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Lessing, Gotthold Ephraim: Nathan der Weise (Tempe
Tempelherrcharakteristik
Der Tempelherr vertritt in diesem Buch, „Nathan der Weise“ von
Gotthold Ephraim Lessing, die christliche Religion, also das Christentum.
Sein richtiger Name ist Leu von Filnek, er wird aber fast immer Tempelherr
oder Conrad von Stauffen genannt. Dies ist jedoch nur sein Adoptivname.
Aufgezogen wurde er von seinem Onkel. Seinen leiblichen Vater, den er selbst nie
kennen lernte, ist Assad, der verschollene Bruder des Sultans Saladin.
Conrad von Stauffen wuchs in Deutschland auf. Er kam im Kampf gegen die
Moslems mit seinem Orden nach Palästina. Dort wurde er allerdings zusammen
mit anderen Tempelritttern von den Truppen des Sultans gefangen genommen. Sultan
Saladin ließ alle Tempelritter hinrichten, begnadigte aber den Tempelherrn
selbst . Saladin war fest davon überzeugt das er große
Ähnlichkeit zu seinem verschollenem Bruder hat. Diese Tatsache rettete dem
Tempelherrn das Leben.
Der Tempelherr ist ein junger Mann mit männlicher Ausstrahlung. Er
zeigt sich sehr Selbstbewusst durch sein sicheres Auftreten (S.45 Nathan:
“Ein Jüngling wie ein Mann. Ich mag ihn wohl den guten, trotzgen
Blick! Den prallen Gang!...“). Am Anfang wirkt er ziemlich kalt und
unberührt von dem was geschehen ist. Dazu stellt er sich auch noch sehr
spöttisch und verächtlich gegenüber anderen Religionen (S.45
Tempelherr: „Was, Jude? Was?“). Hochnäsig und stur klammert er
sich an das Christentum und vertritt die Regeln seines Ordens.
Er rettete zwar Nathans Tochter Recha mutig und kühn vor dem Feuer aus
ihrem Haus. Jedoch scheint er später diese Tat wieder zu bereuen, da er
jeden Dank und jedes Lob spöttisch ablehnt, nachdem er erfuhr das Recha
eine Jüdin sei.(S. 46 Tempelherr: „Wenn zu danken .- sparts! Ich
hab’ um diese Kleinigkeit des Dankes schon zu viel erdulden
müssen...- wenn’s auch nur das Leben einer Jüdin wäre.
„)
Diese anscheinliche Sturheit des Tempelherren ist jedoch schon
erschüttert durch die Ehrfurcht vor dem Sultan Saladin, welcher ihm das
Geschenk des Lebens machte. Nach der Begegnung mit dem jüdischen Nathan
hinterfragt er zum ersten Mal seine Religion und versucht sich eine eigene
Meinung zu bilden. Die weisen Worte mit welchen Nathan aufrichtig zu ihm sprach
verwirrten den Tempelherrn zusätzlich, wobei er sich trotzdem in seinem
Innern angesprochen fühlte. Neue Erkenntnisse gewinnt Conrad im
Gespräch mit Nathan vor allem zu Glaubensfragen und den eigentlichen
Werten eines Menschen und nicht seiner Religion (S. 49 Nathan: „Sind
Christ und Jude eher Christ und Jude, als Mensch?“). Gleichzeitig hilft
Nathan ihm durch diese kleine „Erziehung“ bei seiner Suche nach
einer eigenen Identität (S.49 Nathan:“ Wir haben beide uns unser Volk
nicht auserlesen. Sind wir unser Volk? Was heißt denn Volk?“).
Langsam begreift der Tempelherr nun das man nicht die Religion sondern den
Menschen sehen soll, und bietet so Nathan seine Freundschaft an und will sogar
Recha kennen lernen.
Bei seiner ersten richtigen Begegnung mit Recha, der Tochter Nathans, nimmt
er sie zum ersten mal richtig wahr. Ihre Anmut und ihre Ehrlichkeit beeindrucken
ihn zu tiefst und er verliebt sich leidenschaftlich in sie (S. 77 Tempelherr:
„Von ihr getrennt zu leben, ist mir ganz undenkbar, wär’ mein
Tod.“) Allerdings ist er noch sehr unsicher und aufgewühlt.
Zusätzlich verwirren ihn die christliche Herkunft Rechas und die dadurch
angeblich erzwungene jüdische Erziehung. Durch diese vielen Dinge
fühlt er sich extrem verunsichert und sucht zuerst Rat beim Patriarchen.
Diesen sieht er als wahrhaftigen Vertreter Gottes (S. 88 Tempelherr:
„Weil er das Vorrecht hat, sich zu vergehn..., ...ein gerader frommer
lieber Mann.“). Zum Ärger des Patriarchen gibt er Nathans Namen aber
nicht preis und stellt alles nur als eine Theorie dar. Diese Machtbesessenheit,
Sturheit und das verlangte blinde Vertrauen stößt den Tempelherren ab
(S. 93 Patriarch: „Tut nichts! Der Jude wird verbrannt...- Zudem was hat
der Jude Gott denn vorzugreifen? Gott kann, wenn er retten will, schon ohn ihn
retten.“).
Nach diesem Fehlschlag versucht er beim Sultan Saladin Rat. Er bittet ihn
Nathan zu überreden ihm doch Recha zur Frau zu geben. Außerdem bietet
er dem Sultan seine Dienste an und verrät ihm die christliche Herkunft
Rechas.
Bevor aber Saladin alles veranlassen kann erfährt der Tempelherr von
seiner eigenen Herkunft und das er Recha nicht heiraten kann, da sie seine
Schwester ist. (S. 137 Tempelherr: “Ihr nehmt und gebt mir, Nathan! Mit
vollen Händen beides! Nein! Ihr gebt mir mehr als ihr mir nehmt! Unendlich
mehr!“). Mit diesen Worten macht er deutlich, dass ihm eine seelische
Verbindung zu ihr wichtiger ist als eine körperliche Beziehung.
Der Tempelherr vollzieht in diesem Buch eine große Veränderung
in seinem Wesen. Zuerst ist er stur und akzeptiert neben dem Christentum keine
andere Religion. Nachdem er vom Sultan begnadigt wurde rettete er Recha aus dem
Feuer, was er später jedoch wieder bereut. Nach dem langen Gespräch
mit Nathan sieht er viele Dinge klarer und befreundet sich mit Nathan. Er
toleriert jetzt auch andere Religionen. Als er sich aber in Recha verliebt,
Nathan aber zögert sie ihm zur Frau zu geben, da er sein Herkunftsgeheimnis
ahnt. Dieses Zögern verärgert den Tempelherrn und erzählt dem
Patriarchen fast Rechas Herkunft. Als er aber von der Art des Patriarchen
abgestoßen wird geht er zum Sultan, diesem verrät er allerdings das
Geheimnis. Dieses Verhalten des Tempelherrn zeigt das er ein sehr impulsiver
Mensch ist, der nicht immer vorher überlegt was er tut. Zum Schluss wendet
sich aber alles wieder zum Guten und die verstickten Beziehungen klären
sich auf.
Der Am Anfang die strengen, christlichen Regeln befolgende Tempelherr
symbolisiert die politischen Zustände der damaligen Zeit. Die Verachtung
gegenüber Menschen mit einer anderen Religion zeigt die Gefahren von zu
festem Glauben oder religiöser Besessenheit. Mit der Haltungsänderung
des Tempelherren versucht Lessing den Menschen zu zeigen das die wahren Werte
eines Menschen viel wichtiger sind als seine Religion. Der Glaube des Einzelnen
soll akzeptiert werden. In diesem Buch spricht Lessing eine Thematik an, welche
auch heute noch eine aktuelle Bedeutung hat.
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