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Endogene Kräfte
Endogene Kräfte
Vulkanismus an den Plattenrändern und
Intraplattenvulkanismus
Die Mehrzahl der aktiven Vulkane befindet sich an Subduktionszonen. Ob
Tiefseegräben oder Vulkanketten an den Kontinenträndern - all diese
Vulkangürtel stellen Erdnähte erster Ordnung dar. Der Name
„Feuerring“ für die aktiven Vulkanketten rings um den
Pazifik kommt nicht von ungefähr. 65% der, in den letzten 10 000 Jahren,
aktiven Vulkane liegt in diesem Bereich des pazifischen Feuerrings. Dieser
Gürtel zieht sich von Chile über Mittelamerika, den Westrand von
Nordamerika, Japan bis Neuseeland. All diese Vulkangebiete liegen über
Subduktionszonen. Ebenso gehören auch die relativ jungen Vulkane des
mediteranen Raumes oder des Nahen Ostens zu dieser Gruppe.
Der größte dieser Andesitvulkane ist der Fujiyama, wobei wohl
bedacht werden muß daß er mit seiner Masse von ca. 900 km³ nur
ungefähr 5% der Masse einer der großen ozeanischen Vulkaninseln
hat.
Vulkane an solchen Subduktionszonen treten erst 150 bis 300 km von
Tiefseegräben entfernt auf. Sie erreichen in der sogenannten
„vulkanischen Front“ ihre höchste Dichte. Diese beginnt
zwischen 100 und 200 km oberhalb einer Subduktionszone. Somit sind Magmaaufstieg
und die Eruptionsraten entlang dieser Front am höchsten. Hauptvulkanzonen
entlang dieser Front sind zwischen 10 und 50 km breit. Die schmalen
Vulkangürtel einer vulkanischen Front sind an Orten wie Japan, wo eine hohe
vulkanische Dichte herrscht, in 100 bis 300 km lange, gegeneinander versetzte,
Segmente unterteilt.
Die Andesite, welche die für die Subduktionszonen charakteristische
Form des Vulkangesteins darstellen, sind die komplexeste Magmengruppe mit der
sich die Wissenschaft heute befaßt. Es gibt hier nicht nur verschiedene
Mechanismen zur Magmenentstehung, sondern auch verschiedene Arten von
Ausgangsgesteinen. So wird der meiste Teil des Wassers der abtauchenden
ozeanischen Lithosphäre wieder „ausgeschwitzt“ und löst
beim Aufstieg die Magmenentstehung aus die für die Bildung der Vulkane
beispielsweise des zirkumpazifischen Feuerrings verantwortlich ist.
Somit vollzieht sich in den Subduktionszonen ein gewaltiger geologischer
Kreislauf. Die abtauchende Erdkruste enthält so viel Wasser, daß die
gesamte Wassermenge der Ozeane in ca. 500 Mio. Jahren wieder dem Erdinneren
zugeführt wird. Dieser Zyklus schließt sich mit der Erosion der
Vulkane die somit wieder mitsamt der subduzierten Kruste bis ca. 700 km in den
Erdmantel abtauchen um wieder als neues Material ausgegeben zu werden.
Intraplattenvulkane sind all jene kontinentalen und ozeanischen Vulkane,
die nicht an Plattenrändern entstanden sind. Hier ist die Menge des
aufsteigenden Magmas geringer, jedoch sind sie leichter zugänglich und
deshalb besonders gut untersucht.
Ozeanische Vulkaninseln haben wahrscheinlich die größte
Bedeutung aller Vulkane für die Vulkanforschung. So ist der aktivste und
bestuntersuchteste Vulkan ist Kilauea auf Hawaii. Er ermöglichte die besten
Einblicke in Aufstieg, Differentiation und Eruptionsmechanismus. Weitere
ozeanische Intraplattenvulkane sind die gesamten Inselgruppen und -ketten von
Hawaii, Samoa, Tahiti, Galapagos oder die Osterinseln; auch Island, die Azoren,
Madeira oder die Kanaren gehören dazu. Vom Meeresboden aus gerechnet sind
die höchsten Berge der Erde vulkanische Ozeaninseln. Die gewaltige Erhebung
des Mauna Loa auf Hawaii beispielsweise, der sich noch 4500 m über den
Meeresspiegel erhebt, enthält genug Lava um die gesamte Schweiz mit einer 1
km dicken Basaltschichte zu bedecken. Die häufigsten Vulkane sind jedoch
die oft über 1000 m hohen submarinen Seeberge, deren Magmamengen nicht
reichten sie über den Meeresspiegel zu heben. Allein im Pazifik gibt es ca.
30 000 solcher Seeberge.
Über die submarinen Sockel der Vulkane weiß man so gut wie
nichts (und diese machen immerhin über 90% aus!) Mit wachsender
Größe und abnehmendem Wasserdruck kann das im Magma gelöste Gas
Blasen bilden. Diese zerreißen die Schmelze und es kommt zu einer
explosiven Reaktionen die Größe des Berges erweitern. Bei zunehmender
Größe wird der Kern vom Wasser isoliert und kann durch
Lavaströme stabilisiert werden. Dies konnte 1963-64 bei dem neu
entstandenen Vulkan Surtsey gut beobachtet werden. Bei hohen Eruptionsraten
bauen sich die sogenannten Schildvulkane auf, die das Grundgerüst für
Inselketten bilden.
Die meisten kontinentalen Intraplattenvulkane befinden sich entweder auf
sich noch hebenden paläozoischen Blöcken oder in tektonischen
Gräben. Die typische Form dieser Vulkane ist der Schlackenkegel. Meist sind
es hierbei gleich Vulkanfelder von 30 bis 80 km Durchmesser die aus bis zu
mehreren hundert Schlackenkegeln bestehen. Zu den bekanntesten zählen der
Eifel und Chaine des Puys (beide in Frankreich).
An Intraplattenvulkanen lassen sich einige geodynamische Hypothesen
aufstellen und erforschen. So ist es möglich, daß sie nur an
sogenannten mantle plumes auftreten - Mantelströme die aus dem
oberen oder sogar unteren Mantel aufsteigen. Sie könnten kontinentale
Riftzonen anzeigen, die für ein auseinanderbrechen der Kontinentalplatten
verantwortlich wären.
Hierbei stellt sich auch eine Theorie, nach der die ozeanische
Lithosphäre über einen im Mantel verankerten Kern, den hot
spot, wandere, in dem die aufsteigenden Basaltmagmen erzeugt werden. Spuren
hierfür lassen sich an der mehr oder weniger linearen Altersabnahme der
pazifischen Vulkanreihen erkennen. Hier zeigt sich eine systematische
Altersabfolge mit einer Wandergeschwindigkeit von ca. 8-10 cm pro Jahr.
Außerhalb des Pazifiks sind diese Beispiele für
regelmäßige Vulkantätigkeit jedoch selten.
Das auffälligste Zeichen für hot spots ist jedoch nicht die
erhöhte Magmaproduktion sondern die deutlich erkennbaren Aufwölbungen.
Hawaii sitzt zum Beispiel auf einem Hochgebiet der hawaiianischen Schwelle, das
einen Durchmesser von 2000 km und eine Höhe von ca. 1,2 km hat.
Ungefähr 10-40% der Erdoberfläche bestehen aus solchen
Hot-spot-Aufwölbungen.
All diese Intraplattenvulkane bilden in eine Tiefe von bis zu 200 km
„Wurzelzonen“ aus, in denen beispielsweise Erdbebenwellen
gedämpft werden. Diese Wurzelzonen haben eine geringere Dichte als die
restlichen Mantelzonen. Diese Wurzeln können nun in Hot-spot-Gebieten
„nur“ bis 100 km tief reichen, während man am Roten Meer, in
ruhigeren Gebieten, eine bis 550 km reichende Wurzelzone vorfand.
Vulkane an Subduktionszonen sind gegenüber anderen von höherer
Explosivität, da das von ihnen geförderte Magma wasserreicher ist und
leichter zur Bildung von Gaskammern einläd. Bei Intraplattenvulkanen
müssen auch exogene Faktoren berücksichtigt werden (Wasserspeicher in
nahen Sedimentschichten oder Klüfte in der Umgebung des aufsteigenden
Magmas). Somit sind viele der Explosionen einfache Wasserdampferuptionen. Die
Forschung wird also in Zukunft noch stärker versuchen auf die Morphologie
oder die Gesteins-beschaffenheit einzugehen.
Negative und positive Auswirkungen des
Vulkanismus
In den letzten 400 Jahren starben mehr als 250 000 Menschen bei
Vulkaneruptionen. Aufgrund der ständig wachsenden Bevölkerungsdichte
vergrößern sich auch die Gefahren durch Vulkaneruptionen
ständig. Die direkten Gefahren dieser Vulkanausbrüche sind
Aschenfälle, austretende Gase, Druckwellen und Schlamm- und
Lavaströme. Besonders gefährdet sind Gebiete um Vulkane deren
Eruptionen durch jahrhundertelange Ruhepausen getrennt sind. Ein Beispiel
hierfür ist der berühmte Vesuv bei Neapel. Zur Zeit seiner
großen Eruption siedelten ca. eine Million Menschen in dieser, höchst
gefährdeten, Zone.
Hauptgefahren bei solchen Eruptionen sind die extrem heißen Gase
oder anderen Partikel, die als Dichteströme mit Geschwindigkeiten von
10-100 m/s die Hänge des Vulkans herunterbrausen können. Diese
sogenannten pyroklastischen Ströme sind wegen ihrer Geschwindigkeit
eben besonders gefährlich (ihretwegen kamen 1902 in Martinique 30 000
Menschen bei der Eruption des Montagne Pelée ums Leben)
Vulkanische Schlammströme können sowohl aus Wasser von
Kraterseen als auch von Gletschern bestehen. Die, durch die Vermischung der
heißen Vulkanpartikel und des Wassers, entstehenden Schlammstöme sind
oft kochendheiß und können ganze Städte
überfluten.
Lavaströme sind, ebenso wie die Schlammströme, sehr
gefährlich und können auch ganze Städte verschwinden
lassen.
Somit ist eines der vordringlichsten Ziele der Vulkanerforschung die
Vorhersage von Eruptionen. Dies ist vor allem in dicht besiedelten Gebieten sehr
wichtig um eine rechtzeitige Evakuierung zu ermöglichen. Auch für
weitere Vulkanforschung wäre der genaue Zeitpunkt sehr hilfreich um weitere
Forschungen direkt nach der Eruption betreiben zu können. Vulkaneruptionen
sind genau so unvorhersagbar wie das Wetter - sie gelingen nur in den seltensten
Fällen und nur bei ausreichend dokumentierten Vulkanen.
Gefahren können durch genaue geologische Untersuchung der Geschichte
des Vulkans gefunden werden, aber meist lassen sich dadurch nur
Rückschlüsse auf Art, Größe und Wahrscheinlichkeit
zukünftiger Eruptionen schließen - jedoch nicht deren Zeitpunkt. Der
Zeitpunkt kann nur durch genaue, ununterbrochene Beobachtung geschätzt
werden. In den letzten 25 Jahren gab es aber eine enorme Entwicklung in der
Vorhersage von Vulkaneruptionen. So wurden manche Ausbrüche bis auf ein
paar Tage genau vorhergesagt. Besonders bedeutend sind hierbei Analysen von
Erdbeben und Bodendeformationen. Am immer noch aktiven Mt. St. Helens wurden
Eruptionen oft auf den Tag, ja, auf die Stunde genau vorhergesagt. Doch wegen
der hohen Kosten dieser Eruptionsvorhersage können nur ca. ein Dutzend
Vulkane ständig überwacht werden.
Heute unterscheidet man zwei Arten der Vorhersagen:
• Die Prognosen, die nur eine vage
Ankündigung einer zukünftigen Eruption geben (in Monaten, Jahren oder
Jahrzehnten).
• Und die Vorhersagen, die eine
genaue Zeit und Art der Eruption beinhalten. Nur wenn diese Vorhersagen mit
größtmöglicher Genauigkeit gemacht werden können, kann die
Glaubwürdigkeit bewahrt bleiben. Denn Evakuierungen ohne nachfolgende
Eruption sind lähmend und haben meist zur Folge, daß auf die
nächste Warnung nicht mehr gehört wird. Somit ist es für die
Vulkanforscher ein hartes Stück Arbeit, wenn sie ihre Glaubwürdigkeit
behalten wollen.
Durch Vulkaneruptionen können auch gigantische, globale Wirkungen
zeigen, wie zum Beispiel das „Jahr ohne Sommer“, in dem die
nördliche Halbkugel stark abkühlte. Diese Abkühlung war durch
eine gigantische Aerosolwolke aus dem indonesischen Tambora-Vulkan bedingt. Die
Landwirtschaft wurde in Indonesien so stark in Mitleidenschaft gezogen,
daß durch die nachfolgende Hungersnot auf den beiden Inseln Sumbawa und
Lombok 80 000 Menschen starben.
Diese Klimaveränderung kann natürlich auch noch weitaus
länger anhalten und weit stärkere Auswirkungen zeigen. So, zum
Beispiel, die Faunawende an der Grenze Kreide/Tertiär, als die Dinosaurier
und viele andere Arten ausstarben. Diese vulkanischen Aerosole ähneln nicht
nur dem sauren Regen, sondern stellen auch ein realistisches Naturmodell des
nuklearen Winters dar. Diese Aerosole haben eine Zusammensetzung, die ihnen
einen jahrelangen Aufenthalt in der Stratosphäre ermöglicht. So z.B.
das magmatische Gas SO2. Dieses Gas kann sich in
Verbindung mit dem atmosphärischen H2O in
kondensierte Schwefelsäurepartikel umwandeln.
Erdbeben - Vorhersage und
Verhütung
Erdbeben sind schon seit der frühesten Geschichtsschreibung bekannt.
Das seit Jahrhundertsten schwerste Erdbeben ereignete sich 1976 in China, in der
Provinzhauptstadt Tangshan. Damals starben 240 000 Menschen. Nur ein Jahr zuvor
hatten chinesische Wissenschafter eine Gesetzmäßigkeit in der
Erdbebenwanderung entdeckt. Die Bevölkerung wurde auch im Erkennen von
Erdbeben-Vorläuferphänomenen geschult. Dadurch konnte ein Beben in der
Stadt Haitsheng hervorgesagt und die Bevölkerung rechtzeitig evakuiert
werden.
Es gibt kein bestimmtes Muster für Vorläuferphänomene. Man
kann also nicht mit Sicherheit ein herannahendes Erdbeben vorhersagen.
Auslöser für Erdbeben sind ruckartige Bewegungen an Bruchzonen der
Lithosphäre. Diese Ansammlung von Spannung ist mit gewissen
Sekundärphänomenen verbunden. Wie kann man sich dennoch wirkungsvoll
gegen Erdbeben schützen? Die zur Zeit sicherste Methode ist eine
erdbebensichere Bauplanung.
Es gibt verschiedene Ursachen für Erdbeben. Durch die Untersuchung
von Erdbebenwellen konnte das Erdinnere in groben Zügen erforscht werden.
Somit besteht die Erde aus Kruste, Mantel und äußerem und innerem
Erdkern. Erdbebenwellen laufen nun von einem Punkt ausgehend in alle Richtungen.
Wellen die direkt zum Erdkern laufen, werden dort reflektiert und kommen
zurück. Je länger der Weg, desto tiefer im Erdkern und umgekehrt. So
wurde auch festgestellt daß der Erdkern eine unregelmäßige,
flüssige Masse ist. Währe er fest, hätte er inzwischen aufgrund
der Gravitation eine Ellipsenform angenommen. Dies ist somit ein Indiz für
die gewaltigen Konvektionsströme im Erdinneren. Auf diesem strömenden
Mantelmaterial schwimmen die leichteren Kontinentalplatten.
Durch die Kenntnis der, bei Erdbeben ablaufenden Prozesse, können
zukünftige Erdbeben einigermaßen genau vorhergesagt werden. Aus
vorgegebenen Parametern kann die seismische Wellenenergie berechnet werden. Um
die Wellenausbreitung zu berechnen sind genaue Kenntnisse der Lithosphäre
erforderlich. Oft ist der lokale Baugrund über die schwere des Erdbebens
sehr entscheidend.
Die mit dem Erdbeben verbundene Bodenbewegung ist ausschlaggebend für
die Untersuchung der Boden-Bauwerk-Wechselwirkung. Heutzutage wird oft nur die
maximale Beschleunigung abgeschätzt. Diese leitet sich von der
Erdbebenintensität her. Die Intensität ist jedoch kein sehr
zuverlässiges Maß, da sie auf der menschlichen Wahrnehmung und dem
Zerstörungsgrad beruht. Ein Vorhersagemodell sollte aber auch über die
Dauer der Starkstoß-bewegung und den Frequenzinhalt der
Bodenerschütterung enthalten. Die Boden-Bauwerk-Wechselwirkung kann auf
verschiedene Arten untersucht werden. Wichtig ist die Schadensinspektion nach
Erdbeben. Für Bauingenieure sind dann auch Computer-simulationen oder
Simulationen auf Rütteltischen sehr hilfreich. Auch Verwundbarkeits-studien
und Verlustabschätzungen sind sehr nützlich. Hierbei geht es um die
Effekte eines Bebens in Hinblick auf Schäden an Gebäuden und leibliche
Schäden und Verluste sowie Unterbrechungen der Versorgungssysteme. Für
solche Schadensszenarien sind auch genaue Kenntnisse des Erdbebens
erforderlich.
Genaue Kenntnisse über die Boden-Bauwerk-Wechselwirkung sind
unerläßlich für die Ergreifung von Gegenmaßnahmen. Sehr
wichtig ist die Absicherung von Bauwerken (zum Beispiel mit Gummipackungen oder
Federn). Dies gilt nicht nur für Wohnhäuser sondern auch für
Fabriken, Geschäfte, Kraftwerke, Brücken, Tunnelbauten, etc. In
Gebieten wo gezwungen auf Untergrund mit erhöhtem Erdbebenrisiko gebaut
wird, müssen eingehende Voruntersuchungen des Baugrundes vorgenommen
werden. Auch die Katastrophen-bereitschaft ist eine wichtige Maßnahme zur
Begrenzung des Schadens. Sie umfaßt Nahrungsmittellagerung,
Notunterkünfte, Hilfstruppen und Evakuierungspläne. Doch durch das
große Risiko eines falschen Alarms ist die Erdbebenwarnung noch sehr
umstritten, da durch einen falschen Alarm sowohl das Wirtschaftswesen als auch
die Psyche der betroffenen Menschen grundlos belastet wird.
Die Kontinentalverschiebungstheorie von
Wegener
Alfred Wegener (1880-1930), ein gebürtiger Berliner, fiel im
Jahre 1910 (völlig unbeeinflußt vom Amerikaner F.B. Taylor)
bereits die „gute Paßform“ der Kontinente beiderseits des
Atlantischen Ozeans auf. Bereits 1912 referierte er das erste Mal über
seine Hypothese der Kontinentalverschiebung. Nach seiner Theorie
durchpflügen die Kontinente, bestehend aus Material mit relativ geringer
Dichte („Sial“, hauptsächlich Silicium- und
Aluminiumreiche granitische Gesteine mit einer Dichte von ca. 2,7
g/cm³) eine zähflüssige Gesteinsmasse. Diese ist nur an der
Oberfläche erstarrt und tritt in den Ozeanböden zutage
(„Sima“, Silicium- und Magnesiumreiche Basalte
mit einer Dichte von 3,0 bis 3,3 g/cm³). Durch diesen Dichteunterschied
erfahren die Kontinente einen Auftrieb und ragen über die Ozeanböden
hinaus.
Wegener machte besonders zwei Kräfte für die
Kontinentalverschiebung verantwortlich: Die Polfliehkraft, die durch die
Erdrotation erzeugt wird und für die Kontinentaldrift von hohen in niedrige
Breiten verantwortlich ist, und die Westdrift, die durch Zusammenwirken
der Rotationsrichtung von Westen nach Osten und die Präzession der Erdachse
verursacht wird. Damit wollte Wegener die Hochgebirge an der Westseite der
amerikanischen Kontinente und die entsprechenden tiefen untermeerischen
Grabenspalten in Ostasien erklären. Seiner Meinung nach waren sie Ausdruck
der Westdrift. Er sah darin das Ausfransen und Abbrechen kontinentaler
Krustenschollen während der Wanderung. Die Antillen und die
Süd-Sandwich-Inseln beispielsweise würden somit durch die Westdrift
entstanden worden sein, während die Kontinente wanderten.
Wichtige Stützen für Wegeners Theorie waren
paläontologische und paläoklimatische Aspekte. Durch genaues Studium
des Wissens seiner Zeit, fand er charakteristische Faunen- und Florenprovinzen
des ausgehenden Paläozoikums in zusammengehörigen Zonen. Somit
konstruierte er einen zusammenhängenden Kontinent, Pangäa, aufgrund
dessen er viele weitere Beweise für seine Theorie fand. So fand man Eis von
der Vereisung der Antarktis sowohl in Südamerika und Australien als auch in
Südafrika und Indien. Es konnten um den rekonstruierten Kontinent
Pangäa viele Floren kälterer bis gemäßigterer Klimazonen
nachgewiesen werden. Auch an den Rändern von Südamerika und Afrika
konnten einige völlig gleiche Gesteinszonen nachgewiesen werden. Eine
moderne Rekonstruktion Pangäas unterscheidet sich zwar in Details von
Wegeners, bestätigt aber im Großteil die Richtigkeit seiner
These.
Wegener gab 1915 sein Buch „Die Entstehung der Kontinente und
Ozeane“ heraus, das bis zu seinem Tode vier Auflagen hatte. Aber trotz
seiner guten Beweisführung fand Wegeners Theorie nur wenige Anhänger.
Der Grund dafür war, daß Wegener keinen befriedigenden Mechanismus
für die Kontinentaldrift hatte. Da er hauptsächlich Astronomie
studiert hatte suchte er die Gründe für die Kontinentalverschiebung in
außerplanetaren Kräften. Heute steht jedoch fest, daß die
Kontinentaldrift von den erdeigenen Kräften verursacht wird, besonders von
Konvektionsströmen im Erdmantel. Die von Wegener in Betracht gezogenen
Kräfte wären viel zu schwach. Somit hatte Wegener zwar das
Phänomen der Kontinentaldrift richtig erkannt, konnte es aber nicht
hinreichend erklären. Dies war Hauptangriffspunkt seiner Feinde und
verhinderte eine breite Anerkennung seiner Theorie.
Neuesten Untersuchungen lassen noch weitere Erkenntnisse zu. So lassen
sich an Intraplattenvulkanen einige geodynamische Hypothesen aufstellen und
erforschen. Es ist möglich, daß Intraplattenvulkane nur an
sogenannten mantle plumes auftreten - Mantelströme die aus dem
oberen oder sogar unteren Mantel aufsteigen. Sie könnten kontinentale
Riftzonen anzeigen, die für ein auseinanderbrechen der Kontinentalplatten
verantwortlich wären.
Hierbei stellt sich auch eine Theorie, nach der die ozeanische
Lithosphäre über einen im Mantel verankerten Kern, den hot
spot, wandere, in dem die aufsteigenden Basaltmagmen erzeugt werden. Spuren
hierfür lassen sich an der mehr oder weniger linearen Altersabnahme der
pazifischen Vulkanreihen erkennen. Hier zeigt sich eine systematische
Altersabfolge mit einer Wandergeschwindigkeit von ca. 8-10 cm pro Jahr.
Außerhalb des Pazifiks sind diese Beispiele für
regelmäßige Vulkantätigkeit jedoch selten.
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