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Tucholsky, Kurt
Kurt Tucholsky wurde am 9.1.1890 in Berlin geboren. Er
stammt aus einem
wohlhabenden jüdischen Elternhaus und verbring
seine Jugend in Berlin und
Stettin.
Aber schon früh bröckelt die Beziehung zu
seiner Mutter, spätestens zum Tod
seines Vaters im Jahre 1905, also mit 15 Jahren sagt
Tucholsky dass seine
Mutter eine herrschsüchtige Frau
ist.
Er ist sehr viel allein und beginnt nun auch zu
schreiben. Im zartem alter
von 17 veröffentlicht er im "Ulk", einer
satirischen Beilage des "Berliner
Tageblatt" ein Märchen. In diesem Märchen geht
es um einen wohlhabenden
Kaiser der im Besitz einer Flöte ist, wenn man
durch eines der Löcher in die
Flöte hineinsieht, dann sieht man wunderbare
Landschaften, Bauern und ein
wunderbaren blauen Himmel, und was tat der Kaiser mit
der Flöte? Er pfiff
drauf,...
Mit diesem Gedicht wollte er drauf hinweisen das der
damalige Kaiser,
Willhelm der II nichts für Kunst und der Gleichen
übrig hatte.
An den Beruf des Schriftstellers dachte Tucholsky
vorerst jedoch nicht.,
obwohl das Gedicht bei den Zeitgenossen anklang gefunden
hatte.
1911 hatte er dennoch einige Artikel im
sozialdemokratischen "Vorwärts"
veröffentlicht und 1913 schrieb er auch für
die "Schaubühne"
Zu der Zeitung die "Schaubühne" ist nur soviel zu
sagen dass sich die
Autoren als Repräsentanten des Geistigem
gegenüber der politischen Macht
verstehen.
Tucholsky hat nun ein sehr gutes Verhältnis zu
Siegfried Jacobsohn, dem
Herausgeber der "Schaubühne", er bezeichnet diese
Beziehung als eine Art
"Vater-Sohn Beziehung". Tucholsky verachtet nun auch
einen materialistischen
Lebensstill der Gesellschaft, trotzdem legt er
großen Wert auf sein äußeres
und läst sich nur Anzüge nach Maß
schneidern.
In den Jahren 1993 und 1994 beschäftigt Tucholsky
sich hauptsächlich mit
Kabaretts, ein Kabarett ist eine Art der
Theateraufführung, Revue, eine
Mischung aus Show und Theater mit Tanzeinlage, Theater
selbst und mit
Filmen. Aber schon wenige Monate später beginn
Tucholsky unter Pseudonymen
zu schreiben.
Es wird sehr oft gesagt das dass ein Ausdruck einer
zerreisenden
Persönlichkeit ist, aber es hat auch durchaus einen
sehr praktischen Nutzen:
1. Eine Wochenschrift mag nicht 4-5 Artikel eines
Schriftstellers vorweisen.
2.Wer in Deutschland traut einen politischem
Schriftsteller Humor zu, wer
dem Satiriker Ernst und wer dem Verspielten Kenntnis des
Strafgesetzbuches
??? Wohl niemand...
Seine Pseudonymen sind: Theobald Tiger, der für
alle Arten von Versen
zuständig ist, Peter Pan, der vor allem
Feuilletonist, Literaturkritik und
Städteschilderer war und Ignaz Wrobel der fast
ausschließlich politische
Aufsätze schrieb.
Nach 1918 kommt in der "Weltbühne" noch Kasper
Hauser hinzu weil Theobald
Tiger an den "Ulk" verkauft ist, nach Tigers
Rückkehr wird Hauser Verfasser
von in Umgangsprache verfassten Satiren. Die
literarische Produktion von
Tucholsky läuft auf Hochtouren, er schreibt nun
für ca. 15 Zeitungen.
Seinen großen Durchbruch erzielt er jedoch nicht
mit den Zeitungsartikel
sondern mit dem 1912 erschienen Buch "Rheinsberg", in
dem es um ein
Liebespaar namens Claire und Wolfgang geht die ein
romantisches Wochenende
auf dem Land verbringen. Dieses Buch lässt alle
Moralvorstellungen des
Spießbürgertums weg, da er völlig
unbeschwert über das ausgeprägte
Sexualleben der Zwei berichtet.
1911 besuchte Tucholsky Franz Kafka in Prag, nach Kafka
ist Tucholsky ein
"ganz einheitlicher Mensch", der allerdings "angst vor
einer "Verwandelung
ins Weltschmerzliche" hat. Tucholskys stark
ausgeprägter Pessimismus wird
durch die Lektüre Schoppenhauers, von der er vor
dem Krieg "jede Zeile"
ließt.
Tucholsky hat, wie er selber sagt, "keinen blassen
Schimmer vom politischem
Instinkt und weiß auch gar
nichts".
Der Erste Weltkrieg beginnt... "und da versank die ganze
Welt"
"Ich habe mich 3, 1/2 Jahre im Krieg gedrückt",
Tucholsky Kriegsschicksal
ist nicht sehr spektakulär, 1915 in den Krieg
eingezogen, ausgebildet, in
dem Stellungskrieg eingesetzt, 1916 zum Unteroffizier
der Fliegerschule
befördert, 1916 wird er Herausgeber der
Heereszeitschrift "Der Flieger" und
1918 wird er in die Polizeistelle nach Rumänien
versetzt, dort bleibt er bis
zum Kriegsende. Tucholsky reagiert auf den Krieg nicht
politisch, sondern
mit einer Kapitulation, er kehrt ganz tief in sein
Inneres. Von dem
Kriegsbeginn an veröffentlicht er 2 Jahre keinen
einzigen Satz. Der Krieg
hat Tucholsky sehr zu schaffen gemacht, nicht nur seine
literarische
Karriere litt unter den Folgen des Krieges sondern auch
seine Psyche, Kurt
Tucholsky ist bis zu dem Krieg der festen
Überzeugung gewesen dass der Geist
über der Macht überlegen ist, aber nun ist
seine gesamte Weltanschauung in
Frage gestellt. Tucholsky wendet sich nun von
Deutschland ab und schreibt
Kunstmärchen wir "Die Einsiedlerschule" oder
"Walpurgisnacht" die 1920 im
Band ""Träumereien an preußischen Kaminen"
erscheinen.
Tucholsky schreibt immer noch für "Den Flieger",
aber wie er sagte, mit
"größtem Wiederwillen", Tucholsky
veröffentlicht seine Werke Anonym.
Tucholsky scheint nun politisch uninformierter und
desorientierten denn je
zu sein, er konnte nicht auf die Frage ob es für
Deutschland besser wäre
aufzugeben oder den Krieg weiter zu führen
antworten.
1918 kehrt Tucholsky nach Berlin zurück und wird
Chefredakteur des "Ulk".
Tucholsky arbeitet wieder, er arbeitet richtig hart, in
jeder Ausgabe der
"Weltbühne" kann man im Jahre 1919 mindestens 3-4
Veröffentlichungen
Tucholskys lesen.
Nach dem Novemberumsturz tritt Tucholsky für Geist
und Demokratie ein, was
Tucholsky jedoch unter Demokratie versteht lässt
sich irgendwo bei einer
"Sache des Herzen" definieren. Tucholsky schreibt nun
sehr viele politisch
orientierte Aufsätze, er kritisiert das
Militär und die politische Justiz,
die seine Aufsätze, sowie die Aufsatzreihen
ebenfalls angreift.
Tucholsky hat immer noch ein sehr großes
politisches Problem, er kann sich
einfach nicht orientieren, erschwankt ziellos zwischen
den Linken und
Rechten, er ist für und gegen alles und gar
nichts...
In der jetzigen Nahkriegszeit wird die Unterhaltung der
Gesellschaft durch
Kabaretts, er gilt als einer der, wenn nicht der,
gefragtesten und besten
Kritiker in Berlin. Aber der schein trügt, jeder
würde denken das ein so
hoch angesehener und gefragter Schriftsteller
glücklich sein müsste, aber
Tucholsky war tot unglücklich. Ohne seine Briefe
wüssten wir das heute nicht
wie und warum er unglücklich war. 1919 schrieb er
dass diese "gottverlassene
Stadt" ihn lähmt und er "je eher, je lieber aus
Berlin fort, in die
Einsamkeit" will. Aber auch mit seinen
schriftstellerischen Arbeiten ist er
sehr unzufrieden, er fühlt sich zum "Handwerker
degradiert" und berichtet
1922 von schweren Depressionen. Kurt Tucholsky hat einen
fehler gemacht, er
hat eine Publikationsverpflichtung unterschrieben, das
heißt dass er eine
gewisse Anzahl von Artikel oder Aufsätzen pro Woche
veröffentlichen muss,
dass hatte zwar finanzielle Vorteile aber es hat auch
seiner Kreativität
einen schweren schlag versetzt.
1923 kam die Inflation und kein Schriftsteller konnte
nun mehr von schreiben
allein leben, auch Tucholsky nicht, er wurde
Privatsekretär in einer
Berliner Bank und verstummte als
Schriftsteller.
1924 geht Tucholsky als Korrespondent der
"Weltbühne", der "Vossischen
Zeitung" und des "Prager Tageblatt" nach Paris. Er hofft
mit dem Ortswechsel
auch seine privaten Probleme zu lösen, aber seine
Frau lässt sich von ihm
scheiden, aber schon im September heiratet er Mary
Gerold, die er seit 9
Jahren kennt.
Tucholsky war erst von Frankreich fasziniert, aber schon
bald kam die
Ernüchterung, Dadaismus und Surrealismus hält
er für "Chichi". Tucholskys
wichtigen literarischen Erfolge zur Zeit des
Frankreichaufenthalts war unter
anderem das Pyrenäenbuch und eine Menge von
größeren und kleineren Skizzen
der Umgebung.
Tucholsky fängt nun an sogenannte Schnipsel in der
"Weltbühne" loszulassen,
diese Schnipsel waren kurze Sätze mit einer sehr
unerwarteten Pointe
"Der Mensch ist ein Wesen, das klopft, schlechte Musik
macht und seinen Hund
bellen lässt. Manchmal gibt er auch Ruhe- aber dann
ist er tot."
Tucholsky befasst sich von Frankreich aus stärker
denn je mit der deutschen
Politik, er schenkt den Verträgen von Rapallo und
Locarno kein Vertrauen.
Nach der Wahl Hindenburgs 1925 strukturiert Tucholsky
seine politische
Strategie völlig neu, aber schon in den 30'ern gibt
er auf...
Um 1939 etwa ist Tucholsky zu der Einsicht gelangen,
dass die Weimarer
Republik weder auf revolutionärem Wege zu
verändern noch in bestehender Form
zu retten ist. Tucholsky scheint wider depressiv zu
werden, er rutsch immer
mehr in die Rolle des objektiven Beobachters, seinem
Bruder teilt er mit
dass er kaum noch politische Beiträge liefert "weil
mich das ganze nicht
mehr interessiert. Ich habe es satt."
Tucholsky hat sich kaum mit den NS beschäftigt,
die einigste Ausnahme ist
"Der Hellseher" und ein Kommentar: "Satire hat eine
Grenze nach oben: Buddha
entzieht sich ihr. Satire hat auch eine Grenze nach
unten. In Deutschland
etwa die faschistischen Mächte. Es lohnt nicht- so
tief kann man nicht
scheißen."
Tucholsky schwere psychische Kreise vertieft sich nun
durch das Gefühl
versagt zu haben da er die Gesellschaft nicht zu einer
revolutionären
Veränderung der WR bewegen konnte. Am 3. Dezember
1926 stirbt sein beinahe
Vater Siegfried Jacobsohn, die Mitarbeiter der
"Weltbühne" drängen Tucholsky
nun Chefredakteur zu werden. Tucholsky akzeptiert das
Angebot auch wenn er
es wahrscheinlich nur für den verstorbenen
Jacobsohn getan hat. Schon 2
Wochen später schreibt er zu seiner Frau "Ich werde
da in Sachen gedrängt,
die ich längst überwunden habe- ich mag nicht
mehr". Mitte 1927 gibt
Tucholsky die Chefredaktion an Carl von Ossietzky ab.
Als er nach Frankreich
zurückkehrt macht er eine erschreckende
Bemärkung:
"Ich bin leer wie ein altes Faß", zu seiner
schweren Produktionsriese kommt
noch eine private Kreise hinzu, seine bereits 2. Ehe,
diesmal mit Mary
Gerold, zerbricht.1929 gibt Tucholsky seine Wohnung in
Paris auf und wählt
seinen ersten Wohnsitz in Hindas. In dem Werk "Ab durch
die Mitte" denkt er
über den Ausstieg aus seinem bisherigen Leben nach.
Aber er findet den lang
ersehnten Ausstieg nicht, er flieht vor sich indem er
viel Reist und immer
neue Bekanntschaften macht.
Zu seiner angeschlagenen Psyche kommt nun auch ein
physisch Angriff, eine
schwere Stirnhöhlenvereiterung die trotz
zahlreicher Operationen ihn bis zu
seinem Tod begleiten wird macht ihm zu
schaffen.
Doch ironischer Weise ist die Zeit seines Leidens die
Zeit seiner größten
literarischen Erfolge, die Werke "Mit 5 PS", "Das
Lächeln der Monalisa" und
"Lerne lachen ohne zu weinen" verkauften sich jeweils im
Erscheinungsjahr
ca. 30 000 mal.
1929 erscheint das Buch "Deutschland, Deutschland
über alles", dieses Buch
war ein Bilderbuch mit vielen Fotographien von John
Heartfield und verkaufte
sich im ersten Jahr ca. 50 000 mal.
Doch sein größter Erfolg sollte noch kommen,
"Schloß Gripsholm" , Tucholsky
bezeichnet sich selbst als einen "der bestbezahltesten
deutschen
Journalisten", und er hat Recht.
Doch auch seine grandiosen Erfolge können ihn nicht
aufmuntern, er misst
seinen Erfolg nach eigenen Angaben nicht am Erfolg des
Schriftstellers
sondern an der Wirkung auf die Leser.
Ab 1932 beginnt Tucholsky zu schweigen, er
veröffentlicht nichts mehr, aber
er schreibt sehr viele Briefe, die wichtigsten an Walter
Hasenclever, an
Mary Gerold und an "Muuna". Die Briefe von Tucholsky
sind wohl die
wichtigsten Fundstücke für die Nachwelt da man
aus ihnen ganz klar und
deutlich lesen kann wie er gerade denk, fühlt und
was er plant. Er schrieb
unmengen an Briefen zwischen den zwei Weltkriegen,
einige veröffentlichte er
zu Lebzeiten in der "Weltbühne", z.B. den an eine
Katze namens Mingo:
"an alles was schön ist und rätselhaft,
überflüssig und geschwungen,
unergründlich und einsam und ewig getrennt von uns:
also an Katzen und das
Feuer und das Wasser und die Frauen."
Am 25.8.1933 wir Kurt Tucholsky ausgebürgert, seine
Bücher werden verbrannt
und verboten, Tucholsky beschäftig sich mit dem
dänischen Philosophen
Kierkegaard und politischen Werken, rutscht aber immer
tiefer in
Depressionen. "Die Welt, für die wir gearbeitet
haben und der wir angehören,
existiert nicht mehr." schreibt er an Walter
Hasenclever.
Am 21.12.1935 nimmt der am 9.1.1890 in Berlin geborene,
45 Jahre alt
gewordene, vielfältigste und beste Autor seiner
Zeit sich wegen, so besagt
eine Theorie, seinen "Leiden an Deutschland" mit einer
Überdosis
Schlaftabletten das Leben...
von Daniel Martini
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