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Skinheads in den Medien
Hausarbeit Soziologie
Skinheads in den
Medien
Skinheads in den
Medien
1. Vorwort
In der Ausarbeitung möchte ich vor allem die Notwendigkeit der
Unterscheidung zwischen Skinheads und Rechtsradikalen belegen.
Während der Sichtung aktueller Materialien und der Befragung in
Adorfer Einrichtungen der Jugendarbeit mußte ich feststellen, daß
diese Unterscheidung, die für mich vor ein bis zwei Jahren noch klar auf
der Hand lag, heute nur unter Mühen kenntlich gemacht werden kann. Deswegen
bin ich stärker als vorgehabt auf den Aspekt des Skinhead-Outfits
eingegangen, da sich Skinheads gerade darüber identifizieren.
2. Situation
Besonders seit dem Fall der innerdeutschen Grenze ist der Bekanntheitsgrad
der Skinheads in der deutschen Öffentlichkeit vehement gewachsen. Fast
täglich kursieren in den Medien Schlagzeilen wie
- Asylbewerberheim überfallen,
- Schlägerei zwischen linken und rechten
Jugendlichen oder auch
- Skandal in der Bundeswehr.
Als
Hauptakteure des Geschehens werden wiederholt Skinheads benannt. Woher kommt es,
daß binnen weniger Jahre eine Jugendbewegung aus einem jahrzehntelangen
Schattendasein so sehr ins Licht der Öffentlichkeit geraten ist?
Laut einer Studie von Heitmeyer bezeichnen sich von den 6.000 bis 8.000
geschätzten Skinheads in Deutschland etwa je ein Viertel als links- bzw.
rechtsorientiert, der Rest will Politik aus der Bewegung heraushalten. Wie aber
kommt es, daß der verhältnismäßig kleine Anteil an
rechtsorientierten das Bild der Skinheadbewegung in der Öffentlichkeit so
eindringlich prägt?
Hier scheint es nötig zu sein, einen Exkurs in die Geschichte der
Skinheads zu unternehmen, die immerhin 30 Jahre zurückreicht.
3. Geschichte
3.1. Die erste Generation
In den Jahren 1968/69 entstand in Großbritannien die erste Generation
der Skinheads. Kleine Gangs bildeten sich aus anderen Jugendkulturen, die das
Straßenbild und die nächtlichen Clubs vor allem in London
beherrschten:
- Mods – Jugendliche aus der
britischen Mittel- und Unterschicht,
- Rude Boys – Gangs aus
jamaikanischen Einwandererkindern,
- Boot Boys – rivalisierende
Fußballgangs.
Die Skinheads waren geprägt von einem
ausgeprägten working class-Bewußtsein. Skinhead sein
bedeutete, einer rebellischen und aggressiven Jugendbewegung
anzugehören.
Zumeist waren die Skins in kleinen Straßengangs formiert, die meisten
waren männlich und deutlich unter 18 Jahren alt. Sie pflegten ein
martialisches Auftreten und adaptierten teilweise Kleidungsstile der o. g.
Gruppierungen. Die Musik (Ska, Mitte der Siebziger kam Streetpunk hinzu)
hatte als sozialisierendes Medium innerhalb der Szene eine große
Bedeutung.
Farbige Skinheads waren damals in England keine Seltenheit. Gemeinsam mit
den Söhnen der jamaikanischen Einwanderer gingen sie abends in die
britischen Clubs und tanzten deren Musik, den Ska – eine Urform des
Reggae.
Ihr typischer Aktionsraum blieb aber die (mit anderen rivalisierende)
Straßengang. Eine weiter besondere Rolle spielte die wöchentlich
stattfindende Schlacht in den Fußballstadien mit gegnerischen
Fans.
Skinheads verstanden sich auch als Gegenpol zur – von Studenten
geprägten, friedlichen – Flower Power-Bewegung, deren Weltbild
war den Jugendlichen der proletarischen Unterschicht fremd. Rassismus war nicht
mehr oder weniger vorhanden, als in anderen Gesellschaftsschichten auch. Eine
gängige Meinung zum Thema Rassismus war: Der schwarze
Fließbandarbeiter neben mir hat mehr mit mir gemein als ein weißer
Bankangestellter.
Diese erste Ära der dominierenden Skinheadbewegung war bereits zu
Beginn der 70er Jahre zu ende.
3.2. Punk & Politisierung
Mit dem Entstehen des Punk in der zweiten Hälfte der 70er erlebte die
Skinheadbewegung einen neuen Höhepunkt. Besonders wegen der rasanten
kulturellen Vereinnahmung desselben suchten viele Punks eine neue Plattform. Sie
fanden sie in der Wiederbelebung des Skinheadstils mit den typischen
Erscheinungen wie Straßengangs, Fußballgewalt und martialischem,
streng proletarischem Image. Im Zusammenhang mit Punk fand der Skinheadkult zum
ersten Mal eine starke Verbreitung über die Grenzen Großbritanniens
hinaus.
Als die Medien nach mehreren spektakulären Fußballschlachten die
Skinheads als neues, gewaltbereites Feindbild der Gesellschaft entdeckten,
dauerte es nicht lange, bis organisierte Gruppierungen versuchten, Skinheads zu
agitieren und für ihre Zwecke zu rekrutieren. Da der Aufschwung der
rechtsextremistischen “National Front” am Ende der siebziger Jahre
zeitlich mit der neuen Skinheadgeneration zusammenfiel, diente das als gutes
Argument für die Gleichsetzung von Skinheads mit Neonazis.
Für einen Teil der Skinheadbewegung stimmte dies immerhin. Sie gaben
sich den heute kaum noch populären Namen Bonehead (engl. Holzkopf)
und bekannten sich meist offen zu einer rechtsextremistischen Weltanschauung;
ansonsten übernahmen sie das Erscheinungsbild der Skinheads. Auch das
rechte “British Movement” entstand unter Beteiligung tonangebender
nationalistisch eingestellter Skinheads.
Einen großen Anteil hatte die gezielte Förderung rechtsextremer
Skinheadbands. Analog zu den “Rock Against Racism”-Festivals (Rock
gegen Rassismus), die als Antwort auf den Aufschwung von rechter Parteien und
Vereinigungen ins Leben gerufen wurden, veranstaltete eine Bewegung innerhalb
der “National Front” Konzerte unter der Überschrift “Rock
against Communism”. Daraus entstand 1986 nach dem Leitspruch der Waffen-SS
“Blut und Ehre” die Blood & Honour-Bewegung, die heute
als Sammelbecken gewaltbereiter Neonazis weltweit aktiv ist.
3.3. Oi!, Redskins, S. H. A. R. P. usw.
Gegen dieses Bild von den “Nazis mit kurzen Haaren” gingen vor
allem seit dem Ende der 80er Jahre viele Skinheads aktiv vor. Skinheads, die
ihre Zugehörigkeit nicht über politische Ziele definierten, sammelten
sich unter den Begriffen “Oi!-Skins” oder “unpolitische”
Skins. Unpolitisch bedeutet hier eine Abgrenzung gegen linke wie rechte Extreme.
(Linke Extreme sind z. B. die sogenannten Redskins.) Die
Gleichsetzung des Skinheadstils mit einer politischen Bewegung lehnen sie
kategorisch ab.
Das working class-Selbstverständnis stellt weniger ein
revolutionäres Klassenbewußtsein dar. Vielmehr ist es ein Gefühl
der Selbstachtung der Jugendlichen aus unteren Mittelschichten: Stolz behaupten
sie den eigenen Wert gegen die Ausgrenzung und die Arroganz gesellschaftlicher
Eliten.
Aus den USA kam Ende der 80er “S. H. A. R. P.” (SkinHeads
Against Racial Prejudice – Skinheads gegen Rassenvorurteile) nach Europa
und verbreitete sich sehr schnell. Die Logik ist einfach: Es ist absurd sich
für schwarze Musik (neben Ska gehören auch Soul und Reggae zum
typischen Musikspektrum) zu begeistern und gleichzeitig die Musiker wegen ihrer
Hautfarbe und Kultur angreifen zu wollen. Diese Bewegung, zieht einen klaren
Trennstrich, zu denen, die in erster Linie Nazis sind und sich selbst Skinheads
nennen.
Es wäre sicher verfehlt, nicht rechtsextrem orientierte Skinheads als
antirassistisch einzustufen: Skinheads definieren sich ausdrücklich
über Ungleichheiten anderen gegenüber. Aber es gibt unter Skinheads
genauso viele verschiedene Ansichten hinsichtlich Politik, wie in anderen
Gesellschaftsgruppen oder Subkulturen auch.
3.4. Skinheads im Osten Deutschlands
3.4.1. In der DDR
Mitte der 80er Jahre entstand in der DDR eine Skinheadszene. Deren
Träger entstammten zumeist der Punkszene, oft waren die Szenen eng
vermischt. Informationen über die Wurzeln in Ska und Reggae waren
weitgehend unbekannt. Für den engen Zusammenhang mit dem Punk waren nicht
politische Ansichten entscheidend, sondern die Reaktion auf die soziale Agonie,
den allgemeinen Anpassungsbrei und die totalitäre Kälte.
Entsprechend wurden Skinheads wie Punks durch die DDR-Organe verfolgt, im
Allgemeinen konnten diese die jeweiligen Vertreter nicht zuordnen. Allerdings
fielen Skins wegen der unauffälligeren Kleidung weniger polizeilichen
Maßnahmen anheim. Die undifferenzierte Betrachtung der Jugendkulturen
hatte ihren Weg in den sozialistischen Staat genommen: Punks sahen sich
“links”, Skins “rechts”. Entsprechend gab es kaum
Kenntnisse von Bewegungen wie S. H. A. R. P. oder Oi!-Skins.
Skinheads unterschieden sich in der DDR vorwiegend durch zwei Dinge von
Punks: Sie waren weitaus gewalttätiger und die meisten waren im rechten
Spektrum orientiert. Der entscheidende Bruch vollzog sich im Oktober 1987 beim
Überfall von etwa 30 rechtsextremen Skinheads auf ein Punkkonzert in der
Berliner Zionskirche: Zum einen wurde die (rechtsextreme) Politisierung der
ostdeutschen Skinheads ein für allemal fixiert, zum anderen reagierten die
DDR-Medien massiv.
Es begann eine intensive Berichterstattung über die kurzhaarigen
Nazis, die bis dahin nicht dagewesen war – der sozialistische Staat hatte
die Existenz von nicht mit der “Freien Deutschen Jugend” konformen
Jugendlichen möglichst geleugnet. Die Auswirkungen im gesellschaftlichen
Leben waren ziemlich groß, so wurde beispielsweise am 1. Mai 1988
mittels Pkw-Kontrollen verhindert, daß Skinheadgruppen in die
DDR-Hauptstadt gelangten.
3.4.2. Nach der Wende
Mit der Wende traten vor allem über die informelle Achse West-Berlin
S. H. A. R. P.-Skins verstärkt in Erscheinung. Mit seit
1991 regelmäßig stattfindenden Ska-Festivals und an diesem
kulturellen Aspekt ansetzender politischer Arbeit begründete die Berliner
S. H. A. R. P-Sektion einen Aufschwung ausdrücklich
nicht rechtsorientierter Skinheads in Ostdeutschland.
Allerdings sank die anfängliche Attraktivität dieser Bewegung
für viele Skinheads rapide, als diese Bewegung sich stärker über
ihren antirassistischen Anspruch definierte als ihre Verwurzelung in der
Skinheadszene zu betonen. Im Klartext: Für eine Mitgliedschaft war das
eigene Selbstverständnis als Skinhead weniger wichtig als die politische
Einstellung. Das führte dazu, daß sich vor allem ältere
Skinheads, die “unpolitisch sein” zum Kult erhoben hatten –
und trotzdem gegen rassistische Strömungen innerhalb der Szene vorgehen
wollten –, wieder abwandten.
Gleichzeitig wuchs (vor allem um 1989/91) die Anzahl an rechtsextrem
orientierten Skinheads in Ostdeutschland. Rechtsextreme Kaderorganisationen aus
der “alten” Bundesrepublik legten ihr Augenmerk darauf, vorher (von
privaten, auch bundesweiten Kontakten abgesehen) eher autonom agierende rechte
Skinheads zu untereinander vernetzten Verbänden zusammenzuschließen.
Die Argumente für ausländerfeindliche Attitüden wurden angesichts
einschneidender ökonomischer und sozialer Veränderungen massiv
verstärkt.
Im Bereich der rechtsorientierten Skinheadszene stellten die sogenannten
Babyskins das jugendkulturelle Moment dar; ältere Naziskins
bildeten die kommunikative Verbindung zu organisierten Rechtsextremen. Diese
Szene teilte sich in zwei Lager mit fließenden Übergängen.
Teilungsfaktor war die Haltung zur Gewalt und ihre Verbindung mit einer neuen
Organisationsform:
- Bei nicht organisierten Skinheads gehört
die beinahe kultische Ausübung von Gewalt zu den Existenzgrundlagen der
Gruppierung. Die spontane Gewaltanwendung gegen “unehrerbietige”
szenefremde Personen dient der Selbstbestätigung.
- Organisierte Rechtsextreme: Das ideologische
Konzept schließt Gewalt ein, jedoch nicht deren ständige
Ausübung. Ihr Sozialstatus und ihr intellektuelles Niveau kanalisieren die
latente Gewaltbereitschaft in andere Realisierungsformen. Diese werden in
gezielten Aktionen gegen Feinde (Linke, Ausländer, Schwule etc.) gefunden;
der Tod der Opfer ist impliziert.
Diese rechtsextrem ausgerichtete
Skinheadkultur ist seit etwa 1991 wieder rückläufig. Immer mehr
Skinheads distanzierten sich von Naziskins, Mitgliedern rechtsextremer
Kameradschaften; diese wanderten aus der Szene ab. Die Oi!-Skins traten
wieder in den Vordergrund.
4. Outfit
Bevor ich mich mit dem Bild der Skinheads in den Medien beschäftige,
ist es nötig, einen intensiven Blick auf deren typisches Erscheinungsbild
zu richten. Nur in diesem Kontext ist möglich, oft spektakuläre
Berichterstattung und schiere Propaganda als Mittel der Schuldzuweisung
auseinanderzuhalten. Ebenfalls wird es nur so möglich zu erkennen, ob
Medienberichte Skinheads, modisch gekleideten Jugendlichen oder gar
offensichtlichen Neonazis zum Thema haben.
Ich halte die Aufzählung relativ ausführlich, auch um zu zeigen,
daß Skinheads, bis auf den auffälligen Haarschnitt, der wiederum eher
konform zur aktuellen Mode läuft, oft nicht als solche zu identifizieren
sind. Das Bild vom “typischen Gewalttäter in Bomberjacke und
Springerstiefeln” ist schlicht falsch. Gerade die Bomberjacke wird,
wenngleich sie ein sehr praktisches Kleidungsstück darstellt, wegen ihrer
US-amerikanischen Herkunft oft geringgeschätzt. Harringtons und
Donkey Jackets werden bevorzugt getragen. Zu den Springerstiefeln komme
ich noch weiter unten.
Zu den in der Szene sehr verbreiteten Tätowierungen, kann man nur
sagen, daß deren Träger selbst erst einige Jahre später wissen
wird, was er auf dem Körper trägt: eine Erinnerung, das Bekenntnis zu
einem Lebensstil, eine Jugendsünde oder Kunst.
4.1. Skinhead Girls
Obwohl ich nicht sexistisch erscheinen will, werde ich die Mädchen
unter den “Glatzen” nur an dieser Stelle kurz
würdigen.
Innerhalb der Skinheads gibt es relativ wenige sogenannte Renees.
Scheinbar werden sie oft von der stark männerorientierten Szene
abgeschreckt. Im gesamten Auftreten gleichen sie eher ihren männlichen
Pendants. Spezielle Frauenvereinigungen (wie z. B. bei Rechten üblich)
gibt es nicht.
Modisch unterscheiden sie sich durch einen Haarschnitt, der im Nacken und
an den Ohren längere Haare (Feathers) hat. Wenn es die Witterung
zuläßt werden Miniröcke in Kombination mit Netzstrümpfen
getragen. Sonst ist die Kleiderordnung analog zum Skinhead.
4.2. Haarschnitt
Die Skinheads der ersten Generation hatten einen sehr viel längeren
Haarschnitt als seit Mitte der 70er Jahre üblich. Der Begriff
“Skinhead” – wörtlich übersetzt Hautkopf –
rührte daher, daß man bei den ersten Skinheads, ganz anders als es
der damaligen Mode entsprach, die Haut durch das Haar durchschimmern sah. Diese
ersten Skinheads hatten rundum etwa streichholzlange Haare. Heute werden die
Haare in der Länge getragen, wie sie beim Scheren mit der Schermaschine mit
dem kleinsten oder ohne Aufsatz entstehen: ein bis drei Millimeter. Bis zum
nächsten Scheren kann das Haar bis etwa einen Zentimeter lang werden.
Verpönt sind sogenannte Yankee Crops, d. h.
Militärhaarschnitte, bei denen das Haar auf dem Scheitel etwas länger
und vom Nacken bis oberhalb der Ohren ausrasiert ist.
Smart Skins, die sich auf die Wurzeln um 1970 beziehen,
tragen ihre Haare entsprechend länger. Vor allem bei Naziskins sind
häufig Naßrasuren des Schädels zu sehen.
Immer schon gehören Backenbärte, sogenannte Koteletten, zur
Skinheadmode. Kurze Schnauzbärte werden teilweise als proletenhaftes (nicht
als proletarisches!) Symbol geduldet. In letzter Zeit sieht man öfter auch
Kinnbärte; dies ist auf Hardcore-Einflüsse US-amerikanischer
Skinheads zurückzuführen.
4.3. Garderobe
Zur Skinheadgarderobe gehören seit 1968:
- Jeans (Levi’s, Wrangler, Lee), diese oft
hochgekrempelt, teilweise mittels starker Haushaltsreiniger stellenweise
entfärbt, meistens in Verbindung mit schmalen Hosenträgern,
- Kordhosen und die legendären Levi’s Sta
Prest,
- Button-Down-Shirts – Hemden mit
geknöpften Kragenenden – oft von Ben Sherman, auch
Brutus oder Jaytex,
- Polohemden, hier ist die bevorzugte Marke Fred
Perry (Fred Perry, der die Sportmarke später begründete, gewann
als erster Tennisspieler aus dem Arbeitermilieu das Turnier in Wimbledon.),
- weiße T-Shirts,
- Pullunder, V-Pullover und Strickjacken,
- Harringtons – Bundjacken mit Futter im
Schottenmuster,
- Jeansjacken,
- lange Mäntel: Sheepskin und
Crombie,
- Drei-Loch-Anzüge,
- Hüte: Pork Pie und
Schiebermützen.
Mit dem Wiederaufleben der Skinheads kamen um
1980 weitere Kleidungsstücke hinzu:
- bedruckte T-Shirts und Kapuzenpullover,
- Sportkleidung von Lonsdale (Ausstatter von
Boxvereinen) gewann an Bedeutung,
- Bomberjacken, hauptsächlich in grün,
- Donkey Jackets – schwarze geknöpfte
hüftlange Jacken aus schwerem Filz mit PVC-Besatz an den
Schultern.
4.4. Schuhwerk
Skinheads bevorzugten immer schweres Schuhwerk, sehr schnell kamen
Arbeitsstiefel der Marke Doc Martens in Mode. Diese sind oft mit
Stahlkappen versehen, was in einer Straßenschlägerei zum Vorteil, bei
der Flucht vor der Polizei zum Nachteil gereichen kann. Zur Betonung der
besonderen Schnürung bei den hohen Stiefeln und, weil es einfach
gefällt, werden oft farbige (weiße bevorzugt) Schnürsenkel
verwendet.
Von rechtsextremen Skinheads werden Doc Martens kaum getragen. Sie
bevorzugen wegen ihres martialischen Äußeren Ranger Boots. Das
sind schwere Schnürstiefel mit knochenharter Sohle und auffällig
abgenähter Stahlkappe, diese ist teilweise außen
aufgesetzt.
Sehr gerne werden aber auch Loafers (flache Schuhe mit Fransen) und
Brogues (mit Lochmuster) getragen. Zumeist weiße Turnschuhe aller
Marken werden als Freizeitkleidung toleriert.
5. Medien verwenden Skinheads
5.1. Kleidung
Bis auf die Bomberjacke (Pilotenjacke der US-Luftwaffe) hat es kein
Uniformstück in die Skinheadgarderobe geschafft. Dies sollte man unbedingt
berücksichtigen, wenn in den Medien wiederholt uniformierte, Fahnen
tragende Jugendliche als Skinheads bezeichnet werden.
Für rechtsextrem organisierte Skins hat sich allerdings so etwas wie
eine Uniform herausgebildet, die zu Anlässen wie dem
Rudolf-Heß-Gedenkmarsch zu sehen ist:
- wahlweise weißes oder braunes Hemd mit schwarzem
Binder
- oder weißes T-Shirt
- über schwarzen Jeans oder Reithosen mit Koppel
und eventuell Pistolengurt,
- dazu schwarze Bomberjacke,
- möglichst hohe Schnürstiefel und
- sonst eher selten – naß rasierte
Kopfhaut.
Die vielzitierten Springerstiefel werden überhaupt
nicht getragen. Echte (Fallschirm-)Springerstiefel sind aus sehr weichen
Material und haben sowohl Schnürsenkel als auch einen
Reißverschluß. Wenn sie immerhin angenehm zu tragen sein mögen,
sehen sie doch lächerlich aus. Diese Bezeichnung für
Schnürstiefel entspringt wohl eher dem Versuch, Skinheads einen latenten
Militarismus zu unterstellen.
Die Farben der Schnürsenkel sind medienpolitisch ein
äußerst interessanter Aspekt. Hierzu werden in verschiedenen
Publikationen haarsträubende Geschichten geliefert. Anhand dieser –
immer wieder verschieden interpretierten – Farben scheint es einfach,
Skins aller Couleur auseinanderzuhalten. Ausgerechnet eine Schrift des
Bundesministeriums des Inneren (BdI) weiß zu berichten: “So
können weiße Schnürsenkel bedeuten, daß die Skins der
Gruppe sich als White-Power-Skins sehen. Gelbe Schnürsenkel können ein
Indiz dafür sein, daß sich diese Skinhead-Gruppe der verbotenen FAP
verbunden fühlt [...] Rote Schnürsenkel dokumentieren u. U. die
Zugehörigkeit zur Szene der Redskins.”
Abgesehen davon, daß einzelne Skins ihren Schnürsenkeln
tatsächlich eine Bedeutung zuweisen, ist zu solchen pauschalisierten
Deutungen zu sagen, daß man damit gehörigen Mißfallen erregen
kann: Auch linksgerichtete Skins oder Punks tragen weiße
Schnürsenkel, und gerade roten Schnürsenkeln werden ebenfalls die
Bedeutungen Blood & Honour-Aktivist oder auch “Ich habe
für meine Überzeugung getötet” zugewiesen.
Im gleichen Artikel wird die Marke Lonsdale hervorgehoben:
“Wenn über diesen T-Shirts [...] die halboffene Bomberjacke getragen
wird, kann man [...] nur noch N-S-D-A lesen und assoziiert NSDAP.” –
Diese Bedeutungsschwere dürfte nicht einmal aktiv boxenden Naziskins
bekannt sein.
Eine weitere Aussage, die einer Prüfung nicht standhält, ist eine
in den Medien gern angewandte Rechtfertigungslüge. Wenn darauf aufmerksam
gemacht wird, daß auf den Bildern keine Skinheads zu sehen sind, wird
erklärt, diese hätten sich “getarnt”. Sie trügen die
Haare ein bißchen länger und hätten etwas modischere Kleidung
an, um nicht als Skinheads aufzufallen. Genau das aber ist einer der
Hauptgründe, überhaupt Skinhead zu werden. Ein Skinhead kann als
solcher nicht innerhalb seiner Gruppe bestehen bleiben, wenn er sich opportun zu
öffentlichen Meinung verhält. Für einen politischen Aktivisten
ist ein solches Täuschungsmanöver möglich und eventuell sogar
ehrenhaft.
5.2. Der Schneeball-Effekt
Skinheads werden in den Medien immer nur im Zusammenhang mit Gewalt,
Alkohol und Einstellung zwischen Hitler-Kult und Feindseligkeit gegenüber
Fremden dargestellt. Ihr typisches Outfit “Glatze, Bomberjacke,
Springerstiefel” ist ein Synonym für alles Fremde hassende
Gewalttäter.
Die “Zugangsmodalitäten” zur Skinheadszene sind:
- Rebellion, auffällig und “anders
sein” wollen,
- Ausstieg und Protest gegen “das System”
und soziale Ungerechtigkeiten – dies meinte aber eher die eigene soziale
Herkunft,
- Männlichkeitskult,
- Verherrlichung der Arbeiterklasse (Produzent
gesellschaftlichen Reichtums).
Nach Anzahl und Bedeutsamkeit waren
die Skinheads in Ost- und Westdeutschland bis 1989 unmaßgeblich. Heute
scheint es im Straßenbild unter den 16- bis 18jährigen sehr viel mehr
Skins zu geben, als diese Motive für die meisten Jugendlichen hergeben. Das
kann man auf die unverständliche deutsche Einwanderungs- und Asylpolitik
einerseits und eine gezielte Fehlinformation durch die Medien andererseits
zurückführen:
- Die Bundesregierung wird nicht müde, die
Problematik der in Deutschland lebenden Ausländer und Asylbewerber zu
betonen (Kriminalität, Schwarzarbeit). Gleichzeitig scheint sie nicht in
der Lage, eine vernünftige Einwanderungspolitik zu etablieren.
- Der ökonomisch und sozial gefährdete
Teil der Bevölkerung (gerade im Osten) folgt dieser Problemdefinition und
sieht als gangbaren Ausweg den Zusammenschluß gegen Ausländer, deren
Vertreiben, den gewaltsamen Konflikt.
- In den Medien werden aber alle
rassistischen Gewalttaten unter dem Schlagwort Skin-Terror aufgearbeitet.
(Über antirassistische Skinheadaktionen – z. B. Demos
jährlich in Potsdam oder 1994 in Lübeck – wurde nie
medienwirksam berichtet.)
- Wer im “richtigen Alter” ist und
glaubt, gegen die scheinbar wohlstandsbedrohlichen Ausländer vorgehen zu
müssen, der wird sich mit einiger Wahrscheinlichkeit der früher kaum
bekannten Gemeinschaft der Skinheads anschließen wollen.
- Durch dieses “Auffüllen” der
Skinheadszene mit ausländerfeindlich eingestellten Jugendlichen steigt die
Wahrscheinlichkeit, daß tatsächlich Skinheads an rassistischen
Aktivitäten beteiligt sein werden.
- Diese Tendenz wird dadurch unterstützt,
daß typische “Szeneklamotten” mittlerweile zur
Grundausstattung vieler Sportgeschäfte gehören: Fred Perry,
Ben Sherman, aber auch Harrington-Jacken. Einige dieser Läden
liefern Aufnäher und Anstecker mit einschlägigen Inhalten gleich
mit.
Der Skinheadstil wird seit mehreren Jahren in der aktuellen
Mode adaptiert. Gerade Bomberjacken und die vielfach als Waffen eingestuften
Stahlkappenschuhe haben an Akzeptanz gewonnen. Der “normale”
Bürger faßt die Identifizierung “Skinhead” sehr weit,
weil immer mehr Jugendliche dem pauschalisierten Bild “Glatze,
Bomberjacke, Springerstiefel” entsprechen.
Berichterstattungen über Großkundgebungen rechtsextremer
Vereinigungen wie in Hoyerswerda, Mölln oder über Angriffe auf
Asylbewerberheime (Rostock-Lichtenhagen) trugen dazu bei, die Grenzen der
Identifizierung zu verwischen: Dort wurden Jugendliche mit normal-kurzem
Haarschnitt in Jeansjacken oder Blousons und Turnschuhen als Skinheads
bezeichnet. Die Teilnehmer waren aber im einhelligen Medienton nicht
“Neonazis” oder “Rechtsextreme” sondern (bestenfalls
rechtsextreme) “Skinheads”.
5.3. Der Sündenbock
Politische Aktivisten müssen über kurz oder lang aus der
Skinheadszene aussteigen. Sie paßt nicht zur Politik, dazu ist der Way
of Life zu desorganisiert. Das heißt nicht, daß sie nicht
weiterhin über Kontaktpersonen Zugriff haben können.
Wie schon gesagt, gibt es bei Skinheads linke und rechte Orientierungen.
Grundsätzlich wird aber der Begriff Skinhead heute mit Neonazi
gleichgesetzt. Das birgt die Gefahr – oder ist dies Absicht? –,
daß rechte Extremisten, nicht mehr als solche wahrgenommen werden.
Denjenigen, die im Zentrum einer Kundgebung mit wohlgesetzten Formulierungen
gezielt rassistisch vorgehen oder in öffentlichen Einrichtungen
einschlägige Farbdrucke verteilen, werden immer mehr als innerhalb der
Demokratie stehend verstanden.
Die Diffamierung der Skinheadszene als rechte Randgruppe dient dazu, von
einem gesamtgesellschaftlichen Problem abzulenken. Angesichts des
Auseinanderbrechens des Sozialstaates in der Bundesrepublik und der immer
öfter betonten Risiken der Europäischen Union könnte ein neuer
Gesellschaftsvertrag gegen Ausländer entstehen.
7. Nachbemerkung
Ich verwende im Text absichtlich die geographischen Bezeichnungen der real
existierenden Teilung Deutschlands in Ost und West, weil ich der Logik eines
“Mitteldeutschlands”, die ein weiter östlich liegendes
deutsches Gebiet impliziert, nicht folgen will.
Die Quelle des Bundesinnenministeriums habe ich im Text als einziges
namentlich erwähnt, weil ich es haarsträubend finde, das solche
oberflächlichen Materialien publiziert und offensichtlich zur Fortbildung
genutzt werden. Alle anderen Quellen sind zu sehr miteinander und mit meinen
eigenen Erfahrungen vermischt, als daß ich sie jeweils trennen
könnte.Literaturverzeichnis:
Klaus Farin [Hg.] “Skinhead – A Way Of Life”,
Europäische Verlagsanstalt, Syndikat, Hamburg 1996
Klaus Farin [Hg.] “Skins – Mythos und
Realität”, Links Verlag, Berlin 1996
Wilhelm Heitmeyer u. a. “Die Bielefelder
Rechtsextremismus-Studie – Erste Langzeituntersuchung zur politischen
Sozialisation männlicher Jugendlicher”, Juventa Verlag, Weinheim und
München 1992
Alfred Janzik “Skinheads” in “Texte zur Inneren
Sicherheit Band I/97”, Bundesministerium des Inneren, Bonn 1997
George Marshall “Spirit of ’69 – Eine
Skinhead Bibel” – Deutsche Erstveröffentlichung, George
Marshall, Dunoon 1993
Nick Night “Skinhead”, Omnibus Press, London
1982
Bernd Wagner “Rechtsextremismus und kulturelle Subversion in
den neuen Ländern” in “Bulletin Sonderausgabe 1998”,
Zentrum Demokratische Kultur, Berlin 1998
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