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Schweden
Schweden
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Ausarbeitung zum Spezialgebiet Geographie von Daniel Wolf,
8A
INHALT
1. Einleitung
1.1 Allgemein
1.2 Historischer Überblick
1.3 Politische Organisation
2. Geographie
2.1 Topographie
2.2 Geologie
2.3 Klima
2.4 Vegetation
3. Bevölkerung
3.1 Demographische Entwicklung bis 1930
3.2 Demographische Entwicklung ab 1930
3.3 Einwanderungen
3.4 Altersstruktur
3.5 Aufteilung nach Berufen
3.6 Geographische Aufteilung
4. Wirtschaft
4.1 Sozialversicherungssystem
4.1.1 Verwaltung des Sozialversicherung
4.2 Arbeitsmarktpolitik
4.3 Gesamtwirtschaftliche Entwicklung
4.4 Geld, Kredit, Währung
4.5 Investitionen
4.6 Handelspolitk
4.7 Außenpolitik
5. Schweden in der EU
5.1 Beitritt
5.2 Mitgliedschaft
5.3 Wirtschafts- und Währungsunion
1. Einleitung
1.1 Allgemein
Schweden ist eine konstitutionelle Monarchie (König Carl XVI. Gustaf)
mit einem Ein-Kammer-Parlament. Das Land erstreckt sich über eine
Fläche von 450.000 km2 und hat 8,8
Millionen Einwohner, was einer Bevölkerungsdichte von 20
Einwohnern/km2 entspricht. Im Vergleich dazu:
Österreich mit ca. 7,8 Mio. Einwohnern auf einer Fläche von 83.854
km2 und einer Bevölkerungsdichte von ca.
93 Einwohnern/km2. Durch die klimatischen
Gegebenheiten konzentriert sich die schwedische Bevölkerung allerdings auf
die Ballungszentren und die Großräume im Süden Schwedens. Diese
sind die Hauptstadt Stockholm mit 744.911 Einwohnern (Großraum Stockholm:
1,349 Mio. Ew.), die Hafenstädte Göteborg mit 435.000 Ew.
(Großraum Göteborg: 749.000 Ew.) und Malmö mit 234.000 Ew.
(Großraum Malmö: 490.000 Ew.).
Schweden ist Mitglied einiger internationaler Organisationen, wie der EU,
der UNO und deren Unterorganisationen, dem Nordischen Rat, der OECD und der WTO.
Außerdem wurden auch einige Abkommen mit Österreich geschlossen (z.B.
Doppelbesteuerungsabkommen, Abkommen über Sicherheit, Abkommen zur
Vereinfachung des rechtlichen Verkehrs u.a.).
1.2 Historischer Überblick
Die Grundlagen des Nationalstaates Schweden wurden im 16. Jahrhundert durch
König Gustav Wasa gelegt. Sein Enkel Gustav II. Adolf stieß im
Dreißigjährigen Krieg unter anderem auch bis nach Österreich vor
und Schweden blieb bis ins 18. Jahrhundert die führende Großmacht
Nordeuropas mit Estland, Lettland und Teilen Finnlands (mußte Anfang des
19. Jh. an Rußland abgetreten werden) und Norddeutschlands. Auch Norwegen
wurde von 1814 bis 1905 zu einer Union mit Schweden gezwungen. Seit 1809
(Auseinandersetzung mit Norwegen) war das Land in keinen Krieg mehr verwickelt
und die Entwicklung seit 1932 wurde vor allem durch die schwedische
Sozialdemokratie entscheidend geprägt.
1.3 Politische Organisation
Es gibt zwei politische Blöcke - den Linksblock mit Sozialdemokraten,
Kommunisten und Grünpartei sowie den Bürgerblock mit Konservativen,
Liberalen und Christdemokraten - zwischen denen ein Gleichgewicht herrscht, das
weitgehend zur Stabilität der schwedischen Innenpolitik beiträgt. Nach
den Reichstagswahlen 1994 sah die Verteilung der Stimmen folgendermaßen
aus: Sozialdemokraten: 45%, Moderate Sammlungspartei (früher Rechtspartei):
22%, Zentrumpartei: 8%, Liberale Volkspartei: 7%, Milieupartei: 5%, Linkspartei
(früher Kommunisten): 6% und Christdemokraten: 4%.
Ministerpräsident der Minoritätsregierung ist der Sozialdemokrat
Göran Persson.
2. Geographie
2.1 Topographie
Die Gesamtfläche Schwedens beträgt 449.964
km2, die Ausdehnung von Nord nach Süd
1.574 km (von 69° bis 55° nördl. Breite), von Ost nach West 499
km (von 24° bis 10° östl. von Greenwich). Das Land ist in 25
Provinzen aufgeteilt und die größten Städte sind die Hauptstadt
Stockholm, Göteborg im Westen und Malmö im Süden
(”Städtedreieck”). Die größten Inseln sind Gotland
und Öland die sich beide in der Ostsee befinden, die größten
Binnenseen sind Vänern und Vättern im südlichen Teil des Landes
und Mälaren in der Nähe Stockholms.
Von der Gesamtfläche sind 411.000 km2
reine Landfläche, die restlichen 39.000 km2
entfallen auf die Seen Schwedens. Ansonsten verteilt sich die
Gesamtfläche auf 54% Waldfläche, 16% Gebirge, 11% Moorgebiete, 9%
Wasserfläche, 8% Landwirtschaftsfläche und nur 3% auf bebaute
Fläche.
Schweden bildet mit seinen Nachbarländern Norwegen und Finnland die
sogenannte Skandinavische Halbinsel.
2.2 Geologie
Der südlichste Teil Schwedens wird Skåne (Schonen) genannt und
ist die Fortsetzung der fruchtbaren Tiefebene Norddeutschlands und
Dänemarks. Nach Norden hin geht diese in ein kargeres, waldreiches Hochland
(Småland) über. Der restliche Süden - besonders eine breite Zone
zwischen Stockholm und Göteborg - besteht aus einer flachen,
zerklüfteten und von Urgestein geprägten Landschaft, in der Felder,
Felsen, Seen und Inseln miteinander abwechseln. Nördlich davon grenzt eine
gewellte Hügel- und Berglandschaft mit großen Wäldern und weiten
Flußtälern (Norrland) an. In dieser Gegend gibt es Lagerstätten
von Erzen (Eisenerz, Kupfer, Blei, Zink), weswegen hier auch das älteste
Industriegebiet Schwedens (Bergslagen) entstanden ist. Erze kann man aber auch
in Västerbotten und Kiruna finden, wo allerdings Granite und Gneise
vorherrschen. Die Grenze zu Norwegen folgt einer Gebirgskette (Höhen
zwischen 1000 und 2000m), die im Silur und Devon gefaltet wurde. Auch die
großen Flüsse Schwedens haben hier ihren Ursprung. Den Felsgrund aus
dem Kambrosilur kann man vor allem als Sand- und Kalkstein auf den großen,
flachen Inseln (z.B. Öland, Gotland,...) finden.
Morphologisch gesehen wird Schweden von einem Hochland
(Rumpffläche) gebildet (Skandinavisches HL), das während der
Eiszeit (Pleistozän) vom Inlandeis bedeckt war, durch dessen Druck und
Bewegung die Landschaft verändert wurde. Die heutige Morphologie ist durch
folgende Folgeerscheinungen geprägt (glazialer Formenschatz):
- Oser: Schmelzwasserablagerungen des Eises
aus Schottern und Sanden, die im Relief wallartig erscheinen und einige hundert
Kilometer lang werden können. Sie treten in den Eisrückzugsgebieten
auf und wurden auch im Meer abgelagert (Ostsee).
- Drumlins: Sedimentkörper aus
Grundmoränenmaterial mit länglich-tropfenförmiger Gestalt, die
als Hügel in ehemals vergletscherten Gebieten auftreten. Die
Längsachse verläuft parallel zur Vorstoßrichtung des Eises,
wodurch das Vorderende flach und das Hinterende steiler geformt ist.
- Rundhöcker: glazial geformte
längliche Hügel aus anstehendem Gestein, deren gegen die
Fließrichtung des Eises gerichtete Seite geglättet, die
entgegengesetzte aufgerauht ist. Treten sie in marin überfluteten Gebieten
auf, sprichtt man von Schären.
- Moränen: von Gletschern verfrachtete
und angehäufte Schuttwälle.
- Senken wurden durch das Eis zu Tälern
(V- bzw. U-Tal) und Seen (z.B. Zungenbek-kenseen)
vertieft.
2.3 Klima
Schweden liegt in der Grenzzone zwischen polaren und subpolaren Luftmassen
sowie in der Nähe des Atlantiks mit dem warmen Golfstrom, wodurch auch das
Klima beeinflußt wird. Außerdem entsteht durch die Neigung der
Erdachse ein extremer Unterschied zwischen dem langen Tageslicht im Sommer und
dem ebenso langen Dunkel im Winter. Besonders ausgeprägt ist dieser
Unterschied aber nur nördlich des Polarkreises, wo in Winternächten
auch oft das berühmte Nordlicht auftritt. Direkt am Polarkreis
bleibt die Sonne nur für eine Nacht (im Sommer) über dem Horizont, je
weiter man in den Norden kommt, desto länger scheint sie im Sommer auch in
der Nacht (Mitternachtssonne), bzw. umso früher geht sie im Winter
unter. In der sogenannten Polarnacht geht die Sonne mehr als 24 Stunden
nicht über dem Horizont auf, umgekehrt geht sie am Polartag mehr als
24 Stunden nicht unter. Die Länge der Polarnacht und des Polartages
variiert zwischen einem Tag am Polarkreis und einem halben Jahr an den Polen.
Trotz seiner geographischen Lage genießt Schweden ein relativ
günstiges Klima. Der Wetterunterschied zwischen dem Norden und dem
Süden ist im Sommer eher gering, der Herbst und der Winter kommen im
nördlichen Landesteil allerdings früher, sind kälter und dauern
länger als in Südschweden.
Nordschweden hat Anteil an der Kalten (oder Polaren) Zone,
die zwischen dem Pol und dem Polarkreis liegt. Hier herrschen v.a. polare Hochs,
die im Winter stabile und trockene Kälte bringen, sowie der polare Ostwind
vor. Südschweden hingegen hat Anteil an der Gemäßigten
Zone, deren Klima vorwiegend durch ein subpolares Tiefdruckgebiet und durch
Westwinde vom Atlantischen Ozean, die Niederschläge und geringe
Temperaturunterschiede bringen, gekennzeichnet.
Im ganzen Land liegt die durchschnittliche Temperatur im Juli bei etwa
16°C, im Jänner variiert sie von -1°C (Südschweden) bis
-20°C (Nordschweden).
2.4 Vegetation
Der größte Teil der Bodenfläche Schwedens wird von
Nadelwäldern eingenommen, im Süden des Landes kommen aber auch
Mischwälder vor. Dort gab es früher außerdem Laubwälder
(Südliche Laubwaldregion), die jedoch dem Ackerbau weichen mußten und
heute teilweise durch Nadelwälder (Südliche Nadelwaldregion) ersetzt
worden sind. Die Inseln Gotland und Öland sowie Teile der Gebirgskette
haben durch den kalkreichen Felsgrund und dem günstigen Klima eine
interessante Flora mit u.a. Orchideenarten. Nördlich von Stockholm
schließt sich die Nördliche Nadelwaldregion an, zu der fast der ganze
Rest Schwedens gehört. Weiter im Norden nimmt die Dichte des Waldes ab
(Taiga) und als Folge von Verwitterung entsteht Podsol
(Bleicherde). In Teilen Nordschwedens herrscht aber auch die Tundra
(Kältesteppe) mit vielen Mooren und einer baumlosen Vegetation vor. Hier
kann man den Dauerfrostboden finden, der das ganze Jahr von einer dicken
Schneedecke bedeckt ist und nur im Sommer geringfügig auftaut.
Um die empfindliche Natur- und Kulturlandschaft zu schützen, richtete
Schweden 1910 als erstes europäisches Land Nationalparks ein, die sich
hauptsächlich im Gebirge Norrlands, aber auch in vielen anderen
Landesteilen befinden.
3. Bevölkerung
3.1 Demographische Entwicklung bis 1930
Bei der ersten Volkszählung in Schweden 1749 wurden 1,8 Millionen
Einwohner gezählt, 1850 stieg diese Zahl auf 3,5 Mio. an und 1930 gelangte
man schließlich auf eine Zahl von 6,1 Mio Einwohnern. Das entspricht einem
durchschnittlichen Wachstum von ca. 0,7% pro Jahr. Die Entwicklung bis 1810 war
durch hohe Geburten- und Sterberaten, sowie einem durchschnittlichen Wachstum
von 0,6% (starke Schwankungen durch Kriege, Epidemien, usw.) gekennzeichnet. Von
1810 bis 1870 ging die Sterblichkeit zurück, es gab nur mehr geringe
Schwankungen und das Bevölkerungswachstum lag bei 1% pro Jahr. In der Zeit
von 1870 bis 1930 gingen die Geburten und die Sterblichkeit weiter zurück
(Wachstum: 0,6%) und es kam zu einer größeren Auswanderungswelle vor
allem nach Nordamerika (Hungersnöte, Mißernten, begrenzter Bedarf an
Arbeitskräften,...).
3.2 Demographische Entwicklung ab 1930
Durch die Weltwirtschaftskrise und die dadurch niedrige Geburtenrate ging
auch das Bevölkerungswachstum auf 0,3% pro Jahr zurück. Während
der 40er, 60er, 80er und Anfang der 90er Jahre stieg die Geburtenrate stark an
und ist jetzt überdurchschnittlich hoch (etwa zwei Kinder pro Frau). Auch
die Lebenserwartung der Schweden ist höher als in anderen vergleichbaren
Ländern: Frauen werden 81,4 Jahre alt, Männer 76,1 Jahre.
3.3 Einwanderungen
Die Einwanderungen nach Schweden gehen schon ins 16. Jahrhundert auf
finnische Pioniere zurück, diese waren zahlenmäßig aber nicht
wirklich bedeutend. Als 1930 die Einwanderungen die Auswanderungen
überstiegen, beruhte das hauptsächlich auf zurückkehrende
Schweden. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte durch die expandierende Industrie
eine neue Einwanderungswelle von Arbeitnehmern v.a. aus Finnland. Seit den 70er
Jahren wurde die Einwanderungspolitik restriktiver und die heutige Einwanderung
besteht hauptsächlich aus Flüchtlingen.
3.4 Altersstruktur
Die Anzahl der Kinder unter 15 Jahren ist mit etwa einem Fünftel der
Gesamtbevölkerung rückläufig (vor 100 Jahren: ein Drittel). Die
Anzahl der über 64-jährigen hat sich dafür verdoppelt (auf 1,8
Mio. Menschen) und wird bis zum Jahr 2020 weiter steigen. Demnach machten 1995
die unter 14-jährigen 19%, die 15 bis 64-jährigen 64% und die
über 64-jährigen 17% der Bevölkerung aus.
3.5 Aufteilung nach Berufen
Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wandelte sich die
Wirtschaftsstruktur in Schweden. Industrie und Handel erfuhren einen starken
Aufschwung, während der Anteil der Arbeitnehmer in der Landwirtschaft von
78% (1855) auf 3% (1990) zurückging. Seit den 50er Jahren stagnieren
Industrie und Handel bei 28% und dem Dienstleistungssektor kommt eine immer
stärkere Bedeutung zu: 69% der Gesamtbeschäftigten.
3.6 Geographische Aufteilung
Insgesamt bevölkern die Hälfte der 8,8 Mio. Einwohner nur 3% der
Gesamtfläche Schwedens. Man erkennt hier also die Konzentration der
Bevölkerung auf die Ballungsräume im Süden (Stockholm,
Göteborg, Malmö). Durchschnittlich leben 8 von 10 Schweden in
Stadtregionen, im Verhältnis dazu beträgt die Bevölkerungsdich-te
im Norden 3 Ew./km2, in Stockholm hingegen 253
Ew./km2.
4. Wirtschaft
4.1 Sozialversicherungssystem
Die schwedische Sozialversicherung geht auf den Anfang des 20. Jahrhunderts
zurück und zeichnet sich besonders durch ihre Allgemeingültigkeit aus.
Die gesamte schwedische Bevölkerung ist individuell und unabhängig von
der Erwerbstätigkeit in einem einheitlichen System versichert, was ein
Resultat der sogenannten allgemeinen Sozialpolitik ist. Dieser
allgemeingültige Charakter ist auch trotz der Reduzierung vieler Leistungen
wegen der wirtschaftlich schwierigen letzten Jahre nicht verändert worden.
Diese Politik ist zusammen mit den kollektiven Arbeitsbeziehungen, deren
Ziel eine gleiche und gerechte Lohnverteilung ist, auch als das
”Schwedische Modell” bekannt. Die übergeordneten Ziele
dieses Modells sind Vollbeschäftigung und Gleichheit und es wurde durch den
demokratischen Staat und durch eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung
garantiert. Auf diese Weise wurde Schweden zum
”Wohlfahrts-Musterland” Europas, das allerdings besonders in den
letzten Jahren einige Einsparungen v.a. bei den Sozialleistungen hinnehmen
mußte, um z.B. die Konvergenzkriterien für einen Beitritt zur WWU
erfüllen zu können. Trotz der Sparmaßnahmen und der
Budgetsanierung soll das ”Schwedische Modell” aber auch in Zukunft
bestehen bleiben.
4.1.1 Verwaltung der Sozialversicherung
Sämtliche Leistungen (außer den Leistungen bei Arbeitslosigkeit)
werden auf lokaler Ebene von den Allgemeinen Versicherungskassen, die unter der
Aufsicht des Reichsversicherungsamtes stehen, verwaltet. Die Abgaben für
die Sozialversicherung werden über die Steuern eingenommen.
Das Sozialversicherungssystem setzt sich aus folgenden Leistungen zusammen:
Leistungen im Krankheitsfall (Krankenversicherung), Elternversicherung,
Rentenversicherung (zwischen dem 60.-70. Lebensjahr),
Berufsschadensversicherung, Arbeitslosenversicherung, wirtschaftliche
Unterstützung für Familien mit Kindern (Kindergeld) und
Wohngeld.
Als Mitglied der EU und aufgrund von Verträgen über soziale
Sicherheit mit Staaten außerhalb der Union hat Schweden die Regelungen der
Sozialversicherung den internationalen Verhältnissen
angepaßt.
4.2 Arbeitsmarktpolitik
Der schwedische Arbeitsmarkt war seit dem 2. Weltkrieg bis in die 90er
Jahre durch eine niedrige Arbeitslosigkeit (zwischen 1,2% und 3,5%), einer
steigenden Beschäftigung (v.a. im öffentlichen Sektor) und einer immer
höheren Erwerbsquote (v.a. durch das zunehmende Arbeitskräfteangebot
unter den Frauen) gekennzeichnet.
Durch eine tiefe Rezession stieg die Arbeitslosenrate 1993 auf 8,2% und ist
seitdem nur geringfügig gesunken. Besonders in dieser schlechten
wirtschaftlichen Lage ist die wichtigste Aufgabe der Arbeitsmarktpolitik, die
Entstehung von Langzeitarbeitslosigkeit zu verhindern. Um dieses Ziel zu
erreichen, sind eine Reihe verschiedener Maßnahmen erforderlich, wie z.B.
Matching (d.h. gegenseitige Anpassung von Arbeitskräfteangebot und
-nachfrage), angebots- und nachfrageorientierte Maßnahmen. Außerdem
gibt es Maßnahmen, deren einziger Zweck darin besteht,
Einkommensausfälle bei Arbeitslosigkeit zu ersetzen
(Arbeitslosenversicherungen) und verschiedene Formen von bildungspolitischen
Maßnahmen, die die Befähigung erhöhen (z.B. Erhöhung der
Zahl der Studienplätze, Erwachsenenbildung, Volkshochschulen,...). Dadurch
will die schwedische Regierung die Arbeitslosigkeit bis ins Jahr 2000 um die
Hälfte reduzieren.
Insgesamt gab Schweden im Haushaltsjahr 1992/93 13,2% der Staatsausgaben
für ar-beitsmarktpolitische Maßnahmen aus.
Die Verantwortung für die Arbeitsmarktpolitik liegt beim Reichstag und
der Regierung.
4.3 Gesamtwirtschaftliche Entwicklung
Schweden ist stark vom internationalen Handel abhängig, v.a. um den
hohen Lebensstandard aufrechterhalten zu können. 1993 entsprach der Export
einem Drittel des BIP, wobei 80% des Gesamtexports aus Industriegütern
bestand. Die wichtigsten Exportmärkte sind die EU und
Skandinavien.
Tendenzen 1980-90: Das BIP wuchs in dieser Zeit um 2% pro Jahr, was
mit anderen Industrieländern vergleichbar ist. Während der 80er Jahre
entwickelte sich Schweden aber unterschiedlich: Die Arbeitslosigkeit blieb
niedrig, die Preise und Löhne stiegen schneller, die Beschäftigung und
damit auch die Produktion stiegen. Ende der 80er Jahre verschlimmerten sich
schließlich auch die Kosten- und Inflationsprobleme.
Zwischen 1990 und 1993 ging das BIP um 5%, die Zahl der
Beschäftigten um 10% zurück und die Arbeitslosigkeit verdoppelte sich
auf über 8%. Die Rezession in dieser Zeit traf Schweden stärker als
andere Länder (v.a. wegen dem Übergang von hoher zu niedriger
Inflation). Ende 1993 fing die schwedische Volkswirtschaft an, sich wieder
langsam zu erholen. Der Export stieg schnell, die heimische Nachfrage
stabilisierte sich und die Wettbewerbsstellung der schwedischen Industrie war
stark.
Zum Jahreswechsel 1995/96 verzeichnete Schweden das höchste
Wachstum des BIP (ca. 4% gegenüber dem Vorjahr) seit 1988. Ab 1996 wird
sich das Wachstum wieder verlangsamen und wahrscheinlich auf die Hälfte
zurückgehen.
4.4 Geld, Kredit, Währung
Die schwedische Geldpolitik ist auf Währungs- und Preisstabilität
ausgerichtet. Durch die schwache Krone lag die Inflationsrate Mitte 1995 bei
2,7% und ist 1996 auf ca. 3% gestiegen.
Die Leitzinsen wurden bis zur Aufwertung der Krone (Ende 95) gegen den
internationalen Trend zu Zinssenkungen erhöht (Diskontrate von 7 auf 7,5%).
Für 1996/97 wird aber eine Entspannung in der Zinsentwicklung
erwartet.
Durch den schnell wachsenden Überschuß der Zahlungsbilanz und
dem zunehmenden Vertrauen in die Krone (aufgrund günstiger
Binnenentwicklungen, einer deutlichen Verbesserung der Staatsfinanzen, eines
hohen Wirtschaftswachstums und einer niedrigen Inflation) wird eine weitere
Aufwertung der schwedischen Krone erwartet.
4.5 Investitionen
Die Investitionen der gewerblichen Wirtschaft haben 1995 stark zugenommen.
Besonders im verarbeitenden Gewerbe, der Papier-, Eisen-, Stahl- und
Elektoindustrie sind Steigerungen verzeichnet worden.
Für 1996 wurde allerdings ein Rückgang der
Investitionstätigkeit erwartet, weil einerseits die Kapazitätsgrenzen
der Betriebe erreicht sind und andererseits die Steueranreize der Regierung
für den Wirtschaftsbau auslaufen.
4.6 Handelspolitik
Schweden hat aus Tradition eine liberale Freihandelspolitik betrieben und
ist stark vom Außenhandel abhängig. Zum einen war der Handel mit
anderen Ländern eine wichtige treibende Kraft bei der Entwicklung zur
Industrienation mit einem hohen Lebensstandard, zum anderen hat der Zugang zu
ausländischen Märkten der schwedischen Industrie ermöglicht, sich
zu spezialisieren und zu expandieren.
Export: Die früher sehr starke Abhängigkeit
Schwedens vom Rohstoffexport (v.a. Eisenerz) hat abgenommen,
forstwirtschaftliche Produkte kommen aber immer noch für ein Fünftel
des Exports auf. Die Hälfte des Exports machen Produkte der
metallverarbeitenden Industrie (z.B. elektronische Erzeugnisse, Kfz,
Maschinen,...) aus.
1992 hielt Schweden den 17. Platz unter den Exportnationen der Welt, der
Anteil Schwedens am Weltexport ist aber seit Ende der 80er Jahre langsam
zurückgegangen. Schnelle Kostensteigerungen haben die
Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beeinträchtigt und zu sinkenden
Marktanteilen geführt. Gleichzeitig hat die Exportindustrie eine
Internationalisierung durchgemacht, die dazu geführt hat, daß die
großen schwedischen Unternehmen mit ihren Tochtergesellschaften im Ausland
etwa 2/3 ihrer
Gesamtproduktion außerhalb Schwedens bestreiten.
Import: Der schwedische Import wird ebenfalls von Produkten
der metallverarbeitenden Industrie dominiert (39,1%). Die
nächstgrößeren Gruppen bilden chemische Produkte, Textil,
Mineralien, Nahrungsmitel, Erdöl und Erdölprodukte. Der Import hat
stark zugenommen und ist jetzt pro Kopf der Bevölkerung einer der
höchsten der Welt.
Der Außenhandel spielt sich hauptsächlich mit anderen
Industriestaaten ab: 1993 gingen fast 90% des schwedischen Exports an die
Staaten der OECD, auf die gleichzeitig ein ebenso großer Anteil des
Imports entfiel. Außerdem konzentriert sich der Außenhandel
hauptsächlich auf westeuropäische Märkte, wie z.B. die
Mitgliedsländer der EU, die für die Hälfte der schwedischen
Exporte und Importe aufkommen. Seit 1995 hat sich dieser Anteil durch den
Beitritt Schwedens noch erhöht. Auch die EFTA war ein wichtiger
Handelspartner mit rund einem Fünftel der Exporte. Der
drittgrößte ausländische Markt sind die USA, andere schnell
wachsende Märkte sind der Ferne Osten, China, Taiwan, Südkorea und
Singapur. Betrachtet man einzelne Märkte, so ist Deutschland gefolgt von
Großbritannien und Norwegen der wichtigste Exportmarkt Schwedens. Aber
auch den USA und Dänemark kommen v.a. bei den Importen große
Bedeutung zu.
Im Zuge der Rezession 1992 hörte das Wachstum des Außenhandels
ganz auf und sowohl der Export als auch der Import gingen um ein paar Prozent
pro Jahr zurück. Das führte wiederum zu Unruhen auf dem Devisenmarkt,
weshalb man die Krone gegenüber anderen Währungen frei floaten
ließ, es kam zu einer starken Abwertung der Krone und die Exportindustrie
hat sich langsam wieder erholt.
Einfuhrbeschränkungen: Die schwedischen
Einfuhrzölle gehören zu den niedrigsten der Welt (ca. 3-5%) und die
Einfuhr von Rohstoffen ist in der Regel zollfrei. Andere Beschränkungen
gibt es, bis auf den Landwirtschaftssektor, kaum.
4.7 Außenpolitik
Schweden verfolgte während der Weltkriege und auch in der Zeit danach
eine Neutralitätspolitik, durch die das Land eine unabhängige Politik
auf dem Gebiet der Sicherheit betreiben konnte. 1946 trat Schweden den Vereinten
Nationen bei, um den zunehmenden Spannungen in Europa in dieser Zeit
auszuweichen und um den Frieden zu erhalten, wählte Schweden aber eine
Außenpolitik der Bündnisfreiheit im Frieden, die auf Neutralität
im Kriegsfall abzielte und sich auf eine starke Landesverteidigung
gründete.
1959 half Schweden, die EFTA ins Leben zu rufen, v.a. um seine
handelspolitischen Interessen zu befriedigen. Als sich in den 60er Jahren andere
EFTA-Mitglieder der EG anschlossen, wählte Schweden eine Alternative,
nämlich ein Freihandelsabkommen zwischen EG- und EFTA-Staaten (1972/73).
Diese Partnerschaft zwischen EFTA und EG wurde 1992 durch ein Abkommen über
den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) noch weiter
verstärkt.
Durch seine Neutralität war es Schweden anfangs nicht möglich,
der EG beizutreten, durch die zahlreichen Veränderungen in Europa erschien
diese Politik aber weniger relevant und man fand keinen Widerspruch zwischen
einem Beitritt und der Bündnisfreiheit. Deshalb beantragte der Reichstag
1990 die volle Mitgliedschaft Schwedens in der EG. Am 13. November 1994 fand die
Volksabstimmung statt, bei der etwas mehr als die Hälfte der Wähler
mit ”Ja” stimmten und am 1. Jänner 1995 wurde Schweden zusammen
mit Österreich und Finnland Mitglied der EU.
Entwicklungshilfe: Schweden ist aktiver Partner bei den
Anstrengungen der Entwicklungsländer, ihre Lebensbedingungen zu verbessern
und stellt rund 1% seines Bruttosozialeinkommens zur Verfügung.
Vereinte Nationen (UN): Mittlerweile ist diese Mitgliedschaft
zu einem der Eckpfeiler der schwedischen Außenpolitik geworden. Zusammen
mit den anderen nordischen Ländern ist Schweden bemüht, die
friedenserhaltenden Operationen der UN zu entwickeln und zu verstärken und
ist v.a. in den Bereichen der Menschenrechte und der Rechte der Frauen und
Kinder sehr engagiert. Außerdem ist Schweden einer der aktivste Teilnehmer
an den Bemühungen zur Bekämpfung der ernsten globalen
Umweltbedrohungen.
5. Schweden in der Europäischen
Union
5.1 Beitritt
Schon vor 35 Jahren wurde in Schweden über einen Beitritt zur
damaligen EWG diskutiert, er wurde damals jedoch durch die schwedische
Neutralitätspolitik nicht verwirklicht. Erst am 13. November 1995 hat sich
das schwedische Volk mit 52,3% ja, 46,8% nein und bei 0,9% Enthaltung für
einen Beitritt zur EU ausgesprochen (Wahlbeteiligung: 83,3%). Der Beitritt war
der Höhepunkt einer langjährigen Integration und Zusammenarbeit mit
den EU-Ländern. Der Ausgang der Abstimmung fiel, anders als in
Österreich, nur mit einer knappen Mehrheit aus. Vor allem in den
Ballungsräumen im Süden und Westen und in anderen mittelgroßen
Städten gab es eine große Anzahl an Befürwortern für einen
Beitritt, in den entlegeneren Regionen und in der unteren Lohngruppe gab es mehr
Gegner.
Die EU-Befürworter erwarteten sich durch den Beitritt unter anderem
Frieden in Europa, mehr Arbeitsplätze, höhere Löhne und
niedrigere Steuern. Die Gegner befürchteten den Verlust der nationalen
Selbstbestimmung, Großmachtgelüste der EU, Arbeitslosigkeit und
daß der Stimme Schwedens zu wenig Gewicht zukommen würde.
Die politischen Gründe für das Beitrittsansuchen von
Ministerpräsident Ingvar Carlsson waren u.a. die schwache Finanzpolitik
Schwedens und die dadurch hohe Inflation. Außerdem strebte man eine
Internationalisierung der Politik an und durch die Zusammenarbeit in Europa will
man die Beschäftigungskrise bewältigen.
Um die Wirtschaft zu stabilisieren und an das europäische Niveau
anzupassen, sind Einsparungen von 20 Mrd. Kronen geplant, was ebenso wie der
Vertrag von Maastricht (v.a. wegen der Verteidigungspolitik) in der
Bevölkerung keine Begeisterungsstürme auslöst. Allerdings tritt
Schweden sehr stark für eine Osterweiterung der Union ein. Andere Ziele,
die man in der EU erreichen will, sind der Freihandel, mehr Beschäftigung,
Transparenz im Entscheidungsprozeß, Gleichberechtigung zwischen Mann und
Frau und eine verschärfte Umweltpolitik.
5.2 Mitgliedschaft
Schweden erhält vier Stimmen im Ministerrat, 22 Sitze im EU-Parlament,
ein Mitglied in der Kommission und Schwedisch wird offizielle
EU-Sprache.
Außerdem stellte die EU Fördermittel für die
dünnbesiedelten und kalten Gebiete Nordeuropas (mit weniger als 8
Ew./km2) in Höhe von 2,4 Mrd skr/Jahr zur
Verfügung.
Die militärische Bündnisfreiheit war für Schweden
Ausgangspunkt der Verhandlungen und somit hat es in der WEU Beobachterstatus
eingenommen.
In der Landwirtschaft unterstützt Schweden die Pläne für
weniger Regulierungen und Subventionen und die Öffnung der EU-Märkte
für ausländische Produkte.
Schweden will an der WWU teilnehmen (früher war die Krone an den ECU
gebunden, nach 1992 ließ man sie floaten) und akzeptiert die
Wechselkursbestimmungen obwohl dazu erst das Defizit und die Schulden korrigiert
werden müssen.
Die Teilnahme Schwedens und auch Finnlands spielt eine wichtige Rolle im
Zusammenhang mit der Zusammenarbeit im Norden (Norwegen) und einer
möglichen Osterweiterung in Richtung der baltischen Staaten.
5.3 Wirtschafts- und Währungsunion
Schweden hat gute Möglichkeiten, in einigen Jahren die Kriterien
für einen WWU-Beitritt zu erfüllen. Doch selbst bei einem
Nicht-Beitritt erfüllt das Konvergenzprogramm, das 1995 breite politische
Zustimmung fand, einen wichtigen Zweck und stellt hohe Anforderungen an die
Volkswirtschaft. Dieses Programm ist ein Plan auf mittelfristige Sicht - bis zum
Jahr 2000 - und hat die Erfüllung der Konvergenzkriterien zum
Ziel.
Die WWU soll spätestens 1999 in Kraft treten, sie wird aber schon
jetzt in Schweden ständig diskutiert, denn man will nicht
”gezwungen” werden, beizutreten, sondern man will erst die konkrete
Bedeutung der WWU abwarten.
Bedeutung des Konvergenzprogrammes für die
Wirtschaftspolitik: Es werden ausgeglichene öffentliche Finanzen,
eine niedrige Inflationsrate, stabile Wechselkurse und niedrige Zinssätze
gefordert. Schweden hat bisher nur das Kriterium für die Inflation
erfüllt, die restlichen will man bald erreichen, außerdem auch noch
die innenpolitisch wichtigen Ziele in Bezug auf Beschäftigung und
Umweltschutz.
Zur Erfüllung der Kriterien hat der Reichstag ein Programm mit vier
stabilisierenden wirt-schaftspolitischen Maßnahmen (ähnlich den
Konvergenzkriterien) beschlossen:
1. Ausgeglichene öffentliche Finanzen: Das Haushaltsdefizit
darf 3%, die Verschuldung darf 60% des BIP nicht übersteigen. Für 1997
soll das schwedische Defizit bei 3,5% des BIP (1993 - 13%), die Verschuldung im
Jahr 2000 bei 75% (1996 - 85%) liegen.
2. Niedrige Inflationsrate: Die Inflationsrate darf 1,5% des Mittels
der drei Länder mit der niedrigsten Rate nicht übersteigen. 1995 lag
die Rate in Schweden unter 3% und kann so bis 2000 beibehalten werden, solange
die Löhne und Preise nicht erhöht werden.
3. Stabiler Wechselkurs: Die Währung muß innerhalb der
Bandbreite des Wechselkursmechanismus des EWS liegen
(± 15%). Da Schweden 1992 die festen
Wechselkurse aufgab und die Krone floaten ließ, liegt es derzeit
außerhalb dieses Kriteriums.
4. Niedrige Zinssätze: Die Zinsen dürfen 2% des
Zinsniveaus der drei besten Länder nicht überschreiten. Derzeit ist
Schweden mit 4-5% Abweichung weit davon entfernt.
Wenn Schweden die ersten beiden Ziele erreicht, ist auch die
Möglichkeit gegeben, die anderen beiden zu erfülen. Allerdings
muß es sich dazu strikt an das Programm halten, um die Defizite zu
beseitigen und auch sein Ansehen in internationalen Wirtschaftskreisen
stärken und zeigen, daß es auf dem Weg nach oben ist. Doch selbst
wenn Schweden alle Ziele erreicht steht noch nicht fest, ob das Land der WWU
beitritt, da man u.a. negative Folgen für die Exportwirtschaft
befürchtet.
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