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Die 7 Weltwunder
FACHARBEIT
DIE
SIEBEN
WELTWUNDER
Martin Stanzl 4HB/a
1995/96
I N H A L T S V E R Z E I C H N I
S
Kapitel Thema Seite
1. Die Pyramiden von Gizeh 3
2. Die Mauer von Babylon 4
3. Die Gärten der
Semiramis 6
4. Der Olympische Zeus des
Phidias 8
5. Das Mausoleum von
Halikarnassos 9
6. Der Artis-Tempel von
Ephesus 11
7. Der Koloß von Rhodos 13
Das
Ersatz-Weltwunder:
8. Der Pharaos von Alexandria 14
Die Pyramiden von
Gizeh
Die ägyptischen Pyramiden, das älteste Weltwunder haben
viereinhalbtausend Jahre überdauert. Sie sind das einzige Weltwunder, das
noch zu besichtigen ist. Die Pyramiden jedenfalls sind ein großartiger
Maßstab für die dahingeschwundene Großartigkeit der
übrigen Weltwunder. Was immer an den Pyramiden gemessen werden konnte, was
man in einem Atemzug mit ihnen nannte, muß in der Tat bestaunenswert
gewesen sein.
Jean Cocteau [1] hat geschrieben:
"Das große Ägypten der Pharaonen schläft und
träumt, nach seinem Untergang gleicht es einem verlassenen Bienenstock ,
den Hummeln in Besitz genommen haben".
Die Großstadt Kairo, mit drei Millionen Einwohnern, hat sich
längst an die Pyramiden herangeschoben. Kairo ist eine moderne
Großstadt. Nur acht Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, am Rande der
Lybischen Wüste, liegen die Pyramiden. Sie sind schon in die große
Stadt einbezogen.
20 Meter hoch und 74 Meter lang. Herodot hat die Sphinx nicht erwähnt.
Sollte er sie, erdrückt vom Gesamteindruck der Pyramiden, vergessen haben?
Wahrscheinlicher ist, daß Sie zur Zeit seines Besuches gar nicht zu sehen
war, weil sie wieder einmal zugeweht war.
Man hat sie durch die Zeiten immer wieder aus dem Wüstensand graben
müssen. Darum wohl ist auf den Weltwunderlisten nur von den Pyramiden die
Rede und nicht von der Sphinx, die auch nicht als Anhängsel, erwähnt
wird.
Herodot berichtet, auf der großen Pyramide sei in ägyptischer
Schrift verzeichnet gewesen, wieviel man allein für die Verpflegung der
Arbeiter, für Rettich, Zwiebeln und Knoblauch beim Bau ausgegeben
hätte. Es waren ca. 1600 Talente. Das wären rund 50 Millionen
Schilling.
Wahrscheinlich sind die Pyramiden nicht, wie durch die Jahrhunderte immer
wieder behauptet wurde, in Sklavenarbeit unter klatschenden Peitschen gebaut
worden. Man kann den Pyramidenbau als religiöses Gemeinschaftswerk
erklären, als eine Verherrlichung des Pharao der Gott auf Erden war und
nach seinem Tod zu den Göttern zurückging, seinem Volk aber verbunden
blieb.
Die Namen von Bautrupps sind durch Inschriften überliefert. Sicherlich
galt dies als eine Ehre und Auszeichnung.
Das ist nun 4500 Jahre her.
Die Mauer von Babylon
Sah sich die Sphinx zu Füßen der Pyramiden auch immer wieder von
der Wüste bedrängt, die Pyramiden selbst konnte der herangewehte Sand
nicht ernstlich bedrohen.
Anders erging es dem zweitältesten Weltwunder, der mächtigen
Festungsmauer von Babylon.
Sie wurde um 600 v. Chr. errichtet und war ein halbes Jahrtausend
später, also noch vor Christi Geburt, nur noch eine Schutthalde. Die einst
festgerügte Mauer war zu einem bereits oft unterbrochenen Damm
auseinandergeflossen. Wie kann es möglich sein, daß eine
Festungsmauer, die in einem Atemzug mit den Pyramiden genannt worden ist, fast
spurlos verschwindet.
Sie wurde erst am Anfang unseren Jahrhunderts mühsam identifiziert.
Die Festungsmauer Babylons war aus Ziegeln geschichtet und mit gestampfter
Erde gefüllt. Streckenweise war die Festungsmauer Babylons auch Damm
für die Fluten des Euphrat. Der Verfall der Mauer von Babylon muß zu
Beginn des 3. vorchristlichen Jahrhunderts schon sehr weit fortgeschritten
gewesen sein.
So versteht man, daß in der zweitältesten Aufzählung der
Sieben Weltwunder die babylonische Mauer gestrichen, dafür der
neuerrichtete Leuchtturm vor Alexandria eingesetzt ist.
Babylon ist im Laufe seiner Geschichte wiederholt zerstört worden, von
den Hethitern, von den Assyrern. Viermal schien das Schicksal der Stadt
endgültig besiegelt und war es doch nicht. Nabopolassar (626-605 v. Chr.)
erbaute Bab-illu, "Die Pforte Gottes", als Hauptstadt des
Neubabylonischen Reiches größer und schöner auf. Sein Sohn, der
biblische Nebukadnezar (605-562 v. Chr.) übertraf den Vater, er war von der
Bauwut besessen. Er machte Babylon zur ersten wirklichen Weltstadt der
Geschichte. Nebukadnezar konnte über die Reichtümer Assyriens, Syriens
und Palästinas verfügen.
Und so hat Nebukadnezar [2] in Keilschrift
niederlegen lassen:
"Was kein König vor mir getan hat, tat ich. 4000 Ellen Landes (das
sind ca. 2 km) seitwärts der Stadt, fern, unnahbar, ließ Ich eine
gewaltige Mauer, gegen Osten zu, Babylon umschließen. Ich grub ihren
Graben bis auf das Grundwasser. Den Uferrand baute ich mit Asphaltmörtel
und Brandziegeln und fügte ihn mit der Wandmauer, die mein Vater errichtet
hat, zusammen. Babylon vollendete ich. Eine gewaltige Mauer baute ich an des
Grabens Rand berghoch. Mit zwei Grabenmauern hatte mein väterlicher
Erzeuger die Stadt eingehegt. Ich erbaute eine gewaltige Grabenmauer, eine
längs der andern, und vereinigte sie mit der Böschungsmauer meines
Vaters.
Mit einer Ufermauer aus Ziegeln umhegte ich den Wall von Babylon.
Die östliche Ufermauer des Arachtu-Kanals vorm Ischtartor bis zum
Tor des Urasch hat mein Vater errichtet. aber nicht vollendet. Ich nun, sein
erstgeborener Sohn, der Liebling seines Herzens, baute sie fertig,
verstärkte sie".
Der stolze Text des Nebukadnezar enthält keine Maße. Das Werk
war sozusagen unüberwindlich und für die Ewigkeit erbaut. Der deutsche
Archäologe Robert Koldewey, der Babylon Anfang unseres Jahrhunderts
ausgegraben hat, stellte fest, daß die Mauer 18 Kilometer lang
war.
Jedenfalls, so schreibt Koldewey [3],
"War die Stadt schon in dem Umfang, wie wir sie jetzt festgelegt haben,
die größte des antiken Orients, auch Niniveh nicht ausgenommen.
Letzteres kam Babylon allerdings nach. Aber die Zeit, in welcher sich der Ruhm
von Babylons Größe über die Welt verbreitete, war diejenige
Herodots, und damals hatte Niniveh bereits aufgehört zu existieren. Ein
Vergleich mit modernen Städten läßt sich so ohne weiteres kaum
ziehen. Man muß immer bedenken, daß es sich in der Antike stets um
die Stadt als Festung handelt, um den Mauerring, der den Wohnplatz wie ein
schützender Gürtel einheitlich umspannte. Sie sind bewohntes Land,
offen nach allen Richtungen."
Unter Nebukadnezar ging die rasch wachsende Weltstadt Babylon über den
Fluß. Eine Neustadt entstand auf der Westseite des Euphrat.
Auch dieser Stadtteil mußte mit Mauern umgeben werden. So entstand
ein Festungsviereck, durch das der Euphrat hindurchfloß.
Die Ufermauern am Euphrat waren 8-10 Meter dick, die Befestigungswälle
um die Innenstadt herum siebzehneinhalb Meter. Die Außenmauern waren gar
27 bis 30 Meter stark. Die Befestigungsanlage um den Stadtkern ragte 25 Meter,
die Außenmauer 30 Meter hoch auf !
Man hat sich innen und außen hochgemauert und den Zwischenraum mit
Schutt und dem Lehm vom Grabenaushub aufgeteilt. Auf diese Weise entstand eine
breite Dammkrone. Auf dem 30 Meter starken Wall hinter den schützenden
Türmen, Zinnen und Brüstungen entstand ein Fahrweg von mehr als 12
Meter Breite.
Von hier aus wollte der 32jährige König, Alexander, der aus
Indien nach Babylon zurückkehrte die Welt regieren. Eine Mücke hat
diesen großartigen Plan vereitelt. Alexander starb an der Malaria. Das
Weltreich zerfiel. Babylon, als seine Mitte gedacht, sank zur Kleinstadt, am
Ende zu einem elenden Dorf herab, das verlassen wird, das der Wüstensand
zuweht.
Der römische Satyriker Juvenal [4], der
etwa 58 bis 140 n. Chr. gelebt hat, schrieb darauf anspielend recht makant, die
Weltstadt Babylon sei "von Töpfern" befestigt worden.
Töpferware ist zerbrechlich, das stimmt wohl.
Die weithin verstreuten Ziegel der Babylonischen Mauer zeugen noch heute
für den Erbauer.
Sie sind Stück für Stück mit dem Stempel Nebukadnezars
gezeichnet.
Die Gärten der
Semiramis
Nächst den ägyptischen Pyramiden sind es wohl die legendären
Gärten der Semiramis, die sich dem Gedächtnis der Menschen am besten
eingeprägt haben.
Die Hängenden Gärten der Semiramis sind als das drittälteste
Weltwunder des Altertums, als zweite Weltsehenswürdigkeit Babylons
verzeichnet. Entstanden sind sie zwischen 600 und 400 v. Chr. Über legt
man, wie vergänglich die Schönheit von Gärten ist, wie sehr sie
der Pflege bedürfen, wie rasch Pflanzen dahinwelken können, wie
kurzlebig und hinfällig selbst starke Bäume sind, wenn sie nicht
hinreichend bewässert werden.
Warum ist der Turm von Babel, der biblische Geschichte als ein Sinnbild
menschlicher entgangen? Es mag das, auf den ersten Blick hin, verwunderlich
scheinen, doch läßt es sich leicht erklären.
Die älteste uns bekannte Liste der Weltwunder ist erst nach Alexander
des Großen Tods entstanden.
Der Turm von Babel war zu dieser Zeit bereits vom Erdboden verschwunden.
Alexander hat den Turm, den Herodot 200 Jahre vor ihm noch gesehen hat, schon
als Trümmerhaufen vorgefunden. Die Perser hatten ihn kurz zuvor
niedergelegt. Der junge König befahl die Wiederherstellung. Koldewey
entdeckte ein Kellergwölbe, wenn dieses tatsächlich die Hängenden
Gärten getragen hat, dann war es ein etwas enttäuschender Tatbestand.
Der Dachgarten der Semiramis hätte dann als ein Trapez mit
Seitenlängen zwischen 35 und 23 Metern recht bescheidene Ausmaße
gehabt. Sehr seltsamerweise sind die Hängenden Gärten der Semiramis
bei dem doch recht zuverlässigen Herodot überhaupt nicht erwähnt.
Sollten sie (450 v. Chr.) seiner Aufmerksamkeit entgangen sein?
Sollte er sie gegenüber den großartigen Stadtmauern, die ihn so
sehr beeindruckten, nicht für erwähnenswert gehalten haben?
Gab es sie vielleicht gar nicht mehr?
Oder gab es sie noch nicht?
Jene Semiramis ist übrigens eine halbe Sagenfigur, die um 800 v. Chr.
gelebt hat.
Die Hängenden Gärten werden aber erst vier Jahrhunderte
später erwähnt. Ausdrücklich ist vermerkt, dieser Garten sei
nicht von Semiramis, vielmehr erst von einem späteren König angelegt
worden.
Nebukadnezar II. könnte es sehr wohl gewesen sein, wie Flavius
Josephus später berichtet hat, jedoch wurde keine Inschrift gefunden, die
ihm das nachrühmt.
Wie ist der Ort der Hängenden Gärten beschrieben?
Die älteste Quelle, das Werk "Persica".
Man habe das Wasser dafür, aus dem Fluß
geschöpft.
Strabon [5] schreibt "über dem Strom
gelegen", das Wasser sei "aus dem Euphrat hochgeschöpft"
worden.
Josephus [6] und andere sprechen vom
"Königspalast" bzw. von "oben auf der Burg".
Das stimmt überein, auch die Größenangaben der Klassiker
sind sich einig. Ein Viereck 120 auf 120 Meter. Koldeweys Kellergewölbe ist
einmal dafür zu klein und liegt zum andern nicht am oder über dem
Euphrat, vielmehr in der Nähe des Ischtar-Tors.
Im Norden der einstigen Weltstadt hat sich der Babil-Hügel erhalten,
der die Ebene um ca. 25 Meter überragt.
Dort war die Sommerresidenz des Königs, wo auch der Euphrat
vorbeifließt. Die Hängenden Gärten könnte man sich also da
denken, doch haben die Ausgrabungen an dieser Stelle keine Übereinstimmung
mit den alten Schilderungen erbracht. Also bleibt eigentlich nur die
Südburg Nebukadnezars, die unmittelbar am, das heißt über dem
Strom erbaut war.
Tatsächlich deuten zahlreiche Indizien darauf hin, daß die
Weltwunder-Gärten hier angelegt waren. Der Westabschluß der
Königsburg bildet eine Plattform über dem Euphrat und eben diese
Stelle paßt vorzüglich zu den Berichten, über die
Hängenden Gärten. Und was den Grundriß der Königsburg
anlangt, den die Archäologen recht genau festlegen konnten, so macht er die
Hängenden Gärten an dieser Stelle wirklich glaubhaft.
Die Gemächer der Königin führten nämlich auf eine
Gartenterrasse hinaus. Das könnte ein Übergang zu den Hängenden
Gärten gewesen sein.
Danach wären sie also ein stufenförmiger Terrassenbau am Hang
gewesen, eine blühende Riesentreppe, jede Treppenstufe ein
zurückgesetztes Stockwerk, gedeckt mit Blei, abgedichtet mit Pech, und
darüber Humus geschüttet. Ein Aufzug also, eine Art Paternoster,
schöpfte aus dem Fluß und bewässerte die Dachgarten-Treppe, ein
künstliches Paradies, eine vielbewunderte Oase, über die
Steinwüste der Weltstadt, dem von der Sonne bebrüteten Babylon,
hinausgehoben.
Der Olympische Zeus des
Phidias
Daß kolossale und berühmte Bauten, wenn auch in Jahrtausenden,
vom Erdboden gänzlich verschwinden können, ist schwer verstellbar.
Phidias, der bedeutendste Bildhauer des Altertums, hat das großartige
Bildnis des Zeus in Olympia geschaffen. Zahlreiche Schriftsteller haben es
ausführlich beschrieben. Der Ort, an dem es aufgestellt war, ist
zentimetergenau vermessen. Die Werkstatt des Phidias, neben dem Tempel des Zeus
eingerichtet, wurde ausgegraben.
Das Kultbild selbst, muß alle anderen an Größe und
Reichtum übertroffen haben, da man es zu den Sieben Weltwunder zählt.
Für griechische Begriffe wohl das herrlichste und ergreifenste aller
Weltsehenswürdigkeiten.
Eine 12 Meter 50 hohe Plastik aus Gold und Elfenbein, ist spurlos
verschwunden.
Wie es verloren ging, auf welche Art es zerstört wurde und wann, ist
unbekannt.
Entweder ist es um das Jahr 26 n. Chr., dann noch zu Olympia geschehen,
oder spätestens 50 Jahre später, 476 n. Chr. zu Byzanz, wohin der
Olympische Zeus, wie behauptet wurde, verschleppt worden sei. Durch Brand
zerstört, heißt es. Der Tempel, in dem das Kultbild stand, ist in
Olympia, in der Landschaft Elis auf dem westlichem Peloponnes zu besichtigen.
Ein paar Stufen sind da, die Basis des Tempels, mächtige Säulenrollen.
Der Durchmesser dieser Rollen beträgt 2,30 Meter! Sie geben eine
Vorstellung von der Größe, der Wucht dieses Heiligtums.
An den Überresten des Zeustempels hat man Olympia vor rund 250 Jahren,
l766 genau, wiedererkannt. Olympia war vom Erdboden verschwunden. Sogar der Name
des Orts war verloren.
Olympia, der verwüstete und verlassene Ort, lag unter einer bis zu 5
Meter hohen, von Überschwemmungen zurückgebliebenen Geröll und
Sandschicht begraben. Der mächtige Zeus-Tempel ragte, wie ein gestrandetes
Schiff heraus.
Die Geschichte der Heiligen Statue Olympia reicht weit, bis in das 3.
Jahrtausend v. Chr. zurück Die Tradition war mehr als 3000 Jahre lang
lebendig. Schon in der Mitte des 1. Jahrhunderts wurden die Olympiaden
aufgezeichnet. Zum einfachen Stadionlauf des Anfangs kam im späteren 8.
Jahrhundert v. Chr. der Langlauf und ab 708 v. Chr. ein Wettkampf hinzu, dieser
umfaßte Springen, Laufen, Ringen, Diskus und Sperrwerfen. Der Faustkampf
wurde 688 v. Chr. eingeführt, das Wagenrennen 680 v. Chr. Seit 632 v. Chr.
nahmen die Knaben am Laufen und Ringen teil.
Als die Griechen Anfang des 5. Jahrhunderts v. Chr. die Persergefahr
glücklich abgewendet hatten, wurde dem Zeus zum Dank in Olympia ein
mächtiger Tempel errichtet. Über 27 Meter breit, 64 Meter lang und 20
Meter hoch.
Dieser Tempel wurde gleichsam als das Nationalheiligtum der Griechen
angesehen.
Mit den Bauarbeiten des Tempels des Zeus wurde 470 v. Chr. begonnen, 456 v.
Chr. waren sie beendet. Um 430 v. Chr. wurde dann Phidias eingeladen, für
diesen heiligsten Tempel der Griechen das Kultbild des Gottes zu schaffen, jenes
Kultbild, das später unter die Sieben Weltwunder eingereiht worden ist. Die
ausgegrabene Werkstatt des Phidias in Olympia entspricht dem Zeus-Tempel in den
inneren Abmessungen sehr genau.
Es kann als sicher gelten, daß das Zeus-Bild in der Werkstatt
geschaffen und dann erst in den Tempel gebracht worden ist.
Es muß wohl von vornherein zerlegbar gewesen sein, damit es bewegt
werden konnte. Das wurde auch den behaupteten späteren Abtransport nach
Konstantinopel erleichtert haben.
Die Maße der thronenden Zeus-Gestalt waren aus den Resten des Sockels
und den Abmessungen des Tempels ziemlich genau zu berechnen. Für den
sitzenden Zeus standen 12 bis 13 Meter Höhe zur Verfügung, dies stimmt
mit den zeitgenössischen Schilderungen überein.
Der Prunkthron war aus Ebenholz und Elfenbein, das sogar mit Gold und
Edelsteinen besetzt war. Zwei goldene Löwen bildeten den Fußschemel,
goldene Sphinxe die Armlehnen des 10 Meter hohen Throns.
Der Kopf des Zeus soll die Rückenlehne um viereinhalb Meter
überragt haben.
Der Kern des Götterbilds bestand aus Zypressen und Edelholz, Gesicht,
Arme Hände und Füße waren in Elfenbein modelliert, die
Bekleidung des Gottes aus Gold, übrigens auch sein Haar. Mit der Linken
hielt Zeus ein kostbares Zepter. In seiner rechten Handfläche stand eine
Pike, den Gott mit der Siegerbinde zu schmücken. Wie schon gesagt, es ist
unbekannt wann und wie das Kultbild umkam. Sein Ende kündete auch das Ende
der Olympischen Spiele des Altertums an. 394 n. Chr. schaffte Theodosius I die
Wettkämpfe und den heidnischen Gottesdienst zu Olympia ab. Um 10 n. Chr.
befahl Theodosius II den Zeus-Tempel in Brand zu stecken. Die Säulen, die
stehengeblieben waren, wurden von Erdbeben 522 und 551 n. Chr. gestürzt.
Phidias allein, kein anderer Bildhauer in der Geschichte, kann den Ruhm
für sich in Anspruch nehmen, ein Weltwunder geschaffen zu haben.
Das Mausoleum von
Halikarnassos
Das sechste Weltwunder, das Grabmal des karischen Königs Maussollos zu
Halikarnassos lag südlich von Ephesus, an der Südwestecke Kleinasiens.
Karien war ein Kleinstaat.
Maussollos war ein Freund der griechischen Kultur, ein Verehrer der
griechischen Philosophen. Er faßte einen Gedanken, der uns heute
schicksalsergeben und anmaßend zugleich erscheinen muß.
Die größten Künstler seiner Zeit sollten ihm ein Grabmal
bauen, das seinen Namen über viele Jahrhunderte hinweg verkünden
würde, nicht als Feldherr oder Dichter, sondern als Bauherr und König.
Ein griechischer Grabtempel sollte es sein.
Diesen großartigen Traum muß König Maussollos von Jugend
auf geträumt haben. als er dem Vater auf den Thron von Karien nachgefolgt
war, ging er unverzüglich daran, diesen seinen Plan zu verwirklichen.
Der junge König von Karien erkannte die Abgelegenheit seiner
Geburtsstadt, der Residenz Tlylase im Innern des Landes. Er verlegte die
Regierung nach Halikarnassos ans Meer.
Die Architekten und Bildhauer Saturos und Pytheos wurden als Schöpfer
ausgezeichnet, sie bekamen den Auftrag.
Der Gedächtnistempel des Maussollos soll einen traumhaft leichten
Eindruck gemacht haben, er sei über dem hohen massigen Sockel
geschwebt. Zunächst der Ort. Man hat die Baugrube im Felsboden
ausgeschachtet gefunden, ein Rechteck von rund 40 Meter Länge und 33 Meter
Breite. Zahlreiche Werkstücke und Teile der Plastiken, die den Grabtempel
einmal geschmückt haben, kamen ans Licht.
Erdbeben waren es, die das Weltwunder-Grabmal zum Einsturz gebracht haben.
Vom 13. Jahrhundert an ist Halikarnassos mehrmals erschüttert worden.
Zwei Jahrhunderte später begannen die Johanniter sich auf die Verteidigung
des Ortes einzurichten. Aus den gestürzten Säulen drehten sie
Steinkugeln für die Schleuderanlagen. Die Johanniter sind, beim Bau ihrer
Befestigungen nicht wählerisch gewesen, zahlreiche antike Tempel wurden als
Steinbrüche so abgebaut, daß sie der Verteidigung dienten.
Der deutsche Archäologe Fritz Krischen hat in den 20er Jahren unseres
Jahrhunderts zu rekonstruieren versucht, wie der Weltwunderbau wohl ausgesehen
haben muß. Danach erhob sich aus der in den Felsen gemeißelten 40
mal 33 Meter großen Grube ein stufenförmiger Basisbau.
Auf diesem Stufenblock war sodann ein mächtiger Prismenklotz
aufgemauert. Der eigentliche Grab-Tempel thronte 22 Meter hoch über dem
Felsengrund.
Den Kern des Heiligtums, die Cella, umgaben 40 Säulen.
Das Dach über dem 13 Meter hohen Steingebälk war zu einer
24stufigen flachen Pyramide geschichtet. Sie lief nicht in einer Spitze
zusammen, sie gipfelte, 9 Meter hoch über dem Steingebälk, in einer
Plattform, darauf wurde eine 5 Meter hohe Quadriga aus Marmor gestellt.
Der König lenkt das Vierergespann vom einachsigen Streitwagen aus.
Als Sohn des Helios fährt er im Sonnenwagen zum Himmel auf.
Zählt man die von Krischen errechneten Höhen zusammen, kommt man
auf eine Gesamthöhe von 49 Metern. Minius hat 140 ionische Fuß
dafür angegeben, das sind 49 Meter.
Es stimmt also genau überein.
Wie der Grabtempel innen ausgestattet war, darüber ist
zuverlässig nichts berichtet.
Maussollos hat die Fertigstellung seines Grabmals nicht erlebt. Seine
Regierung währte nur 24 Jahre. Artemisia, die Schwestergemahlin, ließ
den Bau, der das Andenken des angebeteten Bruders und Gemahls durch die Zeiten
erhalten sollte, fortführen. Zwei Lebensjahre waren ihr noch gegeben. Die
beteiligten Künstler sahen es als Ehrenpflicht ihren Auftrag zu Ende zu
führen. Auf Betreiben Alexanders des Großen wurde der Prachtbau
schließlich vollendet.
In Lukians Totengesprächen [7]
heißt es darüber:
"Kein anderes kommt ihm gleich, weder an Größe noch an
Schönheit. Es prangt mit den vollendetsten Kunstwerken, den Bildern von
Mensch und Pferden aus schönstem Marmor."
Pausanias war es, der betonte, die Römer hätten das Grabmal des
Maussollos so sehr bewundert, daß sie von da an alle großen
Grabmäler Mausoleen nannten. Ein monumentales Denkmal über einer Gruft
wird noch heute als Mausoleum bezeichnet. Das sechsälteste der Sieben
Weltwunder ist, obschon längst vergangen, als Name und Begriff
existent.
Der Artemis-Tempel von
Ephesus
Als sieh vor rund 3000 Jahren die Griechen an der Westküste
Anatoliens, in der heutigen Türkei, festsetzten fanden sie in den
Heiligtümern der einheimischen Bevölkerung eine uralte Göttin der
Fruchtbarkeit, die Große Mutter Kleinasiens vor. Man hat zahlreiche Bilder
dieser Göttin ausgegraben. Sie trägt einen engen Rock, der mit
Tiergestalten besetzt ist, eine hohe Kopfbedeckung, die eine entfernte
Ähnlichkeit mit der Tiara des Papstes hat.
Die Griechen haben die fremdartige Fruchtbarkeitsgöttin
übernommen und umbenannt. Sie machten die Große Mutter Kleinasiens zu
der ihnen vertrauten Artemis.
Artemis, die Göttin der Jagd, beschützte nicht nur die in der
Wildnis lebenden Tiere, auch die gebärenden Mütter und ihre
Säuglinge. Die kleinasiatische "Artemis" erschien eben nicht als
leichtgeschürzte Jägerin mit Pfeil und Bogen, vielmehr als geheimnis-
und hoheitsvolle Nährmutter der Natur. Der marmorne Artemis-Tempel zu
Ephesus wurde als "die vornehmste, größte und schönste
Weihestätte des Erdkreises" bezeichnet. Nach der Eroberung der Stadt
bot der Lyder-König sofort an, den beschädigten Tempel schöner
und größer wiederherzustellen und die dazu nötigen Säulen
zu stiften.
König Krösus legte großen Wert darauf, gerade bei den
Griechen angesehen zu sein.
Krösus wurde von dem Perserkönig Kyros 546 v. Chr. besiegt.
Derselbe Kyros nahm sieben Jahre später Babylon kampflos ein.
Die Perser hatten nichts dagegen, daß am Artemis-Tempel zu Ephesus
weitergebaut wurde. Die Arbeiten an dem damals größten griechischen
Tempel haben rund 120 Jahre gedauert. Eine doppelte Säulenreihe umgab die
Cella, 107 Marmorsäulen von 18 Meter Höhe, ein Säulenwald. Die
Decken und der Dachstuhl des Tempels waren aus Zedernholz, den berühmten
Zedern des Libanon, die Engeltüren aus poliertem Zypressenholz. Die
glänzenden Marmorböden spiegelten den Goldschmuck der Wände. Das
Haus war von leuchtenden Farben erfüllt.
Niemand konnte voraussehen, daß nicht Naturgewalt und nicht die Furie
des Krieges, daß ein Verbrechen das Heiligtum zerstören würde,
ein Verbrechen, das sich, wie vom Verbrecher geplant, dem Gedächtnis der
Nachwelt einprägen würde. 356 v. Chr. brannte der Tempel
lichterloh.
Ein Psychopath namens Herostrat, der an krankhafter Geltungssucht litt,
hatte das Gotteshaus angezündet, aus dem einzigen Wunsch heraus, mit dieser
Wahnsinnstat von sich reden zu machen. Die Epheser haben bei Todesstrafe
verboten, den Namen des Brandstifters jemals auch nur zu nennen. Der
halbverrückte Frevler hat sein Ziel dennoch erreicht. Noch heute wird
Zerstörung aus Geltungssucht als eine "Herostratentat"
bezeichnet.
Die Göttin, so hieß es, habe bei der Geburt Alexanders des
Großen in Pella der mazedonischen Königsresidenz bei Tessaloniki,
heilend eingreifen müssen. In der Nacht, in der der Artemis-Tempel bis auf
die Grundmauern niederbrannte, soll Alexander der Große geboren sein. Aus
dem Schutt heraus sollte der Tempel wiedererstehen, am gleichen Ort, in gleicher
Größe und Pracht, womöglich noch schöner, noch
großartiger.
22jährig stand Alexander der Große vor dem neuen, damals noch
lange nicht fertigen Artemis-Tempel, der später als eines der Sieben
Weltwunder bezeichnet wurde. Er nahm, gleichsam unter den Augen der Artemis,
eine Truppenparade ab, so wie Napoleon vor den Pyramiden tat. Er bot den
Ephesern an, den Weiterbau zu finanzieren. Sie lehnten vorsichtig ab. Der Tempel
der Artemis zu Ephesus war viermal größer als das Parthenon zu Athen.
Er war das größte Heiligtum im griechischen Raum. Seine Ausstattung
war die allerkostbarste, bestand aus Marmor und Gold. Praxiteles soll am Schmuck
mitgearbeitet haben. Von 133 n. Chr. an ist Ephesus dem Imperium Romanum
eingegliedert. 263 n. Chr. überfallt eine Gotenschar die Stadt. Sie
plündert den Artemis-Tempel und steckt ihn in Brand. Vor hundert Jahren
erst stieß der englische Archäologe John Turtle Wood nach jahrelangem
Suchen in 6 Meter Tiefe auf die versunkenen Reste des Tempelfundaments. Von der
Herrlichkeit des fünften Weltwunders ist heute nichts mehr zu sehen.
Geblieben sind ein paar Säulenrollen in einem verschilften Tempel.
Der Koloß von
Rhodos
Erwägt man die Frage, welche Weltwunder unter den Sieben des Altertums
die Phantasie der Menschen bis auf den heutigen Tag am meisten beschäftigt
haben, wird man wohl immer auf zwei zurückkommen. Das älteste
Weltwunder, die 4500 Jahre alten Großen Pyramiden Ägyptens und das
jüngste und letzte, der Koloß von Rhodos, der ungefähr halb so
alt ist.
Eine möglichst originalgetreue Nachbildung soll es sein, die freilich
nicht mehr aus schwerem Erz, vielmehr aus Aluminium, dem leichten Metall unseres
Jahrhunderts, gegossen würde. Eine Hollywood-Idee, das monumentale Werk von
Filmarchitekten! Daß der neue Koloß dem Winddruck zu widerstehen
vermöchte, wird versichert. Auch mache es für das Auge keinen
Unterschied, ob Erz oder eloxiertes Aluminium. Man habe ja auch die Kuppel des
ehrwürdigen Felsendoms zu Jerusalem damit gedeckt und den Seidenglanz der
alten Vergoldung von einst mit modernen Mitteln recht gut getroffen.
Man weiß nicht, wo der Koloß von Rhodos wirklich stand. Auch
kann trotz zahlreicher Schilderungen niemand sagen, wie er ausgesehen hat.
Sicher aber ist es, daß er anders aussah, als er heute allgemein
dargestellt wird. Der Koloß von Rhodos stand keineswegs in der
herausfordernden und großartigen Pose breitbeinig über der
Hafeneinfahrt von Rhodos, so, daß ein- und auslaufende Schiffe unter ihm
durchfahren mußten. Schon vor 2200 Jahren ist der Koloß
umgestürzt, die Bruchstücke lagen dann rund 900 Jahre lang zur freien
Besichtigung da.
Wen stellte das Weltwunder überhaupt dar?
Zur Beantwortung dieser Frage muß man die griechische Sagenwelt
bemühen. Danach verdankt Rhodos, die rund 20 km von der türkischen
Küste entfernte Insel, ihr Dasein einem verspäteten
Schöpfungsakt. Zeus hatte die Erde an die Götter verteilt, der
Sonnengott Helios war dabei leer ausgegangen. Helios, der sein strahlendes
Gespann jeden Tag über den Himmel lenkte, war unabkömmlich gewesen. So
hatte man ihn vergessen. Er reklamierte und verlangte entschädigt zu
werden. Aus großer Höhe, so erklärte er Zeus, habe er tief unter
dem Wasser eine herrliche Insel vorgezeichnet gesehen. Wenn Zeus sie an die
Meeresoberfläche heraufholen und ihm zuteilen wolle, würde er, Helios,
sich damit zufriedengeben.
Zeus vollbrachte das und Helios übernahm die nachgeborene Insel als
Eigentum. Der wachsende Wohlstand rief im Jahr 305 v. Chr. einen
kleinasiatischen Diadochen auf den Plan, Demetrius Poliorketes, den
gefürchteten Städteeroberer, der bereits Zypern geplündert hatte.
Ihrem Gott Helios gelobten sie, wenn er sie schütze, ein riesiges
Standbild zu errichten.
Der Koloß hatte eine Höhe von 80 Ellen, das sind ca. 35 Meter
Höhe. Die Freiheitsstatue vor dem New Yorker Hafen, die dem Koloß von
Rhodos nachempfunden sein durfte, mit 46 Meter. Über die Haltung der Arme
und Beine ist in den antiken Schilderungen nichts gesagt.
Es ist übrigens auch nicht von zwei Sockeln die Rede, nur von einem.
Sind die effektvoll gespreizten Beine somit ein reines Phantasieprodukt aus dem
16. Jahrhundert n. Chr., der beginnenden Neuzeit?
Anzunehmen ist, daß der Weltwunder-Koloß als riesenhaftes
Weihegeschenk auf einem erhöhten Punkt über der Stadt stand, um so
schon von weitem, vom Meer her sichtbar zu sein. Nur 66 Jahre nach seiner
Fertigstellung, 224 v. Chr. stürzte ein Erdbeben den Koloß um.
In 12 Jahren sei der Koloß fertiggestellt worden. Er habe 300 Talente
gekostet. Das wären heute an die 15 Millionen Schilling.
Auch diese Schilderungen sprechen dafür, daß der Koloß an
bevorzugter Stelle, auf einer Höhe über der Stadt, vielleicht auf dem
höchsten Punkt, nicht aber über der Hafeneinfahrt gestanden hat. Ein
knappes Jahrtausend ist der gefällte Riese an Ort und Stelle
liegengeblieben. Dann erst, nach der Eroberung der Insel durch die Araber 653 m
Chr. war sein endgültiges Ende gekommen. Die stehengebliebenen Reste wurden
vorn Sockel gerissen, die Erzmasse in 900 Teile zerlegt, auf Kamele geladen und
zum Einschmelzen nach Syrien verschickt.
Der Koloß hätte wohl ins Wasser stürzen müssen. Die
Trümmer hätten die ein- und auslaufenden Schiffe gefährdet. Auch
hätten die arabischen Schrotthändler dann kaum Kamele bemühen
müssen, um das Erz zum Hafen zu bringen. Noch ein Indiz, daß der
Koloß nicht über der Hafeneinfahrt gestanden hat.
Der Koloß von Rhodos war dreieinhalbmal so groß wie der Zeus
von Olympia, dabei weniger auf das Majestätische als auf das Riesenhafte
hin gestaltet. Die Vermutung liegt nahe, daß der Helioskopf auf den
rhodischen Münzen, der kraftvoll, sogar etwas grob erscheint, den Kopf des
Weltwunders wiedergibt.
Daß das Rätselhafte nirgendwo ganz gelöst werden konnte,
trägt mit zur Faszination bei, die der lange verschwundene Koloß von
Rhodos bis auf den heutigen Tag ausübt.
Das Ersatz-Weltwunder:
Der Pharos von
Alexandria
Wie von der ersten zur zweiten Weltwunder-Liste sich die Gewichte
verschoben haben, für die verfallenden Mauern der Weltstadt Babylon die
damals neueste Sehenswürdigkeit, der großartige Leuchtturm auf der
Insel Pharos vor Alexandria eintrat, das wurde bereits beschrieben.
Alexandria ist eine Gründung des großen Alexander, wohl das
würdigste und dauerhafteste Denkmal, das er der Nachwelt hinterlassen hat,
ein Denkmal, das seinen Namen trägt.
Alexandria sollte, das war der Wille des jungen Königs, die
glanzvollste Stadt der Hellenistischen Welt werden. Alexander hat die Umrisse
der Stadt, ihr Straßennetz und ihre Plätze, in den Sand des Nildeltas
skizziert.
Sein Leben verlief zu schnell, zu kometenhaft, als daß er hätte
verfolgen können, wie aus dem vom Wind und von der Flut rasch
gelöschten Entwurf die Realität einer Großstadt wurde. Diese
Realität war stark genug, um über zweieinhalb Jahrtausende hinweg zu
bestehen. Alexandria, der Welthafen unserer Zeit.
Er stand im Schatten der Pyramiden, er genoß die
Sehenswürdigkeiten von Babylon, er erbot sich, die Kosten für den
Wiederaufbau des Artemis-Tempels zu tragen, er betrieb die Fertigstellung des
Mausoleums zu Halikarnassos, er erwies dem Zeus des Phidias zu Olympia seine
Reverenz. Alexander der Große hat keine der Weltsehenswürdigkeiten
seiner Zeit ausgelassen. In pomphaftem Leichenzug, auf kostbar geschmücktem
Wagen sollte Alexander in seine Stadt an der Mündung des Nil
zurückkehren. Er wurde dort in einem gläsernen Sarg
beigesetzt.
Ptolemaios, ein General des Alexander, wurde nach dessen Tod König von
Ägypten. Er hat Alexander ein glanzvolles Grabmal errichten lassen. Es ist
verschollen. Man vermutet es unter der Moschee, nach der Eroberung Ägyptens
durch die Araber dem Propheten Daniel erbaut wurde.
Unter dem gleichen Ptolemaios wurde 299 v. Chr. auf einer kleinen, dem
Nildelta vorgelagerten
Insel, die durch einen Damm mit dem Festland verbunden war, der Bau des
berühmten Leuchtturms begonnen. Die Basis, von der aus der Turm sich erhob,
war ein Quadrat 30 auf 30 Meter. Das erste sich etwas verjüngende
Geschoß endete mit einem Umgang. Tritonen hielten nach den vier
Himmelsrichtungen hin Ausschau.
Zurückgesetzt strebte ein zweites Stockwerk empor, das hatte die Form
eines achteckigen Prismas. Darauf saß ein kleines zylindrisches drittes
Geschoß. Es war gekrönt von einer Bronzestatue des
vergöttlichten Königs Patolemaios I. Man hat die Höhe des sehr
schlank erscheinenden Turms auf 113 Meter errechnet. Er galt als ein technisches
Wunder, ein Meisterwerk der Baukunst. Der großartigste Blickpunkt im
östlichen Mittelmeer, strahlend genug, die Riesenmauern von Babylon
auszustechen. Der Turm sollte den Seglern bei Tag und Nacht als Richtpunkt
dienen. Die Hafenmole hatte sich vor der flachen Künste Ägyptens kaum
abgehoben, sie war nunmehr leichter zu finden. Der Leuchtturm von Alexandria
überdauerte die Dynastie der Patolemäer, die rund 300 Jahre lang
blühte und mit Kleopatra endete.
Der Pharos von Alexandria stand, als das Römische Weltreich bereits
verfallen war, noch immer. Im 14. Jahrhundert nach Christus erst füllte ein
Erdbeben den Leuchtturm. Heute ist nichts mehr von ihm erhalten.
Q U E L L E N N A C H W E I
S
BÜCHER
|
Verlag
Reader´s Digest
Herder
Moewig
Bertelsmann
Lexikothek
|
Titel
Die sieben Weltwunder
Großer Weltatlas
Rätselhafte
Vergangenheit
Die großen Rätsel unserer
Welt
Auf den Spuren großer
Kulturen
|
Autor
Ernst von Khuon
Naumann & Göbel
?
Roland Gööck
Kurt Benesch
|
Erschg.jahr
1969
1990
1993
1969
1979
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[1] Jean Cocteau, Die sieben Weltwunder,
Seite 13
[2] Nebukadnezar, Die sieben Weltwunder,
Seite 19
[3] Koldewey, Auf den Spuren großer
Kulturen, Seite 34
[4] Juvenal, Rätselhafte Vergangenheit,
Seite 18
[5] Strabon, Auf den Spuren großer
Kulturen, Seite 59
[6] Josephus, Auf den Spuren großer
Kulturen, Seite 59
[7] Lukians, Die sieben Weltwunder, Seite
68
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