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Vergangenheitsbewältigung - Literatur
Vergangenheitsbewältigung - Auseinandersetzung mit dem
2. Weltkrieg und seinen Folgen
Mein Referatsthema heißt „Vergangenheitsbewältigung -
Auseinandersetzung mit dem 2. Weltkrieg und seinen Folgen“, und um dieses
genau zu behandeln, habe ich vier Bücher gewählt, die ich einzeln
behandeln werde.
Es sei nur kurz vorweggenommen, daß es in allen Büchern um einen
Außenseiter geht, der sich bemüht, der eine mehr, der andere weniger,
ein normales Leben zu führen, daß die anderen nicht zulassen.
Ich werde ebenso kurz die Autoren vorstellen, damit man besser versteht,
warum sie diese Bücher geschrieben haben. Sie alle haben schlechte
Erfahrungen mit dem Krieg gemacht.
Das erste Buch, daß ich behandle ist von Wolfgang Borchert der
1921 geboren wurde und heißt „Draußen vor der
Tür“, mit dem Untertitel „Ein Stück, das kein Theater
spielen und kein Publikum sehen will“.
Kurz zum Autor selbst:
Borchert ist im Krieg schwer verwundet worden und wurde deshalb vom
Kriegsdienst befreit. Wegen gegen die Regierung gerichtete Äußerungen
wurde er eingekerkert, zum Tode verurteilt und als Begnadigung an die Ostfront
geschickt, dort wieder vom Kriegsdienst befreit und trotz allem ist er mit nur
26 Jahren gestorben.
Das Buch:
Es geht um das Schicksal eines Kriegsheimkehrers namens Beckmann. Nach drei
Jahren sibirischer Gefangenschaft kommt er nach Hause, und stürzt sich in
die Elbe, weil ihn seine Frau betrogen hat. Die Elbe will ihn aber nicht, wirft
ihn ans Ufer zurück, wo eine Witwe sich seiner an nimmt obwohl er grotesk
aussieht. Er trägt eine Gasmaskenbrille und hat ein steifes Knie. Er bleibt
aber nicht lange bei dem Mädchen, weil ihn der Schatten ihres verstorbenen
Mannes verfolgt. Da sucht er den Oberst auf der ihn in den verhaßten Krieg
geschickt hat, aber dieser lacht ihn nur aus. Er versucht es bei einem Kabarett
mit einer ernsten Nummer über den Krieg, hat aber keinen Erfolg, da niemand
etwas über die Wahrheit wissen will. Die Wohnung seiner verstorbenen Eltern
bleibt ihm verschlossen. Das einzige, das ihn am Leben erhält, ist der
Andere. Der Andere ist eine Art lebensbejahendes optimistisches Ego, daß
ihn immer wieder aufrichtet. Man könnte ihn auch als „inneren
Schweinehund“ bezeichnen, eine innere Stimme. Beckmann erkennt in einem
Traum, daß er kein Recht hat Selbstmord zu begehen, sondern daß er
so weiterleben muß wie er ist.
Deutung, Interpretation:
Möglicherweise will der Autor sein Schicksal erzählen. Er selbst
wurde verletzt, verstoßen und blieb immer vor verschlossenen Türen.
Das Schicksal eines Außenseiters ist hart. Er kämpft immer auf
verlorenem Posten, er hat immer alle bis auf ein, vielleicht zwei vertraute,
gegen sich. Borchert möchte uns auch sagen, daß es keinen Sinn hat
sich das Leben zu nehmen, wenn man anders aussieht, wenn man sich anders
verhält, vielleicht auch wenn man ganz normal ist, sich aber ständig
verfolgt, verraten, ausgenutzt oder allein fühlt. Diese
Außenseiterrolle wird man auch nicht mehr los, wenn man sie lange genug
innehat. Er will uns zu verstehen geben, daß Außenseiter unter
Verfolgungswahn leiden, sich gar nicht mehr eingliedern können, selbst wenn
sie die Chance dazu haben, weil sie diese einfach nicht wahrnehmen sondern sich
einbilden, daß es nur ein Traum ist, der wie eine Seifenblase zerplatzt.
Gegenwartsbezug:
Ich denke, daß auch heute noch viele vor verschlossenen Türen
stehen, daß sie sich nirgends zugehörig fühlen. Wer einmal ein
wirklich schlechtes Erlebnis mit der „Gesellschaft“ gemacht hat, und
nicht darüber hinwegkommt, wird immer mit einem gewissen Abstand dieser
„Gesellschaft“ gegenüberstehen, und sich möglicherweise
selbst ausgrenzen.
Das zweite Buch heißt „Die Blechtrommel“ von
Günter Grass der 1927 geboren wurde.
Der Autor:
Er stammt aus einer deutsch-polnischen Familie die es im Krieg nicht gerade
einfach hatte.
Zum Inhalt:
Oskar ist ein Körperbehinderter junger Mann, der von einer
Irrenanstalt aus sein Leben erzählt. Er ist kleinwüchsig und hat die
Begabung mit seiner Stimme Glas zu zersingen. Außerdem ist eine
Blechtrommel, die er an seinem dritten Geburtstag bekommen hat sein
Markenzeichen. Er geht nirgends ohne diese Trommel hin, läßt sie nie
aus den Augen und wird im lauf der zeit ein richtiger Profi im Blechtrommeln.
Seine Mutter hat einen Mann namens Matzerath geheiratet, den sie vom ersten Tag
an mit Jan Bronski betrügt. Auch wenn alle meinen, der kleine Oskar bekommt
nichts mit erkennt er deren Verhältnis ganz genau. An seinem dritten
Geburtstag stürzt er sich durch die von seinem Vater offen gelassene
Kellertür hinunter. Von da an wächst er nicht mehr. Seine Eltern
zerkriegen sich immer mehr, bis sich seine Mutter schließlich das Leben
nimmt. Bei der Befreiung durch die Besatzungsmächte stirbt sein Vater, der
inzwischen Oskars Möchtegernfreundin geheiratet hat. Diese so zu seiner
Stiefmutter gewordene ist die einzige, die ihn regelmäßig im
Irrenhaus besucht.
Deutung, Interpretation:
Grass möchte damit zeigen, daß es im 2. Weltkrieg nicht, oder
nur sehr schwer möglich war, internationale Beziehungen aufrecht zu
erhalten. Oskars Mutter war deutsche, während ihr Liebhaber polnischer
Abstammung war. Auch Günter Grass Eltern waren deutsch-polnisch, was mich
vermuten läßt, daß er die damit entstanden Probleme mit in
dieses Buch eingebaut hat. Ich denke, daß er aber auch die Probleme die
sich ergeben wenn man behindert ist, publizieren wollte. Er spricht die Probleme
eines Außenseiters an, der nichts dafür kann, daß er behindert
ist. Je mehr man sich in die Rolle des Außenseiters hineinversetzt, desto
weniger Chancen bestehen, wieder herauszukommen. Er möchte auch
verdeutlichen, daß Menschen die anders sind, auffallen wollen, akzeptiert
werden wollen und nach Anerkennung streben. Sich bemerkbar machen und nicht als
nichts den keiner kennt oder jemals wahrgenommen hat sterben. Grass möchte
damit sagen, daß Körperbehinderte es nicht einfach haben und im 2.
Weltkrieg erst recht nicht, daß es aber doch Lebenskünstler gibt, die
jede für sie noch so schwierige Situation meistern können.
Gegenwartsbezug:
Mir fällt nur soviel ein, daß es auch heute noch Behinderte
gibt, die mit ihrer Situation nicht fertig werden, und deshalb anderen, sprich
nichtbehinderten, Unheil zufügen wollen. Das sind aber die Ausnahmen, und
ich möchte auch dazu sagen, daß ich keinen bösartigen
Behinderten kenne, dafür aber einige gesunde, die ganz schöne
„Viecher“ sind.
Das Nächste Buch heißt „Die größere
Hoffnung“ und ist von der 1921 geborenen Ilse Aichinger
geschrieben worden.
Die Autorin:
Auch sie erlitt ein schweres Kriegsschicksal. Ihre Mutter war Jüdin
und als Ärztin bei der Stadt angestellt, allerdings nur bis Hitler in
Österreich einmarschierte. Die Großmutter und die jüngeren
Geschwister wurden deportiert und ermordet.
Nun zum Buch:
Die Hauptdarstellerin, Ellen, hat eine jüdische Mutter und einen
arischen Vater der für das NS-Regime arbeitet. Ihre Mutter ist emigriert.
Ellen kommt zu ihrer Großmutter, die schließlich Selbstmord begeht,
um nicht deportiert zu werden. Ellens gesamter Freundeskreis besteht aus
jüdischen Kindern ihres alters. Deren einzige Schuld besteht darin, als
Juden geboren worden zu sein. Da sie aber nur mit ihren Freunden spielt, stellt
sie sich automatisch auf die Seite der Verfolgten, der Verlierer. Da ihr
Lebensraum, ihr Freiraum immer enger und knapper wird, beginnt sie von der
Flucht ins Heilige Land zu träumen. Nicht nur Leid und Schmerz, sondern
auch Erwachsene die am Regime zu zweifeln beginnen lehren sie, den Tod nicht
mehr zu fürchten, sondern sogar herbeizuwünschen. Von einer Granate
zerrissen, stirbt Ellen in der Überzeugung, daß das wahre Leben nun
für sie beginnen wird.
Deutung, Interpretation:
Auch hier gibt es wieder Parallelen zwischen dem Leben der Autorin und der
Hauptdarstellerin. Der Außenseiter um den es diesmal geht ist nicht einer,
sondern ein ganzes Volk; die Juden. Sie wurden von einem Verrückten und
Millionen von Anhängern zu Außenseitern gemacht. In Wirklichkeit aber
ist Ellen gar keine von diesen, sie macht sich zu eine von ihnen und erleidet
dadurch deren Schicksal, wenn auch nicht in der selben Form. Ich glaube,
daß die Autorin damit sagen wollte, daß man nicht unbedingt als
Außenseiter geboren sein muß, es ist gar nicht schwer sich ins
Abseits zu stellen, als Angriffspunkt für andere. Viele werden eben auch
aus Solidarität zum Außenseiter, obwohl sie vielleicht nur helfen
wollen, oder wie Ellen eben alle Freunde Außenseiter sind. Es gibt viele
die später in ihrem Leben zum Außenseiter werden weil sie anders
denken, handeln oder fühlen als der Großteil der Anderen.
Gegenwartsbezug:
Auch heute gibt es Menschen, die nicht ein, noch aus wissen, und ganz
verzweifelt sind. Sie stützen sich auf Hoffnungen die es nicht gibt, die
sich erfinden um überhaupt noch einen Sinn im Leben zu sehen. Sie klammern
sich an einem Strohhalm fest, um nicht in ihrem Frust unterzugehen.
Mein letztes Buch heißt „Abschied von Sidonie“ und
ist von dem 1954 geborenen Erich Hackl geschrieben worden.
Zum Autor:
Da gibt es nicht viel zu sagen. Er lebt noch und ist Lehrer, Journalist und
Schriftsteller in Wien.
Zum Buch:
In diesem Buch geht es um Zigeuner. Diese hatten im zweiten Weltkrieg eine
ähnliche Rolle wie die Juden. Eine Zigeunermutter legt ihr kleines
neugeborenes Kind mit einem Begleitschreiben vor die Pforte eines Krankenhauses.
Sidonie, so heißt die kleine, wird adoptiert und von der Familie als
eigene Tochter aufgenommen, die Nachbarn, deren Kinder und überhaupt alle
anderen aber stehen Sidonie skeptisch gegenüber, da sie aufgrund ihrer
dunkleren Hautfarbe leicht zu identifizieren ist. Ihr Ziehvater ist der
Anführer Aufständischer gegen das NS-Regime und von daher vorbelastet.
Schließlich wird ihnen Schritt für Schritt das Kind, welches die
Nachbarn mittlerweile auch schon liebgewonnen haben genommen. Als die
Zigeunersmutter gefunden wurde ist das Kind schon etliche Jahre alt, wußte
aber von ihrer Adoption und davon, daß sie jetzt zu ihrer leiblichen
Mutter sollte. Sie war die einzige die sich darauf freute.
Deutung, Interpretation:
Ich denke daß dieses Buch einen unheimlichen Bezug zur Gegenwart hat.
Ich glaube, daß es nicht, daß es geschrieben wurde, um an den Krieg
zu erinnern, sondern um darauf aufmerksam zu machen, daß heute noch die
selbe Situation herrscht. Wir werden sicher nie verstehen, warum es auch heute
noch Menschen gibt, die anderen gern ein Leid zufügen, obwohl diese ihnen
nichts getan haben.
Gegenwartsbezug:
Vermutlich hat Hackl den Roman geschrieben, weil er auf das Schicksal der
Sinti und Roma aufmerksam machen wollte. Weil er nicht zusehen will das diese
Volksgruppe auch heute noch so diskriminiert wird wie vor 50 Jahren im 2.
Weltkrieg. Weil er nicht will, daß sich das Geschehen von vor 50 Jahren
wiederholt, daß unschuldige sterben müssen, für die Ansichten
von ein paar Verrückten.
Allgemeine Interpretation:
Ich habe beim Lesen das Gefühl gehabt, daß sich alle vier
Autoren ihren Lebenslauf, möglicherweise leicht abgewandelt, von der Seele
geschrieben haben, um einerseits auf die vielen Tausenden Schicksale die in
Vergessenheit geraten sind aufmerksam zu machen und andererseits um den Stoff zu
liefern den man braucht um die Vergangenheit nicht zu verdrängen sondern zu
bewältigen, in welcher Form auch immer. Die Bücher sind teilweise
recht impulsiv, mitreißend, aber auf jeden Fall zum Nachdenken
geschrieben. Sie wollen auch darauf aufmerksam machen, daß die Menschen
ihren Mitmenschen soviel Leid und Schmerz zufügen, und da meine ich jetzt
nicht nur physische Schmerzen, sondern auch psychologische, wozu niemand
berechtigt ist.
Mein Thema hätte lauten sollen wie werden Außenseiter im zweiten
Weltkrieg mit ihrer Rolle fertig. Ich bin zu dem Schluß gekommen,
daß es so viele Außenseiter gibt, daß es vermutlich mehr
Außenseiter gibt als Insider, und daß die Autoren darauf aufmerksam
machen wollen, daß die kleine Gruppe der nicht Außenseiter das Sagen
hat.
Abschließend möchte ich noch sagen: Jeder ist irgendwo,
irgendwie ein Außenseiter.
Danke für eure Aufmerksamkeit.
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