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Hofmannsthal, Hugo von: Der Schwierige
Hugo von Hofmannsthal - der
Schwierige
Hugo von Hofmannsthal kam aus einer angesehenen und
reichen Familie. Schon seine Großväter besaßen zahlreiche
Fabriken, von deren Beschäftigung die Existenz Tausender Familien abhing.
1873 verlor sein einflußreicher Vater bei einem Börsenkrach einen
Großteil seines Vermögens. Als das Talent seines Sohnes schon in
seinen jungen Jahren sichtbar wurde, hatte sein Vater gegen den Dichterberuf
nichts einzuwenden, denn er sah darin eine Möglichkeit, den Namen der
Familie "reinzuwaschen". Schon als 17-jähriger beweist Hugo von
Hofmannsthal großes Können in seinen Versen. Seine Verse sind
melodiös, klar gegliedert, einfach in der Sprache und voller Lebendigkeit.
Der Schwierige ist eine Drama-Komödie in drei
Akten, ein Nachruf auf die Gesellschaft der k.u.k. Monarchie, die zum Zeitpunkt
des Geschehens, der Handlung des Stückes schon nicht mehr existiert. Im
Jahre 1919 erließ die junge österreichische Republik übrigens
ein Gesetz, das den offiziellen Gebrauch von Adelstiteln ausdrücklich unter
Strafe stellt.
Der Held des Stückes ist der nicht mehr ganz junge
Graf Hans Karl Bühl, in dessen Wiener Stadtpalais ein Teil der Handlung
spielt. Der andere Teil ereignet sich im Palais der Grafen Altenwyl; wir
befinden uns also in einer streng geschlossenen
Adelsgesellschaft.
Kari Bühl hat den ersten Weltkrieg als Offizier
mitgemacht und hat das Trauma verschüttet zu werden erlebt. Dieses Erlebnis
und die damit verbundene Konfrontation mit dem Tod hat ihn seiner
Gesellschaftskaste, die andauernd oberflächliche Konversation betreibt,
ziemlich entfremdet. Er kann und will an diesem Trieben nicht mehr so recht
mitmachen. Trotzdem geht er, wenn auch widerwillig, auf alle Feste zu denen er
eingeladen ist.
Seine Schwester Crescence bittet ihn im Rahmen einer
Soiree bei den Altenwyls die Verlobung ihres Sohnes Stani mit der Tochter des
Hauses, Helene, anzubahnen. Dieser Auftrag widerspricht aus mehreren
Gründen den Prinzipien Hans Karls. Alles was mit “Absichten”
verbunden ist, ist ihm ein Greuel. Noch dazu haßt er es Dinge, die
wirklich wichtig sind und auf die es im Leben ankommt, mit konventionellen Reden
zu zerstören. Kari ist aber von Leuten umgeben, die sowohl voller Absichten
als auch voller abgedroschener, aufdringlicher, frecher oder geschwollener Reden
sind.
Hans’ neuer Diener ist der erste Vertreter dieser
Gruppe von Schwätzern. Ihm geht es allein darum seinen neuen Herren rasch
“in den Griff zu bekommen”, um das ganze Haus dann nach seinem
Guttücken führen zu können. Am Ende des Stückes wird er
allerdings entlassen, weil Hans Karl, der ein gutes Gespür für
Menschen hat, seine freche und aufdringliche Art ziemlich schnell durchschaut
hat.
Sein Sekretär Neugebauer kommt etwas besser weg,
aber auch er ist eine negative Figur des Stücks. Er läßt seine
langjährige Geliebte im Stich, um eine ihm vorteilhafter erscheinende Ehe
einzugehen. Als er mit Hans Karl darüber spricht macht er aggressive
Bemerkungen in Richtung Adel, die im gegenständlichem Fall einfach
unbegründet scheinen.
Besonders widerwärtig aber ist der norddeutsche
Baron Neuhoff, der die unangenehmsten Töne anschlägt. Die ganze
Präpotenz und Aggressivität preußischer Aristokraten ist in ihm
verkörpert. Er macht sich über die dekadenten Österreicher lustig
und lobt in vollen Tönen die unverbrauchte Kraft seiner
Landsleute.
Hans Karl, sein Freund Hechingen und vor allem die
wundervolle Helene sind die Gegenfiguren zu diesen korrupten oder sogar
gefährlichen Typen. Sie verkörpern Aufrichtigkeit der Gefühle,
Takt, wahre Freundschaft, kurz, alle Tugenden, die die anderen so sehr vermissen
lassen. Natürlich kommen am Ende Helene und Hans Karl nach vielen
Mißverständnissen und Verwirrungen zusammen. Das Stück hat ein
klassisches Happy End, das Gute triumphiert. Irgendwie kann man sich bei aller
Eleganz der Sprache und Witzigkeit der Situation aber des Eindrucks von etwas
Kitschigen erwehren. Hans Karl und Helene sind zu schön, zu gut und zu
edel, und die Bewunderung Hofmannsthals für das von ihm geschilderte
hochadelige Milieu und das alte Österreich ist vielleicht doch
übertrieben.
Er ist ein Mann um die vierzig, er hat ziemlich viel
erlebt und der erste Weltkrieg mit seinen Schrecknissen hat ihn tief
geprägt, ja vielleicht sogar verändert. Er ist im Schützengraben
verschüttet worden und hat Todesängste ausgestanden. Im Krieg hat er
auch Angehörige anderer Gesellschaftsklassen besonders schätzen
gelernt, obwohl man den Eindruck hat, daß er auch schon davor ohne
Überheblichkeit war.
Er ist ein anständiger, feinsinniger und
freundlicher Mensch, der allerdings nicht frei ist von Ängsten und
Hemmungen. Er wirkt nicht glücklich und entspannt, und das Milieu in dem er
lebt, scheint ihn zu quälen, ohne daß er etwas von einem
Revolutionär oder Gesellschaftskritiker auf sich hätte. Die Enge,
Oberflächlichkeit und Arroganz seiner Verwandten und Bekannten macht ihm
aber offensichtlich sehr zu schaffen. Die Angehörigen anderer
Gesellschaftsschichten, die auftreten kommen allerdings auch nicht viel besser
weg als die Aristokraten, für die Hofmannsthal im übrigen aber viel
Bewunderung und Nachsicht zeigt. Für ihn, der aus einer reichen
großbürgerlichen Familie stammt, dessen Adel noch sehr jung ist,
waren diese großen Herrschaften spürbar eine “Klasse für
sich”. Ihre Schwächen und Fehler kritisiert er mit mehr Nachsicht als
die des Sekretärs und des Dieners. Hans Kari Bühl findet er aber
sicher großartig, und so wie er ihn beschreibt, kann man sich seinem
Urteil auch nur anschließen. Hans Karl ist aber eine Idealfigur, die
eigenartigerweise sehr lebendig und glaubwürdig, dann aber auch wieder fast
kitschig wirkt; einfach zu gut um wahr zu sein.
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