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Nietzsche, Friedrich
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Friedrich Nietzsche wurde am 15. Oktober
1844 im Pfarrhaus von Röcken geboren. Das kleine Dorf
Röcken liegt an der Straße zwischen Leipzig und Weißenfels ,
gehörte aber zum Preußischen Teil Sachsens. Am 24. Oktober wurde
Nietzsche in der Kirche von Röcken von seinem 31- jährigen Vater(Carl
Ludwig N.) auf den Namen Friedrich Wilhelm getauft.
Zum Pfarrhaushalt in Röcken gehören aus der
Familie des Vaters noch dessen Mutter Erdmuthe sowie dessen Schwestern Auguste
und Rosalie, sowie das Hausmädchen Mine. Ebenso wie Friedrichs Vater stammt
auch seine Mutter aus einer Pfarrfamilie.
Genealogische Forschungen machen plausibel, daß
die Genialität Friedrich Nietzsches viel mit seiner Herkunft aus der
geistigen Sphäre des Protestantismus zu tun hat.
Obwohl man in Röcken in
bäuerlich-provinziellen Umgebung wohnte, pflegt man in beiden
Pfarrerhaushalten bürgerliche Kultur, insbesonders die Musik und die
Literatur wurde sehr hoch geschätzt.
Die ersten Lebensjahre Friedrich Wilhelm Nietzsches,
familiär auch Fritz genannt, in Röcken muß man sich als Idylle
vorstellen.
Zwei Jahre nach Friedrich Wilhelm wird 1846 die
Schwester Elisabeth Nietzsche geboren, 1848 der Bruder
Joseph zerbricht das Familienglück, als der Vater sich nach einem
Sturz eine Gehirnerkrankung zuzieht, an der er 1849 stirbt.
Diese sogenannte ´Hirnerweichung´ wird
später zu vielerlei Spekulationen über Friedrich Nietzsches Krankheit
führen.
Kurz nach dem Vater stirbt, stirbt kaum zweijahrig, auch
noch der Bruder Joseph.
Im April 1850 verläßt die gesamte Familie das
Pfarrhaus und zieht ins vierzig Kilometer entfernte Naumburg. Röcken
hinterläßt tiefreichende Spuren: das Gefühl, durch einen
kulturellen Horizont etwas Besonderes zu sein. Der Verlust des Vaters und
Bruders führt dazu, daß Nietzsche in einer vollständig von
Frauen dominierten Umgebung aufwächst; der Umzug nach Naumburg
schließlich beraubt Friedrich seiner Heimat.
Hier wohnt die Familie Nietzsche bis 1856. Als innerhalb
kurzer Zeit hintereinander Tante Auguste (Sommer 1855) und Großmutter
Erdmuthe (April 1856) sterben, wird Franziska durch eine kleine Erbschaft
unabhängig und sie bezieht mit den Kindern Friedrich, Elisabeth und dem
Dienstmädchen Mine eine eigene Wohnung hinter der Marienmauer bei der
befreundeten Pastorin Harseim. Zwei Jahr später, im Sommer
1858 schließlich zieht die Familie in das Haus
Weingarten 18, welches die Mutter später erwerben konnte und im dem sie bis
zum Ende ihres Leben wohnte.
Friedrich selbst beschreibt die Übersiedlung vom
Land in die Stadt Naumburg mit kindlicher Verwirrung:
"Die großen Kirchen und Gebäude, der
Marktplatz und Brunnen, die ungewohnte Menge des Volkes erregte meine
Bewunderung. Dann erstaunte ich, wie ich bemerkte, daß die Leute oft
miteinander unbekannt waren; denn auf dem stillen Dorfe kannte sich
jedermann".
In seiner neuen Umgebung findet Nietzsche nicht recht.
Er kann, auf Grund seines frühreifen und distanzierten Verhalten, nur
schwer Freunde finden.
Schon aus dieser Zeit rührt der :
„Phatos der
Distanz“
.....denn später schreibt er : Von Kindheit an
suchte ich die Einsamkeit und befand mich da am wohlsten, wo ich mich
ungestört mir selbst überlassen konnte. Und dies war gewöhnlich
im freien Tempel der Natur..."
Das soll aber nicht heißen, dass Nietzsche keine
Freunde hatte. Wilhelm Pinder und Gustav Krug waren seine ersten
Freunde
....... "Ja, es ist etwas Hohes, Edles, wahre Freunde
zu haben und unser Leben ist von Gott bedeutend verschönert worden,
daß er uns Mitgefährten gab, die mit uns dem Ziele zustreben. Und
besonders ich muß Gott im Himmel dafür loben, da mir ohne diese in
Naumburg vielleicht nie heimisch geworden wäre".
schreib Nietzsche in Bezug auf die
beiden.
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Gemeinsam mit ihnen besucht Friedrich Nietzsche die
Knabenbürgerschule (ab Ostern 1850).
Im Frühjahr 1851 verlassen die drei Freunde die
Knabenbürgerschule und besuchen in Vorbereitung auf das Domgymnasium bis
zum Herbst 1854 das ´Privatinstitut´ des Kandidaten Weber. Hier
erhalten sie einen ersten Unterricht in den alten Sprachen, es wird viel
Religion unterrichtet. Im Oktober 1854 wechselt das Dreigespann an das
Naumburger Domgymnasium.
Glücklich ist Nietzsche besonders in den Ferien bei
der Verwandtschaft in Pobles oder in Deutschenthal. Dort kann er ganz seinen
Interessen nachgehen und die Einsamkeit wird nicht als arrogantes Absondern
verstanden. Nietzsche ist ein sehr guter Schüler und so führt seine
außergewöhnliche Begabung schließlich dazu, daß er
für einen Freiplatz an dem nahegelegenen Internat, der königlichen
Landesschule zu Pforta, vorgeschlagen wird. Am 5. Oktober, mit knapp vierzehn
Jahren, beginnt für Friedrich Nietzsche, nun getrennt von seinen Freunden
und der Familie, das neue Schuljahr in Pforta.
Die ersten Naumburger Jahre zeigen schon den ganzen
Nietzsche: das Gefühl, auserwählt zu sein und die Last damit, Musik
und Naturerlebnis als Lebensmittel, Schreiben als entscheidendes
Erkenntnismittel, der Wille, Kunst zu schaffen. Ein Wesenszug bleibt vollkommen
im Verborgenen - nirgends ist von Widerspruch, Widerstand gegen Traditionen,
Werte, Regeln zu lesen.
Das Programm der Schule war an dem Humboldtschen
Erziehungsideal einer ganzheitlichen Charakterbildung aus dem Geiste der
Antike ausgerichtet. Hervorragende Pädagogen sollten die
Schüler in einem durchaus freundschaftlichen Sinne "zum Gehorsam gegen das
Gesetz und den Willen der Vorgesetzten, an Strenge und pünktliche
Pflichterfüllung, an Selbstbeherrschung, an ernstes Arbeiten, an frische
Selbsttätigkeit aus eigener Wahl und Liebe zur Sache, an Gründlichkeit
und Methode in den Studien, an Regel in der Zeiteinteilung, an sicheren Takt und
selbstbewußte Festigkeit im Umgang mit ihresgleichen gewöhnt werden"
wie es in einer Festschrift aus dem Jahr 1843 heißt.
Ein herausragenden Stellenwert in Pforta hat die
profunde Ausbildung in den alten Sprachen und daneben die musische
Erziehung.
In der Zeit in Pforta lernt Nietzsche die Antike
im Rahmen des Griechisch und Lateinunterrichtes kennen, die ihm später auch
in seiner beruflichen Entwicklung prägen wird. Nietzsche lernt die alten
Sprachen aber nicht in einem pedantischen Sinne kennen, sondern die Ideale
der Antike bilden den Rahmen seines Lebens in Pforta.
Im Herbst 1859 schließlich lernt Nietzsche den
Pastorensohn Paul Deussen kennen, kurze Zeit später auch Carl von
Gersdorff. Mit Deussen beginnt die Freundschaft, weil beide eine Vorliebe
für den griechischen Dichter Anekreon teilen. Mit ihm wird Nietzsche 1861
konfirmiert. Gersdorff und Nietzsche werden Freunde über die Liebe zur
Musik. Nietzsche hat in Pforta die Gelegenheit, Klavier zu spielen, er singt
seit August 1859 im Chor und komponiert.
Die Zeit in Pforta ist neben dem Schulstoff, den
Nietzsche anscheinend ohne viel Aufwand bewältigt, angefüllt mit
Lektüre, die mehr den eigenen Interessen folgt.
Die Liste der Autoren reicht von : Platon über
Shakespeare über Kleist bis hin zu Puschkin.
Dabei ist die Lektüre immer zugleich
Anregung für das eigene Schaffen -
Nietzsche ahmt nach und gewinnt nach und nach, wie es die antike Rhetorik lehrt,
den eigenen Stil.
Zeugnisse seines geistigen Fortschritts und gleichsam
Andeutung seines philosophischen Programms sind seine 1862 für die
´Germania´ verfaßten Schriften ´Fatum und
Geschichte´ und ´Willensfreiheit und
Fatum´. Fast alle Themen werden hier von dem Siebzehnjährigen
schon angesprochen, hier sind die ersten Spuren seines unzeitgemäßen
Denkens: die Diesseitigkeit des Nietzscheanischen Denkens, in dem der
Mensch stets die Mitte ist.....er greift auch schon das Christentum
an.
Ein für das weitere Leben wichtige Phänomen
zeigt sich in Pforta schon : die schwache körperliche
Konstitution Nietzsches. In allen Internatsjahren gibt es Eintragungen in
das Krankenbuch. Am häufigsten ist ein unerträglicher
Kopfschmerz genannt. Als Therapie wirkt einzig Einsamkeit und
Spazierengehen.
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Nietzsche würdigt diesen Bund später mit den
Worten: Wir beschlossen damals eine kleine Vereinigung von wenigen Kameraden
zu stiften, mit der Absicht, für unsere produktiven Neigungen in Kunst und
Literatur eine feste und verpflichtende Organisation zu
finden"
Dieser Verein hielt aber nicht lange, denn Nietzsches
Freunde kamen mit seiner rigorosen, spöttischen und hochmütigen Kritik
nicht zurecht.
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Am 7. September 1864 endet Nietzsches Schulzeit mit der
erfolgreich abgeschlossenen Reifeprüfung, dann bricht er mit seinem neuen
Freund, Paul Deussen nach Bonn auf um dort zu studieren.
Nietzsche hatte schließlich das Studium der
Theologie aufgegeben und konzentrierte sich nur mehr aus die Philologie; also
für die Antike, als geistiges Fundament.
.Mit seinem Freund Carl von Gersdorff plant Nietzsche im
Mai 1865 das gemeinsame Studium in Leipzig.
Durch Zufall entdeckt er ein Buch Schopenhauers. Ein
Zitat, das die Liebe zu ihm deutlich macht: :
"Ich gehöre zu den Lesern Schopenhauers, welche,
nachdem sie die erste Seite von ihm gelesen haben, mit Bestimmtheit wissen,
daß sie alle Seiten lesen und auf jedes Wort hören werden, das er
überhaupt gesagt hat. Mein Vertrauen zu ihm war sofort da und ist jetzt
dasselbe wie vor neun Jahren. Ich verstand ihn, als ob er für mich
geschrieben hätte: um mich verständlich, aber unbescheiden und
töricht auszudrücken".
Neben der pessimistischen und kunstmetaphysischen
Philosophie beeindruckte Nietzsche vor allem die geistesaristokratische Haltung
Schopenhauer und der unzeitgemäß kompromißlose
Wahrhaftigkeitstrieb, von dem der Philosoph Schopenhauer erfüllt
war.
Eine weitere zentrale Autorität in Nietzsches
Leben, war Professor Ritschl. Ritschl erkannte sofort Nietzsche Talent und
seinen Scharfsinn. Die Lehrer – Schüler Beziehung wandelt sich im
Laufe des Studiums zu einer Freundschaft, sodass Nietzsche 1867 in den erlesenen
Zirkel: „Societas philologica“ aufgenommen wird.
Seit dem Schopenhauer-Erlebnis beschäftigt sich
Nietzsche intensiv und vornehmlich im Selbststudium mit der Philosophie. Er
liest begeistert Friedrich Albert Langes ´Geschichte des
Materialismus´ und ist besonders von dem Atomisten Demokrit
begeistert.
Er beschäftigte sich mit den erkenntnisheoretischen
Fragen, was ihn dann zu Kant führt. Aus seiner Beschäftigung
mit Kant stammt die Basis der erkentniskritischen Grundhaltung Nietzsches und
die Grundlage seines philosophischen Programms.
- die Sinnenwelt ist das Produkt unserer Organisation
- unsere sichtbaren (körperlichen) Organe sind
gleich allen anderen Theilen der Erscheinungswelt nur Bilder eines unbekannten
Gegenstandes
- Unsere wirkliche Organisation bleibt uns aber
ebenso unbekannt, wie die wirklichen Außendinge. Wir haben
nur das Produkt von beiden vor
uns
Die Freundschaft mit Wagner
hält aber nicht lange, denn bereits im 1879 erschienen Buch:
Menschliches Allzumenschliches , schreibt Nietzsche
über den Bruch mit Wagner.
Nietzsche denkt an ein Chemiestudium in Paris nach, als
ihm plötzlich eine Professur in Basel angeboten wird.
Das vierundzwanzigjährige Genie macht sich im April 1869, nachdem er
aus formellen Gründen seine preussische Staatsangehörigkeit aufgegeben
hatte, auf den Weg nach Basel. Für zehn Jahre wird hier der Mittelpunkt des
Lebens von Prof. Friedrich Nietzsche sein.
1970 nimmt er als freiwilliger Krankenpfleger
Deutsch – Französischen Krieg teil, kehrte aber wegen einer
Erkrankung bald wieder nach Basel zurück, wo seine erste große
Abhandlung: „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der
Musik" von den Philologen abgelehnt wird. Deshalb wendet sich Nietzsche
nur mehr der Philosophie zu. 1973 – 1976 entsteht das vierbändige
Werk: „Unzeitgemäße
Betrachtungen(1873-76)“
Im Selben Jahr als das letzte Werk der 4 herauskommt,
erkrankt Nietzsche sehr stark , was zu seiner Suspendierung von
Basel führt.
Aufgrund zunehmender Kopf- und Augenbeschwerden gibt
Nietzsche sein Lehramt an der Universität Basel auf und isoliert sich von
seinen Freunden. Er verbringt die folgenden Jahre abwechselnd u.a. in Venedig,
Nizza, Sizilien und Sils-Maria (Schweiz). Aus dieser Zeit stammen auch die
meisten seiner Werke wie :
„Morgenröthe(1881-82)“ und
„Die fröhliche
Wissenschaft(1881-82)" Er stilisiert in diesen Werken in
aphoristischer Form den "Willen zur Macht" zum allgemeinen
Seinsprinzip.
In "Also Sprach
Zarathustra(1883-85)“. Ein Buch für Alle und Keinen"
ist der "Wille zur Macht" die bestimmende Instanz aller Lebens- und
Kulturentwicklung. Das zugrundeliegende Menschenbild konzipiert den
"Übermenschen" als einen Überwinder des endlichen, in seinen
Interessen befangenen Menschen. Erst der Übermensch erkenne die ewige
Wiederkehr des Gleichen in der Geschichte und könne so die konsequenteste
Form des Nihilismus erleben.
In der Schrift "Jenseits von
Gut und Böse(1886)“ setzt
er sich kritisch mit traditionellen jüdisch-christlichen
Werten auseinander.
Nietzsche arbeitet an polemischen Schriften wie
„Der Fall Wagner(1888)“
oder „Der Antichrist(1888)“ , die schon
Spuren seiner ausbrechenden psychischen Krankheit tragen.
Friedrich Nietzsche, wählt im letzten Jahr seines
bewußten Lebens 1888 Turin als seinen Bleibeort aus. Über
Turin schreibt er im April 1888 in Briefen anläßlich seines ersten
Aufenthaltes:
"Das ist wirklich eine Stadt, die ich jetzt brauchen
kann" und "Die Stadt ist mir auf eine unbeschreibliche Weise sympathisch"
Nietzsche hat einmal mehr einen Ort gefunden, von dem er glaubt, daß er
seinem ewig maladen Körperzustand zuträglich ist, einen ´wahren
Glücksfund´, wie er an die Mutter schreibt.
Doch seine Geisteskrankheit lässt nicht lange auf
sich warten.
Ernesto Fino,Nietzsches Vermieter, berichtet vom
Spätherbst 1888:
"Der Professor wurde in Laune und Verhalten immer
unausgeglichener (...).Das Drama des Wahnsinns begann sich abzuzeichnen. Auch
seine Reden schienen ohne Zusammenhang. Es ist bekannt, daß er den Finos
einmal ankündigte, daß in der Stadt ein großes Fest im Gange
sei, und daß der König und die Königin sich anschickten, ihn in
seinem Zimmer zu besuchen; und er schmückte sein Zimmer eigenartig aus,
für den königlichen Besuch, den sich nur sein krankes Hirn
einbildete."
Diese Szene lässt schon durchblicken, dass
Nietzsche sich selbst in eine welthistorische Rolle versetzte.
Nach einer langen Zeit der Heilungsversuche und Qualen
die Nietzsche erleiden mußte
Am 20. August 1900 erkrankt Nietzsche an einer
Erkältung mit Fieber, erholt sich zwar kurz, aber einem
Rückfall ist sein Körper nicht mehr gewachsen. Am 25. August
1900, 11.45 Uhr vormittags, stirbt Nietzsche nicht ganz
sechsundfünfzigjährig an einem Schlaganfall.
Nachwort zur Biographie: Ich muss zugeben,
dass die Biographie etwas lang ist, aber ich bin der Meinung, dass Nietzsches
Kindheit, seine Schulzeit und die Menschen mit denen er zu tun hatte, was ich
sehr genau beschrieben habe, eine große Auswirkung auf seine spätere
Laufbahn und seine Philosophie hatten.
Und dieses zu zeigen war mir wichtig.
Die Grundlagen Nietzsches Philosophie
Einleitung:
Nietzsches Philosophie steht unter dem Eindruck des
Fortschrittsglaubens und des optimistischen Atheismus von Feuerbach. Zwar
wendet sich Nietzsche auch gegen die Theologen - und das mit aller Schärfe
und Härte -, doch gleichzeitig greift er auch die allzu selbstsicheren
Atheisten an, die keine Leidenschaft empfinden. Für Nietzsche lebten im
Atheismus weiterhin christliche Ideen fort, vorallem das absurde Vertrauen
zum Gang der Dinge und zum Leben. Die Menschheit ist keine Entwicklung zum
Besseren, Stärkeren, Höheren.
Der Fortschritt ist eine moderne, also
falsche Idee. Nietzsches Glaube an die Kultur ist zerbrochen.
Er nimmt Schopenhauer zum
Ausgangspunkt, der in dieser Zeit zu einer Art Ersatzreligion für
Atheisten wurde, für diejenigen, denen der Fortschrittsglaube zu
optimistisch und das Christentum zu unglaubwürdig war. Schopenhauers
Pessimismus und Rückzug auf Naturprinzipien (die mit Darwin noch
mehr an Aktualität gewannen!) traf Jahrzehnte nach dem Erscheinen den
Zeitgeist, vorallem jedoch schaffte er Nietzsches
Ausgangspunkt.
Grundzüge der Philosophie
Friedrich Nietzsches:
- Der Nihilismus (Leben und
Welt sind ohne Sinn) ist ein geschichtliches Ereignis und fällt mit dem
Untergang des Christentum zusammen. Er erfaßt alle Lebensbereiche, denn
er bewirkt die Entwertung der obersten, metaphysisch sanktionierten
moralischen Werte. In seiner Folge wird ein Übermensch notwendig, der
seine Wertmaßstäbe nicht mehr aus Schwachem, Krankem,
Mitleiderregendem, Lebensveneinendem bezieht (körperlich gesund und geistig
stark). Für Nietzsche, dem großen Skeptiker gegenüber der
Fortschrittsidee, ist der Nihilismus die zu Ende gedachte Logik unserer Ideen
und Werte.
- Gott ist tot.
Die Verkündigung des Todes ist ein Akt der Befreiung und des Ethos. Gott
ist vom Menschen erschaffen worden, um der Welt Sinn und Ethos zu geben. Die
Folgen des Todes Gottes sind noch unabsehbar, sie bedeuten den großen
Zusammenbruch. Nur der Übermensch ist ihnen gewachsen.
- Nach dem Verlust der
übermenschlichen Autoritäten ( = Gott), sucht der Atheist nach
Ersatzautoritäten: Gewissen, Vernunft, sozialer Instinkt, Geschichte,
Utilitarismus. Die Wissenschaft mit ihrer Wertfreiheit arbeitet dem Nihilismus
entgegen, der aber nicht aufzuhalten ist. Die Folge des Nihilismus ist die
Umwertung aller Werte und die Vernatürlichung der
Moral (Rückzug auf Naturprinzip). Das Leben ist Wille zur Macht. Das
Dionysische ist das metaphysische Grundprinzip.
- Die Seele ist eine
Erfindung. Sie entstand aus verdrängten Trieben, verinnerlichten
Instinkten, äußerlichen Hemmungen und Selbstzähmung.
- Die Welt ist ein
sinnloses Chaos. Alle Interpretationen (auch die der Wissenschaft) sind
Wertschätzungen unserer Triebe und Interessen. Das Verstehen
ist immer ein Verstehen aus der Perspektive der Triebe. Moralische
Wertvorstellungen wie Wahrheit sind Machtinstrumente. Sinngebung ist
Schwäche und Unehrlichkeit. Ideale sind ganz Produkt menschlicher
Erfindung. Es gibt keine Wahrheit, kein wahr, kein falsch, kein gut, kein
böse.
- Demokratie ist
Sklaverei. Sie bewirkt eine Vermittelmäßigung der Massen, die
Monotonie der Arbeit, die Menschheit als
Maschinerie.
- Der Übermensch ist ein
Gleichnis für den vereinzelt auftretenden „Besieger Gottes und des
Nichts", hat eine unvorstellbare Persönlichkeit. Er setzt sich an die
Stelle Gottes, jenseits von gut und böse, ist rücksichtslos
gegenüber Schwachen und Kranken (=> Ellbogengesellschaft, Macht des
Stärkeren). Der Übermensch ist der Sinn der Erde, nur er kann den Tod
Gottes verkraften. Er ist aristokratisch, lebensbejahend, kriegerisch, gesund
und leidenschaftlich.
Einen besonders großen Platz in der Philosophie
Nietzsches nahm die Kritik an der Religion ein , die
in den folgenden Zeilen behandelt wird.
Die Menschen haben Gott erschaffen. Die Religion ist ein
Furcht- und Schreckgefühl und gleichzeitig ein
Höhen- und Glücksgefühl. Gott ist die Projektion
allen Neins, das der Mensch zu sich selbst, zur Natur, Natürlichkeit,
Tatsächlichkeit seines Wesens sagt. Die Entstehung des Gottesglaubens
widerlegt ihn.
Das Christentum ist eine reine
Fiktionswelt, doch sie spiegelt die Wirklichkeit nicht wider,
sondern verfälscht, entwertet, verneint. Der christliche Gott ist
ein Verbrechen am Leben, ein Despot, der schwache, häßliche und
rückgratlose Kreaturen will, die sich freiwillig der Nächstenliebe
unterwerfen, geboren aus dem Ressentiment der Zu-kurz -
Gekommenen.
Jesus war ursprünglich ein Fanatiker, Todfeind
der Priester und Theologen, mit einem Instinkthaß gegen jede
Realität, gegen jede Formel, jeden Raum-Zeit-Begriff. „Der
größte Symbolist aller Zeiten" hebt alle Gegensätze auf und nur
bedingungslose Seligkeit wird verheißen. Wahre Christen zeigen keinen
Widerstand gegen das Böse, keine Verteidigung ihrer Rechte, passives
Hinnehmen. Diese Lebenspraxis - nicht Lehre, nicht Glauben - macht einen
Christen aus.
Nietzsche begründet seinen Atheismus
eigentlich nicht, sondern setzt ihn als gegeben voraus. Sein Leben lang
jedoch verbleibt in Nietzsche ein Zweifeln, ein Sehnen. Entgegen den anderen
Religionskritikern sieht er im Atheismus keine Alternative.
Vielmehr kommt mit ihm der Nihilismus herauf, der komplette Wertverlust,
die vollständige Desorientierung. „Gott ist tot" ist zugleich der
Befreiungsschrei einer Tatsache, über die sich seine Zeitgenossen
hinweggemogelt haben, und eine erschütternde Gewißheit, die Grundlage
allen Lebens verloren zu haben. Er nimmt
die christliche Kirche seiner Zeit zum Ausgangspunkt und kritisiert sie als
lebensfeindlich, unterdrückend, duckmäuserisch,
das Abbild dessen, was ihm in seiner Kindheit vermittelt wurde. Seine
Alternative, der „Übermensch", wird zu einer Art Ersatzreligion, der
das genaue Gegenteil dieses „Christen" verkörpert, auch eine
Gegenfigur zu ihm selbst, der von Krankheit geplagt
war.
Bezüge zwischen Leben und
Werk:
- philologische Ausbildung;
historisch-kritische Methode als Loslösung vom "Kinderglauben"; etabliert
den prinzipiellen und methodischen Zweifel.
- Erziehung durch
frömmelnde Frauen. Die Religion erschien ihm dadurch von vorneherein als
schwächlich und dekadent. Er assoziierte deshalb Glauben
mit dem stereotyp Weiblichen und der Übermensch verkörperte das
stereotyp Männliche.
- keine Auseinandersetzung
über religiöse Fragen zu Hause; führte zu einer isolierten
Welt des Zweifels und zur Entfremdung; Isolation wurde zum Grundprinzip
à
Übermensch ist Einzelgänger.
- Schopenhauer: Welt als
Wille à Drang
zum Leben als Prinzip; Nietzsche wurde zu oft verletzt, als daß er
Schopenhauers Mitleid annehmen hätte können.
- wiederkehrende
Enttäuschung und Abgelehntwerden
à Rückzug;
Wunschbild des Übermenschen. Vernichtungskrieg nach dem Zarathustra als
psychologische Reaktion auf die Ablehnung des Heiratsantrages an Lou
A-Salomé.
- Übermensch als
Notlösung gegen den Selbstmord, der als Notwendigkeit aus dem
Nihilismus erwachsen müßte.
Wie ich persönlich Nietzsche(als Mensch)
kennengelernt habe:
-in Bezug auf das Buch:
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.....und Nietzsche
weinte
Kurzbeschreibung des Buchs:
Lou Salomé: Sie wurde am 12.2.1861 in St.
Petersburg als Tochter eines russischen Generals geboren. Seit 1887 pflegte die
Autorin regen Kontakt zu geistigen Grössen ihrer Zeit, so zu Nietzsche,
Rilke und Freud. Ihr Lebenswerk umfaßt Romane, Essays und
Erzählungen. Sie starb 1937 in Göttingen.
Sigmund Freud: Er ist der Vater und
Begründer der Psychoanalyse. Freud wurde 1856 in Freiburg geboren und
widmet sich besonders der Fragen der Physiologie und der Hirnpathologie bevor er
sich zu der psychotherapeutischen Tätigkeit entschloss, die er lange Zeit
in Wien ausübte. Dort wird er 1902 Professor, musste aber 1938 nach England
auswandern, weil er Jude war. Er starb 1939 in London.
Bertha Pappenheim(Anna O.) :Sie wurde 1859 in Wie
geboren und wuchs in einer reichen jüdischen Familie auf. Während
ihrer Hysterischen Erkrankung, war sie von 1880 – 1882 bei Josef Breuer in
Behandlung, der ihr auch das Pseudonym: Anna O. verlieh. Neben anderen Projekten
für die Frauenbewegung verfasste sie Novellen und Märchen zur
Frauenfrage. Sie starb 1937.
Der
Inhalt:
Vorweg gesagt, ist dieses Buch eine fiktive
Geschichte. Breuer und Nietzsche haben sich nie persönlich getroffen.
Die Geschichte fängt in Venedig an, dass Lou
Salomé den bekannten Artzt Josef Breuer darum bittet einen Bekannten,
Friedrich Nietzsche, zu heilen, denn sie hatte von einer neuen Heilungsmethode,
der Redekur, gehört die Nietzsche vielleicht helfen wird.
Es ist Nietzsches Verzweiflung , die ich Sie zu
heilen bitte, nicht seinen Körper.
Breuer konnte der jungen, attraktiven und
selbstbewussten Frau die Bitte nicht abschlagen, und willigt ein zu Nietzsche zu
helfen. Nach einer langen Unterredung mit Salomé über Nietzsche,
wird auch Breuer auf den Menschen Nietzsche neugierig.
Nach einigen Gesprächen mit seinem Freund Sigmund
Freud fühlt er sich bereit die Behandlung Nietzsches Aufzunehmen.
Die Leiden, die Nietzsche Breuer schilderte
waren:
Zitat: rasende, unmenschliche
Kopfschmerzen, Seekrankheit auf festem Boden- mit Schwindel,
Gleichgewichtsstörungen., Übelkeit, Erbrechen, Anorexie, Ekel vor
Speisen, Fieberschübe, Nachtschweiß, lähmende
Erschöpfungszustände, gastrische Schmerzen, Blutbrechen,
Darmkrämpfe, Darmstockungen, Hämorrhoiden,
Sehstörungen.
Breuer vermutet zu Beginn, dass all diese Symptome
Auswirkungen einer sehr schweren Migräne wären und will Nietzsche in
die Lauzon- Klinik verweisen, wo er einige Wochen bleiben soll, doch Nietzsche
verweigert, er will die Hilfsbereitschaft Breuers nicht länger
ausnützen und will abreisen.
Doch Breuer denkt sich, dass, wenn Nietzsche nur weil
ihm nicht um sonst geholfen werden sollte, weg will , dann könnte Nietzsche
auch Breuer helfen und so kommt es, dass Josef Breuer Nietzsche ein Angebot
macht das besagt: Breuer hilft Nietzsche in mit seinen gesundheitlichen
Beschwerden und Nietzsche soll Breuer mit seinen, bis zu dem Zeitpunkt noch
„erfundenen“ psychischen Leiden helfen.
Nietzsche willigt ein und so beginnt die
„Zusammenarbeit“, doch mit der Zeit merkt Breuer, dass er von seiner
Arzt- Position immer mehr in die Patienten- Position von Nietzsche
hineingezwängt wird. Doch was vielleicht noch das unheimlichere ist, ist
das , dass Breuer bemerkt, dass die anfangs erfundenen psychischen Symptome, wie
die Angst von älter- werden,...
Nietzsche nimmt die Sache sehr ernst und bei den
alltäglichen Treffen der Beiden, wird nur über Breuers Probleme
gesprochen, und Nietzsche hatte schon bald eine Liste mit den Problempunkten
Breuers aufgelistet.
Sie reicht vom Gefühl, dass die Ehe eine Falle sei
bis zur Entfremdung seiner Frau. Und mehr und mehr kristallisiert sich Bertha
Pappenheimer, eine ehemalige Patientin Breuers, in die Breuer verliebt war, als
Verursacher dieser Psychischen Probleme heraus.
Breuer will am Beginn der Sitzungen mit Nietzsche nicht
so viel von sich preisgeben, doch dann ist er selbst überrascht, wieviel er
schließlich doch preisgibt.
Zitat: Breuer staunte über die
verführerische Kraft der Redekur. Sie nahm ihn gefangen sich in die Rolle
des Behandelten zu begeben; machte ihn zum Behandelten.
Doch es gibt auch Fortschritte auf Nietzsches Seite.
Denn dadurch, dass die beiden sich immer näher kommen, spricht auch
Nietzsche freier von sich und vielleicht ist genau das, was Nietzsche die ganze
Zeit brauchte. Einfach reden.
Nietzsche sagte zum Beispiel, dass die Migräne ihn
von einer tödlichen und ausweglosen Falle rettet, denn die Professur
in Basel wäre sein Todesurteil gewesen.
Gegen Ende des Buches realisieren die Beiden, dass sie
sich gar nicht so von einander unterscheiden, wie es am Beginn den Anschein
hatte. Sie realisieren, dass Bertha Pappenheimer für Breuer genauso
ausschlaggebend war, wie Lou Salomé für Nietzsche.
Zitat: Das Weib zu lieben, heißt das
Leben zu verachten.
Am Ende des Buches kommt auch heraus, warum das Buch
„...und Nietzsche weinte“ heißt, denn bei der letzten Sitzung
der Beiden fing Nietzsche 3-mal an zu weinen. Ich glaube, dass er deswegen
weinte, weil er realisiert, dass Breuer ein wahrer Freund geworden ist.
Persönlicher
Kommentar:
Ich habe leider schon im vorhinein gewußt, dass es
eine fiktive Geschichte ist, aber ich muß sagen, dass ich bis zum
Schluss(Nachwort) glauben hätte können, dass die Geschichte ein realer
Bestandteil der Psychologie ist und dass sich Breuer und Nietzsche wirklich
gegenseitig behandelt haben.
Denn Yalom schreibt so real und mit einer derartigen
Leichtigkeit, ohne die Tiefgründigkeit und den Scharfsinn zu verlieren.
Obwohl das Buch auf den ersten Anblick ein Roman ist,
was es auch ist, ist aus diesem Buch sehr viel Wahrheit herauszunehmen. Die
Philosophischen Ratschläge oder Zitate Nietzsches sind sehr gut in die
Handlung eingebaut und das macht das Buch auch so leicht zu lesen. Somit wird
man quasi spielerisch mit der Philosophie Nietzsches konfrontiert.
....und Nietzsche weinte ist auf jeden Fall weiter zu
empfehlen, für Menschen die immer schon, etwas über Nietzsche erfahren
wollten, sich aber nicht über seine schwierigen Bücher trauten, und
ich bin mir sicher, wer das Buch gelesen hat der will mehr von Nietzsche wissen.
Wie ich Nietzsche
kennengelernt habe(durch das Buch):
Ich bin der Meinung, dass Friedrich Nietzsche ein sehr
introvertierter, verschlossener Mensch war, der nie zu viele Menschen an sich
herangelassen hat. Wie in meiner Biographie schon erwähnt hatte er nie
viele Freunde, aber die wenigen Freunde er hatte (am Ende von „...und
Nietzsche weinte“ ist meiner Meinung nach auch Breuer ein sehr guter
Freund Nietzsche/ das wird auch am Schluß bestätigt) , die konnten
auf ihn zählen. Denn er ist in seinem Leben oft hintergangen worden und
will nie, dass ihn irgend jemand hintergeht, oder betrügt.
Ich glaube, dass Nietzsche bis zum Schluss seines Lebens
gesucht hat. Ich weiß nicht genau, was er suchte, vielleicht eine
Ideologie die ihm 100% gefiel, oder einen Gott, den er sich selbst schaffen
will. Ich habe keine Ahnung, aber ich glaube, dass er sein ganzes Leben
Suchender war.
Zitat:Mein ganzes Leben ist nur eine Reise
geworden, und ich kann mich des Eindrucks nicht mehr erwehren, daß mein
wahres Zuhause, der einzige Ort, an den ich unfehlbar zurückkehre, meine
Krankheit ist.
Am Beginn des Buches beschreibt Breuer Nietzsche noch
als Liebenswürdig und zurückhaltend, doch zum Schluss, oder besser mit
Beginn der Redekur wird Nietzsche abschnittsweise sehr aufbrausend und
emotional.
Meiner Meinung nach istdas auch wieder ein Indiz, dass
man den „echten“ Nietzsche nur dann kennt, wenn er will, dass man
ihn kennenlernen soll. Das unterstreicht auch meine These, dass Nietzsche seinen
gegenüber, egal ob es ein langer Freund , oder eine Zufallsbegegnung ist,
sehr schnell „unter Kontrolle“ hat. Ich meine damit Nietzsche eine
sehr gute Menschenkenntnis hatte. Ich behaupte das, obwohl er Menschen im
großen und ganzen gemieden hat und nur sehr wenige, oder gar niemand sehr
lange sein Freund war.
Also sprach
Zarathustra
Überblick über das
Werk:
Im Zarathustra sind alle Gedanken Nietzsches
zusammengefasst, aber nicht geordnet im Sinne einer philosophischen Lehre,
sondern indem sie der fiktiven Gestalt des
Zarathustra in den Mund gelegt sind.
Doch Nietzsches „Zarathustra“ ist eigentlich
kein philosophisches Werk im eigentlichen Sinne, denn normalerweise ist es
Anspruch der Philosophie als Sachliteratur und nicht als Fiktion zu gelten.
Nietzsches Zarathustra jedoch ist eine fiktive Gestalt, die keine
Philosophie im argumentativen Sinn vortragt, sondern vielmehr eine
„weise Lehre“ vorträgt und alles in
unzusammenhängender aphoristischer Weise verbindet. Der Grund dafür
liegt darin, dass Nietzsche sich als Philosoph am Ende einer 2000jährigen
Epoche abendländischen Philosophierens sieht. Diese Philosophie beginnt
für ihn mit Sokrates, für den die Vermittlung der Wahrheit als
oberstes Prinzip gilt. Diese Wahrheit ist überzeitlich. Doch da Sokrates
selbst nicht schrieb, muss man die Darstellung Platos betrachten, um die Art
dieser Darstellung zu sehen. Plato wählte die Form des Dialogs, da er ein
gleichwertes Verhältnis zwischen Redner und Zuhörenden erreichen
wollte, das heißt er wollte das Lehrer- Schüler Verhältnis
aufheben und an seine Stelle eine Form der argumentativen Wahrheitsfindung
stellen. Am Ende sollte der Zuhörer durch logische Argumentation zur
Wahrheit geführt werden, zur absoluten Wahrheit, das heißt zu einer
Wahrheit, die abgelöst ist von den subjektiven Ansichten besonderer
Lebensbedürfnissen und Lebenssituationen, abgelöst von dem individuell
und zeitlich Bedingtem. Doch auch Plato sieht in der Zuwendung an die Menschen
nur die zweitbeste Fahrt der Vermittlung. Nietzsche sieht diese Zuwendung zu
anderen, die Form der öffentlichen Darstellung grundsätzlich
problematisch und somit wichtig. Das Problem der Vermittlung der Wahrheit
betrifft und bestimmt den ganzen Inhalt dieses Werkes.
Inhalt:
Zarathustra verlässt mit 30 Jahren seine
Heimatstadt und ging ins Gebirge. Zehn Jahre hielt er diese Einsamkeit aus, dann
aber „verwandelte“ sich sein Herz. Er spricht zur Sonne und
sagt, dass er seiner Weisheit überdrüssig sei und nun
verschenken und verteilen wolle. Dazu steigt er zu
den Menschen hinab und vermittelt ihnen seine „Lehre“. Nietzsche als
Autor konzipiert seinen Zarathustra von Anfang an als
Tragödie. Der Lehrer Zarathustra erleidet als Lehrer seiner
Philosophie sein individuelles Schicksal und in diesem dargestellten Schicksal
und nicht in der theoretischen Lehre liegt hier die Philosophie. Am Ende spricht
er wieder zur Sonne und sieht, dass er gescheitert ist, da die Menschen, die
seine Lehre verstünden, noch schlafen. So scheitert auch hier die
zweitbeste Fahrt der Vermittlung. Es bleibt nur der einsame Blick des
Philosophen in die Sonne.
Nietzsche schildert das Grundproblem fast aller
Philosophen, das „Sich – Wenden – an – die –
Menschen “.
Der Übermensch
und wie der durch den Willen zur Macht entsteht
Wer ist er nun dieser sooft proklamierte Übermensch
? Wir wissen nun, wie er entsteht. Er steigt als Sieger aus dem Nichts nach
dem Tod Gottes empor. Er ist der Mensch, der sich nicht am allgemein
Menschlichen misst, nicht an dem was ein Mensch sein sollte, sondern der ja zu
sich selbst sagt, dazu, wie er im Unterschied zu allen anderen Menschen ist. Es
ist der unverwechselbare einzelne Mensch, der seinen Wert
in sich hat und sich von der formlosen Masse durch sich selbst – und nicht
durch die Anlehnung an einen selbsterschaffenen Gott, vor dem er sich selbst
demütigt – von anderen hervorhebt.
Zitat:„Mein ich ist etwas, das
überwunden werden soll : mein ist die große Verachtung der
Menschen“ Der Übermensch muss sich
also selbst überwinden, er muss einsehen, dass er nichts ist, solange
er der bleibt, der er ist.
Es mag ja sein, dass die Welt insgesamt sinnlos ist,
aber Sinngebung des eigenen Lebens ist wohl möglich, auch wenn man
dadurch nur einen winzige Sinninsel schafft im Ozean des Sinnlosen. Der
Übermensch, der sich selbst überwindet, kann sich den Sinn durch die
Proklamation des Willens zur Macht geben. Die übliche Formulierung des
Willens zur macht lautet
Zitat:„Du sollst Herr über dich
werden, Herr über deinen eigenen Tugenden. Frührer waren sie deine
Herren; aber sie dürfen nur deinen Werkzeuge neben anderen Werkzeugen sein.
Du sollst Gewalt über dein Für und Wider bekommen und es verstehen
lernen, sie aus und wieder einzuhängen, je nach deinem höheren
Zwecke.“
Diesen höheren Zweck muss sich jeder selbst
geben. Dafür gibt es keine absolute Wahrheit, sondern nur Perspektiven
jedes einzelnen, das wiederum heißt, dass dies jeder für sich selbst
wahr machen muss. Das Kriterium für die Wahrheit der Wahrheit liegt
nicht darin, dass sie mit der Wirklichkeit übereinstimmt, sondern, dass sie
mächtig wird. Die Wahrheit der Wahrheit ist ihre Macht, dass sie
Wirklichkeit hervorbringt. Jeder für sich muss seine Wirklichkeit finden
und der Übermensch ist nun auf dieser Bühne der Selbstgestaltung
derjenige, der aus seiner Lebensmaterie – physiologisch, kulturell, sozial
– in die er hineingeboren wird und die er als Kontingenz, das heißt
als Schicksal, vorfindet, das Beste macht. Das ist der Übermensch in der
persönlichen Version, doch bei Nietzsche gibt es ja auch immer eine
welthistorische Version. Und in dieser ist der Übermensch nicht nur der
Virtuose der Diesseitsheiligung, ein spielerischer Perspektivist und
Lebenskünstler , sondern auch einer, der ohne Mitleid am eigenen Werk
der Selbststeigerung arbeiten soll, der stolz, hart und klug ist. Er ist ein
Napoleon Bonaparte, der sich durch seinen Willen zur Macht als
Mensch ins Unermesslich hinaufhebt; ein Meister der
Selbstdarstellung, der nicht Rücksicht nimmt auf die Leiden der
Schwachen und Demütigen, denn er selbst ist stark. Das ist die dunkle Seite
des Übermenschen.
„Von jungen und
alten Weiblein“
Nietzsches Frauenbild war immer wieder Anlass zu
Diskussionen. Unbestritten ist, dass er eine negative Einstellung zu
Frauen hatte, die sicherlich auch aus seinen Lebenserfahrungen
resultierte (zum Beispiel Lou Salomé). Im Zarathustra
formuliert er seine Einstellung zu Frauen wahrscheinlich am genauesten.
„Oberfläche ist des Weibes Gemüt,
eine bewegliche stürmische Haut auf seichtem Gewässer. Des Mannes
Gemüt aber ist tief, sein Strom rauscht in den unterirdischen Höhlen :
das Weib ahnt seine Kraft, aber begreift sie nicht.“
Schon an diesem Zitat kann die Grundeinstellung von
Friedrich Nietzsche zu Frauen erkannt werden. Er sieht sie als
oberflächliche, Wesen an, die eigentlich den Mann nur davon abhalten
sich den eigentlichen Wahrheiten des Lebens zu
.„Alles im Weibe ist ein Rätsel, und alles
am Weibe hat eine Lösung : sie heißt Schwangerschaft“.
Die Frau kann den Mann nie verstehen, da ihre Antwort
auf alle Fragen ein Kind ist und sie den Mann nur davon abhält, die
wahren Antworten zu finden. So sieht Nietzsche die Frauen. Natürlich
muss man diese Aussage auch dahingehend relativieren, dass sie zu einer Zeit
gemacht wurde, als das Wort Emanzipation im Zusammenhang mit Frauen nicht
existiert hat. Zu der Zeit Nietzsches war die Aufgabe von Frauen eben der
Haushalt und bis zu seiner Zeit hat es eben kaum Frauen gegeben, die auf dem
Gebiet der Philosophie oder der Wissenschaft Groß waren.
Quellenverzeichnis
- Internet:
- www.friedrichnietzsche.de
à
alle verwendeten Bilder
- http://
www
.dhm.de/lemo/html/biografien/NietzscheFriedrich/
- http://
www
.mauthner-gesellschaft.de/mauthner/hist/niet3.html
- http://
www
.xlibris.de/Autoren/Nietzshe/NzBiblio/NzBib01.htm
- Sophies Welt (Jostein Gaarder):
- Encarta
Enzyklopädie:
- ...und Nietzsche weinte (Irvin D.
Yalom):
- Biographien
der Hauptfiguren
5) Also sprach Zarathustra
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