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Was wollten die Franzosen 1789?
13.05.1997
Was wollten die Franzosen 1789
?
Weil der Staat seit vielen Jahren verschuldet war, wollte die Regierung
neue Steuern erheben. Auch die Adligen sollten sich nun an den Steuern
beteiligen. Diese wehrten sich energisch dagegen und behaupteten: Die
Generalstände müssen zuerst den Plänen der königlichen
Regierung zustimmen. Generalstände waren Abgeordnete der drei Stände,
die bei Versammlungen jener Art zusammentrafen.
Adlige und Bauern wehrten sich gemeinsam gegen die Regierungsweise des
Königs. In einer Beschwerdeschrift forderten 600 Einwohner der Gemeinde
Guyancourt, dass alle Steuern von den drei Ständen ohne irgendwelche
Ausnahmen gezahlt werden, von jedem Stand gemäß seinen Kräften,
und dass alle Frondienste, welcher Art auch immer, beseitigt werden.
Im Mai 1789 berief König Ludwig XVI. die Generalstände, damit im
Land wegen der geplanten Steuererhöhung keine Unruhen entstehen. Sie
sollten der Steuererhöhung zustimmen. Es kamen je 300 Abgeordnete der
beiden ersten Stände und 600 alleine vom dritten Stand. Doch schon in der
ersten Versammlung wußte man nicht so recht, wie abgestimmt und beraten
werden sollte. Es blieb nun zur Auswahl, ob man getrennt nach Ständen
(jeder Stand für sich) oder einfach nach der Abgeordnetenzahl, sprich nach
Köpfen, zählen und abstimmen sollte. Der dritte Stand forderte die
Abstimmung nach Köpfen, doch der Adel und König waren dagegen. Der
dritte Stand sollte sogar seine Beratungen einstellen. Die Abgeordneten
widersetzten sich dieser Aufforderung und schlossen sich zu einer
"Nationalversammlung" zusammen. Sie schworen, sich nicht wieder zu trennen bis
Frankreich eine Verfassung habe. Daraufhin erlaubte der König, dass die
drei Stände sich berieten, doch er war dagegen, dass die
Nationalversammlung eine Verfassung beschloß. Also tagten die Abgeordneten
der drei Stände weiterhin in Versailles. Truppen wurden nach Paris und nach
Versailles verlegt, wo sie die Nationalversammlung einschüchtern sollten.
Redner riefen die Bevölkerung in Paris auf, sich zu bewaffnen, als am 11.
Juli 1789 der von dem Volk geliebte Finanzminister Necker vom König
entlassen wurde. Am 14. Juli 1789 fand ein Überfall auf eine Kaserne mit
zum Teil verwundeten Soldaten statt, es handelte sich hier um das Hôtel
des Invalides. An diesem Überfall nahmen 7000 - 8000 Bürger teil, doch
viele von ihnen wurden einfach so im Gedränge erdrückt. Die Menge
stürmte in den Kasernenhof zur Zugbrücke, von da an ließ der
Befehlshaber schießen, dieses forderte 98 Menschenleben und 73 Verwundete.
Der Gouverneur wollte sich nach einiger Zeit ergeben, aber nur unter der
Bedingung, dass die Garnison verschont bliebe. Die wütende Menge wollte
davon nichts wissen, und die Belagerung wurde fortgesetzt. Der Gouverneur drohte
die Festung in die Luft zu sprengen, doch seine Leute hielten ihn davon ab. Also
mußte er die Zugbrücke herablassen. So fiel die Bastille. Die Sieger
zählten nur noch 800 bis 900 Personen. Nach diesem Aufstand in Paris
erkannte der König die Nationalversammlung an.
Nicht nur in Paris, sondern auch auf dem Land bewaffneten sich nun das
Volk. Eine große Furcht war verbreitet worden: Adlige fürchteten die
Bauern und umgekehrt. Bauern stürmten in einigen Landschaften die
Schlösser der Herren und die Klöster. Sie verbrannten alte Dokumente,
in denen ihre Abgabeverpflichtungen verzeichnet waren.
Im September 1789 wurde das Brot wieder teurer. Bäckerläden
wurden von Frauen gestürmt.
Am 5. Oktober zog ein langer Zug von Frauen von Paris nach Versailles, wo
der König Hof hielt und die Nationalversammlung tagte. Die Frauen
drängten in die Sitzung ein und verlangten eine bessere
Lebensmittelversorgung. Der König erkannte diese wichtigen Forderungen des
dritten Standes an, nachdem die Menge drohte, das Schloß zu stürmen.
Er willigte auch ein, in das königliche Schloß von Paris zu ziehen.
Er und seine Familie wurden von den Aufständischen wie in einem Triumphzug
nach Paris geführt.
Fragen:
- Warum wurden neue Steuern erhoben?
- Wer sollte höhere Steuern zahlen?
- Was forderten die Einwohner von Guyancourt in dem Beschwerdebrief?
- Warum schloß sich der dritte Stand zu einer Nationalversammlung
zusammen?
- Was dürfte die Nationalversammlung nicht?
- Warum ist am 14. Juli für die Franzosen so wichtig?
- Was sollten die Truppen in Paris und Versailles machen?
- Welche Bedingung stellte der Gouverneur der Kaserne?
- Warum vernichteten die Bauern die Dokumente der Abgabepflicht?
- Was passierte am 5. Oktober 1789?
- Was forderte der Frauenzug?
- Wozu willigte der König ein, als die Menge das Schloß
stürmen wollte?
Nationalversammlung: Versammlung von Vertretern des dritten Standes, die
sich für das Volk einsetzte.
Garnison: Standort einer Truppe oder die Truppe selbst.
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