unmöglich, dem König nicht
die Wahrheit zu sagen. Im Gespräch mit Thoas, gesteht sie alles, den
Fluchtplan, dass die Ankömmlinge ihr Bruder und sein Freund sind und diese
die Statue der Diana mitnehmen wollen. Sie weiß ganz genau, dass ihr
Geständnis über Leben und Tod entscheidet, sowohl ihr Leben als auch
das der Gestrandeten. Sie setzt die "reine Menschlichkeit" durch und
versöhnt beide Seiten. Die Priesterin ist sich bewusst, dass ihre Waffen
– die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit – mehr bewirken können,
als die „Schwerter der Männer“ und ihr nicht zur Flucht, aber
zur Abreise verhelfen werden. Das zeigt schon gewisse Emanzipation in ihr.
Orest:
Orest ist Iphigeniens Bruder und ist sehr verzweifelt über sein
Schicksal, mit dem Fluch leben zu müssen. Durch den Orakelspruch gewinnt er
neue Hoffnung auf eine Erlösung und macht sich auf die Reise um das Abbild
der Göttin Diana auf der Insel Tauris zu rauben. Er fürchtet den Tod
nicht, da der Fluch und der Muttermord auf ihm lasten, und sein Leben dadurch
nicht mehr lebenswert ist.
Im Gegenteil, er wäre froh über seinen Tod, weil es so keine
Nachkömmlinge gäbe, die mit dem Fluch beladen wären. Sein Freund
Pylades bringt ihn dazu, dass er seine generelle Ehrlichkeit vernachlässigt
und sogar zum Betrug bereit ist.
Obwohl er pessimistisch und um sein Leben frustriert ist, bemüht sich
Orest um seine Rettung und um seinen Auftrag.
Pylades:
Pylades ist der Cousin Orests und gleichzeitig dessen bester Freund. Er
bringt Iphigenie in eine unangenehme Lage, weil er sie als Werkzeug für die
Flucht benützen will.
Er ist im Gegensatz zu Orest voll Tatendrang und versucht seine Pläne
zum Wohle seiner Freunde umzusetzen. Er gibt nicht auf und greift sogar zu
Waffen.
Pylades lügt nicht wirklich, er ist nur listig (wie
Odysseus).
Redewendungen:
S. 5/Vers 6: Und es gewöhnt sich nicht mein Geist hierher.
S. 5/Vers 12: Das Land der Griechen mit der Seele suchend;
S. 7/Vers 76: Kann uns zum Vaterland die Fremde werden?
S. 10/Vers 213: Ein edler Mann wird durch das Wort der Frau weit
geführt.
S. 12/Vers 307: Du sprichst ein großes Wort gelassen aus.
S. 17/Vers 488: Dringst du in mich, dass ich mich fügen soll; und hier
dank’ ich den Göttern, dass sie mir die Festigkeit gegeben, dieses
Bündnis nicht einzugehen, dass sie nicht gebilligt
Grundprobleme:
- Iphigenie ist zwischen den Fronten –
zwischen Thoas und ihrer Heimkehr – gefangen.
- Thoas liebt Iphigenie, aber sie sieht ihn nur als
eine Vaterfigur an.
- Pylades versucht mit List von der Insel zu
flüchten und bringt Iphigenie in eine schwierige Lage.
- Aufgrund des Fluches, das auf dem Geschlecht des
Tantalus’ lastet, befürchten Orest und Iphigenie weitere
Schicksalsschläge.
Gegenwartswert:
Dieses Stück ist heute noch aktuell, weil es von Johann Wolfgang
Goethe verfasst worden ist, der eine besondere Gabe hatte seine Werke sprachlich
auszuschmücken und bildlich zu gestalten. Das Werk ist sicherlich heute
noch aktuell, allein weil Iphigenie in gewisser Weise eine „Vorreiterin
der Emanzipation“ ist, was in unserer Zeit immer mehr aufkommt.
Außerdem zeigt sich, dass Gewalt nicht immer eine Lösung
für ein Problem sein kann, sonder dass man mit Ehrlichkeit und
Aufrichtigkeit weitaus mehr zu erreichen in der Lage ist.
Aufbau und Sprache:
„Iphigenie auf Tauris“ ist ein Schauspiel von Johann Wolfgang
Goethe. Das Werk beginnt mit einem Monolog Iphigeniens. In diesem Monolog und im
darauffolgenden Gespräch mit Arkas beschreibt Goethe geschickt die
Hintergrundgeschichte.
Den Höhepunkt des Schauspiels bildet der Dialog zwischen der
Priesterin und Thoas. Darin sind viele Fragen und Klagen an Thoas gerichtet, zu
finden.
Das Werk ist ausschließlich in Plankversen verfasst worden und es
besteht aus fünf Aufzügen.
Eigene Meinung:
Andreas:
Ich benote dieses Werk aufgrund des für mich faszinierenden Inhaltes
mit einem „Sehr gut“. Zu diesem Entschluss kam ich, weil in diesem
Stück auch das Thema Emanzipation behandelt wird, was auch in unserer Zeit
sehr präsent ist.
Mathew:
Ich persönlich finde dieses Werk sehr gut, weil es – wie Andreas
schon erwähnte – gewisse Züge von emanzipiertem Verhalten in der
Figur der Iphigenie aufweist. Und gerade diese eher modernen Merkmale sind sehr
interessant (zu lesen), denn man erwartet sich solche nicht in einem so
„altertümlichen“ Werk.
[1] S. 20/ Vers 611 - 612
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