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Franz Kafka - Sein Leben - Werke
Inhaltsverzeichnis
Seite
1 Das Elternhaus 2
1.2 Die Kindheit 3
2 Der Bildungsweg und Berufsweg 4
2.1 Das K.K. Staats-Gymnasium 4
2.2 Die Universitätsjahre 6
2.3 Die
Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt 8
3 Die Entstehung seiner wichtigsten Werke 9
3.1 „Die Söhne“ - Drei
Geschichten 11
3.1.1 „Das Urteil“ 11
3.1.2 „Der Heizer“ 12
3.1.3 „Die
Verwandlung“ 13
3.2 „Der
Proceß“ 15
4 Der Tod Franz Kafkas 16
5 Zeittafel 18
6 Literaturverzeichnis 20
7 Anmerkungen 20
8 Erstausgaben der
Einzelwerke 211 Das
Elternhaus
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Der Vater:
Herrmann Kafka (um 1883)
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Kafkas Vater Herrmann wurde 1852 in Wossek in Südböhmen, einem
winzigen Dorf von knapp hundert Einwohnern, geboren. Er stammte aus einfachsten
Verhältnissen. Sein Vater, Jakob Kafka, war Fleischhauer und heiratete
1849, als Fünfunddreißigjähriger, seine Nachbarin Franziska
Platowski. Jakob Kafka hatte sechs Kinder, zwei Töchter und vier
Söhne, die schon in jungen Jahren und frühmorgens, auch im Winter und
oft barfuß, die Fleischwaren mit einem Handkarren in die umliegenden
Dörfer bringen mußten. Die Lebensverhältnisse der Familie waren
äußerst bescheiden, die Schulbildung scheint jedoch, den
Verhältnissen entsprechend, überdurchschnittlich gewesen zu sein. In
Wosek existierte damals noch eine jüdische Schule, und hier hat wohl Kafkas
Vater (dessen Umgangssprache damals tschechisch war) deutsch lesen und schreiben
gelernt. Als Vierzehnjähriger verließ Herrmann Kafka Wossek und
versuchte als Wanderhändler sein Glück. Nach dem Militärdienst
siedelte er nach Prag über und gründete dort ein paar Jahre
später,
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mit einigen Mitteln seiner Braut, der vermögenderen Brauerstochter
Julie Löwy, ein Galanteriewarengeschäft.
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Julie Löwy wurde in Bad Podêbrad geboren. Ihr Großvater
war ein sehr jüdisch gebildeter Mann. Sie hatten ein ziemlich großes
Geschäft, welches sehr vernachlässigt wurde, da der Großvater
sich lieber mit dem Talmud beschäftigte. Julie Löwys Mutter war die
einzige Tochter des frommen Talmudisten. Sie starb mit 28 Jahren an
Tifus-Epedemie und hinterließ die drei Jahre alte Julie und ihre drei
Brüder. Ihr Vater hatte nach einem Jahr wieder geheiratet, aus dieser Ehe
stammen zwei Söhne, verkaufte das Haus und auch das Geschäft ihrer
Eltern und übersiedelte nach Prag. So wuchs Julie seit ihrem vierten
Lebensjahr nur unter der Obhut der Stiefmutter und des Vaters auf.
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Die Mutter:
Julie, geb. Löwy
(um 1883)
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Empfindlichkeit, Gerechtigkeitsgefühl, Unruhe
1 - so charakterisierte Kafka das Löwysche
Erbteil. Einige dieser Eigenschaften waren auch in Kafka stark ausgeprägt,
besonders die schüchterne, beinahe übermäßig
ängstliche Bescheidenheit, die Scheu und eine gewisse Kontaktarmut. Der
Kafkasche Lebens-, Geschäfts- und Eroberungswillen
2 war hingegen nicht auf Kafka
übergegangen.
Hermann Kafka vergaß seine schwere Jugend nie, hielt sie
beständig seinen Kindern vor Augen und akzeptierte lediglich die
gesellschaftliche Anerkennung als erstrebenswertes Ziel. Die gesellschaftliche
Anerkennung war in der altösterreichischen Provinzhauptstadt nur auf dem
Umweg über die schmale deutsche Oberschicht zu erlangen. Der deutlichste
Hinweis für die entschlossenen Anschlußversuche an die deutsche
Gesellschaft ist die Schulbildung der Kinder - sämtliche Kinder der Familie
Kafkas besuchte ausschließlich deutsche Schulen.
1.2 Die Kindheit
Am 3. Juli 1883 wurde Franz Kafka in einem Haus in der Altstadt Prags
geboren. Während seines ganzen Lebens - mit Ausnahme der letzten
Lebenszeit, als ihn die Krankheit zwang, Sanatorien aufzusuchen - hat Kafka
diesen innersten Bezirk der Prager Altstadt nur selten verlassen. Der Kleine
Ring und die Gassen, die vom Wohnhaus Kafkas ausgingen, die
„Durchhäuser“ mit ihren engen Innenhöfen, an denen sich
offene Balkons, „Pawlatschen“, entlangzogen - sie waren der
Spielplatz des Kindes Kafka. Vom Haus Minutà aus führte auch, im
Herbst 1889, der erste Schulweg in die Deutsche Knabenschule am Fleischmarkt.
Die Kindheitseindrücke waren dreißig Jahre später noch so stark,
das er sie niederschrieb:
Unsere Köchin, eine kleine trockene, magere, .... führte mich
jeden Morgen in die Schule. Da ging es also zuerst über den Ring, dann in
die Teingasse, dann durch eine Art Torwölbung in die Fleischmarktgasse
hinunter. Und nun wiederholte sich jeden Morgen das Gleiche wohl ein Jahr lang.
Beim Aus-dem-Haus-treten sagte die Köchin, sie werde dem Lehrer
erzählen, wie unartig ich zu hause gewesen bin. Nun war ich wahrscheinlich
nicht sehr unartig, aber doch trotzig, nichtsnutzig, traurig, böse und es
hätte sich daraus wahrscheinlich immer etwas Hübsches für den
Lehrer zusammenstellen lassen..... Nun war ja die Schule schon an und für
sich ein Schrecken und jetzt wollte es mir die Köchin noch so erschweren.
Ich fing an zu bitten, sie schüttelte den Kopf, je mehr ich bat, desto
wertvoller erschien mit das, um was ich bat, desto größer die Gefahr,
ich blieb stehn und bat um Verzeihung, sie zog mich fort, ich drohte ihr mit der
Vergeltung durch die Eltern, sie lachte, hier war sie allmächtig .... , es
schlug acht von der Jakobskirche, man hörte die Schulglocken, andere Kinder
fingen zu laufen an, vor dem Zuspätkommen hatte ich immer die
größte Angst ... nun: sie sagte es nicht, niemals, aber immer hatte
sie die Möglichkeit und sogar eine scheinbar steigende Möglichkeit
(gestern habe ich es nicht gesagt, aber heute werde ich es ganz bestimmt sagen)
und die ließ sie niemals los. 3
Die Gründe für diese Ängstlichkeit und totenaugenhafte
Ernsthaftigkeit des Kindes lagen in der elterlichen Erziehung, soweit man davon
überhaupt sprechen kann. Erziehungsskrupel hegte man damals ganz allgemein
nicht und schon gar nicht in Kafkas Elternhaus. Das Kind wuchs unter der Obhut
von Köchinnen, Ammen und Dienstmädchen auf. Die Eltern sah Kafka
selten: Der Vater hatte in seinem ständig vergrößernden
Geschäft ein polterndes Domizil aufgeschlagen, und die Mutter mußte
stets um ihn sein, als Hilfe und als Ausgleich gegenüber den Angestellten,
die dem Vater als Vieh, Hunde und bezahlte Feinde
4 galten. Die Erziehung beschränkte sich auf
die Anwesenheit bei Tisch und Befehle, denn auch abends mußte die Mutter
dem Vater stets Gesellschaft leisten beim gewöhnlichen Kartenspiel mit
Ausrufen, Lachen und Streit. Pfeifen nicht zu vergessen. 5
In dieser dumpfen, giftreichen, kinderauszehrenden Luft des schön
eingerichteten Familienzimmers 6 wuchs das Kind
auf, die knappen Befehle des Vaters blieben ihm unbegreiflich und
rätselhaft und es wurde schließlich so unsicher aller Dinge,
daß ich tatsächlich nur das besaß, was ich schon in den
Händen oder im Mund hielt oder was wenigstens auf dem Wege dorthin war.
7 Zu dieser Unsicherheit trug besonders die
Richtung der väterlichen Erziehung bei, die Kafka im Brief an den Vater
bezeichnet: Du kannst ein Kind nur so behandeln, wie Du eben selbst
geschaffen bist, mit Kraft, Lärm und Jähzorn, und in diesem Falle
schien Dir das auch noch überdies deshalb sehr gut geeignet, weil Du einen
kräftigen mutigen Jungen in mir aufziehen wolltest. 8
Aufwachsend in einem meinungslosen Elternhaus, unter rätselhaften
Gesetzen und in einer unverständlichen Umwelt, blieb dem Kind nur der
Abschluß nach außen: Ich blieb mit meinem Denken bei den
gegenwärtigen Dingen und ihren gegenwärtigen Zuständen.
9
2 Der Bildungsweg und
Berufsweg
Die Vereinsamung Kafkas, das rätselhafte Sichabschließen
innerhalb einer Umgebung wie Prag, die
„Anschlußmöglichkeiten“ nach allen Seiten bot, wurde
primär durch die pragmatische und abstrakte Erziehung verursacht. Das kann
nur bedingt als Vorwurf gegen das Elternhaus gewertet werden, dann gerade dieses
Kind hätte ein Einfühlungsvermögen verlangt, für das nicht
nur dem Vater Zeit und erzieherische Anlagen fehlten, sondern für das auch
die damalige Gesellschaft kein Verständnis besaß.
2.1 Das K.K. Staats-Gymnasium
Ein Musterbeispiel ist dafür das altösterreichische humanistische
Gymnasium, dem der Zehnjährige überantwortet wurde. Kafkas Gymnasium
war im Kinsky-Palais untergebracht, einem Barockbau am Altstädter Ring,
wenige Schritte von der Wohnung der Familie entfernt. Kafkas Vater hatte diesmal
zielbewußt gewählt: Nicht nur wiederum eine deutsche Schule, sondern
auch das humanistische Gymnasium, aus dem die Monarchie ihren Beamtenbedarf zu
rekrutieren pflegte.
Die äußere Würde des Baues am Altstädter Ring war ein
treffender Ausdruck des Geistes, der die Anstalt beherrschte. Jahrzehntealte k.
k. Schulvorschriften machten einen Kontakt zwischen Lehrer und Schüler
beinahe unmöglich, forderten Respekt und förderten einen sinnlosen
Paukbetrieb, dem persönliche Interessen des Schülers gleichgültig
waren. Die Anstalt pflegte am Jahresende einen gedruckten „Bericht“
herauszugeben, und in einem dieser Berichte schreibt Kafkas Klassenordinarius
(den damaligen Maßstäben nach eher ein liberaler Pädagoge) vom
vorgeschriebenen „Arbeitskalender, der für das ganze Jahr bestimmt
ist“, erläutert „Collectaneenhefte für grammatikalische
Mustersätze“ und erklärt am Schluß, daß dies sich
natürlich besonders gegen Schüler richte, „welche die Kunst des
Fabulierens von Haus aus mitbringen“.
In der Bildungsmaschine, durch die Kafka acht Jahre getrieben wurde,
widmete sich fast die Hälfte der Unterrichtsstunden den beiden klassischen
Sprachen. Es hieß, man werde durch das Studium des Lateinischen und des
Griechischen in den Geist der antiken Welt eingeführt. Und auch moderne
Bildung sei ohne diesen Geist nicht zu erwerben. Kafka ist der antike Geist
fremd geblieben. Höchst selten findet sich in seinen Tagebüchern und
Briefen auch nur der Name eines antiken Autors. Das gehäkelte
Geschichtsbild konnte von den Schülern nicht mit gegenwärtigen
sozialen und politischen Gegebenheiten verglichen werden.
Dies wurde allerdings zu einer der Voraussetzungen der „Kritik“
Kafkas: Weil die Möglichkeit eines Vergleichs nicht bestand, hat er die
Gesellschaft seiner Zeit zwar abstrakter, aber mit um so unerbitterlicherer
Schärfe gesehen. Der Deutschunterricht war fast wertlos, er zielte
ausschließlich auf ein zitierbares Lehrbuchwissen ab.
Der Religionsunterricht war anders aufgebaut, führte aber zu
ähnlichen Ergebnissen. Das Glaubensmaterial, das Kafka überliefert
wurde, war denkbar gering. Schon die Bar-Mizwah im dreizehnten Lebensjahr
bedeutete Kafka nicht mehr als ein lächerliches Auswendiglernen
10, da er kaum Kenntnisse im Hebräischen
hatte (erst fünfundzwanzig Jahre später begann er ein gründliches
Studium).
In den letzten Gymnasialjahren wurde Kafkas Ablehnung alles Religiösen
noch stärker: Ich habe in der Erinnerung, daß ich in den
Gymnasialzeiten öfters .... mit Bergmann - einem Mitschüler - in einer
entweder innerlich vorgefundenen oder ihm nachgeahmten talmudischen Weise
über Gott und seine Möglichkeit disputierte. Ich knüpfte damals
gern an das in einer christlichen Zeitschrift gefundene Thema an, in welchem
eine Uhr und die Welt und er Uhrmacher und Gott einander gegenübergestellt
waren und die Existenz des Uhrmachers jene Gottes beweisen sollte. Das konnte
ich meiner Meinung nach sehr gut Bergmann gegenüber widerlegen ....
11
Die Unsicherheit Kafkas äußerte sich in unauffälliger
Kleidung und scheuer Distanz. Ein Klassenkamerad berichtet
darüber:
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„Wenn ich von Kafka etwas Charakteristisches sagen soll, dann ist es
das, daß an ihm nichts Auffälliges war. Er war immer rein und
ordentlich, unauffällig und solid, aber niemals elegant gekleidet. Die
Schule war für ihn immer etwas, was ihn im Innersten nicht sehr
berührte, was aber ordentlich gemacht werden mußte. Wir hatten ihn
alle sehr gern und schätzten ihn, aber niemals konnten wir mit ihm ganz
intim werden, immer umgab ihn irgendwie eine gläserne Wand. Mit seinem
stillen, liebens-würdigen Lächeln öffnete er sich die Welt, aber
er verschloß sich vor ihr. Von meinen anderen Mitschülern könnte
ich viel mehr sagen, weil sie als Freunde mitteilsam waren. Was mir im
Gedächtnis haftengeblieben ist, ist das Bild eines schlanken,
hochgewachsenen, jungenhaften Menschen, der so still aussah, der gut war und
liebenswürdig, der freimütig jedes Andere anerkannte und doch immer
irgendwie entfernt und fremd blieb.“
12
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Der Gymnasiast
nach 1896
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Die Entwicklung bis zur endgültigen Abkapselung beginnt hier, sie
endet schon ein Dutzend Jahre später. Das letzte Lebensjahrzehnt, in dem
die entscheidenden Werke entstehen, ist nur noch durch die fortwährenden
vergeblichen Ausbruchsversuche aus der bereits fixierten Grundsituation
gekennzeichnet.
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Der Abiturient
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Am Beginn dieser Entwicklung, bis zu jener Tagebucheintragung (1913) vom
Wunsch nach besinnungsloser Einsamkeit steht
die Erkenntnis des Kindes, daß Schule wie Elternhaus die
Eigentümlichkeit nicht dulden oder zumindest, wie es an anderer Stelle
heißt, daß meine Erziehung einen anderen Menschen aus mir machen
wollte als den, der ich geworden bin. Die verborgene Gemeinschaftssehnsucht
des Abiturienten äußerte sich in dem Wunsch nach Freundschaft,
allerdings mit einer derartigen Radikalität erhofft, daß eine
Erfüllung unwahrscheinlich bleiben mußte. Die Freundschaft sollte den
schon beträchtlich gestörten Kontakt nach außen vermitteln.
Diese Aufgabe fiel in der letzten Gymnasialzeit und den beiden ersten
Universitätsjahren Oskar Pollak zu, dem Reifsten der Klasse, von
ausgesprochen entschiedenem Charakter, temperamentvoll, mit einem seinem Alter
weit vorauseilenden kunsthistorischen und naturwissenschaftlichen
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Interesse. Pollak war in der Freundschaft zweifellos der Führende.
Kafka gab ihm sogar Manuskripte zur Beurteilung - in späteren Jahren las er
höchstens Eigenes vor und forderte nie ein Urteil. In der
Universitätszeit, als Pollak sich schon von ihm zu lösen begann,
schreibt Kafka an ihn: Unter allen den jungen Leuten habe ich eigentlich nur
mit Dir gesprochen, und wenn ich schon mit andern sprach, so war es nur nebenbei
oder Deinetwegen oder durch Dich oder in Beziehung auf Dich. Du warst, neben
vielem anderen, auch etwas wie ein Fenster für mich, durch das ich auf die
Gassen sehen konnte. Allein konnte ich das nicht .... 13
Unter dieser Konstellation hat zweifellos die Freundschaft gelitten, es
wird nur irgendein Arm gesucht.
2.2 Die
Universitätsjahre
Im Juli 1901 legte Kafka das Abitur ab und fährt für einige
Wochen nach Norderney und Helgoland. Die Freiheit nach der Entlassung aus dem
trostlosen Zwang des Gymnasiums gedachte er immerhin zu nutzen. Er beginnt
vorerst, mit Oskar Pollak (und sicher unter seinem Einfluß) Chemie zu
studieren, tritt aber bereits nach vierzehn Tagen in die
„erwünschte“ juristische Fakultät über. Die ledernen
Vorlesungen über das „Institut des römischen Rechts“, an
denen er teilzunehmen hatte, konnte sein Interesse allerdings nicht wecken, und
so wechselte Kafka im Sommer wiederum die Studienrichtung und hört
Kunstgeschichte und besonders Germanistik bei August Sauer. August Sauer spielte
damals eine führende Rolle im Nationalitätenhader. Er war der
Initiator der Literaturgeschichte seines Schülers Josef Nadler und schon
damals ein strikter Verfechter der Theorie von der Stammes- und
Landschaftsgebundenheit der Literatur. Diese Ansichten waren Kafka fremd, und
dementsprechend finden sich in den Briefen jener Zeit an Oskar Pollak auch
scharfe Angriffe gegen August Sauer. Jedenfalls wollte Kafka Germanistik nicht
mehr in Prag weiterstudieren. Der Vater weigerte sich aber ein Studium in
München zu finanzieren und so nahm er im Wintersemester wiederum das
juristische Studium auf. Es erlaubte Gleichgültigkeit und verlangte
lediglich, wie Kafka schreibt, daß ich mich in den paar Monaten vor den
Prüfungen unter reichlicher Mitnahme der Nerven geistig förmlich von
Holzmehl nährte, das mir überdies schon von tausend Mäulern
vorgekaut war. 14
Mit dem Jusstudium schien die Schuld gegenüber dem Elternhaus
abgetragen. Kafka hörte lediglich die vorgeschriebenen Vorlesungen und
promovierte nach der geforderten Mindestzahl von acht Semestern. Durch seinen
Schulfreund Pribam (dessen Vater der
„Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt“ angehörte, deren
Beamter Kafka später wurde) wird er auch in jene führende Klasse von
Industriemagnaten, Professoren und Hochadel eingeführt, die ihm sonst
verschlossen geblieben wäre. In den Semesterferien fährt Kafka
regelmäßig in die Provinz (häufig zu Verwandten), nach Liboch
oder Strakonitz, meistens aber nach Triesch, einem kleinen Ort in Mähren,
wo sein Onkel Siegfried (den er bis an sein Lebensende verehrte und dessen
Meinungen und Welt er in der Erzählung Ein Landarzt andeutet) als
Landarzt lebte.
Während des Semesters besucht er regelmäßig die
Aufführungen des Tschechischen oder Deutschen Theaters, ebenso die von der
„Lese- und Redehalle deutscher Studenten“ veranstalteten
Vorträge und Dichterlesungen. Hier lernt Kafka Max Brod kennen, der im
Oktober 1902 über Schopenhauer sprach und dabei Nietzsche als
„Schwindler“ bezeichnete. „Nach diesem Vortrag“,
berichtet Brod, „begleitete mich Kafka, der um ein Jahr Ältere, nach
Hause. Er pflegte an allen Sitzungen teilzunehmen, doch hatten wir einander bis
dahin kaum beachtet. Es wäre auch schwer gewesen, ihn zu bemerken, der so
selten das Wort ergriff und dessen äußeres Wesen überhaupt eine
tiefe Unauffälligkeit war.... Damals aber war er aufgeschlossener als
sonst, ....“ 15
Kafkas Neigung für Nietzsche und seine Nietzsche-Lektüre gehen
auf Oskar Pollak und besonders den „Kunstwart“ zurück. Diese
von Nietzsche mitbegründete Halbmonatsschrift, die Kafka bereits im letzten
Gymnasialjahr abonnierte, hatte besonders auf die Jugend einen
außerordentlichen Einfluß. Das „Kunstwart“-Erlebnis
machte Kafka gegenüber allen von außen angebotenen
„Lösungen“ nach vorsichtiger, die Umwelt wird noch
sorgfältiger geprüft. Als knapp Zwanzigjähriger spricht er mit
erschütternder Selbstverständlichkeit von einem gefrorenen Meer in uns
, wenn auch gleichzeitig von der Axt, die es spalten soll. Es ist der Wunsch
nach einem empfindlicheren Gewissen und größerer Klarheit, der jetzt
nach dem „Kunstwart“-Dunst um so entschiedener durchdringt. Die
Situation, in der zwischen den Dingen willkürlich Bezüge gesetzt
werden, ist der des Traumes ähnlich, und die einzige Tagebuchnotiz, in der
Kafka von dieser Entscheidung in seiner Jugend spricht, beschreibt
sie:
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Ich saß einmal vor vielen Jahren, gewiß traurig genug, auf
der Lehne des Laurenziberges. Ich prüfte die Wünsche, die ich für
das Leben hatte. Als wichtigster oder als reizvollster ergab sich der Wunsch,
eine Ansicht des Lebens zu gewinnen, in der das Leben zwar sein natürliches
schweres Steigen und Fallen bewahre, aber gleichzeitig mit nicht minderer
Deutlichkeit als ein Nichts, als ein Traum, als ein Schweben erkannt werde.
Vielleicht ein schöner Wunsch, wenn ich ihn richtig gewünscht
hätte. Etwa als Wunsch, einen Tisch mit peinlich ordent-licher
Handwerksmäßigkeit zusammenzu-hämmern und dabei gleichzeitig
nichts zu tun, und zwar nicht so, daß man sagen könnte: „Ihm
ist das Hämmern ein Nichts“, sondern „Ihm ist das Hämmern
ein wirkliches Hämmern und gleichzeitig auch ein Nichts“,
wodurch
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Der Student
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ja das Hämmern noch kühner, noch entschlossener, noch
wirklicher und, wenn du willst, noch irrsinniger geworden wäre. Aber er
konnte gar nicht so wünschen, denn sein Wunsch war kein Wunsch, es war nur
eine Verteidigung, eine Verbürgerlichung des Nichts, ein Hauch von
Munterkeit, den er dem Nichts geben wollte, in das er zwar damals kaum die
ersten bewußten Schritte tat, das er aber schon als sein Element
fühlte. Es war damals eine Art Abschied, den er von der Scheinwelt der
Jugend nahm, sie hatte ihn übrigens niemals unmittelbar getäuscht,
sondern nur durch die Reden aller Autoritäten ringsherum täuschen
lassen. So hatte sich die Notwendigkeit des „Wunsches“
ergeben. 16
Der Wunsch, eine Ansicht des Lebens zu gewinnen, die es gleichzeitig als
ein Traum, als ein Schweben erscheinen lasse, ist in der Tat der Abschied von
der Scheinwelt der Jugend. Wie schon die Lösung vom „Kunstwart“
zeigt, entwickelte sich in diesen Jahren bei Kafka die Schärfe und
Unerbittlichkeit des Urteils, die von nun an bestehen bleibt.
Unsicherheit und Selbstanalyse, Urteilsmagie und Fremdheit der Dinge,
Staunen, scheue Distanz und Sehnsucht nach Freundschaft - dies war die Welt des
jungen Jurastudenten, und die Umwelt, wenn sie auch nur als Negativ erscheint,
war entschieden daran beteiligt.
Das Studium der Rechte, das Kafka auf sich genommen hatte, bedeutete
besonders in den letzten Semestern eine Qual. Den Anstrengungen dieses
Paukbetriebes war er kaum gewachsen: Anfang Juli 1905 fährt Kafka in ein
Sanatorium in Zuckmantel, einem kleinen, von Wäldern und Seen umgebenen
Ort. Genau zehn Jahre später schreibt er an Max Brod: Im Grunde war ich
noch niemals mit einer Frau vertraut, wenn ich zwei Fälle ausnehme, jenen
in Zuckmantel (aber dort war sie eine Frau und ich ein Junge) und jenen in Riva.
17
Beide Begegnungen ereigneten sich fern von Prag, über beide hat Kafka
strenges Stillschweigen bewahrt.
Nach der Rückkehr nach Prag begannen jene schrecklichen Monate vor der
mündlichen Prüfung zur Erlangung des Doktorgrades, in denen Kafka sich
unter reichlicher Mitnahme der Nerven förmlich von Holzmehl
nährte. Das Protokoll der Prüfung vermerkt ein knappes, „mit
drei von fünf Stimmen für genügend erklärtes“
Bestanden, und auch der Prüfling gab zu, daß es sehr lustig, wenn
auch nicht kenntnisreich gewesen sei. 18 Am 18.
Juni 1906 wurde Kafka zum Doktor der Rechte promoviert.
2.3 Die
Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt
Im Oktober 1907, ein Jahr nach der Promotion und wenige Tage nach der
endgültigen Berufsentscheidung, schreibt der vierundzwanzigjährige
Franz Kafka:
Mein Leben ist jetzt ganz ungeordnet. Ich habe allerdings einen Posten
mit winzigen 80 Kronen Gehalt und unermeßlichen 8-9 Arbeitsstunden, aber
die Stunden außerhalb des Bureaus fresse ich wie ein wildes Tier.
....Über die Arbeit klage ich nicht so, wie über die Faulheit der
sumpfigen Zeit. Die Bureauzeit nämlich läßt sich nicht
zerteilen, noch in der letzten halben Stunde spürt man den Druck der 8
Stunden wie in der ersten. Es ist oft wie bei einer Eisenbahnfahrt durch Nacht
und Tag, wenn man schließlich, ganz furchtsam geworden, weder an die
Arbeit der Maschine des Zugführers, noch an das hügelige oder flache
Land mehr denkt, sondern alle Wirkung nur de Uhr zuschreibt, die man immer vor
sich in der Handfläche hält .... Alle Menschen, die einen
ähnlichen Beruf haben, sind so. Das Sprungbrett ihrer Lustigkeit ist die
letzte Arbeitsminute. ....Aber es ist nicht nur Faulheit, auch Furcht,
allgemeine Furcht vor dem Schreiben, dieser entsetzlichen Beschäftigung,
die jetzt entbehren zu müssen mein ganzes Unglück ist.
19
Kafka arbeitete bei der „Assicurazioni-Generali“, einer
privaten Versicherungsgesellschaft mit besonders strengen Arbeitsvorschriften.
Nach dem Scheitern der Freundschaft mit Oskar Pollak, übernahm in den
ersten Berufsjahren in immer stärkerem Maße Max Brod die Aufgabe des
Fensters der Freundschaft. Durch ihn lernte Kafka die nähere
Umgebung Prags kennen, die Ferienreisen nach Oberitalien, Weimar, Paris oder in
die Schweiz unternahmen sie gemeinsam. Brod führte Kafka in das Prager
Literatenleben ein. Er machte ihn mit dem Philosophen und Zionisten Felix
Weltsch und dem blinden Schriftsteller Oskar Baum bekannt, welche bis zu seinem
Lebensende Kafkas Freunde blieben.
Während des anstrengenden Dienstes in der „Assicurazioni
Generali“ setzte das Schreiben vollständig aus. Dies war auch der
Grund für Kafkas Bemühungen um eine andere Stellung, die bereits
wenige Monate nach dem Eintritt beginnen. Nach einem Dreivierteljahr
verläßt Kafka die „Generali“ und tritt zwei Wochen
später, im August 1908, in die „Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt
für das Königreich Böhmen“ ein , in der er bis zu seiner
Pensionierung (1922) arbeitet. Die Arbeitsbedingungen waren hier wesentlich
günstiger, vor allem dauerten die Bürostunden nur bis zwei Uhr
nachmittags. Vorerst wurde Kafka als „Aushilfsbeamter“ angestellt,
ab 1910 als „Concipist“ im Beamtenverhältnis. Kafkas
„Dienst-Tabelle“ vermerkt dann, daß er 1913 zum
„Vizesekretär“, 1920 zum „Anstaltssekretär“
und 1922 zum „Obersekretär“ ernannt wurde. Kurz darauf, am 1.
Juli 1922, folgte die vorzeitige Pensionierung. Bei den Beamten der Anstalt,
überwiegend Tschechen, war Kafka - das „Amtskind“ - sehr
beliebt, „er hatte überhaupt keinen Feind“.
Kafka besuchte um 1918 regelmäßig die Vorträge und Abende
im Hause Fanta, die die betreibsame Apothekersgattin Berta Fanta veranstaltete
und zu denen sie die führenden Intellektuellen Prags einlud: den
Mathematiker Kowalewski, den Physiker Frank, den Philosophen Ehrenfels und den
jungen Albert Einstein. Kafka hörte hier Referate über die
Relativitätstheorie, die Plancksche Quantentheorie und die Grundlagen der
Psychoanalyse. Er lernte also, kurz vor der Niederschrift seiner Hauptwerke, die
bedeutendsten Fragestellungen des neuen Zeitalters kennen.
Kafka beschäftigte sich neuerlich mit den religiösen Problemen.
Kafka fand seine Neigung für die „lebendigere“ Religion der
Ostjuden, mit der er zum erstenmal in den Jahren 1910 und 1911 durch Gastspiele
einer jidischen Schauspieltruppe aus Lemberg in Berührung kommt, die das
offiziöse Prager Judentum selbstverständlich nicht zur Kenntnis nahm.
Die Schauspieler wurden als Hungerleider, Herumfahrende, Mitjuden
verachtet 20 , die jidischen Theaterstücke
galten als Schmiere, das Lokal als zweifelhaft. Kafka besuchte
regelmäßig die Aufführungen und befreundete sich, sehr zum
Ärger seines Vaters, mit einem der Schauspieler, Jizchak Löwy, und
korrespondierte in den nächsten Jahren mit ihm.
3 Die Entstehung seiner wichtigsten Werke
1912 ist die Vereinsamung, Versteinerung, abgeschlossen und kaum mehr von
außen beeinflußbar. In einer Rezension der Zeitschrift
„Hyperion“, die ihr Erscheinen eingestellt hatte (in ihr waren auch
die ersten Arbeiten Kafkas erschienen), schreibt Kafka:
Diejenigen, welche ihre Natur von der Gemeinschaft fernhält ....
brauchen auch keine Verteidigung, denn das Unverständnis kann sie nicht
treffen, weil sie dunkel sind, und die Liebe findet sie überall; sie
brauchen auch keine Kräftigung, denn, wenn sie wahrhaftig bleiben wollen,
können sie nur von sich selbst zehren, so daß man ihnen nicht helfen
kann, ohne ihnen vorher zu schaden. 21
Durch die Kräftekonzentration entstehen im Herbst dieses Jahres die
ersten Hauptwerke: der größte Teil des Romans Der Verschollene
(Amerika) und die beiden „Geschichten“ Das Urteil und
Die Verwandlung. Zuerst wurde in der Nacht vom 22. auf den 23. September,
Das Urteil niedergeschrieben. Unmittelbar darauf trägt Kafka ins
Tagebuch ein: Die fürchterliche Anstrengung und Freude, wie sich die
Geschichte vor mir entwickelte, wie ich in einem Gewässer vorwärtskam.
Mehrmals in dieser Nacht trug ich mein Gewicht auf dem Rücken.....
22 Der Verschollene wird nur noch
langsam fortgeführt und einen Monat später - bis Herbst 1914 - liegen
gelassen. Auch die beiden späteren Versuche in der großen epischen
Form, Der Prozeß und Das Schloß, blieben
Fragment.
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F., Felice Bauer (seine spätere Verlobte), lernte Kafka am 13. August
1912 bei Max Brod kennen. Ende Oktober beginnt eine über Jahre (bis 1917)
dauernde Korrespondenz. Kafka löst jedoch die drei Verlobungen (1914, 1917,
1919) wieder auf, ebenso die Verbindungen mit G.W. (1913), Grete Bloch (ab 1914)
und Milena (ab 1920), nur die letzte mit Dora Diamant, ein halbes Jahr vor
seinem Tode, war von einer gewissen Euphorie überstrahlt. Diese
Heiratsversuche und Freundschaften zu Frauen standen allerdings noch unter einer
zusätzlichen Belastung - den zweifelhaften Auffassungen von
Sexualität., Ehe und Moral der Gesellschaft vor dem Ersten Weltkrieg, die
auch Kafkas Vater teilte. Dieselbe sexuelle Etikette, die die
Bürgertöchter dem Virginitätsideal unterwarf, verpflichtete die
Bürgersöhne zu Kenntnissen und Erfahrungen, die sie infolgedessen nur
im Bordell erwerben konnten. So gab es in Prag auch zahlreiche Bordelle, und
einige genossen unter den Rouès und Literaten hohes Ansehen. Kafkas
Begegnungen mit Huren unterschieden sich von denen seiner Zeitgenossen. Auch sie
waren verborgene Gemeinschaftssehnsucht. Die wenigen Be-ziehungen zu solchen
Frauen hat Kafka später
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Kafka mit Felice Bauer,
kurz nach der zweiten Verlobung
(1917)
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als unrein angesehen. Um so bezeichnender, daß fast nur dieses Bild
der Frau in den großen Romanen erscheint, schon im Verschollenen
als Brunelda, als aufgedunsener Fleischkoloß, besonders in den beiden
späteren Romanen, unter den zweideutigen Namen Fräulein
Bürstner oder den Dienstmädchen Leni und Frieda, als Waschweiber,
als ausgehaltene Geliebte von Advokaten, Kastellanen und Beamten.
3.1 „Die Söhne“- Drei
Geschichten
Kafka entwickelte eine editorische Idee, die er seinem Verleger am 11.
April 1913 in einem Brief vortrug. „Mir liegt eben an der Einheit der drei
Geschichten nicht weniger als an der Einheit einer von ihnen“, denn:
„es besteht zwischen ihnen eine offenbare und noch mehr eine geheime
Verbindung, auf deren Darstellung durch Zusammenfassung in einem etwa „Die
Söhne“ betitelten Buch ich nicht verzichten möchte.“ Alle
1912 entstandenen Geschichten bezeichnen den vergeblichen Kampf der Söhne
gegen den Väter.
3.1.1 „Das Urteil“
Es ist ein Sonntagvormittag im schönsten Frühjahr. Georg
Bendemann, ein junger Kaufmann. Er hat gerade einen Brief an seinen sich im
Ausland befindenden Jugendfreund beendet, und sieht aus dem Fenster. Er denkt
über seinen Freund nach, der sich schon vor Jahren nach Rußland
förmlich geflüchtet hat. Nun betreibt er ein Geschäft in
Petersburg, das anfangs sich sehr gut angelassen hat, seit langem aber schon zu
stocken scheint. Man sollte ihm vielleicht raten, wieder nach Hause zu kommen,
aber das bedeutet, daß man ihm gleichzeitig, je schonender, desto
kränkender, sagt, daß seine bisherigen Versuche mißlungen sind.
Unter den gegebenen Umständen ist es vielleicht doch besser, er bleibt in
der Fremde, so wie er ist.
Georg hat seinem Freund in allen seinen Briefen nur über belanglose
Dinge geschrieben. Weder den Aufstieg des Geschäftes, das er gemeinsam mit
dem Vater führt, noch seine Verlobung und baldige Heirat, hat er ihm
mitgeteilt. Aus Rücksicht auf seine Gefühle. Seine Verlobte, das
Fräulein Frieda Brandfeld, will den Freund in der Ferne aber gerne
kennenlernen und die Hochzeit bietet sich als Anlaß an. Nach kurzem
Überlegen entschließt sich Georg doch, dem Freund von der Hochzeit zu
schreiben und ihn zu einem Besuch einzuladen. „So bin ich und so hat er
mich hinzunehmen“, sagte er sich.
Er steckt den Brief in die Tasche und geht in das Zimmer des Vaters. Selbst
an diesem sonnigen Vormittag ist es in dem Zimmer dunkel. Der Vater
begrüßt ihn freundlich und Georg erzählt von dem Brief und
der Einladung an seinen Freund in Petersburg. Daraufhin stellt der Vater die
Existenz des Freundes in Rußland in Frage, und bezichtigt Georg ein
Spaßmacher zu sein, der sich auch ihm gegenüber nicht
zurückhalten kann. Georg versucht ihn zu beruhigen und überredet ihn,
sich niederzulegen. Er entkleidet den Vater und trägt ihn zu seinem Bett.
Doch nachdem er den Vater zugedeckt hat, schleudert der Vater die Decke von sich
und sitzt aufrecht im Bett. Er beginnt von dem Freund in Rußland als einen
Sohn nach seinem Geschmack zu erzählen und beschuldigt Georg in
unterkriegen zu wollen, weil er eine Frau heiraten will, mit der er nur zusammen
ist, weil sie „die Röcke gehoben“ hat.
Der Freund sei nun doch nicht verraten, da er ihm über alle
Neuigkeiten genauestens geschrieben hat. Die Briefe Georgs zerreiße er
ungelesen in der linken Hand. Er wisse alles tausendmal besser als Georg. Der
Vater verurteilt ihn als teuflischen Menschen und läßt ihn wissen,
daß er ihn zum Tode des Ertrinkens verurteilt.
Georg fühlt sich aus dem Zimmer gejagt und läuft zum Fluß.
Er schwingt sich über das Geländer, hält sich aber noch kurz fest
und sagt: „ Liebe Eltern, ich habe euch doch immer geliebt“. Dann
läßt er los und fällt in den Tod.
Interpretation
In dieser Geschichte stehen sich Vater und Sohn wie zwei Duellanten
gegenüber. Der Sohn scheint der Überlegene zu sein. Er hat den alten,
verwitweten Vater praktisch entmachtet, er hat die Leitung des Geschäftes
übernommen und Erfolg gehabt. Er hat sich verlobt, bereitet sich also
darauf vor, sich auch im privaten Bereich die Rolle eines Familienoberhauptes
anzueignen. Georg Mendemanns Illusionen werden zerstört. Sein Vater erweist
sich als immer noch „zu stark“ für ihn, er ist „immer
noch ein Riese“. Als einen solchen Riesen hat Kafka sich oft den eigenen
Vater vorgestellt.
Die Geste des Hochhebens und Tragens kommt auch in Das Urteil vor.
Nur ist es hier der Sohn, der sie ausführt und den anderen in das Bett
hineinträgt, so wie man es mit einem kranken Kind macht. Gerade auf dem
scheinbaren Höhepunkt seines Triumphes angelangt, wird der Sohn mit einigen
wenigen Schlägen vernichtet. Er wird angeklagt und kann sich mit Worten
nicht verteidigen. Auch hier führt ein Linie zu Kafkas Erlebnissen mit dem
eigenen Vater zurück: „Die Unmöglichkeit des ruhigen Verkehrs
hatte noch eine weitere eigentlich sehr natürliche Folge: ich verlernte das
Reden. Ich wäre ja wohl auch sonst kein großer Redner geworden, aber
die gewöhnlich fließende menschliche Sprache hätte ich doch
beherrscht. Du hast mir aber schon früh das Wort verboten. Deine Drohung:
„kein Wort der Widerrede!“ und die dazu erhobene Hand begleitete
mich seit jeher.“ 22
Der leibliche Sohn wird verdammt. Georg Bendemann vollzieht das Urteil an
sich selbst, er ist zu schwach, um dem Spruch des Vaters zu widerstehen. Er ist
nicht wirklich schuldig, aber in ihm ist Schuldbewußtsein erzeugt
worden.
3.1.2 „Der Heizer“
Als der sechzehnjährige Karl Roßmann, der von seinen armen
Eltern nach Amerika geschickt wird, weil ihn ein Dienstmädchen
verführt und ein Kind von ihm bekommen hat, in den Hafen von New York
einfährt, erblickt er die schon längst beobachtete Statue der
Freiheitsgöttin. Während Karl die Statue fasziniert betrachtet, macht
in ein junger Mann, mit dem er während der Fahrt flüchtig bekannt
geworden ist, darauf aufmerksam, daß alle Passagiere das Schiff verlassen.
Karl beobachtet die aussteigenden Leute und merkt bestürzt, daß er
seinen Regenschirm unten im Schiff vergessen hat. Er bittet den jungen Mann auf
seinen Koffer aufzupassen, und eilt davon.
Sein Weg führt ihn durch eine Unzahl kleiner Räume, über
kurze Treppen, durch fortwährend abbiegende Korridore, bis er sich
tatsächlich ganz und gar verirrt hat. In seiner Ratlosigkeit klopft er an
eine kleine Tür, und es ruft von innen „Es ist ja offen“. Karl
tritt vorsichtig in den kleinen Raum ein. Es ist das Zimmer des Schiffsheizers,
der seine Sachen packt um von Bord zu gehen. Dieser erzählt ihm von der
ungerechten Behandlung durch seinen Vorgesetzten, einem Rumänen namens
Schubal, der seine Arbeit nicht zu schätzen weiß. Karl will dem
Heizer helfen, und schlägt vor mit dem Kapitän des Schiffes zu reden.
Dieser Vorschlag wird allerdings als eher lächerlich abgetan. Der Heizer
macht sich zusammen mit Karl auf den Weg zum Kassaraum. Er klopft respektvoll an
die Türe an und fordert, als man „herein“ ruft, Karl auf, ohne
Furcht einzutreten. Von den drei Fenstern des Zimmers sieht man große
Schiffe gegenseitig ihre Wege kreuzen.
An einem runden Tisch sitzen drei Herren, der eine ein Schiffsoffizier in
blauer Schiffsuniform, die zwei anderen, Beamte der Hafenbehörde, in
schwarzen, amerikanischen Uniformen. Am Fenster sitzt an einem Schreibtisch ein
kleiner Herr, der mit großen Folianten hantiert. In der Nähe des
dritten Fensters stehen zwei Herren in halblautem Gespräch. Einer
trägt auch die Schiffsuniform, derjenige, mit dem er spricht, ist in Zivil
und hat ein dünnes Bambusstöckchen.
Der Heizer bittet um ein Gespräch mit dem Herrn Oberkassier, wird aber
darauf aufmerksam gemacht das seine Anwesenheit hier nicht erwünscht ist.
Da läuft Karl quer durchs Zimmer bis zum Tisch des Oberkassiers und zieht
so die Aufmerksamkeit aller auf sich. Er berichtet von der ungerechten
Behandlung die dem Heizer durch Schubal widerfahren ist und erlangt damit das
Interesse des Kapitäns, dem in Schiffsuniform gekleideten Mann in der
Nähe des Fensters. Der Heizer trägt seine Klagen dem Kapitän vor,
allerdings in einer so wirren und ungeordneten Weise, daß ein Zuhörer
nach dem Anderen das Interesse verliert und den Heizer als lästige
Störung empfindet. Karl fällt dem Heizer ins Wort um seinen
Redeschwall zu unterbrechen. Inzwischen hat Schubal von dem Vorfall erfahren und
betritt den Raum um sich zu verteidigen. Er wird aber davon abgehalten, da der
Mann mit dem Bambusstöckchen Karl nach seinem Namen fragt. Es stellt sich
heraus des es sich um Karls Onkel handelt, eine wohlhabenden,
einflußreichen Senator. Er hat von dem Dienstmädchen, welches ein
Kind von Karl bekam, einen Brief mit genauer Beschreibung Karls
bekommen.
Karl sieht keine Möglichkeit mehr dem Heizer zu helfen, und der Onkel
bewegt ihn, das Schiff zu verlassen, da sie schon viel zu lange die wertvolle
Zeit des Kapitäns in Anspruch genommen haben. Karl muß sich vom
Heizer verabschieden und verläßt traurig das Schiff um mit dem Onkel
an Land zu gehen.
Interpretation
Karl scheint gut gerüstet zu sein, im mythischen Land der unbegrenzten
Möglichkeiten ein neues Leben zu beginnen. Aber „schuldlos“
bedeutet auch so viel wie naiv und unerfahren. Wegen eines vergleichsweise
wertlosen Regenschirms, gibt er seinen Koffer preis, der seine ganze materielle
Habe enthält. Er verirrt sich in dem riesigen Schiff, so wie sich im
Märchen ein Kind im Wald verläuft. Er muß bei einem Erwachsenen
Hilfe suchen. Dieser, der Heizer, ist ein „riesiger Mann“, der das
Kind sofort ins Bett beordert. Aber Karl besteht die Kraftprobe gegen diese
Vaterfigur, denn angesichts seiner Vorgesetzten wird der Heizer selber zum Kind,
das sich nicht verteidigen kann, weil es nicht gut genug reden kann. Für
einen kurzen Augenblick werden die Rollen vertauscht. Der Heizer wird zu Karls
Schützling. Der Onkel ist es dann, der diesen Emanzipationsversuch zu
nichte macht. Karls Rede verwirrt sich, als er den ihm noch unbekannten Mann das
erste Mal sieht. Als er dann die Aner-kennung ausgesprochen hat, „Du bist
mein Onkel“, wird ihm sofort alles genommen, was er besitzt: seine
Freiheit und der Freund. Am Ende der Geschichte verläßt Karl weinend
wie ein kleiner Junge an der Hand des Onkels das Schiff. Auch diese Geschichte
endet also mit der Niederlage des Sohnes.
3.1.3 „Die
Verwandlung“
Gregor ist Reisender und erhält mit seinem Lohn seine Eltern und
seine Schwester. Er rechnet damit, das jeden Moment ein Beauftragter seiner
Firma auftauchen könnte. Seine Eltern klopfen an seine Tür und wollen
sich nach ihm erkundigen, doch Gregor bringt nur noch tierisch verzerrte Laute
heraus, was er selber aber noch nicht merkt. Der Prokurist der Firma trifft ein
und droht Gregor ihn zu entlassen, wenn dieser nicht Augenblicklich aus seinem
Zimmer herauskäme. Gregor gelingt es durch heftiges schaukeln aus dem Bett
zu fallen und auf die Tür zuzukriechen. Durch seine klebrigen Ballen
gelingt es ihm, sich an der Tür aufzurichten und mit seinem Kiefer den
Schlüssel umzudrehen.
Der Prokurist erblickt Gregor zuerst. Kurz aufschreiend wendet er sein
Gesicht ab und flüchtet Richtung Haustür. Gregor versteht das alles
nicht. Er verspricht dem Prokuristen sich sofort anzuziehen und den
nächsten Zug zu nehmen. Doch der Prokurist, der die Haustür bereits
erreicht hat, starrt ihn nur fassungslos an und läuft schließlich auf
die Straße hinaus. Gregors Mutter weicht entsetzt in die Küche aus
und der Vater versucht Gregor mit einem Stock in sein Zimmer zu treiben. Doch
Gregor hat noch keine Übung im Rückwärtsgehen, also versucht er
sich umzudrehen. Der Vater dirigiert Gregors Drehbewegung mit seinem Stock und
als Gregor endlich bei seiner Zimmertür angelangt ist, gibt ihm der Vater
einen Tritt, sodaß er durch die Tür in sein Zimmer fliegt.
Die Zimmertüre wird von außen verschlossen und Gregor
verkriecht sich leicht verletzt unter dem Kanapee, wo er auch die Nacht
verbringt. Am nächsten Morgen betritt seine Schwester als Erste sein
Zimmer. Ohne Gregor anzusehen, der fast völlig von dem Kanapee verdeckt
wird, bringt sie ihm verschiedene Speisen herein. Altes, halbverfaultes
Gemüse, Knochen vom Nachtmahl her, ein Paar Rosinen und Mandeln, einen
Käse, den Gregor vor zwei Tagen für ungenießbar erklärt hat
und ein paar Brote. Als seine Schwester aus dem Zimmer ist krabbelt er sofort zu
dem Käse und beginnt gierig daran zu saugen. Auch das Gemüse schmeckt
ihm. Die frischen Speisen dagegen rührt er nicht an. Nach der ausgiebigen
Mahlzeit liegt er faul am Boden herum, doch als er die Schritte seiner Schwester
hört, krabbelt er schnell unter das Kanapee. Seine Schwester kehrt mit
einem Besen alle Speisereste zusammen und wirft sie in einen Kübel. So
bekommt Gregor nun jeden Tag zweimal sein Essen.
Nach einigen Tagen, das ewige liegen nicht mehr ertragend, nimmt Gregor
zur Zerstreuung die Gewohnheit an, kreuz und quer über Wände und
Plafond zu kriechen. Die Schwester bemerkt sofort die neue Unterhaltung, die
Gregor für sich gefunden hat. Sie schlägt ihrer Mutter vor, die
Möbel aus Gregors Zimmer zu schaffen, damit er mehr Platz zum Kriechen hat.
Am nächsten Tag machen sie sich daran den großen Kasten aus dem
Zimmer zu tragen. Gregor liegt wieder unter dem Kanapee und sieht der Umsiedlung
seiner Möbel zu. Doch mehr als den Kasten will er nicht aus dem Zimmer
haben. Er will nicht das alles menschliche aus seinem Zimmer getragen wird, denn
er hat noch immer Hoffnung sich wieder Rückzuverwandeln.
Gregor kriecht unter dem Kanapee hervor und die Wand bis zu einem Bild
hoch. Dieses umklammert er. Als seine Mutter und seine Schwester wieder das
Zimmer betreten, sehen sie Gregor an der Wand hängen. Die Mutter wird auf
der Stelle ohnmächtig und die Schwester beginnt mit Gregor zu schimpfen.
Die Schwester bringt die Mutter in die Küche wo sie mit Riechsalz versucht
die Mutter wieder aufzuwecken. Auch Gregor hat sein Zimmer verlassen um seiner
Schwester zu helfen, doch er kann nur hilflos zusehen. Plötzlich kommt sein
Vater bei der Haustüre herein und als er bemerkt was passiert ist beginnt
er Gregor durch das Wohnzimmer zu jagen. Obst nach Gregor werfend läuft er
im Zimmer herum. Einige Äpfel streifen Gregors Rücken, doch einer
dringt dagegen förmlich in Gregors Rücken ein und er verliert sein
Bewußtsein.
An der Verletzung leidet Gregor über einen Monat, da ihm niemand den
Apfel entfernt und dieser als Andenken im Fleisch sitzenbleibt. Gregor wird
immer schwächer da er keine Nahrung mehr zu sich nimmt und kann sich am
Ende kaum noch auf den Beinchen halten. Für seine Familie wird Gregor zu
einem immer größeren Problem, da es durch ihn nicht möglich ist
Untermieter aufzunehmen. Sie überlegen sich wie sie ihn loswerden
könnten. Doch eines Morgens findet die Haushälterin Gregor tot im
Zimmer. Mit den Worten "Seht nur, es ist krepiert; da liegt er, ganz und gar
krepiert" teilt sie der Familie Gregors Tot mit. Nachdem sie den Leichnam aus
dem Haus transportiert haben machen sie einen Ausflug ins Grüne und planen
ihre Zukunft neu.
Interpretation
Die Verwandlung ist das Resultat einer Krise, die Arbeit an dem mit
großen Hoffnungen begonnenen Roman schritt nicht mehr voran, der Konflikt
mit der Familie hatte sich zugespitzt. Auch dieser Text ist ein Versuch, sich
zur Wehr zu setzen, ein Versuch, der wesentlich aggressiver ausfällt als
alle vorangegangenen. Wenige Tage bevor er mit der Arbeit an der Geschichte
begann, berichtete Kafka Felice über sein Verhältnis zu seiner
Familie: er nennt seine jüngste Schwester, Ottla, seine „beste Prager
Freundin“, erwähnt auch die beiden anderen Schwestern als
„teilnehmend und gut“, um dann mit der Bemerkung zu schließen:
„Nur der Vater und ich, wir hassen uns tapfer“.
23
Etwas von diesem „Haß“ ist in der Erzählung
spürbar. Die Andersartigkeit des Sohnes ist über Nacht deutlich zu
tage getreten: er hat sich in ein ungeheures Ungeziefer, in einen Parasiten
verwandelt. Gregor Samsa liegt zur Untätigkeit verdammt in seinem Zimmer.
Seine Rolle ist die eines Beobachters. Er prüft die Familie, prüft, ob
sie es dazu bringen, ihn in seiner Andersartigkeit zu tolerieren und zu
akzeptieren.
Kafka hat für die Niederschrift dieser Geschichte ein eigenes Heft
benutzt, in das er auch später keine anderen Texte mehr eintrug. Die
Erzählung hat den Charakter einer Anklageschrift. Der schreibende Sohn, den
der Vater in die Rolle eines erfolgreichen Geschäftsmanns drängen
will, bekennt sich dazu, daß er einen anderen Sinn im Leben
sieht.
Die Familie ist nicht dazu bereit, den Parasiten Gregor zu dulden. Der
Vater benimmt sich von allem Anfang an feindselig, fügt dem Sohn
schließlich sogar eine lebensgefährliche Verletzung zu. Die Mutter
setzt Gregor immer wieder den Angriffen des Vaters aus. Die Schwester, auf die
Gregor die größten Hoffnungen setzt, versucht ihm zunächst zu
helfen, läßt ihn aber im Stich, als ihre eigene Existenz durch ihn
bedroht wird. Sie ist es sogar, die am Ende die Initiative ergreift und
beschließt, daß jenes ekelhafte „es“ endlich „weg
muß“, sie spricht also den Urteilsspruch aus.
3.2 „Der
Proceß“
Josef K. wacht eines Morgens auf und wartet darauf, daß ihm die
Köchin der Frau Grubach sein Frühstück ans Bett bringt. Doch
anstatt des Mädchens tritt ein fremder Mann ein, der alle Fragen Ks
über seinen Erscheinungsgrund übergeht. K betritt das Nebenzimmer, wo
drei weitere Herren auf ihn warten. Sie erklären K. für verhaftet.
Über den Grund der Verhaftung können sie keine Auskunft geben und
drängen K. darauf, wieder zurück in sein Zimmer zu gehen, sich
ordentlich anzuziehen und auf ihren Vorgesetzten zu warten. K. muß
nachgeben und zieht sich in sein Zimmer zurück bis die Ankunft des
Vorgesetzten gemeldet wird.
Er wird von zwei Wächtern aus seinem Zimmer in ein für ein
Verhör vorbereitetes Zimmer gebracht, wo er sich zu einem kleinen Tisch
setzt. Auch der Vorgesetzte kann K. über den Grund der Verhaftung keine
Auskunft geben, teilt ihm aber mit das ein Proceß gegen ihn läuft.
Die Herren verabschieden sich und verlassen die Wohnung. K. kann darf sich frei
bewegen obwohl er verhaftet wurde, er muß sich aber um seinen Proceß
kümmern.
Den Proceß nicht sehr ernst nehmend, führt K. sein Leben als
Angestellter einer Bank fort bis er einen Anruf erhält, das er sich beim
Gericht einzufinden hat. Die Adresse des Gerichts führt ihn in ein
verwahrlostes Viertel. Mit Mühe findet er den Gerichtssaal in einem
heruntergekommenen Haus, in einer für den Proceß hergerichteten
Wohnung. K. erscheint das Auftreten des Gerichts als lächerlich und
fühlt sich überlegen, was er auch in einer Rede an den Richter und die
vielen anderen Beamten des Gerichts ausdrückt. Dir Türe des
Gerichtszimmers zuschlagend verläßt er die Verhandlung, ihn der er
auch nicht den Anklagepunkte seines Processes erfahren hat.
Nach einer Woche begibt sich K. wieder zu dem Gerichtszimmer, findet es
aber leer vor. Er trifft einen Gerichtsdiener, der ihm anbietet, ihn durch die
Verwaltungsräume des Gerichts zu führen. K. folgt ihm eine Treppe
hinauf zum Dachboden des Hauses, in dem sich die Zimmer der Gerichtsbeamten
befinden. Entlang der Gänge sitzen andere Angeklagte, die auf die
Erledigung eines ihrer Anträge warten. Eingeschüchtert, starr und
ruhig warten sie. Manche kommen schon seit vielen Jahren hierher. K. beginnt
sich ernste Sorgen um seinen Proceß zu machen.
Ks Onkel kommt zu Besuch. Er hat von seinem Proceß erfahren und
bringt ihn zu einem alten Freund der Familie, dem Advokaten Dr. Huld. Dieser
verspricht, sich für K. einzusetzen und seine Beziehungen zu den Beamten
des Gerichts spielen zu lassen, denn nur damit sei ein Proceß zu gewinnen.
Monate vergehen und K. wird es leid die ewigen Vertröstungen und
Selbstverherlichungen des Advokaten anzuhören. Nach Ks Meinung bringt der
Advokat den Proceß nicht in Gang, es geschieht nichts. So beschließt
er, seinen Advokaten zu entlassen und selbst für den Fortgang seines
Processes zu sorgen. Der Advokat teilt K. aber noch mit, das es um seinen
Proceß nicht gut steht.
Aufgrund eines Kundentreffens begibt sich K. in den Dom, wo ihn ein
Geistlicher in ein Gespräch verwickelt. Er erzählt ihm die Geschichte
des Torhüters, der das Tor des Gesetzes bewacht und niemandem Eintritt
gewähren darf.
Eines Tages, es ist K. Geburtstag, kommen zwei dicke, schwarz gekleidete
Männer in Ks Zimmer und nehmen ihn mit. Sie gehen gemeinsam aus der Stadt
zu einem alten Steinbruch. Dort erfährt K. den Ausgang seines Processes. Er
wird hingerichtet.
Interpretation
Der Roman ist als eine Art Strafphantasie zu sehen: Am Vorabend seines
einunddreißigsten Geburtstages wird Josef K. umgebracht, am Vorabend
seines einunddreißigsten Geburtstages entschließt sich Kafka, nach
Berlin zu fahren, um das Verlöbnis mit Felice zu lösen. Der
Prozeß ist sehr deutlich auf die Erzählung vom Torhüter hin
gearbeitet. Es ist nicht nur eine der berühmtesten Erzählungen Kafkas,
sondern sie war dem Autor auch eine der liebsten.
Alles das Gericht betreffende ist von den üblichen Normen abweichend,
scheint keinen Sinn zu ergeben und verworren zu sein. Die überfallsartige
Verhaftung ohne K. jedoch in Gewahrsam zu nehmen, die Verhandlung in einer
umgebauten Wohnung an einem Sonntag Morgen. Allem diesen versucht sich K.
entgegenzustellen und mit seiner Redekunst und Handlungsweise das Gericht zu
entmächtigen, ins Lächerliche zu ziehen. Doch der komplizierte Apparat
ist mächtiger und toleriert Ks Verhalten nur in eingeschränktem
Maß. Schließlich muß K einsehen, daß es keinen Sinn hat
sich zu wehren, doch es ist zu spät für ihn. Wehrlos und den Tod schon
faßt erflehend wird er von den Dienern des Gerichts
getötet.
4 Der Tod Franz Kafkas
Die letzte Phase verbrachte Kafka zusammen mit Dora Diamant. Sie mieteten
eine Wohnung in Steglitz, und in den ersten Monaten ist Kafka sehr
glücklich. Er hatte endlich, gegen alle Widerstände, den Wegzug von
Prag durchgesetzt, unvermutet besitzt er einen eigenen „Hausstand“.
Seinem Freund Felix Weltsch beschreibt er die neue Umgebung: ....meine Gasse
ist etwa die letzte halb städtische, hinter ihr löst sich das Land in
Gärten und Villen auf, alle üppige Gärten. An lauen Abenden ist
ein so starker Duft, wie ich ihn von anderswoher kaum kenne. Dann ist da noch
der große Botanische Garten, eine Viertelstunde von mir, und der Wald, wo
ich allerdings noch nicht war, keine volle halbe Stunde. Die Einfassung des
kleinen Auswanderers ist also schön. 24
Nach sechs Wochen hatte er umziehen müssen, in der ersten Wohnung
gefiel der Wirtin der etwas zweifelhafte „Hausstand“ wohl nicht.
Hatte Kafka Brod bei einem seiner ersten Besuche noch gesagt: Ich bin den
Dämonen entwischt, diese Übersiedlung nach Berlin war großartig,
jetzt suchen sie mich, finden mich aber nicht, wenigstens vorläufig
nicht. 25
Wenige Wochen nach dem Umzug schreibt Kafka in seinem letzten Brief an
Milena.... die alten Leiden haben mich auch hier aufgefunden, angefallen und
ein wenig niedergeworfen 26 Die Tuberkulose
schritt in den folgenden Monaten rasch fort, besonders durch die schlechte
Ernährung. Im Januar 1924 heißt es in einem Brief an Max Brod:
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Wäre das Wesen nur nicht so hinfällig, man könnte ja die
Erscheinung fast aufzeichnen: links stützt ihn etwa Dora; rechts etwa jener
Mann; den Nacken könnte ihm z.B. irgendein „Gekritzel“ steifen,
wenn jetzt nur noch der Boden unter ihm gefestigt wäre, der Abgrund vor ihm
zugeschüttet, die Geier um seinen Kopf verjagt, der Sturm über ihm
besänftigt, wenn das alles geschehen würde, nun, dann ginge es ja ein
wenig. 27
Anfang März 1924 verschlimmert sich der Zustand so stark, daß
Onkel Siegfried und Max Brod nach Berlin kommen und Kafka nach Prag bringen; die
Tuberkulose hatte auch seinen Kehlkopf ergriffen, eine Heilung war
ausgeschlossen. Anfang April wird Kafka in das Sanatorium Wiener Wald gebracht,
von dort in die Universitätsklinik in Wien, Ende April in das Sanatorium
Dr. Hoffmann in Kierling bei Klosterneuburg. Dora Diamant ist Tag und Nacht bei
Kafka. Der lebenslange Freund Max Brod besucht ihn noch einmal. Am 3. Juni 1924,
einen Monat vor seinem einundvierzigsten Geburtstag, stirbt Franz Kafka und wird
in Prag beigesetzt, in der Stadt, die er haßte und liebte, die er immer
verlassen wollte aber die ihn doch festhielt.
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Das letzte Bild (Berlin
1923/24)
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Die
Todesanzeige
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5 Zeittafel
1883 Franz Kafka wird am 3. Juli als erstes Kind des Kaufmanns Herrmann
Kafka und seiner Frau Julie, geb. Löwy in Prag geboren.
1889-1901 Besuch der Volksschule am Fleischmarkt, ab 1893 des
Altstädter Deutschen Gymnasiums. Im Sommer 1901 Abitur.
1901-1906 Studium an der Deutschen Universität in Prag; zunächst
Besuch von Veranstaltungen in Chemie, Germanistik und Kunstgeschichte, dann
Entscheidung für das Jura-Studium.
1902 Im Oktober erste Begegnung mit Max Brod.
1904 Beginn der Arbeit an der ersten Fassung von „Beschreibung
eines Kampfes“.
1906 Im Juni Promotion zum Doktor der Rechte.
1906-1907 Rechtspraktikum am Landes- und am Strafgericht.
1907 Beginn der Arbeit an der ersten Fassung von
„Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande“.
1907-1908 Anstellung bei der Versicherungsgesellschaft Assicurazioni
Generali in Prag.
1908 Im März erste Veröffentlichung: In der Zweimonatsschrift
„Hyperion“ erscheinen kleine Prosastücke unter dem Titel
„Betrachtung“; am 30. Juli Eintritt in die
Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich
Böhmen in Prag.
1909 Im Frühsommer Beginn der Eintragungen ins erste Tagebuchheft;
im September Reise mit Max und Otto Brod nach Norditalien; es entsteht der
kurz darauf in der Prager Tageszeitung „Bohemia“ publizierte
Bericht „Die Aeroplane in Brescia“; im Herbst Arbeit an der
zweiten Fassung von „Beschreibung eines Kampfes“.
1910 Ende März erscheint eine Auswahl kürzerer Prosatexte unter
dem Titel „Betrachtungen“ in der „Bohemia“; im
Oktober Reise mit Max und Otto Brod nach Paris
1911 Im Sommer Reise mit Max Brod in die Schweiz, nach Norditalien und
Paris; Ende September Aufenthalt im Sanatorium Erlenbach bei Zürich;
Begegnung mit einer mehrere Monate in Prag gastierenden jidischen
Schauspieltruppe.
1912 Im Sommer Reise mit Max Brod nach Leipzig und Weimar,
anschließend Aufenthalt im Naturheilsanatorium Jungborn bei
Stapelburg im Harz; im August erste Begegnung mit der Berlinerin Felice
Bauer in Prag, im September Beginn der Korrespondenz mit ihr; es entstehen
u.a. die Erzählungen „Das Urteil“ und „Die
Verwandlung“, und Kafka beginnt mit der Niederschrift des Romans
„Der Verschollene“; unter dem Titel „Betrachtung“
erscheint im Dezember Kafkas erstes Buch.
1913 Reger Briefwechsel mit Felice Bauer; Ende Mai erscheint „Der
Heizer“. Ein Fragment im Kurt Wolff Verlag in der Buchreihe „Der
jüngste Tag“, im Juni „Das Urteil“ im Jahrbuch
„Arkadia“; im September Reise nach Wien, Venedig und
Riva.
1914 Am 1. Juni offizielle Verlobung mit Felice Bauer in Berlin, am 12.
Juli Entlobung; im Juli Reise über Lübeck nach Marielyst; Anfang
August Beginn der Niederschrift des Romans „Der Proceß“;
während der damit einsetzenden Schaffensphase entsteht u.a. die
Erzählung „In der Strafkolonie“.
1915 Im Januar erste Begegnung mit Felice Bauer nach der Entlobung;
„Die Verwandlung“ erscheint im Oktoberheft der Zeitschrift
„Die Weißen Blätter“; Carl Sterheim gibt die
Preissumme des ihm verliehenen Fontane-Preises „als Zeichen seiner
Anerkennung“ an Kafka weiter
1916 Erneute engere Beziehung zu Felice Bauer, im Juli gemeinsamer
Urlaub im Marienbad; Beginn der Aufzeichnungen in Oktavheften; in der
Buchreihe „Der jüngste Tag“ des Kurt Wolff Verlags erscheint im
November „Das Urteil“.
1916-1917 Viele kurze Texte entstehen in Kafkas Arbeitsdomizil in der
Alchimistengasse auf dem Hradschin.
1917 Zweite Verlobung mit Felice Bauer im Juli; im August erste
Anzeichen einer Lungenerkrankung, am 4. September Diagnose einer
Lungentuberkulose; im Dezember Lösung der zweiten Verlobung
1917-1918 Genesungsurlaub im nordböhmischen Zürau auf einem von
Ottla Kafka bewirtschafteten Bauernhof; Entstehung vieler
Aphorismen.
1919 „In der Strafkolonie“ erscheint im Mai bei Kurt Wolff,
im Sommer Verlobung mit Julie Whoryzek; im November entsteht der „Brief
an den Vater“.
1920 Im April Genesungsurlaub in Meran; Beginn des Briefwechsels mit
Milena Jesenkà; im Mai erscheint bei Kurt Wolff der Band „Ein
Landarzt. Kleine Erzählungen“; im Juli Lösung des
Verlöbnisses mit Julie Whoryzek.
1920-1921 Kuraufenthalt in Matliary in der Hohen Tatra (von Mitte Dezember
1920 bis August 1921)
1922 Von Ende Januar bis Mitte Februar Aufenthalt in Spindelmühle im
Riesengebirge, Beginn der Niederschrift des Romans „Das
Schloß“; außerdem entsteht u.a. „Ein
Hungerkünstler“; am 1. Juli wird Kafka pensioniert; von Ende Juni
bis September Aufenthalt in Planà an der Luschnitz
(Böhmerwald).
1923 Im Juli erste Begegnung mit Dora Diamant in Müritz an der
Ostsee; im September Übersiedlung von Prag nach Berlin,
Lebensgemeinschaft mit Dora Diamant; es entsteht u.a. der Text
„Eine kleine Frau“.
1924 Verschlechterung des Gesundheitszustandes; im März
Rückkehr nach Prag; „Josefine, die Sängerin oder Das Volk der
Mäuse“ entsteht; im April Aufenthalt im Sanatorium Wiener Wald in
Ortmann (Niederösterreich), später in der Klinik von Prof. Hajek
in Wien, schließlich Sanatorium Dr. Hugo Hoffmann in Kierling bei
Wien; Kafka beginnt mit der Satzkorrektur seines Bandes „Ein
Hungerkünstler“; am 3. Juni stirbt Franz Kafka; er wird am 11.
Juni auf dem jüdischen Friedhof in Prag-Straschnitz bestattet
6 Literaturverzeichnis
- Franz Kafka, „Der Proceß“,
Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, November 1994, Textgrundlage: Kritische Ausgabe
von Malcom Pasley, S. Fischer Verlag, 1990
- Franz Kafka, „Die Söhne“,
Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, August 1989,
Originalausgabe,
13. - 14. Tausend: November 1993
Sekundärliteratur:
- Klaus Wagenbach, „Kafka“, Rowohlt
Taschenbuch Verlag GmbH, Oktober 1964, 25. Auflage, 276. - 283. Tausend: Januar
1994
- Erläuterungen und Dokumente, „Franz
Kafka - Die Verwandlung“, Reclam
7 Anmerkungen
|
1
|
|
Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande und andere Prosa aus dem
Nachlaß S.192
|
|
2
|
|
Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande und andere Prosa aus dem
Nachlaß S.164
|
|
3
|
|
Briefe an Milena S.64 f
|
|
4
|
|
Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande und andere Prosa aus dem
Nachlaß S.172, S.186
|
|
5
|
|
Briefe an Felice S. 509
|
|
6
|
|
Briefe 1902-1924 S. 347
|
|
7
|
|
Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande und andere Prosa aus dem
Nachlaß S. 191
|
|
8
|
|
Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande und andere Prosa aus dem
Nachlaß S. 166
|
|
9
|
|
Tagebücher 1910-1923 S. 224
|
|
10
|
|
Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande und andere Prosa aus dem
Nachlaß S. 198
|
|
11
|
|
Tagebücher 1910-1923 S. 222
|
|
12
|
|
Klaus Wagenbach, Franz Kafka. Eine Biographie seiner Jugend. 1883-1912.
Bern 1958. S. 268f
|
|
13
|
|
Briefe 1902-1924 S. 20
|
|
14
|
|
Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande und andere Prosa aus dem
Nachlaß S. 207
|
|
15
|
|
Max Brod, Franz Kafka. Eine Biograpghie. Dritte, erweiterte Auflage.
Frankfurt am Main 1954 S. 57
|
|
16
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Beschreibung eines Kampfes. Novellen, Skizzen, Aphorismen aus dem
Nachlaß S.293 f
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17
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Briefe 1902-1924 S.139
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18
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Briefe 1902-1924 S.33
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19
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Briefe 1902-1924 S.48 f
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20
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Tagebücher 1910-1923 S.127
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21
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Erzählungen S.317
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Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande und andere Prosa aus dem
Nachlaß S.175
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23
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Briefe an Felice S.87
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24
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Briefe 1902-1924 S.451
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Max Brod, Franz Kafka. Eine Biograpghie. Dritte, erweiterte Auflage.
Frankfurt am Main 1954 S.241
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Briefe an Milena S.270
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27
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Briefe 1902-1924 S.472 f
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Die Verweise bei Kafka-Zitaten beziehen sich auf die bei Schocken und S.
Fischer erschienene Ausgabe (Gesammelte Werke, Frankfurt am Main 1950f). Bei
Zitaten aus nicht publizierten Briefen werden Adressat und Datum
angegeben.
8 Erstausgaben der
Einzelwerke
- Betrachtung. Leipzig (Ernst Rowohlt) 1913 [ersch.
1912]
- Der Heizer. Leipzig (Kurt Wolff) 1913
- Die Verwandlung. Leipzig (Kurt Wolff) 1915
- Das Urteil. Leipzig (Kurt Wolff) 1916
- In der Strafkolonie. Leipzig (Kurt Wolff)
1919
- Ein Landarzt. Kleine Erzählungen.
München, Leipzig (Kurt Wolff) 1919
- Ein Hungerkünstler. Vier Geschichten. Berlin
(Verlag Die Schmiede) 1924
- Der Prozeß. Roman. Hg. von Max Brod.
Berlin (Verlag Die Schmiede) 1925
- Das Schloß. Roman. Hg. von Max Brod.
München (Kurt Wolff) 1926
- Amerika. Roman. Hg. von Max Brod. München
(Kurt Wolff) 1927
- Beim Bau der chinesischen Mauer. Ungedruckte
Erzählungen und Prosa aus dem Nachlaß. Hg. von Max Brod. Potsdam
(Gustav Kiepenheuer) 1931
- Vor dem Gesetz. Zusammengestellt von Heinz
Politzer. Berlin (Schocken) 1935
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