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Dioxinhendl, Rinderwahn und Salmonellen (Medienbes
Medienbesprechung 2/99
Dioxinhendl, Rinderwahn und Salmonellen lehrten die Konsumenten in den letzten
Tagen das Fürchten. Auch in Österreich wurde Dioxin in Futtermitteln
festgestellt. Die Behörden ließen darauf letzte Woche die betroffenen
Betriebe sperren. Am Abend des letzten Montags erfuhr Wilhelm Molterer, der
österreichische Landwirtschaftsminister, daß bei den Produkten zweier
österreichischer Futtermittelproduzenten, der steirischen Agra Tagger und
der niederösterreichischen Garant, Dioxin festgestellt worden war.
Daraufhin ließ Konsumentenschutzministerin Prammer am Mittwoch, dem 16.
Juli, 25.000 Eier in einem oberösterreichischen Legehennenbetrieb
beschlagnahmen, der von einer dieser Firmen beliefert worden war. Auch das
Schlachten von Tieren die im Verdacht stehen, mit dioxinverseuchtem Futter in
Kontakt gekommen zu sein, wurde verboten. Trotzdem wurde der Firma Garant der
Verkauf ihres Fischfutters wieder erlaubt, und die Sperre bei Agra Tagger wurde
von 3 auf 2 Produkte zurückgenommen. Dennoch hat die Dioxinaffäre
vergangene Woche auch die österreichische Landwirtschaft direkt erfasst.
Dazu sagte der Leiter der Agra Tagger im Profil vom Montag dem 21. Juli: (Zitat
S38/Unten)
Obwohl Toxikologen das akute Risiko selbst bei
belgischen Hühnereiern oder Fleisch als äußerst gering
einschätzen – gefährlich würde es erst werden, wenn man
Dutzende Grillhähnchen und noch mehr Eier täglich verzehre -, wollen
sie gleichzeitig Langzeitfolgen nicht ausschließen. Das krebserregende
Dioxin, das in Belgien wahrscheinlich durch ein leckes Heizungssystem die
Futtermittel verseuchte, kann auch das Nerven- und Immunsystem schädigen.
Bei bestimmten Affenarten reichte schon die einmalige Dosis von zehn Nanogramm
pro Kilo Körpergewicht, um sie infektionsanfälliger zu machen. Beim
Menschen wurden allerdings keine vergleichbaren Beobachtungen gemacht.
In Österreich sind die gemessenen
Dioxinwerte aber auch viel niedriger als in Belgien. Höchstwahrscheinlich
stammt die erhöhte Dioxinkonzentration in den Agra Tagger Produkten nicht
aus verwendeten Rohstoffen, darunter Soja aus Brasilien und Fette von Wiener
Firmen, sondern aus natürlicher Umweltbelastung. Dieser Umstand
unterscheidet den österreichischen Fall wesentlich vom Skandal in Belgien:
Dort geht, wie ebenfalls das Profil am Montag dem 21.6 meldete, die Behörde
mittlerweile davon aus, dass die überhöhten Dioxinwerte entweder auf
bei einem Unfall ausgetretenes Heizöl oder auf die Beimischung von
Altöl zu den verwendeten Fetten zurückzuführen
sind.
Bei österreichischen Firmen dürfte
das Umweltgift, das beispielsweise bei Müllverbrennung entsteht und in
geringer Konzentration fast überall vorhanden ist, über Luft oder
Staub in das Tierfutter gelangt sein. Dies würde auch die sehr viel
niedrigeren Dioxinwerte erklären.
Tatsache ist daher laut Profil, dass die in
Österreich gemessenen Dioxinkonzentrationen bedeuten nach
übereinstimmender Expertenmeinung keine Gesundheitsgefährdung –
wohl aber nach Ansicht von Babara Prammer und Wilhelm Molterer eine
„Qualitätsbeeinträchtigung“ der betroffenen Produkte. Im
Profil rechtfertigt sich Landwirtschaftsminister Molterer mit den Worten: (Zitat
S41) Die Gepflogenheiten der modernen Nahrungsmittelproduktion lassen aber
ständig neue Risiken auftauchen. Vielleicht sieht diese unser
Landwirtschaftsminister ja nicht, aber er kann kaum übersehen, dass
Futtermittelhersteller um Kosten zu sparen, allerlei Unrat in ihre Produkte
mischen. ALtöl aus Friteusen dient zum Beispiel als Energiespender für
Legehennen.. So gelangte in Belgien wohl auch das dioxinverseuchte Öl ins
Hühnerfutter. Damit Turbokühe die von ihnen geforderten dreißig
Liter Milch pro Tag zustande bringen, wird den Pflanzenfressern tierisches
Eiweiß verfüttert. Wie das mitunter herangeschafft wird, erfuhr die
Öffentlichkeit im Zuge des BSE Skandals: Rinderzüchter hatten ihren
Tieren – obwohl die Schafskrankheit Scrapie längst wütete
– zermahlene Schafskadaver ins Futter gemischt und sie so mit den Erregern
infiziert. Das meldete die Wochenzeitung Format am letzten
Montag.
Als Konsequenz der Skandale der jüngsten
Zeit rufen Konsumentenschützer nun wieder nach europaweit einheitlichen
Grundregeln bei der Lebensmittelprüfung. Derzeit unterscheiden sich die
nationalen Gepflogenheiten bei der Kontrolle von Lebensmittelproduktion und
– handel enorm. Pro tausend Einwohner werden zum Beispiel in
Großbritannien nur 2,65 Lebensmittelproben jährlich gemacht, in
Österreich sind es für die gleiche Anzahl Einwohner immerhin 6.
Dennoch haben nationale Entscheidungen EU weit Gültigkeit: Was im
testfaulen Großbritannien als unbedenklich gilt darf in der ganzen EU
verkauft werden.
In Österreich wenden sich aber trotz der
steigenden Qualität, auch wenn diese durch solche Skandale immer wieder
einen Rückschlag erhält, immer mehr Konsumenten von den Produkten der
Großbetriebe ab und kaufen statt dessen Bio Produkte. Vielleicht gibt es
so diese Probleme in Zukunft nicht mehr.
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