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Hoffmann, Ernst Theodor Amadeus: Das Fräulein von
Jan-Frieder Hain Deutsch
Referat:
Das Fräulein von
Scuderi
Einleitung:
Die kriminalistische Erzählung
"Das Fräulein von Scuderi" von Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann erzählt
von einer alten Dichterin die durch ihre Weisheit und Intuition einen
Kriminalfall löst.
Inhalt:
Magdaleine von Scuderi, eine alte,
weise Dichterin wohnt durch die Gunst Ludwig des XVI. und seiner Gemahlin in
einem kleinen Haus in Paris. Es ist schon spät und sie schläft schon,
als es an der Tür heftig klopfte. Ihre Kammerfrau öffnet
schließlich, läßt den Fremden aber trotz flehender Bitten nicht
zu ihrer Herrin, da sie ein Verbrechen befürchtet. Als der Fremde
hört, daß die berittene Polizei im Anmarsch ist, gibt er der Dienerin
ein Kästchen, sagt ihr, daß sie es der Scuderi so bald wie
möglich geben müsse und flieht. Die Kammerfrau und der gerade erst
zurückgekehrte Diener befürchteten eine Giftfalle in dem
Kästchen, da in Paris vor kurzem erst eine Giftmordwelle durch den Einsatz
eines neuen Gerichtshofes, der Chambre ardente, äußerst
blutig, teilweise mit Hinrichtungen Unschuldiger, gestoppt werden konnte.
Dieser, vom König selbst ernannte Gerichtshof, dessen Präsident la
Regnie ist, verfolgt zur Zeit eine Serie von Juwelendiebstälen die durch,
wie man annimmt, eine Bande von Profis durch Einbruch, Raub und oft auch Mord
verübt wurden. Die Täter stehlen hauptsächlich Nachts, wenn
Männer ihren Geliebten reiche Geschenke bringen, mit tödlicher
Präzision den Edelmännern ihren Schmuck und ihr Gold und flüchten
dann ohne auch nur die kleinste Spur zu hinterlassen. So kommt es, daß die
Edelmänner sich zusammentun und einen Brief an den König schreiben
indem sie ihn bitten, einen neuen Gerichtshof mit noch mehr Macht ins Leben zu
rufen. Das lehnt der König, von den vielen Hinrichtungen des
blutrünstigen la Regnie abgeschreckt, ab, fragt aber das Fräulein von
Scuderi nach ihrer Meinung. Diese sagt halb im Scherz zum König, daß
ein Liebender, der die Diebe fürchtet, der Liebe nicht wert ist. Dieser
Satz beeindruckt ihn sehr und er beschließt, nicht noch mehr unschuldiges
Blut vergießen zu lassen.
Als am nächsten Morgen die
Kammerdienerin der Scuderi das Kästchen gibt, erzählt sie ihrer Herrin
was in der vorigen Nacht Schreckliches passiert sei und rät das
Kästchen vorsichtig zu öffnen. Die Scuderi ist überzeugt,
daß der nächtliche Besucher nichts Böses im Sinn hatte und
öffnet das Kästchen. Nach dem Öffnen sieht sie in dem
Kästchen ein paar goldene, mit Juwelen besetzte Armbänder und einen
solchen Halsschmuck. Außerdem enthält das Kästchen einen Zettel
auf dem der Satz steht, den sie beim König im Scherz gesagt hatte mit dem
Beisatz, daß sie der Scuderi sehr dankbar seien, daß sie sie von
großer Verfolgung errettet habe und das sie ihr diesen kostbaren Schmuck
schenken wollen. Unterschrift: Die Unsichtbaren. Die Scuderi ist sehr
bestürzt und wendet sich an die Gemahlin des Königs. Diese weiß,
daß der Schmuck nur von René Cardillac, dem besten Goldschmied von
Paris gefertigt seien konnte. Dieser ist ein Meister seiner Kunst, arbeitet mit
Leidenschaft an jedem Schmuck und ist nur schwer von seinen Werken zu trennen.
Cardillac wird an den Hof geladen, um ihn zu fragen wem er diesen Schmuck
gefertigt habe. Er erzählt, daß er den Schmuck nur für sich
allein gefertigt hat und daß er aus seiner Werkstatt gestohlen worden sei.
René Cardillac will der Scuderi den Schmuck schenken, da er glaubt, das
Schicksal habe es so bestimmt, doch die Scuderi lehnt ab. Der Goldschmied ist
sehr nervös scheint innerlich mit sich zu ringen. Schließlich wird
sie aber von der Maintenon, der Gemahlin des Königs, überredet, das
Geschenk doch anzunehmen. Nachdem er der Scuderi die Füße
geküßt hat, rennt er Hals über Kopf, Tische und Stühle
umwerfend davon. Die Scuderi ist verwundert über dieses Betragen, aber die
Maintenon erklärt ihr das er unsterblich in sie verliebt sei. Trotz des
teuren Geschenks, will die Scuderi den Schmuck nie tragen, da an ihm das Blut
der unschuldigen zu kleben scheint. Einige Monate später, als die Scuderi
gerade in einer Glaskutsche fährt, wirft ihr der junge Mann, der ihrer
Kammerfrau in der Nacht das Kästchen gegeben hatte, einen Zettel zu auf dem
steht, daß sie den Schmuck jeden Fall zu Meister René
zurückbringen solle, um ihres eigenen Leben willen. Die Scuderi ist nun von
der Unschuld des jungen Mannes vollends überzeugt und will den Schmuck, der
ihr sowieso nicht recht behagt dem Goldschmied zurückgeben. Sie meint den
Jüngling zu kennen, aber geht erst nach zwei Tagen zu Cardillacs Werkstatt.
Als die Scuderi dort ankommt erfährt sie, daß René Cardillac
in der Nacht durch einen Dolchstoß ermordet wurde. Als der
Verdächtige, Cardillacs Geselle dessen Name Olivier Brusson ist, in Ketten
abgeführt wird erkennt sie in als den Jüngling. Die Tochter des
Goldschmieds, Madelon, die Geliebte des jungen Mannes, beteuert seine Unschuld
und fleht, ihn doch freizulassen. Die Scuderi ist durch das Verhalten Oliviers
und seiner Geliebten von seiner Unschuld überzeugt und hat Mitleid mit den
Beiden. Die Scuderi nimmt Madelon zu sich auf und diese erzählt ihr, was
sich in der Nacht zugetragen hat. Olivier hätte sie in der Nacht geweckt
und zu ihrem, im Sterben liegenden Vater gebracht. Dieser sei während eines
Spazierganges mit ihm überfallen und mit einem Dolch ins Herz gestochen
worden sein. Olivier hätte ihn dann den weiten Weg nach Hause geschleppt.
Sie hätten beide geweint und gejammert, da auch Olivier seinen Meister wie
einen Vater liebte. Die Scuderi ist sehr bewegt von Madelons Leiden und glaubt
an die Wahrheit ihrer Aussage. Nach einer Erkundigung bei den Nachbarn über
das Verhältnis des Lehrlings zu seinem Meister findet sie bestätigt
was Madelon ihr erzählt hat. Währenddessen leugnet Olivier vor der
Chambre ardente den Mord an René Cardillac und sagt das selbe aus wie
Madelon. Die Scuderi stellt selbst Nachforschungen und läßt sich das
Ereignis bis ins kleinste Detail immer und immer wiederholen. Doch solange sie
auch forscht sie findet kein Tatmotiv für Olivier. Von der völligen
Unschuld überzeugt faßt die Scuderi den Entschluß, Olivier um
jeden Preis vor der Chambre ardente zu retten. Aus diesem Grund ging sie zu la
Regnie und schilderte ihm ihr Anliegen. Dieser jedoch ist von der Schuld
Oliviers überzeugt und zählt dem Fräulein von Scuderi die Beweise
auf, die eindeutig gegen ihn sprechen. Er ist außerdem davon
überzeugt, daß Olivier zu der Bande der Juwelenräuber
gehört, die schon lange nachts auf den Straßen die Leute ausrauben
und noch nicht gefaßt werden konnten. Daß Madelon in die Sache
verwickelt ist will la Regnie ebenfalls nicht ausschließen. Am Ende des
Gesprächs ist die Scuderi ziemlich fertig, bittet la Regnie aber Olivier
sehen zu dürfen. Diesen Wunsch gewährt er ihr. Doch als sie ihn sieht
und wie er untergebracht ist fällt sie in Ohnmacht und will, als sie wieder
aufwacht sofort nach Hause. Sie ist jetzt von der Schuld Oliviers überzeugt
und weist Madelon ab, als diese sie anfleht Olivier zu helfen. Das Verhalten
Madelons aber läßt sie wieder zweifeln an der Richtigkeit ihrer
Überzeugung. Innerlich zerrissen weiß die Scuderi nun nicht wem sie
glauben soll. Da erhält die Scuderi eine Bitte, daß Olivier sie in
ihrem Haus treffen wolle, um sich mit ihr über alles zu unterhalten. Ihr
wird erzählt, daß Olivier nur mit höchster Verehrung von ihr
spräche und er diese Gespräch unbedingt wünsche. Da sie sich
Klarheit aus diesem Gespräch erhofft willigt sie ein. In der Nacht wird
Olivier Brusson zu ihr geführt und während das Haus von Polizei
umstellt ist, sind Olivier und die Scuderi alleine in einem Zimmer. Olivier
kniet nieder und fleht die Scuderi an ihm zu helfen. Sein Betragen
läßt sie alle Furcht vor dem vermeintlichen Mörder René
Cardillacs vergessen und sie hört ihm zu. Olivier fragt, ob sie ihn nicht
wiedererkennen würde und dann erzählt er ihr, daß er der Sohn
ihrer Pflegetochter Anne Guiot, die einen Uhrmacher geheiratet hatte, sei. Das
Fräulein von Scuderi ist geschockt, da er es war, den sie wie ihren eigenen
Sohn liebte und fast ständig bei ihm war. Dann, vor 23 Jahren waren sie
nach Genf gezogen und die Scuderi hatte nie mehr etwas von ihnen gehört.
Als sie sich wieder einigermaßen erholt hat, bittet sie ihn Platz zu
nehmen und anfangen zu erzählen. Bevor er jedoch beginnt beteuert er der
Scuderi nach einmal, daß auch wenn er von des Henkers Hand sterben
müsse, so sei er doch rein von jeder Blutschuld.
Olivier erzählt, daß die
Eltern beide früh, kurz nacheinander gestorben seien. In Genf geht er dann
in die Lehre bei einem Goldschmied, welchen er bald in seiner Geschicklichkeit
weit übertrifft. Dann erfährt er von René Cardillac, dem wohl
besten Goldschmied der Welt und zieht nach Paris um bei Meister Cardillac zu
arbeiten. Dieser empfängt ihn kalt und barsch, aber Olivier läßt
nicht locker und nach einer Probe, die Olivier mit Bravour besteht, wird
René freundlicher und stellt ihn an, nimmt läßt ihn sogar bei
ihm wohnen. Dann lernt er Madelon kennen und verliebt sich unsterblich in sie.
Meister Cardillac jedoch duldet diese Liebe nicht und er wirft Olivier hinaus.
Dieser muß umziehen, hat aber solche Sehnsucht nach Madelon, daß er
des Nachts zurückkehrt zu Cardillacs Haus in der Hoffnung Madelon zu sehen.
Gegen Mitternacht geht in der Werkstatt Licht an und kurze Zeit später
kommt René Cardillac aus einem Geheimausgang in der Mauer heraus. Olivier
folgt ihm und wird Zeuge eines Mordes von Cardillac an einem nächtlichen
Spaziergänger. Der Polizei, die bald eintrifft erzählt er was sich
zugetragen hat, ohne jedoch René Cardillacs Namen zu nennen. Olivier
hofft, daß alles nur ein böser Traum ist und kehrt innerlich
aufgewühlt zu seiner neuen Wohnung zurück. Panik erfaßt ihn, als
kurz darauf René Cardillac das Zimmer betritt. Dieser jedoch
lächelt, was Oliviers Abscheu weiter steigert, und bietet Olivier an,
wieder in seiner Werkstatt zu arbeiten. Er nennt als Grund, das er ihm an allen
Ecken und Enden fehle und das Madelon sich fürchterlich nach ihm sehne. Den
Mord erwähnt er dabei nicht und er tut so, als wäre nichts
vorgefallen. Als Olivier jedoch zaudert, wird Cardillac böse und warnt ihn,
sich an die Polizei oder la Regnie zu wenden, da er sich dabei selbst schaden
würde. René Cardillac erklärt, daß Olivier seine
Nachgiebigkeit Madelon zu verdanken habe, die krank vor Liebe wurde, als Olivier
gehen mußte. Olivier willigt ein, da auch ihn die Sehnsucht schmerzt.
Als Olivier in seiner
Erzählung stockt, ruft die Scuderi, die René Cardillac hoch
schätzte, wie entsetzlich es sei, daß Cardillac zu der Mordbande
gehörte. Da erklärt Olivier ihr, daß Cardillac allein es war,
der diese Verbrechen ausführte und fährt mit seiner Erzählung
fort.
Immer wenn Olivier mit seinem
Meister in der Werkstatt ist schaut er ihn kaum an und redet nur ein paar
Wörter mit ihm. Nur Madelons Liebe hält ihn noch aufrecht. Diese
weiß nichts von dem Mord und schöpft auch keinen Verdacht. Da
Cardillac denkt, daß es so zwischen den beiden nicht weitergehen kann,
beschließt er Olivier sie ganze Geschichte zu erzählen. Als seine
Mutter mit ihm im 1. Monat schwanger war, traf sie auf einer Feier einen Mann,
der ihr wegen seiner Juwelenkette, von der sie ihren Blick nicht mehr abwenden
konnte, gefiel. Als sie sich nun in den Armen lagen und sie seine Halskette
anfaßte, starb der Mann und Renés Mutter konnte sich erst aus den,
sie krampfhaft umfassenden Armen befreien, als Vorbeikommende ihr halfen.
Dieses Erlebnis hatte zur Folge,
daß die Frau erkrankte und man ihr und ihrem Kind wenig Chancen gab, zu
überleben. Doch sie wurde wieder gesund und Geburt verlief problemlos.
Diese Ereignis hatte aber Spuren hinterlassen, weniger bei der Mutter, als bei
dem Kind. Schon in frühster Kindheit liebte René Gold und Juwelen
über alles und stahl sie sogar. Er konnte echte Stücke von unechten
unterscheiden und lernte schließlich als Goldschmied. Aber den angeborenen
Trieb konnte der erste Meister seiner Kunst nicht unterdrücken und so stahl
Cardillac all sie Stücke, die er gearbeitet hatte aus den Häusern der
Kunden. Eine innere Stimme ließ ihn einen Haß entwickeln gegen
diejenigen, denen er Schmuck angefertigt hatte. Dann kaufte er sich ein neues
Haus und der Verkäufer zeigte ihm einen Geheimgang, den früher
Mönche angelegt hatten, um unbemerkt durch die Mauer aus dem Haus und
wieder hinein zu
gelangen. Dem Goldschmied kamen
finstere Pläne und in der Nacht ging er, von der Stimme geplagt, los und
erdolchte einen Edelmann, um ihm den Schmuck zu rauben. Das verschafft ihm eine
Befriedigung und so nahm die Mordwelle ihren Lauf.
Cardillac zeigt Olivier seine
zusammengeraubten Schätze, so viele, daß selbst der König es
nicht reicher besitzt. Eines Abends ist Cardillac bester Laune und beauftragt
Olivier, seinen schönsten Schmuck dem Fräulein von Scuderi zu bringen.
Keine Mordgedanken würden ihn plagen bei der, die er am meisten verehrt,
die Tugend in Person. Olivier ist erfreut, als er den Namen hört und
schöpft neue Hoffnung. Er beschließt die Gelegenheit zu nutzen, und
der Scuderi alles zu verraten, in der festen Hoffnung, daß sie ihm und
Madelon helfen könne. Doch auch diesmal plagt Cardillac wieder die Stimme,
die ihn dazu aufruft, den Schmuck wieder bekommen. Olivier bemerkt dies und
bekommt Angst um der Scuderi Leben. Er wirft der Scuderi den Zettel in die
Kutsche und als diese nicht kommt, um den Schmuck zurückzugeben und
Cardillac immer unruhiger wird und nur noch von dem herrlichen Schmuck spricht
gerät Olivier in Panik. Er ist davon überzeugt, daß Cardillac
noch in der selben Nacht losziehen will, um den Schmuck zu rauben. Olivier
täuscht sich nicht und als auf der Straße wartet kommt gegen
Mitternacht Cardillac durch den Geheimgang und geht zu der Straße in der
das Fräulein von Scuderi wohnt. Doch nicht wegen ihr ist Cardillac dort,
sondern wegen eines Offiziers der die Straße entlang kommt. René
Cardillac fällt ihn an, wird aber selbst tödlich getroffen und bleibt
liegen. Olivier läuft hin, der Offizier hält ihn für einen
Komplizen Cardillacs und will kämpfen. Als er jedoch sieht, daß sich
der Mann nur um den am Boden liegenden, der noch lebt, kümmert, läuft
er davon. Olivier schleppt den Toten nach Hause und der Rest ist bekannt.
Olivier erklärt der Scuderi,
daß sein einziges Verbrechen sei, Cardillac nicht verraten zu haben, aus
dem einzigen Grund, Madelon nicht zu verletzen. Erneut fleht Olivier die Scuderi
an, ihm doch durch ihren Verstand und ihre Weisheit zu helfen. Dann wird Madelon
hereingelassen und sie fliegt Olivier an den Hals und glaubt, daß nun
alles wieder gut werden würde. Im Morgengrauen wird Olivier weggebracht und
die Scuderi ehrt Oliviers Heldensinn, lieber unschuldig zu sterben, als Madelon
zu verletzen. Nach einem Brief an la Regnie, der nichts erreicht kommt der
Scuderi die Idee, einen Rechtsanwalt zu Rate zu ziehen. Das Fräulein von
Scuderi wendet sich an den besten Advokaten von Paris, Arnaud d´Andilly.
Sie erzählt im alles, ohne Oliviers Geheimnis zu verletzen, in der
Hoffnung, d´Andilly würde sich mit Eifer daranmachen, den Unschuldigen
zu retten. Er enttäuscht sie bitter, indem er, nachdem er sich alles
anhört, nur sagt, daß das Wahre nicht immer wahrscheinlich sein
muß. Der Anwalt erklärt, daß alle Beweise gegen Brusson
sprechen und selbst er Olivier nicht erretten könne. Als die Scuderi am
Abend alleine zu Hause sitzt und überlegt, was sie noch tun könne,
kommt sie ein Oberst besuchen, der mit ihr sprechen will. Es ist derjenige, der
René Cardillac erstochen hat. Er erzählt, daß er einen
Brustpanzer trug und den Dolch griffbereit, als er überfallen wurde. Die
Scuderi ist überglücklich, in der Hoffnung die Wahrheit endlich ans
Licht bringen zu können. Der Oberst jedoch hatte Angst selbst verurteilt zu
werden. Beide gehen zu d´Andilly und dieser sieht vor, daß der Oberst
aussagt und das Fräulein von Scuderi den König selbst um Gnade bitten
soll. Die Aussage des Oberst bringt eine Verzögerung, die die Scuderi
nutzt, um mit dem König zu sprechen. Sie kleidet sich elegant und benutzt
sogar Cardillacs Geschmeide, um den König zu beeinflussen, der der festen
Überzeugung ist, daß Olivier Brusson der Mörder ist. Der
König ist beeindruckt von soviel Majestät. Die Scuderi schildert dem
König den ganzen Fall in allen Details und fleht schließlich um Gnade
für Olivier. Der König will Madelon sehen und diese wird
schließlich hereingeführt. Sie wirft sich dem König zu
Füßen und dieser ist gerührt von ihrer Schönheit. Der
König entläßt sie und sagt, daß man auf die Entscheidung
der Chambre ardente warten müsse. Nach einem Monat etwa läßt der
König das Fräulein von Scuderi zu sich rufen und macht ihr die frohe
Mitteilung, daß Olivier Brusson frei sei. Der König schenkt dem
Brautpaar noch 1000 Louis, wünscht aber, daß sie aus Paris fortgehen
sollen. Die Scuderi ist überglücklich, aber das Brautpaar ist noch
glücklicher über die Hilfe der Scuderi. Die gestohlenen Juwelen
schließlich werden den rechtmäßigen Besitzern, sofern noch am
Leben, zurückgegeben. Der restliche Schmuck wird dem Schatz der Kirche zu
St.Eustache übergeben.
Der Autor:
Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann
wurde am 24. Januar 1776 als Sohn eines Juristen in
Königsberg(Ostpreußen) geboren. Um seiner Verehrung für Mozart
Ausdruck zu geben legte er sich den Namen Amadeus zu. Nach dem Jurastudium war
er Regierungsassessor in Berlin, Glogau und Posen. 1802 wurde er wegen seiner
Karikatur nach Plozk strafversetzt. Dann kam er nach dem damals
preußischen Warschau. Seit 1808 lebte er als Komponist, Kapellmeister,
Bühnenmaler und Dramaturg am Theater in Bamberg. 1813 ging er nach Dresden
und Leipzig zur Operntruppe Seconda; unter dem Eindruck der Kriegswirren schrieb
er Die Vision auf dem Schlachtfelde bei Dresden, als schauerlicher
Totentanz eine furchtbare Anklage gegen Napoleon. Drei Jahre später holte
ihn sein Freund Theodor Gottlieb von Hippel wieder nach Berlin. Er wurde Richter
am dortigen Kammergericht, wo er bei den Prozessen gegen die "Demagogen" das
Seine tat, um den Angeklagten zu helfen. Zusammen mit seinen Freunden, vor allem
mit dem Schauspieler Ludwig Devrient, pflegte er im Weinkeller von Lutter und
Wegener die berühmte Tafelrunde zu halten und sich vom Geist des Weines
inspirieren zu lassen. E.T.A Hoffmann starb am 25.Juni 1822 in
Berlin.
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