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China
Inhaltsverzeichnis
1
Geschichte...........................................
2
1.1 Die
Qing-Dynastie.................................... 3
1.2 Der Opiumkrieg und seine
Folgen...................... 3
1.3 Der Weg zur
Republik................................. 5
1.4 China unter Chiang
Kai-shek.......................... 6
1.5 Der >>Lange
Marsch<<................................. 6
1.6 China unter Mao
Zedong............................... 6
1.7
Kulturrevolution.....................................
7
1.8 Annäherung an den
Westen............................. 7
1.9 China unter Deng
Xiaoping............................ 7
1.10 Die Demokratiebewegung wird
zerschlagen.............. 8
2
Klima................................................
8
3
Vegetation...........................................
9
4 Das Politische
System................................ 10
5
Religion.............................................
11
6
Bevölkerungsprobleme.................................
12
Demographische Kennziffern 1950 -
1983............... 13
Geschätzte
Bevölkerungsentwicklung................... 14
7
Wirtschaft...........................................
14
7.1 Die Hauptentwicklungsphasen der
Volksrepublik........ 15
7.2 Die
Volkskommune..................................... 17
7.2.1
Entstehung........................................... 17
7.2.2 Organisation und
Aufgabe............................. 18
7.3 Chinas industrielle
Entwicklung...................... 19
- Die Wirtschaftssonderzonen und 14
“geöffneten”
Küstenstädte.........................................
21
7.4.1 Offene Häfen auf
Wirtschaftssonderzonen.............. 22
- Wirtschaftssonderzonen/ Das Schaufenster des
neuen
China hat
mit speziellen Problemen zu kämpfen........ 22
Freude bei der chinesischen
Regierung................ 22
Vorbehalte bei ausländischen
Investoren.............. 22
Shenzhen als
“Schaufenster”.......................... 23
Verlust des
“Besonderen”?............................ 23
Kritik und
Probleme.................................. 23
7.5 Außenhandel der VR
China............................. 24
8
Literatur............................................
25
1 Geschichte
Um 1700 v. Chr. - um 1122 v. Chr.: In Mittelchina herrscht die
Shang-Dynastie. Sie ist die älteste, historisch nachweisbare Dynastie in
China. 28 Könige sind durch archäologische Funde
nachgewiesen.
1122 v. Chr. - 249 v. Chr.: Zur Zeit der Zhou-Dynastie erlebt China
eine große kulturelle Blüte. Um 500 wird Laozi (Laotse) geboren,
Konfutse (Konfuzius) lebt von 551 bis 479 v. Chr. Der Staat ist als feudales
Staatswesen mit Lehnsherren organisiert, deren Macht die des zentralen
Königtums bald übertrifft.
221 v. Chr. - 202 v. Chr.: Quin Shi Huangdi einigt China. Zum Schutz
vor den Nomadenvölkern des Nordens wird die >>Große
Mauer<< gebaut. Nach Quins Tod (210) wird das Reich durch Unruhen
erschüttert.
202 v. Chr. - 220 n. Chr.: Liu Bang stellt die Reichseinheit wieder
her und begründet die Han-Dynastie. Zunächst expandiert das
chinesische Reich, unter Wudi (141-87 v. Chr.) erreicht es nach
Eroberungszügen seine größte Ausdehnung. Aufstandsbewegungen von
Landarbeitern führen schließlich zu großen Machtverlusten der
Zentralgewalt, Heerführer übernehmen die Macht und teilen den Staat
auf.
220 - 589: Drei Reiche etablieren sich: Im Nordreich Wei wird
Luoyang zur Hauptstadt, im Südwesten wird Yizhou (heute Chengdu) zur
Hauptstadt des Shu-Reiches und im Südosten Jinaye (Moling bei Nanjing) zur
Residenz des Wu-Reiches. Auseinandersetzungen zwischen den Gebieten bestimmen
die folgenden Jahrhunderte, Einigungsversuche sind nur kurzfristig
erfolgreich.
589 - 960: Die nur kurz herrschende Sui-Dynastie einigt das Reich
erneut. Sie wird von der Tang-Dynastie abgelöst, die eine starke zentral
Gewalt ausbildet. Im 8. Jh. beginnt durch die Erstarkung lokaler Machthaber
sowie Grenzkonflikten der Machtverfall des Staates. In kurzer Folge etablieren
sich ab 907 fünf verschiedene Dynastien.
960 - 1280: Die Sung-Dynastie beherrscht das Land. Die
wirtschaftliche Blüte wird durch den Mongoleneinfall jäh
beendet.
1280 - 1368: Die von Khubilai begründete Yuan-Dynastie regiert
das >>Reich der Mitte<<. Es tritt in Handelsaustausch mit anderen
Ländern, durch Marco Polo (*1254,U 1324), der
in den Diensten Khubilais steht, auch mit Europa. China ist Teil des
mongolischen Weltreiches. Die mongolische Unterdrückungspolitik führt
zu lokalen Volksaufständen, die sich ausweiten und den letzten
Mongolenherrscher Toghan Temür (chin.: Shundi) 1368 zwangen, sich aus China
zurückzuziehen.
1368 - 1644: Die Ming-Dynastie, begründet von dem
Bettelmönch Zhu Yuanzhang (*1328,
U 1398), löst die Mongolen ab. 1517
landen portugiesische Seeleute in Guangzhou (Kanton). Ihnen folgen Spanier,
Holländer und Briten. Unter der Ming-Dynastie wird die zerfallene
>>Große Mauer<< wieder
aufgebaut. [1]
1.1 Die Qing-Dynastie
1644: Der Manju-Herrscher Fulin (1643 - 61) erobert Beijing. Der letzte
Ming-Herrscher Zhu Youjian begeht Selbstmord. Nach kurzen Zwischenregierungen
verschiedener Volksgruppen erobern die Manju die Macht und gründen die
Qing-Dynastie. Obwohl die Manju alle wichtigen Verwaltungsposten
übernehmen, den Chinesen 1645 per Edikt Kleidung und Haartracht
vorschreiben sowie die Mischehen zwischen Chinesen und Manjuren verbieten,
verlieren sie in den folgenden Jahrhunderten weitgehend ihre kulturelle
Identität und werden sinisiert. Unter dem Qing-Kaiser Kangxi (1661-1722)
beginnt eine kulturelle und wissenschaftliche Blütezeit, die sich im
weiteren Ausbau des Kaiserkanals sowie der Pflege und Förderung von
Wissenschaft, Kunst und Geschichtsschreibung äußert.
1683: Die Manju erobern Taiwan.
18.Jh.: China erreicht seine größte territoriale
Ausdehnung. Burma (1788) und Annam (1789) werden tributpflichtig. Gleichzeitig
wird das Reich durch Unruhen erschüttert. Bauern lehnen sich gegen
Großgrundbesitzer auf, in den südwestlichen Provinzen beginnen
Aufstände gegen die Zentralgewalt.
1793 - 1803: Die Handelsbeziehungen zu Europa (England) werden
stärker ausgebaut.
Ab 1816: Um ein Handelsdefizit der indischen Kolonien gegenüber
China zu vermeiden, verstärkt England den Export indischen Opiums nach
China. Das führt zu einer massiven Verschlechterung der chinesischen
Außenhandelsbilanz sowie zu verstärkter Opiumsucht in der
Bevölkerung. [2]
1.2 Der Opiumkrieg und seine Folgen
Vor dem Opiumkrieg war der Handel mit den westlichen Mächten, unter
denen sich England im 18. Jahrhundert zur führenden Macht im Chinahandel
entwickelt hatte, auf Kanton konzentriert. Unter dem bis 1834 bestehenden
Monopol der Ostindischen Kompanie war es zu einem regen Dreieckshandel zwischen
England, Indien und China gekommen. Auf chinesischer Seite waren für den
gesamten Handel mit dem Europäern offiziell beauftragte Kaufleute
zuständig, die Cohong-Kaufleute. Als wichtigste Güter wurden Tee und
Seide ausgeführt, während die Engländer nach China Baumwolle und
in zunehmendem Maße Opium aus Indien eingeführt. Der Opiumkrieg
entzündete sich an der Einfuhr von Opium, dessen Verkauf und Verbrauch in
China seit 1729 durch kaiserliches Edikt verboten war. Die chinesische Regierung
war nicht nur wegen der demoralisierenden Wirkung des Opiums, sondern auch wegen
der nachteiligen Folgen für die chinesische Volkswirtschaft über den
wegen steigenden Opiumhandel beunruhigt, denn der größte Teil des
eingeführten Opiums mußte in Silber bezahlt werden, so daß es
zu einem starken Abfluß des ohnehin knappen Silbers kam. Sie war daher
entschlossen, den Opiumhandel mit allen Mitteln zu unterdrücken. Nachdem
der mit der Lösung der Opiumfrage beauftragte kaiserliche Kommissar mehrere
Schiffsladungen britischen Opiums hatte beschlagnahmen und vernichten lassen,
reagierten die Engländer mit Krieg (1839/40).
Er wurde 1842 mit dem Friedensvertrag von Nanjing beendet, dem ersten der
sog. “ungleichen Verträge”. China mußte Hongkong
abtreten, das Monopol der Cohong-Kaufleute aufheben und fünf chinesische
Häfen dem Außenhandel öffnen: Kanton, Amoy, Fuzhou, Ningbo und
Shanghai. [3]
Damit nahm das die chinesische Souveränität beschneidende
Vertragshafensystem
seinen Anfang; es beinhaltete das uneingeschränkte Niederlassungs- und
Handelsrecht der Ausländer und sicherte den fremden Mächten alle mit
der Exterritorialität verbundenen Rechte (Einrichtung von Konsulaten,
Konsulargerichtsbarkeit usw.).
Bis ins 20. Jahrhundert hinein verlangten die Ausländer die Öffnung
immer weiterer Vertragshäfen, deren Zahl schließlich auf über
einhundert anstieg. Die exterritorialen Rechte wurden immer weiter ausgebaut:
unbeschränkte Binnenschiffahrt und Missionstätigkeit, westlich
verwalteter Zoll- und Postdienst, Stationierung ausländischer Truppen,
Erwerb von Grund und Boden, Befreiung von chinesischen Steuern. Überdies
enthielten alle ungleichen Verträge die Meistbegünstigungsklausel, d.
h., jede Nation konnte bei Verträgen mit China die gleichen Privilegien
beanspruchen, die zuvor anderen Nationen gewährt worden waren.
1856 fanden die Engländer und Franzosen einen casus belli, um eine
Erweiterung des Nanjinger Vertrages zu erreichen. Sie verlangten vom
chinesischen Kaiser die diplomatische Anerkennung, d.h. die Errichtung von
Botschaften in Beijing auf der Grundlage diplomatischer Gleichheit. Dies war
eine für die Chinesen unannehmbare Forderung, denn da der Himmelssohn nach
traditioneller Vorstellung als Mittler zwischen Himmel und Erde die höchste
Stellung innehatte, konnte es keine gleichberechtigte Anerkennung eines anderen
staatlichen Repräsentanten geben. Überdies mußte das mit der
diplomatischen Anerkennung verbundene Recht ausländischer Botschafter,
ständig in der chinesischen Hauptstadt zu residieren, das Ende der
chinesischen Überlegenheit in der Welt dokumentieren. 1858 erreichten
Engländer und Franzosen in den Tianjiner Verträgen unter
Kriegsandrohung die diplomatische Anerkennung, die sich auch die Amerikaner und
Russen sogleich sicherten. Nachdem die Engländer und Franzosen vergeblich
versucht hatten, sich Zugang nach Beijing zu verschaffen, kam es 1860 erneut zu
kriegerischen Auseinandersetzungen. Die Chinesen mußten die Verträge
von 1858 bestätigen und den Ausländern weitere Privilegien zugestehen,
u. a. die Öffnung von elf Häfen und die Ausweitung der
Missionstätigkeit im Inneren des Landes.
Die Präsenz der Ausländer machte sich aber vor allem in den
Vertragshäfen bemerkbar, wo die fremden Mächte ab 1860 das Recht zur
Einrichtung von Konzessionen (an ausländischen Regierungen verpachtete
geschlossene Wohngebiete, in denen Chinesen kein Wohnrecht besaßen) und
Niederlassungen (Gebiete, in denen Ausländer Grund und Boden erwerben
konnten und Chinesen das Wohnrecht gestattet war) zugestanden bekamen. Hier
genossen die Ausländer eine absolut privilegierte Stellung und entwickelten
einen eigenen Gesetzen unterworfenen Lebensstil, am typischsten ausgeprägt
wohl in Shanghai, wo es eine Internationale Niederlassung und eine
französische Konzession gab. Shanghai wurde zum größten und
wichtigsten Außenhandelsplatz, zur modernsten und
“westlichsten” Stadt und zum Kapitalmarkt Chinas. Die
Vertragshäfen entwickelten sich zu modernen Wirtschaftszentren, in denen
moderne Technik und Industrie ihren Einzug hielten, was zur Herausbildung des
bis heute nicht überwundenen dualen Charakters der chinesischen Wirtschaft
führte mit einem modernen Wirtschaftssektor in den Küstenstädten
des Ostens auf der einen und einem unterentwickelten, traditionellen
Wirtschaftssektor im chinesischen Binnenland auf der anderen
Seite. [4]
Nach dem beiden Opiumkriegen war das einstmals große China, die
größte Macht ganz Asiens, auf den Status eines verarmten,
halbkolonialen Landes herabgesunken. [5]
Die ausländischen Mächte hatten gar kein Interesse an einem Sturz
der Qing-Regierung, die sich zunehmend bereitwilliger den Forderungen der
ausländischen Mächte beugte, schließlich mit Hilfe
ausländischer Truppen sogar Aufstände im eigenen Lande niederschlug.
An den Rand des Zusammenbruchs wurde das Reich von den Taiping-Rebellen
gedrängt. Unter der Last der erhöhten Steuern, die für die
Entschädigungszahlungen an die ausländischen Mächte verwendet
wurden, schlossen sich nicht nur Bauern, sondern auch Handwerker und Kaufleute
in Geheimgesellschaften zusammen. Der allgemeine Aufruhr kulminierte
schließlich in der das ganze Land erfassenden Taiping-Rebellion, deren
Führer ein aus bäuerlichen Verhältnissen stammender
Dorfschullehrer, Hong Xiuquan, aus der Provinz Guangdong war. Neben den Lehren
der verschiedenen Geheimgesellschaften hatte ihn vor allem das von den
Missionaren gepredigte Christentum beeindruckt. Im Namen Jesu Christi forderte
er soziale Gerechtigkeit und Gleichheit aller Menschen. In nur wenigen Jahren
wuchsen seine Streitkräfte von 10 000 Mann auf über 1 Million. Binnen
drei Jahren hatten sie den halben Süden erobert und waren von der Provinz
Guangxi bis nach Nanjing vorgedrungen, wo sie eine Regierung etablierten.
Möglicherweise war es ein entscheidender Fehler, daß sie
versäumten, auch die Hauptstadt Beijing einzunehmen. So hatte der Hof Zeit,
Truppen zu mobilisieren, die gemeinsam mit den Truppen ausländischer
Mächte die Rebellion niederschlugen. [6]
Aus Protest gegen die zahlreichen Konzessionen und Gebietsabtretungen an
die europäischen Mächte ermorden im Jahre 1900, Mitglieder eines
christen- und fremdenfeindlichen Geheimbundes den deutschen Gesandten in China,
Klemens Freiherr von Ketteler, und lösen damit den Boxeraufstand aus. Er
wird von den europäischen Mächten gemeinsam mit Amerikanern und
Japanern niedergeschlagen.
1.3 Der Weg zur Republik
Am 10.10.1911 beginnt die Revolution in Wuhan gegen das Kaisertum. In
vielen Provinzen kommt es zu Unruhen. Die Revolutionäre bilden unter Sun
Yixian (Sun Yat-Sen, *1866, U 1925), dem
Gründer der Guomindang (Nationalchinesische Volkspartei, GMD) und
Führer der Opposition (seit 1905), in Nanjing eine eigene
Regierung.
China wird am 01.01.1912 zur Republik. Die Qing-Dynastie dankt ab, Tibet
und die Äußere Mongolei fallen von China ab. General Yuan Shikai wird
Präsident Chinas. Im Juli 1913 läßt General Yuan Shikai die GMD
verbieten. Sun Yixian flieht nach Japan. Yuan Shikai proklamiert sich im
Dezember 1915 selbst zum Kaiser. 1916 wird er ermordet. Nach seinem Tod verliert
die Zentralregierung in Beijing immer mehr Macht. In den Provinzen herrschen
verschiedene Militärmachthaber, die sogenannten
“warlords”.
In Shanghai gründen am 01. Juli 1921 13 Delegierte die Kommunistische
Partei Chinas (KPCh). In Guangzhou (Kanton) baut der Führer der Guomindang,
Sun Yixian, mit Hilfe der Sowjetunion und der Kommunistischen Internationale ein
revolutionäres Regierungssystem auf. Die KPCh unterstützt die GMD.
Diese gründet eine eigene Armee, die von Jiang Jieshi (Chiang Kai-shek,
*1887, U 1976) geleitet
wird. [7]
1.4 China unter Chiang Kai-shek
12.03.1925: Der Führer der Guomindang, Sun Yixian, stirbt. Die GMD
spaltet sich in einen linken und einen rechten Flügel. Chiang Kai-shek wird
der wichtigste Führer des rechten Flügels.
1927: Die GMD bricht ihr Bündnis mit der KPCh, Tausende von
Kommunisten werden ermordet. Die Kommunisten gehen in den Untergrund, in der
Provinz Hunan sammeln Mao Zedong (Mao Tse-tung, *1893,
U 1976), Zhu De (*1885,
U 1976) und Zhou Enlai die Reste der
kommunistischen Verbände.
Februar 1928: Chiang Kai-shek bildet in Nanjing eine neue
Nationalregierung. Er selbst wird Vorsitzender des Zentralen Exekutivkomitees.
Im Juni erobern Chiang Kai-sheks Truppen Beijing.
07.11.1931: Die KPCh, die sich in einem Guerillakrieg gegen die von der
Bevölkerung nicht unterstützte Regierung der Guomindang befindet,
gründet in der Provinz Jiangxi die >>Chinesische
Sowjetrepublik<< mit der Hauptstadt Ruijin.
1934: Nachdem Chiang Kai-shek die Autorität seiner Regierung gegen die
oppositionellen >>warlords<< gesichert hat, zerschlägt er die
>>Chinesische Sowjetrepublik<< der KPCh.
1.5 Der >>Lange Marsch<<
27.10.1934: Der >>Lange Marsch<< der Roten Armee beginnt. Nach
12 000 km erreichen die Kommunisten, verfolgt von den Truppen Chiang Kai-shek,
die Stadt Yan’an in der Provinz Shaanxi. Während des >>Langen
Marsches<< wird Mao Zedong zum Führer der KPCh
gewählt.
Dezember 1936: Chiang Kai-shek, der zum Vernichtungsfeldzug gegen die
Kommunisten rüstet, wird in Xi’an von den eigenen GMD-Truppen
verhaftet. Sie treten für eine Intensivierung des Widerstands gegen Japan
ein, das begonnen hat, seinen Einfluß in Nordchina auszudehnen.
1937-45: Im zweiten Chinesisch-Japanischen Krieg erobern die Japaner trotz
der Zweckgemeinschaft von Roter Armee und Guomindang Beijing, Shanghai und
Nanjing, die gesamte Küste sowie große Teile des östlichen
China. Die Einheitsfront von Guomindang und KPCh zerbricht, nachdem die
Alliierten 1945 die Japaner besiegt haben.
1945-47: Versuche, zu einer gemeinsamen Regierung von Guomindang und KPCh
zu gelangen, scheitern. 1947 beginnt erneut der Bürgerkrieg.
1.6 China unter Mao Zedong
1947-50: Im Bürgerkrieg erobern die Kommunisten, von der
Bevölkerung unterstützt, das gesamte Land. Im September 1949 wird Mao
Zedong zum Ersten Vorsitzenden der Zentralen Volksregierung und damit zum neuen
Staatsoberhaupt gewählt. Er ruft am 01.10.1949 die Volksrepublik China aus.
Ministerpräsident wird Zhou Enlai. Chiang Kai-shek flüchtet mit seinen
Anhängern nach Taiwan und bildet dort einen eigenen Staat. Ende 1950
besetzen chinesische Truppen das seit 1912 souveräne Tibet.
21.09.1954: Mao Zedong wird zum Staatspräsidenten gewählt. Beim
Staatsbesuch des sowjetischen Parteichefs Nikita Chruschtschow (30.9.-12.10.)
kommt es zu Zerwürfnissen. [8]
1958-60: Die Politik des >>Großen Sprungs nach vorn<<
wird beschlossen. Ziel ist es, durch die Schaffung von
>>Volkskommunen<< (Produktionskollektive) die Entwicklung des Landes
zu beschleunigen. Nach dem Scheitern dieser Politik tritt Mao am 27.04.1959
zurück. Staatspräsident wird Liu Shaoqi (*1899,
U 1969).
März 1959: Der blutig unterdrückte Aufstand in Tibet, der mit der
Flucht des 14. Dalai-Lama (*1935) nach Indien endet, verschärft die
innenpolitischen Schwierigkeiten der VR China.
1.7 Kulturrevolution
Ende 1965: Nach politischen Streitigkeiten um die weitere Zukunft Chinas
zwischen der gemäßigten Staatsführung um Staatspräsident
Liu Shaoqi (*1898, U1969) und
KP-Generalsekretär Deng Xiaoping (*1904) löst Mao Zedong,
unterstützt von seiner Frau Jiang Qing (*1914) und Lin Biao (*1907,
U1971), die “Kulturrevolution” aus. An
den Hochschulen bilden Studenten “Rote Garden”, die auf
Wandzeitungen die Zerstörung der alten Ordnung fordern. 1966 wird von den
Roten Garden die Parteizentrale in Beijing eingenommen, Liu Shaoqi und Deng
Xiaoping werden entmachtet. In der darauffolgenden Terror- und
Säuberungswelle zerschlagen die Roten Garden den Partei- und Staatsapparat.
Als der Bürgerkrieg droht, greift unter Maos Führung die Armee
ein.
1.-24. 4. 1969: Auf dem 9. Parteitag der KPCh wird das Ende der
“Kulturrevolution” verkündet. Die Kulturrevolution wird
nachträglich legalisiert. Am 28. 4. Wählt das Plenum des
Zentralkomitees Mao erneut zum Parteivorsitzenden. Die pragmatische,
gemäßigte Linie unter der Führung Zhou Enlais gewinnt in den
Folgejahren wieder stärkeren Einfluß.
1.8 Annäherung an den Westen
25. 10. 1971: Die VR China wird als Vertretung Chinas in die Vereinigten
Nationen (UNO) aufgenommen. Die taiwanesischen Vertreter verlassen die
Weltorganisation.
- 1. 1976: Ministerpräsident Zhou Enlai stirbt. Einen Nachfolger Deng
Xiaoping, Vertreter eines gemäßigten und wirtschaftspolitisch
pragmatischen Kurses, verhindert die Gruppe um Maos Frau Jiang Quing (die
spätere “Viererbande”).
1.9 China unter Deng Xiaoping
- 9. 1976: Mao Zedong stirbt. Die pragmatisch-gemäßigte Linie
setzt sich in den Folgejahren durch. Deng Xiaoping wird 1977 rehabilitiert, die
“Viererbande” 1980/81 zum Tode verurteilt (Urteile 1983 in
lebenslange Haft abgewandelt).
17. 2. 1979: Die Grenzkonflikte
zwischen China und Vietnam finden ihren Höhepunkt in einem
militärischen Angriff Chinas.
7. 9. 1980: Zhao Ziyang (*1980), ein Vertrauter Deng Xiaopings, wird nach
Hua Guofengs Rücktritt Regierungschef.
1. 7. 1981: Hua Guofeng gibt auch die Parteileitung ab. Mit Hua Yaobang
(*1913, U 1989) rückt ein weiterer Vertrauter
Dengs in die Führungsgremien auf.
- 4. 1982: Die neue Verfassung Chinas wird veröffentlicht. Mit den
Änderungen leitet die Parteiführung Reformen zur Modernisierung des
Landes ein. Ziel ist die Liberalisierung von Politik und Wirtschaft, allerdings
auch mit restriktiven Mitteln: 1983 führt die Partei eine Kampagne gegen
die Liberalisierung durch, 1984 folgt eine Säuberungsaktion gegen
Ultralinke. 1984 wird ein Handelsvertrag mit der UdSSR geschlossen, im gleichen
Jahr besucht US-Präsident Ronald Reagan China.
19. 12. 1984:
Die britische Premierministerin Margaret Thatcher und der chinesische
Ministerpräsident Zhao Ziyang unterzeichnen einen Vertrag, der 1997 die
Rückgabe Hongkongs an China vorsieht.
16. 1. 1985: An der chinesisch-vietnamesischen Grenze finden heftige
Kämpfe statt.
16. 1. 1987: Nach wochenlangen großen Demonstrationen von Studenten,
die mehr Demokratie und Reformen fordern, tritt Parteichef Hua Yaobang
zurück. Ministerpräsident Zhao Ziyang wird
Generalsekretär.
- 10.-1. 11. 1987: Auf dem 13. Parteitag der KPCh scheidet Deng Xiaoping aus
dem Politbüro und dem Zentralkomitee aus, bleibt jedoch Oberbefehlshaber
der Streitkräfte. Zhao Ziyang wird Parteichef.
24. 11.
1987: Li Peng (*1928) wird zum Ministerpräsidenten gewählt. Er ist
Nachfolger des zurückgetretenen Zhao Ziyang.
- 5. 1989: Der Generalsekretär der Kommunistischen Partei der
Sowjetunion, Michail Gorbatschow (*1931), besucht die VR China. Seit 30 Jahren
ist dieser Besuch der erste offizielle Kontakt chinesischer und sowjetischer
Spitzenpolitiker. Gorbatschow schlägt die Entmilitarisierung der
sowjetisch-chinesischen Grenze vor und kündigt Truppenreduzierungen
an.
1.10 Die Demokratiebewegung wird zerschlagen
Die studentischen Massenproteste, die im April 1989 begannen, kulminieren
in einer Demonstration von über 1 Mio. Teilnehmern auf dem Tiananmen-Platz.
Die Demonstranten fordern das Ausscheiden Dengs aus der Politik. Der
ständige Ausschuß des Politbüros beschließt mit 3 zu 2
Stimmen die Verhängung des Kriegsrechts, das am 20. 5. verkündet wird.
Die Armee rückt auf Beijing vor. Die 27. Armee aus dem Wehrbezirk Nord
marschiert am 3. 6. 1989 in Beijing ein. Die Soldaten schießen sich den
Weg zum Tiananmen-Platz frei und richten in der Nacht zum 4. 6. unter den
friedlichen Demonstranten ein Blutbad an. Beobachter sprechen von 3000 Toten und
10000 Verletzten. [9]
2 Klima
Die riesige Ausdehnung Chinas und die großen Unterschiede in den
Oberflächenformen bewirken enorm vielfältige klimatische
Verhältnisse. Alle vier Klimazonen kommen in China vor: die tropische, die
subtropische, die gemäßigte und die kalte, wobei allerdings der
größte Teil des Landes der gemäßigten Zone zugerechnet
werden kann. Die Temperaturunterschiede zwischen Nord und Süd sind im
Winter beträchtlich. Dann liegt der Norden noch unter einer Schneedecke,
während im Süden bereits die Frühjahrspflanzung beginnt. Im
Sommer sind die Temperaturen zumindest in Ostchina, im monsunalen Teil des
Landes, fast überall gleich. Die Juli-Durchschnittstemperatur in Kanton
beträgt beispielsweise 29,0 Grad, in Wuhan 29,7 Grad, in Shanghai 26,8 Grad
und in Beijing 26,0 Grad. Der Luftmassentransport aus südlichen und
südöstlichen Richtungen sorgt - bedingt durch die Erwärmung des
Kontinents - für hohe Temperaturen bis weit in den Norden. In den
höher gelegenen Teilen des Tibet-Qinghai-Plateaus herrscht ein
Dauerfrostklima, und auch in den Gebirgszügen des Nordostens kann es wegen
der kurzen Sommer zu Dauerfrostböden
kommen. [10]
Grundsätzlich läßt sich China in vier Klimaregionen
einteilen, die jeweils ein Viertel der Landesfläche einnehmen: die immer
kalten Hochländer von Tibet und Qinghai im Südwesten, die kalten
Steppen und Wüsten des Nordwestens, den kalten und gemäßigten
Nordosten und die subtropischen sowie tropischen Gebiete im
Süden.
Die Niederschlagsmengen nehmen schrittweise vom Nordwesten bis zum
Monsungebiet des Südostens zu. In Ürümqi erreicht die
jährliche Niederschlagsmenge nur 282 Millimeter mit maximalen Regenperioden
im Frühjahr und im Herbst. In Beijing fallen jährlich 632 Millimeter
Regen, wovon der größte Teil (80%) in den Monaten Juni bis August
niedergeht. 824 Millimeter beträgt die Jahresdurchschnittsmenge in Chengdu,
1221 Millimeter in Wuhan, während sie in Kanton auf 1615 Millimeter
klettert.
Ungünstig für die Landwirtschaft im Norden wirkt sich außer
der im Vergleich zum Süden geringeren Niederschlagsmenge vor allem die
Unbeständigkeit der Regenfälle aus. Da sich im Norden und im
Nordwesten aber gerade die wertvollsten Böden (Löß) befinden, wo
nur eine Ernte im Jahr möglich ist, kommt es hier oft zu Mißernten
oder sogar zu Katastrophen. Die Zeit, Felder zu bestellen, ist hier auf sechs
bis acht Monate begrenzt. Im Süden hingegen umfaßt die
Vegetationsperiode das gesamte Jahr. Zwei Ernten sind normal, manchmal ergeben
sich sogar drei.
3 Vegetation
Die Böden Chinas werden - sogar schon seit dem 14. Jahrhundert - in
fünf Gruppen unterteilt. Im Nordosten gibt es die Schwarzerden (Chernozem),
weiß werden die salzhaltigen Böden und die Wüsten im Nordwesten
genannt, grün die Marschen des Südostens, als rot klassifiziert man
die Podsole und Laterite der südlichen Hügelländer, als gelb die
große Ebene des Huang He.
Diese Böden bilden zusammen mit dem Klima die natürlichen
Grundlagen für die Aufteilung des Landes in die einzelnen
Landnutzungszonen, wobei deutlich hervorgehoben werden muß, daß auf
Grund der Oberflächenbeschaffenheit, der Böden und der
Niederschlagsmenge lediglich 10 Prozent der Gesamtfläche Chinas
landwirtschaftlich nutzbar sind.
Ein Großteil des Tibet-Qinghai-Plateaus liegt auf einer Höhe von
4000 bis 5300 Metern. Hier gedeiht nur eine spärliche Gras- und
Buschvegetation. Die tief eingeschnittenen Flußtälern in diesen
Plateaus und die feuchten Grenzgebiete von Sichuan sind dicht bewaldet, wobei
die Waldgrenze bei 3800 bis 4300 Metern Höhe liegt. Hier befinden sich die
größten Bestände an Nutzhölzern außerhalb der
Mandschurei.
Nördlich des Kunlun-Gebirges im Nordwesten Chinas erstrecken sich die
Wüsten- und Halbwüstengebiete mit ihrer trockenen Gras- und
Buschvegetation. Nur an den feuchten Hängen der niederschlagsreichen
Gebirgsketten gedeiht Laubwald (Pappel und Weide).
Waldreich sind auch die Provinzen Heilongjiang und Jilin (ehemals
Mandschurei) in Chinas äußerstem Nordosten. Hier herrscht Nadelwald
aus Kiefern und Lärchen vor. Auf den podsolischen Böden gibt es kaum
Landwirtschaft. Mischwald aus Kiefern, Lärchen, Birken und Pappeln
schließt sich dem äußersten Nordosten im Süden an. Die
mittlere Mandschurei, ein ursprünglich waldfreies Gebiet, mit ihren braunen
und schwarzen Böden ist als eines der fruchtbarsten Gebiete Chinas ideal
zum Weizenanbau. Landwirtschaftliche Erfolge sind hier aber durch die
Unregelmäßigkeit der Niederschläge
eingeschränkt. [11]
Als überaus fruchtbar zeigen sich die Ebenen in der südlichen
Mandschurei, am Unterlauf des Huang He und in der Provinz Shandong. Die
Temperaturen ermöglichen hier bereits eine im Vergleich zum hohen Norden
(125 Tage) fast doppelt so lange Vegetationsperiode, nämlich 240 Tage.
Laubbäume prägen das Landschaftsbild. Diese Gebiete bilden die
Kornkammer Chinas, in der hauptsächlich Weizen, Hirse und Zuckerhirse
angebaut werden, daneben auch Baumwolle.
Weiter gegen Süden schließt sich ein breiter, von Shanghai bis
in die Provinz Sichuan verlaufender Streifen mit Mischwäldern der
winterkahlen und der immergrünen Arten an. Dieser Grenzstreifen zwischen
Nord- und Südchina ist gekennzeichnet durch braune Waldböden im
Westen, gelbe Podsolböden in den Hügelländern am
Yangzi-Fluß und neutrale Böden. Während in Sichuan vorrangig
Reis und Mais kultiviert werden, zeigt das Gebiet am unteren Yangzi deutlich die
“Grenzsituation” zwischen Nord und Süd: Hier wird noch Weizen,
aber auch schon Reis angepflanzt.
Der restliche Teil im Süden Chinas ist fast ausschließlich dem
Reisanbau (drei Fünftel der Fläche) vorbehalten. Die
Vegetationsperiode umfaßt das ganze Jahr. Zwei Ernten sind üblich,
drei Ernten können im äußersten Süden, in der Provinz
Guangdong und im autonomen Gebiet Guangxi eingebracht
werden. [12]
4 Das Politische System
Gleichzeitig mit dem Sieg der chinesischen Revolution wurde 1949 die
Volksrepublik China gegründet. Die neue Verfassung legt fest, daß
“die Volksrepublik China in ihrem Wesen nach ein sozialistischer Staat
unter der demokratischen Diktatur des Volkes ist, der von der Arbeiterklasse
geführt wird und auf dem Bündnis der Arbeiter und Bauern
beruht”. Außerdem garantiert die Verfassung auf dem Papier gewisse
Grundrechte der Bürger wie Freiheit der Rede und der Publikation,
Versammlungsfreiheit, Glaubensfreiheit, die Unverletzlichkeit der
persönlichen Würde, das Post- und Telefongeheimnis, das Recht auf
Arbeit und gleiche Rechte für Frauen und Männer.
Das Volkskongreßsystem ist die organisatorische Form der politischen
Macht. Nach der Verfassung gehört “alle Macht in der Volksrepublik
China dem Volk”. Die Staatsorgane, durch die das Volk diese Macht
ausübt, sind der Nationale Volkskongreß und die lokalen
Volkskongresse auf unterschiedlichen Ebenen, wobei der Nationale
Volkskongreß das höchste Organ der Staatsmacht darstellt. Nur er hat
die Befugnis, Verfassung und Gesetze auszuarbeiten und Entscheidungen über
wichtige Fragen im politischen Leben des Staates zu treffen. Unterste Basis der
Staatsmacht in China ist der Kreis, von dem es rund 2000 gibt. Ihre Abgeordneten
werden vom Volk direkt gewählt.
Das höchste Organ der Staatsmacht - wie schon erwähnt - der
Nationale Volkskongreß. Das höchste Organ der Staatsverwaltung ist
der Staatsrat, d. h. die zentrale Volksregierung. Über das Recht wacht das
Oberste Volksgericht mit der Obersten Volksstaatsanwaltschaft.
Die politisch Macht basiert auf der Entwicklung des Landes von Sturz des
letzten Kaisers der Qing-Dynastie 1911 über die nachfolgende
Militärdiktatur in der Zeit der “erziehenden Regierung” unter
der Herrschaft der Guomindang (die “Volkspartei” des Chiang Kaishek)
bis zur Berufung der Staatsorgane durch die Volkswahlen.
1921 nach der Gründung der Kommunistischen Partei in Shanghai durch
zwölf Delegierte, unter denen sich auch Mao Zedong (Mao Tse-tung) befand,
hatte das Land Machtkämpfe zur
bestehen, bevor es sich Anfang der Siebziger Jahre dem Westen zu
Öffnen begann und dem Personenkult um Mao Zedong auch der Zopf
abgeschnitten wurde. [13]
Mit dem Sieg des Kommunismus und der Gründung der Volksrepublik China
am 1. 10. 1949 wurde das Programm der Partei von ihrem Gründungsparteitag
am 23. Juli 1921 verwirklicht. “Sturz der Bourgeoisie durch die
revolutionäre Armee des Proletariats, Errichtung der Diktatur des
Proletariats, Abschaffung des Privateigentums und Beseitigung der
Klassendifferenzen” waren die Schlagworte der
Gründungsmitglieder.
Nach der vorläufigen Verfassung von 1949 galt der Volksrat als
höchstes Organ des Staates. Er setzte sich vornehmlich aus Vertretern der
Kommunistischen Partei zusammen, die vom Politbüro beherrscht wurde. Am 20.
September 1954 beschloß der Nationale Volkskongreß die zunächst
endgültige Verfassung des Staates. Diese Verfassung wurde laufend
geändert und im März 1978 den sich verändernden Umständen
angepaßt. Am 11. Dezember 1982 verabschiedete der V. Nationale
Volkskongreß die vierte Verfassung der Volksrepublik, deren Kernpunkt nach
dem Motto “Alle Macht dem Volk” die Stärkung des Systems nach
innen und außen zum Ziel hat. Nach der neuen Verfassung werden die
Abgeordneten der mehr als 2000 Kreise - wie schon erwähnt - direkt vom Volk
gewählt. Die Abgeordneten oberhalb der Kreisebene werden jeweils von den
Vertretern der nächstniederen Ebene gewählt. Mit der Verabschiedung
eines kodifizierten Staatsrechtes und eines Strafverfahrensrechts, das am
- 1. 1980 in Kraft trat, wurde die frühere Rechtsunsicherheit
abgeschafft. Das alte chinesische Recht basierte vorher im wesentlichen auf dem
Kodex der Mandschu-Dynastie und vollzog sich durch die Sitten und
Gebräuche, die sich in Familie und Gemeinschaft gebildet hatten. Es
orientierte sich an den allgemeinen Moralvorstellungen der Gemeinschaft und
ließ dem Richter viel Ermessensspielraum.
Mit der
Einrichtung sogenannter Volksgerichtshöfe wurde die Rechtssprechung
landeseinheitlich bis hinunter in die Kreise als unterste Ebene getragen.
Über den Volksgerichten der Kreise und kreisgleichen Stadtbezirke stehen
die der Provinzen und Autonomen Gebiete, und über allen steht das Oberste
Volksgericht.
5 Religion
Konfuzius, der große chinesische Philosoph, der 551 - 479 v. Chr.
Lebte, war kein Religionsstifter, doch in einem Edikt von 1906 stellte der
Kaiser ihn allen Gottheiten des Himmels gleich. Auf seinen Lehren basiert das
ethisch-soziale Gebäude des Konfuzianismus, der die großen Religionen
des Landes - Buddhismus, Daoismus sowie den islamischen und christlichen als
Universalreligion und der Daoismus blicken auf eine lange Geschichte
zurück. Sie übten einen großen Einfluß auf die Kultur
Chinas aus, der heute noch spürbar ist. Während diese beiden
Religionsrichtungen über das ganze Land verteilt sind, leben die meisten
chinesischen Christen in den Küstenprovinzen. Der Islam hat seine
Anhänger unter den zehn nationalen Minderheiten wie den Hui, den Uiguren
und den Kasachen. Die chinesischen Buddhisten, Moslems und Christen stehen mit
den Religionsgemeinschaften vieler Länder in Verbindung, sind also nicht
isoliert.
In der Verfassung der Volksrepublik China ist die Glaubensfreiheit der
Bürger verankert. Die Bürger haben das Recht, sich zu einer oder auch
zu keiner Religion zu bekennen.
Beim Staatsrat wurde das Verwaltungsbüro für religiöse
Angelegenheiten gegründet, das für die religiösen
Aktivitäten im Lande zuständig ist. Die Regierung mischt sich nach der
Verfassung nicht in den Gottesdienst der Gläubigen ein. Alle Tempel,
Moscheen und Kirchen sowie andere Stätten, die religiösen
Tätigkeiten dienen, sind seit Wiedereinführung der Religionsfreiheit
staatlich geschützt. [14]
Zur Förderung der religionswissenschaftlichen Forschung wurden bei der
Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften in Beijing und bei deren
Zweigstelle in Shanghai Institute für Weltreligionen mit Sonderabteilungen
für Buddhismus, Islam und christliche Glaubensrichtungen
eingerichtet.
Während der chaotischen Jahre der “Kulturrevolution” war
die Religionsfreiheit abgeschafft, wurden Klöster, Kirchen und Tempel
zerstört, Gläubige verfolgt. Inzwischen sind die meisten Gebäude
renoviert und wieder geöffnet.
Die größte Verbreitung besitzt die Religionsgemeinschaft der
Buddhisten mit den Formen des Mahayanas (Großes Fahrzeug). Die von Buddha
im 6. Jahrhundert v. Chr. in Vorderindien gegründete Religion breitete sich
auf friedlichem Wege schnell über ganz Asien aus.
Der Überlieferung nach entstand der Mahayana oder nördliche
Buddhismus in China etwa im 1. Jahrhundert n. Chr. Kaiser Ming Di ließ in
Luoyang den Schimmel-Tempel, das erste buddhistische Bauwerk Chinas, errichten.
In der Zeit der Wei- und der Jin-Dynastie (220 - 420 n. Chr.) erlebte der
Buddhismus durch friedliche Mission seine größte Verbreitung.
Unterstützt von der herrschenden Klasse wurden während der
Südlichen und der Nördlichen Dynastien (420 - 589 n. Chr.) Tempel,
Klöster und Grotten gebaut und buddhistische Sutras ins Chinesische
übersetzt, so daß sich die neue Religion über ganz China
verbreitete. In der Zeit der Sui- und der Tang-Dynastie (581 - 907 n. Chr.)
erlebte der Buddhismus in China seine Blütezeit. Im Lauf der Jahrhunderte
nahm der Buddhismus auch konfuzianische und daoistische Elemente in sich auf.
6 Bevölkerungsprobleme
Weit über 1 Milliarde Menschen wohnen in der heutigen Volksrepublik
China, deren Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten zu explodieren drohte.
Seit einigen Jahren versucht die Volksregierung den Bevölkerungszuwachs
unter Kontrolle zu bekommen, so daß der Familienplanung eine große
Bedeutung beigemessen wird. Mehr als 5000 Computerfachleute bedienten die
Datenbanken anläßlich der dritten nationalen Volkszählung am 1.
Juli 1982. Daraus läßt sich der rapide Bevölkerungszuwachs
erkennen. Nach der Ausrufung der Republik 1911 zählte die Bevölkerung
über 400 Millionen Menschen. Besonders stürmisch verlief die
Entwicklung mit steigendem Wohlstand in der Zeit von 1953 bis 1980. In nur 27
Jahren explodierte die Einwohnerzahl von 588 auf 982 Millionen und erreichte
1982 die Milliardengrenze. Am 27. 10. 1982 veröffentlichte das Statistisch
Büro der Volksrepublik das Ergebnis der Volkszählung. Danach gab es
zum Stichtag 1.031.882.511 Einwohner, Auslandschinesen nicht mit einbezogen. Die
Han-Chinesen stellen 93,3% der Bevölkerung. Rund 68 Millionen oder 6,7%
sind nationale Minderheiten.
Nach der Gründung der Volksrepublik hat sich die industrielle und
landwirtschaftliche Produktion rapide entwickelt. Die medizinische Versorgung
wurde verbessert, wo durch die Streblichkeitsrate von 2/ vor 1949 auf 0,6
Prozent in den 70-iger Jahren zurückging. Aber die
Bevölkerungspyramide hat nach unten hin eine viel zu breite Basis. Aus den
letzten Statistiken geht hervor, daß Kinder unter 14 Jahren 37% der
Gesamtbevölkerung, Bürger über 65 Jahre nur noch 5%
ausmachen.
Die Bevölkerung wuchs alljährlich um 15 bis 20 Millionen, doppelt
so viel wie beispielsweise Österreich Einwohner hat. Deshalb ist heute die
Familienplanung ein wesentlicher Teil der chinesischen
Staatspolitik. [15]
Eine der wesentlichsten Maßnahmen der neuen Familienpolitik besteht
darin, die Geburtenziffer dadurch unter Kontrolle zu halten, daß
Empfängnisverhütungsmethoden im breiten Rahmen dem Volk
zugänglich gemacht und entsprechende Verhütungsmittel kostenlos zur
Verfügung gestellt werden. Auch Sterilisationen und Abtreibungen sind
kostenlos. Für die Zeit nach einem solchen Eingriff bekommen die
betroffenen Männer und Frauen bezahlten Urlaub.
In den Städten erhalten die Paare, die sich bereiterklären, nur
ein Kind zu empfangen, monatliche Zuschüsse von 2,5 bis 5 Yuan - je nach
Gebiet - als Erziehungsbeihilfe bis zum 14. Lebensjahr. In den ländlichen
Gebieten gibt es anstelle von Bargeld während dieser Zeit zusätzliche
Arbeitsprämienpunkte als Beihilfe. Der Entbindungsurlaub wurde von 56 Tagen
auf ein halbes Jahr und länger ausgedehnt, wobei Lohn und
Arbeitsprämien voll weiter gezahlt werden. Auch die Altersversorgung wird
bei Einkind-Ehen beeinflußt. Arbeiter und Angestellte mit nur einem oder
gar keinem Kind erhalten in der Stadt eine höhere Altersrente. In den
Kommunen und Produktionsbrigaden werden Altersheime geschaffen, in denen
Pensionäre untergebracht werden, deren Lebensstandard über dem des
Durchschnitts liegen muß.
Angestrebt wird eine 1-Kind-Familie, wodurch erreicht werden würde,
daß bis zur Jahrtausendwende die Bevölkerung jährlich um nur
etwa 10 Millionen zunimmt. Eine 2-Kind-Ehe ergäbe bereits einen Zuwachs von
rund 300 Millionen Menschen bis zur Jahrtausendwende.
Natürlich werden mit Zielsetzungen und Gesetzen nicht alle
Schwierigkeiten beseitigt. Da sind einmal die festverwurzelten traditionellen
Denkweisen, wonach die Erhaltung des Stammes und eine zahlreiche
Nachkommenschaft die größten Aufgaben einer Familie waren. Die
Großfamilie mit vier Generationen unter einem Dach waren das in den
vergangenen Jahrhunderten erstrebenswerte Glück. Ein anderes Problem war
die Altersversorgung auf dem Lande, denn es oblag den Söhnen, für den
Lebensunterhalt der alten Eltern zu sorgen, und je mehr Söhne die Frau
gebar, umso sorgenfreier konnte man an das Alter
denken. [16]
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Die demographischen Kennziffern verdeutlichen die Katastrophe des
“Großen Sprungs nach vorn” (1958 -1960). Durch die
Kollektivierung der Landwirtschaft und Versuche einer überstürzten
Industrialisierung sollen 17 Mio. Menschen verhungert sein, es wurden kaum
Kinder geboren. Die ruhigen Jahre vor der Kulturrevolution (ab 1966) sind
dagegen durch einen Geburtenboom gekennzeichnet. Und diese Generation kommt
jetzt ins heiratsfähige Alter.
Der Erfolg der Familienplanung hängt davon ab, wie schnell sich
Traditionen ändern und wie schnell das Kind von der gewinnbringenden
Arbeitskraft (in der kaum mechanisierten Landwirtschaft) zum Kostenfaktor wird
(wie schon jetzt in der Stadt).
Originaldokument enthält an dieser Stelle eine Grafik! Original document contains a graphic at this position! [17]
7 Wirtschaft
Die Volksrepublik China hält politisch am
Einparteienstaat und der Vorherrschaft der kommunistischen Partei fest.
Sie gab aber seit 1978 das System der Zentralverwaltungswirtschaft teilweise auf
und erlaubt in einzelnen Branchen und Regionen die Marktwirtschaft. Dennoch
gelten weiterhin Fünfjahrespläne, welche die großen Ziele
der wirtschaftlichen Entwicklung zentral vorgeben. Bis zum Jahr 2000 soll sich
das chinesische BIP verdoppeln. China begann seine wirtschaftliche Umgestaltung
1980 mit der Privatisierung der Landwirtschaft. Nach 30 Jahren
kollektiver Landwirtschaft in sogenannten Volkskommunen wurden die
dörflichen Produktionsgenossenschaften aus der zentralen Planwirtschaft
entlassen. Manche Bauern in den fruchtbaren Gebieten konnten ihre Beträge
bis zu 35% steigern und brachten es inzwischen zu bescheidenem Wohlstand. Sie
verkaufen Reis, Hirse, Gemüse, Hühner- und Schweinefleisch nicht nur
an staatliche Stellen, sondern auch auf der Straße und in den
nächstliegenden Städten.
Der nächste Schritt war die Privatisierung des Kleingewerbes:
Friseure, Imbißstuben, Schuster, Schneider und andere Handwerker wurden
ebenfalls aus den Produktionsgenossenschaften entlassen und bedeuten seither
für viele staatliche Konsumgüterfabriken verstärkten Wettbewerb.
Innerhalb von zwei Jahren füllten sich die Regale der Läden, die
Kleider wurden bunter und die Schlangen vor den Geschäften
kürzer.
Erst vier Jahre nach Beginn der Reformpolitik begann 1984 die
Umgestaltung der Industrie: Kürzung der staatlichen Subventionen,
Preiserhöhungen und mehr Leistungsdruck in den Fabriken sollen die
Produktivität steigern. Über das Plansoll hinaus produzierte
Überschüsse dürfen auf dem freien Markt verkauft werden, sofern
die dafür benötigten Zulieferteile selbst (ohne Plan) beschafft werden
können.
Ein wesentlicher Bestandteil der Reformpolitik war die Errichtung von
Sonderwirtschaftszonen, in denen ausländische Unternehmen zu
internationalen Niedriglöhnen und fast steuerfrei produzieren können.
Mit Billigtextilien, Spielzeug und Elektroartikeln eroberte China bereits
europäische Märkte. [18]
Das Bruttosozialprodukt (BSP) Chinas ist niedrig. Mit 1285 RMB (650 DM) pro
Kopf (1988) ist es nur geringfügig höher als das Indiens (630 DM,
1986).
Seit der Gründung der VR China 1949 ist die staatlich gelenkte
Wirtschaft tiefgreifend verändert worden. Nach Verstaatlichung der
Schlüsselindustrien und der Abschaffung des Großgrundbesitzes sollte
im ersten Fünfjahresplan (1953-1957) eine Planwirtschaft nach sowjetischem
Vorbild aufgebaut werden. Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften wurden
eingerichtet, die komplette Industrie verstaatlicht, der Handel staatlich
kontrolliert. Trotz rapiden Wachstums (1949-52 ca. 20%; 1953-57 ca. 9%) war 1957
die Wirtschaftskraft Chinas noch gering. Es wurden versucht, mit zahlreichen
industriellen Kleinbetrieben das Land zu entwickeln. Schlechte Koordination
sowie unwirtschaftliche Investitionen führten 1960/61 zum Scheitern dieser
Politik des >>Großen Sprungs nach vorn<<.
Aber erst nach dem Tode Mao Zedongs 1976 wurde die Wirtschaftspolitik
grundlegend revidiert. Private, gewinnorientierte Aktivität soll in Staats-
und kleineren Privatbetrieben gefördert werden. Marktwirtschaftliche
Elemente werden ausgebaut, nicht mehr durch staatliche Administration soll die
Wirtschaft gelenkt werden, sondern durch Preise, Steuern und Löhne. Diese
Reformen gerieten Mitte der 80er Jahre ins Stocken, 1988 ordnete die Regierung
zur Eindämmung der über 30%igen Inflation wieder staatliche
Maßnahmen an.
7.1 Die Hauptentwicklungsphasen der
Volksrepublik
|
Entwicklungsphasen
|
Maßnahmen, Auswirkungen
|
|
1949-52 Wiederaufbauphase: Stabilisierung der kommunistischen
Herrschaft
1953-57 Entwicklung nach sowjetischem Vorbild und mit sowjetischer Hilfe
(1. Fünfjahresplan)
1956 “Hundert-Blumen-Kampagne”
“Kampf der zwei Linien”
1958-61 “Großer Sprung nach vorn”
Politik der “Drei Roten Banner”
Revolutionärer Versuch, die Gegensätze zwischen Stadt und Land,
Kopf- und Handarbeit, Arbeiter und Bauern aufzuheben - Heutige Bewertung:
“Die drei schlimmen Jahre”
1962-65 Sozialistische Umgestaltung, Mao Zedongs Linie setzt sich abermals
durch - Stützung auf die Volksbefreiungsarmee unter Lin Biao
1966-70 “Große Proletarische Kulturrevolution”
Ausschaltung der Reformer unter Staatspräsident Liu Shaoqi
(“Konterrevolutionäre Revisionisten”)
1971-76 Übergangsphase
“13 Errungenschaften der Kulturrevolution” (Mao Zedong-Studium,
Revolutionskomitees, “Barfußärzte” u. a.)
Seit 1977 Reformkurs - zunächst Übergangsphase unter Hua Guofeng
(Vorsitzender des Staatsrats und des Zentralkomitees)
1980 Hua Guofeng verdrängt, Zhao Ziyang
Ministerpräsident
1983 Hu Yaobang Generalsekretär
1986 Demokratisierungsbewegung
1987 Rücktritt Hu Yaobangs, Zhao Ziyang Nachfolger
1989 Sieg der harten Linie unter dem Ministerpräsidenten Li
Peng
|
Enteignung des Großgrundbesitzes, Beginn der Kollektivierung,
Sozialisierung des Handels und Industrie
Industrialisierung als Voraussetzung für den sozialistischen Aufbau -
forcierte Entwicklung der Schwer- und Grundstoffindustrie, auch im Binnenhandel
- Fortführung der Kollektivierung in der Landwirtschaft
(Produktionsgenossenschaften)
Ermunterung der Intellektuellen zu offener Diskussion, 1957 erneut
Repression
Mao Zedong setzt sich gegenüber den Reformern durch, Abwendung von
sowjetischen Modell, “permanente Revolution” - gleichgewichtige
Entwicklung der Industrie und Landwirtschaft -
“Großbritannien in 15 Jahren einholen und überholen”
- Stahlproduktion “Hauptkettenglied”, Ausbau der Kleinindustrie
(Kleinsthochöfen auf dem Lande) - Aufbau der Volkskommunen -
Hungerkatastrophe und Produktionsrückgang in der Landwirtschaft führen
zur Revision des “Großen Sprungs” durch Liu Shaoqi und Deng
Xiaoping -
Sozialistische Erziehungskampagnen: 1963 “Lernen von Lei Feng”
(Modellheld der Volksbefreiungsarmee) - Xiafang-Bewegung:” Hinunter in die
Dörfer und hinauf in die Berge” (Landverschickungskampagne) -
1965:”Von Dazhai lernen” (Musterbrigade der Landwirtschaft) -
Zerstörung der “alten Autoritäten” und des
Parteiapparates (“zerschlagt die Haupt quartiere”) durch “Rote
Garden”, “Die Köpfe vom bürgerlichen Gedankengut
reinigen” - Revolutionskomitees, Mao-Kult, Terror und Exzesse
Erstarken der Reformer unter Zhou Enlai - “Kampf der zwei
Linien” fortgesetzt - Sturz Lin Biaos - Gegen Lebensende Maos
Einfluß seiner Frau Jiang Qing (“Viererbande”)
1976 Zweiter Sturz Deng Xiaopings - Tod Maos Sturz der
“Viererbande” (kulturrevolutionäre Fraktion)-
Kampagnen: gegen den “Wind von rechts” (Deng Xiaoping),
“Zum Lernen von Dazhai”, “Zum Lernen von Lei Feng” -
Empfehlungen Dengs zur Abschaffung der Massenbewegungen -
Bewertungen der “10 Jahre der Katastrophe” (1966-76)
-
“4 Modernisierungen” (Landwirtschaft, Industrie, Wissenschaft,
Militär) -
1983 Reform der Volkskommunen: Wiederherstellung der Gemeinden,
Volkskommune nur noch wirtschaftliche Verwaltungseinheit, Lockerung des
staatlichen Ankaufsmonopols, Ersetzung der Gewinnabführung der Industrie
durch Steuern, “Marktwirtschaft ohne Kapitalismus”,
Wirtschaftsreformen, Wohnungsbauprogramme in Städten
1987 Studentenunruhen - ideologische Verhärtung, Kampf gegen
“Verwestlichung” und “bürgerlichen
Liberalismus”
1989 Blutige Niederschlagung der von Studenten eingeleiteten
Volksbewegung
|
(nach O. Weggel, China und anderen Quellen)
Mao Zedong erarbeitete in den Jahren 1957 und 1958 ein umfangreiches
Entwicklungskonzept, mit dessen Hilfe vor allem drei Ziele erreicht werden
sollten:
- eine allgemeine stürmische Wirtschaftsentwicklung, die es China
ermöglichen sollte, innerhalb kürzester Zeit in ökonomischer und
technologischer Hinsicht unabhängig zu werden und mit dem wirtschaftlich
entwickelten Ländern zu konkurrieren;
- als erstes Land in den Kommunismus einzutreten und damit der Sowjetunion
auch politisch die Führungsrolle innerhalb des sozialistischen Lagers
streitig zu machen;
- die ökonomische und politische Abkopplung von der
Sowjetunion.
Das maoistische Entwicklungskonzept der “Drei Roten
Banner” beinhaltet zwei Grundpfeiler:
- Mit einem Großen Sprung nach vorn
sollte vor allem die schwerindustrielle Produktion binnen weniger Jahre
spektakulär gesteigert werden. Von 1958 bis 1968 sollten in der
Industrieproduktion ein durchschnittlicher Jahreszuwachs von 45 Prozent und in
der Landwirtschaft ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 20
Prozent erreicht werden.
- Mit der Zusammenfassung von vielen
landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in riesige
Volkskommunen sollten genügend Geld- und Sachmittel zusammengetragen
werden, um zum einen die für die Mechanisierung der Landwirtschaft
benötigten Produkte der Schwerindustrie abnehmen zu können und um zum
anderen Investitionen in kommunale Werkstätten und Betriebe zu
tätigen.
Das maoistische Entwicklungskonzept endete in einer wirtschaftlichen und
gesellschaftlichen Katastrophe. Die enormen ökonomischen und physischen
Belastungen der Bauern durch die Massenaktionen zum Aufbau von
Infrastrukturprojekten und zum Schmelzen von Eisen und Stahl führten zu
einem drastischen Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion, da die
Bauern weder genügend Zeit und Mittel noch die Kraft hatten, die Felder wie
bisher zu bewirtschaften. Hinzu kamen organisatorische Mängel der
Großkollektive und eine fehlende Motivation der Bauern aufgrund der
übersteigerten Kollektivierungsmaßnahmen.
Statt der geplanten 525 Millionen Tonnen betrug die Getreideproduktion 1959
lediglich rund 170 Millionen Tonnen und sank 1960 sogar auf 143,5 Millionen
Tonnen ab. Die bereits Ende 1958 auftretenden Versorgungsschwierigkeiten
mündeten ab Herbst 1959 in einer katastrophalen Hungersnot. Physische
Überanstrengung und unzureichende Ernährung führten dazu,
daß vom Herbst 1958 bis Ende 1961 zirka 18,8 Millionen Menschen über
die normale Todesrate hinaus verstarben.
Im Gegensatz zur Landwirtschaft verzeichnete die Schwerindustrie
während des “Großen Sprungs” zunächst enorme
Zuwachsraten.
Aufgrund der Hungersnot und der daraus resultierenden sozialen Unruhen auf
dem Land wurden ab 1961 die staatlichen Investitionen in die Schwerindustrie
drastisch gesenkt. Daraufhin sank die schwerindustrielle Produktion bis zum
Jahre 1962 in etwa auf den Stand von 1957 zurück. Eine ähnliche
Entwicklung nahm das Nationaleinkommen, so daß allein volkswirtschaftlich
der Große Sprung nach vorn in Wirklichkeit ein Großer
Sprung zurück war.
[19]
7.2 Die Volkskommune
7.2.1 Entstehung
Die Volkskommunen bilden die Endstufe auf dem chinesischen Wege zur
Kollektivierung der Landwirtschaft, die am Ende des 1. Fünfjahrplanes mit
der Schaffung der “vollsozialistischen
Produktionsgenossenschaften” praktisch den Stand der UdSSR erreicht
hatte. Die Zusammenfassung der Produktionsgenossenschaften in Volkskommunen
wurde vorbereitet durch umfassende Massenkampagnen des Winters 1957/58,
die der Verbesserung der Bewässerungsverhältnisse dienten und die
Bevölkerung davon überzeugen sollten, daß koordinierter
Massenarbeitseinsatz produktive Erfolge zeitigen müsse. Die erste
Volkskommune, “Sputnik” (Weihsing), war bereits im April 1958
gegründet worden. Sie wurde wegen der von ihr in der Rekordernte, des
Jahres 1958 erzielten Erfolge später als beispielhaft herausgestellt, und
ihre Satzung wurde für die anderen Kommunegründungen als Muster
empfohlen. In der Atmosphäre allgemeinen Wirtschaftsaufschwunges
faßte das Politbüro der KPCh am 29. August in Pei-tai-ho (Hopei) den
Beschluß über die Errichtung von Volkskommunen. Die
Kommunegründungen wurden als freiwillig bezeichnet, jedoch war die Bewegung
so gut vorbereitet, daß in weniger als zwei Monaten alle 127 Mill.
Chinesischen Bauernhaushalte und 700 000 Produktionsgenossenschaften in rund 26
600 Volkskommunen zusammengefaßt waren. Während dabei im Durchschnitt
4800 Haushalte auf eine Kommune entfielen, umfaßten die Volkskommunen in
der Ebene nicht selten 10 000 und mehr Haushalte, während die Kommunen im
Bergland kleiner waren.
7.2.2 Organisation und Aufgabe
Die Satzung der Volkskommune Sputnik definiert eine Volkskommune als
gesellschaftliche Grundeinheit, in der sich die arbeitende
Bevölkerung unter der Führung der KP und der Volksregierung freiwillig
zusammenschließt und in ihrem Bereiche alle Aufgaben der industriellen und
landwirtschaftlichen Produktion, der Verteilung, der Arbeiten auf den Gebieten
der Kultur und Erziehung sowie die politischen Angelegenheiten wahrnimmt. Es
heißt weiter: Der Zweck der Volkskommunen besteht darin, das
sozialistische System zu festigen und die Voraussetzungen und Bedingungen
für einen allmählichen Übergang in den Kommunismus zu schaffen.
Insbesondere sind landwirtschaftliche und industrielle Produktion sowie Kultur
und Erziehungswesen zu entwickeln, die technologische und kulturelle Revolution
voranzutreiben und der Unterschied zwischen Stadt und Land und zwischen
körperlicher und geistiger Arbeit zu beseitigen. Unter der
Voraussetzung eines steigenden Sozialproduktes und eines wachsenden
Bewußtseins der Bevölkerung soll man allmählich vom Grundsatz
,Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Leistungen’
übergehen zum Grundsatz ,Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach
seinen Bedürfnissen’.
Diese Formulierungen kennzeichnen die Volkskommunen zunächst als ein
in der Ideengeschichte des Kommunismus verankertes Instrument. Der im Jahre 1958
von der KPCh nach Gründung der Volkskommunen erhobene Anspruch, sich damit
bereits dem Endstadium der kommunistischen Gesellschaft angenähert zu
haben, hat deshalb auch dazu beigetragen, den offenen Konflikt mit der UdSSR als
der bisher unbestrittenen Führungsmacht der sozialistischen Welt
auszulösen.
Im einzelnen hatten die Produktionsgenossenschaften, die einer Volkskommune
beitraten, dieser ihr Kollektiveigentum zu übergeben. Ebenso hatten die
Genossenschaftsmitglieder der Volkskommune ihre Häuser, ihr Vieh, ihre
Baumbestände und andere Produktionsmittel zu übereignen; sie konnten
lediglich Kleinvieh in ihrem Eigentum belassen und auf einem kleinen Stück
Gartenland Gemüseanbau
betreiben. [20]
Die Landwirtschaft der VR China liefert heute Nahrung und Kleidung für
über 850 Mio. Menschen; sie stellt Arbeitsplätze für
annähernd 80% der chinesischen Bevölkerung; der Leichtindustrie
liefert sie mehr als die Hälfte der Rohstoffe; und schließlich machen
landwirtschaftliche Rohstoffe, Halbfertig- und Fertigprodukte etwa zwei Drittel
des chinesischen Exportwertes aus. Diese vielfältigen Aufgaben, jede
für sich unentbehrlich, erklären, daß die wirtschaftspolitische
Vorrangstellung des Agrarsektors in China derzeit unumstritten ist. Sie
veranschaulichen auch die Wichtigkeit eines anhaltenden und stabilen Wachstums
für Chinas-Agrarsektor.
Insgesamt gesehen sind die Produktionserfolge im Agrarsektor unbestreitbar.
Mit Recht kann die Pekinger Regierung heute feststellen, daß sie den
Hunger in China gebannt und die Bevölkerung ausreichend mit Kleidung
versorgt hat. In diesem Urteil stimmen auch alle ausländischen Experten
überein - so schwer nachprüfbar und so divergierend neuere
Schätzungen über Bevölkerung und Agrarproduktion im einzelnen
auch sein mögen. Mindestens seit 1965 liegt das Wachstum der
Getreideproduktion regelmäßig über dem der Bevölkerung. Die
Abhängigkeit der VR China von Getreideeinfuhren ist ständig gesunken.
Im August 1975 meldete die Nachrichtenagentur Xinhua, China sei nunmehr in der
Getreideversorgung gänzlich unabhängig vom Ausland; damit hätte
China sein Autarkieziel auf einem entscheidenden Gebiet
erreicht. [21]
7.3 Chinas industrielle Entwicklung
Der Begriff Entwicklung im eigentlichen Sinn bedeutet nicht nur einfaches
Wachstum, d. h. nicht ein bloß mengenmäßiges Mehr. Er
beinhaltet auch Veränderung, die Einführung neuer Industrien und
Erzeugnisse, kurzum das, was mit dem Fachausdruck Strukturwandel bezeichnet
wird. Nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Mehrerzeugung, sondern auch unter
dem des Wandels und des Neuen zeigt die VR China, daß sie eine
tatsächliche Entwicklung durchläuft. Sind die Stahl- und
Eisenindustrie sowie der Maschinenbau der traditionell und auch gegenwärtig
noch führende Entwicklungsbereich, so hat sich spätestens seit Beginn
dieses Jahrzehnts ein neuer Schwerpunkt der Chemieindustrien herausgebildet, und
für die nächste Zukunft zeichnet sich der beschleunigte Aufbau der
modernen Elektronikindustrien als ein dritter Schwerpunkt bereits deutlich
ab.
Schon während der zweiten Hälfte der 60er Jahre begann sich der
chemieindustrielle Bereich der VR China beschleunigt zu entwickeln. Erdöl
und Erdgas übernahmen eine wachsende Rolle in der Energieversorgung.
Kunstfasern und Kunststoffe entlasteten die angespannte Versorgungslage der
Textilindustrie mit Rohstoffen wie Baumwolle. Vermehrter Einsatz von
Kunstdüngemitteln und Schädlings- wie Unkrautbekämpfungsmitteln
erhöhte die Getreideernten und führte zu einer weniger gespannten
Versorgungssituation der Bevölkerung.
Kurzum, wenn das Zehnjahresprogramm 1976 - 1985 vorsieht, daß
>>die Entwicklung der neuen Industriezweige wie Petrochemie und Elektronik
forciert werden muß<<, so wird nun die tatsächliche Entwicklung
der letzten zehn Jahre für die Zukunft bestätigt. Drei
Entwicklungsschwerpunkte sind im Rahmen der gesamten Chemieindustrien
festzustellen:
- Petrochemie für die Energieversorgung mit dem großen Wachstum der
Erdöl- und Erdgasförderung sowie dem raschen Ausbau zahlreicher
Verarbeitungszentren wie den großen Raffinerien im Nordosten, in Beijing,
Shanghai, Nanjing, u. a.;
- Agrochemie mit der Herstellung von Chemieerzeugnissen für die
Steigerung der landwirtschaftlichen Leistung;
- Kunststoffherstellung für Kleidung und Gebrauchsartikel der
chinesischen Massenbevölkerung.
Mit diesen drei Schwerpunkten ist der Bereich der Chemieindustrien nach der
traditionellen Schwerindustrie an die zweite Stelle vorgerückt.
Der dritte neue Bereich, die Elektronikindustrien, ist gegenwärtig
noch verhältnismäßig klein. Mit einem Produktionswert von
geschätzten 13 - 15 Mrd. DM vereinnahmt er nur knapp 5% der chinesischen
Industrieproduktion, aber Wachstumsraten, die in einigen Schlüsselbereichen
zu jährlichen Verdopplungen der Produktion führen, deuten darauf hin,
daß die untergeordnete Rolle weitgehend der Vergangenheit angehört.
Das Ziel liegt im Aufbau von rd. 600 Schlüsselfabriken, von denen
gegenwärtig über 200 mit knapp 500 000 Arbeitskräften bereits
existieren.
Im Rahmen einer stark ländlichen orientierten Entwicklungsstrategie
konnte der Aufbau von Elektronikindustrien kein unumstrittenes Thema bleiben.
Letztmals entzündete sich Anfang der 70er Jahre eine sogenannte
Stahl-gegen-Elektronik-Kontroverse, bei der der Vorrang der Stahlindustrie noch
einmal bestätigt wurde. Dennoch schritt die Entwicklung der Elektronik
rasch voran. Sie dürfte in mehreren Bereichen der wirtschaftlichen
Entwicklung von besonderer Bedeutung sein:
- Energiewirtschaft, Präzisionsindustrien, die ohne moderne Elektronik
nicht mehr denkbar sind. Diese Erkenntnis wurde bereits 1959 von Zhou Enlai
vorgebracht, als er verkündete, daß die >>neue Revolution in
Wissenschaft, Technik und Industrie eine weitreichende Bedeutung<< hat.
Diese Grundeinstellung ist durch den alten und neuen Wirtschaftsführer Deng
Xiaoping für die Zukunft erneut bekräftigt worden.
- Infrastruktur und Telekommunikation; die Entwicklung einer modernen
Infrastruktur und eines modernen Fernmeldewesens ist ohne Elektronik nicht
möglich. Es sei nur darauf verwiesen, daß die VR China
gegenwärtig über weniger als 2 Mio. Telefone verfügt (USA rd. 140
Mio., Deutschland über 20 Mio.). Rund ein Viertel aller in der chinesischen
Elektronikindustrie Beschäftigten arbeitet allein im Bereich der
Telekommunikationsherstellung.
- Elektronische Datenverarbeitung, deren Bedeutung für eine
Planwirtschaft wie die chinesische nicht zu unterschätzen ist. Das Land
verfügt gegenwärtig nur über gut 1000 elektronische Datenanlagen;
der Bestand dürfte sich jedoch während der nächsten Jahre
entscheidend erhöhen.
- Militärindustrie; dieser Bereich ist in der VR China gleichsam der
Pionierbereich der Elektronikindustrie. Die ersten großen Erfolge wurden
während der 60er Jahre im Zusammenhang mit der militärischen
Atomforschung und dem Bau von Raketensystemen erzielt sowie 1970 mit dem Start
des ersten chinesischen Satelliten.
- Verbraucherelektronik; in diesen Bereich fällt vor allem die
Herstellung von Radio- und Fernsehgeräten. Mit einer Produktion von
gegenwärtig über 12 Mio. Radiogeräten jährlich nähert
sich China langsam dem zweitgrößten Radioproduzenten der Welt, Japan.
Der Gesamtbestand an Radiogeräten dürfte sich auf geschätzte 80
Mio. belaufen, d. h. ein Gerät je zehn Personen. Im Gegensatz dazu ist die
Fernsehherstellung noch im Anfangsstadium. Die VR China verfügt zur Zeit
über nur etwas mehr als 1 Mio. Fernseher. Nimmt man allerdings das
Vergleichsjahr 1974 mit geschätzten 400 000 Geräten, so dürfte
sich die Gesamtzahl der Geräte in den nächsten Jahren wesentlich
erhöhen. Das heißt also, daß sich alle Aussagen über
Größenordnungen in den einzelnen Teilbereichen der chinesischen
Elektroindustrie angesichts des hohen Wachstumstempos und der bisher kurzen
Entwicklungszeit von Jahr zu Jahr erheblich ändern, so daß im
Verlaufe der Restjahre des Zehnjahresprogramms bis 1985 die grundlegendsten
Wandlungen eintreten dürften.
Zusammenfassend läßt
sich feststellen, daß die VR China im Verlauf mehrerer
Entwicklungsphasen nacheinander drei Grundpfeiler ihres nationalen
Industriegebäudes
errichtet hat bzw. errichtet und daß die Entwicklung aller anderen
Industrien und bis zu einem gewissen Grad auch der Landwirtschaft von der
zukünftigen Leistung und Tragfähigkeit dieser drei Pfeiler
abhängig sein wird. [22]
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7.4 Die Wirtschaftssonderzonen und 14 “geöffneten”
Küstenstädte
Im Frühjahr 1984 beschloß die chinesische Führung 14
Küstenstädte für die Außenwirtschaft zu öffnen und
ihnen im Verkehr mit dem Ausland größere Vollmachten zu geben. Zweck
dieser Öffnung war, die Modernisierung Chinas zu fördern.
Durch Investitionen ausländischen Kapitals sollen in den 14
Städten ausschließlich moderne Industrieproduktionen und gleichzeitig
Forschungsstätten geschaffen werden, in denen neue Technologien entwickelt
werden sollen. Im Gegensatz zu den Wirtschaftssonderzonen können sich
ausländische Investoren in den Küstenstädten nur auf diesen
beiden Gebieten bestätigen, während in den Sonderzonen ihr
Tätigkeitsbereich nicht eingeschränkt ist - was z. B. dort dazu
geführt hat, daß Ausländer ins Grundstücksgeschäft
eingestiegen sind.
Ähnlich wie die Sonderzonen sollen die Küstenstädte
Beispielwirkung auf das dahinterliegende Küstenland haben und so die
Modernisierung Chinas vorantreiben.
Um möglichst unbürokratisch die Modernisierung alter und den Bau
neuer Fabriken bewerkstelligen zu können, haben die 14
Küstenstädte größere Befugnisse erhalten, den Einsatz
ausländischen Kapitals zu steuern und einzusetzen. Für diesen Zweck
erhalten die Städte - je nach wirtschaftlicher Bedeutung - das Recht,
selbständig über eigene Investitionsmittel außerhalb der
staatlichen Planung bis zu gewissen Obergrenzen zu entscheiden.
[23]
7.4.1 Offene Häfen auf Wirtschaftssonderzonen
7.4.2 Wirtschaftssonderzonen/ Das Schaufenster des neuen China hat
mit speziellen Problemen zu kämpfen
Freude bei der chinesischen Regierung...
Die chinesische Regierung zeigt sich über die Entwicklung der
Sonderwirtschaftszonen im Süden Chinas erfreut: “Die Entscheidung zur
Etablierung der Sonderwirtschaftszonen Shenzhen, Zhuhai, Shantou und Xiamen hat
eindrucksvolle Resultate gebracht. Direkte Auslandsinvestitionen in den vier
Zonen beliefen sich bis Ende 1985 auf 1,17 Mrd. $, ein Fünftel der
Gesamtinvestitionen des Auslands in China.”
“Gut 900 Fabriken mit fortgeschrittener Technologie und
Ausrüstung haben den Betrieb aufgenommen. Die Industrieproduktion der vier
Zonen erreichte 1985 einen Wert von 4,84 Mrd. Yuan und damit das Fünffache
dieser Gebiete im Jahr 1979. In der am schnellsten wachsenden Zone, in Shenzhen,
war das Industriewachstum 39mal höher als 1979, und 43% der Produkte gingen
in den Export. Shenzhen ist das Schaufenster des neuen Chinas.”
...Vorbehalte bei ausländischen Investoren
Aus der Sicht eines amerikanischen Bankiers in Hongkong sieht das
Experiment ganz anders aus: “Shenzhen ist ein Rattennest. Hier haben
Provinzfunktionäre, lokale Geschäftsleute und Überseechinesen
versucht, bloß schnell Geld zu machen. Statt High-Tech-Produkten werden
Eisschränke und Fernseher produziert. Die Zentralregierung hat Milliarden
in die Infrastruktur pumpen müssen. Shenzhen verschlingt
überproportional viel der vorhandenen Mittel und trägt somit
entscheidend zum Handelsbilanzdefizit Chinas bei. Seit die Zentralregierung
nunmehr bremst, sind die Sonderwirtschaftszonen zu einem Stillstand
gekommen.”
Shenzhen als “Schaufenster”
Wer sich in Shenzhen, 60 Metro-Minuten von Hongkongs Zentrum entfernt,
umschaut, muß beeindruckt sein. 1979 ein Städtchen mit 20 000
Einwohnern, wohnen nunmehr dort 400 000 Menschen, haben zeitweise mehr als 150
000 Bauarbeiter aus ganz China Wolkenkratzer und Fabriken gebaut, sind neue
Straßen gelegt worden, ist auch aus westlicher Sicht ein bescheidener
Wohlstand entstanden. Die unmittelbare Nähe zu Hongkong und dessen
großartiger Infrastruktur schafft Vorteile, aber auch den Nachteil,
daß Investoren Vergleiche ziehen können. Warum in Shenzhen
investieren, wenn die Industrie- und Handelsförderung Hongkongs
Europäern, Amerikanern und Japanern darlegen kann, daß in Hongkong
mit minimalem bürokratischen Aufwand die gleiche Produktionsstätte
errichtet werden kann?
Den eigentlichen Vorteil von Chinas Sonderwirtschaftszonen und somit vor
allem Shenzhens, nämlich Zugang zu billigen Arbeitskräften, hat sich
die Verwaltung der Zone selber zerstört, indem sie die ausländischen
Gesellschaften mit Vorschriften über Gehaltszahlungen einengte, den
Arbeitern aber die hohen Löhne nicht ausbezahlte. Damit ist eine
Arbeitsmarktsituation entstanden, daß in Shenzhen zwar noch geringere
Gehälter als in Hongkong bezahlt werden müssen aber die
Arbeitskräfte nicht so geschult sind wie in der kapitalistischen
Nachbarschaft. Und da sie nicht in den Genuß der hohen Arbeitsprämien
kommen, legen sie sich auch nicht so ins Zeug wie in Hongkong. Ferner glaubte
man, für Industrieansiedlungen, für Wohnungen und Hotels in Shenzhen
Mietpreise wie in Hongkong verlangen zu können.
Verlust des “Besonderen”?
Gravierende Entwicklungsfehler im Konzept der Sonderwirtschaftszonen werden
deutlich. Zum einen ist die Reformentwicklung in ganz China so rasant verlaufen,
daß die “Besonderheit” der Sonderwirtschaftszonen heute nicht
mehr so besonders ist. Neben den Sonderwirtschaftszonen waren nämlich 14
Küstenstädte ebenfalls mit Privilegien für die
Wirtschaftsentwicklung bedacht worden. Auch andere Städte in
Inlandsprovinzen haben Anreize und Erleichterungen geschaffen, die nicht
unähnlich den Bedingungen der Sonderwirtschaftszonen sind. Das Konzept der
Sonderwirtschaftszonen ist somit durch die Entwicklung überholt worden,
nachdem nicht mehr diese Gebiete allein, sondern praktisch ganz China zu einem
Experimentierfeld geworden ist.
Kritik und Probleme
Schließlich kam hinzu, daß eine unsichere Rechtsgebung,
Bürokratismus bei Verträgen, hohe Landpreise für
Fabrikgelände, oft wechselnde Vorschriften beispielsweise bei der
Verzollung importierter Waren, auch wenn es sich um Ausrüstung für die
Joint-Venture-Industrien handelt, Verzögerungen beim Gewinntransfer sowie
Korruption, die sich im Sonderzonen-Establishment breitmachte, es Investoren aus
Europa und Amerika nicht einfach machten, zu einer Investitionsentscheidung zu
kommen. Die Sonderwirtschaftszonen Chinas müssen nämlich nicht nur mit
Hongkong, sondern auch mit Taiwan und Südkorea konkurrieren und den anderen
Ländern Südostasiens wie etwa den Philippinen, die allesamt versuchen,
Investitionen mit Sonderkonditionen an sich zu ziehen.
So ist es nicht überraschend, daß es vorwiegend Hongkong- und
Überseechinesen sind, die Teile ihrer Produktion in die Wirtschaftszonen
verlegt haben.
Die chinesische Führung hält an dem Konzept der
Sonderwirtschaftszonen trotz der aufgezeichneten Schwierigkeiten fest. Aber es
ist schon sichtbar, daß Peking nicht mehr in der Lage und willens ist, so
viele Investitionen wie in der Anfangsphase in die Zonen zu schleusen. Die
Gesamtentwicklung des Landes macht dies auch nicht nötig, denn der
Sonderstatus Shenzhens wird bei zunehmender Liberalisierung, wie sie in ganz
China zu sehen ist, überflüssig. Die Stadt Shenzhen könnte eine
ganz “normale” Stadt im Reform-China werden.
7.5 Außenhandel der VR China
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Originaldokument enthält an dieser Stelle eine Grafik! Original document contains a graphic at this position! [24]
8 Literatur
- Harenbergs Weltreport, Länder - Städte
- Reiseziele; © Harenberg Lexikon-Verlag
- China, Brunhild Staiger - ©1980 by Horst
Erdmann Verlag
- China, Klaus A. Dietsch - ©1992 EDITION ERDE
im BW Verlag
- China, Hildebrand’s Urlaubsführer -
© K+G KARTO+GRAFIK Verlagsgesellschaft mbH
- China, Günter Schöpke - ©1986
INTERRA-VERLAG GmbH & Co.
- China - Indien, Großräume in der
Entwicklung - Diercke Oberstufe, Dr. Werner Storkebaum © Westermann
Schulbuchverlag GmbH
- Praxis Geographie - China im Wandel,
©westermann (Juni 6/ 1988)
- Raum - Gesellschaft - Wirtschaft im Wandel der
Zeit AHS 2, Verlag Ed. Hölzel
- Fischer Länderkunde, Ostasien - ©
Fischer Taschenbuch Verlag GmbH (1978)
©1997 by LIN
Kuo Hsuan. Alle Rechte vorbehalten!
[1] Harenbergs Weltreport
[2] Harenbergs Weltreport
[3] China, Brunhild Staiger - ©1980 by
Horst Erdmann Verlag
[4] China, Brunhild Staiger - ©1980 by
Horst Erdmann Verlag
[5] Hildebrand’s Urlaubsführer,
Manfred Morgenstern - China
[6] Hildebrand’s Urlaubsführer,
Manfred Morgenstern - China
[7] Harenbergs Weltreport
[8] Harenbergs Weltreport
[9] Harenbergs Weltreport
[10] China - Klaus A. Dietsch
[11] China - Klaus A. Dietsch
[12] China - Klaus A. Dietsch
[13] China - Redaktion: Günter
Schöpke; ©1986 INTERRA-VERLAG
[14] China - Redaktion: Günter
Schöpke; ©1986 INTERRA-VERLAG
[15] China - Redaktion: Günter
Schöpke; ©1986 INTERRA VERLAG
[16] China - Redaktion: Günter
Schöpke; ©1986 INTERRA VERLAG
[17] Praxis Geographie - China im Wandel -
©westermann
[18] Raum Gesellschaft Wirtschaft im
Wandel der Zeit - 6. Klasse AHS
[19] China - Indien, Großräume
in der Entwicklung - Diercke-Oberstufe, Dr. Werner Storkebaum
©westermann
[20] China - Indien, Großräume
in der Entwicklung - Diercke-Oberstufe, Dr. Werner Storkebaum
©westermann
[21] Fischer Länderkunde - Ostasien,
Herausgeber: P. Schöller H. Dürr E. Dege
[22] China, Brunhild Staiger - ©1980
by Horst Erdmann
[23] China - Indien, Großräume
in der Entwicklung - Diercke Oberstufe, Dr.Werner Storkebaum
©westermann
[24] Praxis Geographie, China im Wandel -
©westermann
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