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Torberg, Friedrich: Der Schüler Gerber
Der
Inhalt:
Dieser Roman erzählt die Geschichte
des begabten Schüler Gerber, der im letzten Jahr vor der Matura steht.
Überraschend wird Professor Kupfer Klassenvorstand. Kupfer, bei den
Schülern "Gott Kupfer" genannt, ist ein gefürchteter Lehrer. Seinen
Spitznamen, den er nicht einmal ungern hört, erhielt er von den
Schülern wegen seiner von ihm immer wieder betonten Unfehlbarkeit. Seine
herrschsüchtige und sadistische Art und seine Macht gegenüber seiner
schwachen Schüler kostete er bis zur Neige aus. Besonders einen Maturanten,
nämlich den begabten aber renitenten Kurt Gerber, verfolgt "Gott Kupfer"
besonders, weil es Gerber an jener Unterwürfigkeit fehlt, die ein
Schüler Kupfers Ansicht nach besitzen muß.
Gerbers schwache Seite ist die
Mathematik, das Fach, in dem Kupfer diese Klasse unterrichtet, und
natürlich jede Gelegenheit nützt um die Schüler zu
demütigen. Gerbers Vater, der die Arroganz und Gefährlichkeit dieses
Lehrers erkannt hat, will Kurt in eine andere Schule schicken. Doch der Junge
glaubt, das Examen auch so bestehen zu können. Allerdings hat er sich den
Kampf mit Kupfer nicht so nervenraubend vorgestellt, und da er sehr sensibel
ist, erlebt er die Demütigung seiner Mitschüler nicht weniger intensiv
als die Ungerechtigkeiten ihm gegenüber.
Zu den Schulelend kommt das Erlebnis
einer unerfüllten Liebe zu einer ehemaligen Mitschülerin, Lisa
Berwald. Bedrückend ist für ihn auch der Gesundheitszustand seines
Vaters, der an einer Herzkrankheit leidet. Vorallem die Schande des Durchfallens
beim Examen, möchte er seinen strengen Vater ersparen. Trotz aller
Vorbereitungen und Anstrengungen, versagt er, von Kupfer hereingelegt, in der
Mathematikprüfung. Als er auch in den anderen Fächern weniger gut
abschneidet, verliert er, obwohl ihm seine Mitschüler gut zuredeten, die
Nerven und stürzt sich aus dem Fenster des Realgymnasiums und war sofort
tot. Gegen Professor Kupfers Einspruch wurde er trotzdem von der
Prüfunskommission als reif erklärt.
Botschaft des
Stückes:
Die Veranlassung zu diesem Werk waren
zehn Schülerselbstmorde, die in einer einzigen Woche im Jänner 1929
von den Zeitungen gemeldet wurden, sowie persönliche Schulerlebnisse
Torbergs die er in seinen Roman verwertet hat. Primär ist der in zwölf
Kapitel geteilte Roman eine zeitbedingte Schulgeschichte. Das Kernproblem dieses
Stückes ist das Zusammenprallen von Selbstherrlichkeit und
mißbrauchter Macht auf immer schwächer und sinnloser werdendem
Widerstand. Torberg will aufzeigen, daß allmählich das
Selbstwertgefühl Gerbers so weit abgebaut wird, daß er nicht mehr auf
seine vorhandenen Fähigkeit vertraut. Er gibt auf, noch ehe überhaupt
klar ist, ob er die Matura bestehen wird oder nicht. Verschlimmert wird seine
schwierige Lage noch durch den Druck des Elternhauses und seine
unglückliche Liebe. Im entscheidenden Augenblick ist niemand da, der ihm
ausreichend Halt geben könnte.
Der
Autor:
Friedrich Torberg, am 16.September 1908
in Wien geboren und am 10.November 1979 in seiner Geburtsstadt gestorben,
studierte in Prag und Wien und begann nach ersten Buchveröffentlichungen
Theaterkritiken zu schreiben. 1938 emigrierte er in die Schweiz und
flüchtete 1940 aus Frankreich nach Amerika. 1951 kehrte Friedrich Torberg
nach Wien zurück, wo er bis 1965 die kulturpolitische Zeitschrift "Forum"
herausgab.
Werke u.a.: "... und glauben, es
wäre die Liebe" (1932), "Die Mannschaft" (1935), "Abschied" (1937), "Mein
ist die Rache" (1943), "Hier bin ich mein Vater" (1948), "Die zweite Begegnung"
(1950), "PPP. Pamphlete, Parodien, Post Scripta" (1964), "Das fünfte Rad am
Thespiskarren" (1966), "Golems Wiederkehr" (1968), "Süßkind von
Trimberg" (1972), "Die Tante Jolesch oder Der Untergang des Abendlandes in
Anekdoten" (1975), "Die Erben der Tante Jolesch" (1978), sowie zahlreiche
Übersetzungen und Editionen.
Stil des
Schreibers:
Primär ist dieser Roman Friedrich
Torbergs eine zeitbedingte Schulgeschichte. Torberg teilt diesen Roman in 12
Kapiteln. Dieser ist von stark autobiographischen Zügen geprägt,
welche Torberg durch zahlreiche Zeitungsberichte von Schülerselbstmorden im
Jänner des Jahres 1929 bestätigt sah. Er schrieb diesen Roman nicht
als "Ich-Bericht", sondern aus der Perspektive des Schüler Gerber. Die
einzelnen Kapitelüberschriften sind scheinbar distanzierende Ansagen eines
Kampfspieles, die von bitteren Sarkasmus geprägt sind. Der Stil Torbergs
gehört zu einer dramatisch einsetztenden Gattung, die mit wechselnden
Perspektiven und unterschiedlicher Intention, am schulischen Modellfall die
existentielle Situation durchsichtig macht. Dazu ist ihm auch der für die
expressionistische Dichtung typische Vater-Sohn-Konflikt
zuzuordnen.
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