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UTOPIEN
Facharbeit zum Thema:
UTOPIEN
von SASCHA POHFLEPP
copyright Sascha Pohflepp,
1997
die freie Verwendung zu
Unterrichtszwecken ist ausdrücklich gestattet, jedoch wird keinerlei
Verantwortung für mögliche Konsequenzen
übernommen.
Weiterhin würde ich mich über
einen Hinweis über jede Verwendung an die Adresse sp@piro.net sehr
freuen.
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung und Übersicht
1.1 Allgemeine Einführung: Utopien und
Phantasie
1.2 Utopien in der Literatur
2. Weiterführende Erläuterung am Beispiel
von „Paris im 20. Jahr- hundert“ von Jules
Verne
2.1 Biographie und Werkseinführung von Jules
Verne
2.2 Einführung zu „Paris im 20.
Jahrhundert“
2.3 Inhaltliche Beschreibung
2.4 Interpretation im Bezug zur damaligen
Gesellschaft und Vernes restlichen
Werken
- Abschließende Bewertung im Bezug auf aktuelle
und zukünftige Entwicklungen
Literaturnachweis
1. Einleitung und
Übersicht
1.1 Allgemeine Einführung: Utopie und
Phantasie
Ich möchte mich, bevor ich auf konkrete Beispiele
aus der Literatur eingehe, zuerst mit den globaleren Zusammenhängen im
Bezug auf Utopien beschäftigen:
Utopien und das utopische Denken ist der menschlichen
Kulturgeschichte bis hinein in die Zeiten Platons schriftlich belegt, hat aber
mit Sicherheit schon immer existiert. Platons Utopie (ich gehe später noch
genauer auf sie ein) ist als Beispiel für die klassische Utopie sehr gut
geeignet. Er beschreibt in seiner „Politeia“ ein politisches
System, das er als Ideal für seine Gesellschaft betrachtete. Diese
Gesellschaft befand sich in jener Epoche in einem Umbruch durch einen Konflikt
zwischen dem Individuum als solches und der Vorstellung von der Integration des
Einzelnen in das Ganze der Welt.
Schon an dieser Stelle werden einige wichtige
Charakteristika von utopischer Literatur deutlich:
Utopien sind literarische Werke mit durchgehend
fiktionalem Charakter, das heißt, es wird eine imaginäre Welt
geschaffen, an welcher der jeweilige Autor seine Vorstellungen von einer
positiven oder negativen Entwicklung der Welt oder der Gesellschaft
demonstrieren kann.
Utopien sollen also in jedem Fall auf das momentane
„historisch-gesellschaftliche sein“ transformierend wirken und eine
Verbesserung der Zustände oder eine Verhinderung von Schlimmeren bewirken,
wenn der momentane Zustand nicht mehr mit den ursprünglichen kulturellen
Normen und Werten übereinstimmt oder eine solcher Zustand
droht.
Der gesellschaftliche Nährboden für eine
solche Literaturgattung ist offensichtlich: am häufigsten finden sich
Utopien in Epochen, in denen soziale Umbrüche oder größere
Umwälzungen, zum Beispiel weitreichende technische Entwicklungen
stattfinden, die auch negative Aspekte nachziehen könnten.
Auch religiöse Aspekte können eine
große Rolle spielen, wenn eine Gesellschaft, die sich in der Vergangenheit
stark auf das Göttliche und Transzendente berufen hatte, plötzlich im
Rahmen einer Schwächung der vorher bestimmenden Religionen in eine
Situation geworfen wird, in welcher der Mensch gezwungen wird, sein Leben und
die Gesellschaft, in der er lebt, selbst zu gestalten und Utopien zu entwerfen,
um Entwicklungen vorauszusagen.
Ein Autor gewinnt mit dem Schaffen einer utopischen
Welt eine vergleichsweise große Macht, eine Vergangenheit kann manchmal
rückwirkend als Fortschritt bewertet werden, eine
änderungsbedürftige Gegenwart kann kritisch beleuchtet und eine noch
zu schaffende Zukunft kann entworfen und zur Diskussion gestellt werden.
Dennoch bleibt keinem utopischem Entwurf die
schlüssige Argumentation erspart, es müssen Defizite schlüssig
aufgezeigt und nachgewiesen werden, hierbei wird auch oft ein Vergleich mit
einer entfernteren, besseren Vergangenheit benutzt, die als „goldenes
Zeitalter“ den Kontrast zum Hier und Jetzt stellt und die Brücke zur
goldenen Zukunft schlägt. Gleiches gilt natürlich auch für
negative Utopien, wo eine alptraumhafte Zukunft mit Fehlern aus der
Vergangenheit verglichen wird.
Mit diesen Voraussetzungen kann man sich nun
überlegen, aus welcher psychologischer Motivation heraus Menschen dauernd
versuchen alternative Konzepte zu ersinnen und zu entwerfen, welche Rolle die
Literatur dabei spielt und in wie weit diese gedanklichen Experimente
tatsächlich unsere Wirklichkeit beeinflussen.
Vorweg ein Zitat von Oskar Kokoschka: „Die Welt
wird nicht geschaffen von Gott, nicht von der Umgebung, nicht von den
ökonomischen Bedingungen, sondern allein durch die Einbildungskraft des
Menschen“.
Dieses Zitat zeigt allzu deutlich, daß auch der
utopischen und phantastischen Literatur durchaus Bedeutung beigemessen wird,
wenn über das Verhältnis von Phantasie und Realitätsbildung im
weitesten Sinne gesprochen wird.
Die Einbildungskraft des Menschen, die Phantasie,
spielt praktisch in allen Bereichen unseres Lebens einflußreiche Rolle.
Sie spielt direkt hinein in unsere Sinneswahrnehmnung, sie hat Teil an der
Erinnerung, sie öffnet uns neue Möglichkeiten, begleitet Hoffnungen,
Ängste und Vermutungen. Die Phantasie ist die Fähigkeit, Bilder aus
dem Nichts zu evozieren, sie ist aber auch, wie der Literaturwissenschaftler
Jean Starobinski weiß: „...ein Distanzierungsvermögen, durch
das wir uns entfernte Dinge vorstellen und uns von der gegenwärtigen
Realität entfernen...indem die Einbildungskraft antizipiert und
voraussieht, dient sie dem Handeln, zeichnet sie uns die Gestalt des
Realisierbaren vor, noch bevor sie realisiert ist...so trägt sie
abwechselnd dazu bei, entweder unsere praktische Herrschaft über das
Wirkliche auszudehnen oder die Fesseln, die uns an sie binden, zu
sprengen...“
Die utopische Literatur sieht sich dennoch im
ständigem Konflikt zwischen Realitätsbezug und dem Abgleiten in die
pure Phantasterei, die keiner logischen Argumentation mehr
standhält.
Die Spaltung zwischen Wirklichkeit und Phantasie
erweist sich für die utopische Literatur, besonders heute, eher als
einengend. Günther Grass sagt, daß wir „uns von der
Wirklichkeit so domestizieren lassen, daß wir einen erweiterten
Wirklichkeitsbegriff allenfalls im Theater ertragen“, das heißt,
daß wir die Fähigkeit verlieren könnten, die uns erlaubt,
utopische Möglichkeiten und Entwürfe im Kopf zu erkunden und das Spiel
mit Imagination und Realität zu treiben.
Wir brauchen laut Grass eher ein Wirklichkeitsbild,
das die Phantasie nicht länger ausschließt, sondern sie neben der
Realität einen Platz einnehmen läßt, der ihre Bedeutung für
das menschliche Sein berücksichtigt, denn „Phantasie erweist sich
hier als eine Existenznotwendigkeit, als eine bestimmte Art des Menschen, sich
in der Welt vorzufinden; durch die Phantasie erlangt der Mensch die
Fähigkeit, ein konkretes Erscheinungsbild anzureichern und zu
verändern.“
Zusammenfassend kann man also sagen, daß in
jeder Phantasie eine potentiell realitäts- und zukunftsgestaltende Kraft
liegt, die nicht deshalb utopisch ist, weil sie irreal ist, sondern weil sie
schon ein Bild einer neuen Wirklichkeit in sich trägt, die eine bisher
gegebene Realität sprengt und neue, vielleicht notwendige, Entwicklungen
antizipiert, vorantreibt und hervorbringt.
Diese Feststellungen lassen sich auch von der modernen
Psychoanalyse nicht nur literaturwissenschaftlich, sondern auch
naturwissenschaftlich belegen.
Es gibt einige tiefenpsychologische Richtungen, welche
die Phantasie als „primus movens“ des gesamten geistigen
Entwicklungsprozesses des Menschen im Kindesalter und auch darüber hinaus
betrachten.
Man betrachtet hierbei insbesondere das Spielen als
die wichtigste „Sprache“ der Phantasie, denn das Spiel ist der
Ausdruck einer spezifischen Fähigkeit des Menschen über seine eigenen,
vielleicht selbstgeschaffenen, Grenzen hinauszuwachsen und die Grenzen der
eigenen Erfahrung auszuweiten.
Phantasie und Kreativität bergen hier insofern
eine „utopische Funktion“ in sich, als daß sie sich auch hier
als gestaltende Kräfte der frühen menschlichen Selbstgestaltung
erweisen. Phantasie ist eben nicht nur ein illusionärer Ersatz, wie es
gerne und oft gesehen wird, sondern ein „konstitutives Element“, das
zu seiner seelischen Formwerdung beiträgt, laut Rudolf Steiner
„die ins seelische metamorphisierte
Wachstumskraft“.
Noch Siegmund Freud hatte ein völlig
anderes Bild der Phantasie. Für ihn war die Phantasie der pure Ausdruck
einer unbefriedigten Realität, der dadurch kompensiert wird, daß die
Phantasie eine „Ersatzrealität“ schafft. Er sagte: „Man
darf sagen, der Glückliche phantasiert nie, nur der Unbefriedigte.
Unbefriedigte Wünsche sind Triebkräfte der Phantasien, und jede
einzelne Phantasie ist eine Wunscherfüllung, eine Korrektur der
unbefriedigenden Wirklichkeit.“
Freud beraubt hier die Phantasie und damit auch die
phantastische und utopische Literatur jeglicher utopischer Dimension im Sinne
der Glaubwürdigkeit und realitätsgestaltenden Kraft wie sie weiter
oben beschrieben worden ist.
Ansichten wie diese sind im späteren Verlauf der
Auseinandersetzung scharf von Leuten wie Ernst Bloch angegriffen worden,
der meint, Freud würde die Einbildungskraft des Menschen hier zu einem
reinen „Naturschutzpark und Spielwiese rückwärtsgewanter
Infantilismen“ degradieren.
Sieht man die Phantasie heute aus einer medizinischen
Sicht, findet man in der Psychoanalyse sogar schwere phantasiebezogene
Störungen und Krankheiten. Phänomene wie
„Desymbolisierung“ oder „Alexithymie“ bezeichnen
Patienten, bei denen vor allem der phantasierende Welt-Bezug gestört ist,
und die in Folge dessen an schweren psychosomatischen Symptomen
leiden.
Was ihr inneres Erleben aber vor allem
charakterisiert, ist eine mangelnde Phantasie und Symbolisierungsfähigkeit,
die eine innere Leere und das Fehlen von Distanzierung zum alltäglichen
Leben hervorruft.
Hier wird die Bedeutung der menschlichen
Einbildungskraft von der abstrakt-wissenschaftlichen Ebene sehr schnell auf die
schmerzhafte physische Ebene der Psychatrie geholt.
Warum die menschliche Einbildungskraft, die Phantasie,
die, wie wir oben gesehen haben, so wichtige Teile der menschlichen Existenz
entscheidend berührt, oft immer noch ein Schattendasein gegenüber der
Rationalität führt, kann man nur spekulieren.
Es ist auch in unserem Jahrhundert ein nicht zu
leugnender Fakt, daß die Bedeutung der Phantasie und der
Auseinandersetzung mit der nahen und fernen Zukunft immer noch infantilisiert
und belächelt wird. Das Spiel mit der Vorstellung wird in das Reich der
Kinder abgeschoben, der spielerische Umgang mit moderner Technik ebenso wie mit
einfachen Spielsachen wird als vertane Zeit betrachtet und die Wichtigkeit
solcher Lern- und Erfahrungsprozesse relativiert.
Erst in den letzten Jahrzehnten wurde die Wichtigkeit
dieser Vorgänge erkannt und richtig gedeutet. Einen Wichtigen Anteil hatte
natürlich Siegmund Freud, der als erster klar erkannte, daß
die Kindheit für die Entwicklung eines Menschen die wichtigste Rolle spielt
und nicht eine sinnlos und unproduktiv vertane Lebensperiode von
„unfertigen“ Menschen ist, die dummerweise noch nicht
arbeitsfähig sind.
Auch Freud hat sich aber im Bezug auf die Funktion der
Phantasie aus unserer heutigen Sicht geirrt, wie man weiter oben sehen
kann.
Die Gründe für solche und ähnliche
Irrtümer sind meiner Meinung nach vielfältig, aber hauptsächlich
in unserem westlichen Weltbild und den Faktoren und Personen, die es
geprägt haben, zu suchen.
Die Moralvorstellungen, die unser Denken heute noch
beeinflussen, sind gezeichnet von einer idealisierten Rationalität und
Arbeitsmoral, die gänzlich auf das Hier und Jetzt ausgerichtet sind und
eine unterschwellige Verneinung der Spekulation impliziert.
Es hat wie mir scheint, besonders nach dem zweiten
Weltkrieg, in diesem Denken einen entscheidenden Umschwung
gegeben.
Es hat zwar auch schon vorher eine Auseinandersetzung
mit der Zukunft gegeben, die aber offensichtlich nur dann auf breite Zustimmung
traf, wenn der Fortschritt als besonders förderlich für die (Arbeits-)
Welt dargestellt wird (Ich werde später bei Jules Verne noch genauer auf
diesen Punkt eingehen).
Nach dem zweiten Weltkrieg also muß es eine
Wende gegeben haben, die zu einem offensichtlichen Boom bei allen Arten von
phantastischer und utopischer Literatur geführt hat.
Ich glaube, daß in erster Linie die rasant
fortschreitende Entwicklung der Computertechnologie mit dramatischen Folgen wie
der Mondlandung, Robotern, Atomraketen und allem, was man bis dahin ersonnen
hatte, dazu beitrug, daß Menschen sich nun buchstäblich gezwungen
sahen, die Zukunft aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Sie taten und
tun dies entweder aus Angst, von einer nicht mehr antizipierbaren Entwicklung
überrollt zu werden, oder aus purem Interesse an dem Spiel mit technischen
Möglichkeiten, die sich nun boten.
Wie auch immer, jeder Glaube an irgendeine andere
Möglichkeit der Existenz kommt jedoch nicht um eine differenzierte
Verhältnisbestimmung zur gegenwärtigen oder vergangenen Realität
herum, um eine Bewertung von verschiedenen Perspektiven der Zukunft zu
ermöglichen. Außerdem beleuchtet die Utopie mitunter auch die
Gegenwart und ist unter Umständen Voraussetzung einer Selbstreflexion, die
der kritischen Selbstbewertung vorausgeht. Selbstkritik könnte also auf
Utopie angewiesen sein.
Diese Leistung liefert für die Menschen die
Literatur oder der Film, indem sie das distanzierte gedankliche Spiel mit der
Zukunft für jedermann erlauben
Abschließend möchte ich noch einmal die
Hauptpunkte thesenartig zusammenfassen:
- es hat immer Utopien in der
menschlichen Kulturgeschichte gegeben
- Es gibt sowohl positive als
auch negative Utopien (Dystopien)
- Utopien beabsichtigen eine
Veränderung des „historisch-gesellschaftlichen“ Seins im
Hinblick auf die Zukunft
- Gesellschaften im Umbruch
bieten den besten Nährboden für Utopische Gedanken
- auch Utopien müssen
argumentativ begründet werden können
- Die Phantasie des Menschen
spielt offensichtlich eine entscheidende Rolle in der Realitätsbildung im
weitesten Sinne
- Auch aus der Sicht der
Psychoanalyse bedarf die Phantasie und die Fähigkeit der Reflexion in der
Einbildung eines gesteigerten Interesses, wegen ihrer offensichtlichen
Bedeutung
- Menschen haben zum Teil ein
gestörtes Verhältnis zur ihrer natürlichen Einbildungskraft und
sind aus verschiedenen Gründen gehemmt, diese konstruktiv
einzusetzen
- In den letzten Jahrzehnten
wurde aufgrund einschneidender technischer Fortschritte sichtbar bemerkt,
daß es wichtig ist, die Zukunft zu antizipieren und richtig zu
bewerten
- Literatur erweist sich hier
als geeignetes Mittel, um die eigene Gegenwart und Zukunft distanziert und
kritisch zu reflektieren und einzuschätzen
1.2 Utopien in der Literatur
Obwohl vorher schon angesprochen, sollte man sich
klarwerden, was die literarische Utopie ist und sich um eine Definition
bemühen:
Grundsätzlich ist ein utopisches Werk eine
„zusammenhängende und in sich geschlossene, schriftlich fixierte
Darstellung einer Wunschwelt (oder Alptraumwelt)“. Utopien sind also immer
fiktionale Texte. Mit einigen anderen literarischen Gattungen berühren sie
sich zum Teil sehr eng: Ihr hoher Fiktionalitätsgrad rückt sie in die
Nähe des Märchens, von Thema und Stoff her sind sie verwandt mit dem
Staats- und Gesellschaftsroman und in der situativen und erzähltechnischen
Einbettung verwenden sie oft Formen des Reise- und
Abenteuerromans.
Dennoch: obwohl Utopien alle klassischen
Literaturvorstellungen erfüllen, also sozusagen „Ur-Literatur“
im Sinne des genuin Literarischen sind, gelten Utopien im Urteil von
anspruchsvollen Literaturliebhabern nicht allzu viel. Mit Ausnahme von Thomas
Morus’ „Utopia“ (siehe unten) und den großen Dystopien
unseres Jahrhunderts hat kaum eines der vielen utopischen oder phantastischen
literarischen Werke weltliterarischen Rang gewonnen, Viele sagen sogar, Utopien
seien eher schlechte Literatur.
Zu entscheiden, wie solche Ansichten zustandekommen
und ob sie berechtigt sind, bleibt dem jeweiligen Leser überlassen und
hängt sicherlich von dem jeweiligen Werk ab, meiner Meinung nach spielt
aber das im Kapitel 1.1 gesagte, eine wichtige Rolle in diesem Zusammenhang.
Zur klassischen Utopie sagt Christian Enzensberger
trotzdem: „[Die literarische Utopie] kann ja für den Helden nur immer
eine ununterbrochene Weihnachtssituation herstellen und dementsprechend
eintönig fällt auch die sinnliche und emotionale
Vergegenwärtigung der Welt aus, in die er versetzt
ist...“
Betrachten wir doch einige wichtige Vertreter
verschiedener Richtungen dieser umstrittenen Literaturgattung im Nachfolgenden
genauer:
Platon: „Politeia“ (dt. „Der
Staat“)
Die erste Utopie ist zweifelsohne Platons
„Politeia“, weil diese als erstes solches Werk eine klare
rationale Argumentationsstruktur aufweist.
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Platon, der griechische Philosoph (427-347 v.
Chr.) hat mit seiner Ideenlehre die Philosophie des Abendlandes stark
beeinflußt. Theologie und Philosophie des christlichen Ostens fußen
fast ausschließlich auf Platon. Auch in der modernen Philosophie ist der
Einfluß Platons stark zu spüren. Der gewaltsame Tod des Sokrates,
seines Lehrers, hat in Platon ein tiefes Mißtrauen gegen die Staatsform
der Demokratie ausgelöst, was auch sein berühmtestes Werk, die
„Politeia“ beeinflußte. Im Jahre 347 v. Chr. gründete
Platon die bekannte „Akademie“, sein berühmtester Schüler
wurde Aristoteles.
Die „Politeia“ entstand in Platons
mittlerer Schaffensperiode. In seinem Staatsentwurf versucht er, die Frage nach
dem Wesen der Gerechtigkeit zu beantworten. Das, was Platon dabei zum Urheber
der klassischen Utopien macht, ist das Äußerliche, die Organisation
des Staates.
Vor allem die Einteilung der Bürger in die drei
Stände: der Stand der Philosophen (Staatsführung), der
„Wächter“ (Kriegsführung) und der Vollbürger ist in
diesem Entwurf interessant, weniger erfreulich ist jedoch, daß die
Sklaverei als selbstverständliche wirtschaftliche Grundlage beibehalten
werden soll. In Platons Staat tut jeder nur „das Seine“, das
heißt, das, was er am besten kann, wodurch im Idealfall alle Berufe
gleichmäßig vertreten sein sollen. Jeder besitzt nur das notwendigste
an Eigentum, Geld ist verpönt.
Frauen existieren in relativer Gleichberechtigung, der
höchste Zweck von ehelichen Verbindungen ist die Kindererzeugung,
Junggesellen werden mit hohen Strafsteuern belegt. Die Kinder werden früh
von den Eltern getrennt, um nach ihren Talenten eingeteilt und dementsprechend
richtig erzogen zu werden.
Natürlich sind viele der Thesen, die Platon dem
Leser vorlegt, nicht realisierbar, die automatische Dispersion der Berufe in
gleichen Teilen unter der gesamten Bevölkerung und besonders das praktische
Nichtvorhandensein von Eigentum in größeren Maße sind
Idealismen, die der menschlichen Natur offensichtlich leider gänzlich
widersprechen, wie sich im Zusammenbrechen des Kommunismus eindeutig gezeigt
hat.
Jedoch kann man nicht behaupten, daß Platons
Ideen zum Staat in der Praxis völlig ignoriert wurden: es gibt eine
verblüffende Ähnlichkeit zwischen der Hierarchie der katholischen
Kirche im mittelalterlichen Europa und den Ständen des platonischen
Staates. In der mittelalterlichen Kirche bestand eine strikte Trennung zwischen
dem Laien- und dem Priesterstand, im Prinzip waren aber alle Männer
für den Priesterstand zugelassen, gleichgültig welcher Herkunft. Eine
gründliche theologische Ausbildung war der wichtigste Schritt in den
Weihestand.
Platons Ideen haben auch, eher indirekt, die Struktur
der amerikanischen Verfassung beeinflußt, weil diese, grob gesagt, auch
sicherstellen soll, daß nur die besten und weisesten Männer (die
„Philosophen“) mit der Staatsführung betreut werden
dürfen.
Thomas Morus:
„Utopia“
Das erste Werk, das tatsächlich den Namen
„Utopie“ trug und damit auch Namensgeber für eine ganze
Literaturgattung wurde, ist Thomas Morus’ „Utopia“. Das
Wort selbst leitet sich her aus dem griechischen „u-topia“, das
soviel wie „Nirgendland“ oder „Nichtland“ bedeutet, aber
nicht in der klassischen Literatur belegt ist, sondern eine humanistische
Neubildung zu sein scheint.
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Sir Thomas Morus (lateinisierte Form von More)
lebte von 1478 - 1535 in Großbritannien. Er machte eine steile Karriere,
zunächst als Rechtsanwalt, später als Politiker. Heinrich VIII. erhob
ihn 1529 zum Lordkanzler. Zum Bruch mit dem König kam es, als dieser sich
vom Papst lossagte und selbst den Titel "Oberstes Haupt der Kirche Englands"
annahm. Morus verweigerte ihm daraufhin die Gefolgschaft und wurde dafür
des Hochverrats angeklagt. 1535 starb er durch das Schafott.
In seinem Werk läßt Morus, offensichtlich
basierend auf Platon und angeregt von den Entdeckungen Amerigo Vespuccis,
die Insel „Utopia“ aus den Tagebuchaufzeichnungen eines fiktiven
„Raphel Hythloday“ entstehen. Auf dieser Insel ist es gelungen,
durch völlige materielle Gleichheit eine staatliche Organisation zu
schaffen, die keine inneren Konflikte kennt.
Dabei besteht „Utopia“ aus zwei Teilen:
einer, später gestalteten, einführenden Rahmenhandlung und der
eigentlichen Gesellschaftsfiktion. Der erste Teil geißelt
hauptsächlich die Zustände im Großbritannien der damaligen Zeit,
der Zweite beschreibt im Kontrast die perfekte Organisation des idealen Staates.
Kritik wird an der höfischen Schmeichelei, an den
kriegerischen Auseinandersetzungen, am herrschenden Strafrecht, an der
Ausbeutung des Volkes und schließlich auch am König selbst
geübt. Die Wurzel allen Übels ist nach Morus’ Ansicht aber das
Privateigentum.
Der Reisende Hythloday erzählt nun von der Insel
„Utopia“, auf der jegliches Privateigentum abgeschafft ist, die
Zahlen beherrschen alles, das höchste Ziel ist die buchstäbliche
„Berechenbarkeit“ der Dinge als Grundlage jedes Entwurfes. Alle
Bürger müssen den Ackerbau erlernen, hiernach die jeweils wichtigen
Berufe als individuelle Spezialisierung.
Geld wird nur für Import und Export sowie
für die Kriegsführung benötigt. Die Ehegesetze sind teilweise
drakonisch, das Beamtentum wird als „Väter“ bezeichnet. Die
Religion wird eher liberal gehandhabt, einige wenige, als besonders fromm
befundene, Männer dürfen das Priesteramt
ausüben.
Um eine solche Gesellschaft zu erhalten, muß
eine organisierte Erziehung gewährleistet sein. Jedes Kind bekommt in
„Utopia“ eine wissenschaftliche Grundbildung, auch Erwachsene bilden
sich zeitlebens weiter. Kinder, die man für besonders begabt befindet,
werden ausgesondert und von körperlichen Aufgaben befreit, um sich
geistigen Ämtern zu widmen.
An einigen Stellen finden sich offensichtlich
auffällige Ähnlichkeiten zu Platons Staatsgebilde, zum Beispiel bei
der Frage des Eigentums, der Berufswahl oder dem
Erziehungssystem.
Morus war sich aber auch bewußt, daß
für ein solches System ein gewisser Preis zu bezahlen wäre. In diesem
Entwurf ist die Voraussetzung für die Autarkie des geschlossenen Systems
als zufriedenes Bürgertum die beinahe imperialistische Ausbeutung von
Kolonien und Nachbarstaaten.
Mit den Idealen, die Morus ersonnen hatte, lieferte er
sich auch persönliche Vorgaben für sein eigenes politsches Wirken am
Hofe Heinrichs VIII., zum Beispiel im Briefverkehr mit Martin Luther. Daß
er seine Ansichten so unnachgiebig vertrat, könnte auch einen Grund
für seine spätere Hinrichtung.
Daniel Defoe: „Robinson
Crusoe“
Das Werk „Robinson Crusoe“ („The
Life and Strange Surprizing Adventures of Robinson Crusoe, of York,
Mariner“), das 1719 erschien, hat sich schnell ein äußerst
weites Publikum erschlossen und ist in seiner Bedeutung für die utopische
Literatur nie unterschätzt worden.
Es handelt von dem Seefahrer Robinson Crusoe
(nach dem historischen Vorbild von A. Selkirk geschaffen), der auf einer
einsamen Insel strandet und sich bald mit seinem
„pragmatisch-utilitaristischen Kaufmannssinn“ eine neue Existenz
aufzubauen beginnt. Er ordnet die Inselwildnis nach seinen bürgerlichen
Vorstellungen und sucht Kontakt zu einem Eingeborenen, um diesen praktisch
für sich arbeiten zu lassen.
Daniel Defoe wurde Anfang 1660 (sein genaues
Geburtsdatum ist unbekannt) in London als Sohn eines Fleischers geboren. Defoe
hätte ursprünglich puritanischer Geistlicher werden sollen, entschied
sich dann aber für die kaufmännische Laufbahn, wo er allerdings bald
scheiterte. Er versuchte sich in mehreren Berufen. Aus dem Wunsch heraus, die
praktischen Lebensbedingungen seiner Landsleute zu verbessern, gab er
nacheinander mehrere Zeitschriften heraus und verfaßte zahlreiche, zum
Teil satirische Artikel. Ein heftiger Angriff gegen die religiöse
Unduldsamkeit der anglikanischen Kirche brachte ihn sogar an den Pranger, wo ihm
das Volk jedoch begeistert zujubelte. Nach einem Gefängnisaufenthalt
änderte er seinen ursprünglichen Namen (Daniel Foe) in Defoe. Er starb
am 26.4.1731 in London
Nicht nur Erzähleingang und Rahmenhandlung, also
Schiffbruch und Landen auf der Unbekannten Insel, sind hier als offensichtliche
Parallelen zu sehen, vielmehr ist es aber noch die Konzentration auf das
Schicksal des Einzelnen, der völlig auf sich selbst gestellt, gezwungen
ist, alternative Konzepte zu entwerfen und zu realisieren.
Dies berührt sich sichtlich mit den
organisatorischen Problemen der utopischen Gesellschaftsfiktionen, ein
Sachverhalt, der von britischen Literaturwissenschaftlern schnell eingesehen
wurde, denn dort wird „Robinson Crusoe“ auch oft als
„One-Man-Utopia“ bezeichnet. Wird in vielen anderen Utopien eine
gesellschaftliche Utopie vermittelt, die Alle betrifft oder wird sogar der Staat
selbst zum Heilsbringer, so spielt sich hier dieser gesamte Prozeß
buchstäblich im „Mikrokosmos“ mit einer einzelnen Person in der
Isolation einer Insel ab.
Der Roman hat vielen anderen Utopien voraus, daß
besonders die Entstehung minutiös geschildert wird. Gewissensforschung,
Reflexion, Zweifel und letztlich die Wendung zu Gottvertrauen gehen allen
Schritten voraus, die zur Errichtung des kleinen „Staates“ durch den
Protagonisten führen. Die Einsamkeit, das eigentlich Typische, Reiz- und
Wirkungsvolle an „Robinson Crusoe“, ist aber in sich schon angelegt
auf die kommende Begegnung mit anderen Menschen, die gerade diese Einsamkeit
aufheben werden: der Kontrast zwischen der Hoffnung auf rettende Wesen aus der
eigenen Kultur und der imminenten Furcht vor Gefahren durch Eingeborene.
Deutlich wird hieraus auch eine Grundangst, der
damaligen britischen bürgerlichen Gesellschaft, die sich hier quasi
dystopisch abzeichnet: der Mensch getrennt von seiner angestammten Umgebung, von
seiner Technik, der gepflegten Gesellschaft, mit der er sich umgibt, der
(britischen) Kultur, die seine Welt ausmacht. Gleichzeitig aber, wird gerade
durch diese widrigen Umstände, in denen der Protagonist dennoch fest zu
seinen puritanischen Arbeitstugenden hält, ein bestimmtes Idealbild des
Menschen vermittelt, denn auch Daniel Defoe kann seine puritanische Erziehung
nicht verleugnen.
Karl Marx sagte über das Werk: „Unser
Robinson, der Uhr, Hauptbuch, Tinte und Feder aus dem Schiffbruch gerettet,
beginnt als guter Engländer bald Buch über sich selbst zu
führen.“
George Orwell:
„1984“
Orwells „Nineteen Eighty-Four“ gilt
wohl neben Alois Huxleys „Brave New World“ als das beste
Beispiel für die klassische Dystopie unseres Jahrhunderts. Sein Werk zeigt
den Menschen einem staatlichen Machtapparat ausgeliefert, dessen
allgegenwärtiger Repräsentant der „Big Brother“ ist. Der
Protagonist, Winston Smith, ist selber Parteimitglied und wechselt vom
systemkonformen Bürger langsam zum „subversiven Element“. Er
sucht verzweifelt nach einer Möglichkeit, seinem Hass gegen das System
Ausdruck zu verleihen und nach Gleichgesinnten zu suchen.
Als er durch Zufall Julia, eine junge Frau mit
gleicher politischer Einstellung kennenlernt und von einer angeblichen
Untergrundorganisation in Form eines (Partei-)Vorgesetzten kontaktiert wird,
beginnt für ihn eine Phase der Hoffnung und der Umsturzpläne. Leider
erweist sich die angebliche Kontaktperson als Falle der Partei, Smith und Julia
werden verhaftet, getrennt, gefoltert und als völlig gebrochene Personen
wieder in die Freiheit entlassen. Nach einer kurzen Zeit des freien Lebens in
der Apathie wird Smith auf offener Straße hingerichtet.
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George Orwell (ursprünglich Eric Arthur
Blair) wurde 1903 in Motihari auf den Bengalen geboren. Er besuchte die bekannte
Schule von Eton, ging aber, statt die Universität zu besuchen, nach Birma,
um dort Polizist zu werden. Er beschrieb das Koloniale Beamtentum in
„Burmese Days“ später als „ausbeuterisch, hysterisch und
korrumpiert“. 1928-29 lebte er in Paris und London, wo er sich als
Tellerwäscher und Landstreicher durchschlug. Im spanischen Bürgerkrieg
kämpfte er gegen Franco.
Das durchgehende Thema in Orwells Werken ist die
Erniedrigung von Menschen durch totalitäre Systeme, ob in der Politik oder
in der Gesellschaft. Orwells bekanntestes Werk neben „1984“ ist die
berühmte Gesellschaftssatire „Animal Farm“.
Das Faszinierende an Orwells Roman ist sicherlich die
dichte, äußerst bedrückende Atmosphäre. Es herrscht die
totale Überwachung und Kontrolle durch den Staat, der sich modernster
Technik bedient, Ideologische Gleichförmigkeit mit überall
präsenten Symbolen wie dem „großen Bruder“ und die
Menschen stehen mit einer geisterhaften weil freiwilligen Begeisterung hinter
dem System, das sie eigentlich offen ausbeutet und
verhöhnt.
In „1984“ als Dystopie wird auf
erschreckende Weise gegen den Menschen gewendet, was in den klassischen Utopien
zu seinem Wohl arbeitet: der Staat und die Technik. „Ozeanien“, der
fiktive Staat in „1984“ ist zum reinen Selbstzweck geworden, der mit
haarsträubenden Ideologien und fiktiven Kriegen die katastrophalen
Zustände (geschildert wird London) rechtfertigen muß. Die Welt ist
hochtechnisiert, wie man an der Überwachungstechnik sehen kann, aber die
Menschen haben nicht einmal genügend Rasierklingen. Da es nur drei
Superstaaten gibt, die sowieso keine Kriege mehr führen können, ohne
sich gegenseitig auszulöschen, führt man verheerende Raketenangriffe
auf das eigene Land durch, um den Glauben an fiktive Konflikte zu belegen, die
rückwirkend das Vertrauen auf den eigenen Staat stärken
sollen.
Die ideologische Verblendung der Leute ist vollkommen,
die Denunziation blüht und die Menschen freuen sich über jede ebenso
fiktive Erfolgsmeldung ihrer Autorität, des großen Bruders.
Währenddessen versucht das „Ministerium für Wahrheit“ die
Fakten zu vertuschen, indem alle Aufzeichnungen über die Vergangenheit
„angepaßt“ werden, um jeden Versuch der Beweisführung
gegen das System zu unterminieren, sogar Smith zweifelt an seinen Zweifeln
(„Doublethink“) bis er in den Besitz eines Dokuments kommt, das eine
politische Hinrichtung zweifelsfrei belegt. Parallel wird auch versucht, die
Sprache so weit zu manipulieren und zu reduzieren („Newspeak“), um
mögliche Revolten im Vorfeld zu neutralisieren, indem man einfach die
nötigen Worte abschafft.
Besonders der Teil von der Verhaftung Smiths bis zu
dessen Erschießung ist für den Leser niederschmetternd, weil immer
klarer wird, daß die Entwicklung keinen anderen Schluß als Smiths
Tod zuläßt, doch diese Determiniertheit wird noch verschlimmert, da
der Beamte, der mit seiner „Behandlung“ beauftragt ist, großen
Wert darauf legt, daß Smith das apathische Vertrauen in den
„großen Bruder“ vor seiner Exekution
wiedergewinnt.
Genau wie das Werk von Daniel Defoe ist
„1984“ nur ein Zeugnis seiner Zeit. Nachdem man den zweiten
Weltkrieg überstanden hatte, wuchs nun offensichtlich nach der Erfahrung
mit den Nazis die Angst vor übermächtigen Ideologien, namentlich dem
Kommunismus.
Die gleichförmigen Massen in blauen
Parteiuniformen, die in festem Vertrauen zu ihrer Ideologie Feindbilder
akzeptieren und die fortschreitende Technologie im Waffensektor sollen ganz
offensichtlich an die UDSSR oder das China der Fünfziger Jahre erinnern.
„Nineteen Eighty-Four“ ist ein Produkt des aufkommenden kalten
Krieges und in seiner Funktion, die es später selber in der Ideolgiebildung
einnahm, sehr fragwürdig, bleibt aber neben „Brave New World“
sicherlich die faszinierendste Dystopie.
2. Weiterführende Erläuterung am
Beispiel von „Paris im 20. Jahrhundert“ von Jules
Verne
2.1 Biographie und Werksübersicht von
Jules Verne
Jules Verne wurde am 8. Februar 1828 in Nantes,
Frankreich, geboren.
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Mit Victor Hugo als einziger Ausnahme, ist Jules Verne
der bekannteste und erfolgreichste Autor der jüngeren französichen
Literaturgeschichte, seine bekanntesten Arbeiten sind nach der Bibel und den
Werken von Tolstoi und Lenin die meistübersetzten Bücher der
Welt.
Nach seiner Jugend in Nantes begann Verne in Paris
Jura zu studieren, erkannte aber nach dem Studium bald, daß seine wahre
Berufung im Schreiben von Romanen, Theaterstücken und Opernlibretti liegt.
Darüber hinaus hat sich Verne auch autodidaktisch
mit den rapide wachsenden Naturwissenschaften des letzten Jahrhunderts,
insbesondere mit der Ingenieurswissenschaft und der Geologie
beschäftigt.
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1863, als Verne schon 35 war, stellte er sein erstes
Buch „Cinq semaines en ballon“ (Fünf Wochen im Ballon), in
Paris vor. Es wurde in kürzester Zeit ein überwältigender Erfolg
und erwies sich als Überraschung, da es vorher von 15 Verlagen abgelehnt
worden war.
Der finanzielle Erfolg durch sein Erstlingswerk
ermöglicht Verne von nun an ein unabhängiges Schreiben und einen
vornehmeren Lebensstil. Er ist zwar durch und durch ein Pariser, zieht aber mit
seiner Frau zu deren Verwandten nach Amiens, wo er ein großes Haus mit
dazugehörigem Grundstück kauft. Trotzdem kehrt er
regelmäßig für ein oder zwei Tage im Monat nach Paris
zurück, so auch 1886, als sein Neffe ihn bei einem seiner Parisbesuche mit
einer Pistole in das linke Bein schießt. Die Gründe für den
Vorfall sind nie aufgeklärt worden, aber fest steht, daß Verne danach
humpelte und erheblich in seinem täglichen Leben eingeschränkt
war.
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Was Jules Verne als Menschen charakterisierte, war ein
extremer Perfektionismus. Jedes Buch (er veröffentlichte durchschnittlich
zwei Romane pro Jahr) mußte bis zu acht Mal auf Fehler überprüft
werden, bis Verne es zum Druck freigab und die Stilistik hatte in seinen Augen
perfekt zu sein, bevor er zufrieden war. Auch in wissenschaftlichen Details
ließ er besondere Sorgfalt walten, indem er bei jeder Unklarheit seinen
Freund Joseph Bertrand befragte, der an einem Institute beschäftigt
war.
Auch der Alltag von Jules Verne war entsprechend
durchorganisiert: Früh aufstehen, bis Mittag in seinem Arbeitszimmer an
seinen Werken arbeiten, Essen, weiterarbeiten, Essen, früh schlafen
gehen.
Verne hat mit diesen Methoden insgesamt 98 Bücher
veröffentlicht, zu den bekanntesten und erfolgreichsten seiner Werke
gehören zum Beispiel „Voyage au centre de la terre“
(„Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“, 1864), ein Werk, das
die wachsende Neugier für den eigenen Planeten ausdrückt. „De
la terre á la lune“ („Von der Erde bis zum
Mond“, 1865) thematisiert tatsächlich die Raumfahrt, die damals
nur als wilde Spekulation gelten konnte. Zwar wird der Mond mit aus heutiger
Sicht lächerlichen Mitteln, nämlich einer Kanone, erreicht, aber
allein die Bereitschaft, sich mit einer solchen menschlichen Vision
auseinanderzusetzen drückt schon Vernes sichtbare Faszination für die
Technik aus, die ihn mit vielen Lesern verband. In „Vingt mille lieues
sous les mers“ („20000 Meilen unter den Meeren“,
1869) geht es um das Unterseeboot, „Nautilus“, was Mitte letzten
Jahrhunderts zwar auch noch pure Fiktion war, aber die Leser akzeptierten das
Thema trotzdem oder wahrscheinlich gerade deshalb so offensichtlich. Das vierte
Buch Vernes, das wie die anderen wirklich weltweiten Erfolg hatte, war
schließlich „Le tou du monde en 80 jours“
(„Die Reise um die Erde in 80 Tagen“, 1873).
Wer die Protagonisten in Vernes Büchern sind, ist
klar: die Helden sind immer die Gelehrten, Ingenieure oder Erfinder, die im
Laufe der Geschichte, die fast immer eine Reise zum Thema hat, zu Entdeckern
werden, um den wissens- und sensationslustigen Leser mit in bisher unerforschte
Regionen der Erde oder der Technik zu nehmen.
Verne wollte, laut eigener Aussage, immer Bücher
schreiben, „aus denen die Jugend profitieren“ konnte, jedoch kein
Prediger, er verstand sich offensichtlich eher als Mann der Wissenschaft, der
diese seinen Lesern näherbringen wollte. Dennoch hat Verne mit seinem
Spätwerk, den „Voyages Extraordinaires“, die etwa 60
Bücher umfassen, gezeigt, daß er sich auch der negativen Folgen
seiner perfekten Technik in einer unperfekten Zeit bewußt
war.
Jedoch hatte er seine großen Erfolge mit den
genannten früheren Werken, aber daß es auch schon früh einen
kritischen Jules Verne gab, konnte man bis zu der Veröffentlichung von
„Paris im 20. Jahrhundert“ 1994 nur ahnen. Jules Verne starb 1905 in
Amiens.
2.2 Einführung zu „Paris im 20.
Jahrhundert“
Das Auffälligste an „Paris im 20.
Jahrhundert“ ist sicherlich das späte Erscheinungsdatum: Das Buch
erschien in der Erstauflage erst im Jahr 1994 bei Hachtette unter dem Namen
„Paris au Xxe siècle“.
Das Buch war zwar schon lange in Publikationen
über Jules Verne aufgeführt worden, aber wo das Manuskript verschollen
war und warum es nie zur Veröffentlichung gelang, konnte man nur
vermuten.
Daß überhaupt die Existenz bekannt war,
verdankte man Michel Verne, der sofort nach dem Tod seines Vaters ein
Verzeichnis der noch unveröffentlichten Werke angelegt hatte, um nicht in
Verdacht zu geraten, er hätte die posthum erscheinenden Werke des
berühmten Jules selbst geschrieben. Trotzdem tauchte das fragliche Werk
auch in dem Nachlaß, den Familie Verne Nantes, der Geburtsstadt von Jules
Verne, 1980 vermachte, nicht auf. Das Manuskript lag zu dem Zeitpunkt noch in
einem Safe, der für leer gehalten wurde.
Daß der Roman ein solches Schicksal genommen
hatte, war jedoch kein Zufall: Jules Verne hatte ihn 1863, also sehr kurz nach
dem sensationellen Erfolg von „Fünf Wochen im Ballon“, seinem
Verleger Pierre-Jules Hetzel vorgelegt. Diesmal ist Hetzel jedoch, im Gegensatz
zu Vernes vorherigem Werk, recht wenig begeistert.
Ihm mißfällt der pessimistische Ton, er
wirft Verne allerlei stilistische Mängel vor und der tragische Protagonist,
Michel, erscheint Ihm schlicht „unerträglich“.
Er schreibt in einem Brief an Verne: „Mein
Lieber Verne...Ihr Michel plustert sich mit seinen Versen wie ein Truthahn
auf...sogar wenn sie ein Prophet wären, würde keiner Ihre
Prophezeiungen glauben, es würde die Leute einfach nicht
interessieren...eine Veröffentlichung wäre eine Katastrophe für
ihren Ruf...“
Verne folgt dem Ratschlag seines Verlegers,
schließt das Manuskript (zu späterer Veröffentlichung?) in dem
erwähntem Safe ein und besinnt sich in den folgenden Jahren wieder auf
seine finanzielle Stärke, den „optimistischen
Fortschritts-Abenteuerroman“, erst in den 1880er Jahren veränderte
sich der Ton von Vernes Werken, wahrscheinlich im Zusammenhang mit
persönlichen Ereignissen, wieder in eine eher kritische
Richtung.
2.3 Inhaltliche Beschreibung zu „Paris im
20. Jahrhundert“
Nachdem im Kapitel „Utopien in der
Literatur“ verschiedene utopische oder dystopische Werke kurz
zusammengefaßt und bewertet wurden, möchte ich mich mit dem Werk von
Jules Verne nun etwas ausführlicher beschäftigen und hervorheben, wie
er unsere Zeit vorausgesehen hat, was er daran kritisierte und in wie sich das
Bild der Zukunft, das er hier formuliert von dem damaligen Zeitgeist
abhebt.
Verne hat dem Text wohlweislich noch ein Gedicht
vorangesetzt, das schon zu Anfang keinen Zweifel über die Aussage des
Buches läßt:
Oh schrecklicher Einfluß jener
Rasse, die weder Gott noch
König dient, ergeben den
weltlichen Wissenschaften,
den gemeinen Maschinenberufen!
Was würde sie nicht alles
anstellen, ließe man ihr freie
Hand, zügellos hingegeben
jenem unheilvollen Geist des
Wissens, Erfindens und
Perfektionierens
PAUL-LOUIS COURIER
Die Handlung startet sozusagen in ‘medias
res’ im Leben von Michel Jérôme Dufrénoy, des
Protagonisten. Michel ist ein junger Literaturstudent und versucht sich als
angehender Poet und Dramatiker.
Das erste Kapitel beginnt am 13. August 1960, also
mehr als 100 Jahre nach der Zeit der Entstehung des Romans und ist
übertitelt mit „Erste Allgemeine Bildungskreditbank“. Die
Organisation, die damit bezeichnet wird, ist der Nachfolger der klassischen
Schule, eine Aktiengesellschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die
Bildung zu organisieren und zu einem wirtschaftlichen Erfolg zu machen, was auch
offensichtlich geglückt ist. „Eine durchschnittliche Bildung [war]
bis in die letzten Schichten der gesellschaftlichen Ordnung gedrungen...“,
Verne macht aber jedoch auch schnell klar, daß es nicht nur die Effizienz
ist, die sich in diesem industrialisierten Bildungssystem geändert hat:
auch die Lehrpläne und Bildungsziele selbst haben sich grundlegend
verändert, in den Schülern werden weniger die
sprachlich-künstlerischen Fähigkeiten gefördert, sondern nur die
Naturwissenschaften „mit mechanischen Mitteln
eingeflößt“: „Doch wenn auch die letzten Griechisch- und
Lateinlehrer endgültig in ihren vereinsamten Klassen ausstarben, welchen
Rang nahmen die Herren Professoren der Wissenschaften ein, und auf welch
distinguierte Weise sahnten sie ab!“.
Diese Organisation also richtet im ersten Kapitel ihre
jährliche Zeremonie zur Verleihung der Preise für besondere
Leistungen aus.
Während die Preisträger der
wissenschaftlichen Disziplinen aus den Publikum frenetischen Beifall ernten,
wird Michel für seinen 1. Preis in „Lateinischen Versen“ nur
Gelächter und mitleidige Bemerkungen zuteil.
Im zweiten Kapitel beschränkt sich Verne darauf,
Michel durch Paris streifen zu lassen, um dem Leser einige Details des neuen
Paris aber auch wichtige technische Entwicklungen, besonders im Bereich Verkehr,
näherzubringen.
Interessant sind dabei die Magnetbahnen, die dem
„Transrapid“ nicht unähnlich sind. Diese sogenannten
„Railways“ werden durch Magnetkraft in Verbindung mit Druckluft
betrieben. Diese Druckluft kommt aus riesigen Luftspeichern, der „Pariser
Katakombengesellschaft“, deren Aufgabe es ist, die Haushalte und die
Industrie, ähnlich den heutigen Stromversorgern, mit Druckluft für den
Antrieb von allerlei Geräten beliefern.
Der Individualverkehr mit Pferdewagen ist einer
Fortbewegung mit sogenannten „Gascabs“ gewichen, die
verdächtige Ähnlichkeiten zu heutigen Autos mit Verbrennungsmotor
aufweisen sie bewegen sich „mit Hilfe eines Motors, bei dem sich die Luft
durch Gasverbrennung ausdehnte“.
Verne meinte, daß der Verkehr sich erheblich
verringern würde, wenn es keine langsamen Pferdekarren mehr gibt, was aber
auch eine wichtige Voraussetzung sei für das „fieberhafte
Jahrhundert, in dem die Vielfältigkeit der Geschäfte keine Ruhepausen
zuließ und keine Verspätung gestattete“.
Im nächsten Kapitel nimmt sich Verne wieder der
Menschen des 20. Jahrhunderts am Beispiel von Michels Onkel an: Michel will
seinem Onkel klarmachen, daß seine Berufung weder die so hoch angesehene
Wissenschaft, noch die Wirtschaft, sondern die Kunst sei. Die Antwort ist
abzusehen: „[Michel], Sie treiben bereitwillig im Strom des Idealen und
das Resultat...war bisher dieser Preis, den Sie zu unser aller Schande gewonnen
haben.“. Deutlich wird auch hier, was Verne am stärksten in seiner
Vision vermißt, das Idealistische, das immer mit der Kunst verbunden war,
es ist hier verdrängt worden von trockenen Zahlen, die nur Umsätze und
Gewinne kennen. Von genau diesen Zahlen läßt sich auch Michels Onkel
leiten, als er den jungen Mann in einer Bank zur Ausbildung
anmeldet.
Um seinen letzten freien Tag vor dem Beginn seiner
ungeliebten neuen Arbeit zu nutzen, beschließt Michel, sich einige
bekannte Werke der französischen Literatur zu beschaffen, scheitert aber im
größten Buchladen von Paris kläglich, zu Victor Hugo oder Balzac
hört er nur: „Monsieur, das haben wir nicht. Diese Autoren waren zu
ihrer Zeit sicherlich kaum bekannt, ihre Werke sind nicht wieder aufgelegt
worden.“
Mit letzter Verzweiflung findet er noch in die
Stadtbibliothek, wo er überraschend Erfolg hat weil er, noch
überraschender, seinen anderen Onkel findet, der mit Michel die
Leidenschaft für die Literatur teilt und sich der Situation durchaus
bewußt ist: „Die Literatur ist tot mein Kind,...ich bin der
Hüter dieses Friedhofs hier, und die Exhumierung ist
Untersagt.“
Mit neuer Hoffnung tritt Michel im fünften
Kapitel seine Stelle in der Bank an. Interessant sind hier die einzelnen
technischen Errungenschaften der Bürotechnik, die Verne erdacht hat: die
Rechenmaschinen, die Michel bedienen muß, weisen ziemliche
Ähnlichkeit mit heutigen elektronischen Geräten auf:
"„drückte man auf die Tasten einer Klaviatur, erhielt man
augenblicklich Endsummen, Restbeträge, Produkte...“ auch das Fax
tritt schon in Erscheinung: „Die photographische Telegraphie...erlaubte
überdies, das Faksimile jedes beliebigen Schriftstücks in weiteste
Fernen zu schicken und über fünftausend Meilen hinweg zu
unterzeichnen. Das telegraphische Netz überzog also die gesamte
Erdoberfläche“ Sätze wie: „Amerika war keine Sekunde von
Europa entfernt.“ erinnern sogar stark an die Slogans von Menschen, die
heute den Beginn der Informationsgesellschaft postulieren.
Dennoch war Verne auch die Schattenseite der
florierenden Geldwirtschaft bewußt, denn er sagt, daß sich die
„Diebe genausoschnell vermehrten wie die
Geschäfte“.
Natürlich eckt Michel auch hier mit seinen
Ambitionen an, man sagt über ihn: „Er ist das was man früher als
Künstler bezeichnete und was wir heute einen Verrückten
nennen.“
Nach einem Zwischenfall mit einer selbstverteidigenden
Registrierkasse, wird Michel zum „Großen Hauptbuch“ versetzt,
eine Arbeit, die man ihm eher zutraut. Das Hauptbuch, das die Angestellten wie
eine Gottheit in einem (Finanz-)Tempel verehren, wird von einem Schreiber namens
Quintsonnas geführt, der sich nach einiger Zurückhaltung auch als
Künstler entpuppt, der mit der Arbeit am Großen Buch nur seinen
Lebensunterhalt bestreitet, um seine Beschäftigung mit der Musik
weiterführen zu können, ein Leben im ständigen Kompromiß.
Er hat es offensichtlich geschafft, sich in dieser für Künstler
unwirtlichen Welt unerkannt anzupassen: „Hier bin ich Buchführer, der
Schreiber ernährt den Musiker...“
Michel freundet sich mit seinem zweiten
Gesinnungsgenossen schnell an und trifft sich regelmäßig mit
ihm.
Zu Beginn des siebten Kapitels treffen sich die beiden
Männer in Quintsonnas kleiner Wohnung, bald kommt noch ein dritter, Jacques
Aubanet, dazu. Die Drei beginnen während des Essens über ihre eigene
Rolle und die Rolle der Kunst in der Gesellschaft zu diskutieren. Wieder sind
sie sich darüber einig, daß die Kunst inzwischen völlig von den
monetären Interessen verdrängt worden ist: „Ich frage dich, was
[der Poet] auf dieser Welt zu suchen hat, auf der die höchste Pflicht des
Menschen darin besteht, Geld zu verdienen!“ Sie sind sich auch einig,
daß die Menschen des 20. Jahrhunderts gar kein Verhältnis mehr zu
hintersinniger Literatur mehr haben, sondern nur noch die simple, leicht zu
verarbeitende Unterhaltung wünschen: „diese Welt ist nur mehr ein
Jahrmarkt...man muß die Leute mit Gaukelspielen unterhalten.“ Es
gibt jedoch noch eine zweite Möglichkeit, um die Menschen dieses
Jahrhunderts zu fesseln, wie Quintsonnas zu Michel sagt: „Du mußt in
deinen Versen die Wunder der Industrie preisen!“
Interessant, daß Verne hier vielleicht selbst
die Ursachen für seinen Erfolg mit „Fünf Wochen im Ballon“
durchschaut hat. Er beginnt offensichtlich, eine Entwicklung in seiner eigenen
Zeit zu erkennen, die er zwar selber mit seinen ‘normalen’ Werken
unterstützt und sogar ausnutzt, aber als Schriftsteller auch nicht wirklich
gutheißen kann.
Die Hauptthematik des achten Kapitels, immer noch in
Quintsonnas’ Wohnung, ist die Musik des 20. Jahrhunderts. Die drei
Männer sind sich einig, daß die Wissenschaft in der Kunst, besonders
aber der Musik nichts zu suchen habe. Interessant ist dabei aber, daß
Verne durch Quintsonnas offenbar zum Ausdruck bringen will, daß er auch
Innovation in der Musik für nicht akzeptabel hält. Die Musik der
vergangenen Jahrhunderte wird scheinbar von ihm so hoch bewertet, daß
keine Verbesserung für möglich gehalten wird. „Man sucht nicht
nach neuen Ausdrucksformen, in der Musik gibt es nichts neues zu finden,
genausowenig wie in der Liebe...“ Eine Auffassung von Kunst und
Innovation, die zur heutigen auch nicht unterschiedlicher sein könnte. Das
Kapitel schließt damit, daß Quintsonnas seinen Freunden das
Musikstück vorstellt, mit dem er seinen künstlerischen Durchbruch
schaffen will, ganz im Stil der neuen Zeit.
Kapitel neun leitet Michels Besuch bei Onkel Huguenin,
ein, den er vorher in der Bibliothek kennengelernt hatte und der sein
unerwünschtes Interesse für Literatur teilt. Hier ist zum ersten Mal
von einem Monsieur
Richelot und seiner Enkelin Lucy die Rede. Richelot
war der Lateinlehrer von Michel, unschwer zu ahnen, welchen Verlauf seine
Karriere in dieser Zeit nimmt.
Das gesamte zehnte Kapitel beschäftigt sich mit
der eigenen Bibliothek von Huguenin, in der er etliche Werke der klassischen
französichen Literatur gesammelt hat, um sie vor einem Schicksal in der
Vergessenheit zu bewahren. Er vergleicht sie sogar mit einer
„Armee“: „...denk daran, daß die schönste Armee der
Welt vor deinen Augen aufmarschieren wird, denn es gibt keine andere Nation, die
in der Lage wäre, eine ebenbürtige aufzubieten...“ Verne legt
hier offensichtlich sogar einen literarischen Nationalismus zutage. Die
nächsten Seiten sind somit ein reiner Rundgang durch die französische
Literatur, die beiden Männer schreiten die Reihen der Bücher ab wie
eine „Truppenschau“.
Michel kommentiert die Sammlung mit den Worten:
„Ich denke, daß dieses kleine Zimmer alles enthält, was ein
Mensch braucht, um sein ganzes Leben lang glücklich zu sein.“,
dennoch warnt ihn der Onkel im Gedanken an das 20. Jahrhundert: „denk
daran, was du bist, was du erreichen mußt und denk an diese Zeit, in der
wir beide leben.“
Zu Beginn des 11. Kapitels sieht Michel seinen alten
Lehrer Richelot wieder und lernt danach auch seine Enkelin Lucy kennen:
„Dieses Mädchen war die lebendige Poesie, er spürte sie, mehr
als er sie sah, sie traf zuerst sein Herz, und dann seine
Augen.“
Was Verne hier in so pathetischen Worten beschreibt,
ist das, wonach Michel in seinem ganzen bisherigen Leben gesucht hatte: die
Verbindung von Realität und Poesie im kalten 20. Jahrhundert des Jules
Verne.
Nach dieser Begegnung hat Michel das Bedürfnis,
sich etwas genauer mit den Menschen des 20. Jahrhunderts zu beschäftigen
und bittet deshalb Quintsonnas um Rat. Dieser belehrt Michel zuerst über
die Frauen, insbesondere die Pariserinnen: „Der Schmetterling wurde zur
Raupe. Der Engel der Geometrie, der einst mit seinen verführerischen Kurven
so großzügig gewesen war, überließ die [pariser] Frau der
ganzen Unerbittlichkeit der Linien und spitzer Winkel.“ Davon ausgehend,
holt er aus, um die französische Gesellschaft zu charakterisieren:
„Ein jeder bereichert sich, ausgenommen der Körper und der
menschliche Geist“, er beklagt die Auflösung von Werten wie der
Familie: „In einer Zeit, in der die Familie sich aufzulösen droht, in
der die Selbstsucht jedes Familienmitglied in eine andere Richtung treibt, in
der das Bedürfnis, sich um jeden Preis zu bereichern, die Empfindungen des
Herzens abtötet...“
Quintsonnas redet sich dermaßen in Rage,
daß er aus Versehen mit der Faust die Tinte trifft und damit das
„Große Hauptbuch“ befleckt, was zu seiner und Michels
sofortiger Entlassung führt.
Im dreizehnten Kapitel, das mit „Wo es darum
geht, wie leicht ein Künstler im 20. Jahrhundert Hungers sterben
kann“ übertitelt ist, wird offensichtlich die Frage diskutiert, wie
Michel als arbeitsloser Künstler überhaupt sein Leben finanzieren
kann, denn Sozialversicherungen oder ähnliches gibt es natürlich in
Vernes Welt nicht. Gestellt wird diese Frage von Quintsonnas: „Da er ein
Bursche ist, der weder Finanzier noch Geschäftsmann, noch Industrieller
werden kann, wie soll er sich in dieser Welt durchschlagen?“ Im folgenden
Gespräch treffen die idealistische Welt von Michel, der nur ein
„Leben an der Frischen Luft“ leben und die „Definition von
Glück in die Praxis“ umsetzen will, auf die schon sichtbar durch ihre
Erfahrungen mit diesem Jahrhundert desillusonierten Ansichten von Huguenin und
Quintsonnas. Ansichten zum Beispiel auch über Politik: „Es gibt in
Frankreich keine Parteien mehr...die Regierung macht ihre Geschäfte wie ein
guter Kaufmann...die Wahlen reißen niemanden mehr mit, die
Abgeordnetensöhne folgen auf die Abgeordnetenväter...“.
Offensichtlich haben sich die Veränderungen, die mit dem Fortschritt und
der Fortschrittsgläubigkeit einher gingen, nicht nur auf das kulturelle und
soziale Leben ausgewirkt, sondern haben auch das politische Leben grundlegend
beeinflußt. Die Menschen werden anscheinend gerne regiert, die Politik
funktioniert wie eine Maschine, Keiner hat Interesse Einfluß zu nehmen,
Alles wird als gegeben akzeptiert.
Schließlich einigt man sich darauf, daß
Michel sein Glück beim letzten Refugium des Theaters versuchen soll, dem
„Dramatischen Depot“.
Im nächsten Kapitel, Nummer vierzehn, wird mit
dem „Großen Dramatischen Depot“ natürlich wieder die
Literatur thematisiert. In diesem Institut werden, wie in einer Fabrik,
Stücke ‘von Fließband’ produziert. „Wenn das
Große Depot auch keine Meisterstücke hervorbrachte, so belustigte es
doch zumindest die gefügigen Volksscharen durch friedliche Werke...“,
es hat sogar noch mehr ‘positive’ Wirkung: „die Gründung
brachte den lärmenden Verein der Autoren zum Verschwinden“ meint
Verne zynisch. Zusammenfassend und nicht weniger zynisch schreibt er:
„keine notleidenden Genies, die ewig gegen die Ordnung der Dinge
aufzubegehren schienen, hätte man also über diese Organisation klagen
können, welche die Persönlichkeit der Menschen vernichtete und dem
Publikum die für seine Bedürfnisse notwendige Menge Literatur
lieferte?“ Im späteren Verlauf dieses Kapitels wird sogar noch
klarer, daß die Literatur weit weg davon ist tot zu sein, sie lebt, aber
als ein Haufen von maschinisierter, genormter und individuell angepaßter
Unterhaltungsindustrie, die den platten Geschmack der Massen bedient. Für
jede Literaturgattung gibt es ein eigenes Büro, alles ist optimiert und
reglementiert. Natürlich kann es Vernes Held in dieser Kulturfabrik nicht
lange aushalten: „Ich bleibe keinen Augenblick länger in dieser
Höhle...[um hier zu arbeiten] muß man vor allem Maschinist und kein
Theaterdichter sein...“. Michel kündigt nach fünf Monaten
„voller Enttäuschungen und Ekel“ die Arbeit, auf die sein
Freund Quintsonnas seine Hoffnungen für Michel gesetzt
hatte.
Michel erzählt seinem Onkel und Quintsonnas
jedoch nichts von seiner Arbeitslosigkeit, steht jedoch von nun an vor dem
Problem des mangelnden Geldes. Er vertieft seine Beziehung zu Lucy, aber
trotzdem liegt darin „eine Frage der Zeit, an der man nicht rühren
durfte“. Dennoch beschließt er, trotz seiner finanziellen Lage, sich
mit Lucy zu verloben. Kurz darauf verläßt Quintsonnas Paris, um nach
Deutschland zu gehen und „diese Biertrinker und Pfeifenraucher in
Erstaunen zu versetzen“, er hinterläßt Michel 500 Franc, von
denen er eine Zeit leben kann. Michel versucht trotz des Geldes noch eine
‘sinnvolle’ handwerkliche Arbeit zu finden, während er nun an
einem Band mit „vollkommen unnützen, aber vollkommen
schönen“ Gedichten arbeitet, aber „die Maschinen ersetzen
überall auf lohnende Weise den Menschen, keine Geldquellen
mehr...“
Ein Gefühl der Nutzlosigkeit überkommt
Michel, er hegt Selbstmordgedanken, aber „der Gedanke an Lucy hielt in
zurück“.
Ein ähnliches Schicksal bahnt sich auch für
Monsieur Richelot an, der im neuen Semester noch einen einzigen Studenten in
seiner Klasse hat.
Zu allem Übel hat sich auch anscheinend die Natur
gegen den Menschen gewendet, denn der Winter ungewöhnlich hart und zeigt
den Menschen, die dachten, die Natur unterworfen zu haben, die Fakten:
„...alle Mittel der Wissenschaft waren agesichts eines derartigen
Überfalls machtlos...sie vermochte nichts gegen diesen schrecklichen,
unbezwingbaren Feind, die Kälte“. Michel geht das Geld aus, er ist
gezwungen, von billigem synthetischen Brot aus Kohle zu leben, doch irgendwann
geht auch das letzte Geld aus und der Verzweifelte beschließt, von seinem
letzten Geld Blumen für Lucy zu kaufen und macht sich auf den Weg durch das
winterliche Paris.
Als Michel am Haus der Geliebten und ihres
Großvaters ankommt, öffnet ein Fremder die Tür, offensichtlich
hat sich auch Richelots letzter Schüler entschlossen, etwas
‘nützliches’ zu lernen und die Rethorik-Klasse verlassen. Der
neue Mieter meint: „Das war auch einer dieser Sonderlinge, die nie einen
Franc haben, wenn die Miete fällig ist.“
Plötzlich sieht Michel klarer und das Dilemma von
Lucy führt ihm seine eigene Situation um so drastischer vor Augen:
„als er daran dachte, daß nun alles was er liebte, wahrscheinlich
litt, verspürte er auch wieder jene Schmerzen von Hunger und Kälte,
die er vergessen hatte.“
Sein ganzes Umfeld erscheint ihm schlimmer und
bedrückender als vorher, er streift in Hoffnung Lucy und Richelot zu finden
in Paris umher und stellt zum Beispiel fest, daß es einen „Stadtteil
des Leidens“ gibt, in dem alle Kranken, Gebrechlichen und Armen von Paris
„zusammengepfercht“ sind, die nicht mehr zur leistungs- und
erfolgsorientierten Gesellschaft des 20. Jahrhunderts passen.
Und immer wieder verfolgt ihn der „Dämon
der Elektrizität“, der hier als Leitmotiv für den ihn
erschlagenden Fortschritt fungiert. Alles wird elektrifiziert: er sieht im
Leichenhaus ein elektrisches Gerät um Ertrunkene elektrisch wiederzubeleben
und auf einem Platz wird gerade ein elektrischer Galgen installiert, um
elektrisch Leben zu beenden, „man vernichtete durch einen Stromschlag,
damit äffte man die himmlische Vergeltung besser nach.“ In einer
Kirche findet er einen elektrifizierten Altar und auch vor der Kunst hat die
Elektrizität nicht halt gemacht: er kommt zu einem „Elektrischen
Konzert“, wo zweihundert Klaviere synchron donnern und Michels
Kunstbegriff allein durch ihre Gewalt verhöhnen. „Elektrizität,
sogar hier! Fort von hier!“ schreit Michel und flieht auf einen alten
Friedhof.
Michel streift in der Kälte über den
Friedhof und findet nach und nach die vergessenen Gräber seiner Idole,
„er glich einem Gespenst, das zwischen den Gräbern umherstreift und
nicht einem Fremden, denn er fühlte sich zu Hause“. Er legt die
Blumen, die er für Lucy gekauft hatte an das Grab von Alfred de Musset und
betrachtet die Stadt Paris, denkt an ihre Bewohner, die ihm gegenüber so
ablehnend gewesen sind und erfriert.
2.4 Interpretation im Bezug zur damaligen
Gesellschaft und Vernes restlichen
Werken
„Paris im 20. Jahrhundert“ ist sicherlich
nicht Vernes bester Roman, die Charaktere sind teilweise flach gezeichnet, die
Handlung ist voraussehbar, und das Ende ist für heutige Maßstäbe
furchtbar pathetisch. Betrachtet man das Werk jedoch im Kontext zu Vernes
restlichen Werken und der damaligen Zeit auf der einen Seite und im
Verhältnis zu unserer Zeit auf der anderen Seite, wird es umso
interessanter.
Die Ablehnung auf die das Buch damals gestoßen
ist, verrät uns viel über die Weise, mit der die Menschen im 19.
Jahrhundert über ihre eigene Zeit, die Zukunft und den Fortschritt dachten.
Die Gesellschaft, in der Jules Verne lebte, stand noch
unter dem direkten Einfluß der laufenden Industrialisierung im 19.
Jahrhundert. Fabriken wurden gebaut, Menschen kamen in die Städte, um sich
in den Fabriken als Arbeiter zu verdingen, technische Fortschritte
überschlugen sich und drangen auch langsam als Gebrauchsgegenstände in
die Haushalte und erwiesen sich als Erleichterung im Alltag. Ungeachtet der
teilweise drastischen negativen Folgen der Industrialisierung wie Massenarmut
der Arbeiter, herrschte eine ungebrochene Begeisterung für die Wunder der
modernen Technik. Man sah in erster Linie die Vorteile und war offensichtlich
stolz, die Natur in allen Bereichen immer wieder zu übertrumpfen.
Selbstüberschätzungen der Menschen, die besonders Ereignisse wie den
Untergang der Titanic zu traumatischen Ereignissen für die Gesellschaft
machten.
In eine solche Welt kam nun Verne, der selber vorher
als Held der neuen Zeit gefeiert worden war mit einem Werk, das all dies in
Frage stellte. Verständlich, daß der Verleger die
Veröffentlichung verhinderte - wahrscheinlich tat er sogar gut daran, wenn
man die möglichen Konsequenzen für den jungen Verne
bedenkt.
Wie kam Jules Verne eigentlich dazu, ein solches Werk
zu verfassen? Man spekuliert, daß Michel Dufrénoy sehr
autobiographische Züge von Jules Verne trägt. Seinen ersten Erfolg
feierte Verne mit einem „technisch-utopischen“ Roman, ob er schon
vorher versucht hat, sich mit anders orientierter Literatur einen Namen zu
machen, ist nicht bekannt, wäre aber möglich. Vielleicht hat Verne
ähnliches wie das, was er überspitzt in seinem Buch darstellt,
erlebt.
Gesichert durch unsere tägliche Erfahrung ist auf
jeden Fall die Tatsache, daß Verne eine außergewöhnliche
Fähigkeit hatte, technische Entwicklungen zu antizipieren und ihre
Integration in den Alltag der Fernen Zukunft mit faszinierender Genauigkeit und
Glaubwürdigkeit darzustellen. Der größte Anteil der
(technischen) Dinge, die er in seinem Werk beschreibt sind tatsächlich so
oder nur in leicht veränderter Form in die Realität übergegangen,
eine Eigenschaft, die nur wenige utopische oder dystopische Werke für sich
in Anspruch nehmen können.
Für den heutigen Leser ist das Lesen eines
solchen Buches immer ein irgendwie befremdliches Erlebnis, denn der Gedanke,
daß große Teile unserer heutigen Realität, insbesondere deren
kleine und große Fehler schon vor langer Zeit vorausgesehen und
beschrieben wurden, vermittelt ein Gefühl der eigenen Ohnmacht, denn
Fehler, die vermeidbar gewesen wären wurden dann offensichtlich trotzdem
begangen. In diesem Falle hat die Literatur versagt, denn ihre
selbstgewählte Aufgabe ist es hier zu warnen.
3. Abschließende Bewertung im Bezug auf
aktuelle und zukünfti- ge Entwicklungen
Immer, wenn eine solche Arbeit angefertigt wird,
stellt sich beim Leser die Frage, warum der Verfasser gerade dieses Thema und
kein Anderes gewählt hat...
Was mich an Utopien besonders fasziniert, ist
daß sie zwar fiktiv sind, aber im selben Moment auch eine
Auseinandersetzung mit der Zukunft darstellen, die, trotz des fiktionalen
Charakters, mit der zukünftigen Realität auf besondere Weise
verknüpft ist.
Gerade diese Auseinandersetzung mit der Zukunft hat in
unserer Zeit eine besondere Bedeutung gewonnen: wir leben an der Schwelle des
dritten Jahrtausends, des vielbeschworenen Informationszeitalters, die
technische Entwicklung auf allen Ebenen hat astronomische Geschwindigkeiten
angenommen, die Gesamtmenge des menschlichen Wissens über biologische,
physikalische und mathematische Zusammenhänge ist für den Einzelnen
schon seit langer Zeit unüberschaubar geworden und die
Leistungsfähigkeit der Computer, der wohl prägendsten und wichtigsten
Technologie der Neuzeit, verzehnfacht sich alle drei Jahre.
Diesen Tatsachen, die selbstverständlich auch
eine enorme wirtschaftliche Wirkung nach sich ziehen, steht eine
ökologische und soziale Entwicklung gegenüber, die dem Tempo der
Umstrukturierung und Rationalisierung schon lange nicht mehr standhalten kann
und darunter mit, teilweise verheerenden, Folgen für Natur und Mensch
leidet.
In einer solchen Situation wird es in zunehmenden
Maße wichtig, den Blick nach vorne zu richten, um nicht noch weitere
Fehler zu begehen, die den Planeten endgültig zugrunderichten oder soziale
oder wirtschaftliche Konfliktherde zu schaffen, die sich möglicherweise,
wie in der Geschichte so oft, in nationalen oder internationalen Kriegen
entladen würden.
Der Blick in die Literatur der letzten 2000 Jahre
zeigte, daß sich immer wieder Autoren und Philosophen als Propheten
versucht haben, um den Menschen ihrer Zeit einen möglichen Entwurf einer
Zukunft zu geben, der entweder warnenden oder optimistischen Charakter haben
kann, aber in jedem Fall eine notwendige Auseinandersetzung mit der eigenen
Zukunft darstellt, ohne die keine Gesellschaft auf lange Sicht lebensfähig
sein kann.
Literaturnachweis:
Utopien - Die Möglichkeit des
Unmöglichen, Verlag der Fachvereine Zürich 1987
Paris im 20. Jahrhundert, Jules Verne, Zsolnay
1994
The „New“ Jules Verne, Arthur B.
Evans, Science Fiction Studies XXII, 1995
->(http://www.math.technicon.ac.il/rl/JulesVerne/evans)
Die literarische Utopie, Wolfgang
Biesterfeld, Metzler 1974
Jules Verne’s Paris in the Twentieth
Century, Brian Taves, Science Fiction Studies XXIV, 1997
->(http://www.math.technicon.ac.il/rl/JulesVerne/taves)
Die 100 einflußreichsten
Persönlichkeiten der Weltgeschichte, Michael H. Hart, Carol
1992
Science Fiction Materialien, Diesterweg
1972
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