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Alleinleben - eine "neue" Lebensform?
Hausarbeit im Fach Sozialkunde
Alleinleben eine „neue“
Lebensform?
Gliederung
1. Einleitung
2. Abgrenzung des Begriffs
3. Statistische Betrachtungen
4. Situation der Alleinlebenden
4.1. wirtschaftliche Situation
- soziale Situation
- Alleinleben als neue Lebensform!
6. Eigenes Beispiel
.1. Einleitung
Um für diese Hausarbeit zu recherchieren, wählte ich mich ins
Internet ein und rief die Suchmaschine: Fireball auf. Beim Stichwort
„Single“ fand ich 76.950 deutschsprachige Einträge,
international waren 1.909.983 Artikel vorhanden. Allein die riesige Anzahl der
Beiträge unterstreicht das aktuelle Interesse an der Thematik. Beim
diagonalen Sichten der Beiträge verblüffte der Eindruck, dass sich die
weitaus größte Anzahl der Beiträge mit dem Wunsch nach
Beendigung des Singledaseins beschäftigen (Partnervermittlung, Ratgeber:
Wie finde ich den richtigen Partner,...). Ein weiterer großer Anteil der
Beiträge betrachteten das Singledasein als Last und beschäftigen sich
mit der Linderung des aktuellen Leidens: Selbsthilfegruppe: Allein im Alter,
Allein mit Kindern, Arm und allein,....
Positive Beiträge über das Alleinlebens kamen im vergleich dazu
selten vor, meist über Yuppies . Die Betrachtung des Themas mit dem
quantitativen Blick auf das Internet ist sicherlich weder repräsentativ
noch irgendwie wissenschaftlich verwertbar, macht aber neugierig, sich
näher mit dem Phänomen „Alleinleben“ zu beschäftigen
und bezeugt sicherlich das gesellschaftliche Interesse an dieser Entwicklung.
2. Abgrenzung des Begriffs
Der Begriff des Alleinlebenden wird abhängig von der Blickrichtung
unterschiedlich definiert. Hierbei werden häufig unterschiedliche
Personengruppen gemeint.
In der Debatte der 90er Jahre wurden Alleinlebende generell als Singles
bezeichnet. Dies führt dazu, dass über so unterschiedliche
Personengruppen wie
- junge berufstätige Partnerlose
- Bewohner von Wohngemeinschaften - Paare mit getrennten Wohnungen
("Living apart together") - unverheiratet zusammenlebende Paare -
Verheiratete, die aus beruflichen Gründen einen Zweitwohnsitz unterhalten
("Commuter Ehe") - Verheiratete, die sich getrennt haben, aber noch nicht
geschieden sind - geschiedene Väter, deren Kinder im Haushalt der Frau
leben - kinderlose, geschiedene Frauen - Alleinerziehende, deren Kinder
nur zeitweise im eigenen Haushalt leben - ältere Witwen bzw. Witwer.
Aussagen gemacht werden. (nach [3])
Das Statistische Bundesamt bezeichnet Alleinlebende als "Personen, die
für sich alleine in einem Haushalt wohnen und wirtschaften
(Einpersonenhaushalte) "
Ruediger Peukert [1] typisiert die Alleinlebenden mit Hilfe einer Matrix um
die heterogene Gruppe zu klassifizieren:
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Freiwillig
|
Erzwungen
|
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Befristet
|
Ambivalente
|
Hoffende
|
|
Unbefristet
|
Entschiedene
|
Resignierende
|
3. Statistische Betrachtungen
Wie oben schon vermutet, ist Alleinleben in Deutschland ein wichtiges
Thema, da es immer mehr Menschen betrifft. Statistische Betrachtungen weisen
nach, dass der Anteil der Einpersonenhaushalte bis 1989 stetig steigt. Zieht man
allerdings die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Anhang) hinzu,
stagniert der Anteil der Einpersonenhaushalte bis 1998 bei ca. 35 %. (1910:7,3%,
1989: 35,3%) Inwieweit hier allerdings die Wiedervereinigung mit der
unterschiedlichen Lebenssituation in beiden deutschen Staaten Einfluss auf die
Statistiken hatte, ist schwer einzuschätzen. Die in den 90er Jahren
vertretene Ansicht, dass der Trend wie bisher eher noch zunimmt scheint sich
nicht zu bestätigen.
Auf dem 25. Soziologentag 1990 prognostizierte BECK für die nahe
Zukunft einen Anstieg der Einpersonenhaushalte
(...)in Großstädten auf 70 % und
provozierte damit eine langanhaltende Debatte . Zehn Jahre danach stagnieren die
Zahlen eher. Sie bewegen sich annähernd auf dem gleichen Level wie Anfang
der 90er Jahre. [aus 3]
Auch ist auffällig, das die Verteilung der Alleinlebenden
abhängig vom Geschlecht ist. Während Männer häufiger in
jüngeren Jahren solo leben, führen Frauen im fortgeschrittenen Alter
häufiger einen Einpersonenhaushalt. Insbesondere steigt diese Lebensform
häufig bei Älteren signifikant an. Als Ursache wird die höhere
Lebenserwartung der Alten und deren zunehmend bessere finanzielle Situation
gesehen.
4. Situation der Alleinlebenden
4.1. wirtschaftliche Situation
Alleinleben ist teuer. Viele Einpersonenhaushalte verfügen daher
über mehr Geld als der Durchschnitt, einen sicheren Beruf, der ihnen
ermöglicht diese Lebensform zu wählen. Diese Ergebnisse
berücksichtigen nicht die Haushalte von „jungen
Einpersonenhaushalten“ , Menschen, die mit wenig Geld ausgestattet, aus
ihrem Elternhaus erstmals ausziehen oder die Gruppe der armen Älteren, die
unfreiwillig zu dieser Lebensform kommen. Untersuchungen finden viele
Alleinlebende in hochqualifizierten Berufen; insbesondere bei Frauen scheint
diese Lebensform karrierefördernd zu sein. Währenddessen kann sich bei
Männer, die sich das Alleinleben problemlos leisten könnten, das
Alleinleben nachteilig auf die Karriere auswirken. Von leitenden Angestellten
insbesondere in stark werteorientierten Branchen (z.B. Bankenbereich) wird eine
Ehe erwartet.
4.2. soziale Situation
Alleinleben bedeutet nicht den Verzicht auf eine Beziehungen. 50-75% aller
Alleinlebenden führen eine feste Partnerschaft. Während Frauen dabei
Wert auf eine dauerhafte und treue Partnerschaft legen und bei Fremdgehen eine
Trennung vorsehen, leben 30% der Männer als „swinging single“
mit mehr als einem Intimpartner. Sexuelle Promiskuität lässt sich
vorzugsweise in dieser Lebensform verwirklichen, was aber eher für
Männer von Bedeutung ist.
Außerhalb von Partnerschaften sind Alleinlebende auch sozial aktiver.
Sie haben einen größeren Freundeskreis, den sie intensiv pflegen.
Die Lebensform des Alleinlebens wird gesellschaftlich allerdings nicht so
akzeptiert, wie das Leben in der Kleinfamilie. Deutlich ist gerade aktuell zu
verfolgen, dass die Familie zur Zeit gesellschaftlich Boden gewinnt.
Insbesondere in der Presse bekommt man schnell den Eindruck, dass die
Rückkehr zur bürgerlichen Kleinfamilie überall favorisiert wird.
Die Ehe eines Boris Becker, eines Spice-Girls, eines Schuhmachers, des
Bundeskanzlers Schröder u.s.w. stehen im öffentlichen Interesse. Auch
renommierte Magazine wie DER SPIEGEL bemerken die Rückkehr zur Zweisamkeit
und prophezeien den Trend der Abkehr vom Singleleben [2]. Schwule und Lesben,
früher vehemente Verfechter alternativer Lebensformen, besinnen sich
zunehmend auf die Vorzüge der Familie und fordern dieses Recht auch
für sich.
Die Gesellschaft geht mit Alleinlebenden recht zwiespältig um:
einerseits werden sie um die Freiheiten, die ihr scheinbar ungebundenes Leben
ermöglicht, beneidet. Andererseits unterstellt man ihnen gleichzeitig auch
die Unfähigkeit, eine Bindung einzugehen und spricht ihnen die
Fähigkeit ab, einen Partner zu halten.
Auch die Alleinlebenden selbst sind häufig mit ihrer Situation
unzufrieden. Besonders beklagt wird häufig das Alleinsein, emotionale Leere
und fehlende Geborgenheit. R. Peukert schreibt, dass jeder zweite Single
zeitweise an seiner Situation leide. Man kann sogar einen Zusammenhang
herstellen zwischen dem Alleinleben und Selbstmordrate, Alkoholismus, der
Lebenserwartung. Anfang des Jahres fassten Zeitungen Zahlen des Statistischen
Bundesamtes unter der Überschrift zusammen: „Alleinlebende sind
häufiger krank.“
Im April 2000 waren elf Prozent der Verheirateten krank oder
unfallverletzt. Bei Geschiedenen betrug die Quote 16 Prozent und bei Verwitweten
24 Prozent.
Andere Untersuchungen ergaben hingegen keinen Zusammenhang zwischen dem
Singledasein und Depressionen, allgemeiner Lebenszufriedenheit,
Selbstwertgefühl und psychischen Wohlergehen im Allgemeinen.
5. Alleinleben als neue Lebensform!
Mit zunehmender Liberalisierung der Sexualmoral, wird es leichter, den Weg
des Alleinlebens einzuschlagen. Die Kirchen, die außereheliche Beziehungen
ablehnen, werden in der Bundesrepublik zunehmend unbedeutender.
Auch der steigende Wohlstand in Deutschland ermöglichte erst breiten
Schichten, diese Lebensform in Betracht zu ziehen. Die zunehmender Zahl von
Alleinlebenden bewirkt, dass sich die Wirtschaft auf Singles einstellt. Es
werden kleinere Verkaufsgrößen bei Lebensmittel angeboten, die Anzahl
der 1-2 Zimmer Appartements nimmt zu, Urlaubsangebote berücksichtigen
zunehmend mehr den Alleinreisenden. Die verlängerten Öffnungszeiten
ermöglichen auch dem alleinlebenden Berufstätigen angenehm einkaufen
zu gehen.
Erst die Fortschritte in der Technik, ermöglichen problemloser die
Haushaltsführung neben dem Beruf – Waschmaschine, Staubsauger,
Mikrowellenherde machen die Rollenaufteilung in Hausfrau und berufstätigen
Geldverdiener überflüssig.
Die Emanzipation der Frau, ihre zunehmende Berufstätigkeit, wachsendes
Selbstbewusstsein, sind weitere Bausteine, die für sie das Singleleben erst
ermöglicht.
Die Ehe wird zunehmend für viele Menschen unattraktiv. Die wachsenden
Scheidungsraten, insbesondere in Großstädten zeigen, dass die
traditionelle Familie vielfach nicht mehr funktionieren. Hier bietet sich,
für viele sicherlich auch nur zeitweise, im Alleinleben eine
erwägenswerte Alternative. Die Erfahrungen einer gescheiterten Ehe
fördert das Bedürfnis das Leben selbst zu gestalten.
Es ist der Wunsch vieler Menschen in Deutschland, ihr Leben nicht mehr, wie
ihre Eltern noch, in Kleinfamilien zu verbringen. Neben der Ehe, bzw. dem Leben
in einer Lebensgemeinschaft hat sich unstrittig das „Singledasein“
als neue Lebensform schon rein quantitativ als zweitwichtigstes Lebenskonzept
durchgesetzt. Ob der Anteil von ca. 1/3 noch erheblich steigen wird ist
spekulativ – gleichbleibend gute wirtschaftliche Bedingungen
vorausgesetzt, lässt sich diese Lebensform sicherlich nicht mehr
wegdenken.
6. Eigenes Beispiel
In meiner unmittelbaren Nachbarschaft lebt Frau R. Sie ist 72 Jahre alt,
noch verheiratet, lebt aber seit ca.15 Jahren alleine in zwei Zimmern in einer
Genossenschaftswohnung. Sie hat sich von ihrem Mann getrennt, nachdem er
mehrmals Affären mit anderen Frauen hatte, und sie keine Lust mehr, diese
weiter hinzunehmen. Die Miethöhe ihrer Wohnung ist moderat, ihre Rente
ausreichend, und so bereitet es ihr wirtschaftlich auch keine Schwierigkeiten
als Single zu leben. Zu Beginn ihrer Trennung, so berichtete sie, sei es ihr
sehr schwer gefallen, mit dem Alleinsein klar zu kommen, zumal sie keine eigenen
Kinder und auch keine weiteren Angehörigen in Berlin hat. Aber schon nach
kurzer Zeit genoss sie die rauchfreie Wohnung, die zeitliche
Unabhängigkeit, die freie Möglichkeit der Freizeitgestaltung. Sie
suchte sich neue soziale Kontakte in ihrer neuen Umgebung, betreute neben ihrer
Arbeit als Verkäuferin einige Kinder in der Siedlung. Sie ist inzwischen,
seit einigen Jahren Rentnerin, auch die „Oma“ meiner 13
jährigen Tochter – nimmt rege an deren Leben und Problemen teil.
Auch die anfängliche Unsicherheit – „Soll das jetzt mein
Leben gewesen sein?“ – wich zunehmend der Überzeugung, so
besser zu leben. Regelmäßig in der Nebensaison, nimmt sie
günstige „Single-“ Reiseangebote nach Spanien war, bringt den
Kindern aus der Nachbarschaft kleine Geschenke mit.
Inzwischen hat sich auch wieder ein lockerer Kontakt zu ihrem Mann
ergeben. Er lebt inzwischen in einem Altersheim – sie besucht ihn in
größeren Abständen.
Literatur
- Rüdiger Peukert: Familienformen im sozialen Wandel, Opladen 1991
- Spiegel, Nr.43/2000 „Die neue Zweisamkeit
- www.single-dasein.de
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